Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Gibt es Hoffnung für den Nahen Osten? (mit Muriel Asseburg)
Transcript
- 0:00Ein Lichtblick, den ich noch sehe, ist, wir haben in Israel, auch in den palästinensischen
- 0:06Gebieten, natürlich Organisationen, die nicht müde werden, daran zu arbeiten, dass es zu
- 0:11einer besseren Konfliktbearbeitung kommt, die festhalten an Zusammenarbeit, an Kooperation.
- 0:19Wir starten in Folge 3 von POT und die Welt und sagen herzlich willkommen zu unserem
- 0:24außenpolitischen Update.
- 0:25Ich bin Katharina Peetz, freie Journalistin.
- 0:27Und ich, Martin Bärlecke, Geschäftsredaktor der Zeitschrift "Internationalpolitik",
- 0:31der IP, die hinter diesem Podcast steht.
- 0:34Unser Anspruch in diesem Podcast ist es alle zwei Wochen, ein aktuelles außenpolitisches
- 0:38Thema hintergründig zu besprechen.
- 0:40Wenn wir auf unsere heutige Folge schauen, muss man wohl sagen, naja, es gibt kaum ein
- 0:45Thema in der Außenpolitik, bei dem aktuell so viel Bewegung drin ist wie im Naostkonflikt.
- 0:50Deshalb direkt der wichtige Hinweis, bezeichne diese Episode am 25.
- 0:54September auf.
- 0:55Fast ein Jahr ist vorbei seit dem Überfall der Hammers auf Israel und wir sprechen über
- 1:01die Folgen für Israel, für den Gaza-Streifen, das West-Jordanland, aber auch für die gesamte
- 1:05Region und die internationale Gemeinschaft.
- 1:08Und wir wollen dabei auch der Frage nachgehen, wie sich der Konflikt auf die deutsche Politik
- 1:11und Zivilgesellschaft auswirkt.
- 1:13Im zweiten Teil soll es dann um mögliche Zukunftsszenarien für diesen Konflikt gehen und wir freuen
- 1:18uns sehr, dass wir all das besprechen können mit Muriel Asseburg, naja, Ostexpertin von
- 1:23der Stiftung Wissenschaft und Politik.
- 1:24Hallo Frau Asseburg.
- 1:25Hallo.
- 1:26Ich freue mich da zu sein.
- 1:27Fast ein Jahr ist vergangen seit dem Überfall der Hamas auf Israel mehr als 1200 Männer,
- 1:37Frauen und Kinder wurden bei den Massakern getötet.
- 1:40Zehntausend wurden verletzt, mehr als 200 Menschen als Geisen in den Gaza-Streifen verschleppt.
- 1:45Rund 100 Geisen befinden sich wohl immer noch in der Gewalt der Hamas.
- 1:49Als Reaktion auf diesen Überfall greift die israelische Armee den Gaza-Streifen an.
- 1:53Bei diesen Kämpfen sind nach Angaben der von der Hamas geführten Gesundheitsbehörde
- 1:58mehr als 40.000 Palästinenser getötet worden.
- 2:01Frasseburg, der Überfall der Hamas am 7.
- 2:03Oktober war ein Schock für Israel.
- 2:05Wie würden Sie die Bedeutung dieses Schocks und die Reaktionen darauf einordnen für
- 2:10die Dynamik des Nahostkonflikts insgesamt?
- 2:14Also tatsächlich war der schreckliche Terrorangriff der Hamas und anderer bewaffneter Gruppierungen
- 2:20aus dem Gaza-Streifen auf Israel am 7.
- 2:23Oktober 2023 die tiefste Zäsur für das Land seit seiner Entstehung.
- 2:29Er wurde ganz überwiegend in der jüdisch-israelischen Bevölkerung gelesen als antisemitisches
- 2:36Programm, das auch das kollektive Trauma der Shoah widerbelebt hat.
- 2:41Und ich glaube, diese Dimension ist das Entscheidende, um zu verstehen, wie Israel die Gesellschaft
- 2:47und die Regierung reagiert hat auf den 7.
- 2:51Oktober, nämlich mit einem sehr, sehr massiven Militäreinsatz.
