Latest / BZ am Ohr / „Ich habe mich gefühlt wie ein Alien“ – Südbadener über seine Drogensucht und Drug Checking
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- Was haben die chemischen Substanzen vor allem Amphetamine und MDMA? Und die haben mir auch eine Welt eröffnet und gezeigt, die ich mir gewünscht habe. Die haben mich in Verbindung gebracht mit anderen Menschen. Zugleich auch eine destruktive Funktion eingenommen. Knapp 200 Menschen sind in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr an Drogen gestorben. Wie viele kurz davor standen oder jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, dazu gibt es keine Zahlen. Besonders gefährlich ist es, wenn die Konsumenten nicht wissen, was genau sie da eigentlich nehmen. Um diese Gefahr etwas abzumildern, will das Land Drug-Checking-Angebote schaffen. Dabei werden Drogen auf ihre Inhaltsstoffe und Dosierungen überprüft. Befürworter sehen darin die Chance, den Konsum sicherer zu machen. Bisher hinkt Baden-Württemberg der Einrichtung solcher Stellen hinterher. Einer, der an seinem Drogenkonsum fast gestorben ist, ist Christian Weiser. Der heute 29-Jährige ist in Göppingen geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebte in Freiburg und heute in Hartheim. Er spricht offen über seine Drogensucht. Das war damals nicht so. Ich habe mich wie ein Alien gefühlt. Zu Hause wurde ich nicht akzeptiert, in der Gesellschaft wurde ich nicht akzeptiert. Oft wusste er selbst nicht, was genau er da nimmt, wie der Stoff dosiert ist. Im Podcast-Studio berichtet er von seinem Weg weg von den Drogen. Was hält er davon, Substanzen vor dem Konsum analysieren zu lassen? Mein Name ist Sina Schuler, ich bin Redakteurin der Badischen Zeitung. Und das ist eine neue Folge von BZ am Ohr, einem Podcast der Badischen Zeitung. Christian Weiser, herzlich willkommen im Studio. Dankeschön. Wie sind Sie denn heute in den Tag gestartet? Entspannt. Ich bin heute Morgen aufgestanden, war natürlich auch ein bisschen aufgeregt, weil das hier jetzt auch was Neues für mich ist und auch zurzeit viel Veränderung in meinem Leben stattfindet. Aber ich freue mich auf jeden Fall hier zu sein und bin motiviert hergekommen. Und finde es schön, hier meine Erfahrungen teilen zu dürfen. Es war nicht immer so entspannt. Das erste Mal, als Sie Drogen genommen haben, waren Sie glaube ich 13, das war Cannabis. Können Sie erklären, warum Sie denn damals mit Drogen angefangen haben zu experimentieren? Das ist eine gute Frage und die ist auch gar nicht so leicht zu beantworten, aber so wie ich jetzt auch nach meiner Therapie und der ganzen Aufarbeitung das sehe, war damals bei mir zu Hause eine Situation, wo ich mich nicht so ganz sicher gefühlt habe. Wo ich angespannt war und auch Emotionen unterdrückt habe. Und da war dann das Cannabis ein sehr gutes Hilfsmittel, um das so ein bisschen harmonisch zu machen, um mich da irgendwo aufzufangen, wo meine Eltern mich haben nicht auffangen können. Und dass ich mich irgendwie gut fühlen konnte mit der Situation. Mit der ich nicht zurechtgekommen bin. Es ist ja dann auch nicht bei dem einen oder anderen Joint geblieben. Es ging ja dann weiter. Können Sie das vielleicht kurz beschreiben? Ja, also das Cannabis hat dann eine Funktion eingenommen, was zu regulieren, was ich nie gelernt hatte damals zu regulieren, die Emotionen und die Anspannung in mir selber, aber auch in meiner Familie damals. Durch das Umfeld, das halt mit dem Konsum dann einhergeht, bin ich eben auch noch an andere Substanzen gekommen und die haben dann natürlich auch eine Funktion eingenommen oder konnten die Funktion von Cannabis noch ein bisschen besser einnehmen sogar. Und ja, das waren die chemischen Substanzen, vor allem Amphetamine und MDMA. Und die haben mir auch eine Welt eröffnet und gezeigt, die ich mir gewünscht habe auch. Die haben mich in Verbindung gebracht mit anderen Menschen, was