Latest / BZ am Ohr / Black Forest Labs und Co.: Wie gut können Startups in Südbaden wachsen?
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- Herzlich willkommen, meine lieben Zuschauerinnen und Zuschauer, zu einer neuen Ausgabe des Video-Podcasts BZ am Ohr. Heute sprechen wir über ein Thema, das viele Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft geradezu elektrisiert. Start-ups. Also junge Unternehmen mit einer möglichst einzigartigen Produktidee, die nach Umsetzung am Markt Erfolg haben soll. Eine neue Bäckerei ist kein Start-up, weil es schon viele andere Bäckereien gibt. Investoren geben Start-ups Geld dafür, dass das Start-up die anfängliche Durststrecke auch überwinden kann. Später steigen die Investoren in der Regel aus. Und wenn das Unternehmen erfolgreich ist, winkt ein satter Gewinn. Google hat zum Beispiel als Start-up angefangen. Die Freiburger Black Forest Labs gelten als sehr erfolgreiches Start-up. Sie entwickeln Bildgeneratoren auf Basis günstlicher Intelligenz. Heute werden die Labs mit mehreren hundert Millionen Dollar am Kapitalmarkt bewertet. Doch ist Südbaden wirklich ein guter Nährboden für Startups? Oder muss sich die Region hinter Berlin, München und Zürich verstecken? Sind die Hochschulen und Unis in der Region überhaupt gründerfreundlich? Darüber möchte ich heute mit Vertreterinnen und Vertretern der Startup-Szene in Südbaden sprechen. Ich darf begrüßen Frau Nathalie Gassors-Stark, Mitgründerin und Chefin des Start-ups Dermagnostik in Freiburg und Professorin an der Uni Freiburg. Dermagnostik entwickelt neuartige Tests, mit denen Hautkrankheiten auf molekularer Ebene unterschieden werden können. Guten Tag, Frau Gassors-Stark. Dann darf ich begrüßen Herrn Ulrich Börsner, langjähriger Mitarbeiter des viel zu früh verstorbenen Freiburger Medizin-Nobelpreisträgers George Köhler und südbadischer Startup-Pionier. Bekannt ist er unter anderem für das Startup Genescan, das Anfang der 2000er Jahre mit Biochips, die personalisierte Medizin erheblich vorangebracht hat. Guten Tag Herr Börsner. Guten Morgen. Als nächstes in der Runde Roland Zengerle, Freiburger Professor am Institut für Mikrosystemtechnik. Er ist wohl Südbadens erfolgreichster Start-up-Geburtshelfer. Im Umfeld seines Lehrstuhls sind allein rund zehn Start-ups in den vergangenen Jahren entstanden. Guten Tag, Herr Zengerle. Hallo. Herr Scheuerle, er ist Chef des Baden Campus. Ich würde den Baden Campus mal salopp als Kindergarten für Startups bezeichnen. Sie unterstützen die Startups mit Rat und Tat. Sie bringen sie mit Investoren zusammen. Und mittlerweile ist der Baden Campus auch in Startups investiert. Zudem leitet Thomas Scheuerle die Bereiche Business Innovation und Digitalisierung bei der Baden Campus Mutter Badenova. Guten Tag, Herr Scheuerle. Und zuletzt in der Runde Marco Winzer, der hier den Hightech-Gründerfonds vertritt. Wirklich einer der wichtigsten Kapitalgeber für Startups in der Bundesrepublik. Herr Winzer kennt sich bestens in der Finanzierung von Unternehmen aus dem Biotech-Bereich aus. Und er weiß auch über alle Phasen des Startups-Daseins bestens Bescheid. Also quasi von der Gründung bis hin zum Exit der Investoren. Hallo. Danke. Gut, dann würde ich mit den Fragen beginnen. Ich würde mich zuerst mal an den Herrn Börsner wenden. Herr Börsner, Sie haben 2000 die Genescan als Startup an die Börse gebracht. Die hohen Erwartungen sind doch am Ende enttäuscht worden. Ihre Biocheap-Technik, bei der einzelne Blutproben damals auf einer Scheibe reichen sollten, um zu zeigen, wie ein Patient auf unterschiedliche Medikamente reagiert, hat sich damals nicht durchgesetzt. Der Kurs brach im Zuge der Krise am neuen Markt ein. Glauben Sie denn, GenScan hat es heute einfacher? Und waren Sie ganz einfach mit der Technik viel zu früh dran? Ich glaube, wir waren mit der Technik sehr früh dran. Wir waren Pioniere in dem Bereich. Der Herr Professor Zengerle sitzt neben mir. Wir haben schon 1997 im Biochip-Bereich zusammengearbeitet, in einem Verbundprojekt, das überhaupt zu Biochips geführt hat. Er war verantwortlich für die Drucktechnologie und hat das auch sehr erfolgreich umgesetzt. Die Fraunhofer-Gesellschaft hier in Freiburg mit dem Institut für physikalische Messtechnik war verantwortlich für die Analysatoren von Biochips und das Uniklinikum, da gab es eine Überlegung, die einzusetzen. Und wir im Max-Planck-Institut und ich als damals noch Mitarbeiter von George Köhler haben das Ganze in Nahausgründung aus dem Max-Planck-Institut mit der Biochip Technologies damals als Start-up angefangen. Das Ganze ging dann in die Genescan über. Die Genescan war ja nicht nur tätig in diesen Forschungsbereichen Biochips in der medizinischen Technologie. Da ging es um personalisierte Medizin und weiteres. Da hatten wir tolle Projekte. Die Genescan war sehr erfolgreich im lebensmittelanalytischen Bereich, wo wir weltweit erst ohne Biochips, also noch händisch und später mit Biochips auf genetisch modifizierte Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, das gesetzlich geregelt war damals schon. Es gab lange noch nicht so viele veränderte Pflanzen wie heute, aber das war damals schon auf allen Kontinenten der Erde eine unterschiedliche Anforderung, die Genescan als einzige erfüllen konnte. Das heißt, wir haben weltweit eine Niederlassung gehabt, wo wir GMO-Analytik von Rohstoffen, aber auch von verarbeiteten Lebensmitteln gemacht haben. Das war wichtig, weil es gab Länder wie Japan, die wollten kein GMO, also keine veränderten Pflanzen in ihren Lebensmitteln haben und andere, die haben das zugelassen und und und. Und wir konnten das, und das haben wir sehr erfolgreich umgesetzt, sowohl mit Chips als auch im lebensmittelanalytischen Bereich von Verderbermolekülen. Also Nutri-Chips war das Thema. Verderbermoleküle meine ich jetzt Substanzen, die Lebensmittel verderben können. Und da war unsere Idee, dass wir ja im Handy damals schon das messen können. In diese Richtung sind wir gegangen. Das war noch in Umsetzung, aber das im GMO-Bereich war sehr erfolgreich. Ja. Ja, die Genescan war in dem Rahmen schon sehr erfolgreich unterwegs. Ich bin Technologe, im Endeffekt ein bisschen wie Herr Professor Zengerle kommt aus dem MPI. Für mich war ich der ideale Part für die Investoren damals, um Genescan an die Börse zu bringen. Und wir hatten Investoren aus dem VC-Bereich hier in Deutschland. Das war nicht mal so schwierig. Ich glaube, ich war 20, 30 Mal unterwegs innerhalb Deutschlands, bis wir die identifiziert hatten. Und die haben uns dann mit zweistelligen Millionenbeträgen gefördert. Aber die Forderung war relativ schnell damals. Es gibt einen neuen Markt. Wir wollen, dass ihr an den neuen Markt geht mit der Firma. Und der Biersner hat eine tolle Story vom Novellpreisträger über die Garage an die Börse. Und das setzt ihr um. Und so wurde ich da reingeworfen. Und ich bin kein Chef von 400 Mitarbeitern. Jeanscan hatte in den Hochzeiten 400 Mitarbeiter, davon 280 Wissenschaftler, kommend aus dem Umfeld hier, aus dem universitären Umfeld, was auch zu schwierig nicht einfach war, sage ich mal. Trotz allem haben wir das ganz gut gemacht. Die Jeanscan war, und das sagt man heute ja so, war damals schon ein Einhorn. Wir hatten zu Hochzeiten im Herbst 2000 eine Kapitalisierung von 1,1 Milliarden. Das heißt, wir gingen mit 39,90 Euro raus an die Börse, sind am gleichen Tag auf 64 Euro gestiegen und dann sukzessive auf ungefähr 110 Euro gestiegen. Das heißt, auch jeder hätte die Chance gehabt, wieder auszusteigen zum rechten Zeitpunkt. Hätte einen Stopp reinsetzen können bei 50 und hätte sagen können, ich mache immer noch einen kleinen Profit. Aber alle dachten, der neue Markt kommt wieder. Aber