Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #16 Folge 1: Toxische Männlichkeit: Warum Männer in der Recovery sterben
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen Vertiefung.
- 0:03Schön, dass du dir die Zeit nimmst für ein Thema, das
- 0:06wirklich unter die Haut geht. Hallo auch von mir.
- 0:09Wir tauchen heute ein in einen Artikel von Nelix Berlin,
- 0:13genauer gesagt von Gabriel, dem Gründer der Seite Mhm.
- 0:17Der Titel trifft es ja schon ziemlich direkt, warum Männer
- 0:20öfter sterben als genesen. Toxic Masculinity tötet in
- 0:24Recovery. Ja, einen Titel, der Aufrüttelt
- 0:27auf jeden Fall. Und es ist, glaube ich.
- 0:29Total entscheidend zu verstehen, wer hier spricht, oder?
- 0:32Absolut. Gabriel von Nelix Berlin bringt
- 0:35ja eigene Erfahrungen mit Sucht und psychischen Belastungen mit.
- 0:39Das ist kein Theoretiker. Nee, genau.
- 0:42Auf seiner Webseite teilt er das ja auch sehr offen und ja,
- 0:45ungefiltert. Mhm, und das macht seine Worte
- 0:49eben so authentisch und auch so dringlich.
- 0:51Er will damit ja auch eine Brücke bauen, Dir zeigen, wenn
- 0:54du ähnliche Kämpfe durchmachst. Hey, du bist damit nicht allein.
- 0:58Ja, das ist spürbar und genau deshalb auch direkt am Anfang
- 1:02die wichtige Triggerwarnung. Unbedingt.
- 1:05Es geht heute um Themen wie Suizid, Depression, sucht und
- 1:09eben diese, ja toxische Männlichkeit.
- 1:12Schwere Kost, klar. Solltest du selbst vielleicht
- 1:15gerade von Suizidgedanken betroffen sein, bitte zögere
- 1:18keine Sekunde und hol dir Hilfe. Wirklich?
- 1:22Ja, es gibt notfallnummern, Anlaufstellen, einige findest du
- 1:25ja auch auf Gabriels Seite verlinkt.
- 1:27Das Wichtigste ist, du bist nicht allein damit.
- 1:30Ganz genau, so Gabriels Kernaussage.
- 1:35Die kommt ja aus seiner eigenen langen Erfahrung, fast 30 Jahre
- 1:38Recovery schreibt. Er fast 30 Jahre ja, und die
- 1:42Aussage ist ziemlich schonungslos, muss man sagen.
- 1:45Männer sterben häufiger an ihrer Sucht, als dass sie dauerhaft
- 1:48genesen. Puh, und der Grund liegt seiner
- 1:52Analyse nach eben nicht primär in den Drogen selbst, sondern
- 1:56tiefer. In gesellschaftlichen
- 1:58Erwartungen, in dem, was er eben toxische Männlichkeit nennt.
- 2:02Wobei ihm ja ganz wichtig ist zu betonen, das sagst du ja auch,
- 2:04das ist kein Generalangriff auf Männer.
- 2:07Nein, auf keinen Fall. Es ist eine Kritik an diesen
- 2:10Unsichtbaren, aber oft ja tödlichen Verhaltensnormen, an
- 2:14diesen Regeln, die wir oft gar nicht bewusst wahrnehmen.
- 2:16Er geht ja sogar so weit zu sagen.
- 2:19Dass das bewusste Durchbrechen dieser Normen der mutigste
- 2:22Schritt ist, den ein Mann in seiner Recovery überhaupt tun
- 2:25kann. Ja, das ist ein starkes
- 2:26Statement. OK, dann lass uns das mal
- 2:28genauer anschauen. Gabriel untermauert das ja auch
- 2:30mit ziemlich harten Fakten. Ja, und diese Zahlen, die er
- 2:33nennt, für Deutschland, die Stützen sich auf offizielle
- 2:36Quellen und eben seine jahrelange Beobachtung in der
- 2:39Scene. Die zeichnen echt ein düsteres
- 2:42Bild. OK, zum Beispiel.
