Latest / LebensWert - das Jetzt versichern / Depressionen - aus der medizinischen Sicht eines Psychiaters
Transcript
- 0:00Man geht davon aus, dass im Körper z.B. ganz bestimmte Botenstoffe im zentralen Nervensystem
- 0:06da eine große Rolle spielen, unter anderem oder auch ganz bestimmte Strukturen im Gehirn,
- 0:11die verantwortlich sind für Gefühle und für ganz bestimmte Dinge.
- 0:16Man weiß, dass sich da was einschleichen kann.
- 0:19Also in dem Moment, der Körper, der Geist, der mag es, bestimmte Muster zu machen, die
- 0:22sich einschleifen.
- 0:23Wenn ich erstmal auf so einer depressiven Spur bin, dann läuft das häufig in der Richtung
- 0:29weiter.
- 0:30Deswegen sagt man auch als therapeutisch, man sollte pathologische Muster relativ schnell
- 0:34unterbrechen, weil die sonst einfach bestimmte Bahnen sich im Körper, im Gehirn quasi bahnen.
- 0:40Hallo und herzlich willkommen bei Lebenswert, das jetzt versichern.
- 0:45Mein Name ist Shilu Könke und ich bin Host in diesem Podcast.
- 0:48Ich freue mich gemeinsam mit meinen Gästen Themen aus der Gesellschaft aufzugreifen,
- 0:53die direkten Einfluss auf unser Leben und die Lebensqualität haben.
- 0:57Wir sprechen über Fragen rund um mögliche Lebensrisiken, den Lebenswandel an sich,
- 1:01aber auch ganz persönliche Lebensgeschichten.
- 1:04Und darüber, uns das jetzt bewusst zu machen.
- 1:07Das jetzt, also genau diesen Moment, in dem sich alles gut und richtig anfühlt.
- 1:12Viel Spaß beim Zuhören.
- 1:14Heute sprechen wir mit Dr.
- 1:19Thorsten Süße, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin
- 1:24über Depressionen.
- 1:25Dabei geht Herr Dr.
- 1:26Süße auch kurz auf das Thema Suizid ein.
- 1:29Deshalb, wenn du selbst ähnliche Gedanken kennst oder dich aktuell nicht stabil genug
- 1:33für diese Themen fühlst, dann hör diesen Podcast bitte nicht oder zumindest nicht alleine.
- 1:39In unseren Shownotes stellen wir dir hilfreiche Kontakte und Telefonnummern zur Verfügung.
- 1:43Und jetzt herzlich willkommen Dr.
- 1:45Thorsten Süße.
- 1:46Die Depression zählt zu den psychischen Erkrankungen, die Hauptursache für Berufsunfähigkeitsphasen
- 1:53sind.
- 1:54Und deswegen liegt uns die Aufklärung natürlich besonders am Herzen.
- 1:58Wir haben in diesen Folgen die Depression aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kennengelernt.
- 2:05Wir haben mit einem ehemals von Depressionen Betroffenen gesprochen, der uns berichtet
- 2:11hat davon, wie sein Leben eigentlich mit der Depression aussah und vor allen Dingen aber
- 2:15auch, wie er es geschafft hat, sich aus der Krankheit wieder zu befreien.
- 2:20Wir haben mit einem Angehörigen gesprochen, der uns Einblicke in sein Leben mit einer
- 2:25an Depression erkrankten Partnerin gegeben hat.
- 2:28Wir haben mit dem Geschäftsführer der Robert Enke Stiftung gesprochen und er hat uns berichtet,
- 2:33wie wichtig es ist, dieser Erkrankung Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft zu geben.
- 2:38Und wir haben mit einer Wortmedizinerin gesprochen, die über ihren innovativen Ansatz, muss man
- 2:45sagen, aufgeklärt hat.
- 2:46Es geht darüber, wie groß die Bedeutung einer bewussten Sprache für unsere mentale Gesundheit
- 2:52ist.
- 2:53Und ich freue mich deswegen umso mehr, dass wir heute in unserer fünften Folge zum Thema
- 2:58Depression die medizinische Fachsicht einbringen können.
- 3:02Mit Ihnen lieber Herr Dr. Süße, Sie sind Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische
- 3:09Medizin.
- 3:10Herzlich willkommen, Herr Dr. Süße.
- 3:12Ja, ich freue mich hier zu sein.
- 3:14Ja, schön, dass wir heute sprechen und Sie Ihre, wie gesagt, Ihre medizinische Sichtweise
- 3:22einbringen hier beim Thema.
- 3:25Es ist natürlich uns bewusst, dass gerade die Depression, um dies ja heute auch schwerpunktmäßig
- 3:31gehen soll, eine Erkrankung ist, die ganz unterschiedliche Ursachen bei den einzelnen
- 3:36Erkrankten hat.
- 3:37Das kommt immer sehr stark auf die Einzelfälle an.
- 3:40Es ist sehr individuell gelagert.
- 3:41Und trotzdem die Frage am Anfang an Sie, gibt es bestimmte Faktoren, die dieses Krankheitsbild
- 3:48begünstigen und welche sind das?
- 3:50Ja, da gibt es also auf einer Seite so biologische Faktoren.
- 3:55Das ist der Erbfaktor.
- 3:57Es werden einfach bestimmte Voraussetzungen vererbt.
- 4:01Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Mensch eine Verletzlichkeit hat in einer bestimmten
- 4:06Richtung.
- 4:07Wenn er in eine schwierige Situation kommt, dann bedeutet das, er reagiert mit einer depressiven
- 4:12Reaktion.
- 4:13Es kann sein, dass ein anderer Mensch mit einer anderen Verletzlichkeit eigentlich auf die
- 4:17gleiche Belastung vielleicht mit Psychososymptomen reagieren würde.
- 4:21Also, es gibt so etwas wie eine vererbte Achillesferse.
- 4:25Das kennt man ja auch so in der ganz normalen Psychosomatik, dass Menschen, wenn sie aufgeregt
- 4:30sind, manche kriegen hohen Blutdruck, manche kriegen Magenschmerzen, manche kriegen Durchfall
- 4:36und das ist bei jedem irgendwie unterschiedlich.
