Latest / Ab ins Bett - Die tägliche Gute-Nacht-Geschichte / #2255 Susanne und der Affe im Klassenzimmer
Transcript
- Ab ins Bett mit Marco König Folge 2255 – Susanne und der Affe im Klassenzimmer Donnerstag, 29. Oktober [Hinweis: Dieses Transkript wurde automatisch aus der Audiodatei erstellt (lokale Spracherkennung, kein manuelles Gegenlesen). Einzelne Formulierungen sind an unklaren Audiostellen sinngemäß geglättet, darunter die Namen Herr Wydinski und Herr Kovalski. Diese Folge enthält keinen Werbeblock.] 00:00 Am Ende vom Podcast sage ich ja immer: Bitte vergesst nicht, den Podcast zu folgen und zu bewerten. Und ich bitte euch heute schon am Anfang darum. Wenn ihr das Handy wieder zu euch nehmt, dann drückt die Glocke bei Spotify, bewertet den Podcast, egal wo ihr ihn hört, bei Spotify oder Apple Podcasts. Das hilft mir dabei, dass der Podcast auch von anderen gefunden wird. Kostet euch nichts außer vielleicht zwei Sekunden Zeit. Danke schön dafür. 00:28 Ab ins Bett, Ab ins Bett, Ab ins Bett, Ab ins Bett. Da geht der Podcast. 00:35 Hier ist euer Lieblingspodcast, hier ist Ab ins Bett. Ich bin Marco, und ich begrüße euch heute Abend zur 2255. Gute-Nacht-Geschichte für Donnerstagabend. 00:47 Stellt euch mal vor, ihr geht zur Schule, und stellt euch eure Lehrerin oder euren Lehrer vor. 00:52 Stellt euch auf einmal einen Affen in der Schule vor, einen Affen mit einem karierten Hemd. 00:58 Kann das sein? 01:00 Na ja, in einer Gute-Nacht-Geschichte bei Ab ins Bett ist alles möglich, aber vorher kommt das Recken und das Strecken. 01:08 Nehmt die Arme und die Beine, die Hände und die Füße, und reckt und streckt alles so weit weg vom Körper, wie es nur geht. Macht euch ganz, ganz lang. Spannt jeden Muskel im Körper an. Und wenn ihr das gemacht habt, dann lasst euch ins Bett hineinplumpsen und sucht euch eine ganz bequeme Position. Und heute Abend bin ich mir sicher, findet ihr die bequemste Position, die es überhaupt bei euch im Bett gibt. 01:40 Hier ist die 2255. Gute-Nacht-Geschichte für Donnerstagabend, den 29. Oktober. 01:50 Susanne und der Affe im Klassenzimmer. 01:54 Susanne ist ein ganz normales Mädchen. Es ist ein ganz normaler Tag, es kann sogar heute sein. 02:02 Susanne steht an diesem Morgen in der Tür und möchte gerade in ihr Klassenzimmer gehen. 02:07 Als sie das Zimmer betritt, kann sie ihren Augen kaum trauen, denn vorne an der Tafel steht nicht Herr Wydinski, der Lehrer, nein, es ist ein Affe. 02:15 Er steht mit der Kreide in der Hand vor der Tafel, und er trägt ein kariertes Hemd, genau so eins, wie es sonst Herr Wydinski trägt. 02:27 Aber Herr Wydinski hat eigentlich kein Fell. Nein, das ist nicht Herr Wydinski, das ist eindeutig ein Affe. 02:35 Sie schaut sich um, niemand von ihren Klassenkameraden findet das seltsam. 02:41 Mira sitzt auf ihrem Platz, als wäre nichts, Finn kramt in seiner Federtasche, aber Susanne bleibt staunend stehen. 02:54 Der Affe sieht sie auf einmal an, und dann fragt er, ob sie sich nicht hinsetzen will, sonst verpasst sie noch den Anfang vom Unterricht. 03:03 Der Affe stellt sich vor, sein Name ist Herr Kovalski, er ist die Vertretung, denn Herr Wydinski ist ein paar Tage krank. 03:10 Den anderen Kindern scheint das zu genügen, hört sich doch auch wie eine Begründung an, klar, wenn der Lehrer krank ist, dann kommt eine Vertretung. 03:22 Susanne aber grübelt, ein Affe als Vertretungslehrer, das glaubt einem doch keiner, und sie würde es selbst nicht glauben, wenn sie es nicht selbst sehen würde. 03:35 Die erste Stunde ist Mathe. Herr Kovalski, der Affe, verteilt die korrigierten Aufgaben von letzter Woche, eine nach der anderen, und er macht das ziemlich geschickt. 03:46 Als Susanne ihr Blatt bekommt, dreht sie es sofort um, bevor jemand die Note sehen kann. 03:53 Es ist eine Vier. Sie hat mit einer Eins gerechnet, oder mit einer Zwei, schlimmstenfalls mit einer Drei, aber doch nicht mit einer Vier. 04:01 Und die Vier steht oben auf dem Blatt, wie eine Mahnung in roter Schrift. 04:08 Ihr Magen zieht sich zusammen, sie wollte doch keine Vier haben, sie hat so viel geübt für diese Aufgabe. 04:14 Als die Pause kommt, geht sie nicht raus, sie bleibt auf ihrem Stuhl sitzen. 04:20 Alle anderen Kinder sind schon nach draußen gerannt, sie starrt auf das Blatt Papier, es liegt immer noch vor ihr. 04:26 Sie guckt so lange auf die Zahl, als würde sich die Zahl vielleicht gleich noch verändern, so als würde aus der Vier eine Drei werden, eine Zwei, oder doch eine Eins. 04:40 Der Vertretungslehrer, oder der Vertretungsaffe, Herr Kovalski, sieht das Ganze, er merkt auch, dass Susanne traurig ist. 04:47 Er geht zu ihr hin. Stimmt's, du bist traurig, sagt Herr Kovalski. 