Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Friedrich und Charlotte: Heile Welt im Sauerland?
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- Das allgemeine Gefühl diesem Kanzler gegenüber ist, glaube ich, inzwischen maximale Enttäuschung, maximaler Frust. Ist das im Sauerland auch so? Sagen die Sauerländerinnen und Sauerländer so, da haben wir uns irgendwie viel mehr versprochen. Oder halten die sozusagen das kleine gallische Dorf, halten die noch als Letzte zu ihm? Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emmerich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen und über das, was seine Regierung so macht oder auch nicht macht. Mein Name ist Julia und mir gegenüber sitzt heute ausnahmsweise mal nicht Carlotta, sondern Martin Korte, mein Kollege. Martin ist Politikchef bei der Westfalenpost. Er macht also die Zeitung, die jeden Morgen in Arnsberg auf dem Frühstückstisch von Friedrich Merz und Charlotte Merz liegt. Hallo Martin, herzlich willkommen. Ja, guten Morgen. Schön, dass ich hier sein darf. Eigentlich müssen wir über den wichtigsten Termin des Kanzlers in dieser Woche sprechen. Das große Spitzentreffen mit den Sozialpartnern, also mit Gewerkschaften und Arbeitgebern. Gestern Abend im Kanzleramt, heute ist Donnerstag, wir nehmen also wieder am Donnerstag auf. Oder und über die Regierungserklärung, die der Kanzler heute Morgen schon gehalten hat und auch ein bisschen etwas zu diesem Abend im Kanzleramt gesagt hat. Aber wenn man schon mal jemanden wie dich im Studio hat, der wahrscheinlich einer von denen ist, die Merz, zumindest unter Journalisten, am allerlängsten kennen, dann möchte ich natürlich erstmal ein bisschen etwas über Friedrich Merz, wie er früher war, wie du ihn heute erlebst, hören. Sag mal, du kennst ihn schon seit über 30 Jahren? Ja, ich würde mal sagen, wir kennen uns seit Anfang der 90er Jahre, als er Europaabgeordneter war. Da hatten wir aber nur sehr sporadisch miteinander zu tun. Das wurde dann ein bisschen mehr, als er Bundestagsabgeordneter wurde und auch im Wahlkreis natürlich tätig war und dann auch Kontakt mit uns hatte. Dann ist das ein bisschen eingeschlafen, weil er sich ein bisschen aus der Politik zurückgezogen hat. Und seit fünf Jahren, würde ich mal sagen, hat sich das wieder intensiviert, seit fünf bis sieben Jahren, weil er dann sein Comeback gestartet hat. Und dann hat er auch von sich aus, Kontakt aufgenommen mit uns. Kannst du dich noch an deine erste Begegnung oder so diese ersten Tage, Wochen, wo du ihn überhaupt mal wahrgenommen hast, erinnern? Und vor allem, wie war er da? Was ist hängen geblieben? Was für ein Friedrich Merz war das für dich in diesen 90er Jahren? Naja, das war ein Friedrich Merz, der für uns dann doch recht weit entfernt war, weil er halt Europaabgeordneter war. Ich muss sagen, ich habe ihn ab und zu im Zug gesehen, im Sauerland-Express, weil ich aus meiner Heimatstadt nach Hagen gefahren bin. und er ist dann nach Düsseldorf oder nach Brüssel weitergefahren. Zweite Klasse, erste Klasse? Die Europaabgeordneten fahren immer erste Klasse. Aber da war jetzt nicht der Kontakt schon so da, dass wir uns da jetzt im Zug, begrüßt haben oder so. Das kam dann erst später. Wir haben ihn dann auch mal zu Veranstaltungen der Westfalenpost eingeladen, zu Jahreskonferenzen oder zu Gesprächsrunden. Da war er da. Ich muss aber ehrlich sagen, das ist jetzt echt schon so lange her, Wenn ich ihn in der damaligen Zeit charakterisieren müsste, wäre ich wahrscheinlich ein bisschen aufgeschmissen. Merz ist