- 4:38Und dann spielen natürlich auch Gegebenheiten eine Rolle, wo jemand wohnt.
- 4:44Also auch was ein biologischer Faktor kann sowas ganz banal ist, wie das Sonnenlicht sein.
- 4:48Man weiß zum Beispiel, dass in Südeuropa, wo die Sonne einfach mehr scheint, es weniger
- 4:52Depressionen gibt, als wenn ich mich oben im hohen Norden befinde, wo es ja manchmal Jahreszeiten
- 4:57gibt, da taucht die Sonne gar nicht auf.
- 4:59Also auch solche Dinge haben Einfluss.
- 5:01Und dann sind es Dinge auch wie, was nimmt jemand mit als Mensch?
- 5:06Habe ich mich schon als Kind immer angenommen gefühlt?
- 5:09Ich habe zum Beispiel bei den wichtigsten Bezugspersonen, das sind ja die Eltern, habe ich mir zum Beispiel
- 5:15abgeguckt, wie man mit ganz bestimmten Problemen umgeht.
- 5:18Problemlösungsstrategien.
- 5:19Es kann aber auch sein, dass meine Eltern vielleicht selbst psychisch krank waren und die hatten
- 5:25gar keine guten Problemlösungsstrategien und ich habe mir das im Rahmen so einer erlernten
- 5:29Hilflosigkeit in einer ganz bestimmten Art und Weise abgeguckt.
- 5:32Oder es gibt eben auch Erziehungsstile, die letztendlich dazu führen können, dass Depressionen
- 5:38später begünstigt werden.
- 5:40Also wenn jetzt mal eine wichtige Bezugsperson, ich sage jetzt mal ganz klischeehaft, nehmen
- 5:44wir jetzt mal eine Mutter, die sagt, und jetzt bist du wieder so böse gewesen und du bist
- 5:48schuld, dass dieser Krach gekommen ist, jetzt gehst du mal nach oben und du darfst erst wieder
- 5:52runter kommen, wenn du dich entschuldigt hast und sagst, dass du daran schuld gewesen
- 5:56bist.
- 5:57Und du, Mama ist eigentlich immer ganz, ganz traurig, weil du immer so böse bist.
- 6:02Und wenn du weiterhin so böse bist, dann geht Mama weg und dann kommt sie auch nie mehr
- 6:05wieder.
- 6:06Und das ist natürlich jetzt ein bisschen überspitzt ausgedrückt.
- 6:09Aber wenn solche Dinge immer wieder im Alltag gesagt werden, ist vielleicht die Idee, oh,
- 6:13Harmonie ist ganz wichtig und eigentlich bin ich doch schuld, wenn was passiert.
- 6:18Und Konflikte führen dazu, dass wichtige Bezugspersonen wie vielleicht die Mama weggeht
- 6:23und deswegen muss ich alles dafür tun, dass meine Umgebung mich auch gern hat und dann
- 6:27schlucke ich lieber mal Konflikte runter und solche Dinge können eine Rolle spielen.
- 6:31Und das Ganze sind einfach erst mal Belastungsfaktoren, Risikofaktoren, was ich jetzt aufgezählt habe,
- 6:39diese vererbten Symptome, also die vererbten Voraussetzungen eben aber auch dieser Erziehungsstil.
- 6:44Das heißt noch lange nicht, dass daraus eine Depression auf jeden Fall resultieren muss,
- 6:49das ist das eine.
- 6:50Und auf der anderen Seite heißt das auch nicht, dass jeder, der eine Depression hat, dass
- 6:53man sagt, oh, da waren wahrscheinlich die Eltern auch irgendwie krank und deine Eltern
- 6:57haben irgendwie in Erziehung versagt.
- 6:59Das kann man nicht sagen, aber in einzelnen Fällen kann das eine Rolle spielen.
- 7:02Aber wenn diese Risikofaktoren im Raub sind, heißt das noch lange nicht, dass auch eine
- 7:07Depression ausbrechen muss.
- 7:09Weil vielleicht habe ich einen Lebenspartner, der mir einfach signalisiert, du bist mir
- 7:13wichtig, ich habe dich lieb.
- 7:15Ich mache eine Arbeit, wo ich total drin aufgehe und die stabilisiert mich oder ich habe Nachbarn,
- 7:21die mich unterstützen und obwohl vielleicht meine Wurzeln belastet sind, tritt das nicht
- 7:26auf.
- 7:27Und im umgekehrten Fall kann es aber genauso sein.
- 7:30Meine Eltern haben immer alles richtig gemacht, die waren auch alle gesund, aber ich bin in
- 7:34einer problematischen Umgebung.
- 7:36Es gibt immer Streit mit meinem Lebenspartner oder meiner Lebenspartnerin.
- 7:40Am Arbeitsplatz werde ich immer gemobbt und nie irgendwie für meine gute Arbeit gelobt.
- 7:45Dann geht der Arbeitgeber pleite und meine Nachbarn sind auch irgendwie ekel.
- 7:49Und das führt dazu, dass obwohl, wie gesagt, meine Wurzeln tiptop sind, trotzdem eine Depression
- 7:55ausbrechen.
- 7:56Also was ich damit sagen will, es ist ein multifaktorielles Geschehen, wo viele verschiedene
- 8:01Dinge zusammenkommen können und man muss nur im Hinterkopf haben, daran könnte es liegen.
- 8:05Ohne dass man aufgrund erstmal einer Symptomatik, die jemand bietet, darauf schließen kann,
- 8:10ach, daher kommt das.
- 8:11Da dann kann ich mir schon vorstellen, wie deine Eltern waren.
- 8:14Das wäre überhaupt nicht zulässig.
- 8:15Wie kann ich mir das vorstellen, wenn ich jetzt mal gucke, also diejenigen, die möglicherweise
- 8:23in Ansätzen betroffen sind oder das vielleicht für sich annehmen.
- 8:26Wie kann man sich vorstellen, sehen Warnsignale aus.
- 8:30Also was passiert im Körper, wenn eine Depression sich anschleicht?
- 8:35Ja, man geht davon aus, dass im Körper zum Beispiel ganz bestimmte Botenstoffe im zentralen
- 8:42Nervensystem da eine große Rolle spielen.