- 2:44Etwa 75% aller Suizide werden von Männern verübt. 3.
- 2:50Viertel ja, die Rate ist fast dreimal so hoch wie bei Frauen,
- 2:53das muss man sich mal vorstellen.
- 2:55Wahnsinn. Aber ist es nicht so, dass
- 2:57Männer statistisch gesehen häufiger in Suchtreas gehen?
- 3:00Das klingt doch erst mal widersprüchlich.
- 3:02Ja, das ist genau dieses Paradoxe.
- 3:05Sie treten häufiger Therapien an, klar, aber die
- 3:08Erfolgsquoten, also die langfristige Abstinenz, die sind
- 3:12oft niedriger. Woran liegt das?
- 3:14Na ja, ein Punkt ist sicher, Männer warten signifikant
- 3:18länger, bis sie sich überhaupt professionelle Hilfe suchen, oft
- 3:21erst, wenn der Leidensdruck riesig ist.
- 3:23Und das verschlechtert die Prognose dann natürlich.
- 3:25Genau. Und dann kommt noch dieses
- 3:28Depressionsparadox dazu. Frauen bekommen zwar öfter die
- 3:33Diagnosedepression, aber bei Männern steht ein Großteil der
- 3:37Suizide, Schätzungen gehen da bis zu 70%.
- 3:41Im Zusammenhang mit einer Depression, die oft unerkannt
- 3:44oder unbehandelt bleibt. OK, das heißt im Klartext, Das
- 3:49System oder die Kultur, die Männer dazu erzieht, keine
- 3:52Schwäche zu zeigen, führt dazu, dass sie sich zu spät oder gar
- 3:55nicht helfen lassen und deshalb häufiger an den Folgen sterben.
- 3:59Genau das ist der Kern. Was ist denn der Kern dieses
- 4:04Konflikts, also zwischen dieser männlichen Sozialisation und
- 4:07dem, was für ne Genesung eigentlich nötig wäre?
- 4:10Es ist ein fundamentaler psychologischer Clinch.
- 4:12Kann man sagen, Recovery gerade in Programmen wie den 12
- 4:17Schritten fängt ja womit an mit dem Eingeständnis der
- 4:20Machtlosigkeit. Schritt 1.
- 4:22Genau, also ne Form von Kapitulation, von
- 4:26Verletzlichkeit zeigen, traditionelle
- 4:29Männlichkeitsbilder fordern aber meistens genaue Gegenteil,
- 4:32Stärke, Kontrolle, Härte, Zähne zusammenbeißen, niemals
- 4:36aufgeben. Und es braucht ja auch
- 4:38emotionale Offenheit, oder? Über Angst, Scham, Trauer
- 4:42sprechen zu können, das ist doch oft der Schlüssel.
- 4:44Absolut. Aber genau das wird im
- 4:47traditionellen Männerbild ja oft als Unmännlich, als Schwäche
- 4:50abgetan, manchmal sogar bestraft oder belächelt.
- 4:53Ja, du lernst ja quasi von klein auf Gefühle runterschlucken,
- 4:58außer vielleicht Wut, die ist manchmal okay und drittens, was
- 5:02Recovery auch braucht, das Bitten um Hilfe, ein Netzwerk
- 5:06aufbauen, Sponsoren finden, Therapeuten aufsuchen.
- 5:09Das Männlichkeitsideal predigt aber was Autarkie.
- 5:13Ich schaffe das allein. Ja, dieser Satz.
- 5:16Genau. Gabriels Artikel hebt das ja
- 5:18hervor. Der häufigste Grund, warum
- 5:21Männer Therapie meiden, ist genau dieser Satz.
- 5:24Ich wollte allein damit fertig werden.