Sauerländer. Ihr, die Westfalenpost, ist die Zeitung des Sauerlands. Er hat auch ganz am Anfang in seiner Kampagne so Sachen gesagt, wie er würde irgendwie mehr Sauerland für Deutschland sich wünschen. Mehr von der Kultur, von der Art, seiner Heimat. Ist das eine Drohung oder ist das ein Versprechen? Was heißt denn das, mehr Sauerland? Was ist denn, wenn du mal so ein bisschen für alle sagst, was ist denn das Sauerland-Ding? Du hast ja schon zu Recht gesagt, er würde sich das wünschen. Das ist keine Drogen und kein Versprechen, weil er natürlich weiß, dass zum Beispiel in Berlin das schwierig ist mit mehr Sauerland. Also ich habe heute Morgen auch gedacht, im Sauerland kann es mir nicht passieren, dass ich in einer U-Bahn angeschnurrt werde oder angeschrien werde. Weil es gar keine U-Bahn gibt. Es gibt Berge, es gibt Landschaft, es gibt Kühe, es gibt... Nein, nein, nein, nein. Es gibt auch Autos mittlerweile und es gibt auch Busse. Nein, also da muss man ein bisschen aufpassen. Das Sauerland ist nicht hinterwälderisch, sondern im Gegenteil. Das Sauerland ist auch eine sehr bedeutende Industrieregion. Und natürlich gibt es dort andere Lebensumstände. Es ist alles ein bisschen kleiner, es ist alles ein bisschen ruhiger, es ist nicht so aufgeregt. Es gibt Nachbarn, auf die man sich verlassen kann. Das ist in Großstädten alles etwas schwieriger. So, man sieht sich jedes Wochenende oder bei vielen Veranstaltungen vor Ort. Jetzt kommt wieder das typische Schützenfest, zu dem Friedrich Merz übrigens auch geht, wenn er kann. Also es ist alles etwas kompakter. Und ich glaube schon, dass wenn er aus Berlin wieder ins Sauerland kommt, an den Wochenenden, dass das für ihn so ein bisschen ist wie Urlaub. Wie Entspannung, auf jeden Fall. Wir sprechen ja jetzt ein Jahr nach seinem Amtsantritt. Und du weißt es so gut wie ich, wir haben auch in diesem Podcast schon oft darüber gesprochen, seine Umfragen, vor allem seine persönlichen Beliebteinswerte, sind im Keller, gingen sogar in den letzten Wochen sogar noch mal weiter runter. Das allgemeine Gefühl diesem Kanzler gegenüber ist, glaube ich, inzwischen maximale Enttäuschung, maximaler Frust. Ist das im Sauerland auch so? Sagen die Sauerländerinnen und Sauerländer so, da haben wir uns irgendwie viel mehr versprochen? Oder halten die sozusagen das kleine gallische Dorf, halten die noch als letzte zu ihm? Sowohl als auch. Also wenn er im Sauerland ist, versucht er mit den Leuten auch ins Gespräch zu kommen. Und er versucht dann zu erklären. Das ist bei einem persönlichen Gespräch ganz anders als bei einer Regierungserklärung. Also als ich das letzte Mal ihn getroffen habe oder gesehen habe, hat er sich auch 30 Leute zu einem Gespräch nochmal zusammengeholt. Also das normale Bürgerinnen und Bürger? Nee, das war schon seine CDU-Base, um zu erklären, was er macht und warum er es macht und natürlich auch um Verständnis zu bitten für die Politik, die gerade gemacht wird. Ich glaube, dass er, und das hat er auch gesagt, hat er auch öffentlich mehrmals gesagt, dass er selber schon enttäuscht ist von dem, was bisher, oder sagen wir es anders, noch nicht zufrieden ist mit dem, was in dem Jahr erreicht worden ist. Und hast du das Gefühl, dass er einfach ein bisschen mehr Kredit bei den Sauerländerinnen und Sauerländern hat, weil es ist einer von uns und er bemüht sich ja? Oder wie ist die Stimmung dort? Ich glaube schon, dass er da mehr Kredit hat, weil man natürlich sagt, das ist einer von uns. Ich stelle fest bei vielen Menschen mit denen ich über Politik diskutiere, die