Latest / ntv Wirtschaft / Länger arbeiten, mehr zahlen: Wie viel Reform hält Deutschland aus?
Transcript
- 0:02Deutschland steht unter Reformdruck. Doch wie reformfähig ist das Land wirklich?
- 0:06Versicherte müssen die Zusatzbeiträge ihrer Krankenkasse künftig genauer selbst im Blick behalten.
- 0:12Und der chinesische Roboterhersteller Unitree legt einen rasanten Börsenstart hin.
- 0:17In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:21die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:27Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:31Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:35geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:38Deutschland braucht dringend Reformen, etwa bei der Rente, im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft.
- 0:44Doch viele Maßnahmen treffen direkt unseren Alltag. Dazu zählen zum Beispiel
- 0:49Forderungen, länger zu arbeiten.
- 0:51Auch Leistungen sollen umgebaut werden.
- 0:54Wie reformfähig sind Politik und Bevölkerung? Unsere Wirtschaftskorrespondentin
- 0:59Nadine Janz hat darüber mit drei Experten gesprochen.
- 1:02Bei mir sind heute drei Gäste und die wissen ganz genau, wie Reformen funktionieren.
- 1:07Einmal Jörg Rochol, Ökonom und Mitglied der Rentenkommission,
- 1:10die die aktuellen Vorschläge zur Reform der Rente erarbeitet hat.
- 1:14Dann auch Ulla Schmidt, sie war Gesundheitsministerin in der Regierung Schröder.
- 1:18Eine der großen Reformphasen der vergangenen Jahrzehnte hat sie direkt miterlebt und mitgestaltet.
- 1:25Und Herr Rürup, der die damalige Bundesregierung unter Schröder als Vorsitzender
- 1:29des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beraten hat.
- 1:34Herr Ruchol, ich würde direkt bei Ihnen starten.
- 1:36Wenn man sich die aktuelle Regierung anschaut, würden Sie denn sagen,
- 1:39die hat die Eigenschaften, um Reformen umzusetzen?
- 1:43Das hoffen wir natürlich. Aber das hängt jetzt natürlich vor allem von der Umsetzungsmöglichkeit
- 1:48ab, ob jetzt die Vorschläge zum Beispiel aus der Rentenkommission,
- 1:51aus der Gesundheitskommission, aus anderen Vorschlägen auch tatsächlich umgesetzt werden.
- 1:56Und man sieht ja jetzt diese Störfeuer, die teilweise durch den Wahlkampf bedingt
- 1:59sind, die teilweise auch noch versuchen, Ost-West-Konflikte aufzubauen.
- 2:04Und deshalb ist das jetzt ein entscheidender Herbst, um zu sehen,
- 2:07ob diese Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, wirklich umgesetzt werden können.
- 2:10Also man kann sagen, the proof of the pudding is in the eating. Und das ist ein Auge.
- 2:13Ich lege mal einen Schritt zurück. Welche Eigenschaften braucht man denn als
- 2:16Regierung, um Reformen durchboxen zu können?
- 2:19Das, was die damaligen Reformen, wie auch diese Reformen zeigen,
- 2:22ist ja, dass man einmal natürlich die Expertise braucht.
- 2:25Was möchte man machen? Und zum anderen braucht man die politische Durchsetzbarkeit.
- 2:28Und deshalb ist es wichtig, beide Elemente zusammenzubringen,
- 2:32zu überlegen, was ist am besten zu machen, aus ökonomischer Sicht, aus sozialer Sicht.
- 2:36Und zum anderen muss man versuchen, diejenigen dann auch hinter dieses Paket
- 2:40zu bringen, die dann am Ende für die politische Umsetzung verantwortlich sind.
- 2:44Und diese Kombination halte ich für zentral.
- 2:47Herr Rürup, wenn Sie sich die aktuelle Regierung anschauen, was könnte Sie denn
- 2:50schlauer machen, um Reformen durchzusetzen?
- 2:52Was Sie schlauer machen können, zunächst muss man mal sagen.
- 2:56Wir sind gegenwärtig in schlechten Zeiten für Reformen. Sie müssen sehen,
- 3:00eigentlich war das Rentenproblem Ende des letzten Jahrzehnts gelost.
