Latest / LensEU / East Side Stories / Velina Tchakarova: "Für die USA ist China die große Gefahr, nicht Russland"
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Eastside Stories.
- 0:15Wir sind Martina Czarnowska und Thomas Seifert.
- 0:18In unserer heutigen Folge haben wir einen besonderen Experten, sogar so und zwar die
- 0:23Wilina Czacharova. Sie ist eine Geopolitik-Strategin, sie ist Gründerin des geopolitischen Beratungsunternehmen
- 0:29FACE und einer der führenden Stimmen in unserer Region, wenn es um die globalen Machtverschiebungen
- 0:34und die Beziehung zwischen den Großmächten geht. Wir werden mit ihr über die aktuelle
- 0:38Weltlage und die Rolle Europas und die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China sprechen.
- 0:44Ein Konzept, das sie, maßgeblich mit dem Begriff "Glagan Beer", China, der Drache,
- 0:50Russland, der Beer geprägt hat.
- 0:52Bevor wir aber in das große Gespräch einsteigen, schauen wir nach Sofia. Von dort hat uns
- 0:58unserer heutige Voice Message erreicht. Sie ist von Anna Atanasova. Anna ist Copywriterin,
- 1:04beschäftigt sich mit digitalen Strategien und betreibt gerade eine Online-Plattform, die
- 1:08sich mit Musik- und kulturellen Veranstaltungen rund um Sofia befasst. Und sie hat uns folgende
- 1:13Nachricht geschickt.
- 1:14Voice Message. What's up, Sofia?
- 1:19Dabarden und Sofia. It's the midst of the summer yet, Sofia is buzzing. And you can feel it everywhere.
- 1:27In the parks, on the streets, in the festivals that bring together music and ideas and even in the
- 1:33co-working spaces, where the ecosystem is preparing for the busy autumn season. Over the past seven
- 1:40or eight years, the start-up scene here has exploded, producing not just fast growing companies,
- 1:47but also unicorns that put Bulgaria on the global tech map.
- 1:52Earlier this year, we got the great news that Sofia will be the home of one of Europe's
- 1:56AI factories, following the brilliant work of Insight.
- 2:02There are many people who are pushing the boundaries of research and innovation, and who are making
- 2:06Sofia really a deck hub for the future of innovation and technology. If you ever get the chance, you
- 2:13should definitely come and visit.
- 2:17Das war Anna Adanasova. Vielleicht zur Ergänzung. Insight, das Anna erwähnt hat, ist das Institut
- 2:23for Computer Science, Artificial Intelligence and Technology, das in Sofia angesiedelt ist
- 2:28und am Aufbau eines Zentrums für künstliche Intelligenz beteiligt ist. Anna ist übrigens
- 2:33eine unserer Autorinnen in der nächsten Ausgabe von Europien Voices. Sie schreibt darüber,
- 2:38wie junge Bulgarien, die ins Ausland gezogen sind, wieder in ihre Heimat zurückkehren.
- 2:42Und das ist ein Kontrapunkt zum Trend der massiven Emigration von der gerade Länder
- 2:47wie Bulgarien und Rumänien betroffen sind.
- 2:49In diesem Podcast haben wir offenbar so etwas wie einen Bulgarien-Schwerpunkt, Martina.
- 2:54Ja, das sieht so aus.
- 2:56Nicht in unser nächster Studiogast, Belina Zacharova. Sie ist in Sofia geboren.
- 3:01So, und in euer Gespräch hören wir jetzt rein.
- 3:04Belina, meine erste Frage bei meinen Gästen ist immer, wo warst du denn gerade?
- 3:11Ich habe zum ersten Mal seitdem ich in Österreich bin, also ich bin fast 20 Jahre in Österreich
- 3:17und zum ersten Mal habe ich mir vorgenommen, eigentlich im Sommer, eine Reise zurück in
- 3:23die Heimat zu unternehmen und damit meine ich natürlich eine längere Reise und innerhalb
- 3:27von acht Tagen habe ich 1.500 km absolviert, also bin ursprünglich aus Sofia, aus der
- 3:35Hauptstadt.
- 3:36Also ein paar Tage...
- 3:37Dort geboren, nicht?
- 3:38Dort geboren, dort groß geworden und habe dort ein paar Tage verbracht und dann auch
- 3:44in der zweitgrößten Stadt, Plovdiv.
- 3:46Wir haben sie auch vorhin schon gehört, unser WhatsApp kommt auch aus Sofia in dieser Ausgabe
- 3:52und auch da hört man die Begeisterung von Anna durch, die über diese tolle Start-up-Szene
- 3:57in Sofia berichtet, das heißt, offenbar ist Bulgarien ein unterschätztes Land, kann man
- 4:02sagen.
- 4:03Man kann auch offenbar in die IT-Industrie investieren.
- 4:04Oh, absolut, das ist ein Geheimtipp.
- 4:06Die Sache ist doch jetzt mit Alaska komplizierter geworden, weil wir jetzt auch sehen, wie die
- 4:13Amerikaner ticken, wie zumindest Donald Trump tickt, da gab es ja die Theorie "Er spielt
- 4:18den Reverse nixen".
- 4:19Was hältst du von dieser Theorie?
- 4:20Es ist keine Theorie, das ist der Ansatz und ich kann das auch bestätigen, weil ich manche
- 4:25der Hauptbruder-Gunisten in diesem neuen Trump-Team, auch Trump-Team, also wenn es um Außen-Sicherheit
- 4:32und Teilungspolitik geht, auch persönlich käme und ich kann eigentlich bestätigen,
- 4:39dass das der Mindset ist, der Mindset ist und das leite ich auch aus Gesprächen mit diesen
- 4:46Personen ab.