- 5:26Dieser Satz echte Männer brauchen keine Hilfe.
- 5:29Gabriel nennt ihn ja eine regelrechte Todesfalle.
- 5:32Ja, weil dieser Druck, dieser unverwundbare Fels sein zu
- 5:36müssen, während innen drin alles zerbricht, der ist.
- 5:39Der ist fatal. Er zerlegt da ja auch 2 zentrale
- 5:42Mythen, die dahinter stecken. Stimmt der erste Schwäche zeigen
- 5:46ist Unmännlich. Das kollidiert natürlich frontal
- 5:49mit dem Kern von Recovery, also diesem Eingeständnis von
- 5:52Machtlosigkeit in Schritt 1. Klar, die klassische Männerrolle
- 5:56sagt, behalte die Kontrolle, egal was ist, zeigt keine Risse
- 5:59in der Fassade. Gabriel schreibt ja selbst, wie
- 6:01er die ersten 3 Jahre seiner Sucht damit quasi verschwendet
- 6:04hat, es allein schaffen zu wollen.
- 6:06Genau nach dem Motto Ich bin ein Mann, ich kriege das hin. 3
- 6:09Jahre. Jahre, die ihn dem Tod näher
- 6:11brachten, wie er das formuliert. Erst als er diesen Satz sagen
- 6:15konnte, ich schaffe das nicht alleine, erst da, sagt er,
- 6:19begann seine wirkliche Genesung. Boah, das ist sicher ein brutal
- 6:23schwerer Satz für viele Männer. Absolut und eng damit verbunden
- 6:27ist ja der zweite Mythos. Ich muss das allein schaffen.
- 6:30Der einsame Wolf. Genau.
- 6:32Gabriel nennt dieses Mantra den schnellsten Weg zurück in die
- 6:36Sucht oder eben ins Grab. Dieses Ideal vom einsamen Wolf
- 6:40mag ja irgendwie cool klingen, aber in der Sucht ist es
- 6:43lebensgefährlich. Warum?
- 6:45Weil du allein bist, wer es allein versucht, scheitert
- 6:48überproportional oft. Es fehlt das Korrektiv, das
- 6:52ehrliche Spiegeln durch andere, die einen auch mal auf den Boden
- 6:55der Tatsachen zurückholen, wenn man sich selbst belügt.
- 6:57OK, wenn man jetzt also an dieser Männerrüstung, wie
- 7:01Gabriel das nennt, festhält, was sind da die konkreten
- 7:05gefährlichen Folgen im Recovery Prozess?
- 7:08Die sind leider vielfältig und oft eben auch tödlich.
- 7:13Chronischer Rückfall ist eine ganz häufige Konsequenz, wenn
- 7:17Emotionen nicht gefühlt und bearbeitet werden dürfen, stauen
- 7:21sie sich an, bis der Druck unerträglich wird und dann
- 7:24erscheint der Griff zum Suchtmittel oft als die einzige
- 7:27vermeintliche Lösung. Als Ventil.
- 7:31Ja, als Betäubung oder Ventil. Dann die oft unerkannte
- 7:35männliche Depression. Die äußert sich eben seltener in
- 7:38offensichtlicher Traurigkeit, sondern oft in Wut, Reizbarkeit,
- 7:43Aggressivität, riskanten Verhalten.
- 7:46Und das wird dann nicht als Krankheit gesehen.
- 7:48Oft nicht. Es wird als Charakterschwäche
- 7:51abgetan oder als der ist halt so, aber nicht als behandelbare
- 7:55Krankheit erkannt. Dazu kommt dann wahrscheinlich
- 7:58die emotionale Isolation oder selbst wenn man in Gruppen ist.
- 8:02Genau. Selbst in Recovery Gruppen.
- 8:05Man redet vielleicht über Probleme, so auf der Sache
- 8:08Ebene, aber nicht über Gefühle. Man bleibt oberflächlich aus
- 8:13Angst verurteilt zu werden als Weichei da zu stehen.