- 8:45Unter anderem oder auch ganz bestimmte Strukturen im Gehirn, die verantwortlich sind für Gefühle
- 8:51und für ganz bestimmte Dinge.
- 8:53Und man weiß, dass sich da was einschleichen kann.
- 8:55Also in dem Moment, der Körper, der Geist, der Markt, ist bestimmte Muster zu machen,
- 8:59die sich einschleifen.
- 9:00Und wenn ich erstmal auf so einer depressiven Spur bin, dann läuft das häufig in der Richtung
- 9:06weiter.
- 9:07Deswegen sagt man auch als therapeutisch, man sollte pathologische Muster relativ schnell
- 9:11unterbrechen, weil die sonst einfach bestimmte Bahnen sich im Körper, im Gehirn quasi bahnen.
- 9:17Können Sie ein Beispiel nennen für ein pathologisches Muster?
- 9:21Naja, ein pathologisches Muster ist, dass sich Anfange eine ganz bestimmte Sichtweise
- 9:26zu entwickeln.
- 9:27Eine Sichtweise kann sein, ich habe ja gleich gesagt, dass ich das nicht schaffe.
- 9:32Und dann mache ich das auch gar nicht erst, sondern vermeide ich es und habe dadurch
- 9:36auch keinen Erfolg.
- 9:37Und das ist ja klar, wenn ich das machen will, das hat auch gar keinen Sinn, das braucht
- 9:42es ja nicht.
- 9:43Und mich hat sowieso eigentlich auch keiner lieben.
- 9:44Und ich brauche das auch gar nicht zu machen.
- 9:46Und eigentlich bin ich auch nur eine Belastung.
- 9:47Das heißt, ich habe also eine ganz bestimmte Wahrnehmung und Sichtweise von der Welt.
- 9:51Und die, wiederum bestätigt sich natürlich dadurch, dass ich natürlich anfange, bestimmte
- 9:55Sachen zu machen.
- 9:57Ich vermeide irgendwas und dann tritt genau das ein, also die sich selbst erfüllende
- 10:01Prophezei hat.
- 10:02Und das wird einerseits, sag ich mal, psychisch gebahnt, aber auch letztendlich auf einer
- 10:06biologischen, also biochemischen Ebene.
- 10:08Und dann schleift sich langsam etwas ein.
- 10:11Ja, da spielt es eine große Rolle, wie die Selbstwahrnehmung ist und die inneren Dialoge.
- 10:17Darüber haben wir auch schon gesprochen.
- 10:19In einem anderen Kontext, ab wann genau sollten denn Betroffene Hilfe suchen?
- 10:27Also vielleicht nicht nur die Betroffenen, sondern Angehörige sind ja auch angesprochen.
- 10:31Also ab wann sollten Angehörige und Betroffene den Weg suchen, ärztliche Hilfe einzuholen?
- 10:37Ja.
- 10:38Also bei der depressiven Erkrankung ist es ja häufig so, dass schon auch die Menschen
- 10:43im Alltag anders sind als zu dem Zeitpunkt, wo sie erkranken.
- 10:47Also erstmal fällt auf, den Angehörigen fällt auf, Mensch, der ist ja irgendwie anders
- 10:51mein Gegenüber.
- 10:52Früher war der interessiert, da war der fröhlicher bestimmte Dinge waren so und jetzt wirkt
- 10:57diese Person komplett verändert.
- 10:59Welche Symptome sind das eigentlich, die der Umwelt und vielleicht den Betroffenen auch
- 11:03auffallen?
- 11:04Da ist jemand wirkt von der Stimmung, hat ein Stimmungstief zum Beispiel oder...
- 11:10Aus dem er wahrscheinlich auch nicht wieder rauskommt über längere Zeit?
- 11:14Genau.
- 11:15Ein Stimmungstief muss man sagen, also zunächst wirkt es auf, dass man die, der ist ja so
- 11:19besonders traurig oder bedrückt und bei Depressionen, die sehr ausgeprägt ist, muss man sagen,
- 11:24mit Traurigkeit hat das nichts zu tun.
- 11:26Also das ist eher so eine Lehre.
- 11:28Und das kann man zum Beispiel merken, bei Menschen reagieren ja als soziales Wesen,
- 11:33wenn mir ein Gegenüber, wenn mich jemand anlacht, muss ich auch lachen.
- 11:36Oder wenn plötzlich jemand weint, fange ich auch irgendwann an zu weinen.
- 11:40Aber bei einem depressiven, der mir jetzt sehr schwer depressiv ist und mir gegenüber sitzt,
- 11:44da bin ich nicht traurig.
- 11:45Dafür fühle ich eigentlich gar nichts.
- 11:47Und man sagt so, die emotionalen Schwingungsfähigkeit ist beeinträchtigt oder aufgehoben zum
- 11:52Beispiel.
- 11:53Also daran merke ich das.
- 11:54Der Mensch ist nicht traurig, sondern der fühlt sich leer oder depressiv.
- 11:59Und daraus resultieren natürlich dann auch so diese anderen Symptome.
- 12:03Man traut sich einfach nichts mehr zu.
- 12:05Schließlich wird man so ganz unkonzentriert.
- 12:08Man kann Sachen gar nicht mehr richtig zu Ende führen.
- 12:10Man muss bei der Arbeit das immer noch mal machen.
- 12:13Vielleicht noch mal überlegen, was war das noch mal?
- 12:15Ich weiß das gar nicht.
- 12:16Ich muss das noch mal probieren.
- 12:18Und dann macht man sich Vorwürfe.
- 12:20Ich müsste das doch hinkriegen.
- 12:22Warum schaffe ich das nicht?
- 12:23Ich bin ja ein totaler Versager.
- 12:25Ich schäme mich auch.
- 12:27Ich bin natürlich schuld.
- 12:28Damit kann ich andere gar nicht belasten.
- 12:30Und dann kommt so ein Negativismus plötzlich dann dazu.
- 12:34Ach, das wird sowieso nicht besser.
- 12:35Es wird nicht als Erkrankung, sondern eher als ein Persönlichkeitsdefizit gesehen.
- 12:41Und es gibt natürlich noch mal bestimmte Unterschiede,
- 12:44die manchmal auch mit Männern und Frauen zu tun haben.