- 4:47Das heißt, sie haben auch kein Geheimnis daraus gemacht, schon vor der Präsidentschaftswahl.
- 4:53Jetzt sind manche wie zum Beispiel ein Bridge Kobe, der ist jetzt stellvertretender, Verteidigungsminister
- 5:00in den USA und so ähnlich, es läuft auch bei anderen in diesem Team ab.
- 5:09Und der Mindset ist der folgende, Russland stellt keine sötäische Gefahr für die USA.
- 5:19Da, also das heißt aus amerikanischer Sicht, vor allem diese Verwaltung betrachtet Russland
- 5:27nicht als sötäische Gefahr, Herausforderung schon, aber nicht als Gefahr.
- 5:34Die einzige Gefahr, die einzige allgängelwertige, umfassende Gefahr für diese Administration
- 5:41ist China.
- 5:42Und noch was, was diese Administration gemacht hat, ist, dass sie einen offenen Krieg mit
- 5:51anderen Mitteln, muss ich noch unterstreichen, also es geht überhaupt nicht um einen konventionellen
- 5:56Krieg, aber diese Administration hat einen offenen Krieg, Kinder gegenüber erklärt.
- 6:01Im handelspolitischen Bereich, also wirtschaftlichen Bereich, im Bereich der kritischen Rohstoffe,
- 6:09im Bereich der neuen Technologien, also der vierten industriellen Revolution, im Bereich
- 6:16des Feldraums und auch im Bereich der Verteidigung.
- 6:20Es läuft, das heißt, sie werden schon einen reversed, nixen Kissinger Ansatz probieren,
- 6:26aber aus meiner Sicht haben sie kurzfristig überhaupt keine Chance.
- 6:31Warum?
- 6:32Weil Russland und ich würde jetzt mal behaupten, auch Alaska, Gipfel treffen, ist eine Funktion
- 6:40von dieser sötäischen Ernährung, also es zahlt sich jetzt sowohl für Russland als
- 6:44auch für China kurzfristig aus, dass sie zusammenhalten aus unterschiedlichen Gründen
- 6:50und nochmals, sie haben nicht in allen Bereichen überlappende nach Interessen und Zielsetzungen,
- 6:57aber momentan sehe ich überhaupt keinen Spielraum für die Amerikaner, dass sie beide auseinander
- 7:04driften lassen, also dass sie beide auseinander bringen.
- 7:07Was ich unter anderem aber schon sehe, ist, dass man jetzt die Weichen stellt und versucht,
- 7:12den kleineren Partner zu neutralisieren, und zwar indem man eigentlich erstmal ist Russland
- 7:23und deshalb auch umgekehrt, indem man eigentlich nicht nur einen sötäischen Dialog wieder
- 7:28einführt, sondern indem man auch russische Positionen in anderen Konfliktherden, also
- 7:35weil wir haben jetzt nicht nur das Thema, das Riesenthema des russischen Krieges gegen
- 7:40die Ukraine, sondern wir haben eigentlich das Thema, dass Russland auch in anderen wichtigen
- 7:44Konfliktherden mitspielt oder beteiligt ist, manchmal militärisch präsent ist, manchmal
- 7:51politisch sehr stark präsent ist, und auch da muss man in irgendeiner Form, in irgendeiner
- 7:56Weise auf die russische Position eingehen und natürlich weiß man ganz genau, so Stichwort
- 8:02Iran, weiß man ganz genau, wenn man sich da nicht einigt, bilateral und da irgendwie
- 8:07nicht eine Plattform schafft, da kommt man auch bei den anderen Themen nicht weiter.
- 8:12Die Tatsache ist, diese Trump-Verwaltung sieht die Möglichkeit einer Zweifrontenkonfrontation
- 8:21als das gefährlichste Szenario, also sie ist der Meinung, dass die USA keine zwei umfassenden
- 8:29Kriege an zwei Fronten, Stichwort Europa und Stichwort Indo-Pacific gleichzeitig führen
- 8:36kann, und deshalb geht es jetzt einfach darum zu sehen, wo sind die Prioritäten, die liegen
- 8:42beim Indo-Pacific, also wir müssen jetzt dieses große strategische Kapitel unbedingt mit
- 8:47allen Mitteln abschließen, das ist der Mindset.
- 8:49An dieser Stelle muss ich jetzt kurz mal innehalten und mal überlegen, was heißt das jetzt eigentlich
- 8:53für Europa, weil was du das skizzierst, das bedeutet, okay, die Amerikaner interessieren
- 8:58möglichst schneller Friede, egal wie mit den Russen, um sich voll auf den Pacific konzentrieren
- 9:03zu können.
- 9:04Für Europa heißt das doch, okay, was sind unsere Probleme mit China, sind viel geringer
- 9:10als die mit Russland, weil Russland für den Krieg gegen ein europäisches Land nämlich
- 9:13die Ukraine und hat die Ukraine zum Teil besetzt und wir wissen auch nicht, ob Emissionen vielleicht
- 9:19eines Tages gibt, auch weiter zu gehen und die NATO zu testen.
- 9:23Während der Amerikaner ihr Problem sehen sie zurecht oder zunrecht mit China, mit dieser
- 9:28strategischen Auseinandersetzung und jetzt eine kurze Frage, wenn der Reverse nixen, was
- 9:32würde ein europäischer Nixen tun und jetzt meine T-Set europäischer Nixen würden nach
- 9:36Peking fahren und würden mal sehen, na gut, was gibt es hier eigentlich für Möglichkeiten?
