Latest / Neuro-Performance / Was tun, wenn du die Hand hebst und die Arbeit trotzdem bei dir landet?
Transcript
- Nina: Was kannst du tun, wenn du die Hand hebst und die Arbeit trotzdem bei dir landet? Als Führungskraft kennst du das. Du sagst, dass es zu viel ist und du sagst es nämlich deutlich diesmal. Und vielleicht hast du es auch schon zum dritten Mal gesagt. Und zwei Tage später liegt die Aufgabe immer noch bei dir oder vielleicht schon wieder bei dir. Hi, ich bin Nina und wir schauen uns heute an, warum genau das passiert und vor allem aber was du konkret tun kannst, das endlich zu Vielleicht kennst du das auch, die Führungskraft, die die Ansage immer wieder gerne in den Raum stellt. Sag Bescheid, wenn es zu viel wird. Schmerfach gehört. Jetzt ist es wirklich zu viel und du sagst Bescheid. Und hörst dir danach Folgendes an. Ach Nina, komm, ist jetzt grad einfach so. Du weißt ja die Sommerzeit. Alle sind irgendwie parallel, gleichzeitig, nacheinander im Urlaub. Ist ja nur eine kurze Farse und ab September wird alles besser. Vielleicht hörst du dir auch so was an wie, ach komm, dann mach doch noch schnell diese eine Auftragsklärung vor deinem Urlaub und dann gucken wir mal nach deinem Urlaub, wer dann noch das Projekt übernehmen kann. Oder vielleicht so was wie, okay, bist du sicher, dass du das nicht mehr reinbekommst vor deinem Urlaub? Kannst du vielleicht nicht doch nochmal gucken? Strukturier dich doch nochmal kurz. Schau doch nochmal, was vielleicht umorganisiert werden kann, dass du was streichst oder was verschiebst und dann sagst mir dann nochmal, wo ich dich unterstützen kann. Merkst du auch, dass diese drei Sätze ziemlich was gemeinsam haben? Keiner dieser Sätze ist ein Nein. Und keiner dieser Sätze, keiner dieser Antworten nimmt dir irgendwas ab. Keine der Aufgaben wurde abgelehnt. Es geht einfach nur darum, es bei dir zu belassen. Du darfst mal wieder eine Lösung finden. Vielleicht wurde dir auch eine Person an die Seite gestellt, die diese Aufgabe noch nie gemacht hat, die den Prozess nicht kennt und du sollst jetzt noch schnell mal eben ganz schnell vielleicht noch kurz vor deinem Urlaub einmal kurz begleiten, anleiten, wie sie das zu machen hat. Was natürlich immer okay ist, weil wenn Menschen etwas neu lernen dürfen, dann kostet es Zeit. Für dich in deiner jetzigen Situation aber gerade absolut nicht hilfreich. Und am Ende hast du mehr Arbeit als vorher. Und es hat dir überhaupt gar nichts gebracht, die Hand zu heben und zu sagen so, hey, ich brauche hier mal Unterstützung. Was lernst du daraus? Du machst es nicht noch einmal. Und stattdessen wirst du unsichtbar, auch bei voller Auslastung. Was natürlich die Gefahr mit sich trägt, dass dann irgendwann immer mehr auf deinem Tisch landert, weil deine Führungskraft nicht sieht, was bei dir alles liegt. Unschön. Warum ist das so? Reden wir über eine schlechte Führungskraft? Reden wir darüber, dass du dich nicht organisieren kannst? diese Frage beantworten zu können, dürfen wir einmal neugobiologisch in die Situation reinschauen. Zu allererstem, warum ändert sich nichts, obwohl du gesagt hast, dass gerade viel auf deinem Tisch liegt? Antwort, weil du eine Information geliefert hast. Du hast nicht irgendwie eine Entscheidung geliefert, sondern eine Information, hey, es ist zu viel, es liegt zu viel auf meinem Tisch. Ja, es ist ein Zustand. Aber dieser Zustand ist nicht entscheidbar. Es ist zu viel. Beschreibt ehrlicherweise, wie es dir geht. Und hey, ich sah es selber von meiner Führungskraft damals, gesagt, ey, es ist zu viel. Ich krieg's nicht mehr hin. Ich hab mich gefühlt wie so ein kleines dummes Mädchen, als ich da wieder rausgegangen bin, weil ich zu hören bekommen hab, ach Mädchen, Wortlaut, ach Mädchen. Nicht so geil, wenn man schon sein 30ern ist und sich anhören darf, ach Mädchen, pass doch auf dich auf. Aber das ist noch meine andere Story. Was dein Gegenüber tatsächlich tut in solchen Situationen, das hat auch meine Führungskraft damals gemacht, ist genau zwei Dinge. Entweder tröstet sie dich, ach Mädchen, oder sie relativiert es. Ist ja gerade nur eine Phase. Schau doch mal, ob ihr euch nicht anders im Team organisieren könnt. Tja, ändert aber nichts an deiner Situation. und fühlt sich noch ziemlich beschissen an, weil du rausgehst und den Fehler bei dir suchst. Zweitens, dein Gegenüber steht selbst unter