Latest / Augstein & Blome / Ist Ausländerfeindlichkeit jetzt wirklich regierungsfähig?
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- 0:03Lieber Kollege Augstein, nach unserem spektakulären Sonderpodcast jetzt die
- 0:08reguläre Folge mit vielen wichtigen Themen, aber einer echten Truvai, möchte ich sagen.
- 0:14Einem echten Fundstück der politischen Prosa und Begrifflichkeit.
- 0:20Ich habe nämlich schon mit Blick auf die Landtagswahlen in Berlin in 14 Tagen.
- 0:26Ich sag mal ein bisschen rumgefordert im Programm der Linken.
- 0:30Und folgenden Begriff gefunden, den kannte ich nicht. Ich schwöre bei,
- 0:34ich weiß nicht was, ich schwöre, ich kannte diesen Begriff nicht.
- 0:36Und der heißt Nützlichkeitsrassismus.
- 0:39Gegen den wendet sich die Partei Die Linke, weil sie nicht möchte,
- 0:44dass Zuwanderer nach ihrer Tauglichkeit, ihren Fähigkeiten, ihren Einsatzwillen
- 0:48auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewertet und begutachtet werden.
- 0:52Diese Form von Abwägung, wer passt zu uns und wer passt nicht so sehr zu uns
- 0:56und in unsere Wirtschaft, nennen sie Nützlichkeitsrassismus.
- 1:00Und da steckt so viel drin, darüber müssen wir nächste Woche reden,
- 1:03denn diese Woche reden wir ja im Zweifel nochmal über Sachsen-Anhalt.
- 1:08Wissen Sie, Blobe, bevor jetzt gleich das Intro kommt, möchte ich dazu nur eine Sache sagen.
- 1:13Die Linken sind mir deutlich lieber als die Rechten. Und jetzt Intro ab.
- 1:19Ja, bevor das Intro abgeht, habe ich doch noch eine winzige Einwahl.
- 1:23Wo genau liegt der Unterschied zwischen AfD sagt, alle Ausländer raus und die
- 1:29Linke in Berlin, aus was sich ihres Wahlprogramms sagt, alle Ausländer rein?
- 1:35Gut, wenn Sie den Unterschied nicht verstehen, dann müssen Sie nochmal links
- 1:38oben in der Brustgegen gucken, ob Sie ein Herz haben. Intro jetzt aber wirklich ab.
- 2:03So, lieber Kollege Augschen, fangen wir an. Put your money where your mouth
- 2:07is. Das Geld dahin, wo man auch sich selber positioniert.
- 2:12Würden Sie wetten, dass Ulrich Siegmund Ministerpräsident für die AfD in Sachsen-Anhalt
- 2:17wird, dass er diese Wahl, die es dazu ja braucht, gewinnt?
- 2:22Naja, ja, also wenn Sie mich jetzt so fragen und wetten ist ja immer mal ja
- 2:26oder nein, also ich würde das wetten ja und zwar aus ganz ganz vielen verschiedenen
- 2:31Gründen, zum Beispiel, dass er die Wahlhaushochhaus gewonnen hat,
- 2:36wäre zum Beispiel mal ein guter Grund,
- 2:38Ministerpräsident zu werden, also mit großem Abstand, ich meine,
- 2:41früher haben solche Wahlergebnisse die CSU in Bayern eingefahren,
- 2:45Ich wüsste gar nicht, welche Partei sonst in den letzten 20 Jahren solche Wahlergebnisse hatte.
- 2:51Das wäre schon mal ein Grund. Also die AfD hat gewonnen. Der andere Grund ist,
- 2:55wenn die das nicht machen, und wir werden jetzt ja sicherlich darüber reden,
- 2:59was es da so für Winkelzüge und Fragen und ich weiß nicht, Fallstrecke gibt und so.
- 3:03Aber wenn die das nicht machen, dann müssen die doch bei den nächsten Wahlen
- 3:07gar nicht mehr antreten.
- 3:08Denn die Wähler können sich doch auch sagen, okay, wir haben die jetzt schon
- 3:12mit 44 fucking Prozent praktisch ausgestattet und der regiert immer noch nicht,
- 3:18aber was wollen die denn noch?
- 3:20Oder ist es eine Strategie zu sagen, 44 Prozent reichen uns nicht,
- 3:24wir wollen 55, 60, 70 Prozent, das gesamte deutsche Volk soll sich hinter uns
- 3:30versammeln und dann werden wir gemeint.
- 3:32Und zwar wie ein Mann. Wie ein Mann, aber nur ein Mann. Frauen nicht so,
- 3:35aber wie ein Mann. Ja, das kann natürlich auch sein. Jetzt haben sie witzigerweise,
- 3:39ohne es zu merken, vielleicht ohne es zu merken.
- 3:43Ulrich Siegmund von vor der Wahl zitiert. Wo er sagte, beim Wahlkampf aufknackt,
- 3:48war ich dabei, in Magdeburg sagt er, ey Leute, ich brauche euch,
- 3:51sagt er in die Halle mit den ganzen Fähnchen. Ah, Fähnchen, Fähnchen, Fähnchen.
- 3:55Leute, ich brauche euch, ich brauche eure Hilfe. Ich will nicht 40 Prozent haben.
- 3:59Ich will auch nicht 42, 43, ich will 45 plus Prozent haben, denn ich will alleine
- 4:04regieren und ich werde nur alleine regieren.
- 4:06Gut, jetzt ist er vor die Wahl gestellt, seine Worte aufzuessen.
- 4:10Ganz schön sperrig, weil sehr schwere Worte, liegt auch ordentlich im Magen.
- 4:13Ach, jetzt hat er auch noch im Nacken sitzen seine beiden Parteichefs,
- 4:16die sagen, Ulrich, alter Schwede, jetzt mal nicht gekniffen.
- 4:19Du gehst jetzt mal auch notfalls mit einer Minderheit regieren.
- 4:21Und Ulrich sagt, nee, nein, eine Minderheit wollte ich nicht.
- 4:23Ey, Moment mal, das könnt ihr nicht mit mir machen.
- 4:25Das Problem wird sein, dass dieses Wahlergebnis, zugegeben, ganz fair und objektiv,
- 4:29jetzt für eine Sekunde Ironie und der ganze andere Quatsch aus,
- 4:33dieses Wahlergebnis ist extrem kompliziert.
- 4:36Das einer Partei vor die Füße zu legen, die sowas noch nie gemacht hat,
- 4:39ist objektiv wirklich schwer. Man könnte gerade so sagen, unfair vom Wähler. Warum?
- 4:44Ja, weil sie so im Halbschatten liegen geblieben sind. Es ist eben keine absolute Mehrheit.
- 4:49Klar, es gibt aber auch keine, noch nicht einmal denkbare, auch theoretisch
- 4:55nicht denkbare Möglichkeit für die CDU eine Regierung zu bilden,
- 4:58diese Regenbogenregierung, von der immer die Rede war, inklusive Linkspartei,
- 5:02selbst das reicht nicht.
- 5:04Es müssten sich also alle Parteien inklusive BSW zusammentun,
- 5:07um einen Ministerpräsidenten, keine Ahnung was da rein zu wählen.
- 5:10Der Ball liegt ganz alleine und ausschließlich bei der AfD, bei Ulrich Siegmund,
- 5:16jetzt irgendwas zusammenzubasteln, was ihr a.
- 5:19Ins Ministerpräsidentenamt wählt und b. dann irgendetwas ist wie eine Regierung,
- 5:22die auch Gesetze beschließen kann.