- 9:40Können wir mit China vielleicht den Chinesen erklären, liebe Leute, für uns ist Russland
- 9:44ein großes Problem, helft uns doch hier und gleichzeitig haben wir viele andere gemeinsame
- 9:50Interessen.
- 9:51Ich sage nur, wir sind genauso wie China eine Elektro-Empire, dazukunft werden die Amerikaner
- 9:57mit den Russen gemeinsam Petro-Imperien immer noch sehen und das wahrscheinlich bleiben
- 10:01wollen, solange dort Gas und Öl überhaupt existiert.
- 10:03Es gäbe doch Ansatzpunkte, dasselbe was Trump mit den Russen versucht, die Europäer
- 10:09mit den Chinesen zu versuchen, zu sagen, ok, können wir nicht uns von Amerikanern stärker
- 10:13lösen, wenn uns die fallen lassen würden und wir hätten gleichzeitig auch eine Drogebärde
- 10:17gegen Washington zu sagen, moment mal, auch wir haben andere Optionen.
- 10:20Wir sind auch in einem irren strategischen Dilemma hier.
- 10:23Also so ist das tatsächlich passiert und die Wirklichkeit, also nicht in dem Ausmaß wie
- 10:27von dir jetzt dargestellt, aber in gewisser Weise ist es genau das passiert, also die
- 10:33europäische Kommission bzw. einzelne EU-Mitgliedsstatten haben genau diese Strategie entwickelt, wo sie
- 10:39lange gesagt haben, also wir brauchen unbedingt eine Equidistanz, also wir müssen unbedingt
- 10:44schauen, dass wir unsere Partnerschaft, also unser Verhältnis zu China in irgendeiner Form
- 10:51gestalten, dass wir auch eine Ballonsakt spielen können zwischen den Chinesen und den Amerikanern.
- 10:57In weiterer Folge hat man auch ein Gipfeltreffen organisiert, im Juli, das Ziel war es also
- 11:03statt Entkopplung, also das ist der Slogan der Amerikaner, de coupling, also Entkopplung,
- 11:09statt Entkopplung zu schauen, dass wir einen sogenannten Risikominimierungsansatz betreiben,
- 11:17also der Risikansatz und dann auch schauen, in welchen Bereichen, also du hast ein paar
- 11:23genannt, wir mit den Chinesen eigentlich kooperieren, nur mein Problem mit diesem Ansatz ist es,
- 11:31dass er auch sehr wohl kurzfristig funktionieren kann, weil wie du von dir auch formuliert,
- 11:36richtigerweise formuliert, auch die Chinesen daran Interesse haben, also wir haben ein
- 11:41Riesenhandelsvolumen von ca. 800 Milliarden Euro pro Jahr, also Europa und China, im Vergleich
- 11:51ist das Handelsvolumen zwischen China und Russland nur ungefähr 240 Milliarden Euro,
- 11:57also im letzten Jahr und es ist sehr asymmetrisch, richtig, nur, mein Problem mit diesem Ansatz
- 12:04ist es, die längerfristige, also die Nachhaltigkeit des Ansatzes, nämlich, dass man, wenn man
- 12:12jetzt annimmt, wir machen das unbedingt und sehr viel ist das aber in Wirklichkeit auch
- 12:17aus dem Gipfeltreffen nicht rausgekommen, aber nehmen wir an, wir halten uns daran,
- 12:23in Wirklichkeit unterstützt man längerfristig durch China auch Russland, also wir stellen
- 12:30uns dann selber im Wege, weil durch die Unterstützung, also durch die Vertiefung der Partnerschaft
- 12:36mit China, unterstützen wir indirekt auch die Entwicklung, die wirtschaftliche, anderes
- 12:42politische Entwicklung von Russland, denn China nochmals wird Russland unter kleinen Umständen
- 12:49fallen lassen, also die aktuelle geopolitische und geöconomische Lage ist so, also wird
- 12:55zumindest jetzt bis Trump noch an der Macht ist und ich würde behaupten und ich würde
- 13:00jetzt auch noch behaupten, es gibt mittlerweile ein Thema, wo die Demokraten und die Republikaner
- 13:07sich ziemlich einig sind und das ist das Thema China als strategische Herausforderung, auch
- 13:13Biden hat sehr viel fortgesetzt von dem, was Trump, was die erste Verwaltung von Trump
- 13:19eingeführt hat.
- 13:20Und somit meine ich, also dass wir letztendlich zwischen diesen zwei geopolitischen Stühlen
- 13:25sitzen, einmal haben wir jetzt, bei 2025, eine exorbitante Abhängigkeit von den USA,
- 13:33eine noch viel stärkere strategische Abhängigkeit von den USA, im Bereich der Energie, im Bereich
- 13:40der Technologie, im Bereich des Marktzuganges, im Bereich der Sicherheit und Verteidigung
- 13:45und auch im Bereich der Unterstützung für die Ukraine.
- 13:48Da sind die Amerikaner nach wie vor ein unverzichtbarer Partner, auch wenn wir jetzt mal die Führungsposition
- 13:56übernommen haben.
- 13:57Und dasselbe trifft jetzt auf China zu, das heißt, wenn wir da jetzt mal die Partnerschaft
- 14:01vertiefen würden, verschaffen wir was genau, noch mehr Abhängigkeiten.
- 14:07Da haben wir zum Beispiel Abhängigkeiten wie beispielsweise im Bereich der seltenen
- 14:12Erde.
- 14:13Also bei seltenen Erden ist es so, dass 98 Prozent aus China kommt.