vorher vielleicht nicht so gut möglich war. Haben auch Emotionen oder Gefühle spürbar gemacht für mich, was vorher nicht möglich war. Aber zugleich auch eine destruktive Funktion eingenommen. Und mir verhindert auch tatsächlich diesen Emotionen wirklich auf die Spur zu kommen und das Ganze kaschiert und überdeckt. Ja, das ist ja, Cannabis hat ja diese, Sie haben es ja selber gesagt, diese entspannende Wirkung, dass sie ein bisschen runterkommen, das harmonischer wird. Bei MDMA und solchen Substanzen nimmt man ja auch gern zum Partymachen und solche Dinge. Das ging dann so ein bisschen in die andere Richtung wahrscheinlich bei Ihnen. Genau, ja, also das Cannabis, das war vor allem für mich immer zu Hause, um da irgendwie so eine Kohärenz auch herzustellen, mit dieser Anspannung, die da war, aber nicht so richtig auch benannt wurde, wo ich nicht mit umgehen konnte, die natürlich auch irgendwo dann Emotionen zugrunde hatte, die ich nicht regulieren konnte. Und da war das Cannabis super. Und um dann in die Verbindung zu kommen, um mich so auszuleben, eben auch auf Party Spaß zu haben, ohne mich jetzt. Um Angst zu haben auch vor den Emotionen, die dann in dieser Verbindung mit anderen Menschen hochkamen, da haben die Partydroken dann gut geholfen. Also vor allem das MDMA hat mir da einen guten Zugang verpasst. Es ging dann aber auch ziemlich schnell bei mir Richtung Mischkonsum mit Alkohol. Und da ging dann eigentlich so der Anfang vom Ende los, wo es dann immer schlimmer wurde. Und auch das zerstörerische Ausmaß von meinem Drogenkonsum seinen Lauf nahm. Da gab es, glaube ich, ein Ereignis, das Ihnen besonders zugesetzt hat. Möchten Sie darüber berichten? Ich glaube, Sie hatten einen Atemstillstand. Ja, das war im Jahr 2017. Und das war dann, ich glaube, so im zweiten oder dritten Jahr, nachdem ich angefangen hatte mit den synthetischen Substanzen. Und da war ich in Mannheim unterwegs. Und auf einem Geburtstag, wir haben Alkohol getrunken, dann waren auch Amphetamin und ich glaube auch Exzessin im Spiel. Und tatsächlich war ich dann am nächsten Tag, das war ein Sonntag, eigentlich verabredet für eine Veranstaltung von dem Posaunenchor, in dem ich damals gespielt habe, in Heidelberg. Und da hätte ich in der Kirche auftreten sollen und dann wusste ich, ich muss jetzt noch irgendwie schlafen. Und dann wollte ich Oxycodon nehmen, um irgendwie runterzukommen von den ganzen Aufwurtschmitteln auch, um ruhig zu werden, um schlafen zu können auch. Da habe ich dann eine Tablette genommen, die nach einer halben Stunde nicht gewirkt hat. Und dann habe ich gedacht, ich nehme noch eine. Und die zweite war dann einfach zu viel und hat dazu geführt, dass meine Lunge aufgehört hat zu atmen. Und dann kam glücklicherweise noch der Krankenwagen, wobei das, so wie ich es dann hinterher mitbekommen habe. Die Leute in dem Umfeld sich auch nicht so sicher waren, ob sie den wirklich rufen oder was sie mit mir machen, weil sie eben auch Angst hatten, was passiert eben, könnte was passieren mit der Polizei. Ja, und da bin ich im Krankenhaus gelandet, glücklicherweise war ein Tag bewusstlos und dann 24 Stunden später eben mit dem Schlauch in der Lunge bin ich aufgewacht und wusste nicht, wie mir geschieht. Hat dieses Ereignis, also das ja sehr prägend gewesen sein muss, hat es zu einem Umdenken geführt? Haben Sie da gesagt, jetzt muss ich was ändern an meinem Leben? War das so der Wendepunkt? Das war schon ein Tiefpunkt, der auch in manchen Hinsichten ein Wendepunkt war. Ich habe dann aufgehört mit den synthetischen Substanzen. Aber, also ich habe aufgehört mit den synthetischen Substanzen, war aber immer noch so befangen emotional und in der familiären Situation zu Hause nicht sicher oder habe mich nicht sicher gefühlt. War auch in der Drogenberatung in Mannheim bei der Caritas, die mir sehr geholfen hat. Aber ich war noch nicht so weit, auch