Latest / ntv Wirtschaft / Ergebnisse zu Pilotprojekt: Was bringt die Vier-Tage-Woche
Transcript
- Untertitelung im Auftrag des ZDF, 2020, Zwei Jahre nach dem Start der 4-Tage-Woche-Pilotstudie arbeiten viele Firmen tatsächlich weiter kürzer, aber oft ganz anders als gedacht. Hallo! In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und Stimme der Sprecherin wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Wir starten mit einem Prozess, der für die Tech-Branche zum Lackmustest werden kann. In Los Angeles steht Meta-Chef Mark Zuckerberg als Zeuge vor Gericht. Hintergrund ist die Klage einer jungen Frau, die Instagram und YouTube vorwirft, ihre psychische Gesundheit geschältigt zu haben. Die Plattformen seien so gestaltet, dass sie Kinder und Jugendliche möglichst lange binden, um Profite zu steigern. Der Fall gilt als Testlauf für tausende ähnliche Klagen in den USA. Zuckerberg weist den Vorwurf zurück. Meta erlaube offiziell keine Nutzer unter 13 Jahren auf Instagram und Facebook. Und ja, intern habe man mal über eine Instagram-Version für Kinder unter 13 diskutiert, umgesetzt worden sei sie aber nie. Der Klägeranwalt hält dagegen und legt interne Dokumente vor, die nahelegen, dass im Konzern über Strategien gesprochen wurde, wie man sehr junge Nutzer früher an die Plattform heranführt. Zuckerberg nennt das eine falsche Darstellung seiner Aussagen. Brisant sind auch interne Zweifel an der Durchsetzung der Altersgrenzen. Zuckerberg argumentiert, Altersüberprüfung sei für App-Anbieter technisch schwierig. Verantwortung liege eher bei den Geräteherstellern. Snap und TikTok hatten sich vor Prozessbeginn mit der Klägerin bereits auf einen Vergleich geeinigt. Was das Verfahren für die großen Konzerne bedeutet, dazu Tech-Journalist Thomas Riedel im NTV-Interview. Also, dass wir jetzt genau wissen, machen Facebook, Instagram und Co. Wirklich süchtig? Ist das so? Wir gehen davon aus, dass das so ist. Es gibt auch insgesamt Erhebungen und Studien, die das auch belegen. Von dem her warten wir jetzt eigentlich nur darauf, dass mal ein Gericht das bestätigt, damit wir mal weitermachen können. Wenn dieses Gericht in den Vereinigten Staaten, wo Zuckerberg ja gestern ausgesagt hat, tatsächlich entscheidet, Social Media macht süchtig. Dann ist es natürlich erst mal ein Rückschlag für Zuckerberg in den Staaten. Aber was bedeutet das dann für uns Nutzer hier in der EU? Das ist natürlich auch eine Signalwirkung für uns in der EU. Wir haben gerade das Gespräch, natürlich die Diskussion darüber über Social Media-Verbot, angestachelt auch durch die Australier, die da schon einen Schritt nach vorne gegangen sind. Und wenn sich herausstellt, dass der Algorithmus in den USA süchtig macht, dann ist die Frage, warum sollten wir in Europa einen süchtig machtenden Algorithmus zulassen. Und das ist natürlich ein gutes Argument, da tatsächlich dann auch für die Regulierungsbehörden in der EU ranzugehen und das auch zu regulieren. Die Franzosen sind da deutlich weiter als wir, ne? Die Franzosen sind weiter, die Spanier sind weiter. Auch die überlegen sich das gerade. Wir haben aber auch in Deutschland mittlerweile Stimmen, die für ein frischem Mediaverbot sind. Die SPD hat ein Positionspartner. Kein generelles Verbot, sondern altersbedingtes. Genau, ein abgestuftes Verbot zum Beispiel schlägt die SPD vor. Die wollen bis zu 14 Jahren und bis zu 16 Jahren unterschiedlich abgestufte Verbote haben. Die Grünen haben schon signalisiert, dass sie da auch dafür sind. Die CDU wird vermutlich jetzt am Wochenende, am Parteitag etwas Ähnliches sagen. Und dann geht es darum, wie kann das eigentlich umgesetzt werden. Denn Nationalstaaten können das in der EU eigentlich gar nicht, sondern es muss von der EU beschlossen werden. Und die SPD sagt, wir wollen eigentlich bis zum Sommer dort eine Entscheidung haben, dass wir da vorwärts kommen. Dann könnte den amerikanischen Tech-Konzernen aus der EU mal wieder ordentlich entgegenkommen. Aber die haben ja wahrscheinlich eine Menge