am neuen Markt waren nicht nur Unternehmen wie Jeanscans notiert, sondern da gab es wie immer und überall natürlich auch betrügerische Ansätze, die dann dazu geführt haben, dass der neue Markt zusammenbrach. Was für uns natürlich eine Katastrophe war. Anfänglich wurde ich auf dem goldenen Tablett durchgegetragen. Danach habe ich Prügel bekommen von allen Seiten. Auch von Ihnen. Aber ich habe viel gelernt dabei. Und deswegen bin ich da niemandem böse. Und ich kenne Leute, die haben sich mit dem Geld, was sie mit Jeansken verdient haben, also mit den Aktien, haben sich Häuschen auf Teneriffa gekauft. Ich kenne aber auch andere, die viel verloren haben. Und die haben alle gedacht, der neue Markt kommt wieder. Und auch unser Investor im Übrigen, also die TFG in Frankfurt, hat damals einen Großteil ihrer Aktien behalten, weil sie dachten, das geht wieder aufwärts irgendwann. Einen neuen Markt ist nicht passiert. Aber Herr Bössner, meine Nachfrage, hätte es Jeanscan heute einfacher? Sind die Investoren geduldiger? Ich glaube nicht, dass ich es einfacher hätte. Ich hätte gerne solche Leute wie Herrn Dr. Scheuerle, die für mich als Accelerator mitarbeiten könnten. Wir waren alleine, wir mussten unser Geld selbst suchen. Wir hatten keine Mannschaft, die uns geholfen hat dabei. Ich musste die Mannschaft zusammensuchen. Im Ernst, ich hatte damals Banker dabei, ich hatte ehemalige Firmenchefs dabei. Aber das hat alles positive und negative Auswirkungen. Wenn Sie einen Banker dabei haben, der denkt wie ein Banker, ein ehemaliger Firmenchef, der sieht sich als Chef, der nimmt mich nicht wahr. Für den war ich nichts. Weil das waren Firmenchefs, die haben Farmitalia oder Cirono schon geleitet. Das war nicht ganz so trivial. Herr Zengerle, an Ihrem Lehrstuhl sind seit 1999 acht Startups mit mehr als 230 Mitarbeitenden entstanden. Unternehmen wie der Zelldruck Pionier Citena haben sich fest am Markt etabliert. Wie hat sich denn das Umfeld für Startups seit Herrn Business Börsengang mit der Genescan Anfang der 2000er verändert? Ja, also erstmal muss ich sagen, dass ich unglaublich inspiriert war von der Genescan-Story. Wie gesagt, wir haben da 1997 schon zusammengearbeitet, haben auch einen wichtigen Beitrag geleistet, der dann auch in der Börsen-Story eine Rolle gespielt hat. Und es war natürlich dann erstmal dieser Schock da, Dotcom-Bubble und der neue Markt sozusagen, der dann irgendwie nach unten gegangen ist. Das hat natürlich zunächst mal bei Investoren für extrem große Verunsicherung gesorgt. Wir haben dann trotzdem mit den Technologien, die eigentlich für die Genescan entwickelt wurden, die Firma Biofluidics gegründet 2005. Das war so unser erstes Start-up und sehr stark inspiriert durch den Mut, den eigentlich Genescan und die Gründer da hatten. Und sind aber dann weggeblieben von Venture-Kapital, haben gesagt, wir wollen solide Produkte machen und verkaufen, dann wächst man halt sehr langsam. Und das waren für mich so die Nullerjahre. Also so mit eigener Energie, ohne irgendwie externes Geld versuchen, einfach vor Ort zu kommen. Und dann kam, ja, da kam die Finanzkrise 2007 und 2008. Aber da ist Deutschland ja wirklich super rausgekommen. Das war ein, also dann kamen zehn Jahre für die Industrie. Tolle, tolle Jahre. Also alles ist gewachsen, alles war optimistisch. Die Zinsen bei den Banken waren fast, waren negativ. Also wenn man Geld hat, muss man überlegen, wo investiere ich denn jetzt? Und das waren eigentlich für Startups, ich würde mal sagen, sehr, sehr gute Zeiten. Da haben wir dann, 2016, 2014 die Satena gegründet, 2016 die Spindyak und weitere. Also da war es vergleichsweise einfach, eigentlich auch an Venture-Kapital zu kommen. Und dann kam die Pandemie und dann kam die Energiekrise mit dem Ukraine-Krieg. Da wurde es dann natürlich wieder schwieriger. Aber Start-ups hängt im Wesentlichen von den Leuten ab, die die Idee haben und die daran glauben. Das kann man immer starten. Die äußeren Rahmenbedingungen verändern sich halt. Und das ist auch ein bisschen Schicksal. Da geht es mal auf und dann geht es mal wieder schwieriger. Und es ist halt alles dabei wie im richtigen Leben. Schöne Überleitung, Herr Zengerle. Frau Gassos, stark. Der Magnostic gilt als eines der vielversprechendsten Start-ups in Südbaden und nicht nur hier. Ist Ihnen das Gründen eines Unternehmens denn leicht gefallen? Oder sind Ihnen viele Steine in den Weg gelegt worden? Ja, erst einmal vielen Dank für das Kompliment, uns als eines der vielversprechenden Startups zu bezeichnen und an der Stelle vielleicht auch nochmal eine kleine Anmerkung bezüglich Startup. Wir haben heute am 3.3. Unseren 5. Geburtstag, also heute wird der Magnostics quasi 5 Jahre alt und diese 5-Jahresschwelle wird ja von vielen so als Schwelle auch bezeichnet vom Übergang Startup Richtung Scale-Up und ich glaube, die Hürde haben wir geschafft und das macht uns auch sehr stolz und es ist uns einfach gefallen. Ich würde sagen. Leicht ist wahrscheinlich leicht untertrieben. Also uns kam sicherlich zugute, dass wir am Anfang als Gründerteam, das zum ersten Mal gründet, eine gewisse Naivität mitgebracht haben, auch so eine gewisse Unbefangenheit, was uns erwarten würde. Wir wussten natürlich, dass es regulatorische Anforderungen gibt, dass es unternehmerische Risiken gibt, dass wahrscheinlich viele Themen auf uns zukommen werden in einem sehr technologielastigen Bereich hinsichtlich Produktion, Supply Chains, auch letztendlich der Kommerzialisierung. Und hätten wir das wahrscheinlich von Anfang an gewusst, hätten wir uns vielleicht auch nicht getraut. Aber auf der anderen Seite sind wir mit jedem Schritt gewachsen, mit den Herausforderungen, die wir genommen haben und jedes Problem, was wir gelöst haben, hat uns als Team auch stärker gemacht. Und ich glaube, das Zweite, was uns leicht gemacht hat, war letztendlich die Überzeugung, dass wir genau eigentlich an den richtigen Themen dran sind. Wir hatten vor zehn Jahren eigentlich schon gesehen, es braucht Molekulardiagnostik in der Dermatologie. Das ist ein sehr subjektiv diagnostizierendes Fach. Es gibt die tollen neuen Therapien. Aber das ganze Konzept der Präzisionsmedizin lässt sich nur übersetzen, wenn auch die Diagnostik mitzieht. Und jetzt, wie gesagt, damals haben es noch nicht alle gesehen. Jetzt, denke ich, ist die Überzeugung sehr breit da, dass es Molekulardiagnostik braucht. Und jetzt haben wir die Lösung. Und das macht uns auch nochmal eine Schippe stolzer und sehr bestärkt, den Weg weiterzugehen. Herr Scheuerle, Sie haben ja einen Überblick über die Startup-Szene hier in Südbaden. Ist die Region ein guter Nährboden für Gründerinnen und Gründer? Die Finanz- und Industriezentren, muss man ja sagen, liegen anderswo in der Republik. Naja, ich würde sagen, zunächst mal ist ja für Startups oder für diese Deep-Tech-Startups, über die wir hier ja sprechen, also technologieintensive Gründung, erstmal die erste relevante Frage ist hier viel Wissenschaft, ist hier viel Brainpower. Und da muss man sagen, wir haben hier die Uni Freiburg, zwar keine rein technische Uni, aber mit einer starken technischen Fakultät. Wir haben Hans Schickert, wir sind einer der größten Fraunhofer-Standorte. Und wir haben vor allem, wenn man den Rheingraben noch dazu nimmt, also Basel des Elsass. Der Eukoraum wird ja oft sozusagen zitiert als akademisch ähnlich stark wie die Greater Boston Area. Also von der Seite haben wir schon mal sehr gute Voraussetzungen. Dann finde ich auch, wir haben eigentlich eine spannende Lage, was Industrie angeht. Wir haben über den Rhein natürlich große Konzerne, Pharma und so weiter. Und wir haben auf der anderen Seite die Hidden Champions, die Mittelständler aus