Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Verteidigung und Klimawandel: Die Flammen lodern, wo Frankreich Raketen baut
Transcript
- 0:06Es ist Donnerstag, der 30. Juli. Hallo und herzlich Willkommen zum Stern-Podcast
- 0:10Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:15Think Tank European Policy Center.
- 0:16Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gassel.
- 0:18Ich bin wie immer Steffen Gassel, diplomatischer Korrespondent des Stern.
- 0:21Nicht wie immer, nächste Woche ist Moritz Gartmann wieder da.
- 0:24Herr Mölling, dieser Podcast ist ja normalerweise nicht der Ort für die Beschäftigung
- 0:27mit Naturkatastrophen, Klimakrise und den Folgen und ähnlichen Dingen.
- 0:31Aber diese Woche überlappen diese Themen auf schon frappierende Weise mit den
- 0:35Fragen der europäischen Sicherheit, über die wir hier bei die Lage ja regelmäßig sprechen.
- 0:40Und zwar vor allem mit Blick auf die Lage in Frankreich. Dort toben seit Tagen
- 0:45dramatische Brände, vor allem in der Region nahe Bordeaux.
- 0:49Sicher haben auch viele Zuhörerinnen und Zuhörer die Bilder,
- 0:51evakuierte Anwohner und Urlauber gesehen und auch die Luftaufnahmen dieser besonderen
- 0:55Riesenwolken, die bei diesen Großfeiern entstehen.
- 0:59Was weniger bekannt ist, zumindest in Deutschland...
- 1:02Die Gegend, wo es dort gebrannt hat und noch immer weiter brennt,
- 1:06ist auch eine Art neuralgischer Zone für die französische Verteidigungs- und
- 1:11Raumfahrtindustrie und auch für die nukleare Abschreckung Frankreichs.
- 1:15Dort haben wichtige Rüstungsfirmen Niederlassungen, Armee und Staat unterhalten,
- 1:19Stützpunkte, Testgelände, solcherlei Dinge mehr.
- 1:23Herr Mölling, Sie sind Frankreich ja auch persönlich besonders verbunden.
- 1:26Vielleicht können Sie das mal ein bisschen aufziehen und mal erklären,
- 1:29was steht da alles, was für eine Bedeutung hat diese Region Gironde.
- 1:34Die ja in den Nachrichten jetzt Tag für Tag wegen der Feuer ist,
- 1:38für die Sicherheit Frankreichs?
- 1:40Ja, das ist in der Tat einer der traditionell dynamischsten Regionen hier,
- 1:46wo einfach viel Rüstung und Technologie gemacht wird.
- 1:49Zum Teil ist das eine Folge des Wiederaufbaus der französischen Industrie nach
- 1:54dem Ende des Zweiten Weltkrieges, weil man damals gesagt hat,
- 1:57so weit wie möglich weg von der deutschen Grenze.
- 1:59Und deswegen ist viel hier runtergekommen Richtung Gironde, das ist sozusagen der Bereich Bordeaux.
- 2:04Und von da aus letztendlich runter an der Atlantikküste bis Toulouse,
- 2:09Marseille. Toulouse ist ein großer Airbus-Standort und auch die Konzernzentrale.
- 2:15Das Interessante ist, dass es eine Wegbewegung ist vom politischen Frankreich.
- 2:19Frankreich ist eigentlich ein zentralistischer Staat und hier hat man tatsächlich aus.
- 2:26Diesen Gründen es gewagt, sich wegzubewegen, zumindest physisch wegzubewegen,
- 2:31vom Zentrum des Landes und hin in eine andere Richtung, ein Teil der klassischen
- 2:36anderen Industrie, zum Beispiel Autoindustrie.
- 2:39Ist immer noch da, wo die Schwerindustrie entstanden ist. Also von Frankreich
- 2:43aus quasi gesehen in Richtung Saarland. Das sind die Standorte,
- 2:45wo Lokomotiven und so hergestellt werden.
- 2:47Aber Rüstungsindustrie und Hightech ist viel im Süden Frankreichs und wird dort
- 2:51auch stark beworben. Das gehört mit dazu.