- 5:24Gut, das wissen wir jetzt noch nicht. Die Wahl ist jetzt erst ein paar Tage her.
- 5:28An dem Abend hat Herr Siegmund gesagt, wie hatten wir hier schon im Sonderpodcast,
- 5:32meine Hand ist ausgestreckt, meine Faust ist ausgestreckt, wer da reinläuft
- 5:37ist selber schuld. Nein, die ist ausgestreckt und das ist halt Demokratie und
- 5:42da muss man jetzt mal gucken.
- 5:44Was ich jetzt nicht verstehe ist, oder machen Sie das nur, weil das so Ihr Job
- 5:47ist, weil Sie so halt tagespolitischer Journalist sind und so,
- 5:50dass Sie jetzt so, Sie laden das so dramatisch auf.
- 5:53Sie wissen schon auch, dass auch Koalitionsverhandlungen zwischen arrivierten
- 5:57Parteien gerne mal, wie lange dauern? Zwei, drei, vier Wochen,
- 6:00zwei Monate, drei Monate, keine Ahnung.
- 6:02Also jetzt nach drei Tagen schon zu sagen, haha, da kann man mal sehen und so.
- 6:07Das war ein bisschen komisch. Ja, haben Sie völlig recht. Und manchmal scheitern
- 6:11die auch. Sie erinnern sich an die Verhandlungen 2017 für Jamaika.
- 6:19Ja, das erinnert mich. Unter der Regierung. Also wäre wahrscheinlich ganz gut
- 6:22gewesen, sagt Christian Lindner im Nachhinein wahrscheinlich auch.
- 6:25Der ist damals nämlich für die FDP rausgegangen und hat gesagt,
- 6:27Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren.
- 6:31Was in zivilen Worten exakt das ist, was Ulrich Siegmund auch sagt von der AfD.
- 6:36Ich regiere nur, wenn ich meine Inhalte hier voll oder ziemlich voll durchsetzen kann.
- 6:43Und also können solche Koalitionsverhandlungen also auch scheitern.
- 6:47Aber in der Regel tun sie das nicht in Deutschland.
- 6:51Und mit so jemandem am Tisch wie der AfD würde ich mal sagen,
- 6:54wäre der Regelfall das Scheitern. Weil diese Bewegung, die die AfD ist,
- 6:58im Vergleich zu einer klassischen Partei, auf Kompromisse nicht ausgehen kann.
- 7:02Weil die Kompromisse als solchen
- 7:04schlecht gemacht zu haben, war zentrale Triebfehler ihres Wahlkampfs.
- 7:08Wir sind anders als diese komischen, glatt geschliffenen Kieselsteinchen, die nur Mist bauen.
- 7:14Blum, ich verstehe Sie gar nicht. Das fängt doch in Sachsen-Anhalt bereits an.
- 7:18Da ist doch schon der Rechtsaußen Sepp Müller, der schon vor der Wahl seinem,
- 7:24Parteifeind Schulze anständig in den Rücken gefallen ist.
- 7:29Der will doch da jetzt Parteivorsitzender werden, Chef in Sachsen-Anhalt.
- 7:35Und wer weiß, wohin der die CDU dort führen wird.
- 7:39Wer weiß, wie es Herrn Sigmund gelingen wird, irgendwelche Leute,
- 7:42also AfD-Sigmund gelingen wird, irgendwelche Leute aus der CDU rauszubrechen,
- 7:46aus der Fraktion, die ihn dann dort hineinwählen.
- 7:50Die CDU ist, glaube ich, nicht so monolithisch, wie sie es jetzt gerne hätten
- 7:57und vor allen Dingen ist die Autorität von Merz durch dieses Wahlergebnis total
- 8:02angekratzt und erschüttert.
- 8:04Und nochmal kann man auch an Herrn Müller sehen, wie der sich jetzt gegenüber Herrn Merz verhält.
- 8:10Herr Merz hat ihn vor der Wahl quasi öffentlich abgewatscht und jetzt nach der
- 8:14Wahl sagt Müller, ja ehrlich gesagt, das sehe ich anders als unser Bundesvorsitzender
- 8:18und übrigens unser ganzer Landesverband sieht das auch anders.
- 8:21Also Merz verfügt in diesem Landesverband gar nicht mehr über diese Form von
- 8:24Autorität und deshalb ist das Ergebnis im Moment total offen.
- 8:29Ja, lieber Kollege Augstein, da haben Sie nicht ganz unrecht.
- 8:32Auf alle Fälle wird es auch irgendwas von der CDU brauchen, aus Sicht der AfD,
- 8:37um eine Mehrheit zusammenzubasteln.
- 8:38Weil das, was man anfangs sagte, das BSW, was da ja nur mit 5,
- 8:42Krümelprozent noch reingehüpft ist, wenn die den Saal nur verlassen,
- 8:46dann hat er seine eigene Mehrheit da stehen. Das stimmt aber nicht.
- 8:49Da hat sich jemand gravierend verrechnet, auch im deutschen Fernsehen mehrfach
- 8:52jetzt. Allerdings nicht bei uns, nicht bei RTL und NTV.
- 8:56Aber die CDU...
- 9:00Wird man sehen, ob da nicht ein, zwei, drei Leute sich rausbrechen lassen,
- 9:04die vielleicht sogar zur AfD überwechseln und dann hat er seine Mehrheit auch,
- 9:07wenn man so will, im Rahmen seiner AfD-Fraktion. Das ist tatsächlich noch offen.
- 9:11Aber auch dafür müsste er einen Preis bezahlen und nicht in Euro,
- 9:14sondern wahrscheinlich in irgendwelchen Inhalten. Könnte ich mir vorstellen,
- 9:16mal sehen, ob er das hinkriegt.
- 9:18Aber Blick nach vorn, Blick auf Friedrich Merz, total angefasst.
- 9:22Ich habe den Bundeskanzler ehrlich gesagt noch nie so ratlos gesehen wie am Tag nach der Wahl.
- 9:29Am Mittwoch in der Generaldebatte hat er versucht, die AfD wirklich Wolle zu
- 9:34nehmen. Aber das ist eben auch nicht so richtig kanzlerisch,
- 9:37wenn jemand eigentlich erklären soll, wohin die Reise geht mit ihm beziehungsweise
- 9:40mit seiner Regierung vor großen, großen Reformvorhaben.
- 9:44Und was er dann raushaut, ist eine Breitseite an der anderen.
- 9:47Und nicht schlecht, aber eben doch nur gerichtet auf die Oppositionspartei namens AfD.
- 9:52Also der Kanzler taumelt.
- 9:56Blome, wir sitzen jetzt hier beide, ich komme mir vor wie so Kommentatoren in
- 10:00so einem Tennismatch oder eben so Fußballkommentatoren, wie ich das früher als Kind...
- 10:06Unsterblicher Satz, unsterblicher Satz.
- 10:10In einem Spiel, wo das Tor zusammenbrach. Und dann musste das wieder aufgestellt
- 10:14werden. Und die Kommentatoren, ich glaube, Günther Jauch war dabei,
- 10:17einer von den beiden, mussten dann das überbrücken und reden und reden und reden.
- 10:21Und dann fiel der Satz, ein Tor tätet im Spiel jetzt gut.
- 10:25Sehr witzig. Also jedenfalls kommt mir das gerade hier so vor.
- 10:28Das ist eigentlich überhaupt nicht meine Rolle, aber sei es drum.
- 10:31Deshalb gehe ich das jetzt sozusagen von der mir lieber, von der mir angenehmeren
- 10:35Seite an, nämlich von der Feuilletonistischen.
