Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 2- 100-103
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 100 huldigen lernen.
- 0:04Zusammenfassung des Inhalts in diesem Abschnitt stellt
- 0:08Nietzsche fest, dass Menschen nicht nur lernen müssen, andere
- 0:11zu verachten, sondern auch ihnen zu huldigen, also Respekt und
- 0:15Dankbarkeit zu zeigen. Er beobachtet, dass Menschen die
- 0:19neuen wegen folgen, die von großen Denkern eröffnet wurden,
- 0:23oft sehr unbeholfen und armselig darin sind, ihre Dankbarkeit
- 0:26auszudrücken. Es wirkt so, als ob es ihnen die
- 0:29Kehle zuschnürt, wenn sie danken wollen.
- 0:32Die Art und Weise, wie ein Denker die Wirkung seiner
- 0:35Gedanken spürt, erscheint Nietzsche fast wie eine Komödie,
- 0:39die Menschen, auf die er gewirkt hat, fühlen sich durch die neuen
- 0:42Ideen fast schon beleidigt und verteidigen ihre bedrohte
- 0:46Selbstständigkeit. Nietzsche meint, es braucht
- 0:49ganze Generationen, um überhaupt nur eine höfliche Form der
- 0:52Dankbarkeit zu entwickeln. Erst viel später kommt der
- 0:56Zeitpunkt, an dem in die Dankbarkeit auch eine Form von
- 0:58Geist und Genialität einfließt. Dann erst gibt es jemanden, der
- 1:03als großer Dankempfänger gilt, dieser empfängt den Dank aber
- 1:07nicht nur für das, was er selbst Gutes getan hat, sondern vor
- 1:11allem für das, was seine Vorgänger über lange Zeit als
- 1:14Schatz des Wissens und der Kultur angehäuft haben.
- 1:17Einfache Erklärung Nietzsche kritisiert hier die mangelnde
- 1:21Kultur der Dankbarkeit in seiner Zeit.
- 1:24Wenn ein großer Denker eine neue Idee in die Welt bringt, nutzen
- 1:28viele Menschen diese Idee, ohne den Ursprung oder die Mühe
- 1:31dahinter wirklich zu würdigen. Ihre Dankbarkeit, wenn sie
- 1:34überhaupt gezeigt wird, ist oft ungeschickt oder fühlt sich
- 1:38sogar erzwungen an, manchmal reagieren die Menschen sogar
- 1:42abwehrend, weil die neue Idee ihre gewohnte Denkweise in Frage
- 1:45stellt und sie sich dadurch in ihrer geistigen Unabhängigkeit
- 1:49bedroht fühlen. Nietzsche hat eine sehr
- 1:52aristokratische Vorstellung von Kultur.
- 1:54Er glaubt, dass wahre Dankbarkeit eine hohe Kunst ist,
- 1:57die gelernt und über Generationen verfeinert werden
- 2:00muss. Es geht ihm nicht um ein
- 2:03einfaches Danke, es geht um die tiefe Anerkennung für das
- 2:06geistige Erbe, das ein großer Denker weiterführt, der große
- 2:11Dankempfänger ist für ihn eine Person, die nicht nur für die
- 2:14eigene Leistung geehrt wird, sondern symbolisch für die
- 2:17gesamte Tradition großer Geister steht.
- 2:21Er ist jemand, der die Weisheit und die Arbeit von Jahrhunderten
- 2:24verkörpert. Nietzsche bemängelt, dass diese
- 2:26Art von tiefem Respekt vor geistiger Größe in der modernen
- 2:30Welt verloren geht. Unterkapitel 101 Voltaire
- 2:37Zusammenfassung des Inhalts Nietzsche reflektiert über den
- 2:41französischen Schriftsteller und Philosophen Voltaire als Meister
- 2:45des Stils. Er stellt fest, dass überall, wo
- 2:48es einen Hof gab. Also ein Zentrum der Macht und
- 2:51Kultur wie ein Königshof. Auch das Gesetz des guten
- 2:54Sprechens und Schreibens galt die Sprache des Hofes, die
- 2:58Sprache des Höflings vermeidet bewusst technische
- 3:01Fachausdrücke, weil diese nach Arbeit und Spezialistentum
- 3:04schmecken. Jedes Wort, das auf einen
- 3:07Spezialisten hindeutet, galt in einer höfischen Kultur als
- 3:10schlechter Stil. Nietzsche kommt zu dem Schluss,
- 3:13dass Voltaire der Meister dieser höfischen Sprache war.