- 2:55Ich habe gelesen, unter anderem gibt es ein Werk der Ariane Group,
- 2:58wo auch Raketen mit Treibstoff befüllt werden, die Teil der Forst des Frapptern
- 3:02sind, die auf den nuklear bestückten U-Booten zum Einsatz kommen.
- 3:06Ist das jetzt eine Ebene, die in Frankreich stark diskutiert wird?
- 3:09Und im Zusammenhang mit diesen Bränden ist die Wahrnehmung da ganz klar,
- 3:13das ist einerseits eine humanitäre Katastrophe, aber das hat diese andere Dimension
- 3:17auch beschäftigt, dass die Franzosen sehr?
- 3:20Das tut es, weil, also erstens bekannt ist, wo ungefähr die Standorte sind und
- 3:25dass natürlich ein viel größeres.
- 3:28Bewusstsein oder ein Teil des allgemeinen Bewusstseins ist, was die Regionen
- 3:32Gironde und Südlicher für Frankreichs Rüstungsindustrie bedeutet und die Rüstungsindustrie
- 3:36selber positiv angesehen ist.
- 3:38Ich glaube, was man daraus aber sozusagen sehen kann, ableiten kann,
- 3:41sind im Grunde genommen so drei unterschiedliche Dinge.
- 3:44Das eine ist, neben der historischen Dimension ist, dass Frankreich zurzeit
- 3:48große Anstrengungen unternehmen muss, überhaupt die Manpower zusammenzubringen.
- 3:52Das heißt also, dieses Thema auf der einen Seite verteidigungsfähig zu sein,
- 3:57auf der anderen Seite aber Naturkatastrophen bewältigen zu können,
- 4:01ist tatsächlich eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.
- 4:04Hier ist es in Frankreich so, dass die Bauern teilweise, nicht nur teilweise,
- 4:08sondern in großen Maßen mithelfen, das Feuer zu bekämpfen, indem sie Wasser transportieren.
- 4:13Hat auch den anderen Hintergrund, Frankreich ist nicht nur eine Agrarregion,
- 4:16sondern Bordeaux ist eine Weinregion. Wenn das Feuer auf die Weinregion überschwappen
- 4:22würde, in großem Maße, dann würde das hier dramatische Folgen haben.
- 4:25Also das können sich vielleicht einige noch vorstellen.
- 4:29Der andere Hintergrund, und das finde ich eigentlich so den wichtigsten Punkt.
- 4:34Den man daraus mitnehmen kann, ist, dass das Thema Klimawandel als Sicherheitsthema,
- 4:41mit Macht auf die Agenda zurückkommt. Also das ist ja nicht der einzige Brand,
- 4:44den wir haben. Wir haben zurzeit Spanien.
- 4:47Wir haben, wenn ich das richtig sehe, in Polen einige Brände.
- 4:50Es gibt auch in Deutschland die Vorbereitung darauf, dass das passiert oder
- 4:53es gibt schon lokale Brände.
- 4:55Klima ist dann nicht nur eine zusätzliche Belastung oder Folgen des Klimawandels
- 5:00sind nicht nur eine zusätzliche Belastung, sondern sie verändern tatsächlich
- 5:03auch in gewisser Art und Weise das Rational, wie man damit umgehen muss.
- 5:08Es ist nicht peripher, sondern es ist auf einmal was, was wieder zurück ist,
- 5:11bis hin zu der Tatsache, dass eben trockengelegte Flüsse oder austrocknende
- 5:15Flüsse, auch das hat man in Frankreich, aber auch in Deutschland.
- 5:19Natürlich militärisch ganz anders zu bewerten sind mit Blick auf die Frage,
- 5:23wie überquere ich diesen Fluss denn?
- 5:25Auf einmal macht es einen Unterschied, ob es Sommer oder Winter ist,
- 5:27wie ich diesen Fluss überwinde.
- 5:29Und Rhein und Donau haben zurzeit Niedrigwasser, wahrscheinlich schon mit historischen Tiefständen.