- 12:47So diese klassischen depressiven Symptome mit der eingeschränkten Stimmung.
- 12:51Und dadurch, dass man sich nicht mehr so viel bewegen will
- 12:55und Perspektivlosigkeit findet man häufiger bei Frauen.
- 12:58Es gibt es natürlich bei Männern auch.
- 13:00Und bei Männern kommen manchmal auch noch so typische Symptome dazu,
- 13:03wie man hat Wutanfälle, man ist gereizt.
- 13:07Es kommt zu einem vermehrten Alkoholkonsum und so Dinge.
- 13:10Und wo man eigentlich eher nicht an eine Depression denkt,
- 13:12sondern wo man vielleicht denkt, das ist so ein schlechter...
- 13:15Impulsiver Typ oder... - Impulsiver Typ, sowas in der Art.
- 13:18Und wo die Depression als solches gar nicht erkannt wird.
- 13:21Aber diese Dinge, dass sich da jemand verändert,
- 13:23dass auch plötzlich dann Suizidgedanken auftauchen,
- 13:26wie das macht doch gar keinen Spaß mehr das Leben am besten.
- 13:29Ich möchte jetzt mal irgendwie Tat Tage abschalten.
- 13:32Na ja, was heißt das dann?
- 13:34Am besten dann gar nicht mehr leben wollen.
- 13:36Und plötzlich kommen vielleicht sogar ganz konkrete Ideen,
- 13:39wie man sich das Leben nehmen könnte.
- 13:40Also, das wären alles so Warn-Symptome,
- 13:43die auch dann auf jeden Fall ernst zu nehmen sind
- 13:45und die über so eine leichte Verstimmtheit dann auch deutlich hinweggehen.
- 13:49Ja, also ich glaube so für die eigene Erkenntnis,
- 13:53ist es für mich jetzt ganz wichtig mitzunehmen,
- 13:55wenn jemand im Bekanntenkreis keine Lust mehr hat
- 13:59oder keine Freude mehr an Dingen hat, die im Frühjahr Spaß gemacht haben.
- 14:02Sei es jetzt der Sport oder ein Hobby oder Freunde treffen oder so weiter
- 14:07in der Freizeit über einen längeren Zeitraum,
- 14:10dann ist das wahrscheinlich eines der Wahnsignale,
- 14:12auch die Sie gerade beschrieben haben.
- 14:13Genau.
- 14:14Ja.
- 14:15Sie haben gerade gesagt, die Akzeptanz der Erkrankung
- 14:19ist natürlich die erste Hürde für viele Betroffene oder auch Angehörige.
- 14:22Wenn aber diese Akzeptanz da ist und ich habe verstanden,
- 14:26ich muss mich um mich kümmern, welchen Weg gehe ich dann als erstes?
- 14:30Kann ich den Hausarzt aufsuchen oder wer ist die erste Anlaufstelle für mich?
- 14:34Der Hausarzt ist aus meiner Sicht tatsächlich eine der ersten Anlaufstellen.
- 14:38Zumal man sagen muss, die meisten Menschen mit depressiven Erkrankungen
- 14:41werden auch tatsächlich vom Hausarzt oder Hausärztin behandelt soweit.
- 14:45Ich denke, man ja, das sind Psychologen, Psychotherapeuten, Psychater,
- 14:49das sind natürlich auch alles Spezialisten, die in Frage kommen,
- 14:53gerade wenn es sich auch um schwerwiegende Krankheitsbilder handelt,
- 14:56aber eben gerade leichte Depression oder vielleicht auch Mittelgradie,
- 15:00das ist die Domäne des Hausarztes.
- 15:02Da macht es auch Sinn, sich dann dorthin zu wenden.
- 15:05Und das Wichtige ist ja erst mal den Weg dorthin zu finden.
- 15:09Vielfach kann es sein, dass die betroffene Person dann sich das gar nicht zugesteht
- 15:13oder denkt, na ja gut, das hat irgendwas mit mir zu tun,
- 15:16das sind irgendwelche charakterlichen Probleme, die ich habe
- 15:19oder vielleicht bin ich einfach auch faul oder kriege die Sache nicht gut hin
- 15:22und ziehe mich auch zurück, was soll ich andere damit belästigen?
- 15:25Also die Idee ist ruhig, den Kontakt zu halten, also auch darüber zu reden.
- 15:29Weil die Tendenz ist, er sich zurückzuziehen
- 15:31und gerade eigentlich auch im Gespräch, um im Kontakt zu bleiben
- 15:35und eben auch in Bewegung.
- 15:36Also man weiß ja auch gerade, dass Bewegung eine gute Möglichkeit ist,
- 15:39auch antidepressiv zu wirken.
- 15:41Und derjenige, der sich einfach mies fühlt und denkt, ich belaste andere,
- 15:45der zieht sich eigentlich in die Wohnung zurück, der bewegt sich eben gerade nicht
- 15:49und der Clou wäre wirklich, das zu versuchen, möglichst noch hinzukriegen
- 15:53und wie gesagt, den Weg zum Hausarzt zu schaffen.
- 15:56Ja, ja.
- 15:57Das heißt, Hausärzte haben durchaus auch eine Grundausbildung
- 16:01in Psychotherapie oder psychiatrischen Fachbehandlung.
- 16:07Ja, also da hat sich im Bereich, also im hausärztlichen Bereich
- 16:10sehr viel getan, so in den letzten Jahrzehnten.
- 16:13Es gibt so was wie eine Zusatzqualifikation, psychosomatische Grundversorgung.
- 16:17Das muss jetzt nicht zwingend jeder haben, aber häufig ist das jetzt einfach schon,
- 16:21weil erkannt worden ist, dass bei vielen körperlichen Symptomen mehr dahinter steckt.
- 16:27Dass es nicht nur darum geht, man sucht nach einem Bakterium und wirft ein Medikament ein
- 16:30und dann wird der Mensch repariert, sondern es wird deutlich,
- 16:33dass Menschen eben auch mit ihrem Körper auf bestimmte innere Befindlichkeiten reagieren
- 16:39und das eigentlich Geist und Körper zusammengehören und wechselseitig reagieren.