- 2:56Dazu kommen eine sehr weitreichende Zerstörung nicht nur von den Kapazitäten der Hamas und
- 3:03anderer bewaffneter Gruppierungen, sondern eben auch der zivilen Infrastruktur von Wohnhäusern
- 3:09und die Flucht und Vertreibung von rund 90 Prozent der Bevölkerung.
- 3:14Wir gucken jetzt auf ein Gebiet, was eben auf absehbare Zeit eigentlich in großen Teilen
- 3:20unbewohnbar ist und vor extrem hohen Herausforderungen steht, was öffentliche Ordnung angeht, was
- 3:28Regierung angeht und was die Fragen der humanitären Situation, also den Ausbruch von solchen,
- 3:35von Krankheiten angeht und letztlich die Frage, wie kann dieses Gebiet wieder aufgebaut werden,
- 3:42wie kann der Weg aussehen aus der Gewalt heraus?
- 3:47Was heißt das für die Konfliktdynamiken?
- 3:49Dann sehen wir, dass mit dem 7.
- 3:52Oktober und dem Krieg im Gasser streifen die Sprache der Gewalt, der Vergeltung, der gegenseitigen
- 4:00Entmenschlichung, das sind was eigentlich alles dominiert mittlerweile und dass die
- 4:06Konfliktparteien überhaupt nicht in der Lage sind, konstruktiv nachzudenken.
- 4:11Wie kommen wir raus aus der Gewalt?
- 4:14Vielleicht können wir noch mal kurz zurückschauen oder bei diesem Recap bleiben.
- 4:17Sie haben gesagt, das war die tiefste Zäsur für Israel und es wurde eben empfunden als
- 4:21ein antisemitisches Pokrom.
- 4:23Das hat ja auch dazu geführt, dass innerhalb der israelischen Bevölkerung man zusammengerückt
- 4:27ist und aber auch den Kurs der israelischen Regierung erst mal unterstützt hat.
- 4:30Jetzt zuletzt hat man dann doch nochmal den Eindruck, dass die Kritik an dieser recht
- 4:34religiösen Regierung auch innerhalb des Landes wächst.
- 4:37Wie und wann würden Sie sagen, ist dieser Stimmungswandel in der israelischen Gesellschaft
- 4:41passiert?
- 4:42Ich würde es glaube ich ein ganz bisschen anders beschreiben, dass wir von Anfang an
- 4:46in der Mehrheitsbevölkerung in Israel eine relativ große Unterstützung für den Krieg
- 4:52und die Kriegsziele hatten, die die Regierung proklamiert hat.
- 4:56Also dafür die Geiseln zu befreien, dafür die militärischen Kapazitäten der Hamas
- 5:02zu zerstören und dafür zu sorgen, dass nie wieder eine Bedrohung aus dem Gasastreifen
- 5:07ausgeht.
- 5:08Das war aber gleichzeitig auch von Anfang an sehr große Kritik hatten von Seiten der
- 5:13Bevölkerung an der Regierung, am Militär und am Geheimdienst aufgrund dieses unglaublichen
- 5:20Versagens, das den 7.
- 5:22Oktober überhaupt möglich gemacht hat.
- 5:24Was sich mit der Zeit geändert hat, ist, dass eine Kritik hinzugekommen ist an den Prioritäten
- 5:30der Regierung bei der Kriegsführung.
- 5:33Nämlich, dass die Bevölkerung immer stärker den Eindruck gewonnen hat, dass die Regierung
- 5:38die Befreiung der Geiseln gar nicht ernst nimmt und dass sie, obwohl eigentlich von den
- 5:44internationalen Vermittlern vorgelegt worden ist und obwohl es weitgehende Einigkeit gibt,
- 5:50wie ein Deal aussehen könnte, um die Geiseln frei zu bekommen und zu einem Waffenstillstand
- 5:56zu kommen, die Regierung den Krieg immer weiter fortsetzen will.
- 5:59Und das ist der Hauptkritikpunkt, der sich mit der Zeit, ich würde sagen seit dem Frühjahr,
- 6:04immer stärker geworden ist und der ja auch nicht nur aus der Bevölkerung kommt, sondern
- 6:08eben auch aus dem Sicherheitsapparat, der zu ganz enormen Spannungen auch geführt hat
- 6:14zwischen dem Premierminister und dem Verteidigungsminister.