- 5:35Alles das beeinflusst natürlich auch viele dieser Erwägungen,
- 5:40wie Militär mit Klimawandel umgeht, bis hin zur Frage der Infrastrukturen.
- 5:44Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist das auch für viele der NATO-Militär
- 5:49schon ein Thema, mit dem die sich auseinandersetzen, besonders für die Amerikaner.
- 5:53Was treibt die US-Streitkräfte mit Blick auf Klimawandel um?
- 5:56Ja, das ist ganz witzig. Die derzeitige Administration versucht ja sozusagen
- 6:01die Diskussion um den Klimawandel 180 Grad zu drehen.
- 6:03In Deutschland haben wir teilweise auch diese Diskussion, dass man das Thema,
- 6:07Klima sozusagen von der Agenda gestrichen hat, mit Euphemismen ersetzt hat und
- 6:12deswegen ist diese Rückkehr, oder das heißt, der Klimawandel war nie weg,
- 6:15ist bloß versucht worden, von der Agenda zu streichen.
- 6:17Die Amerikaner wissen relativ genau eigentlich, zumindest das amerikanische
- 6:20Militär, welche Folgen der Klimawandel hat.
- 6:22Es gibt in den amerikanischen Basen vielfach den Effekt der Versandung und den
- 6:28kennen die schon ganz lange.
- 6:29Das heißt also durch das Austrocknen der Böden versanden die Militärbasen immer weiter und weiter.
- 6:34Und deswegen ist der Schutz gegen Effekte des Klimawandels oder sogar das Aufhalten
- 6:38des Klimawandels oder das Abmildern der Effekte eigentlich eine zentrale Agenda,
- 6:43des US-Militärs aus Eigeninteresse heraus.
- 6:46Dazu kommt dann auch noch, dass die Amerikaner aufgrund ihrer globalen militärischen
- 6:50Aktivitäten auch einer das Militär ist, das am meisten zum Klimawandel mit beiträgt.
- 6:55Aber das ist, glaube ich, nicht der wichtige Aspekt. Der wichtige Aspekt ist.
- 6:59Militäranlagen selber, egal ob sie sich bewegen oder nicht sozusagen,
- 7:03egal ob sie auf einem anderen Kontinent sind oder nicht, sind vom Klimawandel
- 7:07betroffen und müssen eigentlich...
- 7:09In besonderer Art und Weise geschützt werden, weil sie eben dazu da sind,
- 7:14ihre Nation zu schützen. Wenn die Militärbasen nicht mehr da sind,
- 7:17fällt ihnen ein wesentlicher Teil des anderen Schutzes im Grunde genommen weg.
- 7:21Und das können sie noch hundertmal verneinen, aber so kommt halt das ganze Klimathema
- 7:26letztendlich wieder zurück.
- 7:27Und das wird in Deutschland genauso sein, wenn sie in Richtung Glausitz gucken,
- 7:30wo wir darüber diskutieren, ob wir irgendwo in der Gegend noch mehr Rüstungsindustrie
- 7:35aufbauen, dann ist das natürlich automatisch ein Thema.
- 7:38Das heißt, da gucken wir, glaube ich, in eine Veränderung rein,
- 7:42wo sich dann auch Sicherheitsstandards für Rüstung, aber auch für Militärinfrastruktur
- 7:48sich möglicherweise in den nächsten Jahren verändern werden.
- 7:51Und diese versandenden US-Stützpunkte, das sind keine irgendwo im ohnehin sandigen
- 7:56Nahen Osten, sondern die sind in den USA selber.
- 7:58Genau, das ist sozusagen Homeland. Die USA hat ja eine große Wüstenregion,
- 8:04das ist also im Prinzip nicht unbekannt, dieser Effekt, aber er ist politisch unbeliebt.
- 8:09Kommen wir mal zurück zu den etwas klassischeren Themen, wenn man so will,
- 8:12bei die Lage, die Nachricht der Woche war für mich gewissermaßen oder die bizarre
- 8:17Nachricht der Woche, dass Fischstäbchen.
- 8:21Weiter in der EU aus russischem Kabeljau gemacht werden können.