Mitarbeiter. Um genau das zu verhindern, haben die eigentlich selber Psychologen, die dafür sorgen, dass wir Nutzer so einer Art Maximalbindung. Zu Facebook und Co. bekommen? Also, sie sind natürlich ein wirtschaftsorientiertes Unternehmen. Und daraufhin geht es natürlich schon darum, dass ihre UserInnen so lange wie möglich auf ihren Plattformen verweilen. Denn ihr Geschäftsmodell besteht aus Werbeeinnahmen. Und das ist auch erst mal legitim. Dennoch kann das natürlich, wenn man das übertreibt, krankhaft werden und eben zu diesem Suchtverhalten führen. Und man kann schon davon ausgehen, dass sie Experten haben, die genau wissen, wie sowas funktioniert. Ob das jetzt Psychologen sind, das weiß ich jetzt nicht. Aber auf jeden Fall wissen sie genau, was dort passiert. Und es gibt anscheinend auch Dokumente, die vorliegen. Und Leaks, die zeigen Beweise, die in dem Gericht auch vorliegen in den USA, die beweisen, dass Meta ganz genau wusste, welche Auswirkungen ihre Algorithmen haben. Und deswegen ist das auch gerade überhaupt so spannend. Es könnte nämlich sein, dass das von einem Zivilverfahren zu einer strafrechtlichen Angelegenheit wird. Und dann kann Meta sich auch nicht mehr rauskaufen, sondern dann kommt es auf jeden Fall zu einem Gerichtsverfahren. Dann könnte höchstens der US-Präsident, der ja Buddy ist mit Zuckerberg, das Gerichtsunterteil wieder einkassieren, oder? Das sieht leider danach aus. Also was wir ja gerade erleben, ist so ein bisschen so zwei Gerichtswege, die wir haben. Zum einen das, was im Gesetz steht und zum anderen das, was Trump irgendwie macht und die US-amerikanische Regierung. Und das ist so eine Parallelwelt, die sich da gerade aufbaut und das ist natürlich schon sehr besorgniserregend. Also am Ende geht es ja immer, immer nur ums Geld. Um Werbeeinnahmen, Geld. Egal woher, Hauptsache viel Geld. Wie viel steht denn für Facebook, für Meta, für YouTube etc. Eigentlich wirklich auf dem Spiel? Also angenommen, Sie müssten radikal Ihre Algorithmen umbauen, dann werden Sie Ihre Einnahmen schon drastisch reduzieren. Jetzt ist das aber so, dass Sie natürlich ziemlich viel Geld gesammelt haben und Ihr Konto ist ziemlich voll. Das heißt, Sie haben da erstmal nicht so ein Riesenproblem. Also selbst wenn Sie Milliardenzahlungen als Strafe zahlen müssten, haben Sie ein ziemlich gut gefülltes Bankkonto, mit dem Sie das leicht kompensieren können. Deswegen ist das so ein bisschen, das ist zwar gut und wichtig, dass es passiert, letztendlich müssen wir dauerhaft dafür sorgen, dass solche Unternehmen nicht so eine große Wirkung auf uns haben, auf die Gesellschaft haben und das ist die eigentliche Aufgabe, die dahinter steht. Und wenn wir schon bei Aufmerksamkeit als Währung sind, dann liegt der nächste Schritt fast auf der Hand. Wer verwaltet eigentlich das ganz große Geld? Und wohin schiebt es der berühmteste Investor der Welt, kurz bevor er endgültig abtritt? Warren Buffett zieht sich aus der ersten Reihe zurück. Nach rund sechs Jahrzehnten an der Spitze übergibt er die operative Führung von Berkshire Hathaway zum Jahreswechsel an seinen designierten Nachfolger Greg Abel. Und ausgerechnet in seinem letzten Portfolio wird nochmal ordentlich umsortiert. Sichtbar in den Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht. Auffällig ist vor allem, Berkshire hat Amazon drastisch reduziert, also einen der großen Tech-Gewinner der vergangenen Jahre. Gleichzeitig baut Buffett auch Positionen bei Apple und bei der Bank of America weiter ab. Apple bleibt aber trotzdem der mit Abstand größte Posten im Berkshire-Portfolio. Nur eben nicht mehr in der früheren Wucht. Und dann ist da diese Geschichte, die eher nach Buffett-Biografie klingt als nach Trend-Investing. Berkshire steigt bei der New York Times ein. Gemessen am Gesamtportfolio ist das kein Riesenpaket, aber als Signal wirkt es stark. Was dahinter steckt, darüber hat Frank Mayer an der Börse mit Hendrik Leber, Geschäftsführer bei Akatis, gesprochen. Herr Leber ist natürlich auch ein