Latest / Neuro-Performance / Was tun, wenn du nur noch funktionierst?
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- Nina: Was kannst du tun, wenn du nur noch funktionierst? Es ist Samstagvormittag. Vielleicht ist bei dir gerade wirklich Samstagvormittag, während du das hörst. Bei dir ist es mega ruhig in der Wohnung, der Kaffee ist noch warm und du sitzt am Arbeitslaptop. Nicht weil du jetzt noch was fertig machen müsstest, weil du eine Deadline vorgegeben bekommen hast, sondern weil das jetzt gerade der Der Moment der Woche ist, in dem du mal wirklich klar denken kannst. Also wirklich so strategisch denken kannst. Auf einem weißen Blatt Papier, wo du mal wirklich Dinge durchdenken kannst. Wenn du dich hier in diesem Beispiel wiedererkennst, dann ist die heutige Folge für dich. Hi, ich bin Nina und ich arbeite seit mittlerweile über 15 Jahren mit Führungskräften und Teams in Veränderung. Und heute geht es diesen einen Satz, den ich in fast jedem Kundengespräch immer wieder höre von Führungskräften, nämlich wir funktionieren. Lass uns anfangen. Also, zu allererst mal funktionieren fühlt sich richtig gut an. Und ich kenne es selbst. Es ist so dieses richtig geile Gefühl von Produktivsein, Dinge abhaken, eine Million Bälle gleichzeitig in der Luft halten. Irgendwie geht das. Ist so bisschen wie so ein richtig fetter Energy-Kick. Und von außen betrachtet sieht es auch wirklich nach Also ein absoluter High Performer, eine High Performerin. Bei der Person klappt einfach alles, die hat Struktur, die hat Biss, die setzt alles Klingt erstmal ja grundsätzlich für jeden Arbeitgeber traumhaft. Aber schauen wir da mal genauer hin. Also Führungskräfte, wenn du eine Führungskraft bist, dann weißt du, dass Sie den ganzen Tag Entscheidungen treffen. Große als auch kleine. Vom Urlaubsantrag bis hin zur Freigabe der Weiterbildung. Rückfragen aus dem Team, die ständig reinkommen. Mails von ganz oben. Oder halt auch die Abteilung nebenan, die noch schnell was braucht. Und egal wie groß das Unternehmen ist, in denen du warst, es wird immer irgendeine Entscheidung auf deinen Tisch kommen. wo du noch bist. Ich hoffe ja sehr, dass du noch in deinem Unternehmen bist, wenn das der richtige Ort für dich ist. Anyway, wenn ich mal so zurückblicke auf meine Zeit als Angestellteführungskraft in der Deutschen Bahn, lagen auf meinem Tisch gefühlt täglich eine Million Dinge. Und ich bin da tiefer reingegangen und habe das mal für mich ein bisschen aufgedröset, zurückblickend und es ist total spannend, denn ich hatte zwei Sorten von Entscheidungen. Einmal eine Entscheidung eher so in Richtung, welche Technologie wird eingekauft, also was langfristiges, was strategisches, wo es halt auch wirklich mehr geht als nur rot oder blau oder gelb oder grün, also keine Farbassoziation jetzt, einfach es ging was. Und dann aber auch die Typ der Entscheidung, wo es ehrlich nichts ging. Also so eine typische Klopapierfrage. Welches Klopapier bestellen wir? Die Entscheidung habe ich natürlich nicht auf meinem Tisch gehabt, aber ich finde, das ist ein super Beispiel dafür, was für kleine harmlose Entscheidungen Fragungskräfte auch täglich treffen müssen und dürfen oder einfach wollen, die eigentlich an eine ganz andere Stelle gehören, nämlich dorthin, wo auch die Kompetenz ist. Und ja, wenn es Wenn ganzen Tag so aussiehst, dass du als Führungskraft sehr viele Entscheidungen triffst, groß und klein, dann ist es über den Tag zusammengerechnet ziemlich viel, was du in Entscheidung triffst. Und da kommen wir jetzt auch schon direkt zum Punkt. Am Ende bleibt dann auf die eine Entscheidung liegen, die wirklich zählt. Ich habe letzte Woche in meiner Online-Session, also in Performance-Workshop, vielleicht hast du die Folge davor gehört, genau dort, da habe ich Führungskräfte gefragt, welche Entscheidung aktuell bei ihnen am längsten auf dem Tisch liegt. Also ich habe nicht gefragt, Entscheidung ist es, aber halt wie lange sie schon auf dem Tisch liegt. Und die Antworten waren alles möglich, von drei