- 6:17Welchen Effekt hatte der Vorwurf des Völkermords an Israel, der jetzt vor dem Internationalen
- 6:22Strafgerichtshof verhandelt wird, auf die Sichtweise der internationalen Gemeinschaft
- 6:27auf diesem Konflikt?
- 6:28Ich glaube, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ein großer Teil der Bevölkerung in arabischen
- 6:36Ländern im sogenannten globalen Süden aber auch in Teilen des Westens diese Sichtweise
- 6:43hat.
- 6:44Diese Sichtweise, dass das ein Völkermord ist, meinen Sie?
- 6:46Genau.
- 6:47Und dass große Teile auch von Regierungen, insbesondere im globalen Süden eben auch der
- 6:54Ansicht sind.
- 6:55Wir sehen hier einen Völkermord.
- 6:57Nicht nur aufgrund dessen, was wir jetzt schon beschrieben haben, also hohen Zivilentodeszahlen,
- 7:02sondern auch, weil sie in der Art wie israelische Politikerinnen und Politiker sich artikulieren,
- 7:10sowohl Vertreter der Regierung als auch im noch extremeren Spektrum eben diesen Willen
- 7:17von Vernichtung, von Vertreibung sehr stark abgebildet sehen.
- 7:22Und diese Rhetorik trägt eben sehr stark dazu bei, dass tatsächlich das Bild entsteht.
- 7:28Israel führe keinen konzentrierten, fokussierten Kampf gegen die Hamas und gegen bewaffnete
- 7:36Gruppierungen, sondern gegen die Bevölkerung im Gaserstreifen und versuche da eine neue
- 7:42Nackbar, also eine Flucht und Vertreibung wie 1948, zu inszenieren.
- 7:50Vielleicht können wir ein bisschen genauer noch auf die Rolle Deutschlands zu sprechen
- 7:55kommen.
- 7:56Wie schwierig ist die Balance für die deutsche Bundesregierung auf der einen Seite an der
- 8:00Seite Israels zu stehen und auf der anderen Seite auch auf diese Situationen im Gaserstreifen
- 8:05aufmerksam zu machen?
- 8:06Ich glaube, wir sehen das sehr deutlich, wie schwer es der Bundesregierung fällt, einerseits
- 8:12sich solidarisch zu zeigen und andererseits zu versuchen, die Konfliktdynamiken zu beeinflussen.
- 8:17Wir sehen auch, wie eine anfangsfast unverbrüffliche Solidarität mit sehr weitgehenden Annahmen,
- 8:25was die israelische Regierung tun würde, dass sie als demokratische Regierung sich natürlich
- 8:30ans Völkerrecht halten würde, wie die eigentlich einer sehr viel kritischeren Haltung gewichen
- 8:35ist, bei der Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung schon deutliche Worte finden,
- 8:41was die Frage von zivilen Opfern im Gaserstreifen angeht, was die Frage des humanitären Zugangs
- 8:47angeht, was die Siedlungspolitik, was Siedlergewalt angeht, selbst auch die Bereitschaft zum Beispiel
- 8:53Sanktionen gegen Gewalt hätte, die Siedler zu unterstützen und auf der anderen Seite aber
- 8:58eben nicht die Bereitschaft von Seiten der Bundesregierung, das auch mit konkreten Kosten
- 9:05mit einem Preisschild zu verknüpfen, sodass letztlich das überwiegt, was als klare Parteinahme
- 9:15für Israel in der Welt gesehen wird und auch von der israelischen Regierung, denke ich,
- 9:20so verstanden wird.
- 9:21Und das hat damit zu tun, dass zum Beispiel die Bundesregierung immer wieder durch Interventionen
- 9:27beim Internationalen Gerichtshof und beim Internationalen Strafgerichtshof versucht, Israel abzuschirmen
- 9:33gegen eine juristische Aufarbeitung dessen, was jetzt im Gaserstreifen passiert, aber
- 9:38auch allgemeiner gegen die juristische Aufarbeitung von Fragen von der Zulässigkeit, Legitimität
- 9:45von Besatzung.
- 9:46Das Verfahren, das wir jetzt vor Kurzem gesehen haben,
- 9:50es hat damit zu tun, dass Deutschland festhält
- 9:53an einer verhandelten Zweistaatenregelung,
- 9:57obwohl das Rechtsgutachten des IGH
- 9:59in dieser Sache eigentlich eine andere Sprache spricht.