- 3:17Im Gegensatz dazu seien die modernen Menschen, auch
- 3:20Nietzsche selbst, von diesem höfischen Geschmack emanzipiert,
- 3:24also befreit. Einfache Erklärung dieser kurze
- 3:28Abschnitt ist eine Ehrerbietung an den Stil der Aufklärung, den
- 3:31Voltaire für Nietzsche perfekt verkörpert.
- 3:34Der Hof ist für ihn ein Symbol für eine Kultur mit klaren,
- 3:38hohen Standards, die dort gepflegte Sprache war elegant,
- 3:42geistreich und klar, aber niemals pedantisch oder
- 3:45technisch. Man wollte so sprechen und
- 3:48schreiben, dass jeder gebildete Mensch es verstehen konnte, ohne
- 3:51Experte auf einem bestimmten Gebiet zu sein.
- 3:54Nietzsche bewundert diese Klarheit und Leichtigkeit, wenn
- 3:58er sagt, dass wir modernen davon emanzipiert sind, ist das
- 4:02ironisch gemeint. Er deutet an, dass wir diese
- 4:05Eleganz und Disziplin im Ausdruck verloren haben, die
- 4:09Sprache seiner Zeitgenossen, besonders die der deutschen
- 4:12Gelehrten, empfand er oft als schwerfällig.
- 4:15Unklar und voller unnötiger Fachbegriffe Voltaire ist für
- 4:19ihn das leuchtende Gegenbeispiel, ein Geist, der
- 4:22tief denken, aber gleichzeitig brillant und verständlich
- 4:26schreiben konnte. Es ist eine Kritik an einer
- 4:29Gelehrsamkeit, die sich in ihrer eigenen, komplizierten Sprache
- 4:32verliert, Unterkapitel 102 ein Wort für die Philologen,
- 4:40Zusammenfassung des Inhalts. Nietzsche verteidigt hier die
- 4:44Arbeit der Philologen, Philologen sind sprach und
- 4:47Textwissenschaftler, die sich intensiv mit alten Schriften
- 4:50beschäftigen. Er sagt, der Glaube daran, dass
- 4:54es äußerst wertvolle und königliche Bücher gibt, die es
- 4:56wert sind, von ganzen Generationen von Gelehrten rein
- 4:59und verständlich erhalten zu werden, ist die Aufgabe der
- 5:02Philologie. Diese Arbeit setzt voraus, dass
- 5:06es immer wieder seltene Menschen geben wird, auch wenn man sie
- 5:09nicht oft sieht, die solche wertvollen Bücher wirklich
- 5:12nutzen können. Das sind Menschen, die selbst
- 5:15solche Bücher schreiben könnten. Nietzsche meint damit die
- 5:18Philologie, beruht auf einem vornehmen Glauben für einige
- 5:23wenige Genies, die in der Zukunft kommen werden, muss eine
- 5:26riesige Menge an anstrengender und manchmal sogar schmutziger
- 5:29Arbeit im Voraus geleistet werden.
- 5:32Es ist alles Arbeit in Usum Delfinorum einfache Erklärung
- 5:38Nietzsche, der selbst ausgebildeter klassischer
- 5:40Philologe war. Beschreibt hier den tieferen
- 5:42Sinn dieser Wissenschaft. Für viele Menschen mag die
- 5:46Arbeit eines Philologen trocken und sinnlos erscheinen, das
- 5:49akribische Vergleichen alter Texte, das Entziffern von
- 5:52Handschriften, das klären von Wortbedeutungen.
- 5:56Nietzsche sagt aber, dass diese mühevolle Arbeit einen höheren
- 5:59Zweck hat, sie dient dazu, die Meisterwerke der Kultur für
- 6:03zukünftige Generationen zu bewahren.
- 6:06Der Begriff in Usum Delfinorum bedeutet wörtlich für den
- 6:10Gebrauch des Dauffins des französischen Thronfolgers und
- 6:14bezieht sich auf speziell für die Erziehung des Prinzen
- 6:16aufbereitete Ausgaben antiker Klassiker.
- 6:19Nietzsche nutzt diesen Ausdruck metaphorisch, die Philologen
- 6:23leisten die schwere Vorarbeit für die geistigen Prinzen der
- 6:26Zukunft, das ist eine zutiefst elitäre Sicht auf Kultur, es
- 6:31geht nicht darum, dass jeder die Klassiker liest, sondern darum.