- 10:37Ich habe in FAZ-Föto einen Artikel von Simon Strauß gelesen.
- 10:41Kann ich allen Hörerinnen und Hörern wirklich nur empfehlen.
- 10:44Toller Autor in einer eh guten Zeitung, das wissen wir ja, aber wirklich ein
- 10:47großartiger, lustiger, kluger Autor, der eine wirklich bemerkenswerte
- 10:52Spalte geschrieben hat zum Auftritt von Friedrich Merz in der Pressekonferenz nach dieser Wahl.
- 10:59Und wo er eben zusammengefasst hat, wie Merz...
- 11:04Um Worte ringt und sozusagen wie vor dem Publikum darüber nachdenkt,
- 11:11wie er zu diesem Publikum reden muss.
- 11:14Und das muss wirklich eine ganz, ich habe mir das nicht angeguckt,
- 11:16ich gucke ja nicht so viel fern, ich gucke ja, ihr lest ja mehr Zeitung,
- 11:20aber wie Strauß das beschrieben hat, dass der Bundeskanzler um Worte ringt, wie er,
- 11:26besser sozusagen sprechfähig wird, so als höre man ihm beim Denken zu,
- 11:30als würde er laut mit sich selber reden oder mit seinem PR-Berater sprechen,
- 11:34wie man das besser machen kann.
- 11:35Das muss ziemlich bemerkenswert und schräg gewesen sein. Ja,
- 11:38bemerkenswert, schräg.
- 11:40Ich habe es eben versucht mit dem Wort ratlos zu fassen.
- 11:44Das war so wie jemand, der geht in einen großen Raum, der ist aber ganz leer.
- 11:49Und dann fängt er so leise, aber unsicher an zu reden und dann hallt es aus
- 11:52allen Ecken wieder auf ihn zurück und das nimmt er auf und redet dann einfach
- 11:56weiter und in der Tat verfertigt beim Reden Gedanken.
- 11:59Und das Ganze soll dann eine Kanzlerlinie darstellen.
- 12:02Das war es nicht. Es war schon ehrlich und authentisch, weil er offenkundig
- 12:05schwerst angefasst war.
- 12:07Und das dann leider mit dem Satz garnierte und dann ist es eben wieder typisch Merz.
- 12:11Fast getroffen ist auch daneben.
- 12:15Dann kam der Satz, den offenkundig irgendein Politberater wie ein Virus in diese
- 12:21Stadt gesetzt hat. Das macht etwas mit mir.
- 12:24Das macht etwas mit uns. Und wir brauchen eine andere Erzählung.
- 12:26Das ist auch so ein Wort. Wir brauchen ein neues Narrativ.
- 12:30In welchem Zusammenhang würden Sie sagen, das macht etwas mit mir?
- 12:35Ich weiß nicht, morgen habe ich zum Beispiel so eine Augenoperation,
- 12:38da will man mir so ein Loch ins Auge bohren, das erzähle ich dann den Hörerinnen
- 12:41und Hörern, nächste Woche fanden ich dann noch gucken, obwohl für einen Podcast
- 12:44muss man ja nicht so gut gucken können.
- 12:45Ich nehme mal an, das wird echt was mit mir machen, wenn man mir ein Loch ins
- 12:48Auge bohrt. Aber egal, was Simon Strauss… Ohne Betäubung?
- 12:52Nicht drüber reden, da kriege ich hier praktisch, dann bin ich hier raus aus
- 12:54dem, was ich hier gerade mache. Ohne Betäubung, ein Loch in den Kopf?
- 12:56Nein, ich bin echt ein Wimpy-Kid und ein Wimpy-Patient und das wird ganz furchtbar.
- 13:02Aber ich habe einen Schweizer Augenarzt, wo wir schon gerade drüber sprechen.
- 13:04Und allein der Umstand, dass es ein Schweizer ist, erfüllt mich mit so einer
- 13:09Art Grundvertrauen. Da können Sie mal sehen, dass ich bin natürlich auch irgendwie
- 13:14ein Rassist oder ein Kulturrassist oder ein Chauvinist oder so.
- 13:17Und es gibt sozusagen bestimmte Kulturräume, mit denen ich positiv und offen
- 13:21und mit Sympathie oder eben sogar mit Vertrauen begegne, wie der Schweiz.
- 13:24Und dann gibt es andere, über die möchte ich jetzt hier nicht reden.
- 13:27Aber zu diesem Thema kommen wir gleich. So, Klammer zu.
- 13:30Ich will nochmal zu dem Artikel, nein, zu Merz und Strauß dem Artikel,
- 13:34weil er in dem Artikel schreibt Strauß, dass Merz also sagt,
- 13:37er müsse emotionaler werden und er müsse sozusagen mit den Leuten besser ins Gespräch kommen.
- 13:42Und dann, und das ist natürlich die echte Pointe dieses Textes,
- 13:45Zitat, noch richtiger wäre es allerdings gewesen, er hätte die Rede gleich für
- 13:50diesen Vorsatz genutzt.
- 13:53Show, don't tell, sagen die Drehbuchschreiber. Zur echten Emotionalität gehört,
- 13:57dass sie sich nicht vorher ankündigt und zur schönen Erzählung,
- 14:01dass sie beginnt, ohne sich vorzustellen. Zitat Ende.
- 14:05Und das ist natürlich genau das Problem. Sie haben es eben gesagt,
- 14:08Merz kann einem schon fast leidtun.
- 14:09Das stimmt, das ist ja schon fast rührend, wenn da jemand vorne sitzt,
- 14:13ich muss unbedingt emotionaler werden.
- 14:16Ich weiß bloß nicht, wie es geht, weil ich gucke in mich hinein und so positive
- 14:20Emotionen, die mich sympathisch machen, habe ich gar keine.
- 14:24Doch, Friedrich Merz kann sympathisch sein. So ist es nicht.
- 14:28Der kann auch sehr sympathisch mit Menschen umgehen. Das kann man auch im Fernsehen mitunter beobachten.
- 14:34Wir haben eine Runde gehabt.
- 14:37Bei RTL. Vor der Wahl.
- 14:41Vier normale, in Anführungsstrichen, Menschen aus dem Volke,
- 14:45die alle Kritik an Merz übten, aber auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
- 14:48Da war eine Ärztin dabei, die war Aktivistin in Wahrheit und ist dann vollkommen
- 14:52aus der Hose gesprungen und dann hat der Bundeskanzler echt zurückgeschlagen.
- 14:54Das war auch nicht super geschickt zumindest und trotzdem vielleicht sogar verständlich,
- 14:59egal, gab sehr, sehr viel harte Kritik, aber die eine Vertreterin,
- 15:03also eine Teilnehmerin, das war eine Pfarrerin aus Sachsen-Anhalt.
- 15:07Und die hatte so eine Mischung aus Kritik und Zweifel, aber eben so einer gewissen
- 15:12Zugewandtheit, einer Offenheit. Vielleicht ist das auch ein Teil des Berufsbildes.
- 15:16Und auf die ging der Bundeskanzler, wie ich fand, ganz persönlicher Eindruck,
- 15:20ungeheuer sympathisch zu und verbrüderte sich mit der so ein bisschen an dem
- 15:24Tisch, in dem er wirklich rund gemacht wurde ansonsten. Und das geht also.
- 15:29Das waren sehr sympathische fünf Minuten in dieser Sendung mit dieser Fahrerin. Also es geht.
- 15:36Und es ist für Friedrich Merz, wer ihn so ein bisschen kennt,
- 15:40schon echt ein großes Ding, wenn er sich öffentlich hinstellt und sagt, ich habe ein Defizit.