das Gras loszulassen. Und den Konsum habe ich dann auch noch zwei Jahre weitergeführt, bis ich dann in die stationäre Therapie in Freisheim gekommen bin. Sie hatten ja da bei diesem Erlebnis einen ziemlichen Drogencocktail in sich. Und oft sind ja Drogen auch gepanscht oder überdosiert. Wussten Sie denn eigentlich immer, was Sie sich da einwerfen, was Sie nehmen? Ne, also ich wusste allermeistens nicht, was wirklich drin ist. Es gab früher oder gibt es immer noch Webseiten, da kann man zu bestimmten Ecstasy-Pillen schauen, was drin ist, wenn die gemessen wurden. Aber ich hätte mir damals, oder so rückblickend, finde ich es wirklich erschreckend, wie sorglos ich konsumiert habe. Und das hat halt auch zu diesem destruktiven Konsum dazugehört, dass mich eigentlich gar nicht interessiert hat, was ich da nehme. Damit ist Christian Weiser nicht allein. Viele junge Konsumierende wissen nicht, was sie nehmen und welche tödlichen Wirkungen dahinterstehen, heißt es in einer Mitteilung der Landesstelle für Suchtfragen. Und die schlägt längst Alarm. Vor allem immer mehr junge Menschen seien drogenabhängig. Im vergangenen Jahr sind demnach 15 Heranwachsende und zwei Jugendliche in Baden-Württemberg an Drogen gestorben. Und Abhilfe schaffen könnte unter anderem Drug-Checking. Einer, der sich schon seit Jahren für ein solches Angebot einsetzt, ist Volker Auwerter. Er leitet seit 20 Jahren die forensische Toxikologie an der Uniklinik Freiburg. Dort werden heute schon Drogen auf ihre Inhaltsstoffe und Dosierung analysiert. Beispielsweise Proben aus der JVA. Was verspricht sich der Toxikologe von Drugchecking? Ja, es geht eigentlich hier um eine ganz fundamentale Sache, nämlich dass Konsumenten ihr Risiko besser steuern können. Es ist ja bekannt, dass trotz Verbot seit Jahrzehnten, es steht es ja, die Verfügbarkeit von Drogen weiter da ist und Menschen auch Drogen konsumieren, zumindest damit experimentieren. Viele entwickeln Probleme, aber nicht alle. Und viele Menschen könnten ihr Risiko besser kontrollieren, wenn sie wüssten, was sie konsumieren. Und die würden solche Angebote auch annehmen, das ist bekannt. Und wir wissen eben aus der Rechtsmedizin, dass es immer wieder zu Unfällen kommt, dass Menschen Vergiftungen erleiden bis hin zu tödlichen Vergiftungen. Wir haben ja in Deutschland über 2000 Todesfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum und viele davon wären vermeidbar, wenn die Menschen wüssten, was sie da eigentlich konsumieren. Was halten Sie denn im Drug-Checking, also dass Drogen auf ihre Inhaltsstoffe und vor allem auch auf die Dosierung überprüft werden, bevor sie dann konsumiert werden? Hätten Sie das auch gemacht? Ja, also ich denke, das hätten wir auf jeden Fall gemacht. Allein, weil... Weil das ein Gefühl von Sicherheit gibt. Und ja, diese Absicherung ist, denke ich, schon wichtig. Und auch sich Gedanken darüber zu machen, okay, welche Wirkstoffe sind da eigentlich drin? Dann weiß man auch, okay, wie heißen die? Kann man dann nachschauen? Wie wirkt das vielleicht auch? Welche Risiken sind damit auch verbunden? Also so eine gewisse Aufklärung fängt da halt an, eben zu schauen, was ist drin. Und ich kenne das halt aus der Schweiz, also habe es zwar nie gesehen, aber habe immer davon gehört, dass man eben auf Partys teilweise einfach seine Drogen abgeben kann und dann wird das für einen untersucht und das ist super. Und in dem Rahmen kann dann halt auch aufgeklärt werden. Und das habe ich nie erlebt in Deutschland. Bereits 2023 hat die Bundesregierung den Weg für Drug-Checking-Angebote freigemacht. Einige Bundesländer haben entsprechende Projekte bereits umgesetzt. Das baden-württembergische Sozialministerium hat nach eigenen Angaben vor längerer Zeit einen Entwurf erarbeitet. Dieser Entwurf befindet sich seither in der politischen Abstimmung, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Wann sich