Wochen, acht Wochen bis hin zu drei Monaten und sogar eine Person, gesagt hat, sechs Monate. Und Letzte Woche in diesem Workshop hatte ich keine unentschlossenen Menschen dort sitzen, sondern das waren wirklich Menschen, Führungskräfte, mit sehr viel Kompetenz, aber halt auch viele Personen, ich durfte dann ja noch einige eins zu eins führen, die nun mal aktuell jeden Tag funktionieren. Und das ist auch genau der entscheidende Punkt. Funktionieren ist nun mal nicht dasselbe wie Führen. Gehen wir da ein bisschen tiefer rein und gucken mal mit der neurobiologischen Brille drauf. dein Gehirn, mein Gehirn, unser aller Gehirn hat für gute Entscheidungen ein Tagesbudget. Und ich nenne das immer super gerne den Big Mac im Kopf, weil das so ein schönes Bild ist, was sich sehr schnell dort reinpflanzen lässt für das, was ich dir jetzt erkläre. Also, du stehst morgens auf und du hast einen ganzen Big Mac in deinem Kopf setzen. Mit jeder Entschadung, die du triffst, beißt du quasi ein Stück von diesem Big Mac weg. Das kann sein wie beispielsweise, welche Milch du dir in den Kaffee schüttest, keine Ahnung, welche Farbe dein Pulli hat, du anziehst, oder halt in welchem Termin du zuerst gehst, welche E-Mail du zuerst beantwortest. Alles Mögliche. Kleine, unwichtige Klopapierentscheidungen, aber halt auch große. Und je mehr du entscheidest, desto weniger bleibt übrig. Und das ist dann meistens so an dem Nachmittag, wo dann gar nicht mehr so viel übrig ist. Und genau dann solltest du ja eigentlich Zeit haben für die wichtigen Entscheidungen, wie beispielsweise, was rocken wir noch im nächsten Quartal? Wie sieht die strategische Ausrichtung 2027 aus? Keine Ahnung, du wirst deine eigenen Beispiele haben für Entscheidungen, die jetzt noch getroffen werden müssen. Das sind Dinge, wo wir uns oft als Führungskraft natürlich auch erst nach dem operativen Tagesgeschäft, finde den Fehler, aber das ist noch ein anderes Thema, wirklich die Zeit nehmen können, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Und leider ist das dann aber auch auf der Zeitpunkt, wo wir gar nicht mehr die Kapazität dafür haben. Und es ist gar nicht irgendwie nur so irgendwas Strategisches, was wir vorbereiten. Es kann alles Mögliche sein, wie auch beispielsweise so ein schwieriges Personalgespräch, worauf wir uns vorbereiten müssen. All das kommt dann nicht mehr so sehr die Qualität und die Aufmerksamkeit, die das Thema eigentlich bräuchte. Und dann kann es halt schnell passieren, dass Dinge auch aufgeschoben werden. Das ist auch so bisschen eine Erklärung, warum sehr oft irgendwelche Meetings gemacht werden, wo dann doch nichts entschieden wird. Wobei, da gibt es natürlich noch viele weitere Gründe. Aber ein kleiner Grund kann auch das sein, dass die Kapazität dafür nicht mehr da ist. Und dann wird die Entscheidung weiter geschoben. Nicht weil man das vielleicht nicht möchte, sondern weil der Speicher voll ist. Dann kommt der Teil, der die meisten wirklich überrascht. Die Entscheidung selbst kostet nämlich relativ wenig Energie. Was uns aber Energie kostet, ist das Warten auf die Entscheidung. Jede offene Entscheidung, die auch du mit ihr rumträgst, läuft im Hintergrund weiter, also in deinem Kopf. Und du kannst es vorstellen wie in einem Browser, den du offen hast, Laptop beispielsweise oder auf deinem Handy, jeden Tab, den du offen lässt und nie schließt, Genau die gleiche Performance hast du mit offenen Entscheidungen. Offene, unklare Themen belegen dasselbe Arbeitsgedächtnis, das du fürs Abwägen und für schwierige Gespräche brauchst. Und wenn wir das nochmal auf das Tab Beispiel übersetzen, je mehr Tabs offen sind, desto langsamer wird alles andere. super, super Beispiel, was sich so gut übertragen lässt. bei uns Menschen ist es so, also ab jetzt im Laptop-Tab mehr oder weniger offen ist in deinem Browser, macht es man noch gar nicht so viel natürlich. Klar, bricht irgendwie auch bisschen Kapazität, aber nicht so viel. Aber wenn wir mal auf das menschliche System gucken, wie die Mailtabs dort offen