- 8:24Das wurde bekannt im Zusammenhang mit dem 21. Sanktionspaket gegen Russland,
- 8:28was jetzt verabschiedet worden ist und das strotzt offenbar vor Ausnahmen.
- 8:33Eine griechische Reederei hat durchgesetzt, dass weiter Flüssiggas aus Russland
- 8:37in die EU eingeführt werden darf.
- 8:39Klammer auf, interessanterweise ist das genau die Reederei, Dynacom heißt die, die Anfang Juli,
- 8:45mehrere Tanker so quasi zum Test durch die Straße von Hormuz geschickt hat,
- 8:49die dann auch direkt beschossen worden sind, was diesen jüngsten zweiböchigen
- 8:52Eskalationszyklus dann sozusagen mitgetriggert hat.
- 8:56Aber weiter zurück zu dem Sanktionspaket. Deutschland hat im Gespann mit Portugal
- 9:00eben dieses Kabeljau-Embargo, was wohl geplant war, verhindert.
- 9:04Frankreich und Italien haben dafür gesorgt, dass ein geplantes Einreiseverbot
- 9:08für russische Soldaten erstmal doch nicht kommt.
- 9:10Und Bulgarien hat Patriarch Kirill, also den Patriarchen der russisch-orthodoxen
- 9:16Kirche, und einen weiteren Oligarchen von der Sanktionsliste runterbekommen.
- 9:20Überrascht Sie das alles, Herr Mölling?
- 9:21Also in der Vielzahl schon. Es klingt so, und ich finde es gut,
- 9:26dass die das so aufziehen, es klingt so wie so eine Art Durchatmen.
- 9:29Jeder darf mal seinen Wunsch äußern, wie er das ganz gerne ändern möchte.
- 9:33Und man weiß gar nicht, was dramatischer ist.
- 9:36Also der Kabeljau der Fischstäbchen Oder aber, dass, naja, wenn Sie so wollen.
- 9:43Religiöse Kriegsbefürworter irgendwo auch sozusagen sich wieder freier bewegen können.
- 9:49Es ist insgesamt ein wichtiger Hinweis, dass Orban eben tatsächlich vielen die
- 9:56Möglichkeit gegeben hat, sich hinter ihm zu verstecken.
- 9:59Also Orban sozusagen als Personifizierung des Sanktionsbrechers oder Sanktionsverhinderers.
- 10:07Wir wussten, dass das so ist, dass viele sich dahinter verstecken.
- 10:10Solche Dynamiken hat es in der EU immer mal wieder gegeben, dass man dann nicht
- 10:14die Hand heben muss, wenn sozusagen das schwarze Schaf schon die Hand gehoben hat.
- 10:18Aber jetzt wird es halt sichtbar. Und besonders bitter natürlich auch,
- 10:21dass Deutschland dann daran beteiligt ist,
- 10:23weil offensichtlich weiterhin, ich übertreibe jetzt mal auf deutschen Küchentischen,
- 10:29das Fischstäbchen mit dem gekühlten Spinat weiterhin sein soll und dem,
- 10:33ich weiß nicht, was sie dazu essen, Kartoffelbrei oder so.
- 10:36Ja, es klingt vor allen Dingen wie ein Paket von Ausnahmen.
- 10:39Herr Mölling-Bleitimer, Putin hat vergangenen Sonntag eine Rede gehalten vor
- 10:43russischen Marineangehörigen und hat fast so beiläufig im Rahmen dieser Rede
- 10:49die Kriegsziele in der Ukraine offiziell erweitert.
- 10:53Er will jetzt nicht mehr nur die bisher von Russland offiziell annektierten
- 10:57Gebiete erobern, sondern alle ukrainischen Gebiete östlich des Dnieper.
- 11:02Das ist sozusagen der große Fluss, der das Land, wenn man so will,
- 11:04in zwei Drittel westlich, ein Drittel östlich, ganz grob teilt.
- 11:09Und der Rest, also westlich, der wird nach Putins Meinung früher oder später
- 11:13sowieso zerfallen und dann unter den Nachbarstaaten Polen, Ungarn,
- 11:17Rumänien großteils aufgeteilt werden.