- 15:46Die Grunddisposition von Friedrich Merz war eigentlich immer ich weiß alles und ich kann es besser.
- 15:51So ist er, fürchte ich, durch größere Teile seines Lebens und seines politischen
- 15:55Lebens vor allen Dingen geschritten. Ich kann es besser, Angela Merkel war ein
- 15:58Irrtum und jetzt kommt endlich Rechte und Ordnung zurück, nämlich ich.
- 16:03Aber das war doch schon die Haltung von Olaf Scholz, dachte ich.
- 16:05Er kann alles am besten. Ja.
- 16:07Also noch besser eben als Merz. Also nicht nur besser, sondern am besten.
- 16:10Ja, wobei Friedrich Merz es noch besser zu können glaubte als Olaf Scholz,
- 16:14was nicht so schwierig war, nachdem man gesehen hatte, was Olaf Scholz wirklich
- 16:16kann als Bundeskanzler. Jetzt läuft allerdings Olaf Scholz durch die Stadt.
- 16:21Tritt so bei irgendwelchen Festen hier auf, zum Beispiel beim Fest der Landesvertretung
- 16:26von Hamburg und sagt halt, naja, da könnt ihr mal sehen, ich kann es aber doch besser gekonnt.
- 16:33Ich habe das gehört, Blume, dass Sie eben gesagt haben, es ist für Merz was
- 16:36ganz Besonderes, wenn er Fehler zugibt.
- 16:38Aber nehmen Sie es mir und den anderen 89, ich weiß nicht wie viele Millionen
- 16:44Deutschen nicht übel. Und es könnte sein, dass das too little,
- 16:48too late ist. Vielleicht reicht das nicht und ehrlich gesagt,
- 16:50das finde ich auch fast ein bisschen prätentiös.
- 16:54Jetzt könnt ihr doch mal sehen, ich gehe doch auch total in mich und ich bin
- 16:56doch total selbstkritisch. Ich stelle fest, ich bin gar nicht der Aller,
- 16:59Aller, Allerbeste. Ich bin nur der Beste. Das ist doch echt lächerlich.
- 17:04Die Frage ist halt, kann er das? Schafft er das?
- 17:11Und nicht irgendwie so, ob er jetzt anfängt mit so Soul-Searching.
- 17:15Ja, stimmt, Augstein. Too little, too late.
- 17:19Fairerweise muss man aber jetzt auch sagen, so wie Sie jetzt auf den Bundeskanzler
- 17:24blicken, und das ist ja fast noch mal an der Grenze zur Objektivität,
- 17:29kann der inzwischen machen, was er will.
- 17:31Wenn er über Wasser ginge, würden die Leute sagen, schwimmen kann er ja wohl nicht, oder?
- 17:36Insofern ist es wirklich, wirklich, wirklich schwer. Und wir kommen vielleicht
- 17:39am Ende der kleinen Podcast-Nummer hier nochmal drauf zurück,
- 17:42ob er eigentlich bleiben kann. ab so jemand, der so weit.
- 17:48Wundgescheuert ist, überhaupt noch bleiben kann, weil er denklogisch,
- 17:53theoretisch noch die Hoffnung haben darf, wieder da rauszukrabbeln aus dem Tief.
- 17:57Ich befürchte, das ist nicht der Fall.
- 17:59Es gibt keine Chance für ein Comeback für Friedrich Merz.
- 18:02Aber dazu gleich nochmal später. Ich würde gerne noch einmal zurück zur Frage too little, too late.
- 18:09Worüber wir nämlich überhaupt nicht reden, weil wir die ganze Zeit auf die CDU
- 18:13starren, ist die SPD, die andere Hälfte dieser Regierung, die uns ja hier aus
- 18:18dem Schlamassel führen soll, denn die AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wird es ja wohl nicht tun.
- 18:25Also, wo ist der Beitrag der SPD zur Stabilisierung dieses Bundeskanzlers?
- 18:31Die SPD, die gibt es ja noch. Sie ist jetzt in Sachsen-Anhalt einstellig,
- 18:35ist aber sehr, sehr zufrieden. Sie ist gestiegen.
- 18:37Weil das Ergebnis ist besser als letztes Mal. Also sie bewegt sich sozusagen
- 18:41nach oben. Also wenn man das auf einer Linie...
- 18:44Die SPD ist eine traurige Veranstaltung, Blume. Das kann ich Ihnen sagen.
- 18:49Und die SPD, von der SPD zu erwarten,
- 18:53die mit zwei durchschossenen Füßen sozusagen sich durch ihr politisches Restleben
- 18:58schleppt, diesen taumelnden, torkelnden Bundeskanzler zu stabilisieren,
- 19:03ist ein bisschen viel verlangt, finde ich.
- 19:05Ich glaube, das sollte er schon selber und das müsste schon seine Partei übernehmen.
- 19:09Die SPD kann froh sein, wenn sie nicht selber Hilfe braucht.
- 19:14Aber wenn die ganze Erzählung, lieber Kollege Augstein, dieses Bundeskanzlers,
- 19:20noch darin besteht, diese Reformen sind der Weg zum Wachstum.
- 19:26Wachstum ist und war das heilende Mittel auch für diese Gesellschaft, für das ganze Land.
- 19:32Und diese Reformen müssen wir deswegen jetzt durchziehen, meine Worte.
- 19:38Wenn sich die SPD dem in den Weg stellt, weil das ihre Lehre aus der Wahl in
- 19:44Sachsen-Anhalt ist, dann zerbröseln die Reformen und dann zerbröselt diese Regierung,
- 19:49zerbröselt dieser Kanzler.
- 19:52Also natürlich hängt es von der SPD ab und daraus, welche Lehre sie aus diesem Wahldebakel zieht.
- 20:00Noch einmal, mehr Schröder oder weniger Schröder, welchen Kurs hätten wir denn gern bei der SPD?
- 20:06Es hängt an der SPD ob diese Reformen bestehen bleiben und der Rest der Erzählung
- 20:11der Rest der Grundlage dieser Kanzlerschaft von Friedrich Merz bestehen bleibt
- 20:15oder ob er jetzt kaputt geht und dann ist Schluss am Ende des Jahres,
- 20:19Ich glaube, diese Regierung, Merz
- 20:20und auch die SPD, befinden sich in einer klassischen Catch-22-Situation.
- 20:25Im Prinzip ist, was sie machen, falsch. Wenn sie die Reformen durchziehen.
- 20:30Sind die Leute sauer, weil die Reformen unpopulär sind und es schadet bei allen
- 20:35kommenden Wahlen und die stabilisiert dann die Regierung.
- 20:39Und wenn sie die Reformen nicht durchziehen, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit,
- 20:44und vielleicht auch die Chance auf das Wachstum, was man bräuchte,
- 20:48um zumindest langfristig der AfD wieder das Wasser abzugrafen.
- 20:51Denn ich glaube, dass die AfD auf der Existenzangst der Leute ihre schmutzigen Buden aufbaut.
- 21:01Und wenn man die Existenzangst der Leute bekämpft, bekämpft man letztlich auch
- 21:06das Fundament der AfD. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, ob diese Regierung dazu
- 21:10in der Lage sein wird. Aber ehrlich gesagt, deshalb habe ich schon tausendmal
- 21:13gesagt, bin ich froh kein Politiker zu sein.
- 21:15Und ich bilde mir auch nicht ein, hier Lösungen zu kennen. Ich glaube,
- 21:19ganz egal, was diese Regierung macht, ist es in jedem Fall falsch. Beides ist falsch.