- 14:18Ja, jetzt stellen wir uns mal kurz vor, was ist, wenn diese systemische Realität sich
- 14:23noch weiterhin vertieft, was ist, wenn wir plötzlich in einer bifurkierten Welt funktionieren,
- 14:29aber gleichzeitig Abhängigkeiten, also noch größere Abhängigkeiten mit beiden systemischen
- 14:34Rivalen haben und mitten des größten Krieges auf dem alten Kontinent, seit den letzten
- 14:4080 Jahren.
- 14:41Das erscheint mir als keine kluge und nachhaltige Strategie in einem längerfristigen Zeitrahmen.
- 14:49Und gehen wir auch mal in unsere Region von Ost-Mitler-Europa, Osteuropa, Süd-Osteuropa.
- 14:54Interessant ist ja auch, dass das genau die Region ist, wo China sehr deutlich aktiv ist,
- 14:59weil man bedenkt, dass China Ungarn als Logistik Hub für wichtige Firmen, ich sage es nur
- 15:04Timo, aber es gibt viele andere Beispiele, außer Kornhardt und in vielen anderen Bereichen
- 15:08hat man Infrastrukturprojekte investiert und so weiter, inwieweit siehst du dieses Engagement
- 15:12auch, China ist in Osteuropa, Süd-Osteuropa als eine, wenn man so will, strategische Sache
- 15:18an.
- 15:19Also etwas, womit man auch politisch vielleicht dann etwas erreichen will, bei Ungarn zeigt
- 15:24sich das ja immer wieder, auch teilweise jetzt mittlerweile Slowakei, in dem Fall von Russland
- 15:28auch.
- 15:29Oder ist es so einfach, war das Opportunität, dass man halt dort den Marktzugang am leichtesten
- 15:33verandern und leichtesten den Mittel bekommen hat, um hier zu investieren und auch natürlich
- 15:37da, wie soll ich sagen, die Nachfrage nach Investitionen vielleicht am höchsten war?
- 15:41Wie schätzt du das sein?
- 15:42Es war nie eine Opportunität, bei solchen Themen muss man bedenken, dass China sich genau
- 15:47angeschaut hat, was vorher die Sowjetunion gemacht hat und vor allem wie erst mal die
- 15:53Weltunion und dann in weiterer Folge auch Russland mit speziell mit bestimmten Regionen in Europa
- 16:00getan hat.
- 16:01Also wir wissen alle, dass der ehemalige Sowjet-Traum, also das sind vor allem Länder aus dem ehemaligen
- 16:08sowjetischen Block, in Zentral- und Osteuropa plus Westbalkan, dass das die Länder sind,
- 16:15die praktisch nach wie vor, ich sage es jetzt mal, das ist nicht meine Definition, das ist
- 16:21eher die Perzeption von außen, also wenn es um Russland geht und auch im China, dass das
- 16:27nach wie vor die Länder sind, wo dieses Zusammenspiel von schwachen Institutionen, stockenden Reformen,
- 16:37hohem Korruptionsniveau, marginalisierten Bürgerinnen und so weiter und so fort, das ist sehr lang,
- 16:47dass das natürlich eine ideale Lage für einen Markt eintritt oder auch für einen langsam
- 17:00aber zu sukzessive Einflussnahme verschafft und so ist das passiert, also die Tatsache,
- 17:06dass gewisse Initiativen, also seitens Kinders, beispielsweise ursprünglich 14+1, also das
- 17:13waren genau die Länder, wo es um einen politischen Dialog gegen kritische Infrastruktur ist,
- 17:19keine Opportunität, also das ist im chinesischen Mindset ein absolutes Muss, also alles in allem
- 17:26sieht man einen kontinuierlichen Ausbau der politischen, der wirtschaftlichen, der handelspolitischen
- 17:34Beziehungen und somit verschafft man sich nicht nur Präsenz vor Ort, sondern man verschafft
- 17:39sich dadurch auch politische Einflussnahme. Stichwort zum Beispiel EU, also wenn wir zum
- 17:45Beispiel bei bestimmten Themen die Abstimmung der 27 EU-Länder brauchen, so ist das auch
- 17:53und dann, dass man auch solche Themen berücksichtigt, also habe ich jetzt einen sehr großen Partner
- 18:00wie China, das war auch damals, wenn man bedenkt beim Thema Sanktionen mit Russland, habe ich
- 18:05jetzt eine gewisse Abhängigkeit, also vielleicht beeinflusst das auch meinen Abstimmungsverhalten,
- 18:11wenn wir dann mit den anderen EU-Mitgliedstaaten versuchen, eine gemeinsame Politik zu gestalten.
- 18:16Und nochmal ganz konkret, was du gerade angesprochen hast, das heißt aus deiner Sicht war der
- 18:21Ausbau der Eisenbahnverbindung zwischen Budapest und Belgrad durch ein chinesisches Konsortium
- 18:26ein Fehler, waren wir dann naiv, wurden da Fehler gemacht, was hat Europa hier übersehen?
- 18:31Also man muss auch sagen, nicht nur war es ein Fehler im Nachhinein, sondern und nicht
- 18:37nur naivität, sondern aus meiner Sicht war es eine grobe Fahrlässigkeit. Eine grobe
- 18:42Fahrlässigkeit, die sich jetzt natürlich auch in gewisser Weise recht, im Fall von
- 18:46Piraeus, weiß man ganz genau, dass es keinen anderen Kandidaten gab.
- 18:52Also das heißt, die Chinesen wollten sowieso, aber es gab auch keine Alternative.
- 18:56Und dann muss man schon ein bisschen hinterfragen, warum wir eigentlich überhaupt nicht diese
- 19:01Themen als strategische Themen betrachten, daran liegt es.