sind und bewusst oder unbewusst mitlaufen, desto langer, ich mal, einfach alles andere. Und das merken wir dann meistens erst am Abend oder im späten Nachmittag nach der getanen Arbeit oder der Arbeit, erstmal Priorität hatte. Und viele Führungskräfte, auch die ich kenne, mit denen ich zusammen arbeite, fragen dann immer zuerst, ob sie nicht motiviert genug sind, ob sie nicht strukturiert genug sind, ob sie nicht fleißig genug sind und suchen dann erstmal so die Schuld in ihrem Verhalten. Es hat aber gar nichts damit zu tun oder in den seltensten Fällen damit zu tun, denn die meisten von diesen Personen haben einfach ein Kapazitätsproblem. Und das Gute ist aber, diese Kapazität kann man sich relativ schnell wieder zurückholen. Wie geht das? Dafür gucken wir uns eine kleine Übung an, die ich mitgebracht habe, nämlich den Auftragscheck. Du brauchst dafür etwa 10 bis 15 Minuten, je nachdem wie lang deine To-Do-Liste ist. Und ich habe dir drei Prüffragen mitgebracht. Und du kannst diese drei Prüffragen Ganz einfach über jedes Tüdu einmal drüber laufen lassen, dann zu entscheiden, was da noch offen ist an den Entscheidungen. 1 Wer hat zuletzt nach diesem Tüdu gefragt? Achtung, die Frage fokussiert nicht darauf, wer das mal beauftragt hat, sondern wer hat zuletzt danach gefragt. Wenn die Nachfrage schon sehr lange zurück liegt, ist es ein Zeichen dafür, dass hier vielleicht kein Tüdu mehr auf dich wartet. Wenn du dir unsicher bist, geh zu Frage 2. Wenn niemand fragt, fällt mir jemand ein, der danach fragen würde, eine Person, für die das irrelevant wäre. Wenn dir ein Ja einfällt, kläre mit der Person, dass Ding wirklich durchlaufen muss. Ist das ein To-do? Wenn ja, ist das dein To-do? Wenn nein, wo gehört das hin? Wenn du bei der Prüffrage aber direkt ein Nein hast, es fällt dir keine Person ein, die danach fragen würde, dann ist es dein Streichkandidat. Auch hier schlosen bringt eher wenig. Ich habe aber noch die dritte Prüffrage dabei. Welche Entscheidung trage ich gerade nur mit mir herum? Ja, das sind meist die Entscheidungen, die du selbst treffen kannst. Wie beispielsweise die von Frage 2. Kann ich das Ding nicht einfach streichen? Ja, könntest du. Die Entscheidung bekommt einen Termin. Am besten irgendwie morgens, wenn der Big Mac noch voll ist, also noch nicht aufgegessen ist. nicht erst irgendwann am Abend nach dem letzten Meeting. dann zu entscheiden, ist das jetzt wirklich noch etwas, was wir machen sollten, was auf der Liste stehen bleibt oder kann das runter im Vergleich zu allem anderen, was da auf der Liste steht. Klingt erstmal ziemlich easy, aber Achtung, wenn wir genauer hingucken, ist das echt eine Fallung. Ich bin da auch mehrfach reingetapst. Ich habe ein Beispiel davon. Und zwar Auch hier wieder Deutsche Bahn. Kannst so viele Geschichten erzählen. Also Innovation her. Anforderungen, innovativer werden ist klar. Irgendwo, irgendwann, irgendwer, jetzt keine Person zu nennen, hat dann den Begriff Metaverse gedroppt. Ist schon ein bisschen her, ist aktuell auch kein oder schon seit einiger Zeit kein Begriff mehr, der jetzt so irgendwie trendy rumläuft. Aber zu dem Zeitpunkt war es so Metaverse, Metaverse, Metaverse. Wie mit allen Trends, da will man ja punkten, da will man ja gut darstellen und dann will man ja unbedingt Erster sein in dem Thema. War in dem Fall auch so. Deswegen Auftrag ins Team losgeschickt, guckt euch das an, findet raus, was die Kosten sind, welche Anbieter es gibt, welche Qualität die haben, wie so ein Pilot aussehen würde. Haben auch alle schön brav gemacht, wurde nichts hinterfragt. Naja, und dann hat aber nie wieder jemand danach gefragt. Also habe ich auch nie wieder danach gefragt, bis sich irgendwann so ein erstes Konzept auf dem Tisch hat, das war alles ausgearbeitet, mit ganz, ganz viel Aufwand, sechs Monate Arbeit reingeflossen. Gott sei Dank nicht ganze sechs Monate, aber in Dauer schon über sechs Monate für ein Thema ohne Auftraggeber. Nur weil mal irgendwo mal jemand wieder gesagt hat, müssten wir uns auch mal