Value-Investor und das ist ja seit gestern. Haben Sie aus dem Depot, aus der Veränderung was gelernt? Ich fühle mich ein bisschen bestätigt, wenn ich auf das Depot von Warren Buffett schaue. Interessant, dass sich Buffett doch in der Medien- und Internetwelt ganz gut auskennt. Er hat ja aktiv jetzt die Alphabet-Position aufgebaut und die Amazon-Position abgebaut. Ein Zeichen dafür, dass er sieht, wo die KI praktisch ihren Nutzen bringt und das Alphabet einer der Gewinner ist. Andere Geschichte, die New York Times. Er liebt ja Zeitungen. Er hat schon immer Zeitungen gesessen und man sagt ja, die Zeitungen sind im Untergang geweiht. Aber die New York Times hat die digitale Transformation hinbekommen und da ist er gerade frisch reingestiegen. Ich finde das spannend. Sie waren ja da schon ein Jahr eher als Buffett mit der New York Times. Was ist spannend bei denen? Man denkt, was soll ich mit so einer gedruckten Papiersache machen? Das ist hinüber, nicht mehr interessant. Tatsächlich aber verdient die New York Times mit Kreuzworträtseln, mit Kochrezepten, mit Warentests und mit einem Sportkanal ihr digitales Geld. Und damit sind sie einer der wenigen Medienkonzerne, die wirklich diese Transformation geschafft haben. Und die Zahlen von Quartal zu Quartal werden sie besser. Also ich habe sie vor einem Jahr entdeckt. Buffett ist mir brav gefolgt, wahrscheinlich liest er meine Investmentberichte. Also ich finde diese Entscheidung goldrichtig. Also alles hat ja an der Börse seine Zeit, auch Warren Buffett. Er war ja eine Art von One-Man-Show. Wenn er dann nicht mehr dieses Ruder übernommen hat oder nicht mehr rudert, ist das die beste Zeit dann auch gewesen? Für diese One-Man-Shows? Ja, zum Beispiel für den Fonds. Ja, also erstmal für die Berkshire Hathaway. Erstmal monetär, wenn wir das mal addieren, was er da alles hat. Er hat für 275 Milliarden ein Aktienportfolio, für 380 Milliarden Kasse. Da bin ich schon bei 600 Milliarden. Das heißt, ich kriege da einen Industriekonzern praktisch noch hinterhergeworfen, weil der Gesamtwert ist eine Billion. Also ich finde das von der Bewertung her, finde ich die Aktie großartig. Aber die Frage, kann man noch solche prononcierten Wetten heute eingehen? Eine Riesenposition immer noch in Apple zum Beispiel oder in der American Express. Und ich schaue mir dann die Stiftung seiner Kinder an und da sind überwiegend ETFs drin. Und da denke ich mir, wahrscheinlich ist die Zeit vorbei, wo man als Einzelinvestor nochmal so eine starke Meinung haben kann und sich ein bisschen gegen den Markt stellen kann. Auch konservativ sein kann, wo alle modern sein wollen. Also ich vermute, Buffett war eine Ausnahmeerscheinung und sein Kollege Charlie Munger auch. Es hat aber so viel Cash. Was macht er damit? Weil das ist ja auch ein zinsloses Risiko, in Amerika nicht so, aber generell der Inflation wird es anheim gegeben und so weiter. Da muss ich raus aus dem Cash irgendwann. Da ist ja immer die große Vermutung, ob Buffett nicht das Cash hält, weil er auf eine große Gelegenheit wartet. Und wahrscheinlich sagt er sich, die Renditen geben es nicht mehr her im Aktienmarkt. Also gerade bei den großen Titeln, wenn ich die mal durchrechne, dann komme ich auf 6 bis 8 Prozent Rendite, wenn es gut kommt. Wenn es schlecht kommt, 4 Prozent. Und am Rentenmarkt kriegt er in den USA auch so drei, vier, fünf Prozent auf alle Fälle. Warum das Risiko des Aktienmarkts eingehen? Ich glaube, das ist ein Gedanke dahinter. Und vielleicht implizit die Erwartung, dass es mal einen deutlichen Kursrückgang geben könnte, in den er dann wieder einsteigen kann. Bei den kleineren Titeln sind die Chancen heute da, bei den großen ist es schwieriger. Was ja irgendwie passt, weil alle die hier an der Börse, die ich interviewe, die sagen, alle die Börse kann nur steigen. Wenn ich mir ihre Videos der letzten Wochen angucke, so ganz optimistisch sind sie nicht. Ja, wir haben im Moment durch die KI natürlich so viel Hoffnung und Erwartung wie im Jahr 2000 an das Internet. Und