- 8:16Und diese Mischung ist dann brandgefährlich.
- 8:18Exakt dieser innere Schmerz, die Unfähigkeit, darüber zu reden,
- 8:23vielleicht noch gepaart mit dem leichten Zugang zu Suchtmitteln
- 8:26als Betäubung, das erhöht das Suizidrisiko einfach dramatisch.
- 8:30Das erklärt einen großen Teil dieser erschreckend hohen
- 8:33Suizidzahlen bei Männern mit Suchterkrankungen.
- 8:36Der Artikel beschreibt dann ja auch sehr detailliert, wie diese
- 8:39anerzogenen männlichen Verhaltensweisen den
- 8:41Genesungsprozess so richtig aktiv sabotieren können.
- 8:44Wie funktioniert das denn genau? Ja, stell dir das mal bildlich
- 8:47vor. Antrainierte Männlichkeit sperrt
- 8:50quasi alle Gefühle, außer vielleicht Wut in einen Käfig
- 8:53ein. OK, Recovery gibt dir den
- 8:56Schlüssel zu diesem Käfig. Aber die Internalisierte
- 9:00Männerpolizei im Kopf verbietet dir, diesen Schlüssel zu
- 9:03benutzen. Die innere Männerpolizei guter
- 9:06Begriff. Ja, psychologisch spricht man da
- 9:09manchmal von einer Antrainierten alexothymie.
- 9:12Das ist die Schwierigkeit, die eigenen Gefühle überhaupt zu
- 9:15erkennen, zu verstehen und in Worte zu fassen.
- 9:19Man weiß gar nicht, was man fühlt.
- 9:20Genau. Und dieses ständige Unterdrücken
- 9:23erzeugt ja auch chronischen Stress, einen hohen
- 9:26Cortisolspiegel. Und der kann wiederum das
- 9:29Suchtgedächtnis Triggern und das Verlangen auslösen.
- 9:31Ein Teufelskreis. Und wie wirkt sich das dann ganz
- 9:35konkret auf die Schritte in der Recovery aus?
- 9:37Gabriel zeigt das ja auf. Ja, das macht er sehr
- 9:40anschaulich, finde ich. Schon der erste Schritt, das
- 9:42Eingeständnis der Machtlosigkeit, das wird von
- 9:45dieser inneren Polizei als die ultimative persönliche
- 9:48Niederlage gewertet und innerlich oft abgelehnt.
- 9:51Damit ist das Fundament der Genesung schon brüchig.
- 9:54Logisch. Zweitens.
- 9:56Die Inventurarbeit in Schritt 4 und 5, also die ehrliche
- 9:59Auseinandersetzung mit Ängsten, Scham, Fehlern, die wird
- 10:03sabotiert. Man bleibt oberflächlich,
- 10:05beschönigt Dinge, um ja keine Schwäche zu offenbaren.
- 10:09Echte, befreiende Katharsis bleibt dann oft aus.
- 10:12Man kratzt nur an der Oberfläche.
- 10:14Genau, drittens die Gemeinschaft in Meetings wird untergraben.
- 10:19Statt ehrlichem Austausch über das, was wirklich in einem
- 10:21vorgeht, gibt es oft diesen unausgesprochenen Wettbewerb.
- 10:24Gabriel nennt das ja provokant den dickes Eiervergleich uff,
- 10:28wer hat die härteste Geschichte, wer leidet am Stoigsten ohne mit
- 10:32der Wimper zu zucken, Verletzlichkeit wird tunlichst
- 10:35vermieden. Und viertens das Sponsoring.
- 10:38Die Angst vor dem Sponsor als schwach oder weinerlich
- 10:41dazustehen, verhindert, dass die wirklich tiefen, schmerzhaften
- 10:45Themen angesprochen werden. Man redet über den Alltag, über
- 10:48die Schritte, aber nicht über die tiefsten Ängste oder die
- 10:51Scham. Und das Ergebnis von all dem?