auch früher kein Freund von Friedrich Merz waren, die sagen ja. Was soll er denn machen? Was er im Moment sagt, wird negativ beurteilt. Also ich sage manchmal, er kann machen, was er will. Es ist ohnehin falsch im Moment. Er ist in so einer negativen Spirale gerade drin. Und da muss er jetzt tatsächlich mal rauskommen. Sonst wird es schwierig. Hier in Berlin und auch, wir haben darüber viel gesprochen, Carlotta hatte oft Beispiele, gerade auch im Netz, ist oft das Unverständnis riesig, wenn er wieder so, wir nennen es ja immer so die gefährlichen Halbsätze raushaut. Also so Sachen, die er vielleicht dann wirklich intuitiv einfach mal meint und meint auch sowas sagen zu können. Und dann im Nachhinein wird sichtbar, entweder hat er sich total vergaloppiert oder er hat Leute irgendwie, ob er es man wollte oder nicht, beleidigt und muss das mühsam wieder einsammeln oder hat erstmal eine Trotzphase, bis er das dann einsammelt. Ist es in seiner Heimat so eine Sache, dass man da eine größere Toleranz auch mal etwas ruppigeren Sprüchen gegenüber hat, dass man sagt, so reden wir halt, muss jetzt nicht alles auf die Goldwaage legen. Gibt es so ein Ding dort oder ist da die Empfindlichkeit inzwischen auch sehr groß? Nein. Nee, Friedrich, du musst irgendwie auf deine Sprache achten. Die Empfindlichkeit ist, glaube ich, etwas kleiner, weil man schon sagen kann, dass man im Sauerland eine klare Sprache auch pflegt. Da wird nicht um den heißen Bayer herum geredet. Das hat er gemacht. Ich glaube, er nimmt sich jetzt so ein bisschen zurück. Also ich merke, dass er deutlich vorsichtiger geworden ist. Ich war dabei, als er in Maasberg in der Schule das über Donald Trump gesagt hat. Und da habe ich auch hinterher wieder gedacht. Also wir fordern auf der einen Seite Selbstbewusstsein, auch gegenüber Donald Trump und dann zeigt sich einer selbstbewusst, ist auch wieder falsch. Und dann zu sagen, ja, das hat er vor Schülern gesagt. Ja, warum soll er das denn nicht vor Schülern sagen? Weil er eine internationale, zumindest eine rhetorische Krise ausgelöst hat damit. Und ich glaube, das ist schon eine Weitsicht, die man als Kanzler im Moment haben muss. Dass es eben kein Job ist, in dem man mal eben sagt, was Sache ist, oder? Ich weiß nicht, ob er das mal eben gesagt hat. Du meinst, es war bewusst gesetzt, ich nehme mir dieses Setting unter Schülern in der Schule? Nein, das Setting nicht, aber er ist halt auch danach gefragt worden. Die Schüler, das waren ja auch ältere Schüler, die waren jetzt nicht sieben, acht Jahre alt, sondern das war Oberstufe. Die waren sehr gut vorbereitet. Und er wusste, welche Kameras da überall standen. Da war nicht nur die Lokalzeitung. Aber er musste, ich glaube, für alle dieses nicht mehr ganz konkrete Erinnerungen, er hat eben gesagt, dass das, was im Nahen Osten passiert, im Konflikt USA gegen Iran, dazu führt, dass das Mullah-Regime Donald Trump demütige. Und ich glaube, die Demütigung, diese Formulierung, das war das, was in Washington so richtig schlecht angekommen ist. Denn wenn einer etwas nicht will, dann ist es Donald Trump, der sich nicht als jemand darstellen will, der sich demütig will. Ja, das ist richtig. Die Wortwahl war da nicht hilfreich. Nicht hilfreich. Lass uns nochmal so ein bisschen in das Leben des Friedrich Merz in Arnsberg eintauchen. Er wohnt im kleinen Vorort Niedereimer. Wenn man das googelt, sieht man, das ist eine Siedlung, kleine Einfamilienhäuser, kleine stille Straßen. Erzähl mal, wie sieht es aus im Vorgarten von Friedrich Merz und Charlotte