Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - Zarathustra's Vorrede - 9-10
Transcript
- 0:00Vorrede Unterkapitel 9 Zarathustras neue Erkenntnis
- 0:05über Gefährten in diesem Abschnitt erwacht Zarathustra
- 0:10nach einer langen Nacht im Wald. Er hatte sehr lange geschlafen,
- 0:14nicht nur die ganze Nacht hindurch, sondern auch noch, als
- 0:17der Morgen bereits graute und sogar bis zum Vormittag, als er
- 0:21schließlich seine Augen öffnet, ist er verwundert, er sieht den
- 0:25Stillen Wald um sich herum und schaut dann tief in sein eigenes
- 0:28Inneres. Plötzlich steht er schnell auf
- 0:32Nietzsche, vergleicht ihn hier mit einem Seefahrer, der nach
- 0:35einer langen Reise plötzlich Land entdeckt und vor Freude
- 0:38jubelt. Der Grund für diesen Jubel ist,
- 0:41dass Zarathustra eine neue Wahrheit erkannt hat, er spricht
- 0:45zu seinem eigenen Herzen über diese Einsicht, ihm ist ein
- 0:48Licht aufgegangen, also eine plötzliche Erkenntnis gekommen,
- 0:52er versteht nun, dass er Gefährten braucht, aber er
- 0:55braucht lebendige Gefährten. Er will keine toten Gefährten
- 0:59und Leichname mehr mit sich herumtragen, wie er es zuletzt
- 1:01mit dem toten Seiltänzer getan hat, den er dorthin schleppte,
- 1:04wo er wollte. Stattdessen braucht er lebende
- 1:07Menschen, die ihm folgen, weil sie eigentlich sich selbst
- 1:10folgen wollen, sie sollen dorthin gehen, wohin auch
- 1:13Zarathustra will. Zarathustra wird klar, dass er
- 1:16nicht mehr zum einfachen Volk reden soll, sondern nur noch zu
- 1:19ausgewählten Gefährten, er will nicht der Hirte einer Herde sein
- 1:23und auch nicht der Hund, der die Herde bewacht.
- 1:26Mit dem Begriff Herde meint Nietzsche hier die große Masse
- 1:30der Menschen, die einfach nur den Regeln folgt, ohne selbst zu
- 1:33denken. Zarathustra sieht seine Aufgabe
- 1:36nun darin, viele einzelne aus dieser Herde wegzulocken, er
- 1:40weiß, dass das Volk und die Herde deswegen wütend auf ihn
- 1:44sein werden, sie werden ihn einen Räuber nennen, weil er
- 1:47ihnen die Mitglieder stiehlt, er spricht über die Hirten dieser
- 1:51Herde. Diese Hirten nennen sich selbst
- 1:54die Cote du Conto, die guten und Gerechten.
- 1:57Sie nennen sich auch die Gläubigen des rechten Glaubens.
- 2:01Zarathustra fordert dazu auf, diese guten und gerechten genau
- 2:04zu betrachten, er fragt sich, wen diese Leute am meisten
- 2:08hassen, die Antwort ist, sie hassen denjenigen, der ihre
- 2:12alten Wertvorstellungen zerstört.
- 2:14Nietzsche nennt diese Vorstellungen Tafeln der Werte,
- 2:18wer diese alten Regeln zerbricht, wird von ihnen als
- 2:20Verbrecher angesehen. Aber Zarathustra, sagt dieser
- 2:24Brecher, ist in Wirklichkeit der Schaffende, also derjenige, der
- 2:27Neues erschafft. Auch die Gläubigen hassen am
- 2:30meisten denjenigen, der ihre alten Werte zerbricht, auch für
- 2:34sie ist er ein Verbrecher, aber für Zarathustra ist er der
- 2:37Schöpfer von Neuem. Zarathustra erkennt, dass er als
- 2:41Schaffender keine Toten als Begleiter sucht und auch keine
- 2:44Herden oder Gläubigen, er sucht Menschen, die Mitschaffen.
- 2:49Er sucht diejenigen, die neue Werte auf neue Tafeln schreiben.
- 2:53Er sucht Gefährten, die mit ihm ernten.
- 2:55Er sieht, dass in der Welt alles bereit ist für eine große Ernte,
- 2:58aber ihm fehlen die Werkzeuge, die Sicheln, deshalb ist er
- 3:03ärgerlich, er sucht Menschen, die Wissen, wie man Sicheln
- 3:06schärft, die Gesellschaft wird diese Menschen vielleicht
- 3:08Vernichter nennen oder Verächter von Gut und böse, aber in
- 3:13Wahrheit sind es die Erntenden und die Feiernden.
- 3:16Zarathustra sucht also Menschen, die mit ihm erschaffen, mit ihm
- 3:20ernten und mit ihm feiern. Er hat nichts mehr mit Herden,
- 3:24Hirten oder Leichnamen zu tun, dann verabschiedet sich
- 3:28Zarathustra in Gedanken von seinem ersten Gefährten, dem
- 3:31toten Seiltänzer, er sagt ihm Lebewohl, er hat ihn gut in
- 3:35einem hohlen Baum beerdigt und sicher vor den Wölfen versteckt,
- 3:39aber nun trennen sich ihre Wege, die Zeit der Toten ist vorbei.
- 3:45Zwischen dem einen Morgen und dem anderen Morgen ist
- 3:47Zarathustra eine neue Wahrheit, klar geworden.