- 10:54Ist dann oft entweder eine Explosion nach außen, also
- 10:57Wutausbrüche, Aggression oder eine Implosion nach innen.
- 11:01Also der Rückfall, weil ein gesunder Umgang mit schwierigen
- 11:04Gefühlen nie gelernt und praktiziert wurde.
- 11:07Das klingt echt düster, aber Gabriel belässt es ja zum Glück
- 11:10nicht bei der Problembeschreibung.
- 11:12Er bietet ja auch konkrete Auswege an.
- 11:15Unter der Überschrift Safer use Strategien gegen die innere
- 11:18Männerpolizei was steckt da drin?
- 11:21Ja, das ist wichtig. Und die Botschaft dahinter ist
- 11:24ja, es geht nicht darum, Männlichkeit komplett abzulegen,
- 11:28sondern eine gesündere, freiere Form davon zu entwickeln,
- 11:31menschlicher zu werden, sozusagen.
- 11:34OK sein Survival Kit, wie er es nennt, enthält dafür praktische
- 11:38Werkzeuge, erstens. Such dir bewusst männliche
- 11:42Vorbilder in der Recovery. Also Männer, die es anders
- 11:45machen. Genau, Männer, vielleicht auch
- 11:48Sponsoren, die offen über ihre Gefühle, ihre Ängste, ihre
- 11:51Unsicherheiten sprechen können. Orientiere dich an denen, schau,
- 11:55dass es geht. Das bricht ja schon mal dieses
- 11:58Bild auf, dass echte Männer so was nicht tun.
- 12:01Absolut. Zweitens Gründe oder such dir
- 12:04eine echte Männergruppe klein vertraut mit der klaren Regel,
- 12:09hier wird über das gesprochen, worüber Männer sonst eher
- 12:12schweigen. Ein geschützter Raum für
- 12:14Verletzlichkeit. Klingt gut.
- 12:16Drittens nutze professionelle Hilfe ein Therapeut oder eine
- 12:21Therapeutin ist neutral, wertet nicht und kann dir helfen,
- 12:25überhaupt erst eine Sprache für deine Gefühle zu finden und sie
- 12:28sicher auszudrücken, ohne Angst vor Verurteilung.
- 12:32Und der Vierte? Punkt.
- 12:34Sich selbst herausfordern ja, das ist vielleicht der aktivste
- 12:38Teil. Fordere dich selbst heraus,
- 12:40kleine Schritte zu gehen, sag im nächsten Meeting bewusst mal
- 12:44einen Satz, der sich für dich verletzlich anfühlt, sowas wie
- 12:47ich hab gerade Angst oder ich fühl mich total überfordert.
- 12:51Puh, das kostet Überwindung. Sicher.
- 12:54Aber beobachte mal, was passiert.
- 12:56Wahrscheinlich ist die Reaktion viel unterstützender als deine
- 12:59innere Polizei dir weismachen will.
- 13:02Und der letzte, vielleicht wichtigste Punkt definiere
- 13:05Stärke für dich neu. Wie meint er das?
- 13:08Wahre Stärke liegt eben nicht im Verdrängen oder im coolen
- 13:11Abblocken, sondern im Aushalten und annehmen von allen Gefühlen.
- 13:16Mutig ist, wer zu seiner Verletzlichkeit steht, nicht wer
- 13:19sie versteckt. Das ist ne ganz andere
- 13:22Perspektive auf Stärke. Der Artikel endet ja dann mit
- 13:26einem ausführlichen FAQ teil der geht sehr konkret auf Sorgen
- 13:30ein, die Männer in diesem Prozess haben könnten.
- 13:33Lass uns da mal reinhören, vielleicht als würdest du einem
- 13:36Freund antworten, der dich das fragt.