- 10:02Und es hat damit zu tun,
- 10:04dass Deutschland zwar seine Waffenlieferung,
- 10:07insbesondere die Lieferung von Kriegswaffen,
- 10:11sehr stark zurückgefahren hat, das aber eben nicht artikuliert.
- 10:14Also nicht bereit ist, tatsächlich das zu verknüpfen
- 10:19mit der Kriegsführung im Gasserstreifen.
- 10:22Und all das hat natürlich auch was zu tun mit der deutschen Geschichte,
- 10:25mit dem Verhältnis zu Israel.
- 10:27Wir haben jetzt auch auf deutschen Straßen und Universitäten gesehen,
- 10:29wie dieser Konflikt ausgetragen worden ist,
- 10:32teilweise sehr aufgeheizt.
- 10:34Und natürlich steht auch immer der Vorwurf des Antisemitismus im Raum.
- 10:37Wie würden Sie diese Debatte, die wir hier innerhalb der Deutschen Zivilgesellschaft geführt haben
- 10:42oder immer noch führen, beurteilen?
- 10:44Sind das einfach alte Konfliktlinien,
- 10:45die hier jetzt an dem Konflikt nochmal neu sich entzünden
- 10:48oder hat das doch noch mal eine andere Dynamik entwickelt?
- 10:51Ich denke, es hat schon noch mal eine ganz andere Dynamik entwickelt.
- 10:54Wir hatten weder diese Art der Polarisierung,
- 10:59die soweit in die Gesellschaft reingeht in der Vergangenheit,
- 11:02noch hatten wir so strikte Maßnahmen von Seiten der Behörden,
- 11:08also sowohl der Ministerien als auch der Exekutivbehörden,
- 11:13was diese Fragen angeht.
- 11:15Und ich denke, tatsächlich tun wir uns keinen Gefallen,
- 11:19wenn wir in diesem Bereich im Wesentlichen repressiv agieren.
- 11:23Ich würde mir wünschen, dass wir sehr viel stärker von Seiten der Politik darauf setzen,
- 11:29Räume zu schaffen, in denen wir konstruktiv debattieren können.
- 11:32Und das ist ganz klar, dass nicht jede Position da vertreten sein kann.
- 11:37Also Positionen, die mit antisemitischen Vorschlägen kommen
- 11:42oder antisemitischen Argumentationsmustern,
- 11:45die mit entmenschlichen, mit rassistischen Argumenten kommen,
- 11:50können natürlich nicht Teil einer demokratischen Debatte sein.
- 11:54Aber ich denke, wir haben die Linien hier viel zu eng gezogen.
- 11:58Wenn wir ein bisschen über den Tag hinaus schauen würden vor Oseburg,
- 12:05wie steht Israel da gegenüber seinen Nachbarn in der Großregion,
- 12:08was die mittel- und langfristigen Perspektiven anbelangt,
- 12:11ist Frieden überhaupt noch möglich
- 12:13und gehört die Zweistaatenlösung für Sie zu den möglichen Szenarien noch dazu?
- 12:17Die Bundesregierung hält ja sehr stark fest an dieser Zweistaatenlösung.
- 12:21Ich denke, was sich sehr deutlich gezeigt hat mit dem 7. Oktober,
- 12:25dem Krieg im Gaserstreifen und der regionalen Eskalation,
- 12:29der Verknüpfung jetzt von Konfliktheiten,
- 12:32nicht eben nur zwischen Palestina und Libanon,
- 12:37sondern auch Jemen, Irak und Syrien,
- 12:41also wirklich eine regionale Eskalation,
- 12:44ist, dass es keinen Weg vorbei an einer Regelung der Palestinafrage gibt,
- 12:50wenn Israel in Frieden in der Region leben will.
- 12:54Und das ist das Hauptdilemma,
- 12:56dass wir derzeit in Israel eine Regierung haben,
- 13:00die nicht bereit ist zu einer Regelung, sei es eine Zweistaatenregelung,
- 13:06sei es eine Einstaatenregelung mit gleichen Rechten für alle.
- 13:10Und wir sind natürlich durch die Auseinandersetzungen
- 13:14jetzt noch stärker in eine Dynamik gekommen,
- 13:16wo die israelische Bevölkerung und die israelische Politik
- 13:20sich weiter davon entfernt hat,
- 13:22kompromissbereit zu sein und sich nicht dem angenehren hat.