- 21:23Tu es oder lass es, häng dich auf oder nicht, bereuen wirst du beides,
- 21:26wie der berühmte Philosoph Kierkegaard gesagt hat, den sie sicherlich kennen
- 21:30und auch immer zitierfähig halten, genauso wie ich.
- 21:33Tu es oder lass es, ist doch eh Schnauz, häng dich auf, das stimmt nur aus Sicht der Partei.
- 21:40Oder meinetwegen der politischen Persönlichkeiten, um deren Ämter es jetzt geht.
- 21:44Das kann schon sein, dass das Durchziehen der Reformen am Ende dieser Regierung,
- 21:51die Existenz kostet oder Friedrich Merz die Wiederwahl, wenn er sie überhaupt
- 21:54noch anstrebt. Ich glaube, das wird man ihm schon gesagt haben inzwischen,
- 21:57dass er das besser nicht tun sollte.
- 21:58Aber das fokussiert noch einmal nur auf Parteien und Personen.
- 22:05Und wie wäre es, diese Regierung würde mal aufs Land fokussieren und sagen,
- 22:10wenn wir objektiv der Meinung sind, als diese Regierung, die eine Mehrheit hat.
- 22:15Dass diese Reformen notwendig sind, weil wir sonst hier nie mehr wieder das Land flott kriegen.
- 22:21Und ja auch nicht ewig auf Pump leben können, was man jetzt schon im aktuellen
- 22:26Bundeshaushalt, der gerade debattiert wird, sehen kann, welches Volumen die
- 22:30Zinszahlungen schon angenommen haben.
- 22:32Also ohne Reformen kriegen wir das Land nicht flott, also machen wir sie egal,
- 22:36was sie politisch uns kosten werden. Das wäre doch mal ein Ansatz.
- 22:39Zu sagen, mir ist meine Wiederwahl egal, ich mache das jetzt,
- 22:43wir halten das für richtig und wir ziehen das jetzt durch.
- 22:46Ja, wie gesagt, das kann Merz als Kanzler machen, weil er ist über 70 und hat,
- 22:51im Leben ja noch genug erreicht.
- 22:52Der muss ja auch nicht nochmal neu gewählt werden. Das kann aber natürlich die
- 22:55Partei SPD, die bereits dem Nichts ins Auge blickt, vielleicht nicht so leichtfertig sagen.
- 23:02Darf ich mal ganz kurz nochmal zurück? Was ist denn wichtiger,
- 23:06jetzt die Partei oder das Land? Bin ich jetzt normativ oder deskriptiv?
- 23:10Also was jetzt sein soll oder wie es ist?
- 23:14Was wäre denn besser? Ja, ich finde das auch toll, wenn die Leute also mehr
- 23:18jetzt auch an das große Ganze denken und weniger immer nur an ihr persönlich.
- 23:22Das ist ja schon schön. Also ja, Mann, ja Blume, aber meine Erfahrung ist eine andere.
- 23:29Sie machen jetzt die Frage lustig, das können Sie machen, aber die Frage ist
- 23:32offenkundig ein ganz großer Antreiber für die Wut, den Frust der Leute, die am Ende AfD wählen.
- 23:41Können wir das Gespräch dahin bringen, wo ich mich wohler fühle,
- 23:44nämlich ins Grundsätzliche?
- 23:46Ins Grundsätzliche? Nein, ins Grundsätzliche, nicht ins Seichte.
- 23:50Im Gegenteil, in die tiefen, ich möchte sagen in die Tiefsee sozusagen,
- 23:54der tiefsinnigen und tiefsägigen Gedanken.
- 23:56Wir haben vorhin den Satz gehabt von Friedrich Merz, was macht das mit mir?
- 24:02Können wir mal ganz kurz darüber reden, was das eigentlich mit Deutschland macht, dieser Sieg der AfD?
- 24:07Was macht das mit der deutschen Gesellschaft? Weil ehrlich gesagt,
- 24:10völlig unabhängig davon, wer da jetzt wann Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt wird.
- 24:17Ich meine, Leute, seid mal ehrlich, die meisten von euch wussten bisher gar
- 24:22nicht, dass es Sachsen-Anhalt gibt.
- 24:24Ihr könntet es auf der Landkarte nicht einzeichnen. Ihr wusstet nicht,
- 24:27wie die Hauptstadt heißt.
- 24:28Und ihr kanntet auch den Sachsen-Anhaltischen oder anhaltinischen Ministerpräsidenten nicht.
- 24:33Das ist ja die Wahrheit. Wir verlieren auch ein bisschen die Maßstäbe aus dem
- 24:36Kopf. Augstein, jetzt sind wir schon zwei Jammerwessis.
- 24:39Jetzt sind wir schon zwei Leute, die die innere Einheit nie vollzogen haben,
- 24:43angeblich, wie die sehr geschätzte Kollegin, Kolumnistenkollegin Sabine Rennefanz,
- 24:50im Spiegel über mich geschrieben hat, weil ich auch gesagt habe, naja, es gibt Leute,
- 24:55die hinter vorgehaltener Hand, natürlich nur als Scherz gemeint,
- 24:58Mann, echt, sagen, naja, können wir nicht einen Zaun drum machen und es nach Kasachstan verkaufen?
- 25:04Natürlich ist es keine Lösung. Nein, es ist keine Lösung, ich sage ausdrücklich,
- 25:08es ist keine Lösung, einen Zaun um Sachsen-Anhalt zu machen,
- 25:10damit ich jetzt nicht wieder falsch verstanden werde.
- 25:13Keine Lösung, einen Zaun um Sachsen-Anhalt zu machen. Aber Herr Chupalla, wie schreibt er?
- 25:18Chupalla? Chupalla, keine Witze mit Namen. Nein, nein, meine ich nicht.
- 25:21Chupalla hat gesagt, hat sie zitiert bei einer Wahlveranstaltung,
- 25:25hat gesagt, sie wollen den Ostdeutschen die Bananen wegnehmen und die Zitronen
- 25:31und das sei aber für ihn kein Problem, denn dann würden sie Äpfel und,
- 25:36Birnenkohl irgendwas essen.
- 25:38Und dann haben, also heimisches Gebüht, und dann haben alle total gejubelt.
- 25:42Da dachte ich auch, dass dieser Wahlkampf ist auf einem vollkommen anderen Level
- 25:46angekommen. Und dass Sie da auch
- 25:47so eine zentrale Rolle spielen in Sachsen-Anhalt, finde ich interessant.
- 25:51Dürfen Sie da eigentlich noch einreisen? Jetzt haben Sie mal versucht,
- 25:54die Sachsen-Anhaltische Grenze zu übertreten? Der Zaun ist ja noch nicht drum.
- 25:59Als wir renten, war, dass Sachsen-Anhalt ja eigentlich vergleichsweise unwichtig
- 26:04ist. 2,1 Millionen Einwohner von 84 Millionen Einwohnern. Kann man schon so sehen.
- 26:10Und trotzdem, bei aller Liebe, Die ganzen internationalen Zeitungen und Medien,
- 26:15die da drauf geschaut haben und sich fragen, wow, was ist das für eine Welle
- 26:19und wie weit schwappt die noch, die haben ja auch einen Punkt.
- 26:22Also das sollte man schon einen Tickel ernster nehmen, übrigens auch deswegen,
- 26:27weil ich glaube, dass wenn es zu dieser AfD-Regierung kommen wird,
- 26:31was sie ja zum Beispiel glauben,
- 26:33wir sehr schnell in so verfassungsrechtliche, innerdeutsche Verfahrens- und
- 26:39Zuständigkeits- und so Machtfragen kommen werden, die alle unvermessenes Terrain sind.