die neue Regierung mit dem Thema beschäftigt, ist allerdings ungewiss. Auch die Uniklinik habe längst ein Konzept für ein Pilotprojekt eingereicht, sagt Toxikologe Volker Auwerter. Was sieht dieses vor? Ja, man spricht da ja normalerweise von dem sogenannten integrierten Drugchecking. Das heißt, es geht nicht jetzt nur um die reine Substanzanalyse, praktisch als Dienstleistung jetzt für Konsumenten, sondern es wird praktisch immer in allen Projekten, die ich kenne, ein Beratungsgespräch damit verknüpft, dass man die Ergebnisse der Analyse mitteilt. Und das ist ein wichtiger Bestandteil, weil viele Menschen eben nicht nur nicht wissen, was sie konsumieren, die haben einfach auch zu wenig Ahnung, was die Risiken und Nebenwirkungen angeht. Und deswegen ist eben diese Kombination so wertvoll, dass man einerseits sagen kann, was ist drin. Oftmals sind es eben unerwartete Stoffe, die dann auch drin sind, die dazu führen können, dass der Stoff dann möglicherweise nicht konsumiert wird, wenn er gefährlich ist zumindest. Und der zweite Punkt ist, dass man eben ganz gezielt hier Präventionsbotschaften oder sogenannte Harm-Reduction-Botschaften auch platzieren kann und den Konsumenten damit dazu verhelfen kann, dass sie den Konsum risikoärmer gestalten. Kritiker sagen da, ja gut, jetzt macht man den Leuten doch den Konsum schmackhaft oder einfacher zumindest. Was würden Sie dem entgegnen? Ich finde, also ich sehe es anders. Ich sehe das so, dass da dann auch Akzeptanz da ist, dass man sich nicht mehr so stigmatisiert fühlt, dass man sich nicht ausgeschlossen fühlt. Man wird vielleicht da auch Teil von der Gesellschaft, in der wir uns alle befinden und fühlt sich nicht mehr so als illegaler Drogenkonsument. Und man kann auch Vertrauen aufbauen zu der Stelle, wo das getestet wird. Da sind dann auch Menschen, die verurteilen einen nicht dafür, dass man die Drogen nimmt, sondern die helfen einem dabei, im Endeffekt das zu nehmen. Und da ist auf jeden Fall viel mehr Zwischenmenschlichkeit, als in der ganzen Repression zu finden ist. Und das ist, finde ich, am wichtigsten. Und natürlich baut das auch eine Kompetenz auf und die ist wichtig. Ein sicherer Ort für Konsumierende will der Drogenkonsumraum in Freiburg sein, der vor etwas mehr als zwei Jahren eröffnete. Die Stadt würde sich auch gut als Drug-Checking-Standort eignen, so Toxikologe Auwerter. Gibt es auch Argumente, die gegen Drug-Checking sprechen? Es gibt keine sachlichen Gründe, die dagegen sprechen. Es ist lediglich so, dass es eben nicht besonders populär ist erstmal. Viele Leute bekommen da vielleicht den Eindruck, auch potenzielle Wähler. Da würde etwas finanziert, was dann Drogenkonsum unterstützen würde gar, was natürlich blanker Blödsinn ist. Auf Deutsch gesagt, es geht hier um Risikominimierung und nicht darum, Menschen dazu zu ermundern, Drogen zu konsumieren. Das ist absolut nirgends Inhalt dieser Projekte. Vielleicht gerade nochmal zu den steigenden Drogentodeszahlen. Also was wir hier sehen bei der Untersuchung der Fälle ist, dass es eben häufig junge Männer gibt, sozusagen erwischt. Und da gibt es natürlich Fälle, wo das fraglich suizidal ist oder wo eben schon ein langjähriger, riskanter Drogenkonsum besteht. Aber es gibt eben wirklich auch eine ganze Menge Fälle, wo es um eher so einen experimentellen Drogenkonsum geht und wo man ganz klar sagen kann, das ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eher eine Art Unfallgeschehen gewesen, was auf Unwissenheit basiert. Erstens eben der konsumierten Substanz oder eben dann weitergehend auch in Richtung Dosierung oder Fachwissen, was man eigentlich haben sollte, wenn man mit solchen Stoffen experimentiert. Sie haben es ja geschafft, weg von den Drogen zu kommen. Können Sie da kurz Ihren Weg skizzieren, wie Sie das geschafft haben? Ja, das mache ich gern. Und das ging los eben, dass ich, während ich konsumiert