Latest / ntv Wirtschaft / Vor den US-Zwischenwahlen: "Donald Trumps Politik ist das größte Risiko für die Wirtschaft"
Transcript
- 0:04Die US-Börsen feiern Rekorde. Doch viele Amerikaner leiden unter hohen Preisen.
- 0:10Kurz vor den Zwischenwahlen könnte das für Trump zum Problem werden.
- 0:14In Deutschland meldet die Baubranche den größten Auftragsschub seit 35 Jahren.
- 0:19Bei Volkswagen droht dagegen der nächste Konflikt mit der Gewerkschaft.
- 0:24Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme
- 0:29journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:36Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:40Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:45geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:52In knapp zwei Wochen wählen die Amerikaner einen neuen Kongress.
- 0:56Und für Donald Trump steht einiges auf dem Spiel.
- 1:00Denn während die Börsen von Rekord zu Rekord eilen, kämpfen viele Amerikaner
- 1:04mit hohen Preisen und steigenden Lebenshaltungskosten.
- 1:08Die Wirtschaft wächst zwar, aber bei vielen Menschen kommt davon wenig an.
- 1:13Besonders hart trifft es die Landwirte.
- 1:15Denn die Kosten für Diesel, Dünger und Arbeitskräfte steigen.
- 1:20Trump verspricht deshalb Hilfen von 8 Milliarden Dollar. Kurz vor den Wahlen
- 1:24natürlich auch ein wichtiges politisches Signal.
- 1:28Aber wie gut geht es der amerikanischen Wirtschaft tatsächlich?
- 1:32Darüber hat Frank Mayer mit Christian Schermann gesprochen. US-Volkswirt bei DWS.
- 1:37Herr Schermann, wenn der Trump den Krieg nicht angefangen hätte,
- 1:40wäre es vielleicht nicht so schlimm mit seinen Umfragen, oder?
- 1:43Das könnte sein. Höhere Ölpreise, höhere Lebenshaltungskosten sind ein Riesenthema
- 1:47in den kommenden Midterm Elections. Und sicherlich auch ein entscheidender Faktor.
- 1:52Und wenn man den Umfragewerten Glauben schenken mag, dann sieht es für die Demokraten
- 1:56ja gar nicht so schlecht aus.
- 1:57Und das winkt ja noch mit Geld. Wenn er mich wählt, bekommt ihr Geld.
- 2:005.000 Dollar oder wie viel.
- 2:02Ich würde sowas Wahlbestechung nennen. Wie nennen Sie das? Das nenne ich einen
- 2:05Versuch, die Aufmerksamkeit deutlich zu erregen.
- 2:08Aber da wird das sicherlich von der Haushaltssituation her in irgendwelche Engpässe laufen.
- 2:14Ich glaube nicht, dass das finanzieren kann. Aber die anderen werden wieder
- 2:17sagen, guck mal, der Trump hat die Börsen hier nach oben gejetzt.
- 2:21Selbst dabei viel Geld verdient. Aber mit der Wirtschaft geht es eigentlich
- 2:25nicht schlecht, könnte man meinen.
- 2:26Ja, es ist hauptsächlich die künstliche Intelligenz,
- 2:29die in 1926 dann das Wirtschaftswachstum auch angetrieben hat.
- 2:32Der Konsument ist noch da, aber wie gesagt, höhere Preise, die setzen da auch
- 2:36Limits. Deswegen glauben wir, wenn der Konsument weiter unter diesen hohen Preisen
- 2:41dann leiden wird, dass das Wachstum sich dann in den nächsten ein bis zwei Jahren
- 2:44auch dementsprechend abschwächen sollte.
- 2:47Wenn die Demokraten an die Macht kommen, in Anführungszeichen,
- 2:50und einen Durchmarsch in den Kongress machen, ändert das viel?
- 2:54Wahrscheinlich nicht. Trump hat immer noch ein Vetorecht und um das zu übertrumpfen,
- 2:59braucht man eine Zweidrittelmehrheit. Also die Situation wird auf weitesten
- 3:03Blick erstmal so bleiben. Schönes Wortspiel, Trump übertrumpfen.
- 3:07Aber wenn man mal schaut, was er an,
- 3:09Geld geborgt hat, 40,3 Billionen US-Dollar. Der wollte ja Schulden zurückzahlen, Pustekuchen.
- 3:16Geht er mit 45 dann raus? Ja, es ist immer interessant, weil Haushaltsausgaben
- 3:22in Zeiten von Krisen sind sich eigentlich alle einig, dass man das Geld ausgeben
- 3:25muss. Und dann, wenn sich die Situation normalisiert, wacht man auf mit dem
- 3:29hohen Schuldenberg und fragt sich, was kann man denn hier tun?
- 3:31Früher war die Antwort, na ja, die Zentralbank könnte es richten.
- 3:34Aber mit einem neuen Federal Reserve-Chef Kevin Walsh, der deutlich gesagt hat,
- 3:38wir haben da weniger zu tun, schauen die Märkte natürlich deutlich Richtung
- 3:42Fiskalpolitik und damit auf den Finanzminister Bessend.
- 3:45Und der glänzt momentan nicht mit guten Ideen.
- 3:48Naja, Herr Scharmann, wenn man sich die Marktwächter, die Bondwächter anschaut,
- 3:52die sagen, hey, 40 Billionen, jetzt langsam reicht es mal bei Zinsen von über 5% im Zehnjährigen.
- 3:57Ganz genau, ganz genau. Das ist nämlich die große Bewegung, die wir gerade gesehen
- 4:01haben, als sich der Machtwechsel bei der Federal Reserve abgezeichnet hat.
- 4:04Der Markt hat gesagt, naja, jetzt brauchen wir da mal ein bisschen Impulse.
- 4:07Was können wir denn machen?
- 4:09Und im gleichen Zug hatten wir eben diese große, wunderschöne Legislation,
- 4:12die Big Beautiful Bill, die die Steuererleichterungen dann auch noch permanent
- 4:16gemacht hat. Hilft natürlich auch nicht.
- 4:18Und wenn man dann weiter in die Zukunft schaut mit Demokraten,
- 4:21die vielleicht dann sich dem entgegenstellen, dann könnte es haushaltstechnisch
- 4:24schon schwierig werden. Und da erwarten wir dann in 27 auf die ein oder anderen Volatilitäten.
- 4:29Schuldenobergrenze wird ein Thema sein. Government Shutdown,
- 4:32das Schließen der Ausgaben. Ach, das ist doch nur Spaß.
- 4:35Ja, das macht Spaß. Vor allem dann, wenn man darüber verhandeln muss.
- 4:39Und dann schaut man, dass der Dollar steigt und steigt und steigt.
- 4:41Trotz der Probleme. Ist der Dollar so gut oder sind wir alle so schlecht?
- 4:44Naja, momentan würden wir sagen, dass es eher die relative Schwäche des Euro
- 4:47ist, wenn wir Richtung Frankreich schauen. Es ist bestimmt der Dollar ein bisschen
- 4:50teuer, aber weit weg sind wir da auch nicht. Das ist jetzt eine Bewegung,
- 4:53die auch von der anderen Seite getrieben ist. Wie alt ist der Trump jetzt?
- 4:56Über 80? Fast 80? Ja, nochmal so...
- 5:00Naja, inwieweit nimmt man den in der Welt ernst? Er hat den Militär,
- 5:03hat den Dollar, er hat eigentlich alle mögliche Gewalt, vor allem der Wortgewalt,
- 5:07aber das reicht vielleicht nicht für die letzten zwei Jahre?
- 5:10Naja, ich würde sagen, das große Learning, wie man so schön sagt,
- 5:14in den letzten Jahren war, dass er sehr laut poltert, viel versuchte direkt
- 5:19zu beeinflussen mit durchaus mäßigem Erfolg.
- 5:22Und wenn wir jetzt einen Kongress bekommen, der demokratisch wird und er sich
- 5:26dem auch nicht mehr bedienen kann, er hat ja sowieso nur ein großes Gesetz verabschiedet,
- 5:29der hat ja immer alles auf direktem Wege gemacht, würde ich schon behaupten,
- 5:32dass der Hochpunkt seiner Macht hinter ihm liegt.
- 5:34Ob das so ist und wie es vor den Zwischenwahlen um die US-Wirtschaft steht,
- 5:39darüber hat Nancy Lanzendörfer mit Sandra Navidi von Beyond Global gesprochen.
- 5:45Schön, dass Sie da sind. Elf Tage, der Countdown läuft bis zu den Midterms.
- 5:50Fällt das jetzt Trump auf die Füße. Also färbt diese Unzufriedenheit mit Donald
- 5:54Trump die hohen Kosten auf seine Parteikollegen, die einen US-Kongress ziehen wollen etwa, ab.
- 6:02Ja, das größte Risiko für die US-Wirtschaft ist Donald Trumps Politik.
- 6:08Das zeichnet sich nieder bei seinem Wahlvolk. 80 Prozent der Bevölkerung sind
- 6:14mit seinem Kurs nicht einverstanden.
- 6:17Die Verbraucherstimmung ist auf einem Rekordniedrigststand.
- 6:22Das färbt auch ab auf andere Parteikollegen in den einzelnen Bundesländern.
- 6:28Da nimmt die Zustimmung auch ab.
- 6:30Wir sehen, dass zunehmend mehr Republikaner sich distanzieren von Donald Trump.
- 6:36Donald Trump im Gegensatz dazu sagt bei den Fallveranstaltungen immer noch,
- 6:40Leute, stellt euch vor, als ob ich auf dem Wahlzettel stünde.
- 6:44Es sind ja Midterms, da geht es nicht um den Präsidenten. Aber er verengt das auf sich.
- 6:49Das ist den Kandidaten gar nicht recht. Und wir sehen, dass die Zustimmung immer mehr nachlässt.
- 6:55Helfen Sie uns, die US-Wirtschaft noch mal ganz genau einzuordnen.
- 6:58Also niedrige Arbeitslosenquote, aber auch geringes Lohnwachstum,
- 7:02steigende Aktienmärkte, aber auch steigende Inflation.
- 7:08Ja, insgesamt ist wichtig zu beachten, dass der Arbeitsmarkt an Dynamik verliert.
- 7:13Ja, es finden jetzt keine Massenentlassungen statt, das stimmt,
- 7:17aber die Zahlen sind doch extrem moderat. Gerade sind die Zahlen für 2025 um
- 7:2390 Prozent korrigiert worden.
- 7:25Das ist unglaublich. Zwar werden diese Zahlen routinemäßig, auch unter der beiden Regierungen.
- 7:30Die müssen im Nachhinein immer wieder angepasst werden, weil man nicht alle
- 7:33Daten zu dem Messzeitpunkt an der Hand hat. Aber 90 Prozent,
- 7:37das heißt, das Arbeitsplatzwachstum war letztes Jahr schon deutlich niedriger, als bisher bekannt war.
- 7:44Die Zölle, der Irankrieg, die steigenden Zinsen, all das drückt auf das Wachstum.
- 7:49Deswegen Donald Trumps Politik ist das größte Risiko für die Wirtschaft hier.
- 7:55Und die Menschen verstehen das schon, bekommen das mit. Sie merken es ja jeden
- 7:59Tag in ihrem Geldbeutel.
- 8:01Jetzt haben Sie schon einige Punkte angesprochen, wie beispielsweise die Zölle.
- 8:05Ich wollte Sie ohnehin fragen, welche Maßnahmen von Donald Trumps Regierung
- 8:08haben denn der Wirtschaft bzw. den Bürgern vor allem geschadet,
- 8:11welche aber vielleicht auch geholfen?
- 8:16Die Zölle haben geschadet, das hat man gesehen, wobei sie nicht so stark geschadet
- 8:21hat und vor allen Dingen mit Verzug eingetreten ist. Aber diese Schäden sind
- 8:25völlig überlagert worden von dem Iran-Krieg.
- 8:28Wir sehen, seitdem dieser Krieg besteht, sind die Dieselpreise über 60 Prozent
- 8:33angestiegen. Das hat sich in alle anderen möglichen Lebensbereiche übersetzt wie Lebensmittel.
- 8:39Das heißt, plus die anderen Preissteigerungen, die schon seit Covid gewesen
- 8:43sind, zum Beispiel Mieten sind um 33 Prozent gestiegen, die Lebensmittelpreise um 35 Prozent.
- 8:50Wir sehen, dass immer mehr Leute ihre Kreditkartenschulden nicht begleichen
- 8:53können und vor allen Dingen auch, dass immer mehr Menschen ihre Kreditkarten
- 8:57für essentielle Dinge des täglichen Lebens brauchen. Also wie Lebensmittel, keine Luxusgüter.