- 13:38OK, gern. Die erste Frage bin ich weniger
- 13:42männlich, wenn ich in Meetings weine?
- 13:45Also ganz klar nein, absolut nicht, eher im Gegenteil.
- 13:51Es erfordert doch unendlich viel mehr Mut und innere Stärke, vor
- 13:55anderen Menschen Tränen zuzulassen, deine echte
- 13:58Verletzlichkeit zu zeigen als so ne coole, harte Fassade
- 14:02aufrechtzuerhalten. Die Fassade ist leichter.
- 14:04Ja, oft ist die Fassade die eigentliche Schwäche, weil
- 14:07dahinter die Angst steckt. Gabriel beobachtet ja auch, dass
- 14:11die Männer, die in ihrer Recovery wirklich tiefgreifende
- 14:14Veränderungen erleben und langfristig stabil werden.
- 14:17Genau diesen Mut zum Weinen finden, das ist ein Zeichen von
- 14:21Authentizität, von Lebendigkeit, nicht von Schwäche.
- 14:24OK, das ist eine wichtige Neubewertung.
- 14:27Nächste Frage, sehr praxisnah. Mein Sponsor ist sehr alte
- 14:31Schule und blockt bei Gefühlsthemen ab was soll ich
- 14:34tun? Puh, ja, das ist ne heikle, aber
- 14:37leider auch häufige Situation. Ein Sponsor soll dich ja auf
- 14:40deinem Weg unterstützen und emotionale Arbeit ist nun mal
- 14:44ein ganz zentraler Teil davon. Das haben wir ja gerade
- 14:46besprochen. Klar.
- 14:48Wenn dein Sponsor diesen Aspekt aber konsequent blockiert oder
- 14:51vielleicht sogar abwertet, weil er selbst noch in alten Mustern
- 14:54feststeckt, dann, ja dann behindert er deine Genesung
- 14:58eher, als dass er sie fördert. Und dann?
- 15:00Der erste Schritt wäre sicher, das mal offen anzusprechen, aber
- 15:05respektvoll. Klar, vielleicht ist es ja nur
- 15:07ein Missverständnis. Aber wenn sich nichts ändert,
- 15:10wenn er deine Bedürfnisse nach emotionaler Tiefe einfach nicht
- 15:13ernst nimmt oder kann, dann ist es nicht nur okay, sondern ein
- 15:18echtes Zeichen von Stärke und guter Selbstfürsorge, dir einen
- 15:22neuen Sponsor zu suchen. Auch wenn's schwerfällt.
- 15:25Ja, auch wenn's schwerfällt. Das ist kein Verrat oder so,
- 15:29sondern es ist notwendig für dein Wachstum.
- 15:32Du brauchst jemanden, der dich ganzheitlich begleiten kann, mit
- 15:35allem, was dazu gehört, nicht nur beim Schritte machen.
- 15:38Verstehe. Also nicht aus falscher
- 15:41Loyalität bleiben, wenn es einem schadet.
- 15:44Okay dann die Frage, wie fange ich an, über Gefühle zu reden,
- 15:48wenn ich es nie gelernt habe. Ja, gute Frage, Das ist wirklich
- 15:52wie eine neue Sprache lernen und niemand erwartet, dass du von 0
- 15:56auf 100 fließen. Darin wirst Fang ganz klein an.
- 16:00Wie denn? Es geht nicht darum, sofort
- 16:02tiefschürfende Seelenmonologe zu halten.
- 16:05Versuch einfach mal, Gefühle überhaupt zu benennen.
- 16:08Also statt nur zu sagen, mein Tag war Scheiße, versuch mal zu
- 16:12sagen, ich fühle mich heute frustriert oder ich bin
- 16:16irgendwie traurig oder ich spüre so eine Anspannung in mir.
- 16:21Einfach das Wort finden. Genau, such dir vielleicht mal
- 16:24eine Liste mit Gefühlswörtern im Netz.