- 26:46Dafür gibt es Artikel im Bruchgesetz, aber unvermessenes Terrain.
- 26:50Und Merz hat ja auch schon die Leute gewarnt und gesagt, wir werden hier euch
- 26:54genau auf die Finger gucken und darauf achten, dass ihr euch ans Grundgesetz
- 26:57haltet. Was halten Sie von dem Satz? Finde ich gut.
- 27:01Finde ich richtig. Also ich finde es ein bisschen unsinnig, auch ein bisschen.
- 27:05Selbstverständlich und zum jetzigen Zeitpunkt auch ein bisschen sehr unnötig aggressiv.
- 27:11Aber inhaltlich finde ich es gut und wenn man bedenkt, wie runtergerockt inzwischen
- 27:13die Verhältnisse sind, kann es ja nicht schaden, das gleich zum Anfang einmal
- 27:17klarzustellen. Also ich fand es im Prinzip richtig.
- 27:19Glauben Sie, dass das eine neue Erzählung wird? Nein, das wird natürlich nicht
- 27:23die neue Erzählung. Das ist doch Quatsch. Ich, Friedrich Merz,
- 27:25schütze die Verfassung vor dem Gas in dem gallischen Dorf in Sachsen-Anhalt.
- 27:29Mir geht es um was anderes. Ich bin hierher gekommen. Ich bin hierher gekommen mit einem Gefühl.
- 27:35Also anders als Friedrich Merz habe ich zum Beispiel überhaupt gar keine Probleme,
- 27:37meine Gefühle zu äußern. Im Gegenteil, meistens ist es so, dass meine Gefühle
- 27:41Probleme haben, nicht geäußert zu werden.
- 27:44Das Gefühl nämlich, dass diese Wahl Auswirkungen hat, die weit,
- 27:48weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt hinausgehen.
- 27:51Ich glaube nämlich, und ich habe das bestätigt bekommen, oder das ist unterstrichen
- 27:56worden, von einem Auftritt von Giovanni Di Lorenzo, dem Chefredakteur der Zeit,
- 28:01sehr geschätzter früherer Kollege von der Süddeutschen Zeitung von mir,
- 28:05großartiger Journalist, tollster Chefredakteur aller Zeiten.
- 28:11Geht's gut? Ja, ja. Der hat jedenfalls bei Karin Miosga an dem Wahlabend,
- 28:15das habe ich an dem Wahlabend nicht gesehen, deshalb konnte ich darüber auch
- 28:17bei unserem Sonderpodcast nicht sprechen, das habe ich erst nachher mir anguckt.
- 28:21Da saß er und hat geredet mit verschiedenen Leuten über dieses Wahlergebnis,
- 28:26und dann fing er plötzlich an zu erzählen, einfach so sozusagen,
- 28:31also fing er an zu erzählen,
- 28:33er sagte, dass Migration, das Thema Migration, Botschaft ist noch gar nicht
- 28:38richtig angekommen, was diese Wahl bedeutet.
- 28:40Also bei denen, die sich der AfD entgegenstellen sollen, ist diese Botschaft nicht angekommen.
- 28:44Einwanderung, 6,1 Millionen Menschen seit 2015. Für Leute, die mit Migration
- 28:50ein Problem haben, ist das ein Einschnitt, ein Rieseneinschnitt.
- 28:56Er sagt, er glaubt gar nicht, dass alle Wähler der AfD Feinde der Migration
- 29:00sind, die finden das schon okay, wenn Leute hier sind und mitarbeiten,
- 29:03bla bla bla und so weiter.
- 29:04Aber, und dann fing er an, eine Geschichte zu erzählen, die gerade seine Zeitkollegen
- 29:09recherchierten, von drei südosteuropäischen Migranten oder Menschen, die,
- 29:16ausreisepflichtig gewesen seien, weil sie eine Straftat bereits begangen hatten,
- 29:22die sozusagen zur Ausreisepflicht gehört und die dann aber aufgrund einer Intervention einer Härtefallstelle,
- 29:28in Nordrhein-Westfalen sozusagen von der Abschiebung bewahrt und ausgenommen wurden.
- 29:33Und danach einen 95-jährigen Mann bei sich zu Hause gefoltert und getötet haben
- 29:39und dann praktisch mit seinem Elektrofahrrad das Weite gesucht haben.
- 29:45Und das sei doch den Leuten heute gar nicht mehr vermittelbar, solche Geschichten.
- 29:49Punkt, Full Stop. Und da habe ich gedacht, schau mal einer an,
- 29:54was der Giovanni an dem Abend des Wahlsieges der AfD im deutschen Fernsehen sagt.
- 30:01Den Leserinnen und Lesern der Zeit und auch den Zuhörerinnen und Zuguckerinnen
- 30:05dieses Fernsehsenders zu erzählen hat für eine Geschichte.
- 30:08Nämlich die Geschichte von Ausländern, die abschiebepflichtig waren und einen
- 30:13Menschen bestialisch getötet haben und diese Art von Staatsversagen seid doch
- 30:17den Leuten nicht mehr zuzumuten.
- 30:19Und ich finde es nämlich, ich verstehe es nicht jetzt falsch,
- 30:20die Geschichte ist okay, aber es ist ja nicht nur, was jemand sagt,
- 30:24sondern wer es unter welchen Umständen sagt, Das ist ja eigentlich immer die Botschaft.
- 30:30Und meine Kernthese wäre jetzt, ich glaube ja, dass das rechte Denken der AfD,
- 30:36in die Mitte wandert oder die Mitte wandert zum rechten Denken der AfD hin.
- 30:40Das wäre meine Prognose für die nächsten Jahre in Deutschland.
- 30:44Wissen Sie was, lieber Kollege Augstein, ich glaube, in der Frage steckt das
- 30:49Problem, weil Sie etwas auf einer Skala zwischen Mitte und AfD abtragen,
- 30:57was eigentlich ja die nackte Vernunft sein sollte.
- 31:01Nämlich ein unvorstellter Blick dafür...
- 31:06Bei der Suche nach Motiven, weshalb Menschen AfD wählen, auch auf das große
- 31:11Feld Migration zu schauen und vor allen Dingen auf Einzelfälle zu schauen,
- 31:16die die Stimmung maßgeblich beeinflussen.
- 31:18Darunter so ein Einzelfall, wo man wirklich sagen kann, verdammt nochmal,
- 31:22warum mussten diese Menschen ausreisepflichtig noch hier sein?
- 31:28Ist das Staatsversagen oder war die Härtefallkommission zu milde?
- 31:33Ausweislich der Geschichte. Die Härtefallkommission war zu weich.
- 31:36So, ausweislich der Geschichte, die da erzählt wurde, waren die drei Südosteuropäer
- 31:41gehörlos, alle drei, und durften deswegen nicht zurückgeschickt werden.
- 31:47Das kann ich gar nicht beurteilen. Aber der Frage nachzugehen,
- 31:50ist doch nicht AfD oder links oder rechts oder oben oder unten,
- 31:54sondern das ist vernünftig, weil es offenkundig zu Fälle zu viele
- 31:58oder zu prominente Fälle zu schreckliche Fälle dieser Art gegeben hat,
- 32:03wo sich die Leute fragen, was.
- 32:06Wenn wir den aufgenommen haben, er hat sein Verfahren bekommen,
- 32:09sein Verfahren ist abgeschlossen, er soll nicht mehr hier sein,
- 32:12warum ist er hier noch? Und dann macht er auch noch richtig Mist.