- 3:04Und dann wurden sehr viele Maßnahmen zurückgenommen worden, die uns jetzt Probleme machen.
- 3:10Und vor allen Dingen hat die Alterung bereits eingesetzt. Das heißt,
- 3:13das Umfeld ist relativ schwer, weitreichende Reformen durchzusetzen.
- 3:18Ich wünsche es mir, ich wünsche es mir.
- 3:21Aber mein größter Wunsch wäre gewesen, wenn diese Reformkommission,
- 3:25die gut gearbeitet hat, eigentlich gar nicht erforderlich gewesen wäre.
- 3:29Nämlich sie ist das Produkt der Rücknahme der bereits durchgeführten Reformen.
- 3:34Das ist ja die Situation so, wie sie ist.
- 3:36Jetzt ist die Frage, was könnte denn die aktuelle Regierung besser machen oder anders machen?
- 3:40Oder sagen Sie genau, so ist es richtig? Nein, bis jetzt wissen wir noch nicht,
- 3:43was die Regierung macht. Sie hat sie zur Kenntnis genommen worden und erst hieß
- 3:47es, es wurde eins zu eins umgesetzt, das hat die Ministerin gesagt.
- 3:51Dann aber sind Ministerpräsidenten der CDU.
- 3:57Wir haben aufgesprungen und haben gesagt, nein, das geht so nicht.
- 4:00Und damit ist die Debatte eigentlich wieder neu eröffnet. Und genau die Reformkommission
- 4:06war ja dazu da, um diese Diskussion im Fachleutekreis zu diskutieren.
- 4:10Und jetzt ist sie wieder in der Öffentlichkeit. Und damit wird es schwierig,
- 4:14einen Konsens zu finden.
- 4:15Frau Schmidt, damals Agenda 2010 gilt ja so als das große Reformpaket.
- 4:21Würden Sie sagen, aktuell ist Deutschland überhaupt noch fähig,
- 4:23solche Reformpakete umzusetzen? Die Mehrheitsverhältnisse haben sich ja auch deutlich verändert.
- 4:27Naja, es geht nicht darum, ob Deutschland noch fähig ist. Deutschland muss fähig
- 4:31sein, wenn wir eine Zukunft machen wollen. Und ich glaube, vieles liegt daran,
- 4:36dass ich das Gefühl habe, dass die Regierung eigentlich besser kommunizieren könnte.
- 4:41Denn die Reformen wirken jetzt.
- 4:44Das heißt, Menschen haben Angst, es verschlechtert sich etwas.
- 4:47Aber im Grunde genommen, auch damals haben wir immer gesagt,
- 4:51wir müssen die harten Maßnahmen machen, damit wir dauerhaft ein gut bezahltes,
- 4:56Gesundheitssystem haben, das den Menschen eine Versorgung auf der Höhe des medizinischen
- 5:00Fortschritts anbietet. Was ja auch ist, und das ist auch bei der Rente.
- 5:03Wir brauchen jetzt die entscheidenden Schritte, damit auch meine Enkelkinder
- 5:08noch wissen, dass sie im Alter auf Rente bauen können. Und das Gespräch in voller
- 5:16Länge finden Sie auf ntv.de.
- 5:19Auch beim nächsten Thema geht es um Reformen. Genauer gesagt um die Gesundheitsreform.
- 5:24Die Krankenkassen müssen über steigende Zusatzbeiträge nicht mehr schriftlich informieren.
- 5:29Für Versicherte wird es damit schwieriger, den Überblick über Kostensteigerungen
- 5:33und Kündigungsfristen zu behalten.
- 5:35Verbraucherzentralen empfehlen daher, regelmäßig selbst zu prüfen,
- 5:39ob der Zusatzbeitrag erhöht wird.
- 5:41Zum Beispiel auf der Internetseite der Krankenkasse.
- 5:44Was Verbraucher jetzt beachten sollten, hat Sarah Oswald mit Frauke Holzmeier
- 5:48besprochen, der Leiterin der Wirtschaftsredaktion.
- 5:51Normalerweise wurden wir darüber informiert, wenn es teurer wird bei der gesetzlichen.