- 16:45Und dass ein Hausarzt, wenn er ein guter Hausarzt ist, auch erkennen muss,
- 16:48da spielt die Psyche eine große Rolle und das können die inzwischen.
- 16:52Und die wissen eben auch, um die Rolle, die man auch selbst als Arzt hat,
- 16:56als wichtiger Faktor im Austausch mit den Patienten,
- 17:00die wissen, wie man auch eine Depression diagnostizieren kann.
- 17:05Dass man natürlich am Anfang auch erst mal eine körperliche Untersuchung macht,
- 17:08dass bestimmte körperliche Ursachen für Depressionen auch ausgeschlossen werden.
- 17:13Wo man so muss, in den seltensten Fällen ist das nachher so,
- 17:16dass es körperliche Ursachen hat, aber man muss es natürlich mit im Blick haben.
- 17:20Und diese ganzen Dinge, das leistet ein Hausarzt.
- 17:24Manchmal haben die auch eine Zusatzqualifikation Psychotherapie,
- 17:28dann können die sogar selbst ambulante Psychotherapie
- 17:30oder sie können zumindest die Indikation stellen und sagen,
- 17:34Ihnen würde ich dringend anraten, gehen Sie doch einfach zu einem psychologischen
- 17:39oder ärztlichen Psychotherapeuten oder zu einer Psychotherapeute.
- 17:42Ja genau, ich glaube die Diagnose ist auch erst mal das Wichtigste,
- 17:45dass die Menschen damit nicht alleine geleistet,
- 17:47lassen sind und nachher wird untersucht auf verschiedene körperliche Erkrankungen, die gar nicht ursächlich sind.
- 17:54Sie haben es gesagt, es kann es sein, also die genetische Disposition kann eine Rolle spielen muss aber nicht und dann ist, glaube ich, die Diagnose erstmal das wichtigste, um die nächsten Schritte zu gehen und zu gucken, wie die aussehen.
- 18:07Genau.
- 18:09Welche Therapiemöglichkeiten schließen sich daran an und kann man eine Tendenz nennen, ob eine Gesprächstherapie ausreicht oder ob es einer medikamentösen Behandlung bedarf? Können Sie das sagen aus Ihrer Erfahrung heraus?
- 18:25Es gibt eine Faustregel, man würde sagen, bei leichten Depressionen, da ist vorrangig die Gesprächstherapie oder die Psychotherapie das Führende und bei schwergradigen Depressionen fördergründig würde man an Psychopharmaka, also antidepressiver, denken.
- 18:42Man könnte sogar sagen, bei leichten Depressionen haben Psychopharmaka eigentlich nichts zu suchen und mit jemandem, der schwerstgradig depressiv ist, es ist eben schwierig, psychotherapeutische Gespräche zu führen.
- 18:53Und dann gibt es natürlich doch die mittelgradigen Depressionen, wo man sagt, da kann man sowohl als auch an Psychotherapie oder eben auch an medikamentöse Therapie denken.
- 19:02Welche Rolle spielt der Zeitfaktor in der Entwicklung der Erkrankung? Wir wissen jetzt auch aus den Gesprächen, die wir bisher geführt haben, dass es häufig so ist, dass Menschen lange Zeit auf Therapiemöglichkeiten warten und in der Zeit die Erkrankung fortschreitet.
- 19:23Insofern, welche Rolle spielt an der Stelle der Zeitfaktor?
- 19:27Ja, der Zeitfaktor spielt schon eine bedeutende Rolle, weil Erkrankung und gerade jetzt die Depression, wenn sie denn als solches nicht erkannt wird oder aber zumindest nicht adäquat behandelt wird, die Chancen, dass das dann zu einer Chronifizierung kommt, wird immer größer.
- 19:44Also je früher, desto besser ist schon letztendlich entscheidend.
- 19:49Und natürlich, Mama hat es, der betreffende Patient gar nicht selbst in der Hand, sucht vielleicht einen Therapeuten und findet so schnell keinen.
- 19:56Aber die Idee ist schon wirklich, wenn man weiß, man braucht Hilfe, sie auch schnellstmöglich zu suchen.
- 20:03Also da liegt es natürlich dann auch wieder an den Betroffenen und Angehörigen selber, möglichst frühzeitig festzustellen, dass es Wahnsignale gibt, die ernst zu nehmen sind und dass man dann auch akzeptiert, Hilfe zu suchen.
- 20:17Genau. Und bei der Psychotherapie muss man da sagen, hat man heutzutage auch ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt ganz unterschiedliche Psychotherapieformen.
- 20:25Natürlich gibt es systemische und tiefempsychologische Ansätze, aber heutzutage durchaus aus meiner Erfahrung steht auch gerade die Verhaltenstherapie ziemlich im Vordergrund, also die kognitive Verhaltenstherapie.
- 20:39Und die Frage ist ja manchmal, wie hat man sich das so vorzustellen? Mama ist ja so die Idee, da ist so ein Therapeut und der gibt einfach gute Ratschläge, was ich dann zu tun habe und ich setze die oben und dann geht es mir besser.
- 20:49Und Psychotherapie hat ja mit guten Ratschlägen überhaupt nichts zu tun.
- 20:54Das wäre so, wenn jemand ein Alkoholproblem hat und man sagt, ja dann sind doch einfach weniger und dann sagt man ja gute Idee und dann ist man trocken. Das funktioniert natürlich nicht.
- 21:02Auch zum Depressiv zu sagen, sie müssen einfach mal ein bisschen lustiger sein und machen sie doch mal dies oder das. Das funktioniert in den seltensten Fällen.
- 21:09Wenn das das Ausschließlich ist, was der Therapeut macht, es geht ja eher darum, dass sehr individuell auf den Patienten eingegangen wird.
- 21:17Und bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht man ja davon aus, dass einfach so die Denkmuster, die Wahrnehmung, verzerrt ist.
- 21:25Also was ich vorhin schon so versuchte auszuführen. Ich habe eine ganz bestimmte Wahrnehmung, eine depressive Wahrnehmung von meiner Umgebung.
- 21:34Und dann geht es darum, dass ich das erstmal erkenne, dass ich vielleicht so was wie ein Stück Protokoll führe und sehe, wie nehme ich ganz bestimmte Dinge wahr.
