Latest / STAR FM Rocktalk / Campino: Der Anfang vom Ende
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- Der Starfm Rocktalk, heute mit Campino und 10 Songs für ein Halleluja. So Freunde, da haben wir es also geschafft, in 10 Songs, in 10 Folgen durch die Geschichte der Toten Hosen. Ich bin Wolfi, konnte mit Campino zusammen diese Aufnahmen machen und natürlich haben wir jetzt auf dem Weg das eine oder andere Album liegen gelassen, die eine oder andere Story oder Anekdote nicht geschafft, aber ganz ehrlich, das wären sonst 100 Teile geworden. So viel, was da in knapp 45 Jahren Bandgeschichte passiert, ist einfach heftig. Machst du das eigentlich grundsätzlich gerne, über die Toten Hosen in Vergangenheit zu sprechen? Also jetzt außerhalb von so einem Format oder von einem Interview? Oder passiert das eher selten im Alltag? Wenn jemand Spaß daran hat, dann freue ich mich, was zu erzählen, aber ich würde jetzt nicht von selber bei jeder Party damit anzufangen. Darüber zu fabulieren, was früher mal war. Also das nicht. Aber wenn jemand aufrichtig wissen möchte, was in einer gewissen Zeit so los gewesen ist oder so, dann versuche ich schon mich daran zu erinnern. Wir greifen jetzt für die letzte Folge zum am Ende letzten regulären Studioalbum. Ich betone hier das Wort regulär, denn wer die Doku zum Album gesehen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass sehr häufig das Wort regulär kam. Sprich, kann gut sein, dass da vielleicht noch ein Live-Album rauskommt oder irgendein spezielles Projekt umgesetzt wird oder was weiß ich. Es sind ja nicht alle Türen zu bei den Toten Hosen. Campino, du hast zuletzt viele Interviews rund um das neue Album geführt, das letzte Album. Denkt man da manchmal, heute ist mal lieber nicht kommuniziert, dass es das letzte ist, dann müsste ich nicht ständig drüber reden, über dieses Abschiedsthema. Da muss ich jetzt lächeln. Tatsächlich nervt das ein bisschen, das ständig zu wiederholen. Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass die Rechnung aufgegangen ist, dass wir dieses Verkünden des letzten Albums gut genutzt haben, um uns zu motivieren. Das sollte ja nochmal Kräfte bündeln, das sollte uns nochmal Ansporn sein, wirklich alles reinzuhauen in diese Platte, was wir haben. Und das ist, glaube ich, auch genauso gekommen. Ich denke, wenn wir einfach nur eine weitere Scheibe rausgebracht hätten, würde die sehr viel schwächer und unentschlossener klingen. Wir haben jetzt zwei Jahre an diesen Liedern gearbeitet und wenn man das tut, entwickelt man immer einen sehr sachlichen, analytischen Blick. Man ist ständig auf Fehlersuche. Es geht immer nur darum, diese Songs zu optimieren. Und irgendwann hat man einfach keine Distanz mehr zu den Sachen, kein Gefühl mehr dafür, ob das jetzt gut ist oder schlecht. Aber wir haben den Versuch gemacht, nochmal die ganze Bandbreite zu erwischen, alles das, wofür die toten Hosen stehen und was man sich vielleicht von ihnen erhofft und wünschen würde. Ob das gelungen ist oder nicht, das werden die nächsten Wochen dann zeigen, wenn alle Leute die Platte hören. Ist man dann ein bisschen auch dann wirklich anders rangegangen ans Songwriting, an das Thema neue Songs, weil man dachte, ach komm, lasst uns doch mal wieder so einen im Stil von XY machen oder so? Der Vorsatz, dies ist unser letztes Album, hat natürlich eine Rolle gespielt und hat sich ausgewirkt auf unsere Themenwahl. Da sind eine ganze Menge Lieder auf dieser Scheibe, die