habe. Dass einerseits von meiner Familie auch so ein bisschen gepusht wurde, in die Drogenberatung zu gehen. Das habe ich nicht so gern gemacht, aber es hat geholfen, auch so ein bisschen die Harmonie in der Familie aufzubauen oder zu halten. Und dann war ich in der Drogenberatung und hatte da Menschen, die haben mich so gesehen, wie ich bin, haben mich nicht verurteilt, haben mich angenommen, was mir zu Hause oft gefehlt hat mit dem Drogenkonsum. Also Akzeptanz auch dafür, dass ich konsumiert habe, war sehr wichtig auf meinem Weg. Und dann natürlich auch irgendwann dann über die Drogenberatung in die Richtung gebracht oder vorbereitet zu werden, dass ich in eine stationäre Behandlung gehe, war wichtig. Und in der stationären Behandlung ist sicherlich auch einiges Gutes passiert. Und ich habe eben auch Menschen getroffen, die mich so gesehen und akzeptiert haben, wie ich bin, mir auch geholfen haben, ja Perspektiven aufzuzeigen, mich selber neu zu entdecken und auch die Welt neu zu entdecken, auch Beziehungen neu zu entdecken, dadurch, dass ich eben akzeptiert wurde. Das war sehr wichtig, aber tatsächlich war dann doch die stationäre Behandlung, nicht wirklich zielführend, weil mir eines gefehlt hat und das war Gemeinschaft. Gemeinschaft mit anderen, also eine gesunde Gemeinschaft vor allem auch, wo man sich auf Augenhöhe begegnet und nicht mehr fühlt als, okay, ich bin halt hier der Drogenkonsument und das ist halt heutzutage immer noch stigmatisiert. Teilweise wird es auch verherrlicht, was auch nicht gut ist, also es geht so in beide Richtungen, in die beiden Extreme und das ist beides nicht gut. Ich denke, also mittlerweile sehe ich mich als normalen Menschen und ich denke, dass, Und das war damals nicht so. Ich habe mich wie ein Alien gefühlt. Zu Hause wurde ich nicht akzeptiert, in der Gesellschaft wurde ich nicht akzeptiert. Nur wenn ich Leistung erbracht habe, wurde ich akzeptiert. Und das hat sich dann durch die Therapie hinweg langsam aufgelöst. Und für mich war es entscheidend, Menschen zu treffen und auch Menschen, die zu mir Kontakt gehalten haben in der Therapie. Unter anderem die Renate Alba in der Therapie, die jetzt die kommunale Suchtbeauftragte ist hier im Landkreis. Und Menschen, die mich dann begleitet haben, die auch wirklich Interesse an mir hatten. Aber das System Suchthilfe war zu meinem Zeitpunkt jedenfalls nur darauf bedacht, mich wieder in Arbeit zu bringen. auch, weil das eben das Interesse der Rentenkasse ist, vor allem wieder die Beiträge zu zahlen. So meine Perspektive. Aber ja, Therapie ist auf jeden Fall wichtig und für mich war dann entscheidend, hier in Freiburg bin ich ins Yoga gekommen, habe dort eben diese Gemeinschaft gefunden, wo es überhaupt keine Rolle gespielt hat, dass ich jemals Drogen genommen habe. Sondern es war nur entscheidend, wer bin ich jetzt? Ich bin hier und ich will auch gesehen, gehört und geliebt werden irgendwo. Und halt diese grundmenschlichen Bedürfnisse erfahren zu dürfen und da in Verbindung mit Menschen zu kommen, die mich sehen, wie ich hier bin und nicht für das, was ich erlebt habe oder an Mist gebaut habe auch. Sie haben eben gesagt, das System war darauf ausgelegt, Sie schnell wieder in Arbeit zu bringen. Ich glaube, Sie sind dann auch relativ schnell in Arbeit gekommen, oder? Sie hatten dann einen Vollzeitjob in der IT. Ja, also ich war eigentlich immer berufstätig, außer für die Zeiten, die ich studiert habe. Und genau, ich habe nach dem Abi angefangen, bei Roche zu arbeiten, während ich noch konsumiert habe. Bin da eben auch diese IT-Karriere aufgebaut und war dann auch, ja, eben direkt nach der Therapie oder habe mir von der Therapie aus schon ein Arbeitsplatz gesucht. Das war auch so ein Teil eben der Integration, der Adaption, der Anschlussbehandlung von der stationären Therapie und das war natürlich auch gut und wichtig. Ja, aber auch dort