dem Schwarzwald, die für Startups oftmals interessanter sind als Konzerne, weil man da viel schneller mal sozusagen in Austausch kommen kann und mal was umsetzen kann. Wir haben das Uniklinikum hier, das ist auch ein außergewöhnlicher Standardfaktor. Das heißt, für Startups, die ja in der Regel an Unterstützung jetzt nicht unbedingt irgendeinen Workshop brauchen, sondern eigentlich viel Exponierung, viel Austausch mit potenziellen Kunden, gibt es da schon sehr gute Rahmenbedingungen. Der dritte Faktor ist natürlich das Ökosystem, das über die Jahre entstanden ist, also die Unterstützungsstrukturen. Da kann man, glaube ich, schon sagen, also wir haben sozusagen jetzt die letzten drei, vier, fünf Jahre ein Zeitfenster gesehen, wo viel Offenheit für Kooperationen war, sodass man Kräfte bündelt. Also Universität, Hochschulen Offenburg und Furtwang, auch noch so ein bisschen zur Universität Basel. Akteure wie wir, auch der Grünhof, Wirtschaftsförderung und Industrie arbeiten schon ganz gut zusammen. Und da ist natürlich auch noch auf der anderen Seite viel Spielraum. Also wir sehen auch gerade in Deutschland sind die Start-up-Factories entstanden. Die Unternehmertum in München ist das große Vorbild. Wir sehen, dass das auch diese Ökosysteme im Umfeld sind, das sich unheimlich professionalisiert. Und da gilt es natürlich auch Schritt zu halten und hier die Strukturen weiterzuentwickeln, dass man die aus meiner Sicht sehr guten Voraussetzungen auch weiter ausbaut, weil so die Rankings zeigen ja, dass wir an sich ganz gut unterwegs sind und den Einsatz. Also ein bisschen kann man das immer mit Fußball vergleichen. Ich glaube, in Deutschland gibt es so ein, zwei, drei Standorte. München sticht raus, Berlin gehört noch dazu und dann gibt es natürlich so Sonderentwicklungen wie Heilbronn. Aber dahinter ist dann so ein Feld an Spielern, wo sich Freiburg, glaube ich, nicht verstecken muss. Also um in der Fußballersprache zu bleiben, Sie sehen sich auf einem ähnlichen Niveau wie der SC Freiburg. Also ich glaube, das sollte das Ambitionsniveau sein für den Standort. Also nicht für den Baden-Campus, sondern für die Region. Und ich glaube, das ist realistisch. Ich würde ihn übrigens nicht als Kindergarten bezeichnen. Das ist die Muckibude für Startups, für die Gründer. Wenn ich da noch ein Satz sagen darf. Genau, weil oft die Unternehmen sind Kinder, aber wir sind sehr Senioregründer. Und ich glaube, das ist eines der Themen in Deutschland, dass wir das immer so ein bisschen als Jugend forscht abtun. Also hier ist jetzt eine Professorin, die ein Startup gegründet hat. Also wir sehen hier offensichtlich, Ich habe den Begriff Kindergarten deshalb gewählt, weil der frühkindlichen Ausbildung ja ein enormer Wert zugemessen wird. Und sie gilt ja als entscheidend für den späteren Werdegang, also der Kinder. Insofern dachte ich, ist Kindergarten kein schlechtes Bild. Aber Muckibude ist natürlich auch nicht schlecht. Insofern können wir das gerne auch noch mit einreihen. Ich werde es mir aufschreiben bei einer der nächsten Diskussionen. Herr Winzer, haben Sie denn Südbaden auf dem Schirm, wenn es um Investitionen des Hightech Gründerfonds geht? Oder ein bisschen randseitig? Nein, wir haben Südbaden auf alle Fälle auf dem Schirm. Da hätte der Gründerfonds, wir sitzen ja in Bonn, Berlin und München und haben seit 2005, sind wir am Start, über 800 Startups finanziert. Um Ihnen eine Idee zu geben, von diesen 800 sind rund 30 hier in der Region, je nachdem wie groß man die fasst, wo wir rund 30 Millionen Euro auch hier in Startups investiert haben in Form von Wagniskapital, Risikokapital. Und darunter sind so doch erfolgreiche Startups, wie eben genannt, die Saitenia, die aus ihrem Lehrstuhl stammt, aber auch eine Cortex, eine Geospin, eine Vifirion oder auch eine Avenute. Nicht jedes Unternehmen wird nachher erfolgreich. Aber insgesamt sehen wir, dass hier ein guter Branchenmix vorherrscht. Die Investments, die wir gemacht haben, sind meistens im Bereich Medizintechnik, Mikrosystemtechnik, Energie. Sensorik. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie kommt der HTGF hier nach Südbaden? Und es ist im Endeffekt, was Herr Scheuerle ein bisschen sagte, wir finden hier ein innovatives Milieu vor. Und für ein innovatives Milieu brauche ich fünf Zutaten. Das ist einmal eine gute Wissenschaft, eine gute Universitätsklinik, eine gute Universität, Fraunhofer-Institute, Max-Planck-Institut. Wir haben die Persönlichkeiten, die Personen, die auch Risiko eingehen wollen, die gründen wollen. Wir haben die Intermediäre, die dazwischen stehen und als Inkubatoren, Acceleratoren fungieren. Wir haben, das hatten Sie auch erwähnt, eine gute mittelständische Basis hier, die auch alle, und wir merken es selbst auch, die alle interessiert sind, mit Startups zusammenzuarbeiten. Ja, unter dem neuen deutschen Begriff Venture Clienting. Und wir sehen es, weil der HTG ist eine Public-Private Partnership und wir haben selbst Fondsinvestoren hier aus der Region. Die sagen, hat der Gründerfonds, bitte zeig uns ein bisschen Dealflow, was passiert in unserem Bereich. So, das ist die vierte Zutat und die fünfte und dann haben wir das innovative Milieu komplett, sind natürlich auch Investoren. Und jetzt ist das große Kapital natürlich sehr mobil weltweit, das große. Aber jedes Startup, und das werden Sie auch bezeugen können, das werden Sie bezeugen können, brauche am Anfang ein, zwei Privatinvestoren, name it Business Angels, name it Friends and Families. Name it Fools wie den HTGF, die am Anfang das Risiko eingehen für eine gute Startfinanzierung. Und das haben wir hier in der Region aus Sicht des Gründerfonds vorhanden. Ist die Startup-Bilanz in Südbaden nicht etwas enttäuschend? Es ist kein Unternehmen entstanden, das man mit der, Google-Mutter-Alphabet vergleichen kann oder mit NVIDIA. Die Black Forest Labs sind zwar extrem hoch bewertet, aber die sind jetzt auch kein großer Arbeitgeber in der Region. Und auch im Bereich Pharma- oder Medizintechnik sind jetzt keine überragenden Leuchttürme irgendwo entstanden mit tausenden von Arbeitsplätzen. Oder sehe ich das viel zu negativ? Also erst mal sehe ich es positiv, weil andere, es gibt total erfolgreiche Startups, das ist ein Jobrat, redet nicht so viel drüber, aber es sind über tausend Mitarbeiter. Also letzten Endes ist das eben ein tolles Beispiel, dass auch größere Dinge entstehen und es entsteht halt nicht jeden Tag an Google. Also das ist einfach so. Und wenn wir einen Schritt zurückgehen in meine Zeit, ich glaube, das war sogar die Badische Zeitung, die mich, als es aufwärts ging bei Genescan mit dem Kurs titulierte, das wird Bill Gates der Biotechnologie. Ich habe mich nie so gefühlt, aber das war mal so tituliert. Wie Herr Zengerle sagt, wir waren auf dem richtigen Weg und deswegen, ja auch hier in der Region sind ja nicht nur, es gab nicht nur Jeanscans, es gab ja noch ein, zwei andere Börsennotierte, die auch gut unterwegs waren. Das hängt manchmal auch viel mit der Technologie zusammen, gerade in der Medizin ist es sehr schwierig die ganzen Regulatorien einzuhalten und und und. Ich würde es vielleicht noch ergänzen, die Frage ist ja auch, was ist sozusagen Erfolg? Es entstehen auch Persönlichkeiten. Wir sehen ja auch, dass ehemalige Startup-Gründer oder Leute aus dem Startup-Umfeld dann in der Industrie verantwortungsvolle Rollen übernehmen für Innovationsthemen. Der Michael Laug ist so ein Beispiel, der hier in einigen Startups mit dabei war, ist jetzt CDO bei B. Braun, Herr Börsner. Sie haben sich ja auch später noch in anderen Rollen engagiert für Startup-Ökosystemen. Und eben, die FWTM hat vor zwei, drei Jahren, glaube ich, die letzte Umfrage gemacht