- 5:54Jetzt aber nicht mehr. Warum? Absolut. Dahinter steckt die Gesundheitsreform.
- 5:58Und da ist jetzt ein Inhalt von, dass man keinen Brief oder keine andere Information
- 6:02mehr darüber bekommt, wenn der sogenannte Zusatzbeitrag steigt.
- 6:06Und das ist wichtig, dass man das weiß. Denn damit ist auch das Sonderkündigungsrecht mit verbunden.
- 6:10Und die Krankenkasse muss auch nicht mehr darüber informieren,
- 6:13dass es eben günstigere Kassen gibt. Und auch nicht mehr, sie muss auch nicht
- 6:16mehr sagen, was der durchschnittliche Satz des Zusatzbeitrags aktuell ist.
- 6:20Jetzt hilf uns nochmal, was ist nochmal genau der Zusatzbeitrag?
- 6:23Ja und was es überhaupt mit den ganzen Krankenkassenbeiträgen auf sich hat.
- 6:26Also die besteht erstmal aus 14,6 Prozent. Das ist der allgemeine Beitragssatz
- 6:31und den teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer für alle, die in der gesetzlichen Krankenkasse sind.
- 6:37Und dann gibt es eben einen Zusatzbeitrag und das ist der Hebel der Krankenkassen,
- 6:40um eben ein bisschen auszugleichen, was vielleicht am Finanzloch da ist.
- 6:45Und der fällt sehr unterschiedlich aus. Und im Schnitt derzeit bei 3,13 Prozent.
- 6:50Kann ich denn wechseln, wenn der gestiegen ist?
- 6:53Ich kann auf jeden Fall wechseln. Und viele denken ja, das passiert nur zum
- 6:56Jahreswechsel. Aber die IKK-Klassik zum Beispiel hat das jetzt zum 1.8.
- 7:00Gemacht. Also das kann jede Krankenkasse für sich entscheiden.
- 7:03Der beste Weg ist tatsächlich zu sagen, ich schaue regelmäßig auf die Webseite der Krankenkasse.
- 7:09Dann gilt eben mein Sonderkündigungsrecht oder eben alternativ auch auf die
- 7:13Lohnabrechnung zu schauen. Da sieht man das auch. Also da ist ein bisschen viel.
- 7:18Eigeninitiative mal wieder gefragt von uns. Wenn dem dann der Fall ist,
- 7:21dass er steigt, was mache ich dann?
- 7:23Also wenn ich es gemerkt habe, dann gilt dieses sogenannte Sonderkündigungsrecht.
- 7:27Das haben wir auch nochmal hier zusammengestellt und da muss ich eben schnell
- 7:30sein. Das gilt für vier Wochen.
- 7:32Und deswegen, wenn ich nicht regelmäßig mal schaue, dann verstreicht diese Frist relativ schnell.
- 7:38Aber ehrlicherweise ist es auch nicht ganz so dramatisch, weil wenn ich schon
- 7:41mindestens zwölf Monate bei meinem Arbeitgeber bin, kann ich auch mit einer
- 7:45Frist von zwei Monaten raus aus meiner Krankenkasse.
- 7:48Das ist dann, glaube ich, auch noch in der Regel verschmerzbar.
- 7:51Wenn ich den Arbeitgeber gewechselt habe, gilt diese Frist sogar auch nicht.
- 7:54Dann ist es auch unkompliziert.
- 7:56Und was ich sehr praktisch finde, ist, dass man sich nur bei der neuen Krankenkasse anmelden muss.
- 8:01Und die übernimmt dann die Kündigung für einen. Also man muss das gar nicht
- 8:04selber machen, sondern man schaut einfach, welche Krankenkasse sagt mir denn
- 8:07zu und nimmt die dann. Aber da vielleicht auch noch ein Tipp,
- 8:10nicht nur auf den Zusatzbeitrag und die Kosten schauen, sondern auch noch mal
- 8:13schauen, welche Leistungen gibt es denn on top.
- 8:15Denn da unterscheiden sich die Kassen ja auch durchaus und da ist Geld nicht
- 8:18alles. Und wenn man vielleicht bestimmte Dinge hat, die einem wichtig sind,
- 8:21dann lieber da noch mal genauer vergleichen. Nochmal ein wichtiger Hinweis.