- 3:50Er beschließt für sich, ich soll kein Hirte sein und kein
- 3:54Totengräber, ich will nicht einmal mehr mit dem einfachen
- 3:58Volk reden, das war das letzte Mal, dass ich zu einem Toten
- 4:01gesprochen habe. Zarathustra will sich nun den
- 4:04Schaffenden, den Erntenden und den Feiernden anschließen, er
- 4:08möchte ihnen den Regenbogen zeigen und die Treppen des
- 4:12Übermenschen. Der Übermensch ist für Nietzsche
- 4:15das Ziel der menschlichen Entwicklung.
- 4:16Ein Mensch, der sich selbst überwindet und seine eigenen
- 4:19Werte schafft. Zarathustra plant sein Lied, den
- 4:23Einsiedlern zu singen, also Menschen, die alleine leben oder
- 4:28Zweisiedlern, die zu zweit leben.
- 4:31Wer Ohren hat für Dinge, die noch nie gehört wurden, dessen
- 4:34Herz will er mit seinem Glück schwer und voll machen, er ist
- 4:37entschlossen, sein Ziel zu verfolgen, er geht seinen
- 4:40eigenen Gang. Über diejenigen, die zögern oder
- 4:43langsam sind, wird er einfach hinwegspringen sein
- 4:47Vorwärtskommen und sein Erfolg werden für diese Zögernden ihr
- 4:50Untergang sein. Das bedeutet, dass seine neue
- 4:53Art zu leben die alte Art zu Leben ablösen wird.
- 4:59Vorrede unter Kapitel 10 die Ankunft der Tiere und der Beginn
- 5:03der Reise in diesem Abschnitt endet die Einleitung des Buches.
- 5:09Zarathustra hat erkannt, welche Art von Begleitern er braucht.
- 5:12Er hatte gerade zu seinem eigenen Herzen gesprochen und
- 5:14über seine neuen Einsichten nachgedacht.
- 5:17Es ist nun Mittag, die Sonne steht hoch am Himmel, plötzlich
- 5:21schaut Zarathustra fragend nach oben, denn er hört über sich den
- 5:25scharfen Ruf eines Vogels, er sieht einen Adler, der in weiten
- 5:29Kreisen durch die Luft zieht. Das Besondere daran ist, dass an
- 5:32dem Adler eine Schlange hängt, die Schlange wird aber nicht vom
- 5:35Adler gefressen wie eine Beute. Stattdessen ringelt sie sich wie
- 5:40eine Freundin um den Hals des Vogels.
- 5:43Zarathustra freut sich sehr über diesen Anblick und ruft aus, es
- 5:47sind meine Tiere hier verwendet Nietzsche 2 wichtige Symbole,
- 5:51die für zarathustras Charakter stehen.
- 5:54Der Adler ist für ihn das stolzeste Tier unter der Sonne,
- 5:58er steht für den Mut, den weiten Blick und die geistige Höhe.
- 6:02Die Schlange ist für ihn das klügste Tier unter der Sonne,
- 6:05sie steht für die Weisheit, die Bodenständigkeit, die und die
- 6:09Schläue. Dass die beiden zusammen sind,
- 6:11bedeutet, dass Stolz und Klugheit sich vereinen sollen.
- 6:16Zarathustra erkennt, dass die Tiere ausgezogen sind, um die
- 6:19Lage zu erkunden, sie wollten wissen, ob Zarathustra noch am
- 6:22Leben ist. Zarathustra stellt fest, dass
- 6:25das Leben unter den Menschen gefährlicher ist als das Leben
- 6:28unter Tieren, er bittet seine Tiere, ihn zu führen, dann
- 6:33erinnert sich Zarathustra an die Worte des heiligen Mannes, den
- 6:36er im Wald getroffen hatte. Er seufzt Tief und spricht zu
- 6:40seinem Herzen. Er wünscht sich, er wäre klüger,
- 6:44er möchte so klug sein wie seine Schlange, also von Grund auf
- 6:47Weise, doch Zarathustra weiß, dass dieser Wunsch fast
- 6:50unmöglich zu erfüllen ist. Deshalb bittet er um etwas
- 6:54anderes, er bittet seinen Stolz, dass er immer zusammen mit
- 6:57seiner Klugheit gehen soll, das bedeutet, dass sein Wissen und
- 7:01seine Intelligenz immer von Selbstachtung und würde
- 7:04begleitet sein sollen. Er fügt noch einen wichtigen
- 7:07Gedanken hinzu, wenn ihn seine Klugheit eines Tages verlassen
- 7:11sollte. Denn die Klugheit liebt es
- 7:13einfach davon zu fliegen. Dann hofft er, dass sein Stolz
- 7:16wenigstens noch bei seiner Torheit bleibt, das heißt,
- 7:19selbst wenn er Fehler macht oder Unweise handelt, möchte er dabei
- 7:23seine Haltung und seinen Stolz bewahren und sich nicht
- 7:25erniedrigen. Damit endet die Vorrede, der
- 7:30Text schließt mit dem Satz, also begann Zarathustras Untergang.
- 7:35Mit dem Begriff Untergang meint Nietzsche hier nicht etwas
- 7:38Negatives wie eine Katastrophe. Es bedeutet vielmehr, dass
- 7:41Zarathustra nun bereit ist, von seiner einsamen Höhe
- 7:44herabzusteigen zu den Menschen, um seine Lehre zu verbreiten und
- 7:48sein Schicksal zu erfüllen.