- 6:34Dass das kulturelle Erbe für die wenigen außergewöhnlichen
- 6:37Geister bewahrt wird, die daraus schöpfen und selbst wieder
- 6:41großes schaffen können. Die Arbeit der Philologen ist
- 6:44also ein Dienst an der Zukunft der Hochkultur, Unterkapitel 103
- 6:51von der Deutschen Musik, Zusammenfassung des Inhalts
- 6:56Nietzsche meint, die deutsche Musik sei deshalb die führende
- 6:59europäische Musik geworden, weil nur in ihr die große
- 7:03gesellschaftliche Veränderung. Durch die Revolution einen
- 7:06Ausdruck gefunden habe. Nur deutsche Musiker verstünden
- 7:09es, den Ausdruck bewegter Volksmassen, diesen gewaltigen
- 7:13künstlichen Lärm musikalisch darzustellen.
- 7:16Die italienische Oper kenne dagegen nur Chöre von
- 7:19Bediensteten oder Soldaten, aber kein echtes Volk zusätzlich,
- 7:25hört Nietzsche aus der deutschen Musik eine tiefe bürgerliche
- 7:28Eifersucht auf den Adel heraus, besonders auf dessen Geist,
- 7:31Esprit und Eleganz. Deutsche Musik sei keine Musik
- 7:36für den Königlichen Saal. Selbst die Anmut, also die
- 7:40Grazie, trete in der deutschen Musik nicht ohne ein schlechtes
- 7:43Gewissen auf. Erst bei der ländlichen
- 7:46Schwester, der Grazie, der Anmut des einfachen, fühle der
- 7:49deutsche sich moralisch, dies führe dann zur schwärmerischen
- 7:53und oft schwerfälligen Erhabenheit eines Beethoven.
- 7:57Er zitiert Goethes Beschreibung von Beethoven als ungebändigten
- 8:00Menschen. Eine Art Halbbarbar im Vergleich
- 8:03zur Kultur Goethes. Abschließend fragt Nietzsche, ob
- 8:07die zunehmende Verachtung der Melodie bei den Deutschen nicht
- 8:10eine demokratische Unart und eine Folge der Revolution sei.
- 8:15Die Melodie habe eine Lust an klaren Gesetzen, die wie ein
- 8:18Klang aus der alten, geordneten Welt Europas wirke.
- 8:22Einfache Erklärung Nietzsche übt hier eine scharfe Kritik an der
- 8:26deutschen Musik seiner Zeit, vor allem an Richard Wagner.
- 8:29Auch wenn er ihn nicht direkt nennt, er sieht in ihr den
- 8:33Ausdruck des modernen Massenmenschen, der durch die
- 8:35französische Revolution auf die Bühne der Geschichte getreten
- 8:39ist, während die ältere romanische Musik wie die
- 8:42italienische Oper noch von einer aristokratischen Gesellschaft
- 8:45geprägt war, drückt die deutsche Musik für ihn das Gefühl der
- 8:49Masse, das Pathos des Volkes aus.
- 8:52Gleichzeitig fühlt er darin einen Mangel an Leichtigkeit und
- 8:55Eleganz. Den er als eine Art Neid des
- 8:57Bürgertums auf den Adel interpretiert.
- 9:00Deutsche Musik sei oft schwer, ernst und moralisierend, sie
- 9:05strebe nach Erhabenheit, verliere dabei aber die Grazie
- 9:09und den Esprit, die Anekdote von Goethe und Beethoven bei ihrem
- 9:13Treffen in Teplitz unterstreicht das der kultivierte, beherrschte
- 9:17dichterfürst Goethe trifft auf den leidenschaftlichen,
- 9:20ungestümen und ungebändigten Komponisten Beethoven.
- 9:24Für Nietzsche ist das der Zusammenprall von Alter,
- 9:27aristokratischer Kultur und neuem bürgerlichem Genie.
- 9:30Seine abschließende Bemerkung über die Melodie ist wichtig,
- 9:34eine klare, gesetzmäßige Melodie erinnert ihn an die alte,
- 9:38geordnete Welt vor der Revolution, die moderne,
- 9:41demokratische Musik, wie er sie bei Wagner empfindet, löse diese
- 9:45klaren Strukturen zugunsten eines endlosen, formloseren
- 9:48Stroms von Musik auf, was er als Verfall betrachtet.