- 19:07Und jetzt muss man einfach umstellen, und das ist das, was ich meinte, dass das aus meiner
- 19:13Sicht nicht mal angekommen ist, weil ab dem Moment, wo das ganze Thema eines Kaltenkrieges
- 19:192.0 zwischen den USA und einerseits und China und Russland, andererseits tatsächlich als Thema
- 19:27ankommt und debattiert wird, so muss man auch entsprechend agieren.
- 19:32Und da muss man eben solche Themen ganz anders, also nämlich strategisch als strategische
- 19:38oder kritische Infrastruktur.
- 19:40Jetzt gibt es natürlich teilweise schon die Diskussionen, aber wir sehen auch im Nachhinein,
- 19:46dass das nicht unbedingt, also nicht in diesem Ausmaß.
- 19:49Das heißt jetzt nicht, damit ich auch nicht missverstanden werde, dass Länder z.B.
- 19:53wie China als Infrastoren nicht zugelassen werden dürfen, aber bis zu einem gewissen
- 19:58Grad oder in einem gewissen Ausmaß, nicht in einem Ausmaß, wo sich das in Richtung eines
- 20:04politischen Risikos z.B. entwickeln könnte, Stichwort auch 5G-Netze, Stichwort also z.B.
- 20:11Indien ist ein Riesenthema mit den chinesischen Apps und so weiter.
- 20:15An dieser Stelle erhalten wir kurz inne und Summen von der großen Geopolitik in eine bestimmte
- 20:21Region hinein, die uns besonders am Herzen liegt.
- 20:24Wir blicken auf den Donauraum.
- 20:25Diesen ist nämlich die nächste Ausgabe von Europien Voices gewidmet, die im September
- 20:30erscheint.
- 20:31Da folgen wir der Donau von der Quelle im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer und einer
- 20:36unserer Autoren berichtet in dieser Ausgabe sogar von seinem Spaziergang von Wien nach
- 20:40Istanbul.
- 20:41Sehr ambitionierter Spaziergänger.
- 20:43Absolut.
- 20:44Außerdem haben wir Beiträge aus Deutschland, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.
- 20:49Wir schauen uns die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Donauraum an, beleuchten die historisch
- 20:55und aktuelle Rolle der Donaukommission und vieles mehr.
- 20:58Nun aber wieder zurück zu unserem Gespräch.
- 21:01Ich möchte nochmal zurückgehen auf die Ukraine, weil das doch uns als Europäer besonders betrifft
- 21:09und da kann man das auch mal rekapitulieren, ok, das Gipfeltreffen in Alaska, was immer
- 21:15Trump da wirklich erreichen wollte, wir wissen es nicht, aber man kann es nicht sagen, zumindest
- 21:20das jetzige Sicht, vielleicht kennen wir zu wenig Details, vielleicht gibt es geheime
- 21:23Absprachen, die sich erst zum Weiterfolge entfalten, aber als jetzige Sicht wird man sagen ein
- 21:28Misserfolg.
- 21:29Du hast vorhin erwähnt, dieses Treffen der Europäer mit den Chinesen, wo man versucht
- 21:33vielleicht auch hat, auch viele Dinge, die wir vielleicht heute nicht wissen, die besprochen
- 21:37wurden, und da sieht es auch so aus, und du hast es auch erwähnt, als wäre das auch
- 21:41kein Erfolg gewesen, wenn man die Chinesen stärker dazu bekommen hätte, dass sie auf
- 21:45Russland einwirken, hier in Richtung einer Friedenslösung zu gehen, das heißt, was ist
- 21:51eigentlich hier passiert?
- 21:52Die Amerikaner haben keine Erfolg gehabt bei Putin, zumindest bis jetzt sieht es so aus,
- 21:57dass Trump bei Putin keine Erfolg hatte, die Europäer hatten keine Erfolg in Kinder,
- 22:01das heißt, müssen wir davon ausgehen, dass das einfach weiterläuft dieser Krieg?
- 22:04Ja, der Krieg, leider Gottes wird weiter laufen, und zwar jetzt durch diese, sagen wir mal,
- 22:13diplomatische Verzögerung, und damit muss ich nur eine Metapher, und ich kläre auch,
- 22:18was ich damit meine, wird der Krieg in einen Zeitrahmen rübergehen, über 20.30, 20.32
- 22:26und so weiter, ja, das ist das erste, also ich habe keine guten Nachrichten, diesbezüglich
- 22:31dieser Krieg wird noch lange dauern, heißt es aber jetzt, dass Trump nicht eine diplomatische
- 22:39oder politische Pause einsetzen kann, nicht unbedingt nochmals, also was in Alaska stattgefunden
- 22:46hat, und es als eine Optik von vielen Analysten bezeichnet wurde, und wir wissen in Wirklichkeit
- 22:57nicht, was in den drei Stunden besprochen wurde, also wir haben nicht die gesamte Information,
- 23:02war für mich persönlich jetzt mal einmal eine Funktion aus diesem neuen geopolitischen
- 23:09Format, wie gesagt, also wenn es ein kalter Krieg ist, und wir wissen es auch nicht, also
- 23:14ich habe jetzt meine Arbeitshypothese kurz dargestellt, es gibt auch andere Arbeitshypothesen,
- 23:19was die globale Ordnung betrifft, aber wenn wir bei meiner bleiben würden, dann heißt
- 23:24es, dass der russische Krieg in jukraine auch der erste offizielle stellvertretter Krieg
- 23:29war zwischen den USA und China, die USA haben sich eindeutig für die jukraine entschieden,
- 23:36und die Chinesen haben eigentlich Russland unterstützt, und nach wie vor, jetzt haben
- 23:41wir auch eine erste Ableitung, dass Russland unbedingt China als Sicherheitsgarant dabei
- 23:48haben will, also das ist schon mal ein Indiz dafür, gleichzeitig haben wir aber auch leider
- 23:53Gottes jetzt ein anderes, also relativ negatives Indiz, nämlich dass sich die Amerikaner zurückziehen
- 24:00wollen, dass sie nicht mehr bei diesem Krieg mitmachen wollen.