- 16:27Ein einziges benanntes Gefühl pro Tag ist schon ein riesiger
- 16:30Fortschritt. Und wie gesagt, ein Therapeut
- 16:33oder eine gute unterstützende Gruppe können Dir helfen, dieses
- 16:36Vokabular zu lernen und dich langsam sicherer im Ausdruck zu
- 16:39fühlen. Sei geduldig mit dir dabei, das
- 16:43braucht Zeit. Kleine Schritte wie beim
- 16:45Sprachenlernen, guter Vergleich, so letzte Frage aus dem FAQ
- 16:51Mann, verliere ich den Respekt anderer Männer, wenn ich mich
- 16:55verletzlich zeige? Ja, da ist Gabriels Antwort.
- 16:59Sehr differenziert und auch sehr ehrlich finde ich.
- 17:01Er sagt ja, es kann sein, dass du den Respekt von bestimmten
- 17:05Männern verlierst. Von welchen von denen, die
- 17:07selbst noch sehr in ihrer starren Rüstung gefangen sind,
- 17:11die deine Offenheit vielleicht sogar als Bedrohung für ihre
- 17:13eigene Fassade empfinden, deren Respekt basiert oft noch auf
- 17:17diesen alten, ungesunden Regeln von Härte und Kontrolle.
- 17:20Aber. Aber, und das ist das
- 17:22Entscheidende. Du wirst den Respekt von
- 17:25Authentischen, von emotional reiferen und stabileren Männern
- 17:28gewinnen. Ah OK.
- 17:30Deine Ehrlichkeit schafft nämlich eine tiefere Ebene der
- 17:33Verbindung. Sie gibt anderen Männern und
- 17:36übrigens auch Frauen die Erlaubnis, ebenfalls echter zu
- 17:39sein. Du wirst merken, dass die
- 17:42Beziehungen, die auf dieser ehrlichen Basis entstehen, viel
- 17:45tragfähiger und erfüllender sind als diese oberflächlichen
- 17:49Kumpelbeziehungen. Die oft nur auf Stärke,
- 17:52Demonstrationen und Coolness beruhen.
- 17:54Man wählt also, wessen Respekt einem wichtiger ist.
- 17:57Genau das. Wessen Anerkennung suche ich
- 18:00eigentlich, die der Masken oder die der echten Menschen?
- 18:03Das klärt die Perspektive. Ja.
- 18:06Zum Schluss fasst Gabriel seine Kernbotschaft ja noch mal sehr,
- 18:09sehr eindringlich zusammen. Ja, sein Fazit ist wirklich n
- 18:12starkes Plädoyer für eine neue Form von Männlichkeit.
- 18:15Gerade in der Recovery. Wahre Stärke, sagt er, zeigt
- 18:19sich eben nicht darin. Unverwundbar zu scheinen,
- 18:22sondern darin, die eigene menschliche Verletzlichkeit
- 18:24anzuerkennen, sie zu fühlen und gut für sich zu sorgen, sie zu
- 18:28beschützen. Mhm.
- 18:31Er schreibt ja die stärksten Männer, die er in diesen fast 3
- 18:33Jahrzehnten kennengelernt hat, waren die, die Weinen konnten,
- 18:37die ihre Angst zugeben konnten und die den Mut hatten, um Hilfe
- 18:41zu bitten. Das ist das Gegenteil vom
- 18:43Klischee. Total.
- 18:45Er bezeichnet diese traditionellen
- 18:46Männlichkeitsideale als eine gefährliche Lüge.
- 18:49Eine Lüge, die krank macht und die viele direkt in die Sucht
- 18:53oder sogar in den Tod treibt. Daran festzuhalten, sagt er, ist
- 18:56wie ein Selbstmord auf Raten. Harte Worte, aber wahrscheinlich
- 19:00wahr. Ja, wahre Stärke, so fasst er es
- 19:03zusammen, bedeutet, alle Gefühle, auch die Schmerzhaften,
- 19:08die unangenehmen fühlen zu können.