- 11:19Herr Merling, ist das aus Ihrer Sicht sozusagen Kreml-Propaganda as usual oder
- 11:23kommt so ein Statement gerade jetzt nicht aus Zufall?
- 11:27Also ich glaube nicht, dass es aus Zufall kommt. Ich würde es interpretieren,
- 11:31als ein, okay, hier versucht man nochmal einen oben drauf zu setzen,
- 11:34es läuft gerade wirklich überhaupt nicht schlecht und man versucht im Grunde
- 11:37genommen das Gegenteil zu kolportieren.
- 11:40Dass man ja eigentlich kurz vorm Erreichen der Kriegsziele ist und deswegen
- 11:43noch einen oben drauf setzen kann und das Ganze jetzt schon quasi rhetorisch ausweitet.
- 11:47Aber es ist, glaube ich, keine klassische Kreml-Propaganda, die da drin ist, sondern es ist eine...
- 11:51Naja, ein eigentlich diktatorisches Regime, das glaubt nur noch so,
- 11:56weiter vorankommen zu können und damit zu versuchen, noch stärker gegen die
- 12:01Realität, die ja auch aus,
- 12:03Russland nicht wegzudrängen ist, anzuarbeiten, spätestens seitdem die Drohnen in Moskau einschlagen.
- 12:09In der Ukraine selbst hat es zuletzt heftig Rumor. Zelensky,
- 12:13darüber sprachen wir ja vergangene Woche, hat den Verteidigungsminister und
- 12:16den Generalstabschef entlassen.
- 12:19Noch nicht gesprochen hatten wir über den neuen Mann an der Spitze der Armee,
- 12:23Michailo Drapati. Ich hoffe, ich habe den Namen einigermaßen richtig ausgesprochen.
- 12:27Der ist ja im Westen relativ unbekannt bisher. Es kursiert jetzt so ein Video,
- 12:32was vielleicht schon einige gesehen haben von 2014, was zeigt,
- 12:35wie er mit einem Panzer durch eine Blockade von pro-russischen Separatisten
- 12:40in Mariupol durchfährt.
- 12:42Das sieht ziemlich spektakulär aus. Herr Mölling, was wissen Sie über den Mann?
- 12:45Was ist von dem zu halten?
- 12:47Wird er anders Krieg führen als sein Vorgänger? Ich glaube, dass ein Video aus 2014.
- 12:53Mehr als zehn Jahren später, nicht viel über die Menschen sagt.
- 12:56Denn ich meine, dieses Land ist halt schon so lange im Krieg und es verändert
- 12:59natürlich auch Menschen. Also wie verändern sich Menschen in so einem Dauerzustand?
- 13:05Deswegen würde ich sozusagen über die Küchenpsychologie, würde ich,
- 13:08glaube ich, beiseite lassen.
- 13:09Wir sehen, dass das, was er jetzt macht, eine klassisch professionelle Geschichte
- 13:13ist. Also er hat jetzt angekündigt, einen Audit, also eine Überprüfung der Streitkräfte
- 13:19zu machen. Das ist was, wo sie zeigen, ich kümmere mich um die Leute.
- 13:23Das ist ein wichtiges Thema in der Ukraine. Und ich versuche,
- 13:26einen anderen Akzent zu setzen als mein Vorgänger. Und ich glaube insgesamt.
- 13:30Das sieht man zumindest in der Art und Weise, wie wir im Westen darüber berichten.
- 13:34Ich glaube, so muss man es immer noch mitbringen.
- 13:36Dass das schon was ist, wo man versucht, eine Normalisierung wieder hinzukriegen.
- 13:41Selenskyj, der ja doch ziemlich angefasst worden ist durch die Situation,
- 13:45die er offensichtlich falsch eingeschätzt hat, versucht hier wieder Normalität
- 13:49in den Betrieb reinzukriegen, weil es immer noch ein Land im Krieg ist.
- 13:53Der Vorgänger von Drapati, Sirsky, mit Nachnamen, war ja extrem unbeliebt.