- 21:42Ich bespreche das nochmal mit meinem Therapeuten und es wird deutlich, ich habe bestimmte Annahmen, die sehr negativ gefärbt sind.
- 21:50Und ich versuche jetzt mal, vielleicht was auszuprobieren, ob es nicht vielleicht doch anders geht.
- 21:55Ich mache die positive Erfahrungen im Rahmen der Verhaltenstherapie. Ich habe gedacht, da brauche ich gar nicht hinfahren.
- 22:00Ich habe keinen Erfolg, das klappt sowieso nicht.
- 22:02Ich nehme es mir aber in einer Übung jetzt gezielt in Rücksprache mit dem Therapeuten vor und mache die Erfahrung.
- 22:08Das hat ja besser geklappt als gedacht. Das heißt, ich kann plötzlich neue Verhaltensmuster ausprobieren und komme plötzlich zu anderen Denkmustern
- 22:16und kann von den alten Denkmustern der erlernten Hilflosigkeit ein Stück Abstand nehmen.
- 22:21Aber da ist das Bewusstsein natürlich ganz wichtig und wahrscheinlich auch die Kontrolle durch einen Dritten.
- 22:27Genau. Weil ich das selbst nicht hinkriege, weil ich ja immer in meinen Denkmustern gefangen bin.
- 22:33Und möglicherweise, dass es hier auch nicht angehören kann, sondern das muss schon ein professioneller Therapeuten sein.
- 22:43Ich möchte noch mal zurückkommen auf den Punkt, wie wichtig die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema ist, wenn es sich zu einer ernsthaften Erkrankung entwickelt.
- 22:53Ich gebe ja heutzutage auch Angebote wie zum Beispiel Online-Formate, Podcasts, die sich mit den psychischen Erkrankungen auseinandersetzen
- 23:03oder auch mit der Depression im speziellen und Aufklärung betreiben. Da sind wir jetzt nicht die einzigen.
- 23:09Was halten Sie von diesen Angeboten? Kennen Sie solche zum Beispiel Online-Beratungen, in denen Psychologen auch zur Verfügung stehen, um erste Indizien zu geben,
- 23:19damit Betroffene sich tiefer gehen, damit beschäftigen können und medizinischen Rat anschließend einholen können.
- 23:26Also ich weiß, dass dort vermehrt so etwas auch angeboten wird und dass es auch eine sinnvolle Angelegenheit ist,
- 23:34dass Menschen viel schneller auch manchmal bereit sind, sich an den PC zu setzen und zu gucken, sich dort auszutauschen.
- 23:41Als diesen Weg, ich muss da erstmal hinfahren, ich muss Kontakt aufnehmen zu einer anderen Person.
- 23:46Also das kann auch gerade so in einer Übergangsphase oder wenn jemand sich das eigentlich sonst überhaupt nicht zutraut,
- 23:51kann das sehr gut sein, das über bestimmte Online-Formate.
- 23:55Und das geht ja davon, dass es auch Online-Beratungen durch Therapeuten gibt.
- 24:00Das ist ja das eine, aber man muss dann nicht groß irgendwo hinfahren,
- 24:03sondern man hat den jemanden, wenn man so wie den Therapeut in seinem Wohnzimmer.
- 24:07Und es gibt natürlich auch KI-gestützte Formate, wo ich gewisse Probleme reingeben kann
- 24:13und die KI mir durchaus Rückmeldung gibt bis dahin, dass auch dann die Rückmeldung sein kann.
- 24:19Da sollten sie auf jeden Fall jetzt einen Therapeuten aufsuchen.
- 24:22Genau, also zumindest um diese Zeit zu überbrücken, die Wartezeit häufig, die ja so lange ist, bis man einen Therapieplatz hat.
- 24:29Genau, aber an Setzenden, das es also eins zu eins ersetzen kann, ist die persönliche Behandlung natürlich auf keinen Fall.
- 24:33Das muss einem auch klar sein.
- 24:35Aber gerade in dem Moment, wo man mal sagt, es gibt einmal mal für was wie Fachkräftemangel oder zumindest so wenig Therapieplätze,
- 24:42macht es ja Sinn, solche Formate auf jeden Fall auszuschöpfen.
- 24:45Ja, genau.
- 24:48Wir haben es immer wieder gehört und Sie haben es auch bestätigt,
- 24:51dass es Betroffenen sehr schwer fällt, über ihre Erkrankung zu sprechen und diese für sich erstmal anzunehmen.
- 24:57Wobei die Depression wahrscheinlich immer noch eine der akzeptierteren psychischen Erkrankungen ist.
- 25:03Und Sie kennen sich natürlich mit dem ganzen Spektrum an psychischen Erkrankungen aus, die es da gibt.
- 25:10Aber diese Hürde darüber zu sprechen und die Erkrankung anzunehmen, hängt natürlich auch ein Stück weit damit zusammen,
- 25:17dass in unserer Gesellschaft dieses Thema tabuisiert wird und stigmatisiert wird.
- 25:22Und deshalb die Frage an Sie, was sagen Sie Menschen, die sich mit der Sorge an Sie wenden,
- 25:27über diese Erkrankung in ihrem direkten Umfeld zu sprechen?
- 25:31Also ich rate sehr dazu, darüber zu sprechen und sich auch im Zweifelsfall mit Menschen auszutauschen,
- 25:39die ähnliche Probleme haben. Es gibt ja jetzt einerseits Selbsthilfe auf der Ebene der Angehörigen erstmal,
- 25:46die ja auch manchmal verzweifelt sind und wissen gar nicht, wie geht man richtig mit einem psychiatrisch erkrankten Angehörigen um.
- 25:52Das ist das eine, aber eben auch die Betroffenen selbst, wo Selbsthilfegruppen zum Beispiel einen großen Teil bieten können.
- 25:59Auch bestimmte Dinge erstmal zu überbrücken gewisse Zeiten, aber es geht nicht nur um Überbrückung,
- 26:04sondern es geht darum auch bestimmte Dinge zu stabilisieren oder überhaupt erstmal sich mit Menschen auszutauschen,
- 26:09von denen ich weiß, die haben das Gleiche erlebt oder etwas Ähnliches, von denen fühle ich mich verstanden.