nicht erschienen wären, wenn es einfach nur ein weiteres Hosenalbum geworden wäre. Zum Beispiel eine Liebeserklärung an die Stadt Düsseldorf. Das ist so ein Thema, das hätte ich gerne noch in die Zukunft geschoben und gesagt, da wird irgendwann mal Zeit für sein. Da gibt es ein Lied über meinen Sohn. Da war einfach die Frage, jetzt oder nie, wenn du es jetzt nicht machst, kommt es nie raus. Und dann habe ich gesagt, na gut, dann sei es drum. Aber das sind alles Sachen, die teilweise so in Bereiche gehen, die mir selber so ein bisschen unheimlich sind und. Die ich liebend gern prokrastinationstechnisch in die Zukunft geschoben hätte. Aber es gibt keine Zukunft mehr für diese Musik der Band und deshalb musste es jetzt raus. Und das ist eben auf dem Album zu finden und das möge man uns verzeihen, da sind natürlich mehrere Rückblicke, man reflektiert über das, was geschehen war, man zieht in gewisser Weise auch eine Bilanz, das taucht da alles auf, aber es musste eben so sein. Es ging da nicht darum, Erwartungshaltungen für andere zu bedienen, sondern in erster Linie unseren eigenen Anspruch zu genügen. Für uns selber nochmal an die Messleite zu gehen, was sind unsere gelungensten Songs. Authentisch zu bleiben. Wie kann man klingen wie die Toten Hosen mit Ü60? Ja, was sind das für Gemeinsamkeiten zu den Toten Hosen mit Mitte 20? Gibt es da überhaupt welche? Das musste für uns durchforscht und bearbeitet werden. Und ich glaube, ich hoffe, dass wir das irgendwie gepackt haben. Sind das denn jetzt alles neue Lieder, die entstanden sind? Oder hat man da vielleicht auch so den einen oder anderen aus der Schublade gezogen, wo ich dachte, eigentlich wollte ich den doch immer mal auf ein Album packen? Es gibt ein Lied, das ist aus der Laune der Natur-Session übrig geblieben. Das heißt, Augen zu, es regnet Blumen. Das ist ein sehr ruhiges Lied. Das hatten wir fast vergessen. Hattest du sozusagen wieder entdeckt und gesagt, Leute, was ist denn mit dieser Musik, die ist doch irgendwie gut und der Text, der ist doch auch schon sehr nah dran. Und dann haben wir uns das nochmal angehört und uns das vorgenommen und das ist tatsächlich auf dieser Scheibe jetzt gelandet. Aber alles andere ist wirklich Material aus den letzten zwei Jahren. Wie war dann der Moment, wo das Album fertig war und man setzt sich dann, ich weiß nicht, vielleicht zu Hause hin mit einem Glas Rotwein und hört es sich einmal wie ein Konsument ganz in Ruhe an. Wird man da wehmütig? Ja, tatsächlich hatten wir den letzten Tag der Produktion angesetzt, um nochmal zusammen alles intensiv miteinander zu hören. Falls dann auch irgendein Fehler auffallen würde oder aber auch, um das gemeinsam zu genießen. Und es war ein Freund von uns da, Martin Materia, der meinte, wir hatten mehrere Flaschen Champagner im Kühlschrank. Wir wollten anstoßen, wenn alles vorbei ist. Und der sagte dann aber, Leute, was soll denn das? Macht die Flaschen jetzt auf, bevor wir das hören. Wer will denn heute noch Fehler suchen? Und so haben wir das dann auch gemacht und das war unheimlich, ein unheimlich schöner Moment. Aus Zufall waren am selben Tag T.S. Ullmann und Monschi von Feine Sahne Fischfilet irgendwie bei einer Veranstaltung in Köln und hatten mit uns telefoniert, haben gehört, was wir gerade machen, haben gesagt, ja okay, wir setzen uns ins Taxi und kommen auch vorbei. Und dann ist ebenfalls auch noch Kolja von der Antilopengang aufgetaucht und so, das waren unsere Freunde, die mit