- 24:03Sie wollen sagen Europa, das ist euer Problem.
- 24:05Richtig, und das ist für mich die große Ableitung aus diesem Format, Alaska Format, weil einerseits
- 24:12hieß es zwar um die Ukraine, wo jetzt drei russische Rote Linien von den Amerikanern
- 24:19akzeptiert wurden, einmal keine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine, einmal das Krim als russisch
- 24:25anerkannt werden sollte, ja, also das waren schon zwei wichtige Aspekte auch aus ukrainischer
- 24:31Sicht, wo jetzt die Amerikaner praktisch also nachlassen, und dritter, wichtigste aus meiner
- 24:38Sicht Aspekt in so einem, bleiben wir beim stellvertretter Krieg, das ist eben der Punkt,
- 24:45dass keine US-Soldaten auf ukrainischem Boden stationiert werden.
- 24:50Das sind die Aspekte, die uns eigentlich am meisten, am meisten beständigerweise beunruhigen,
- 24:58aber wir verstehen nicht, dass das Parallelprozesse sind, wo auch die Amerikaner und die Russen
- 25:02sich was ausmachen, was mit uns jetzt zwar direkt nicht zu tun hat, wo wir aber natürlich
- 25:08im Nachhinein davon also darunter leiden werden, also was sie entscheiden.
- 25:14Wenn man das bei diesen Gedankenschlangen von dir weitergeht, dann kriegt man es ja noch
- 25:18viel mehr mit der Angst zu tun als das, was du bisher skizzierst, weil das heißt ja,
- 25:21du sprichst vom Drachenbären, was ist, wenn für die Europäer sich das so darstellt,
- 25:25okay, wir haben den Drachenbären hier, nämlich östlich von Europa, und westlich vielleicht
- 25:30haben wir irgendwann, ich sag mal, auch einen Adler, der bisher unser Protektor irgendwo
- 25:34war, der das vielleicht nicht mehr so einem Gegenteil vielleicht uns sogar als Spielstein
- 25:39auf seinem Schachbrett einsetzen könnte.
- 25:42So wird es aus meiner Sicht auch ablaufen, aber nicht im Ausmaß, wie es oft jetzt geschildert
- 25:49wird.
- 25:50Sprich, einen kompletten Rückzug aus Europa, denn in Wirklichkeit gibt es nach wie vor
- 25:55sehr starker Interessen der Amerikaner auch, also das heißt, einerseits, wie sehe ich es,
- 26:01also die Verantwortung für die Zukunft der Ukraine, für die Souveränität der Ukraine
- 26:07wird bei den Europäern liegen, ob es uns gefällt oder nicht, man muss sich an die Arbeit machen.
- 26:14In Wirklichkeit habe ich schon vor dreieinhalb Jahren ganz eindeutig unklag gemacht im öffentlichen
- 26:19Raum.
- 26:20Es ist vor allem unsere Aufgabe insofern, dass wir einerseits die Ukraine so stark und
- 26:26umfassend unterstützen, weil die Ukraine den Krieg eigentlich taktäglich führt und auch
- 26:32Opfer dieses Krieges ist, aber auch weil in weiterer Folge wir alle hier in Europa auch
- 26:38in einem nicht konventionellen, nicht militärischen Krieg sind.
- 26:41Das heißt, auch am 24.
- 26:44Februar 2020 wurde dieser nicht konventionelle, also nicht militärische Krieg gegen uns gestartet
- 26:51seitens Russlands.
- 26:52Also Russland ist tatsächlich auch in, gegangen an diesem Tag nicht nur gegen die Ukraine,
- 26:57sondern auch gegen Europa.
- 26:58Und jetzt ist das folgendes passiert, es wird äußerst unangenehm sein, denn man hat
- 27:04in den dreieinhalb Jahren einfach nicht erklären können unseren Gesellschaften, dass wir tatsächlich
- 27:11unter anderem jetzt nicht unbedingt gegen Russland kämpfen müssen, aber wenn wir die Souveränität
- 27:17der Ukraine tatsächlich unterstützen müssen und wollen, wie behauptet, dann braucht man
- 27:25europäische Truppen auf ukrainischem Boden, man hat sich noch nicht geeinigt, aber man
- 27:29wird sich auf gewisse Linien einigen, also Kontrolllinien einigen, das haben wir in anderen
- 27:34Konflikten genauso gehabt, auch hier wird es so ablaufen, da muss man auch unter anderem
- 27:39europäische Truppen stationieren und in weiterer Folge dieser gesamte zentral- und austeuropäische
- 27:43Raum, auch mit den neuen nordischen NATO-Mitgliedern, das ist die sogenannte Ostflanke der NATO,
- 27:50das sind die Frontstaaten, das wird der neue eiserne Vorhang sein, da muss man sehr schnell
- 27:55und umfassend militärisch und auch in DUO-Us, also das heißt auch aus der Perspektive der
- 28:02Zivilschutzinfrastruktur muss man sehr schnell aufholen, das sind die Aufgaben, wie will
- 28:08man das eigentlich der Bevölkerung kommunizieren, habe ich keine Antwort darauf und ich glaube
- 28:14auch nicht, dass das gut ankommeln wird, ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaften
- 28:19tatsächlich verstehen, wo wir uns an welchem Wendepunkt wir uns überhaupt befinden und
- 28:25nochmals, die Tatsache, dass man eigentlich hier keinen Krieg, also ich teile nicht die
- 28:30Meinung von vielen Militär-Experten, die jetzt behaupten, als nächstes würde Russland
- 28:35ein NATO-Mitglied militärisch angreifen, sondern ich würde behaupten, dass das Ziel nach wie
- 28:40vor die Ukraine bleibt, allumfassend in weiterer Folge Länder aus der sogenannten östlichen
- 28:47Partnerschaft, wie Moldavien, wie Georgien und in weiterer Folge einfach diese gesamte
- 28:52Raum, gesellschaftliche Raum, wo man diese jübrige Kriegsführung, also Kriegsführung
- 28:58tagtäglich betreiben kann.