wurde ich, also man hat halt immer mit diesem Thema zu tun. Und dann geht die Stigmatisierung halt im Endeffekt nie weg, weil man das auch irgendwo in sich trägt dann. Und für mich hat es dann auch jetzt eine Zeit lang gebraucht, einfach mal rauszukommen aus dem Arbeitsleben und mich auf mich zurückzubesinnen, auf meine Werte auch und das, was ich will, um zu bemerken eigentlich, wer ich bin auch und wo ich hin will. Und dass diese ganze Stigmatisierung halt oder mein Selbstbild auch, wie das geprägt wurde durch das, was ich erlebt habe, durch die Arbeitsplätze auch oder durch die ganzen Erfahrungen in der Therapie, die ich gemacht habe, und im Endeffekt dann auch eine Identität darum aufgebaut habe. Eine Identität, dass ich, also früher war meine Identität, ich bin ein Konsument. Inzwischen ist meine Identität, ich bin nicht unbedingt geheilt, Aber ich habe halt dieses Konsumentenleben hinter mir. Jetzt trage ich die Sucht schon noch in mir, aber kann eben die Gründe, die da mich reingebracht haben, in die Sucht eben aufarbeiten. An dem Punkt bin ich jetzt und gebe mein Bestes dafür. Also Sie haben den Job dann aufgegeben, den Vollzeit, wahrscheinlich 9-to-5-Job und was machen Sie jetzt? Also wie sieht Ihr Alltag jetzt aus? Mein Alltag jetzt ist der, dass ich meine Träume verwirklichen kann und daran arbeite. Das ist, also ich war im September meinen Job, da war ich bei der Oberfinanzdirektion. Gekündigt, um nach Vietnam zu gehen, war dann dort drei Monate, habe mit zwei Freunden dort ein Geschäft aufgebaut. Das ist im Endeffekt so ein, kann man sagen, Tourismusgeschäft, wo wir Leute beherbergen im Haus, das wir im Dschungel gebaut haben sozusagen oder auf einer Kaffeeplantage. Da werde ich auch mittel- langfristig wieder hingehen und Yoga unterrichten. Also ich bin ja hier in Freiburg zum Yoga gekommen, habe dann auch meine Yoga-Ausbildung gemacht. Und das ist jetzt der Weg, den ich gehen möchte, Yoga zu unterrichten. Auch mein Leidensweg, von dem ich auf meinen Heilungsweg gekommen bin, durch den Unterricht, den ich gebe, durch die Begegnung, die ich mit Menschen auch bei dieser Gelegenheit mache, das zu nutzen und meine Erfahrung eben für andere auch zur Verfügung zu stellen und auch zur Heilung beitragen zu dürfen, im besten Fall. Sie haben es jetzt gerade schon angesprochen. Sie sprechen ja sehr offen auch über Ihr Leben und auch über Ihre einstige Abhängigkeit. Das machen ja längst nicht alle, die mal drogenabhängig waren. Können Sie nochmal genauer beschreiben, was Ihr Antrieb dahinter ist? Ich denke, wir sind alle Menschen. Wir haben alle die gleichen Bedürfnisse. Wir kommen zurück. Wenn man so möchte, alle vom gleichen Schöpfer auch oder von der gleichen Quelle irgendwo. Wir atmen alle die gleiche Luft, die unseren Körper antreibt. Und wir wissen alle nicht, wieso unser Herz schlägt eigentlich und wir schlagen es nicht bewusst. Und uns verbindet viel mehr als uns trennt, aber trotzdem achten wir sehr viel auf das, was uns eigentlich trennt oder unterscheidet. Und das habe ich sehr lange gelebt und habe gemerkt, das tut mir nicht gut. Und es tut mir gut, in Verbindung zu gehen, eben auch Gutes zu tun, Menschen anzulächeln. Früher konnte ich gar nicht Menschen anlächeln, weil ich mit mir selber so unzufrieden war oder so gelitten habe. Und ich habe Wege gefunden, um mein Leid zu transformieren. Ich habe Wege gefunden, auch um meinen Körper zu heilen und bin immer noch auf diesem Weg. Und ich habe gemerkt, wenn man ja irgendwo auch zusammen mit so einem Weg geht, ist das einerseits von Bedeutung für diesen Heilungsweg, aber es ist eben auch einfach schön, zusammen einen Weg zu gehen, nicht mehr alleine zu sein. Ich glaube, wir wollen alle nicht alleine sein. Herr Weiser, herzlichen Dank für das offene Gespräch und dass Sie uns einen Einblick in Ihr Leben gegeben haben. Das war BZ am Ohr. Vielen Dank fürs Zuhören.