- 13:25Wie wären dann die Perspektive mit einer anderen israelischen Regierung?
- 13:28Ich frag mich, wie tief sitzt eigentlich der 7. Oktober, wie nachhaltig,
- 13:32selbst wenn man jetzt eine andere israelische Regierung hätte?
- 13:34Der 7. Oktober sitzt sehr, sehr tief.
- 13:37Dazu kommt auch noch, dass ja schon vor dem 7. Oktober,
- 13:41wir über sehr lange Zeit keine Verhandlungen hatten,
- 13:44eine Zunahme der extremen Positionen,
- 13:47dass das, was früher rechtsextrem war,
- 13:51eben sehr weit in den Mainstream reingewandert ist.
- 13:54Also selbst wenn Sie sich Meinungsumfragen anschauen,
- 13:57vor dem 7. Oktober in Israel und in den palästinensischen Gebieten,
- 14:02sehen Sie da schon, dass relative Mehrheiten in beiden Bevölkerungen
- 14:06sagen, wir wollen eine Einstaatenregelung mit ungleichen Rechten,
- 14:12natürlich jeweils zu Unsten der eigenen Bevölkerung.
- 14:15Wir sind zurückgefallen in einen existenziellen Konflikt,
- 14:19in dem beide Seiten das ganze Territorium beanspruchen
- 14:23und die legitimen Ansprüche der anderen Seite nicht mehr akzeptieren.
- 14:29Das ist der Hintergrund, vor dem auch Neuwahlen in Israel,
- 14:34davon ist auszugehen, keine Regierung hervorbringen werden,
- 14:37die eben plötzlich mit einer Zweistartenagenda antritt
- 14:42und es dann leicht zu einer Konfliktregelung kommt,
- 14:46selbst wenn die internationale Gemeinschaft, dass er stark engagiert ist.
- 14:50Ich denke trotzdem, es liegt eine Chance darin,
- 14:54dass die Amerikaner, die Europäer, die arabische Kontaktgruppe
- 14:58eigentlich an einem Strang ziehen, eigentlich bereit sind,
- 15:01politisches Kapital einzusetzen, um zu einer solchen Regelung zu kommen,
- 15:06eventuell eben auch durch eine militärische Präsenz,
- 15:11durch einen Engagement im Wiederaufbau, durch Sicherheitsgarantien,
- 15:15durch eine Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien.
- 15:21Also das sind alles Elemente, die unter anderem in dem Plan,
- 15:25den beiden vorgelegt hat, eigentlich vorgezeichnet sind.
- 15:29Wie könnte eine regionale und internationale Lösung aussehen,
- 15:33die Israel-Sicherheit gibt, die den Palästinensern-Sicherheit gibt
- 15:36und die letztlich Selbstbestimmung für beide Völker ermöglicht,
- 15:41eingebunden in ein regionales Paket?
- 15:44Die Alternative, wenn diese Einigung nicht stattfindet,
- 15:47ist eben ein weiterer Abwärtstrend in dieser Auseinandersetzung,
- 15:54in der letztlich dann die Sprache der Gewalt, die vorherrschende ist,
- 15:57und wo wir immer stärker die Verknüpfung und die Verfestigung
- 16:02der unterschiedlichen Konfliktdimensionen sehen werden.
- 16:05Aber immerhin gibt es ja überhaupt, wenn ich das richtig verstanden habe, Ansätze.
- 16:08Es gibt also keinen richtigen Grund zum Optimismus in diesen Tagen,
- 16:11aber es gäbe zumindest mit Blick in die nächsten Wochen oder Monate
- 16:14Ansätze dieses Problem, diesen gewaltigen Konflikt zumindest im Ansatz zu lösen.
- 16:20Ich würde jetzt ungern diesen leichten Optimismus wieder kaputt machen.
- 16:25Dennoch, ich glaube, wir müssen auch sehen,
- 16:27dass im direkten Wahlkampf in den USA natürlich der Einfluss,
- 16:33die Hebel, die die USA haben, um noch etwas zu erreichen,
- 16:37sehr viel geringer sind.
- 16:39Auch die Bereitschaft, politische Risiken einzugehen, sehr viel geringer sind.
- 16:44Die internationale Gemeinschaft, das ist ihr Wesen,
- 16:47kommt eben immer nur sehr langsam in die Gänge.