04:54 Susanne nickt, ohne ihn anzusehen. 04:56 Komm mal kurz mit nach vorne, sagt er ganz geheimnisvoll, und geht zu seinem Pult. 05:02 Dort auf dem Pult liegt ein Buch. Susanne hat das noch nie gesehen, es ist nicht das Klassenbuch, nein, es ist irgendwas anderes. 05:14 Herr Kovalski klappt es auf und blättert bis zu einer Seite, auf der ganz groß Susannes Name oben steht. 05:23 Das hier ist mein Klassenbuch, sagt Herr Kovalski, da stehen nicht die Noten drin. 05:30 Da steht drin, worin jedes Kind in der Klasse richtig gut ist. Wir Tiere machen das so, wir merken uns, wer Dinge gut kann, wer klettert, wer am besten warnt, wenn eine Gefahr droht, und wer gut riechen kann. 05:42 Menschen schreiben lieber Noten auf Zettel, dabei vergessen sie meist das Wichtigste. 05:49 Susanne kann kaum glauben, was sie da hört. Sie liest, was unter ihrem Namen steht. 05:56 Und dort steht: Susanne merkt als Erste in der Klasse, wenn es jemandem nicht gut geht, und dann setzt sie sich dazu, ohne dass man sie fragen muss. 06:13 Sie liest den Satz noch einmal. Ja, das stimmt, denkt sie, aber sie hätte nicht gedacht, dass das etwas ist, das besonders ist, oder dass es jemandem auffällt. 06:26 Niemand hat ihr je gesagt, dass das wichtig ist, bisher dachte sie immer, nur gute Noten und Mathe seien das Wichtigste. 06:34 Woher wisst ihr das, fragt sie den Affen. 06:40 Weil ich es gesehen habe, sagt Herr Kovalski. Letzte Woche zum Beispiel war Jonas traurig, weil sein Hamster krank war, und du bist zu ihm gegangen, ohne ein Wort zu sagen. Das war genau richtig, du warst für ihn da. 06:55 Susanne erinnert sich, stimmt, Jonas war letzte Woche nicht gut drauf, und deswegen war sie für ihn da. 07:02 Für Susanne ist das ganz normal. 07:04 Als die Pause endet, kommen alle Schülerinnen und Schüler zurück. 07:10 Herr Kovalski klappt das Buch nicht sofort zu, stattdessen setzt er sich auf die Tischkante und möchte noch etwas aus dem Buch vorlesen. 07:18 Finn, sagt er. Finn zuckt zusammen, Finn mag es nicht, wenn er aufgerufen wird. 07:26 Und Herr Kovalski liest vor: Finn hört jedes Geräusch im Raum, bevor es laut wird, er merkt, wenn draußen ein Vogel ans Fenster fliegt, bevor es passiert, und wenn jemand in der Klasse gleich weinen muss, dann merkt er es, noch bevor die ersten Tränen kommen. 07:48 Finn starrt auf den Tisch, seine Ohren werden ein bisschen rot, aber er lächelt, ein Lächeln, das er nicht verstecken kann. 07:55 Susanne merkt, wie gut es Finn tut, dass Herr Kovalski ihn genau so gut kennt. 08:02 Nach dem Unterricht packt Susanne ihre Matharbeit in die Tasche, die Vier steht immer noch oben drauf, aber irgendwie fühlt es sich gar nicht mehr so schlimm an. 08:13 Sie denkt an Finn, an sein Gesicht, als der gute Satz vorgelesen wurde, und daran, wie sie sich selbst gefühlt hat, als sie ihren Satz gehört hat. 08:24 Sie geht zu Finn herüber, er räumt gerade seine Stifte ein, einen nach dem anderen, in einer Reihenfolge, die nur Finn kennt. 08:33 Das war richtig gut, was Herr Kovalski über dich gesagt hat, sagt Susanne. 08:40 Finn schaut hoch, er ist überrascht, dass sie überhaupt mit ihm spricht. 08:46 Er sagt, er habe vorher überhaupt nicht gewusst, dass er so genau hinhört, er dachte immer, das sei normal, das sei gar nichts Besonderes. 08:54 Es ist aber was Besonderes, sagt Susanne. Ich fand's auch komisch, dass so ein Satz über mich im Buch steht. 09:02 Finn fragt, was über sie geschrieben steht, und Susanne erzählt es ihm, ohne sich dabei komisch zu fühlen. 09:13 Die beiden stehen noch eine Weile zwischen den Tischen. Sie unterhalten sich, sie sprechen darüber, was sie so gut können, und das ganz ohne eine einzige Zahl, ohne eine einzige Note. 09:30 Herr Kovalski steht vorne am Pult, er beobachtet die beiden. Das Buch klemmt er sich unter den Arm, er sagt nichts mehr, er nickt nur einmal, bevor er den Raum verlässt. 09:45 Obwohl Susanne heute eine Note bekommen hat, die nicht so war, wie sie es sich gewünscht hatte, geht sie mit einem guten Gefühl nach Hause. 09:52 Susanne weiß genau wie du, jeder Traum kann in Erfüllung gehen, 10:00 du musst nur ganz fest dran glauben. 10:04 Und jetzt heißt es, ab ins Bett. Träumt was Schönes. 10:09 Bis morgen, ab 18 Uhr, auf abinsbett.net. 10:16 Gute Nacht, und bitte vergesst nicht, dem Podcast zu folgen und zu bewerten. 10:22 Danke schön. --- Alle Folgen und mehr: abinsbett.net Den Podcast unterstützen: abinsbett.net/support