- 8:25Wie viel Geld kann denn so ein Wechsel tatsächlich bringen?
- 8:27Das kann schon ein paar hundert Euro bringen. Das hängt natürlich sehr davon
- 8:31ab, wie viel man verdient.
- 8:34Aber wer zum Beispiel ein Einkommen von 53.000 Euro hat brutto,
- 8:37kann mit einem Wechsel zur günstigsten Kasse 586 Euro im Jahr sparen.
- 8:44Es können auch mal nur 300 sein, es können aber auch 800 bis 900 Euro sein.
- 8:48Also da lohnt es sich schon mal genauer hinzugucken, würde ich sagen.
- 8:51Und jetzt wird es technisch.
- 8:53Der chinesische Roboterhersteller Unitree hat einen rasanten Börsenstart hingelegt.
- 8:58Die Aktie eröffnete an der technologielastigen Star-Börse in Shanghai mehr als
- 9:02600 Prozent über dem Ausgabepreis.
- 9:05Anschließend gab der Kurs einen Teil der Gewinne ab. Unitree stellt humanoide Roboter her.
- 9:11Erkannt wurde das Unternehmen mit vierbeinigen Roboterhunden sowie menschenähnlichen
- 9:16Robotern, die Rennen, Tanzen oder Kampfsportbewegungen zeigen.
- 9:21Aber ist die Begeisterung für das Unternehmen nur ein Hype oder steckt mehr dahinter?
- 9:26Börsenexperte Frank Mayer ordnet das ein. Erst kamen die Chips,
- 9:29dann kam KI und jetzt kommen die Roboter.
- 9:32Anders lässt sich der Börsengang von Unitree in Shanghai nicht erklären.
- 9:36Ein spektakuläres Börsendebüt mit einem Kurssprung von 600 Prozent auf den Ausgabepreis.
- 9:43Wobei die Nachfrage ja auch schon spektakulär gewesen ist. Dieser Börsengang
- 9:48war 8000-fach überzeichnet.
- 9:50Da war der neue Markt damals im Jahr 1999, 2000 irgendwie wie kalter Kaffee.
- 9:56Die Zuteilungschance lag bei mageren 0,018 Prozent.
- 10:01Das heißt, von 100.000 Interessierten haben letztlich nur 18 die Aktien bekommen.
- 10:07Also musste man dann zukaufen mit den ersten Kursen, weil das passt momentan
- 10:11zum Zeitgeist in die Mode auch mit rein.
- 10:14Chinesische Roboter sind jetzt auch in. Unitree wurde 2016 gegründet,
- 10:19ist inzwischen profitabel.
- 10:21Die haben im letzten Jahrhundert 45 Millionen Euro Umsatz gemacht und 84 Millionen Euro Gewinn.
- 10:27Und wenn man sich das KGV, das Kursgewinnverhältnis anschaut mit 219.
- 10:32Dann dauert es 219 Jahre, bis das investierte Kapital wieder zurückgeflossen ist.
- 10:37Es ist eine sehr große Wette auf die Zukunft und momentan entspricht es eben auch dem Zeitgeist.
- 10:43Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen für einen momentanen Hochpunkt in Sachen
- 10:47Euphorie, denn die Fantasie ist oft sehr, sehr groß, die Realität kommt hinterher.
- 10:52Aber im Moment steigt alles, was in dieser Phase in ist, ob Chips,
- 10:56ob KI oder jetzt auch die Roboter. Und zum Schluss noch dieses Thema.
- 11:00Erstmals seit Jahren sinken die Preise für Kfz-Versicherungen.
- 11:04Das zeigen jetzt Berechnungen des Vergleichsportals Verivox.
- 11:08Demnach ist die Kfz-Haftpflichtversicherung derzeit 3% günstiger als im Vorjahr.
- 11:15Über alle Versicherungsarten hinweg haben sich die Preise weitgehend stabilisiert.
- 11:20In den vergangenen Jahren hatten die Preise für Kfz-Versicherungen massiv zugelegt.
- 11:25Unter anderem wegen starker Kostensteigerungen bei Reparaturen.
- 11:28Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 11:33Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.