und etwa 1.000 Arbeitsplätze gezählt. Wenn man nochmal 1.000 für den Job trat und auch sich Unternehmen wie Cevdesk in Offenburg oder Powercloud obendrauf legt, ist da schon, würde ich sagen, Substanz da. Aber auch gleichzeitig geht natürlich noch mehr. Herr Winser, wie würden Sie es denn sehen? Sie haben ja den Überblick über die ganze Bundesrepublik. Ich glaube, es ist die Frage, was will ich mit Startups? Also ist es das Ziel, dass jedes Startup eine Nvidia werden muss oder eine Tesla oder eine Alphabet, die Sie eben zitiert haben? Und ich glaube, nein. Das ist nicht das Ziel eines jeden Startups. Sondern Startups haben die Aufgabe, disruptive Technologien an den Markt zu bringen. Damit die Gesamtwirtschaften, jetzt gucke ich auch auf die badische, mittelständische Wirtschaft oder aus Bundesperspektive auf den deutschen Mittelstand, damit die Wirtschaft eine Transformation gelingen kann. Das, was ständige Unternehmen, große Unternehmen vielleicht nicht so schnell schaffen, nämlich neue Technologien an den Markt zu bringen, das schaffen Startups. Und der makroökonomische Wert eines Startups ist nicht nur der Börsenwert. Nice to have für alle Investoren, das ist schön. Aber ich glaube, wir sollten den anderen Wert, nämlich der Wertbeitrag zur Transformation der bestehenden Wirtschaft, nicht vergessen. Absolut. Und etwas provokativ könnte man auch sagen, was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und ich denke, Ola, du hast es ja auch gesagt, Und Google und Nvidia sind Ausnahmen auch global gesehen. Ausnahmen, viele Unternehmen dieser Art haben auch nicht funktioniert, was wir vielleicht gar nicht mitbekommen haben. Aber was völlig klar ist, dass eben auch diese Ausnahmen aus einem Umfeld erwachsen sind, aus dem Ökosystem, was sich über viele Jahre auch bildet. Und ich denke, wir haben es vorher beleuchtet, dass auch der Freiburger Raum, die Möglichkeiten mit sich bringt, langfristig genau so ein Umfeld zu schaffen, aus dem die Googles der Zukunft auch kommen können. Jetzt wird ja immer wieder gesagt, Banken seien zu zurückhaltend bei der Finanzierung junger Unternehmen. Gleichzeitig mangeln es an Wagniskapital von Privatinvestoren in der Bundesrepublik. Ist da was dran? Wenn man die gute Idee hat, kriegt man den Cash. Oder wie soll ich sagen, ist es schwierig? Vielleicht haben wir ganz gut schon. Also Banken sind, glaube ich, der falsche Geldgeber. Oder in der ersten Stunde eines Startups, was noch ein bisschen Risiko mit sich trägt. Wenn Sie ein Startup gründen im Friseursalon oder ein Handwerksbetrieb, wo es Vergangenheitsdaten gibt, da sind die Banken richtig total. Wenn wir aber darum geht es ja heute, um D-Tech, technologieintensive Gründung sprechen, wo man noch gar kein Produkt hat, was man verkaufen kann, sondern man muss aus dem Prototyp noch eine Nullserie entwickeln oder in ihrem Bereich noch die ganzen klinischen Studien machen, um den Proof of Concept dann auch final zu zeigen. Dort brauchen sie Investoren, die Risiko eingehen, Risiko ist wieder typisch deutsch, die Engländer verwenden Venture Capital, also Abenteuerkapital, mit der Aussicht eine höhere Marge zu verdienen. Deshalb sind die Banken der falsche Adressat hier. Und um Ihre Frage zu beantworten, wie ist aktuell die Lage in Deutschland? Ich glaube, wir haben, was die sehr frühe Phase der Start-up-Finanzierung angeht, sind wir ganz gut aufgestellt. Unter anderem wegen der Seite Gründerfonds. Ich glaube, da sind wir ganz gut aufgestellt. Auch viele Privatinvestoren sind unterwegs, die hier investieren, große Family Offices investieren. Und dann haben wir ganz am Ende, wenn ich ins Growth gehe, in der Start-up-Chronologie, wenn ich in die Wachstumsphase gehe, haben wir auch kein Problem mehr. Wir beobachten, dass große amerikanische Fonds in Deutschland dann investieren, in die wenigen Start-ups, die sich in diese Phase schaffen. Wo wir einen Leck haben, einen Gap, ist in diesem Mittelbereich Serie A, Serie B Finanzierung. Also man spricht von Finanzierungsfronten. Nachdem das Start-up auf den Weg gebracht worden ist, die ersten drei, vier Jahre. Dann funktioniert die technologische Entwicklung vielleicht doch nicht wie geplant. Der Businessplan hängt hinterher. Und dann fehlt es an Investoren, die diesen Gap nehmen, um die Unternehmen dann in ein gutes Wachstum zu tragen. Das ist die Erfahrung, die wir im Moment machen. Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Also ich würde auch mal die Banken jetzt außen vor nehmen, weil ja doch eher, sage ich jetzt mal, in planbare Cashflows investieren und nicht unbedingt in Innovationen, Ideen, die sich noch beweisen müssen. Wenn es jetzt gerade zum Thema Wagniskapital geht, würde ich schon den Begriff nochmal infrage stellen, weil wir selten aus den Kreisen der Wagniskapitalgeber auch wirklich Wagniskapital gefunden haben. Häufig ist man dann zu früh dran, wenn die Technologie sich noch nicht bewiesen hat, wenn man eben nicht weiß, in welche Richtung entwickelt es sich weiter oder eben zu spät, weil dann die Firma erste Umsätze generiert, schon sehr viel Kapital in die Firma geflossen ist und dann die entsprechenden Anteile, die sich die VCSBs dann vorstellen, nicht mehr erworben werden können in so einem Startup. Und ich würde auch sagen, diese Zwischenphase ist wirklich die kritische, auch dieses Valley of Death, wo man irgendwie rauskommen muss, wo man irgendwie Investoren braucht, die daran glauben, die auch den langen Atem haben, diesen Weg quasi mit einem gemeinsam zu gehen. Das ist sicherlich ein Manko. Da gibt es, würde ich sagen, Nachholbedarf auf jeden Fall. Da habe ich ja noch eine ganz lustige Geschichte vielleicht dazu. 92, George Köhler und ich beschlossen, eine Firma zu gründen. Und er dachte ganz locker, als Novellpreisträger machen wir das innerhalb des Max-Planck-Instituts. Da gab es ein No-Go, geht nicht. Also gut, haben wir beschlossen, wir gehen zu einer großen deutschen namhaften Bank und nehmen uns Kapital auf und machen das außerhalb. Dann saßen George Köhler und Ulrich Biersner vor den Direktoren dieser Bank und haben erzählt, was sie machen wollen. Und dann haben die wirklich zu uns gesagt, ja, egal, ob sie einen Nobelpreis haben oder nicht, wir wissen, wie man eine Tankstelle finanziert, weil wir wissen, was da zurückkommt, was sie hier machen wollen. Wir kapieren nicht mal, was sie machen wollen. Deswegen, die Banken sind meistens überfordert mit dem Thema. In der Zwischenzeit haben sich schon zum Teil auch organisiert. Die fahren dann, wenn Erfolg da ist, dann kommen hier und da Banken dazu. Aber das nur als Beitrag. Die waren überfordert mit dem, was wir da vorhatten. Ich würde es dann nochmal in größeren Kontext einordnen wollen. Ich habe vor kurzem eine Veranstaltung besucht, da der Manuel Hagel so ein paar Startups kennenlernen wollen, um sozusagen seine Politik zu formulieren. Und da waren drei Scale-Ups da, alle so 100 plus Mitarbeitende, also schon ein paar Jahre unterwegs. Brauchen zweistellige Series-B Finanzierungsvolumina. Durch die Bank haben alle Start-Ups ihre Investoren in Kanada oder USA oder im Ausland gefunden, zumindest teilweise. Wenn man das jetzt mal einordnet, unser Mittelstand schmilzt ein guter Teil weg. Auf der anderen Seite kommen neue Technologieunternehmen nach, die ja auch für die Wettbewerbsfähigkeit wichtig sind. Dann ist es auch durchaus ein Risiko, dass wir dieses Kapital dort nicht aufbringen können. Ich glaube, es wäre ja da. Also es ist, glaube ich, bei den Hausaufgaben, die wir noch zu tun haben, durchaus ein mittelständisches Kapital noch stärker zu mobilisieren in Fondsstrukturen oder direkt. Politisch wird mittlerweile einiges gemacht. Da gibt es jetzt