Druck. Heißt, an dem Moment, in dem du dich meldest, die Hand hebst und sagst, es ist gerade wirklich viel, wir bekommens im Team nicht mehr organisiert, ich bekomme es nicht mehr organisiert, hört dein Gegenüber, damit meine ich deine Führungskraft, eine Forderung. Eine Forderung, für die sie selbst keine Lösung hat, weil sie so sehr unter Druck steht. Bedeutet... dass bei ihr die Alarmglocken angehen. Und das wiederum steckt dich dann an, weil Stress ist ansteckend. Heißt dann, dass der Möktaler, das Alarmsystem in deinem Kopf und auch in ihrem Kopf versucht schnellstmöglich eine Lösung zu finden. Und schnellstmöglich eine Lösung zu finden ist nicht immer die beste Lösung finden, sondern irgendeine Lösung finden und zwar schnell, nicht die beste. Und dann fallen so Sätze wie kurze Phase, ist doch nur eine kurze Phase. Oder vielleicht sogar so was wie, ach Mädchen, pass auf dich auf, auf dich aufpassen. Ist in dem Fall kein Desinteresse, ist ein Reflex. Ehrlicherweise war auch pups egal, weil weites doof ist für die Person, die sich das anhören muss. Und die dritte Erklärung, neurobiologisch. Wenn du eine Liste hast, mit beispielsweise zwei, drei Dingen, wo du sagst, hier müssen wir eine andere Lösung finden. weil du sie nicht mehr gesteuert bekommst. Und du aber die Liste mit einer Person diskutierst, die gerade selber unter Druck steht, die sich gerade selber unsicher fühlt, weil gerade einfach nur Ungewissheit in der Organisation herrscht. Vielleicht aber auch Ambiguität bei den Dingen, die da auf deiner Liste stehen. Dann wird diese Person diese Liste so lesen, dass alles gleich wichtig ist. Sie kann diese Dinge nicht gegeneinander abwägen, sondern alles ist gleich wichtig. bedeutet, der präfrontale Cortex, den es eigentlich bräuchte, das Denkjern, sauber zu prä resieren, strategische Entscheidungen zu treffen, ist dann nicht erreichbar. Diese Person kann einfach nicht prä resieren. Nicht weil sie nicht will, sondern rein physio logisch, schwieriges Wort, physio logisch, nervlich, könnte man schon fast sagen. hat das Gehirn in dem Moment keine Rechenkapazität, die Aufgabe zu stellen und zu sagen, was ist denn jetzt gerade wirklich wichtig? Und gibt die Aufgabe deswegen zurück. Und ich habe das auch bei vielen anderen Führungskräften erlebt. Rückblickend total interessant, dass einige Führungskräfte beispielsweise spät abends noch angerufen haben, weil sie total verunsichert waren. Gott, was mache ich denn jetzt als erstes? Und total im Alarm waren und gar nicht wussten, was denn jetzt ihre nächsten Schritte sind und wir dann am Telefon zusammen organisiert haben, strukturiert haben. Zuerst machst du eine Pause. Dann schaust du, dass du dir was zu essen besorgst. Dann nimmst du dir Papier und Stift. Dann schreibst du alle Aufgaben auf. Dann guckst du und überlegst du, was ist jetzt wirklich das, was du für morgen früh 8 Uhr brauchst? Also wirklich so Schritte. dass ich mit einzelnen Führungskräften in meiner 1 zu 1 Arbeit da so durchgegangen bin. Hört sich verrückt an, aber es ist gar nicht so verrückt, denn in dieser Situation haben wir keinen guten Zugriff auf unser Denkgehirn. Und da braucht es dann diese Anleitung Schritt für Schritt drauf zu gucken, was ist jetzt der richtige Schritt, was kann ich jetzt machen. So, jetzt haben wir bisschen Wissen darüber, warum vielleicht in solchen Situationen manchmal Antworten kommen, die uns einfach unfassbar enttäuschen, unfassbar traurig, unfassbar wütend machen oder vielleicht schon gar keine Emotionen mehr an uns hervorholen, weil wir uns schon so dran gewöhnt haben. Trotzdem löst es ja nicht das Problem, dass unfassbar viel Arbeit auf deinem Tisch liegt, auf dem Tisch deines Teams und alles gleichzeitig wichtig ist. Was kannst du also für das nächste Mal tun? Ich habe dir mal wieder eine kleine Übung mitgebracht. Der Entweder Oder Satz, den du dann anwenden kannst, bevor du in dieses Gespräch gehst. Der Entweder Oder Satz hat drei Teile und ich gehe mal beispielhaft mit der durch, damit du gut vorbereitet bist für das nächste Mal, wenn du mit deiner Führungskraft sprichst, die vielleicht gerade selbst unter Druck steht, wo du merkst, dass sie in Ungewissheit führt, dass sie vielleicht so ein kleiner Micromanager geworden ist, weil sie so sehr unter Stress steht. Damit du nicht zum Opfer ihres Stresses wirst, wende auf jeden Fall diesen