uns versammelt dann diesen Abend gefeiert haben. Wir haben getrunken und die Platte gehört und alle waren irgendwie gut drauf und glücklich und das werde ich für mein Leben mitnehmen. Es war der wirklich schönste Moment, auch verbunden mit der von dir eben beschriebenen Wehmut. Es war irgendwie seltsam, dass man plötzlich da sitzt und nach 45 Jahren sagt, das soll es jetzt gewesen sein an Gedanken, die du dabei getragen hast. Das hat in mir gearbeitet, aber es fühlt sich alles soweit richtig an. Und das klingt ja auch wirklich nach einem schönen Abschluss. Ich glaube einfach einen Abschluss in irgendeiner Form an der Stelle zu haben ist wichtig. Nicht, dass man sich dann, ich weiß nicht, vielleicht das Album so anhört, okay, ich gehe nach Hause und das war es irgendwie. Also von dem her klingt das, als hätte der Zufall da euch wirklich gut in die Karten reingespielt. Der hat uns mit mehreren Dingen sehr, sehr gut in die Karten gespielt. Alleine das Cover zu dieser Scheibe. Mir gefällt die Idee sehr, dass wir auf unserem ersten Album Opel Gang diesen alten grauen Opel da im Bild haben und der ist wieder zurückgekehrt bei der letzten Scheibe. Und man sieht, wie wir da am Rhein stehen, etwas ratlos auf den Motor gucken. Wir sind auch so in Wahrheit nicht wirklich viel weitergekommen als 1982. Als erster Singer, als erster Vorgeschmack auf das neue Album kam die Show muss weitergehen raus. Dreht sich inhaltlich natürlich nicht direkt um euch, aber passt in der Hinsicht ja ganz gut, dass ihr ja erst einmal nur diesen Schlusspunkt gesetzt habt beim Thema Studioalben. Es hört ja nicht sofort auf mit dem Thema Totenhosen an sich. Das ist richtig. Also das genaue Ende ist bei uns noch nicht ausformuliert. Das wäre jetzt auch noch zu früh, um darüber zu sprechen. Aber bei dem Lied, die Show muss weitergehen, geht es ja eigentlich gar nicht um uns. Das kann man vielleicht als Wortspiel so und im Augenzwinkern sehen. Aber letztendlich haben wir gedacht, nach längerer Zeit, das erste Lebenszeichen von uns, Das soll doch ein bisschen Freude versprühen und Zuversicht und irgendwo ein Mutmacher sein, wenn die Woche wieder losgeht oder man irgendwo einen Tag hat und ein bisschen genervt ist, dass man sozusagen, wieder mit ein bisschen mehr Hoffnung und Energie so in den Tag geht. Wenn es einem nicht gut gehen sollte, dass man weiß, die Zeiten werden sich wieder ändern. Das ist letztendlich so für uns dieser Spruch, die Show muss weitergehen und dann kommen auch wieder gute Zeiten. Freust du dich auf die Tour? Sehr. Wir freuen uns alle sehr, sehr auf die Tour. Gewisse Faktoren hat man nicht in der Hand, Stichwort Wetter und so weiter. Aber wir empfinden wahnsinnige Dankbarkeit über dieses Vorschussvertrauen, dass die Leute alle die Tickets gekauft haben, weil sie sich erhoffen, dass wir alle zusammen einen guten Abend erleben. Und da werden wir uns reinknien, dass wir von unserer Seite aus alles tun, dass das auch so wird. Dann sage ich jetzt an dieser Stelle mal stellvertretend für ganz viele Fans in Deutschland, vielen lieben Dank Campino und vielen lieben Dank in Richtung der Band und alle, die dazugehören in Richtung Toten Hosen. Denn ihr habt wirklich Wichtiges und Großes geleistet für die deutschen Musiklandschaften und da kann man nur seinen Hut ziehen. Herzlichen Dank, ich werde den Jungs das ausrichten. Dankeschön. Danke dir, hat mir Spaß gemacht. Der Star FM Rock Talk, heute mit Campino und 10 Songs für ein Halleluja.