die sind auch alle erfüllt worden, aber nicht von allen Marktteilnehmern. Da gibt es welche, die das extrem gut spielen. Da gehört eben die Alphabet von Buffett jetzt dazu. Und es gibt welche, die es irgendwie vergeigen. Und da würde ich mal so ein, darf ich Namen nennen, Microsoft dazu zählen, die irgendwie was mit KI machen, aber beim Kunden kommt es nicht so richtig gut an. Funktioniert nicht so richtig. Da wird es Gewinner und Verlierer geben. Und die Gewinner werden ihre Position halten und die Verlierer werden einen Abstieg erleben. Von Buffetts größter Ressource, Kapital, kommen wir jetzt zu der Ressource, die in deutschen Betrieben mindestens genauso knapp ist. Zeit. Und zur Frage, ob weniger Arbeitszeit wirklich weniger Leistung bedeutet. Zum Schluss ein Blick auf die Vier-Tage-Woche. Genauer auf das bundesweite Pilotprojekt, das Anfang 2024 gestartet ist. Zwei Jahre später liegt ein Ergebnisbericht vor. Die wichtigste Zahl? Von den 40 Organisationen, die die Pilotphase 2024 abgeschlossen haben, arbeiten 70 Prozent weiterhin mit einer Form der Arbeitszeitreduzierung. Aber in vielen Fällen nicht als starres Viertage-Schema, sondern flexibler. Etwa über Wochenkontingente, Zeitkonten oder Rotationsmodelle. Der gemeinsame Nenner ist die reduzierte Gesamtarbeitszeit, nicht der feste Wochentakt. Zu den genauen Studienergebnissen Initiator Carsten Mayer, Co-Geschäftsführer von Intrapreneur. Herr Mayer, was ist denn da Ihre Kernerkenntnis in puncto Produktivität? Wir haben bereits 2024 die erste große Studie zur Viertagewoche gemacht und uns jetzt angeschaut, wie eigentlich die Unternehmen, die weiter in einer Viertagewoche gearbeitet haben, jetzt eigentlich zwei Jahre später damit so arbeiten und haben feststellen können, Produktivität bei geringerer Arbeitszeit, das ist weiterhin möglich. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe konnte hier sehr positive Werte erkannt werden. Das heißt, auch mit weniger Arbeitszeit kann ich richtig gute Leistung bringen. Jetzt haben wir 30 Prozent der Unternehmen abgebrochen. Warum? Ja, die haben uns zurückgespiegelt, dass es eben eine wirtschaftliche herausfordernde Zeit war, also Auftragsrückgänge oder andere ökonomische Herausforderungen dazu geführt haben, dass sie sich erstmal auf ihr Kerngeschäft zurückfokussieren wollten, denn eine Viertagewoche, ein solches Pilotprojekt ist natürlich ein Veränderungsprojekt, das braucht Zeit und Energie und die kann man dann in solchen Zeiten möglicherweise nicht so durchführen, wie man das sich gerne vorgestellt hat. Aber ist das nicht auch ein Widerspruch auf der einen Seite zu sagen, man ist produktiver und dann doch zu sagen, naja, man setzt das jetzt nicht weiter fort? Es unterstreicht meine These, dass es am Ende ein Veränderungsprojekt ist, was Zeit und Energie braucht. Die Unternehmen, die sich diese Zeit genommen haben, die 70 Prozent, haben tatsächlich eben positive Ergebnisse, was Fachkräftemangel, Erarbeitung angeht, Arbeitgeberattraktivität und Co. Und die haben damit eben eine gute Lösung gefunden, die sowohl in der Krise als auch in einer guten Zeit funktioniert. Was sind denn ansonsten Ihre Kernerkenntnisse aus dieser Studie? Mich hat besonders überrascht, dass auch die Rückkehrer, die jetzt wieder in einer Fünftagewoche arbeiten, sehr positive Effekte aus dieser Pilotphase mitnehmen konnten. Das heißt, generell ein Pilotprojekt zu machen, ist eine gute Sache und kann eigentlich jeder einfach starten oder sich als Ermutigung mitnehmen. Und die zweite Erkenntnis, die, glaube ich, sehr spannend ist für unsere wirtschaftliche Lage, ist, dass Innovation und Kreativität gestiegen ist. Das haben sowohl die Organisationen gezeigt, als auch die Mitarbeitenden, die befragt wurden. Und ich denke, dass das eigentlich der Hebel für unsere Wirtschaft sein könnte, nicht zwangsläufig mehr arbeiten, aber eben zu sagen, wie können wir kreativer sein und innovativere Lösungen für morgen entwickeln. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.