angucken. Hätte ich diese verdammte erste Frage damals mal gestellt, hätte ich das Thema zwei Minuten. löschen können, streichen können. Warum habe ich die Frage nicht gestellt? Eigentlich ziemlich dumm rückblickend. Ich hatte einfach nicht die Kapazität. war dicht, voll, zero. Was mit sieben Tagen Arbeit pro Woche und viel hin und her Reiserei und wenig Schlaf dazwischen. Auf der einen Seite biologisch verständlich, ist auf der anderen Seite einfach nur dumm. ja, es ist dann doch nicht ganz so dumm. Und es gibt viele dieser Beispiele, wie ich immer wieder erlebe. Und deswegen weißes Bleipapier, alle To-Do's aufschreiben, alle drei Prüffragen einmal drüberkleben, dann ehrliche Antwort zu haben, was gehört auf diese To-Do-Liste und was darf gestrichen werden, wirklich Q4 jetzt nicht in irgendeinem Marathon zu beenden, sondern wirklich gut reguliert aus diesem Jahr rauszugehen. Wenn du jetzt denkst, ha, mache ich irgendwann mal oder habe ich das schon gemacht oder ja, nee, ich kann das ja noch, es passt ja noch, passt schon, höre ich auch sehr oft, dann solltest du jetzt nochmal die Hintergründe besser nachvollziehen, dich vielleicht auch nochmal umzuentscheiden. Also, warum ist diese Übung, die ich gerade beschrieben habe, neurobiologisch wirksam? Ganz einfache Erklärung. Jeder Punkt, den du streist auf deiner Liste, schließt einen Tab, wie in deinem Browser. Dein Arbeitsgedächtnis wird freier, es wird frei und das nicht irgendwie in ein, zwei Monaten, sondern jetzt sofort. So ein bisschen das Gefühl, was sich einstellt, wie nach einer lang aufgeschobenen Entscheidung, einer lang aufgeschobenen Aufgabe. Das ist ja auch immer so dieses Gefühl von Erleichterung. Vielleicht kannst du dich dran erinnern, wie sich das angefühlt hat, dieser Steuer, Jahresbericht, Gedüns. Unfassbar viel Energie, da reinfließt. Wenn das dann einfach mal vom Tisch ist, ist doch eigentlich gar nicht so schlimm gewesen. Der ähnliche Effekt ist hier zu beobachten, dass so eine Erleichterung sich einschleicht. Und insbesondere bei Führungskräften, die viel auf dem Tisch haben, kann das schon echt wieder zu gutem Schlaf führen. Nicht zufällig. sondern weil das Gehirn grundsätzlich damit aufhört im Hintergrund zu rechnen, diese Entscheidung mit sich herumzutragen. Wenn du nochmal auf die Frage 2 schaust, wenn niemand fragt, fällt mir jemand ein, der danach fragen würde. Diese Frage hilft dir nochmal, wirklich einen Auftraggeber zu formulieren, weil du weißt ja, ohne Auftraggeber ist ziemlich schwer, umzusetzen. Du nimmst also damit die diffuse Unsicherheit raus aus dem Thema. Und mit der Frage 3, welche Entscheidung trage ich gerade nur noch mit mir herum, kannst du wirklich nochmal bewusst entscheiden, wie du den Big Mac in deinem nutzen willst. Und am besten dann, wenn er voll ist. Und das coole ist einfach, wenn du anfängst als Führungskraft das vorzuleben, schau dir dein Team zu. Wenn du streichst und Entscheidung dorthin zurückgebst, wo sie hingehören, lernt dein Team von dir ebenfalls selbst zu entscheiden. Und so wird aus funktionieren wieder führen. Mir liegt das Thema echt am Herzen, deswegen noch einmal hier eine kurze Zusammenfassung. Funktionieren ist nicht dasselbe wie führen. Was dich Energie kostet, ist nicht die Entscheidung selbst, es ist das Warten darauf. diesen Auftragscheck, wenn du jetzt immer noch einen Grund brauchst, warum du das machen solltest, er hilft dir, deine Kapazität wieder zurückzuholen. Drei einfache Fragen schreibst dir jetzt auf, damit du sie immer, immer, immer parat hast für Momente, in denen du Entscheidung treibst. muss. Wer hat es letztendlich danach gefragt? Fällt mir jemand ein, der fragen würde, welche Entscheidung trage ich nur mit mir herum? 10 Minuten, 15 Minuten, einmal im Monat, einmal für fünf Minuten, zum Ende der Woche. All das hilft dir, in diesem ganzen Chaos, das da gerade in der Arbeitswelt herrscht oder wieder entsteht nach den Sommerferien damit gut umgehen zu können. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Streichen.