Merz? Im Vorgarten stehen Blumen, stehen Bäumchen. Kleine Einfamilienhäuser würde ich nicht sagen. Also es ist jetzt kein protziges Gebäude. Das passt sich da in die Umgebung an. Das sind Einfamilienhäuser, manche ein bisschen kleiner, manche ein bisschen größer. Für größere Familien, würde ich mal sagen. Er hat eine Garageneinfahrt, wie man das im Sauerland so kennt. Vor dem Haus steht mittlerweile so etwas Ähnliches wie eine Bushaltestelle, obwohl da gar kein Bus fährt. Das ist der Unterstand für die Polizei, wenn es regnet. Die Straße ist umgewidmet worden zu einer Anliegerstraße. Aber nicht in Friedrichsallee umgenannt worden? Nein. Noch nicht. Also das ist eine Anliegerstraße. Du darfst jetzt wahrscheinlich den Namen der Straße nicht sagen, weil das schützenswert ist oder kannst du das mal sagen? Also es haben auch Kollegen Fotos veröffentlicht von dem Haus und wir haben, eigentlich die Absprache, dass wir das nicht machen. Beschreib mal das Haus. Ist das ein klassisches Siedlungshaus oder ist das ein ganz beschicker Bauhaus? Nein, nein. Ich glaube, das ist 80er Jahre gebaut. Das weiß ich aber auch nicht genau. Also ich bin da auch noch nie drin gewesen. Es ist ein ganz schickes Haus, auch mit dem Garten. Das sieht schön aus. Man könnte jetzt fast sagen, ist schon typisch sauerländisch. Wie es jetzt dahinter aussieht, das kann ich dir leider nicht sagen, weil er hat natürlich einen Garten. Und der Garten musste dann auch, als er Bundeskanzler geworden ist, mal ein bisschen anders eingezäunt werden. Es ist schick, aber es ist jetzt nichts Angeberisches, möchte ich sagen. Erfährt man oder erlebt man den Kanzler privat, wenn man in Niedereimer wohnt oder wenn man in Arnsberg wohnt, trifft man den noch beim Bäcker mit so einem Rudel-BKA-Leuten im Schlepptau oder, hat der dazu gar keine Zeit mehr, ist er sozusagen aus dem öffentlichen Leben des Sauerlands verschwunden? Nee, verschwunden ist er nicht. Er versucht da auch seine Freizeit zu gestalten im Sauerland. Er versucht auch fast jedes Wochenende da zu sein, wenn es irgend geht. Das war schon mal sein Ziel und ich glaube, das gelingt ihm auch zumindest ab und zu. Ja, so er fährt da mit seiner Frau viel Fahrrad. Ja, wir erinnern uns. Einmal ist sie schwer gestürzt und muss dann sogar ins Krankenhaus. War ein Riesenthema. Ja, war auch nicht so leicht hinzunehmen, weil sie wirklich, der Helm hat sie da gerettet, muss man sagen. Sonst wäre das böse ausgegangen. Und das hat deshalb Friedrich Merz auch mehrmals betont und hat nochmal gesagt, Leute, Fahrrad fahren, Helm tragen. Also er trägt auch immer einen Helm. Ja. Ich glaube schon, dass Friedrich Merz und seine Frau versuchen, ein möglichst normales Leben in Arnsberg noch zu leben, unter den gegebenen Umständen. Also seine Frau fährt auch regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie ist ja Amtsgerichtsdirektorin in Arnsberg und das will sie sich auch nicht nehmen lassen. Hat Charlotte Merz eigentlich auch dann diese krasse Sicherheit? Also müssen dann auch immer BKA-Leute hinterher radeln? Okay, okay. Also sie ist, wenn sie beide zusammen Termine machen, dann ist sie natürlich auch behütet, aber ansonsten versucht sie ihr ganz normales Leben da zu leben. Wenn du das mal vergleichst mit deinen früheren Erfahrungen und Begegnungen mit ihm und heute, hast du das Gefühl, dass er sich in dieser Kanzlerschaft auch als Mensch verändert hat? Also wir haben eben schon darüber gesprochen, also er versucht sich so seine sauerländer Art, also dieses klare Sprache und so weiter, das versucht