verschiedene Initiativen, um die späteren Phasen noch weiter zu unterstützen. Aber das ist schon durchaus, wenn man sich anschaut, wie der Wettbewerb heute funktioniert, ein substanzielles Thema, diese Wachstumsfinanzierung. Eine Frage hängt es an den Rahmenbedingungen, also an den steuerlichen zum Beispiel. Und würde den einheitlichen europäischen Kapitalmarkt helfen, mehr Kapital zu mobilisieren? Also über Steuern kann ich nichts sagen. Aber eine spezifische Schwäche, die wir aus meiner Sicht haben, ist, dass es hier eben keine kapitalgedeckte Rente zum Beispiel gibt. Das klingt jetzt sehr exotisch, aber in beispielsweise den USA, wenn ich das richtig informiert bin, ist es so, dass eben viele Leute Kapital zurücklegen für die Rentenversicherung. Das ist Geld, das ist auf Jahrzehnte hinaus, muss das sozusagen angelegt werden. Und da gibt es einfach sehr viel Geld und das kann man sozusagen auch zu einem gewissen Teil eben in Risikodinge investieren. Also da ist einfach sehr viel mehr Geld da, das irgendwie sowieso angelegt werden muss und ein Teil davon in Startups, das sind sozusagen ganz andere Voraussetzungen. Und bei uns gibt es sowas halt nicht. Die Rente, die Sie oder wer auch immer Rentenversicherung einzahlen, die geht morgen raus. Das Kapital ist nicht verfügbar. Also, erstens, prinzipiell finde ich es gar nicht verkehrt, wenn internationales Geld, Sie haben eben amerikanisches, kanadisches Geld gesprochen, in die europäische bzw. Deutsche Volkswirtschaft fließt. Finde ich prinzipiell nicht verkehrt. Die Frage ist nur, wenn die Startups dann ausländischen Eigentümern, sprich Kanadiern, Amerikanern gehören und sich irgendwann exiten müssen, Das ist ja das. Können Sie kurz sagen, Exiten versteht jetzt nicht jeder der Zuhörerinnen und Zuhörer. Also kurz erklären Sie, korrigieren mich, denn Sie werden eine selbe Reise vor sich haben. Investoren, die in diesem Bereich in Startups investieren, zeichnen Anteile an den Startups. Und das Ziel ist es natürlich, dass die Anteile an einem Startup an Wert gewinnen mit der Zeit. und ich diesen Wertgewinn mitnehme, indem ich mich irgendwann wieder von diesen Anteilen trenne. Sprich, meine Anteile an Dritte verkaufe, da spricht man vom sogenannten Secondary, an andere Investoren beispielsweise, große Private Equity Funds. Oder aber, indem man sagt, gemeinsam mit den Gründerinnen und Gründern, wir verkaufen jetzt die gesamte Firma, wie das im Fall der Saiten ja der Fall war. Und alle, die kompletten Anteile der Startups, wird an einen großen anderen Corporate verkauft. Und alle verdienen mit. Das ist nun mal auf der Reise eines Startups ganz normal. Und hier war mein Einschub, positiv zu bewerten ist, dass internationales Geld hier in die Region fließt oder in die deutsche Volkswirtschaft fließt. Die Frage ist nur, dann sind die Anteilseigner ja auch ausländische Investoren, Amerikaner, die irgendwann mal vielleicht dafür sorgen, dass auch an amerikanische große Corporates dieses Startup verkauft wird. Und das ist ein Problem, ganz ehrlich, das sehen wir gerade in der Life Science Industrie, Pharmazie, Biotech, die großen Player sind amerikanische Pharmaunternehmen, Sie kennen die alle, die dann sagen, okay, ich habe genug Geld in der Stadt, toll, ich übernehme das Startup. Muss aber nicht negativ sein, denn wir haben auch zum Beispiel seit Jena eben festgestellt, die wurden eben verkauft, aber trotzdem bleiben sie in Freiburg. Das ist sogar so, dass die Investoren den Standort stärken, weil die hatten ja eine Mission, warum sie das gekauft haben, verfolgen eine Mission und bauen den Standort aus. Das gleiche war es, als wir die Firma Biofluidics an Hamilton verkauft haben, also eigentlich ein Konzern, der in der Schweiz sitzt, der jetzt hier in Freiburg sozusagen eine deutsche Zentrale aufgebaut hat. Also es ist sozusagen auch ein Kondensationspunkt, diese Exit. Wodurch andere Konzerne, die ansonsten Freiburg nicht auf der Rolle haben, in Freiburg sich ansiedeln. Spryker ist jetzt nicht so ein typisches Beispiel. Da ist sozusagen in Denzlingen die Schölli eigentlich der Anlass gewesen. Aber das ist der Grund, warum dann solche internationalen Konzerne eben auch nach Freiburg kommen und sich in Freiburg ansiedeln. Und ich glaube, das sind ja 600 Arbeitsplätze. Intuitive Surgical, die dann auch ökonomisch sind. Da haben wir übrigens viele Beispiele, das stimmt, da gebe ich Ihnen absolut recht, dass die Käufer dann den Standort in Deutschland erhalten. Da habe ich andere Beispiele aus anderen Regionen und das hängt dann immer davon ab, was für ein innovatives Milieu finde ich denn hier in Südbaden vor. Kann ich das Train, also die Expertise, das Know-how, was hier vorherrscht, in meiner Branche dann mit dem Standort nutzen. Finde ich qualifizierte Mitarbeitende, finde ich Kollaborationen mit Universitäten, mit Instituten, mit denen ich Forschungsprojekte aufsetzen kann. Und das würde ich Ihnen dringend raten hier in der Region, dass Sie das weiter befeuern. Insofern ist ein Start-up eigentlich auch als eine Art Wirtschaftsförderung zu verstehen. Die setzen den Kondensationskeim sozusagen und auch wenn dann die verkauft werden, bleiben die Unternehmen hier und in der Regel werden die Standorte ausgebaut. Frau Gassos, wie kann man sich das denn vorstellen? Ruft dann irgendwann mal tagsüber irgendjemand an und sagt, ich habe jetzt Geld übrig und ich will jetzt bei der Markt 90 irgendwo einsteigen? Oder wie kann man sich diese Investorensuche denn bildlich vorstellen? Ob die Anrufe dann so seriös sind, ist eine andere Frage. Definitiv ist die Investorensuche ein Thema, was uns immer begleitet und was immer proaktiver auch von unserer Seite aus getrieben werden muss. Er hat viele Facetten, ob das jetzt Veranstaltungen, Gründerveranstaltungen sind, auf Konferenzen, Messen, teilweise Kunden, Pilotkunden. Unser größter Investor war kontaktiert von uns damals als Pilotkunde. Er sollte unser Produkt testen und fand die Technologie so überzeugend, dass er direkt investiert hat. Das sind natürlich Dinge, die man so nicht vorher sieht, die aber passieren und die natürlich dann nochmal eine ganz andere Möglichkeit, einen ganz anderen Drive in das Startup bringen, weil wir dann miteinander entwickeln können, miteinander das Produkt entwickeln können, direkt am Einsatzort. Aber natürlich ist die Reise durchaus beschwerlich. Man führt sehr viele Gespräche, gerade eben mit dem sogenannten Venture Capital haben wir sehr viele Gespräche geführt und teilweise erhält man dann nicht mal eine Absage oder bekommt ein Feedback. Also man muss schon sehr viel zutun und in sehr viele Richtungen denken, um letztendlich dann auch den Investor zu finden. Und in unserer Phase ist es vor allem wichtig, auch die Investoren zu finden, die uns als Firma auch voranbringen. Und das sind dann doch eher die strategischen Investoren, die die quasi an der Technologie, am Produkt interessiert sind, die mit uns gemeinsam auch weitere Produkte für ihr Portfolio entwickeln wollen. Jetzt ist es ja so, wenn man auf die südbadische Wirtschaftsgeschichte guckt, hat die Schweiz immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Also die ganze Industrialisierung am Hochrhein unten ist zum großen Teil mit schwarzer Kapital finanziert worden. Ist die Nähe zur Schweiz denn bei der Investorensuche auch für Sie ein Vorteil? Ich frage jetzt an die gesamte Runde. Oder ist es so international, dass wir da jetzt nicht unbedingt von diesem Vorteil sprechen? Wir schauen nach Personen, die sich mit unserem Geschäftsmodell anfreunden können, die ein Verständnis für unser Produkt haben. Wenn sie aus der Schweiz kommen, sehr gerne, aber sie können natürlich aus anderen Regionen kommen. Wir