- 32:15Das kann nicht sein. Und auf der Basis, ohne eine einzige Lösung anzubieten,
- 32:20arbeitet die AfD. Aber ganz kurz, ich bin doch inhaltlich vollkommen Ihrer Meinung.
- 32:24Sehe ich ganz genau so, wie Sie ich bin.
- 32:26Aber warum stört es Sie dann, dass die Geschichte erzählt wurde?
- 32:28Es stört, weil wer sagt was, unter welchen Umständen.
- 32:33Naja, wenn Sie irgendwie, Entschuldigung, Sie beschäftigen sich doch mit Worten.
- 32:36Der Kollege Blume ist doch genauso wie ich auch mit Worten unterwegs.
- 32:42Ich bin als Kind in das Fass mit den Buchstaben. Ja, genau.
- 32:47Aber wir sitzen doch hier in diesem kleinen Podcast über die Welt,
- 32:50so wie sie sich uns zeigt, auch mal ein bisschen in Ruhe nachzudenken.
- 32:54Wir können uns die Zeit nehmen, die andere Leute sich vielleicht nicht nehmen wollen.
- 32:58Und deshalb nochmal, wenn Giovanni Di Lorenzo an dem Wahlabend,
- 33:02wo die AfD ihren Durchbruchsieg hatte,
- 33:06sagt, übrigens die erste Anekdote, die mir einfällt, ist von diesen Ausländern,
- 33:10die den alten Mann umgebracht haben, also nur mal so jetzt hier,
- 33:13dann finde ich das ein totales Zeichen.
- 33:16Denn der ist jetzt ja nicht rechtsextrem oder irgendwas. Im Gegenteil.
- 33:19Er ist ein sehr guter Chefredakteur, der merkt, ich will meine Zeitung auch
- 33:22künftig verkaufen. Bei meinen Lesern ändert sich die Stimmung.
- 33:26Ich muss sozusagen mit einem anderen Blick auf diese Wirklichkeit gucken,
- 33:30denn immer mehr Leute da draußen im Land tun es.
- 33:32Insofern ist er wie ein, wie nennt man das?
- 33:35Wie so ein Wetterfahne, wo man merkt, ah, der Wind dreht sich.
- 33:38Das meine ich nicht böse. Es ist sein Job, das zu machen.
- 33:41Und das finde ich interessant, denn er hätte auch ganz andere Geschichten erzählen
- 33:44können. Er hätte doch zum Beispiel auch sagen können, wissen Sie eigentlich was?
- 33:47Ich bei der Vorbereitung für diese Sendung gelernt habe.
- 33:50Dass in Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein ist die Kriminalitätsrate annähernd gleich groß.
- 33:55Aber in Sachsen-Anhalt ist die Angst vor Kriminalität viel, viel höher als in
- 33:59Schleswig-Holstein. Ist das nicht eine interessante Beobachtung?
- 34:02Hat das vielleicht auch was damit zu tun, warum die da AfD wählen?
- 34:05Dass es sozusagen gar nicht um die Wirklichkeit geht, sondern wie man die Wirklichkeit sieht.
- 34:09Das hätte er doch genauso auch sagen können, oder? Ja, wahrscheinlich ist das
- 34:12auch gefallen möglicherweise.
- 34:14Es war ja die Suche nach Motiven, so wie wir alle.
- 34:18Ja seit geraumer Zeit vor und nach der Wahl erst recht nach den Gründen suchen,
- 34:23weshalb so ein Erdrutschsieg für die AfD zustande gekommen ist.
- 34:28Und es sind viele Gründe und einen hat man eben offenkundig in diesem Feld ausgemacht.
- 34:32Und das ist, glaube ich, auch richtig.
- 34:35Und der Frage, wie sehr solche Fälle, noch einmal,
- 34:40auf das ständige Mantra der AfD einzahlen, der Staat versagt,
- 34:45der Staat kann sich nicht mehr schützen, Der Staat hält das Urversprechen an
- 34:49seine Bürger nicht mehr Sicherheit,
- 34:53Unverletzlichkeit, Stabilität und dann ufert es schon aus, aber das Urversprechen
- 34:59Sicherheit, du kannst sicher über die Straße gehen, du kannst mehr oder minder
- 35:03sicher abends durch den Park gehen.
- 35:07Das in Zweifel zu ziehen, vielleicht sogar übertrieben in Zweifel zu ziehen,
- 35:11ist Wesensmerkmal der AfD und ihres Erfolges.
- 35:15Und darum ein Beispiel zu nehmen und zu sagen, das ist das Ding,
- 35:19mit dem die arbeiten. Was kann man dagegen tun, um es ihnen aus der Hand zu
- 35:22nehmen? Merken Sie nicht, dass das genau das Problem ist. Danke,
- 35:25dass Sie das nochmal so präzisiert haben. Das finde ich sehr gut.
- 35:27Das hilft mir jetzt bei meinem Argument.
- 35:29Denn Sie werden in einer Gesellschaft, die so groß ist wie unsere,
- 35:34niemals eine Situation herkriegen, dass nicht jemand solche Einzelfälle findet,
- 35:40um damit Stimmung zu machen.
- 35:42Wenn Sie eine Gesellschaft haben, in der solche Einzelfälle auf einen derart
- 35:47fruchtbaren Boden fallen, dann ist nicht der Einzelfall das Problem,
- 35:50sondern die Gesellschaft unter fruchtbaren Boden, um es mal ganz klar zu sagen.
- 35:53Und wie gesagt, der Umstand, dass die Kriminalität in Sachsen-Anhalt genauso
- 35:57groß ist wie die in Schleswig-Holstein und die Leute in Schleswig-Holstein viel,
- 36:00viel weniger Angst haben, das ist für mich die eigentlich aussagekräftige,
- 36:05das aussagekräftige Faktum in diesem Zusammenhang.
- 36:09Das ist interessant, überhaupt keine Frage. Und auch da müsste man nach Gründen
- 36:13suchen, sind die Leute aus anderen Gründen.
- 36:15Anderen, völlig anderen, ökonomischen, meinetwegen, gesellschaftspsychologischen.
- 36:20Könnte es daran liegen. Interessant.
- 36:21Verunsicherte und sind dann sowas ansprechbar. Und aber trotzdem ändert es doch nichts daran,
- 36:29dass der Staat, der sich auf die Fahnen schreibt, jeden außer Landes zu bringen,
- 36:32der hier nicht hingehört, nach letztinstanzlicher abschließender Beurteilung
- 36:36durch ein unabhängiges Gericht.
- 36:38Moment, der Staat scheitert daran. Und das Scheitern löst die Wut aus.
- 36:43Unabhängig von der Frage und natürlich ihrem sehr richtigen Satz,
- 36:46es wird immer einen Einzelfall geben. Natürlich wird es das geben, klaro.
- 36:49Aber das ändert doch nichts daran, dass die Leute, selbst die,
- 36:51die sagen, okay, mir ist schon klar, dass es totale Sicherheit nicht gibt.
- 36:56Ich will aber meinen Staat sehen, dass er tut, was er tun kann und das ist mir zu wenig, was er tut.
- 37:00Ah ja gut, pass auf. Wir haben 230.000 Ausreisepflichtige, davon 191.000 mit Duldung.
- 37:05Das heißt, die Leute, um die es hier geht, sind 39.000 in einem Land mit 89,
- 37:11wie viel, 85 Millionen Leute.
- 37:13Die AfD würde fragen, warum sind 190.000 geduldet und ich würde das übrigens
- 37:17auch fragen und wenn ein stattlicher Teil womöglich sogar die Mehrheit dieser
- 37:21190.000 Menschen sagt, ich weiß nicht mehr, woher ich komme,
- 37:24meinen Pass habe ich übrigens auch vergessen, beziehungsweise ich habe nie einen
- 37:26gehabt, ich weiß nicht, woher ich komme.