- 16:49Und dennoch, ja, wir haben ein sehr enges, abgestimmtes Vorgehen her.
- 16:54Und das ist der einzige Lichtblick, den wir hier haben.
- 16:57Ich finde, man kann oft Außenpolitik nie schauen,
- 16:59wenn man sich nicht ganz kleine Ansätze von Optimismus behält.
- 17:03Sonst kann man es, glaube ich, auch lassen, auch bei diesem Konflikt.
- 17:06Ein Lichtblick, den ich noch sehe, ist,
- 17:09wir haben in Israel, auch in den palästinensischen Gebieten,
- 17:13natürlich Organisationen, die nicht müde werden,
- 17:16daran zu arbeiten, dass es zu einer besseren Konfliktbearbeitung kommt,
- 17:21die festhalten an Zusammenarbeit, an Kooperation.
- 17:25Und das ist der andere Lichtblick.
- 17:27Und diese Verbindungen, die wir auch brauchen,
- 17:29ohne die internationale Gemeinschaft letztlich auch sehr wenig leisten kann.
- 17:34Vielen Dank an unseren Gast, Moriel Asseburg,
- 17:36von der Stiftung Wissenschaft und Politik.
- 17:38Sehr gerne.
- 17:39Das ging mir jetzt, wenn wir so ein bisschen zum Ende der Episode
- 17:46nochmal Revue passieren lassen, Fahrtätzen,
- 17:48so durch den Kopf die Entmenschlichung, die wir auf beiden Seiten sehen,
- 17:51also desgegenübers, und dass man eben doch, aber auch Organisationen sieht,
- 17:55die versuchen, dem etwas entgegenzusetzen.
- 17:58Das finde ich auch einen wichtigen Punkt, der, wie Martin sagte,
- 18:01vielleicht ein kleines bisschen den Optimismus noch unterstützt.
- 18:04Ansonsten, finde ich, ist nochmal sehr deutlich geworden,
- 18:06dass der 7. Oktober eben, dass es zurückfallen in einen wirklich existenziellen Konflikt,
- 18:12wo die internationale Gemeinschaft eine Lösung finden muss,
- 18:15wo beide Seiten aber eben auch entsprechend mitarbeiten müssen.
- 18:19Martin, was geht dir noch zum Ende des Gesprächs durch den Kopf?
- 18:23Ja, wenn wir das kurz nochmal zusammen zu fassen,
- 18:25versuchen drei Dinge, die die Entmenschlichung Katharina Haustisch an genannt.
- 18:29Ich finde dieses Anhalten der Gewalt und diese unglaublichen Opferzahlen
- 18:33finde ich einen ganz, ganz wichtigen Punkt.
- 18:35Dann wäre mein zweiter das Interesse daran, diesen Konflikt zu befeuern,
- 18:40dass das von beiden Seiten so hoch ist.
- 18:42Man darf nicht vergessen, dass Israel natürlich immer noch gegen Terrororganisationen kämpft hier.
- 18:46Gleichwohl gibt es ein Interesse, diesen Konflikt am Kochen, am Laufen zu halten, fürchte ich.
- 18:51Und mein dritter Punkt wäre die Folgen für den globalen Süden.
- 18:54Das ist, glaube ich, immer noch nicht ganz absehbar, wie sehr sich, wie so Schockwellen
- 18:59dieser Konflikt ausbreitet und ausgreift in ganz andere Zusammenhänge noch.
- 19:03Da werden wir noch lange, lange damit zu tun haben.
- 19:06Und Stichwort globaler Süden können schon einmal tiesen auf Folge vier von POT und die Welt.
- 19:12Da geht es um Fragen der internationalen Ordnung um Norden und Süden.
- 19:15Das Thema ist der Gipfel der Bricksstarken.
- 19:17Genau, dieser Gipfel steht nämlich vor der Tür.
- 19:19Und darüber wollen wir sprechen mit Magdalen Kirchener von der Stiftung Makathor.
- 19:24Danke fürs Zuhören.
- 19:25Schön, dass Sie dabei waren.
- 19:26Ich bin Katharina Peetz.
- 19:27Und ich mauch' ihn wie ein Läcky.
- 19:29Tschüss und bis zum nächsten Mal!
- 19:31[Musik]