- 29:00Gut, wir kommen jetzt schon langsam zum Abschluss des Gesprächs und ich will ja, und in diesem
- 29:05schönen Sommer, letzten, wo es langsam in den Frühjahrabst geht, unsere Zuhörerinnen
- 29:09und Zuhörer nicht völlig deprimieren und jetzt noch siehst, frage ich dich ganz bewusst,
- 29:14siehst, gibt es irgendwo einen Silberstreifen am Horizont, dass vielleicht irgendwann ein
- 29:17Grand Bar gehen gibt, dass man in irgendeiner Form wieder vielleicht auf multilaterale
- 29:21Foren zurückkehrt und sagt, gut, wir sehen, wir haben uns eigentlich ziemlich, wir tänzeln
- 29:26hier am Abgrund mit Krieg in Ukraine, vielleicht auch mit weiteren Konfliktfeldern, so wie
- 29:31du es skizziert hast, was uns hier droht, gibt es irgendeine Chance, dass irgendjemand
- 29:36versuchen wird, hierfür wieder Entspannung zu sorgen, vielleicht für eine gewisse Neuordnung
- 29:41der Machtverhältnisse zu sorgen, ist es irgendwie realistisch, können wir zumindest davon träumen,
- 29:46wenn ich formuliere es schon sehr, sehr vorsichtig, weil ich weiß, du bist Realistin und keine
- 29:51Träume erinnert, aber ja, kannst du uns irgendeinen Hoffnungsschimmer geben und irgendeinen Szenario
- 29:55entwickeln, wo wir nicht heute ins Bett gehen und Albträume bekommen?
- 30:02Erster Punkt, den ich immer, der mir sehr wichtig ist, den ich immer sozusagen auch erwähnen
- 30:09möchte, damit es nicht zu pessimistisch wert ist, der Punkt, dass es bereits in der Geschichte
- 30:16bewiesen wurde, dass, nämlich während der Zeit des ersten Kalten Krieges, dass demokratische
- 30:22Gesellschaften durchaus sich dafür wappnen können und durchaus in der Lage sind und
- 30:29fähig sind, autoritäre Regimes zu bekämpfen und auch im Rahmen einer hybriden Kriegsführung
- 30:39sehr wohl als Sieger daraus zu kommen und das finde ich nach wie vor absolut gegeben,
- 30:47dafür braucht man aber einfach einen anderen Mindset, also wir brauchen bei der politischen
- 30:52Führung in unseren europäischen Staaten, bei den Institutionen, also Stichwort Bürokratie
- 30:59und auch bei unserer Industrie, Unternehmenschaften und Bürgertum einfach den Mindset dafür.
- 31:05Wir müssen die Rosebrille schlussendlich wegtun und einfach die Realität sehen, wie sie ist
- 31:13und was die anderen damit vorhaben.
- 31:15Das ist der erste Punkt, also es ist absolut machbar und möglich, außerdem ist es auch
- 31:20schon historisch gesehen bewiesen worden, dass autoritäre Führung, also autoritärer
- 31:27Führungsstil und autoritäre Regimes nicht sehr lange durchhalten, auch das und meistens
- 31:34scheitert es an den internen, also an den gesellschaftlichen Prozessen, weil sie einfach irgendwann mal nicht
- 31:42mehr liefern, auch das wird es aus meiner Sicht wieder geben.
- 31:49Dritter Punkt, es wird Entspannungspolitik geben, nach einer Phase, wir befinden uns jetzt
- 31:55in der konflikteren Phase nochmals, also wo man zwar die Waffen gegeneinander nicht anwenden
- 32:04will, Gott sei Dank, aber natürlich wo es sehr viele stellvertreter Kriege und militärische
- 32:10Auseinandersetzungen gibt, wo man sich indirekt bekämpft, also wo die Chinesen, aber auch
- 32:14die Russen und die Amerikaner mitmischen, das ist natürlich die schlechte Nachricht.
- 32:19Und dann kommt es aber ein Peak und nach dem Peak wird es eigentlich Entspannungspolitik
- 32:24geben, also momentan rüsten alle auf, in unserem Fall in Europa rüsten wir nach, weil wir haben
- 32:30lange Zeit eigentlich überhaupt nicht aufgerüstet und dann gibt es wieder mal diese Phase, wo
- 32:36wir tatsächlich eine Entspannungspolitik haben, wo die Diplomatie, wo die multilateralen Strukturen
- 32:42aufs Neue geschaffen werden, weil die aktuellen, also die Strukturen aus des sogenannten westisch
- 32:50dominierten Ordnungen, die greifen nicht mehr zu. Es kommen neue Akteure, das ist die nächste
- 32:55gute Nachricht, also es kommen viele Akteure aus dem globalen Süden, also es wird vielfältiger.