sind da sehr offen und eigentlich wenig fixiert auf den geografischen Ausweitungs- und normal wirklich auf den Hintergrund und auf den Match, was unsere Technologie angeht. Herr Börsner, Herr Schale, Roche und Novartis, spielen die eine Rolle? Sind die wichtig als Motor der Startups hier in der Region? Mit Sicherheit zu meiner Zeit gab es die BioValue-Organisation. Die gibt es heute noch, so wie ich weiß. Ich war mal Präsident dieser Organisation und war da viel in Kontakt mit den großen, auch mit den Bossen der großen Unternehmen. Die haben uns immer beäugt und haben auch Scouts geschickt, um anzuschauen, wie weit wir sind und was wir haben. Und wenn wir auf Genescan schauen, hat Roche nach dem Auflösen der Genescan etliche der Patente von Genescan gekauft und umgesetzt in Biochip-Projekte. Wir hatten über 100 patentierte Technologien und wurden teils von Roche gekauft, teils von amerikanischen Unternehmen gekauft, teils auch da in diese Richtung übernommen, so wie ich weiß. Ich war dann immer involviert, weil ich war raus. Aber ja, die Großen haben natürlich aber auch, ich bin immer noch engagiert in vielen aktuellen Startups, zum Teil als Co-CEO oder zum Teil als Berater. Und was ich halt sehe, ist, dass wenn man ein Hightech-Produkt hat in Richtung Pharma-Markt, dann sind die Großen schon interessiert. Aber wenn es zu weit entwickelt ist, sind sie nicht interessiert. Weil die wollen natürlich ihre momentane Technologie so lange wie möglich verkaufen. Und man sagt ja immer, und ich mache mich jetzt vielleicht unbelegt, Pharma ist ein schmutziges Geschäft, das kann ich nur bestätigen, es ist kein wirklich ehrliches Geschäft. Die agieren halt auf Gott, die kriegen ihre, die ganz oben sitzen, kriegen ihre Tantiemen aufgrund des Umsatzes, also des Businesses, das sie momentan machen. Die wollen keine geheilten Patienten, die wollen eigentlich kranke Patienten. Das ist meine Erfahrung. Aber das dürfen Sie gerne ausstrahlen, da habe ich kein Problem mit. Ich habe zwei Beispiele, wo die Schweiz tatsächlich eine Rolle gespielt hat. Tatsächlich war bei Saitena, der erste Investor war ein Schweizer und auch die Novartis war der erste Kunde von den Saitena Produkten. Da waren die Produkte noch nicht ganz reif, aber die haben tatsächlich mit der Novartis zusammen das eigentlich optimiert. Also da war es ein gutes Beispiel bei der Saitena. Und bei der Biofluidics, das habe ich vorher gesagt, die ist jetzt von einem Schweizer Hamilton-Konzern aus Bonadouz, also irgendwo ein Pass nach Italien, ein enges Tal, sondern übernommen worden. Und die sehen natürlich die Chance, dass hier in Freiburg auch einen Zugang zu Arbeitskräften gibt, der vielleicht ein bisschen beengt ist hinter Kur, bevor man auf den Pass fährt. Und aus Ökosystemsicht ist das natürlich spannend. Also es gibt jetzt die neueste, das ist eine gemeinsame Initiative, ist der Bio Campus. Das hat die Uni Basel angeschoben, da ist das KIT, die Uni Freiburg, Uni Straßburg und eben verschiedene Industriepartner mit drin. Weil also Also in der Tat, ich glaube, wenn wir quasi international strahlen wollen, was bedeutet, dass Talente herkommen, dass Kapital herkommt und so weiter, muss man sich da schon ein Stück weit unterhaken. Und nach meiner Erfahrung sind Roche oder Novartis oder Pharma-Konzerne insgesamt haben durchaus auch ein bisschen eigene Investitionsstrategien. Manche wollen dann auch nicht zu früh, sie wollen dann schon was kaufen, was sie direkt vermarkten können. Pfizer ist ein Unternehmen, das jetzt zwar hier in Freiburg sitzt, aber das da sehr gute Schnittstellen gebaut hat für Startups aus dem Pharma-Bereich. Und was wir zum Beispiel auch aus Basel sehen, wo wir gerade viel Austausch haben, ist das Thema Quantenphysik. Es entsteht gerade, oder Quantum-Technologie, es entsteht gerade Uptown Basel, da investiert ein größerer Investor, hat da sogar einen Quantencomputer stehen, das ist jetzt auch nicht an jeder Ecke. Und da gibt es schon Potenzial, aber ich würde eben auch sagen, Kapital ist sicherlich auch mobil. Also wir arbeiten natürlich auch mit internationalen Investoren zusammen und wenn dann so eine Startup-Finanzierung sucht, dann ist sozusagen Basel ein Short-Dial vielleicht, aber man guckt natürlich überall, wo es bleibt. Wird die Startup-Idee nicht ein bisschen überschätzt? Also wenn ich mir die Weltmarktführer hier im Südwesten angucke, dann sind die oft auch von Meistern oder von Technikern gegründet worden, also ohne universitären Abschluss. Sie hatten aber eine geniale Idee, die hat man dann realisiert. Die Banken gaben dann auch Geld und aus diesen Ideen sind dann über Generationen hinweg Familienunternehmen gewachsen, die heute die ganze Welt beliefern. Absolut, da ist der Hut vorzuziehen, da habe ich großes Respekt vor, wie der schumpetersche Gründer damals aus der Werkstatt heraus ein Weltunternehmen aufgebaut hat. Wir müssen berücksichtigen, die Welt dreht sich inzwischen schneller. Moritz's Law, Sie kennen das, dass sich die Technologieentwicklungszyklen immer mit einer ganz hohen Geschwindigkeit schneller drehen. Und die Frage ist, ob man dann noch mit langjährigen Basteln und Ideen und Erfindergeist in der eigenen Werkstatt nicht links und rechts überholt wird mit künstlicher Intelligenz und den Quantencomputern, den ganzen schnelleren Entwicklungen. Also ich glaube, wir sollten schon mit genügend Power, Geld, Venture Capital, diese Startups ausstatten, damit sie genau diese Geschwindigkeit aufnehmen können, wie die Weltmärkte vorgehen. Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Also ich sehe den Unterschied gar nicht so groß zwischen dem Tüftler im Keller und dem modernen Startup-Gründer auch. Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes in der Garage oder im Hangar begonnen. Es ist aber genau der Punkt, den Sie angesprochen haben. Es ist die Geschwindigkeit, es sind die Zyklen, es sind letztendlich auch die Konkurrenz links und rechts, die auch nicht schläft. Letztendlich die globalen Netzwerke, die auch letztendlich die Technologie und auch den Fortschritt befeuern. Und deshalb braucht es genau eben diese Wachstumsphase, in der wir wenig Kapital bekommen, braucht es eben genau dieses Kapital, um nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch letztendlich die Skalierung und die Kommerzialisierung dann weltweit zu fördern, damit wir eben genau zu Weltmarkt führen werden können. Also es ist kein Widerspruch jetzt zwischen der erfolgreichen Entwicklung des Handwerksbetriebs zum globalen Marktführer und auf der anderen Seite dem Start-up. Absolut, es ist kein Widerspruch. Und neudeutsch sagt man ja Bootstrapping, also ich finanziere mich direkt durch Aufträge und Kunden, die ich habe. Und jeder, also hier auch in die Kamera und diese Runde gesprochen, jeder, der die Chance hat. Direkt Aufträge an Kunden zu platzieren und damit auch Einnahmen zu generieren, dem Rat ich dringend davon ab, Investoren aufzunehmen, sondern der soll es auch machen. Weil er mit seinen Kunden ja auch lernt, sein Produkt an die Bedürfnisse des Kunden anpassen kann und dadurch sich innen finanziert. Aber da haben wir nur einen kleinen Teil von Startups. Wenn wir von den Startups reden, die hier so genannt worden sind, bisher aus der Wissenschaft heraus, die technologieintensiv sind, die disruptiv sind, die neue Märkte angehen wollen, da brauchen wir dieses Kapital am Anfang. Und es kommt von extern, es kommt von Investoren. Und wir haben eben gesprochen, es sind nicht die Banken, sondern es sind Privatinvestoren. Business Angels, Family Office und eben die institutionellen Investoren wie der HTGF. Und in erster Linie braucht man die Geschwindigkeit. Wenn Sie jetzt eine neue Idee