- 14:00Da gab es ja richtig Straßendemonstrationen, die dessen Entlassung forderten.
- 14:04Und diesen Forderungen ist der Selensky dann letztlich nachbekommen.
- 14:07In einigen Kreisen hatte er wohl den Beinamen der Schlechter,
- 14:10weil er im Ruf stand, mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste,
- 14:14im Zweifel die eigenen Truppen in,
- 14:16nicht besonders aussichtsreiche Gefechte zu schicken.
- 14:19Ob jetzt in Wachmut, ob während dieser Episode, als die ukrainische Armee auch
- 14:24mal auf russisches Gebiet vorgerückt war für einige Monate, erinnern sich sicher viele dran.
- 14:29Ist das auch ein Zeichen, dass nach viereinhalb Jahren Krieg in der Ukraine
- 14:33bestimmte Verluste und bestimmte Art von Umgang mit der eigenen Truppe einfach
- 14:39nicht mehr mehrheitsfähig sind und auch.
- 14:41Die Befehlsgewalt selbst von einem Armeechef dann an solchen Dingen ihre Grenzen findet?
- 14:47Ich glaube, man muss es ein bisschen anders einsortieren. Wir haben mit Zirsky
- 14:51jemanden gehabt, also dem vorherigen Armeechef, der halt noch in der Sowjetarmee
- 14:57ausgebildet worden ist. Der ist in Moskau quasi ausgebildet worden.
- 15:01Und das heißt, der spiegelt, wenn man so will, alles Schlechte,
- 15:04was wir ja auch auf der russischen Seite sehen. Also mangelnder Respekt für
- 15:08Menschenleben etc. etc.
- 15:10Das ist, glaube ich, der Punkt. Und wir sehen hier, dass es die Möglichkeit
- 15:15des Generationswechsels gibt.
- 15:16Also man muss sich vorstellen, nach Ende, nachdem die Ukraine es geschafft hatte,
- 15:20die ersten drei Tage zu überleben, klar war, man muss jetzt sozusagen eine Militärstruktur
- 15:25aufbauen, hatte man keine andere Wahl oder man sah keine andere Wahl,
- 15:29als die alten pensionierten Obristen und Generäle zurückzuholen.
- 15:33Das hat man gemacht und damit hat man sich quasi ein Problem reingeholt.
- 15:36Ob man das damals gewusst hat oder nicht, kann ich nicht sagen.
- 15:39Aber es ist klar, sie holen sich damit eine alte Denke zurück.
- 15:42Auch da kann man sagen, die Ukraine war, so wie wir das vielleicht auch wären,
- 15:45konservativ getrieben.
- 15:46Also wir fragen ja auch heute ehemalige Generäle und Ubristen,
- 15:50die 70 oder 80 Jahre alt sind, wie denn die Bundeswehr heute ist,
- 15:54obwohl die davon keine Ahnung mehr haben. Also das ist auch so eine typische Reaktion.
- 15:59Jetzt haben wir eine Situation, in der ein relativ junger Chef der Armee da
- 16:04ist und seine Herausforderung wird sein, all diejenigen langsam aber sicher
- 16:08loszuwerden, die im alten Sowjetsystem natürlich noch kämpfen.
- 16:12Und das bringt natürlich nicht nur das Militärische mit sich,
- 16:15sondern auch einen Anteil an Korruption und Ineffizienz im ukrainischen System.
- 16:21Ich glaube, das weiß Zelensky, aber das weiß auch der neue Generalstaatschef.
- 16:24Interessant, da können wir ja dranbleiben und weiter auch hier bei Die Lage
- 16:28verfolgen, wie sich das jetzt unter dem neuen Armeeschiff entwickelt.
- 16:31Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mölling. Ich danke Ihnen.
- 16:34Das war die Lage international. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer,
- 16:37Hinweise, Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassel.de.
- 16:44Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und
- 16:48überall sonst, wo Sie gern Podcasts hören.
- 16:50Dann mit Christian Wölling und Moritz Gartmann. Danke für Ihr Interesse und
- 16:54bis bald. Bis zum nächsten Mal.