- 33:00Vielfältiger und sie haben auch ihre eigenen Interessen, sie wollen auch nicht unbedingt
- 33:05in einer, sagen wir mal, in einer binären Welt verfangen werden, also sie suchen auch
- 33:11nach Möglichkeiten, also Länder wie Indien oder Indonesien oder Malaysia, Philippinen,
- 33:18Brasilien, Argentinien, auch afrikanische Staaten, auch da sind potenzielle Partner für uns,
- 33:23wo wir auch also jetzt nicht statisch bleiben und eingefroren in diesem statischen Zustand
- 33:30hier in Europa, weil nichts, nichts Sinn ergibt, sondern ganz im Gegenteil, uns selber aus
- 33:37diesem statischen ein bisschen rausschlütteln und wir müssen selber eigentlich proaktiv
- 33:42mehr tun, mehr tun nach hinten, aber mehr tun auch mit Blick auf Partnerschaften und Beziehungen.
- 33:49Und dann ist traditionell meine letzte Frage immer in diesem Podcast. Gibt es in einem
- 33:55Buch oder vielleicht Bücher oder Podcast oder Sendungen, irgendetwas, was du empfehlen
- 34:00möchtest, was uns auch vielleicht hilft, die Welt besser zu verstehen oder es kann auch
- 34:04irgendwas sein, wo du sagst, ja, Leute entspannt euch und hört euch eine gute Musik an oder
- 34:08ein Film, den du jetzt empfehlen magst.
- 34:13Ich bin ein großer Fan von Filmen. Also ich schaue jetzt wieder mal ein bisschen die alten,
- 34:20die alten Klassiker, muss ich gestehen, also im Sommer, wie "Apocalypse Now" oder "Tin Red Line",
- 34:28also die wirklich klassischen Militärchen. Filme kann ich nur schwersten empfehlen,
- 34:33aber die sind auch natürlich, muss ich vorwarnen, sehr depressiv.
- 34:38Ja gut, das ist in deiner Profession, da gibt es eben auch immer wieder dieses Thema.
- 34:42Ich habe auch, also ich schaue auch sehr gerne Serien wie "Game of Thrones" und "House of
- 34:48the Dragon", also die muss ich auch immer wieder aufs Neue schauen, jetzt habe ich im Sommer
- 34:52wieder einmal die ganze Serie geschaut und da findet man sehr viele, sehr viele realpolitische
- 34:59Prinzipien und interessante Beispiele, sodass ich sogar überlege, ob ich nicht eine Seriestarte,
- 35:07aber ob ich mit einzelnen Szenen erkläre, was eigentlich das realpolitische Prinzip ist
- 35:14für zum Beispiel Studierende aus dem Bereich der internationalen Politik und internationalen
- 35:18Beziehungen, das wäre so interessant. Also da würde ich inspirieren in "Game of Thrones",
- 35:22sozusagen jetzt mal politisch erklärt, was hier in diesen verschiedenen Hauses abgeht, super.
- 35:29Und schlussendlich habe ich auch jetzt nochmals, also ich lese auch gerne aufs Neue Bücher,
- 35:34ich liebe aus der Kindheit und ich habe jetzt auch Dünn nochmals im Sommer also aufs Neue
- 35:41durchgelessen, ich bin jetzt beim zweiten Buch und muss auch da feststellen natürlich jetzt
- 35:46mit der Erfahrung, die ich momentan habe, also wie anders, wie anders ich auf diese ganze
- 35:54Problematik der Großmachtrevalität, also dann imperialistische Ansätze, Rohstoffproblematik,
- 36:04so das sind so viele, also ausgezeichnete Beispiele aus meinem Bereich, also anscheinend komme
- 36:10ich überhaupt nicht mehr weg von dem, was ich professionell mache. Es gibt einen Podcast
- 36:18von Hoover Institute, ein ausgezeichneter, weil der nicht nur strengstens Politikwissenschaftler
- 36:26einlädt, sondern auch Historiker. Ich kann ihn wirklich sehr, sehr schwer empfehlen.
- 36:33Da kommen Akademiker, vor allem Akademiker aus unterschiedlichen Bereichen und können
- 36:38dann über eineinhalb, zwei Stunden manchmal über ein spezifisches Thema, ob es jetzt
- 36:43zur Viet-Union war oder jetzt aktuell Russland, China, was erzählen und ich mag diesen Podcast
- 36:49besonders gern.
- 36:51Was wir von Verlina Czakarowa heute gelernt haben, ist vor allem eines. Wir müssen vielleicht
- 36:57umdenken, weg von der kurzfristigen Nachrichtenlogik, die uns auf dem Detail gefangen hält und
- 37:03hin zum Verständnis der großen systemischen Kräfte. Die Welt ist komplexer und vielleicht
- 37:09auch gefährlicher geworden, aber sie ist nicht unverständlich. Verlina sagt, wir müssen
- 37:14die Rosa Brille wegtun und die Realität sehen, wie sie ist. Und den Link zu diesem Gespräch
- 37:19finden Sie in den Show-Notes, sowie auch alle Informationen zur neuen Ausgabe der Europien
- 37:24Voices unter europienvoices.eu.
- 37:26Und das war das vierte Kapitel unserer Eastside Stories. Jeden letzten Donnerstag im Monat
- 37:31erscheint eine neue Podcastfolge.
- 37:33Danke, dass Sie dabei waren. Hören Sie uns wieder.
- 37:36Servus.
- 37:37Danke.