haben für eine neue Technologie, die ist ja nicht ewig neu. Sie müssen die Geschwindigkeit haben, damit Sie die auch als Erste umsetzen können. Und die Geschwindigkeit bekommen Sie nur, wenn Sie genügend Kapital haben. Da können Sie praktisch Leute einstellen und skalieren. Jetzt ist es ja unumstritten, dass Deutschland in vielen Bereichen weiterhin technologisch ganz weit vorne ist. Es gibt aber die Kritik, dass man es nicht schaffen würde, die vielen guten Ideen dann nachher auch in erfolgreiche Produkte umzusetzen, die am Markt dann nachher auch gekauft werden. Was würden Sie denn zu dieser Kritik sagen? Stimmt die? Ist die berechtigt? Ich würde schon sagen, dass da Spielraum ist. Das zeigen ja auch Zahlen und Statistiken. Und deshalb ist ja gerade, ich habe vorhin mal kurz diese Startup Factory Initiative erwähnt, eine der wesentlichen Startup-politischen Bestrebungen im Moment eben zu schauen, dass wir mehr Startups aus den Universitäten und Hochschulen rauskriegen. Diese Unternehmertum als Vorbild. Startup Factories sind Zusammenschlüsse zwischen Universitäten, Acceleratoren wie uns und Industriepartnern, um systematisch, auch aktiv Wissenschaftler anzusprechen, denen dieses Thema Startup-Gründung aufzumachen, direkt die Industriepartner dabei zu haben, die dann sozusagen auch den Resonanzraum bilden oder die Skalierungsfläche. Also da ist mit Sicherheit... Wichtiger Hebel, um als Standard weiterzubringen und auch Potenzial. Herr Bössner, wenn Sie so zurückblicken, hat sich da was zum Positiven hin verändert? Absolut. Zu meiner Zeit, wenn wir in Hörsälen vorgetragen haben, was wir machen, ist die Hälfte der Professoren gegangen, weil die Grundlagenforschung machen wollten und nicht irgendwelche Start-ups hören wollten. Und wir hatten kein Umfeld, das uns vorangebracht. hat. Im Gegenteil, wir wurden zum Teil ausgebremst, aber das ist bald 40 Jahre her. Das heißt, es hat sich sehr viel getan und das ins Positive, finde ich, dass jetzt auch heutzutage kann ein universitärer Gründer in der Universität bleiben und in seinen Labors die ersten drei bis fünf Jahre arbeiten. Ich hätte trotz Nobelpreisträger keine Chance gehabt, im MPI zu bleiben. Und das sind viele Faktoren, die jetzt helfen und die sind auch notwendig. Und insofern sehe ich schon, dass wir, dass die Startup-Szene da ein positives Umfeld bekommen hat und dass das nicht nur politisch gewollt ist. Und dass eben solche Organisationen wie Herr Scheuerles Baden Campus dazu beitragen können. Jetzt gibt es ja auch den Vorwurf, da werde mit Steuermilliarden die Selbstverwirklichung von ohnehin begüterten Kindern gefördert, also die studiert haben. Und weil die Startups eben massiv staatliche Unterstützung unterhalten, während jetzt der Schreiner, wenn er, wie soll ich sagen, sich selbstständig macht, Lina am Staat rufen kann und viel Geld kassiert. Was würden Sie denn zu dem Vorwurf sagen? Sie kennen keinen Gründer, der sein Deep Tech irgendwie aus der eigenen Tasche bezahlen kann. Das wäre jetzt so das Extrembeispiel. Ich glaube nicht, dass man da, das ist vielleicht auch so eine deutsche Mentalität, dass man versucht, verschiedene Klientel gegeneinander auszuspielen. Der ideale Gründer muss dann irgendwie von ganz unten kommen oder es ganz nach oben schaffen. Erst dann sind wir glücklich und wir dürfen einfach niemanden ausschließen. Wir brauchen die Meister, die irgendwie ihre Unternehmen gründen. Wir brauchen die Akademiker, die tolle Ideen haben. Wir brauchen einfach alle. Wir können uns nicht leisten, stehen zu bleiben. So ist es einfach. Also auch da nochmal die Dringlichkeit zu illustrieren. Wir haben vorhin über Geschwindigkeit gesprochen. Das wird jetzt nicht auch dramatisch werden, aber wir sehen in anderen Ländern Startup-Finanzierung von 5 Millionen Euro, die dauern drei Wochen. Das dauert bei uns drei Monate, wenn es ganz gut läuft und dann nochmal drei Monate, bis alle Verträge geschlossen sind. Und viele dieser Märkte finden sich jetzt gerade. Weil KI ist ja, lernen wir gerade nicht nur ein Software-Thema, sondern auch ein Hardware-Thema, ein Energie-Thema, ein Prozessoren-Thema. Und diese Rollen werden jetzt im Moment verteilt auf dem Weltmarkt. Jetzt ist nicht jedes mittelständische Schwarzwald-Unternehmen im Rechenzentrum-Geschäft unterwegs. Aber, Ich finde, das Beispiel illustriert das doch. KI, also Sensorhersteller, sind nicht bedroht durch bessere Sensoren im Moment, sondern durch KI, die vielleicht dafür sorgen, dass es die Sensoren gar nicht braucht. Und je länger man sich da Zeit lässt, je länger man das beobachtet, desto schwieriger wird es dann, mit einem Wettbewerber plötzlich umzugehen, der dann vielleicht das eigene Produkt obsolet macht. Das ist auch bekannt, da ist man ja dran. Und wenn ich mich jetzt mal als Steuerzahler hier in die Perspektive setze, Staatliche Förderung kann ja auch positive Effekte haben. Es ist ja überhaupt nicht gesagt, dass das Geld anschließend verloren ist, sondern die positiven Effekte durch Start-up-Förderung für die Wirtschaft, dann auch für die Steuerzahler, sind ja da. Und ich möchte Ihnen dazu auch eine Zahl von uns geben. Der Hightech Gründervor ist eine Public-Private Partnership. Das Geld, was wir investieren, stammt zum Teil, ist es öffentliches Geld, Public Money und zum Teil von 46 Corporates, Corporates, also Unternehmen, die bei uns investiert haben. So, und wir haben den ersten Fonds inzwischen mit einer guten Rendite zurückgezahlt. Die ist, das ist Public, das darf ich sagen, die liegt bei 1,4. Das heißt, auch der Steuerzahler, der Staat, hat inzwischen das 1,4-Fache des Geldes zurückgehalten, was er mal uns gegeben hat, um damit Start-ups auf den Weg zu bringen. Und das ist für die Early-Stage-Frühphasen-Finanzierung von Start-ups eigentlich eine ganz performante Zahl. Und wir sehen, dass das in den anderen Fonds, wir haben inzwischen vier Fonds, mit denen wir Start-ups finanzieren, ähnlich läuft. Und da muss ich sagen, dann hat sich die staatliche Förderung ja ausgezahlt. Absolut, ich kann das nur unterstreichen. Es werden ja auch im Prinzip keine einzelnen Gründer letztendlich gefördert, sondern es werden Unternehmen, Ideen gefördert und das ist ja auch ein sehr kompetitiver Prozess. Es ist ein objektiver Prozess, zumindest habe ich das immer so wahrgenommen bei allen Drittmitteln, um die wir uns beworben haben, dass hier wirklich ganz detailliert die Technologie, die Reife, das Geschäftsmodell bewertet werden und darauf basierend dann auch die Fördermittel verteilt werden. Und wie Sie sagen, es hat am Ende ja dann positive Effekte für alle. Und wenn man jetzt vermutet, dass es hier vielleicht zu einem Ungleichgewicht kommt, dann ist die Frage, ob man dann den Start-up-Sektor anfängt oder nicht vielleicht schon einen Schritt vorher in den Schulen oder in den Kindergärten, um da vielleicht mögliche Ungleichgewichte zu beheben. Jetzt kann man ja sagen, der Erfolg des Silicon Valley ist ohne den Einfluss der massiv vom Staat geförderten Rüstungsindustrie und ihrer Entwicklungsabteilung an die nicht zu denken. Also große Rüstungsunternehmen haben ja ihren Sitz in Kalifornien auch gehabt. In Deutschland wird jetzt auch wie in anderen Ländern wieder viel Geld für die Rüstung ausgegeben. Ist da denn ein Schub für die Startups zu erwarten, auch in Südenbaden? Und ist das eigentlich wünschenswert? Also ich denke, es ist sicher richtig, dass die Rüstungsfirmen in Silicon Valley eine große Rolle gespielt haben in den 70ern und 80ern. Aber natürlich ist dieses schon lange eigentlich völlig losgelöst, würde ich so sagen. Also das spielt heute keine Rolle mehr. Und ob das bei uns einen Schub geben kann oder nicht, kann ich schwer beantworten, weiß