- 19:10Und trotzdem nicht wegzulaufen, weder in die Suchtmittel noch in
- 19:14die emotionale Erstarrung noch in den Tod.
- 19:16Und sein direkter Appell an dich als Hörer ist dann.
- 19:19Wirf den Panzer-Weg, er schützt dich nicht wirklich, er erstickt
- 19:22dich, nur deine Verletzlichkeit ist kein Makel, sie ist dein
- 19:26Kompass nach Hause zu dir selbst, zu deiner Lebendigkeit
- 19:30und der mutigste Satz ist eben nicht ich hab s im Griff,
- 19:33sondern ich brauch Hilfe. Wow.
- 19:36Ein wirklich kraftvoller Aufruf der.
- 19:40Ja, der lange Nachhalt hör auf für ein veraltetes, schädliches
- 19:44Bild von Männlichkeit zu sterben.
- 19:46Fang an für deine eigene, authentische, gefühlvolle
- 19:49Zukunft zu leben. Puh, das ist wirklich intensiv,
- 19:54aber so wichtig. Absolut.
- 19:56Es fordert uns alle heraus, Männer wie Frauen, tiefsitzende
- 19:59Glaubenssätze zu hinterfragen, aber genau darin liegt eben die
- 20:03riesige Chance auf echte, tiefgreifende Heilung und auf
- 20:06ein Leben in größerer Freiheit und Verbundenheit.
- 20:09Bevor wir vor heute schließen noch ein kleiner Hinweis direkt
- 20:12von niehlix Berlin, also von Gabriel.
- 20:15Wenn dir dieser Beitrag hier und die Denkanstöße wertvoll waren
- 20:18und du die Arbeit von Gabriel generell wichtig findest, dann
- 20:20würde er sich riesig über deine Unterstützung freuen.
- 20:23Ja, du kannst ihm zum Beispiel helfen, indem du diesen Beitrag
- 20:26auf Social Media teilst oder vielleicht diese Vertiefung hier
- 20:29auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts bewertest und
- 20:33vielleicht ein Like da lässt. Sichtbarkeit hilft einfach enorm
- 20:37bei solchen Projekten. Das Projekt Neelix Berlin wird
- 20:40ja komplett allein von Gabriel finanziert und auch erstellt,
- 20:43das ist ne Menge Arbeit. Stimmt jede Form der
- 20:46Unterstützung, sei es Reichweite oder vielleicht auch ne kleine
- 20:49Spende. Es gibt wohl so einen Kauf mir
- 20:51einen Kaffeelink auf der Website hilft Gabriel mit diesem Projekt
- 20:55nicht nur sich selbst auf seinem Weg zu helfen, sondern eben
- 20:58gleichzeitig auch anderen Betroffenen eine Stimme und
- 21:01Unterstützung zu geben. Sein persönliches Motto, das ihn
- 21:05antreibt, finde ich auch sehr schön, aus allem schlechten in
- 21:09seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 21:11Das ist eine Haltung, die Respekt verdient.
- 21:14Finde ich auch. Absolut.
- 21:15Und vielleicht ist die Frage, die wir dir am Ende mitgeben
- 21:18wollen, ja die. Wenn diese Männerrüstung so
- 21:20schädlich ist, welche kleine Fuge oder vielleicht auch
- 21:24Schramme könntest du heute ganz bewusst zulassen oder sogar
- 21:27selbst hinein machen, um einfach ein kleines bisschen mehr Luft
- 21:30zum Atmen zu bekommen? Nur ein kleiner Spalt
- 21:33vielleicht. Ein guter Gedanke zum Mitnehmen.
- 21:36Vielen dank dir fürs Zuhören, dass du dir die Zeit genommen
- 21:39hast. Pass gut auf dich auf und ja,
- 21:41bis zum nächsten Mal. Tschüss.