er sich zu erhalten, merkt aber eben gerade, dass es nicht so leicht ist damit und dass er damit ganz oft eben auch Sachen kaputt macht, die er vielleicht nicht kaputt machen will. Ansonsten so in seinem Habitus, in seiner Art? Naja, ich muss das ja mit Einschränkung beurteilen, weil, wie gesagt, ich gehe jetzt nicht einmal in der Woche mit ihm ein Bier trinken oder frühstücken. Wir haben beruflich miteinander zu tun. Ich glaube, er verhält sich im Sauerland tatsächlich anders als in Berlin. Er ist da lockerer drauf. Ja, also noch mehr Sprüche? Vielleicht, aber Sprüche, die man dann ja auch nicht veröffentlicht. Also Sprüche, die er natürlich in seinem Bekanntenkreis äußert. Das machen wir aber auch. Wir veröffentlichen zum Glück auch nicht alles, was wir sagen. Ich habe aber festgestellt, dass ihm diese Kanzlertauschdebatte, glaube ich, wirklich auf die Nerven gegangen ist. Da habe ich auch im Sauerland bei ihm, als ich ihn das letzte Mal da gesehen habe, eine Anspannung gespürt, die vorher nicht da war. Das heißt, Sachen, die so richtig schlecht laufen, nimmt er auch mit. Weil du sagtest eben am Anfang so schön, vielleicht ist das Sauerland der Ort, wo er so einen Kurzurlaub machen kann oder irgendwie auftanken kann. Er nimmt die Sachen mit, du erlebst ihn da auch angespannt. Hast du das Gefühl, dass er da irgendwas macht, was ihm sozusagen die Tanks wieder auffüllt? Also Radfahren ist sicherlich so ein Ding, in der Natur sein. Gibt es andere Sachen, wo du dieses Urlaubsgefühl für ihn festmachst? Nee, ich glaube, das ist einfach Heimat. Das ist Nähe und Heimat. Natürlich kann der nie abschalten. Das ist ja das Problem. Also er liest, hat er mir mal gesagt, er versucht am Wochenende viel zu lesen, was er in der Woche nicht schafft. Du hast eben seine Frau schon erwähnt, die versucht so ein bisschen ihr eigenes Leben weiterzuleben. Ich glaube, in unserer Wahrnehmung ist sie für ihn sehr wichtig. Also sie ist eine sehr wichtige Ratgeberin. Man hört auch immer wieder, dass er auch einen sehr engen Kontakt zu ihr pflegt, wenn er in Berlin ist. Also viel telefoniert und so weiter. Wie wichtig ist Charlotte Merz als Ratgeberin für diesen Bundeskanzler? Ist sie am Ende diejenige, auf die er wirklich hört, wenn er auf alle anderen gerade nicht mehr hört? Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin nicht dabei. Ich glaube aber, dass sie sehr wichtig ist für ihn. Und wenn man nach 45 Jahren Ehe nicht wichtig ist für den anderen, dann hat man auch irgendwas falsch gemacht, würde ich sagen. Ich glaube, sie ist eine sehr taffe Frau, eine sehr starke Frau. Als Richterin sollte sie das auch sein. Sie hat ja beruflich auch ihren Weg gemacht. Sie hat eine klare Meinung und vertritt sie dann auch. Und das gilt ja für ihn auch. Also in dem Punkt passen die beiden schon ganz gut zusammen. Soweit ich weiß, telefonieren die jeden Tag, wenn es geht und er nicht im Flugzeug irgendwo ist oder so. Siehst du manchmal diesen Kanzler Dinge tun oder sich in bestimmten Kontexten verhalten und hast das Gefühl, das würde Charlotte gefallen oder noch, ich formuliere es nochmal anders, das hat sie ihm doch geraten, das ist doch typisch. Nein, das glaube ich nicht. Also ich glaube auch nicht, dass er Entscheidungen trifft mit dem Hintergedanken, das hat mir jetzt meine Frau gesagt. Ich glaube schon, dass sie ihn natürlich beeinflusst, auch weil sie Richterin ist. Sie hat natürlich in ihrem Beruf einen anderen Blick auf Dinge, als wenn sie jetzt, was weiß ich, Friseurmeisterin wäre. Wie meinst du das