ich nicht. Man sieht zumindest den Wunsch auch vom Land und aus meiner Sicht verständlicherweise, dass dort mehr in Innovation investiert wird, weil ich persönlich das, was ich die letzten Monate und vielleicht Jahre jetzt gelernt habe, was so Themen wie Souveränität und Verteidigung angeht, halte ich das nicht nur aus Dual-Use-Gründen tatsächlich ganz grundsätzlich schon für sinnvoll, dort auch in Innovation zu investieren. Sondern natürlich, ich weiß gar nicht, ob man da immer so, wie soll ich das formulieren. Also Dual-Use vorschieben muss. Ich glaube, das kann das natürlich multiplizieren, die Wirkung. Es zeigten aber, glaube ich, auch Studien, dass da gar nicht so viel Spill-Over-Effekt entsteht. Aber ganz grundsätzlich glaube ich schon, dass zumindest das Start-up-Ökosystem an sich davon zumindest profitiert im Sinne von, es wird weiter investiert oder weiter forciert. Eines ist aber auch ganz klar von der Rüstung aus gedacht natürlich, also die Verteidigung braucht natürlich Innovation. Das sehen wir ja in der Ukraine. Die Kriege, die jetzt laufen, die laufen einfach ganz anders. Das sind halt Drohnen, die mir über alle spielen. Ist Rüstung denn jetzt ein strategisches Feld, wo Sie sich stärker engagieren wollen, Herr Winzer? Also wir als HTGF haben da jetzt keinen speziellen Fokus drauf gelegt. Was wir beobachten ist aber, dass viele Fonds, institutionelle Investoren, jetzt Fundraising betreiben, also Fonds, die sich gründen, mit der Aussage, wir wollen in diese Themen investieren. Das passieren wir schon, dass da jetzt viel privates Kapital in diesen Sektor reinfließt, das beobachten wir. Die Frage, aber das ist jetzt eine sehr inhärente Frage, die man sich stellen muss, sind diese Start-ups, die in dem Bereich finanziert werden, überhaupt exitfähig nachher am Ende? Also wie kommt der Investor, der in ein solches Start-up investiert hat, wieder raus? Denn wer kommt denn als Käufer in Frage? im Endeffekt zwei, drei Rüstungsfirmen im Inland. Weil es hoch... Die werden sich ja nicht an die Russen verkaufen, Entschuldigung. Und damit ist der Käufermarkt sehr limitiert. Wenn der Käufermarkt limitiert ist, bestimmt der Käufermarkt die Preise. So ist es. Und deswegen stellt sich für mich die Frage, ob es wirklich so sinnvoll ist, dass Investoren, private Investoren, Manager-Capitalisten in diesen Bereich gehen. Das ist eine persönliche Frage, die ich mich stelle. Aber wir beobachten, dass sehr wohl im Moment viele Fonds in dem Bereich im Fundraising sind und auch privates Geld in diese Richtung fließt. Wir als HTGF haben da derzeit keinen besonderen Fokus drauf. Es ist, wie Herr Scheuerle sagte, viele Technologien sind Dual Use und können im Zivilen als auch in der Verteidigungsindustrie genutzt werden. Gut, die Zeit ist vorangeschritten. Die letzte Frage an die Runde. Wo hat denn Südwarden die größten Erfolgschancen? Werden vor allem Startups aus der Pharma- und aus dem Medizintechnikbereich glänzen und reüssieren? Oder Unternehmen, die in der Informationstechnik und in der Datenverarbeitung tätig sind? Das ist auch eine Frage, die wir uns immer in der BZ stellen. Also wir haben ja hier für die Region so drei Schwerpunkte definiert. Das eine ist Medizintechnik und Pharma, also Biotechnologie, Gesundheit im größeren Begriff. Das zweite ist tatsächlich industrielle Automatisierung, Robotik und auch so ein Unternehmen wie Prior Labs, das hier aus der Informatik in Freiburg, auch aus der Universität kommt, würden wir da auch zuzählen. Ein sehr spannendes Unternehmen. Und das Dritte ist dann eben nach wie vor auch Energie und Nachhaltigkeit, wo die Region einen starken Footprint hat. Und mir wäre es eigentlich am liebsten, wenn aus allen dreien starke Unternehmen kämen und auch gerne weiterhin Jobrats oder Unternehmen in der Art. Ich würde sagen, eine hohe Dynamik ist sicherlich gerade in dem Gesundheitsthema drin. Aber in allen dreien, wie gesagt, haben wir, glaube ich, die Chance, wenn die passenden Persönlichkeiten mal zusammenkommen, gute Unternehmen zu sehen. Herr Börsner, wie würden Sie es sehen? Ich bin im Moment engagiert in einem Unternehmen, das gerade eben eine Kooperationsvereinbarung treffen wird. Ich darf aber nicht darüber sprechen, weil ich einen Maulkorb habe. Aber das kann auch was Großes werden. Und deswegen ist es im Pharma-Bereich. Und ich sehe es so, wir haben, ähnlich wie Herr Scheure, wir haben gerade im medizinischen Pharma-Bereich gute Chancen hier. Eine große Universität mit viel Brain und Know-how. Und ich sehe dem sehr offen entgegen. Das kann noch viele schöne Ausgründungen und tolle Unternehmen geben, die auch entsprechend wachsen. Frau Gassel, stark. Ich bin natürlich jetzt gebeißt, aber wir haben die Standortvorteile schon diskutiert. Das Zusammenspiel von Big Pharma, Schwarzfelder Mittelstand und eben den Universitätskliniken und den Instituten. und ich würde ganz klar auch Medtech und Pharma vorne sehen. Herzlichen Glückwunsch. Ich würde sagen, alles, was ich gehört habe, ist richtig, aber das zu herzusagen, in welcher Branche das nächste große Ding entsteht, das ist so ungefähr, als würden Sie vorhersagen, wer als nächstes ein Sechser im Lotto hat. Der Sechser im Lotto wird kommen, aber Sie können schwer sagen, wo es sein wird. Und es sind meistens eigentlich Themengebiete, wo man eben ein disruptives Geschäftsmodell hat, wo es eigentlich neu ist, wo man heute gar nicht dran denkt, dass das das große Feld wird. Das sind sozusagen dann die Startups, die eigentlich am Ende die erfolgreich sind. Sie haben vorher Google angesprochen, Alphabet oder all die oder das sind halt Dinge, da hat man eigentlich nicht richtig dran gedacht, dass das irgendwann mal das zentrale Element sein wird für alles, für die Plattform, wo man alles sucht und verkauft. Aber es spielt nicht auch eine gewisse Pfadabhängigkeit in Rolle. Ich meine, Sie haben hier ganz einfach Stärken. Der Volksamt wird jetzt auch von kooperativen Vorteilen in Englisch sprechen, Feinwerktechnik etc. Und wenn man dann so anguckt, was an Innovationen auf dem Markt ist, dann sieht man schon das Erbe der Region. Ja, aber vergleichen Sie nochmal die Region. Ich meine, alle diese Branchen sollte man stärken. Da sind wir schon stark, da gibt es gute Netzwerke, das sollte man alles weiter tun. Aber welcher Branche würden Sie Jobrat zuordnen? Das war einfach ein völlig neues Geschäftsmutage. Ja, das war eine gute Idee. Das gab es nicht vorher. Und das ist letzten Endes, das setzt sich ja so durch und hat auch wirklich weit überregional die Ausstrahlung. Ich bin ja hier der Externe. Ja, genau, ich würde Ihnen jetzt auch gerne ein Schlusswort geben als, wie soll ich sagen, derjenige, der jetzt am objektivsten eigentlich die Lage einschätzen kann. Ich pflicht Ihnen beiden bei und gerade Ihnen trinkt, von Schiffbau und Raumfahrt Abstand zu nehmen, ein bisschen provokativ gesagt. Und die Gründerinnen und Gründern, die hier zuhören, in welchem Bereich ihr tätig seid, verfolgt eure Idee, wendet euch an die Intermediäre, Geht an die Wissenschaftler ran und wenn ihr Geld sucht, kommt zum HTGF, wir schauen uns alle Technologien in allen Verticals an. Prima. Vielen, vielen Dank für die spannende Diskussion und für die vielen Einsichten, neuen Einsichten auch für mich. Bei Ihnen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, möchte ich mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Südbadisches Staatsabs mögen vielleicht nicht so bekannt sein wie der SC oder wie südbadische Gaststätten und Hotels mit Michelin-Stern. Sie sind aber zentral für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Das sollte man nicht vergessen und ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag.