Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 3 - Gespräch mit den Königen
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:05Unterkapitel 3 Gespräch mit den Königen Zarathustra war noch
- 0:12keine Stunde in seiner einsamen Bergwelt unterwegs, als er
- 0:15plötzlich einen seltsamen Aufzug sah, genau auf dem Weg, den er
- 0:19hinabgehen wollte, kamen ihm 2 Könige entgegen, sie waren mit
- 0:23Kronen und purpurroten Gürteln geschmückt und sahen in ihrer
- 0:26bunten Kleidung aus wie Flamingos.
- 0:28Vor sich her trieben sie einen schwer beladenen Esel.
- 0:32Zarathustra war sehr erstaunt über diesen Anblick und dachte
- 0:35sich, das ist aber seltsam. Wie passt das denn zusammen?
- 0:39Ich sehe hier 2 Könige, aber nur einen einzigen Esel, um nicht
- 0:44sofort entdeckt zu werden, versteckte er sich schnell
- 0:46hinter einem Busch, als die Könige näher kamen, sprach
- 0:50Zarathustra leise vor sich hin wie jemand, der nur mit sich
- 0:54selbst redet und wiederholte seine Verwunderung über die 2
- 0:57Könige. Und den einen Esel.
- 1:00Die beiden Könige hörten das, blieben stehen, lächelten und
- 1:04schauten in die Richtung, aus der die Stimme kam.
- 1:07Dann sahen sie sich gegenseitig an, der König, der auf der
- 1:11rechten Seite ging, sagte, dass man so etwas zwar vielleicht
- 1:14denke, aber man spreche es eigentlich nicht laut aus, der
- 1:19König auf der linken Seite zuckte nur mit den Schultern, er
- 1:22vermutete, dass die Stimme von einem einfachen Ziegenhirten
- 1:25stammen müsse. Oder vielleicht von einem
- 1:28Einsiedler, der schon viel zu lange allein unter Steinen und
- 1:31Bäumen lebe. Er fügte hinzu, dass es die
- 1:34guten Sitten vollkommen verderbe, wenn man gar keine
- 1:37Gesellschaft mehr habe, bei diesen Worten wurde der andere
- 1:40König, der König, zur rechten unwillig und bitter, er fragte
- 1:45wütend, wem sie denn eigentlich aus dem weggegangen seien und
- 1:49vor wem sie geflohen seien, er sagte.
- 1:52Sie seien doch genau vor diesen sogenannten guten Sitten und der
- 1:55guten Gesellschaft geflohen. Ihm sei es lieber, unter
- 1:59Ziegenhirten und Einsiedlern zu leben als in der falschen,
- 2:02Überschminkten und oberflächlichen Welt der
- 2:05normalen Menschen. Nietzsche verwendet hier den
- 2:08Begriff Pöbel, damit meint er nicht einfach nur arme Leute
- 2:12oder die Unterschicht. Für Nietzsche ist der Pöbel die
- 2:15unreflektierte Masse der Menschen, egal ob reich oder
- 2:18arm. Es sind die Menschen, die keinen
- 2:21eigenen Willen zur Größe haben, die nur nach Bequemlichkeit,
- 2:24Geld und oberflächlichem Status streben und keine tiefere
- 2:28geistige oder seelische Kultur besitzen.
- 2:31Der König erklärte weiter, dass in dieser modernen Gesellschaft
- 2:34alles falsch und faul geworden sei.
- 2:37Er lobte stattdessen den einfachen, groben, listigen und
- 2:41hartnäckigen Bauern, der Bauer sei heutzutage noch die
- 2:44vornehmste und gesündeste Art von Mensch, weil er noch echt
- 2:47sei. Die Bauern sollten eigentlich
- 2:49die Herrscher sein, die jetzige Gesellschaftsordnung sei nur
- 2:53noch ein Reich des Pöbels, also der Masse, und er lasse sich
- 2:57nichts mehr vormachen. Er nannte diese Gesellschaft
- 3:00einen Mischmasch, in dem alles wahllos durcheinander geworfen
- 3:03werde, angebliche heilige, Betrüger, Adlige und einfache
- 3:08Leute, niemand wisse mehr, wen man wirklich ehren und
- 3:11respektieren solle, und genau davor seien sie, die Könige,
- 3:15davongelaufen. Sie ertrugen es nicht mehr, in
- 3:19einer Welt zu leben, in der die oberflächlichen und
- 3:21aufdringlichen Menschen das Sagen haben und die wahren Werte
- 3:24durch Geld, das Gold der Krämer ersetzt wurden.
- 3:28Der König spürte einen tiefen Ekel davor, dass sogar sie als
- 3:32Könige selbst falsch geworden seien, sie hätten sich hinter
- 3:35dem alten Prunk ihrer Großväter versteckt und seien nur noch wie
- 3:39Schauobjekte für die dümmsten, aber gerissensten Leute der
- 3:42heutigen Zeit gewesen, die mit der Macht Handel treiben.
- 3:46Da sie erkannten, dass sie nicht mehr die wahren Ersten und
- 3:48besten seien, seien sie dieser Betrügerei überdrüssig geworden.
- 3:53Sie wollten nicht mehr die ersten unter einem wertlosen
- 3:55Pöbel sein, als Zarathustra diese ehrlichen und wütenden
- 3:59Worte hörte, sperrte er Augen und Ohren weit auf, er erhob
- 4:03sich aus seinem Versteck, trat auf die Könige zu und stellte
- 4:07sich vor. Er sagte, er sei Zarathustra, er
- 4:11gab zu, dass er früher oft gesagt habe, was kümmern ihn
- 4:14noch Könige. Aber er bat um Verzeihung und
- 4:17freute sich darüber, dass die Könige nun selbst sagten, dass
- 4:21sie keine Bedeutung mehr hätten. Zarathustra fragte sie dann, was
- 4:25sie in seinem Reich eigentlich suchen würden, er vermutete,
- 4:28dass sie genau das suchen, was er auch sucht, nämlich den
- 4:32höheren Menschen. Der höhere Mensch ist ein sehr
- 4:36wichtiges Konzept bei Nietzsche, es handelt sich dabei um
- 4:39Menschen, die erkennen, dass die Werte der bisherigen Welt leer
- 4:42und hohl geworden sind. Sie leiden stark unter der
- 4:46Oberflächlichkeit ihrer Zeit und haben einen tiefen Ekel vor der
- 4:49normalen Gesellschaft. Sie streben nach etwas Besserem
- 4:52und größerem, sie sind noch nicht das endgültige Ziel,
- 4:56welches Nietzsche den Übermenschen nennt, aber sie
- 4:58sind eine wichtige Vorstufe, eine Brücke dorthin, weil sie
- 5:02den Willen haben, sich selbst und die Menschheit zu
- 5:04überwinden, als die Könige zarathustras Namen hörten,
- 5:08schlugen sie sich an die Brust und wussten, dass sie am Ziel
- 5:11waren. Sie sagten, dass Zarathustra mit
- 5:14seinen Worten Die tiefe Dunkelheit in ihren Herzen
- 5:16durchbrochen habe. Sie bestätigten, dass sie
- 5:19tatsächlich auf der Suche nach dem höheren Menschen seien,
- 5:22obwohl sie Könige seien, suchten sie jemanden, der noch höher
- 5:26stehe als sie selbst. Deshalb hätten sie auch den Esel
- 5:29mitgebracht, denn der höchste Mensch solle auf Erden auch der
- 5:32höchste Herrscher sein. Der König fügte hinzu, dass es
- 5:36das größte Unglück für die Menschheit sei, wenn die
- 5:39Mächtigsten nicht auch gleichzeitig die besten und
- 5:42höchsten Menschen seien. Wenn das passiere, werde alles
- 5:46in der Welt falsch, schief und furchtbar, und wenn sogar die
- 5:50schlechtesten Menschen an der Macht seien, dann steige die
- 5:53oberflächliche Masse im Wert und behaupte von sich selbst, sie
- 5:56sei die wahre Tugend. Zarathustra war begeistert von
- 6:00der Weisheit der Könige. Er sagte, dass es ihm große
- 6:03Freude bereite, das zu hören und er spontan ein Gedicht, einen
- 6:07Reim darauf machen müsse. In diesem kurzen Reim sprach er
- 6:11darüber, wie die Welt verfällt und immer tiefer sinkt, wie das
- 6:15alte Rom zu einem Ort der Unmoral wurde und wie einst
- 6:18große Herrscher auf das Niveau von Tieren sanken.
- 6:21Der Esel stimmte diesem Gedicht mit einem lauten IA zu, das IA
- 6:26des Esels steht hier spielerisch für eine plumpe, aber deutliche
- 6:30Zustimmung. Ähnlich dem deutschen Wort.
- 6:32Ja, nach diesem Gedicht freuten sich die Könige, der König auf
- 6:37der rechten Seite sagte zu Zarathustra, dass es eine gute
- 6:40Entscheidung gewesen sei, sich auf die Suche nach ihm zu
- 6:43machen. Er erzählte, dass die Feinde
- 6:45Zarathustras ein furchtbares Bild von ihm gezeichnet hätten,
- 6:48sie hätten ihn wie einen Spottenden Teufel beschrieben,
- 6:51sodass die Könige anfangs Angst vor ihm hatten, aber das
- 6:55Aussehen sei ihnen am Ende egal gewesen, sie wollten ihn
- 6:58unbedingt hören. Vor allem wegen seiner Lehren
- 7:00über den Krieg. Zarathustra hatte gelehrt, dass
- 7:03man den Frieden nur als Mittel zu neuen Kriegen lieben solle
- 7:06und dass ein guter Krieg jede Sache heilige.
- 7:09Auch hier muss man Nietzsches Sprache erklären, wenn Nietzsche
- 7:13von Krieg spricht, meint er in der Regel keinen Krieg mit
- 7:16echten Waffen, bei dem Menschen getötet werden, er meint den
- 7:20geistigen Kampf, er meint die harte Auseinandersetzung mit
- 7:23alten Ideen, das Radikale Hinterfragen von festgefahrenen
- 7:27Meinungen. Und den ständigen Inneren Kampf,
- 7:29um sich selbst zu verbessern und neue, eigene Werte zu
- 7:33erschaffen. Der König erklärte, dass diese
- 7:36kämpferischen Worte das Blut ihrer Vorfahren in ihnen geweckt
- 7:39hätten, es war für sie wie ein Frühlingserwachen, wenn sie
- 7:43früher an die alten, blanken Schwerter ihrer Vorfahren
- 7:46dachten, sehnten sie sich nach Taten und Kampf, der lange
- 7:50Frieden und die Bequemlichkeit der modernen Welt hatten sie nur
- 7:53noch beschämt, sie wollten geistig wieder lebendig sein.
- 7:58Zarathustra hörte den Königen zu, wie sie voller Begeisterung
- 8:01von Tapferkeit und den Kämpfen ihrer Väter redeten.
- 8:05Doch er durchschaute sie. Er merkte, dass diese Könige in
- 8:08Wirklichkeit sehr friedfertige alte und feine Herren waren, er
- 8:12verspürte kurz die Lust, sich über ihren plötzlichen Eifer
- 8:15lustig zu machen, aber er beherrschte sich, er sagte
- 8:19freundlich zu ihnen, dass der Weg dort hinauf zu seiner Höhle
- 8:22führe, er lud sie ein, dorthin zu gehen, da der Tag noch lang
- 8:26sei. Er selbst müsse aber noch einem
- 8:28Notschrei folgenden, er gehört habe und müsse sie daher kurz
- 8:32verlassen. Zarathustra sagte, es sei eine
- 8:35große Ehre für seine Höhle, wenn Könige in ihr Sitzen und auf ihn
- 8:39warten würden, aber er fügte mit einem kleinen Spott hinzu, dass
- 8:43sie wohl lange warten müssten, das mache aber nichts, denn
- 8:46heutzutage lerne man das Warten nirgendwo besser als an den
- 8:49Höfen der Könige. Und die einzige Tugend, die den
- 8:52Königen in der modernen Welt ohnehin noch geblieben sei, sei
- 8:55die Fähigkeit zu warten. Damit spielte Zarathustra
- 8:59humorvoll darauf an, dass die Könige ihre echte Macht und
- 9:02Bedeutung längst verloren haben, so endete das Gespräch zwischen
- 9:06Zarathustra und den Königen und er zog weiter.