- 9:03Das heißt, sie haben immer weniger Wahl, sie können immer weniger Geld ausgeben
- 9:08und es wird einfach finanziell enger für sie, bis gar kein Spielraum mehr da ist.
- 9:14Sollten denn oder sollten die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des
- 9:18US-Kongresses für sich beanspruchen?
- 9:21Was könnten die denn dann überhaupt ändern?
- 9:26Ja, es wird keine Grundumkehr geben können, weil die Mehrheiten dazu zu klein
- 9:32sind. Aber sie können als Bremse funktionieren.
- 9:35Sie können versuchen, den schlimmsten Schaden abzuwenden durch Gesetze beispielsweise.
- 9:43Aber sie sind in ihrer Handlungsmacht begrenzt, weil zum Beispiel bei Gesetzen
- 9:47kann Präsident Trump sein Veto einlegen.
- 9:49Er kann immer noch Dekrete erlassen.
- 9:52Also hoffen wir mal, dass sie ihn einhegen können.
- 9:56Wenn er sich denn daran hält. Aber insgesamt dieser Kurs, den er eingeschlagen
- 10:01hat, das ist wie ein Riesentanker.
- 10:03Da kann man jetzt nicht plötzlich das Ruder umdrehen. Die Schäden,
- 10:07die verursacht sind, sind Schäden, die sich noch auf Jahre abzeichnen werden.
- 10:12Wie große Sorgen machen Sie sich denn um das hohe US-Defizit?
- 10:19Sehr große Sorgen. Es ist auch nicht klar, wann ein Kipppunkt kommt,
- 10:23weil es keinen Präzedenzfall dafür gibt. Das Congressional Budget Office hat
- 10:27dies nochmal bestätigt.
- 10:28Wir wissen auch nicht, wann die Schuldenlast nicht mehr tragbar ist.
- 10:31Aber was feststeht, ist, dass Donald Trump keine Wirtschaftspolitik fährt,
- 10:36wo irgendwo eingespart wird, außer am untersten Ende bei Sozialabgaben,
- 10:41Krankenversicherungen.
- 10:42Das heißt, die Zinslast wird zwingend steigen und das Geld fehlt natürlich auch
- 10:48für Investitionen im Inland, zum Beispiel für Infrastruktur und um die USA zukunftsfähig zu machen.
- 10:55Das heißt, diese Schuldenlast wird zu einem immer größeren Problem.
- 10:59Während viele Amerikaner unter hohen Kosten leiden, gibt es aus der deutschen
- 11:03Wirtschaft eine gute Nachricht.
- 11:06In der Bauwirtschaft steigen die Aufträge im August gegenüber dem Vormonat um satte 23 Prozent.
- 11:13Das ist der stärkste saisonbereinigte Anstieg seit Beginn der Statistik 1991.
- 11:19Vor allem der Tiefbau profitiert von großen Projekten, etwa beim Straßenbau.
- 11:24Aber auch im Wohnungsbau zieht die Nachfrage an. Die Branche spricht bereits von Licht am Horizont.
- 11:31Allerdings dauert es noch, bis aus den neuen Aufträgen tatsächlich mehr Umsatz entsteht.
- 11:36Vor allem für das kommende Jahr macht der Auftragsschub aber Hoffnung.
- 11:40Während die Baubranche auf bessere Zeiten hofft, verschärft sich bei Volkswagen die Krise.
- 11:45Der Konzern will Milliarden sparen und sitzt deshalb erneut mit der IG Metall
- 11:50und dem Betriebsrat am Tisch.
- 11:52Im Mittelpunkt steht der Zukunftstarifvertrag von 2024.
- 11:57Damals versprach VW, auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.
- 12:03Im Gegenzug akzeptierten die Beschäftigten Einschnitte und den Abbau von 35.000 Stellen.
- 12:09Doch inzwischen plant Volkswagen weitere Einsparungen. Spätestens Anfang Dezember
- 12:14beginnen die Tarifgespräche.
- 12:16Ab Januar drohen dann auch Streiks. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten
- 12:21aus der Wirtschaft für den Moment.
- 12:23Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.