- 37:28Wenn der Staat darauf nicht zu antworten weiß, aus tausenderlei Gründen,
- 37:32die man alle einzeln benennen kann.
- 37:36Bleibt der Eindruck stehen, da dreht uns einer eine Nase. Und wenn der nachher
- 37:40noch irgendwie zu dritten alten Mann umbringt, dann brennt halt die Sicherung
- 37:43durch. Das ist doch klar.
- 37:44Sie werden etwas dagegen tun müssen, dass dem Staat eine Nase gedreht wird.
- 37:50Blome, eigentlich würde ich dieses Thema gerne mit Ihnen noch weiter vertiefen,
- 37:53weil tatsächlich hat diese Wahl auch was mit mir gemacht.
- 37:59Irre Formulierung, Horror. Aber sie hat was mit mir gemacht.
- 38:02Sie hat mich nämlich nachdenklich gemacht, wie ich sozusagen eigentlich tatsächlich
- 38:06jetzt mal zu dieser Frage stehe, wer gehört hier hin, was bedeutet das?
- 38:12Was ist irgendwie so diese nationale Identität? Wer schuldet hier eigentlich
- 38:16wem was? Und dann habe ich mich dabei erwischt, weil ich versuche immer,
- 38:18alle Sachen möglichst einfach zu denken. Weil dann kann man immer gucken, ob es klappt.
- 38:24Mir zu sagen, ich weiß nicht, jeder, der hier ist, völlig egal,
- 38:27ob mit Duldung, ohne Duldung, warum auch immer, wenn er einmal hier ist,
- 38:31dann habe ich, ich bin aber nicht der Staat, ich als Mensch.
- 38:36An diesen Menschen genau die
- 38:37gleichen Erwartungen und auch die gleichen Ansprüche wie an jeden anderen.
- 38:41Nämlich, er soll sich an die Regeln halten, mir nicht aufs Maul hauen und irgendwie
- 38:45gucken, dass er selber klarkommt. Das ist sozusagen mein Migrations- und Integrationsmodell.
- 38:52Was ich aber nicht habe, ist die Erwartung, er muss irgendwie mehr leisten als
- 38:57ein anderer oder er muss irgendwie sich mehr Mühe geben oder er hat weniger
- 39:01Recht, in Anführungsstrichen, straffällig zu werden als irgendjemand anders.
- 39:05Und ich würde sagen, der ist dann genauso einer wie alle anderen.
- 39:07Wenn er straffällig wird, soll er auch genauso behandelt werden wie alle anderen.
- 39:11Aber er sollte zum Beispiel nicht seine gesamte Existenz aufs Spiel stellen,
- 39:16nur weil er hier strafständlich geworden ist. Warum muss ich ihn dann in das
- 39:19Hellhole-Sudan zurückschicken, nur weil er hier ein Auto geklaut hat?
- 39:23Dann soll er halt hier in den Knast.
- 39:24Das wäre mein Maßstab. Und was ich nicht verstehe ist, ich registriere,
- 39:28dass das weder die Gesetzeslage ist, noch offensichtlich die Stimmung bei vielen
- 39:32Leuten, insbesondere auch bei Giovanni Di Lorenzo, der offenbar auch interessant, also auch,
- 39:37selber Migrationshintergrund offenbar, der Meinung ist,
- 39:40die Leute verwirken dann hier ihr Aufenthaltsrecht oder ihr Bleiberecht oder ihr Gastrecht.
- 39:46Dieser Gedanke, nein, nein, und das meine ich jetzt rein emotional,
- 39:48nicht juristisch. Also rein jetzt meine ich jetzt auch ohne, also einfach so.
- 39:52Der Gedanke ist, das Gefühl ist mir fremd. Warum verwirkt er sein Gastrecht,
- 39:55nur weil er sich hier schlecht benimmt? Da muss er halt sanktioniert werden, aber...
- 40:00Naja, Teil der Sanktion ist dann, das Gastrecht verwirkt zu haben.
- 40:03Und das Gastrecht klingt jetzt so archaisch und so antiquiert und mittelalterlich.
- 40:10Das ist es natürlich nicht.
- 40:11Das meint doch nur, dass wer in einem Verfahren ist, Asyl sucht und sich dann
- 40:19eine schwere Straftat leistet, verwirkt, kann unter Umständen den Anspruch auf
- 40:24dieses Verfahren verwirken.
- 40:25Wer abgelehnt ist, also der schon einmal gesagt bekommen hat,
- 40:30nee, tut uns leid, hier nicht, geh in Haus weiter oder geh zurück.
- 40:35Und dann eine Straftat, eine Schwere begeht, dem muss man doch erst recht sagen,
- 40:39so jetzt langt es aber wirklich, du gehst jetzt hier noch in den Knast und dann
- 40:42wirst du aber wirklich rausgeschafft.
- 40:45Aber diese Fälle, der Fall, den Giovanni erzählt hat, wo die Härtefallkommission,
- 40:50gesagt hat, die können bleiben, der Fall von dem CSD-Attentäter,
- 40:54wo das Gericht gesagt hat,
- 40:58wir glauben nicht den schlechten Prognosen der Sicherheitsbehörden,
- 41:02sondern wir glauben, der muss noch eine Chance bekommen.
- 41:05Das sind doch interessante Fälle deswegen, weil hier das System ja komplett,
- 41:09korrekt formal gearbeitet hat. Hier sind ja die Systemabläufe alle so gewesen,
- 41:14wie wir sie uns mal gedacht haben.
- 41:16Hier kann man ja dem Ausländer gar keinen Vorwurf machen, sondern der hat sich
- 41:19ja sozusagen in das System begeben und ist dann vom System so prozessiert worden,
- 41:23wie es dann nach den Regeln.
- 41:25Und ganz kurz, und was Sie oder Giovanni dem System vorwerfen,
- 41:28ist, dass es dann zu falschen Ergebnissen gekommen ist.
- 41:30Also zu Ergebnissen, wo die die Zukunft nicht mit einberechnet haben.
- 41:34Ja, Kollege Augstein, genau so ist es und deswegen ist der Druck so groß,
- 41:39die Regularien zu ändern.
- 41:41Um die Ergebnisse zu ändern, weil sie politisch so toxisch sind und dieser Partei
- 41:47namens AfD mindestens mal einen nennenswerten Teil ihres Zulaufes beschert haben.
- 41:54Und Sie werden sehen, dass wenn, um jetzt den Kreis zu schließen nach vorne,
- 41:59dort tatsächlich eine Regierung Sigmund ins Amt kommt, werden die als erstes
- 42:03jeden einzelnen Strich unternehmen, den sie ohne Landtagsmehrheit quasi auf
- 42:10dem Verordnungs- und Verwaltungsweg unternehmen können,
- 42:13um das Asylrecht bzw.
- 42:15Den Vollzug des Asylrechts, denn darauf haben sie Zugriff, zu verschärfen.
- 42:19Und die Leute, die sie gewählt haben, werden ihnen zujubeln.
- 42:23Und die Leute links der Mitte werden erkennen müssen, dass sie im Laufe der
- 42:30Jahre eine Menge versäumt haben, als sie darauf bestanden, all diese Regularien
- 42:35genau so zu lassen, wie sie sind.
- 42:39Ja, willkommen im neuen Deutschland, lieber Kollege Blome, und in diesem Sinne bis nächste Woche.