- 26:15Oder wenn die sagen, ja, ich habe auch erst geglaubt, das wird nie besser, aber dann habe ich das und das ausprobiert
- 26:21und plötzlich hat mir das geholfen, kommt das ganz anders an als wenn das vielleicht eine ärztliche Person sagt,
- 26:27wo man denkt, na ja, aber der kann sich ja gar nicht so in mich hereinversetzen.
- 26:31Also Selbsthilfegruppen und der Rat auch Selbsthilfegruppen auszunutzen, das wäre also aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Faktor.
- 26:41Ja, das heißt, die raten den Patienten auch zu dem aktiven Dialog und zum Erfahrungsaustausch,
- 26:48denn das ist auch das, was uns bisher die Gesprächspartner immer wieder bestätigt haben.
- 26:53Und auch generell diesen Punkt im Dialog zu bleiben, auch zu Hause mit dem Partner, der Partnerin in der Familie.
- 27:00Das muss ich nicht die ganze Zeit um diese Erkrankung drehen, aber dass man eben miteinander spricht,
- 27:05das ist glaube ich ganz, ganz wichtig, damit auch derjenige, der betroffen ist, sich nicht so zurückzieht, wie Sie es vorher beschrieben haben.
- 27:12Genau, und für Erangehörige ist ja auch wichtig, was kann ich tun, um ein krankes Familie mit Lied zu unterstützen
- 27:18und diese Idee zu sagen, ach, das wird schon und auf die Schulter zu klopfen,
- 27:23das wird ja in der Regel als überhaupt nicht sehr hilfreich erlebt.
- 27:27Aber die andere Idee, ja, muss ich mich dann zurückziehen, darf ich dann gar nichts sagen.
- 27:31Und das wäre beides in der Regel nicht hilfreich.
- 27:34Also zu jemanden zu sagen, also jetzt musst du mal das und das machen, du musst jetzt mal den Hintern hochkriegen und jetzt mach mal das und das.
- 27:42Und derjenige kann das nicht, führt ja eher dazu, dass sich die depressive Person dann vielleicht noch schlechter fühlt, wie, ja, ich müsste das ja machen,
- 27:50aber da versage ich jetzt auch schon, aber auch zu einem depressiven zu sagen, ja, dann sag du doch mal, was dir denn gut tut.
- 27:56Ich bin ganz offen und derjenige kann dazu nichts sagen, das hilft nicht.
- 28:00Und dann geht es sowas wie eine Entscheidungshilfe.
- 28:03Also zum Beispiel so ein banales Beispiel, ich hätte jetzt eigentlich mal Lust auf einen Spaziergang.
- 28:09Hättest du Lust mitzukommen, das heißt, ich bevormunde die andere Person nicht, du musst jetzt mitkommen,
- 28:15aber ich mache einen gewissen Vorschlag und die depressiven aktiv erkrankte Person kann selbst entscheiden, ob sie dem folgt oder nicht.
- 28:23Also diese Entscheidungshilfen zum Beispiel halte ich für sehr hilfreich, wenn sie von Seiten der Angehörigen kommen.
- 28:29Ja, und da sollte man, so haben wir es im letzten Gespräch auch gelernt, unter anderem immer wieder diese Angebote machen und nicht selber verzweifelt sein,
- 28:39wenn der oder diejenige dreimal hintereinander sagt, nein oder an drei Tagen, nein danke, ich möchte nicht mitkommen oder darauf gar nicht eingehen,
- 28:46sondern andere Wege zu finden, andere Angebote zu machen und das immer wieder zu tun und vor allen Dingen auch auf sich selbst zu schauen als Angehöriger,
- 28:54dass man dann eben alleine spazieren geht zum Beispiel, um auch den Kopf frei zu kriegen.
- 28:59Ich glaube, das ist auch wichtig in der Situation.
- 29:01Ja, und ich glaube, da würde ich auch gerne allen Mut machen, dass es auf jeden Fall Hilfe gibt in der Regel.
- 29:10Und manchmal dauert es auch eher länger, bis manchmal die Hilfe auch greift.
- 29:16Also man allein schon bei den Medikamenten kann es manchmal Wochen dauern, bis überhaupt die positive Wirkung auftritt.
- 29:22Aber wichtig ist, sie tritt irgendwann auf, aber es dauert etwas.
- 29:26Und gerade wenn es nach 14 Tagen nicht besser geworden ist, heißt das nicht, ach bei mir klappt alles nicht.
- 29:30Sondern den Mut nicht verlieren.
- 29:31Und ich glaube, das ist für alle Betroffenen wichtig, dass es sich auf jeden Fall lohnt, Hilfe in Anspruch zu nehmen,
- 29:37sei es nun eher psychotherapeutisch oder eher medizinisch ausgerichtet.
- 29:41Und auch im Alltag lässt sich viel tun.
- 29:45Also auch allein Bewegung als solches hat schon durch diese Körpereigenen, also das Körpereigenendorfine ausgeworfen werden,
- 29:52wenn man z.B. joggt und solche Dinge.
- 29:54Das sind einfach so Selbstheilungskräfte auch des Körpers, die man auch gezielt nutzen kann zum Beispiel.
- 30:00Sie engagieren sich über ihre berufliche Tätigkeit hinaus auch noch als Referent bei unterschiedlichen Fachveranstaltungen,
- 30:09wie beispielsweise Foren oder Formaten rund um Hilfsangebote für Betroffene und auch für Angehörige.
- 30:16Sind diese Formate geeignet, für Menschen dort auch ihre eigenen Fragen an sie zu richten?
- 30:23Also das auf jeden Fall.
- 30:25Ich erlebe das in so Infoveranstaltungen, dass Menschen sehr mutig sind, auch weil sie erleben,
- 30:32ich bin hier auch als Besucher mit anderen Menschen zusammen, die auch ähnlich betroffen sind oder wissen,
- 30:39wovon ich rede, ich muss mich da nicht schämen, wenn ich dort spreche und die dann ganz offen fragen,
- 30:45ob es nach speziellen Wirkweisen von Medikamenten oder Psychotherapie oder wie ich auch jemanden erreichen kann,
- 30:52bezüglich der Hilfen usw.