Entweder-oder-Satz an. Wir fangen an mit Teil 1. Also, Teil 1, ist das? Worum geht es gerade eigentlich? Ja, also nicht der Satz, es ist gerade viel, sondern worum geht es konkret? Beispiel. Bis zum 8. Oktober liegen bei mir die Tagung, das Onboarding und die Sprachkurse. Zweiter Teil, nenne Optionen, also zwei Lösungswege. Nicht drei, nicht vier, nicht fünf, nicht sechs, wirklich nur zwei. Beispiel, entweder die Tagung läuft mit dem Konzept vom letzten Jahr, was wir einfach wieder durchführen können und somit weniger Vorbereitungszeit hätten. Oder das Onboarding startet erst im November, damit wir ausreichend Zeit haben, es gut inhaltlich vorzubereiten. Ganz einfach zwei Wege, die du vorstellst. Und Schritt drei. Deine Empfehlung mit einer Frist. Zum Beispiel, ich würde die Tagung diesmal etwas schlanker machen, vielleicht die inhaltlichen Diskussionen nicht so sehr vorbereiten, die rausstreichen und stattdessen die Zeit vor Ort nutzen, dann anhand der Themen, die wirklich Priorität haben, die Diskussion einzusteigen. Somit können wir dann die Tagung als aber auch das Onboarding beides im Oktober gewährleisten. Sag mir doch einfach bis Donnerstag kurz Bescheid, ob das auch für dich okay ist. Punkt. That's it. Nothing else. Ja, dann wartest du bis Donnerstag, kriegst ein Go. Wenn nichts kommt, die Chancen stehen immer gut, dass relativ wenig zurückkommt, ist das auch eine Antwort. Es wurde entschieden, nicht zu entscheiden. Dann entscheidest du nach deiner Empfehlung. kannst ja noch den Satz kurz per Mail rüberschreiben, wie du jetzt verfährst. Also, was du jetzt tust, war ja auch schon so angekündigt, aber du läufst jetzt nicht fünfmal noch hinterher. irgendwie eine Antwort zu bekommen. Du bleibst in der Steuerung. Circle of Control. Der beste Zustand, aus Nervensystem sichthandlungsfähig zu bleiben. Gehen wir da tiefer rein. Also aus der Übung hast du es schon rausgehört. Wir haben die Komplexität rausgenommen. Du hast nicht sechs Angebote gemacht, sondern du hast zwei Lösungswege aufgezahlt. Das Gehirn kann, wenn es unter Druck steht, nicht abwägen zwischen sechs Optionen, sondern nur zwischen zwei Optionen. Deswegen gehst du nicht mit einer fetten Liste rein, sondern bereitest deine Option vor. Hilft deinem Gegenüber auch dabei, dass der präventale CoreTex wieder online geht und die Person nicht in den Alarm-Modus abrutscht, wo dann irgendwelche Schutzmuster wie Micromanagement beispielsweise abgefahren werden oder erst gar keine Lösung gefunden werden. Und viel wichtiger für dich, durch dieses Vorgehen kann die Entscheidung nicht zu dir zurückkommen, weil du ja mit entweder oder einen ganz konkreten Rahmen schaffst. Da geht es nicht mehr darum, ich gebe das ab, sondern du bietest zwei Optionen, was du jetzt umsetzen kannst. Wichtig, immer die Frist setzen, die zeitliche Frist an der Stelle. Und dann wird plötzlich dein steuerbarer Raum viel größer. Ohne, dass irgendwas runtergefallen wäre, ohne, dass du dich noch über deine Führungskraft ärgern muss, hinterherläufst oder sonstiges. Klingt eigentlich ganz einfach. Ist ein ganz einfaches Tool, ist aber häufig in den Situationen nicht abrufbar, wenn wir unter Stress stehen, wenn unser Neocortex offline geht. Deswegen meine Empfehlung, schnapp dir ein Papier, wenn du es noch nicht gemacht hast, schreib dir die drei Schritte noch mal auf, ich wiederhole sie gleich und dann pappst du dir irgendwo hin damit sich deine neuronalen Autobahnen im Kopf immer mehr schließen können und du es in solchen Situationen abrufbar hast. Also hier nochmal die kurze Wiederholung, falls du noch nicht mitgeschrieben hast. 1, was ist es? Sag worum es geht. Schritt 2, biete zwei Lösungsoptionen, nicht drei, nicht sechs, sondern nur zwei. Und Schritt 3, gib deine Empfehlung mit und setze eine Frist. Wenn du mehr davon wissen magst, wie du durch Zeiten von Ungewissheit, Druck, Ambiguität und allen was dann noch gerade an Wahnsinn in den Organisationen herrscht, besser steuern kann, ohne der Flaschenhals zu sein und abends Nachtschichten zu machen, das irgendwie zu überstehen. Dann hast du jetzt noch die Möglichkeit, dich für meinen nächsten eurer Performance Workshop anzumelden. Den Anmeldeling findest du in den Show Notes. Ich freue mich, wenn wir uns am 1. September sehen. Wenn du nicht dabei sein kannst, trotzdem anmelden. Es gibt eine Aufzeichnung bis zum 1. September.