- 30:55Und wir merken manchmal, dass so viele Fragen da sind.
- 30:59Manche Sachen muss man dann vielleicht sogar im Nachhinein über ein Unchat oder über E-Mails noch hinkriegen,
- 31:04aber viele Menschen profitieren davon.
- 31:07Und insofern kann ich durchaus erst mal raten, das auch zu nutzen,
- 31:11zumal auch dann ja der Austausch mit anderen Betroffenen z.B. in der Pause auch wiederum möglich ist.
- 31:16Ja, absolut.
- 31:18Das heißt, ist Ihre Erfahrung, dass die Sichtbarkeit, diese Erkrankung in der Gesellschaft steigt
- 31:24und dass man sich mehr und mehr damit bereitwillig auseinandersetzt?
- 31:30Ja, denn da ist zwar noch Luft nach oben, kann man sagen,
- 31:34aber ich merke das im Bereich der Depression, dass sich da schon viel getan hat,
- 31:38dass von den vielen psychischen Erkrankungen eigentlich die Depression schon,
- 31:42die am meisten gesellschaftlich anerkannt ist
- 31:45und dass sich eben viel mehr Menschen inzwischen trauen, sich auch zu outen.
- 31:49Man sieht das auch, dass Politiker, Sportler, Schauspieler plötzlich sich als depressiv outen.
- 31:55Früher hätten die da gedacht, wenn ich das sage, dann gelte ich als Loser, dann bin ich erledigt
- 32:00und das wird anerkannt.
- 32:02Und das sind z.B. auch macht ja anderen Mut, dass man weiß, Mensch, das ist doch so eine Art Idol
- 32:06und der hat sowas auch mal gehabt, dann kann ich da ganz mit anders umgehen,
- 32:10als wenn das tabuisiert ist.
- 32:12Also ich glaube, das ist auf dem richtigen Weg, aber da kann noch einiges verbessert werden.
- 32:16Genau, ja, absolut.
- 32:18Sie tun das unter anderem, indem Sie auch als Schriftsteller tätig sind.
- 32:23Sie schreiben nämlich Kriminalromane, in denen die Protagonisten
- 32:27unter verschiedenen psychischen Erkrankungen leiden, die dort beschrieben sind.
- 32:32Das dreht sich nicht um diese Erkrankung, aber sie ist eben Teil der Geschichte
- 32:36und den Lesern wird somit ermöglicht, einen Einblick in diese Person zu erhalten
- 32:43und wie sie tickt, wie sie unter dieser Erkrankung oder dem Einfluss dieser Erkrankung überhaupt handelt.
- 32:49Seit wann schreiben Sie Kriminalromane und wie viele Kriminalromane haben Sie schon geschrieben,
- 32:56in denen psychische Erkrankungen thematisiert sind?
- 32:59Ja, ich habe 2011 damit angefangen und fast in allen meinen sechs Kriminalromanen,
- 33:07die bisher erschienen sind, spielen auch psychische Störungen, psychische Erkrankungen eine Rolle,
- 33:13aber es sind gerade die ersten vier, die auch aus Sicht eines Psychaters geschrieben sind,
- 33:19beschäftigen sich insbesondere damit.
- 33:21Und gerade wenn es jetzt um das Thema Depressionen geht,
- 33:25kann ich sagen, ein Roman, der die Tote und der Psychate heißt, geht es eben um Depression,
- 33:31aber auch um das Krankheitsbild der posttraumatischen Belastungsstörung oder der Schizophrenie.
- 33:36Und welchen Roman ich insbesondere vielleicht noch mal nennen würde, wäre "Schöne Frau, Tote Frau",
- 33:41weil dort geht es eben auch nochmal um eine Depression im Rahmen einer Bipolarnstörung.
- 33:47Also zweifach kompliziert er sozusagen.
- 33:50Ja, weil da eben auch noch diese manische Komponente drin ist,
- 33:54die eben auch gerade dort nochmal gerade deutlich wird, dass zwei verschiedene Seiten der Medaillen
- 34:00auch eben ein Störungsbild sein können.
- 34:02Ich finde es hochinteressant, weil das wirklich ein niedrigschwelliger Zugang für Menschen ist,
- 34:07sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
- 34:09Und ich glaube, da leisten sie an der Stelle ganz, ganz viel Aufklärungsarbeit,
- 34:14aber eben in einer unangestrengten Form.
- 34:17Und ich habe mir das aufgeschrieben.
- 34:19Ich werde das also auch noch lesen.
- 34:21Ich finde es hochinteressant, was sie da machen. Vielen Dank.
- 34:24Und ja, also ich denke, sie haben insgesamt ganz schön beschrieben,
- 34:31wie diese Erkrankung eigentlich entsteht, welche äußeren Faktoren sie beeinflussen können,
- 34:37was nicht heißt, dass sie auftritt.
- 34:39Das fand ich auch sehr hilfreich an der Stelle, dass sie gesagt haben,
- 34:43es wird dadurch begünstigt, es muss aber nicht auftreten.
- 34:46Und natürlich auch uns nochmal vor Augen geführt haben,
- 34:50welche Anlaufstellen als erstes hilfreich sind und vor allen Dingen,
- 34:55welche Wahnsignale auftreten können, damit man auf frühzeitig auf sich selber schauen kann,
- 35:00auf die Familie schauen kann oder im Bekannten- und Freundeskreis gucken kann
- 35:03und aufmerksam sein kann, um einfach Hilfestellung frühzeitig zu geben
- 35:08und sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen.
- 35:11Insofern, das ist uns wichtig gewesen heute in diesem Gespräch.
- 35:14Und das haben wir mit ihrer Hilfe, glaube ich, gut erreicht.
- 35:17Vielen Dank, Herr Dr. Süße, für Ihre Einblicke.
- 35:20Ja, gerne. Es hat mich gefreut, hier zu sein.
- 35:23Und ich hoffe doch, dass der eine oder andere aus dem Gespräch
- 35:27auch was für sich persönlich mitnehmen kann.
- 35:29Ganz bestimmt. Dankeschön für das Gespräch.