genau? Naja, sie hat problematische Lebensumstände auf ihrem Schreibtisch. Sie ist jetzt Expertin im Familienrecht. Da geht es um Trennungen. Aber natürlich bekommt sie auch als Amtsgerichtsdirektorin, Kriminalität mit, ohne Ende, weil darum geht es ja im Gericht meistens. Und natürlich beeinflusst so etwas auch eine Lebenssicht, ist doch klar. Das heißt, Themen wie Sicherheit und am Ende wirklich auch Kriminalitätsbekämpfung, starker Staat und so weiter, das sind Themen, die zu Hause bei den Märzens auch eine Rolle spielen im Sinne von, da sind sie sich einig, weil sie über ähnliche Dinge sprechen. Wie gesagt, ich bin nicht dabei, aber ich vermute es. Warum bist du nicht dabei? Ihr werdet nie eingeladen. Wir arbeiten dran, Martin. Ein Abendessen mit Friedrich und Charlotte Merz in Niedereimer. Ein Traum für einen Reporter. Ich glaube, in Niedereimer gibt es gar keine Gaststätte. Müsste man dann woanders hingehen. Und man könnte sich einfach nach Hause einladen lassen. Du hast es eben schon angesprochen, diese Kanzlertauschgeschichte, das war so einer dieser Tiefpunkte, glaube ich, für ihn in den letzten Wochen. Hast du das Gefühl, das ist total ausgestanden? Du beobachtest ja auch, den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst, der in dieser ganzen Kanzlertauschdebatte ja die Figur war, von der alle glaubten, da kündigt sich ein Putsch an oder, zumindest abgeschwächt gesagt, Henrik Wüst ist jemand, der sich Kanzlerschaft zumindest zutraut. Ja. Ist das durch? Ich hoffe, weil das frisst Zeit und bringt nichts und schadet allen. Es schadet am Ende auch Henrik Wüst. Ich glaube, er hätte das eher beenden müssen. Er hat es ja, ich finde, zwei, drei Tage zu spät beendet. Henrik Hüß hat ganz klar gesagt, das ist Quatsch. Ja, aber zu spät, hat er es gesagt, finde ich. Und ich will damit sagen, wir haben so gravierende Probleme in Deutschland und man sollte seine Zeit damit verbringen, die Probleme zu lösen und nicht neue zu schaffen, die es nicht wert sind, behandelt zu werden. Das ist eine Diskussion, die war völlig überflüssig. Ich habe auch festgestellt, dass die Diskussion im Sauerland anders geführt wurde als in Berlin, weil sie im Sauerland fast gar nicht geführt wurde. Weil alle dachten, es ist Quatsch oder ist es an den Haaren herbeigezogen? Es ist kein Thema gewesen für uns. Natürlich war es in Düsseldorf ein Thema und es war auch bei einer Mandatsträgerkonferenz im Sauerland ein Thema, weil Hendrik Wüst und Friedrich Merz da das erste Mal, seit der Diskussion wieder aufeinander getroffen sind. Und da hat Hendrik Wüst auch nochmal vor allen Leuten gesagt, das, was er bei uns in der Zeitung auch gesagt hat, das ist alles großer Quatsch und jetzt lass uns mal hier vorwärts machen. Andererseits, wenn man sowas schon sagen muss, damit macht man natürlich ein Thema auch irgendwie zu einem. Ich glaube, es ist so ein kluger Rat immer zu sagen, bei solchen Sachen nicht mal ignorieren. Also man hätte es auch einfach totschweigen können. Totschweigen hört sich so negativ an. Ich hätte auch, wahrscheinlich wäre es besser gewesen, da gar nicht mehr drüber zu reden. Dann hätte auch die sogenannte Berliner Blase nicht mehr drüber geredet. Jetzt meinst du uns? Weiß ich nicht. Kommt ja drauf an, wer sich angesprochen fühlt. Nächsten Jahr Spitzenkandidat der Union für den Landtagswahlkampf, will also wieder Ministerpräsident werden. Diese Landtagswahl ist noch ein bisschen weit weg. Im Moment gucken wir auf die Landtagswahlen in Ostdeutschland, die in diesem Herbst stattfinden. Und in den letzten Tagen und Wochen entstand so ein Grundgefühl, vor allem in Sachsen-Anhalt, Boah, lieber nicht mit Merz. Wenn der hier auftaucht, wird es nur noch schlimmer. Der sagt im Zweifel Dinge, die uns schaden. Oder aber er ist jetzt schon so unbeliebt, das zahlt nicht bei uns ein im Sinne von, der hilft uns nicht, der schadet uns mehr. Da gab es klare Signale. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ist er für Henrik Wüst perspektivisch jemand, der ihm hilft im Landtagswahlkampf? Oder würdest du fast schon sagen, das, was wir jetzt im Osten erleben, könnte ihm in seinem eigenen Landesverband in Nordrhein-Westfalen ähnlich treuen. Bleib lieber zu Hause. Nein, in diesem Fall müsste man sagen, bleib lieber in Berlin und lass dich hier nicht blicken, weil du machst die Sache nicht besser. Wie siehst du das? Ich glaube, dass im Moment nicht. Das kommt jetzt ein bisschen darauf an. Also die Landtagswahlen sind ja erst Ende April. Man muss mal gucken, was bis dahin noch passiert. Wenn einige Reformprogramme bis dahin durch sind, dann wird sich das Image des Bundeskanzlers auch wieder verbessern. Wenn das in die Hose geht, dann wird es schwierig. Aber natürlich ist Friedrich Merz Nordrhein-Westfale. Und du hast ihn ja auch schon öfter gehört, der kann auch ganz gut reden. Und in Maasberg, diese Schulgeschichte, der ist mit den Jugendlichen gut umgegangen. Die fanden den gut. Der kann Leute überzeugen. Und warum soll er das in Nordrhein-Westfalen nicht auch machen? Das heißt, du würdest sagen, lass mal abwarten bis zum Jahresanfang und gucken, wo steht März dann und funktioniert das oder funktioniert das nicht. Man kann es jetzt noch nicht sagen. Wir müssen ohnehin jetzt mal abwarten, was diese Reformprogramme bringen, weil das ist. Der Lackmustest. Also wenn das alles nicht klappt jetzt und zwar in wenigen Monaten, dann wird es echt schwierig, weil, die Leute brauchen wieder Zuversicht und Grundvertrauen und daran hapert es ja ein bisschen. Die Leute trauen ja dem Staat nicht mehr zu, dass er die Probleme löst und das muss wieder kommen. Was muss passieren, damit auch das Sauerland irgendwann sagt, Friedrich, du hattest deine Chance, du hast sie nicht genutzt? Also was ist sozusagen der Worst Case, dass selbst die Sauerländer sagen? Nope. Die Sauerländer sind ja nicht anders als andere. Also wenn das jetzt alles in die Hose geht, was er zugesagt hat, vielleicht sogar versprochen hat, dann würden die Sauerländer genauso reagieren wie die Baden-Württemberger. Oder Pfälzer, keine Ahnung. Und jetzt die Zahl der Woche. Martin, wir machen hier immer zum Abschluss der Folge eine kleine Runde zur Zahl der Woche. Hast du uns auch eine Zahl der Woche mitgebracht? Ich muss mal eben nachrechnen. Ja, 318. 318. Das ist die Zahl der Tage bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, 25. April. Erstmal ist das meine Zahl, weil das ein spannender Tag wird, wie jede Landtagswahl. Und danach hoffe ich, dass dann auch mal ein bisschen Ruhe wieder reinkommt in die Politik, weil die ist im Moment so gehetzt. Und Hetze tut nicht gut. Also wir brauchen auch mal wieder ein bisschen Ruhe in der Politik. Meine Zahl verspricht leider nicht wirklich Ruhe in der Politik. Meine Zahl ist die sieben. Friedrich Merz reist am Montag zum G7-Gipfel nach Evian, nach Frankreich. Im Moment sieht es so aus, als würde Donald Trump auch kommen. Das weiß man wirklich eigentlich erst, wenn er da ist. Und dann weiß man auch nicht, ob er nicht wie im letzten Jahr beim G7 in Kanada vorzeitig wieder abreist oder andere Dinge tut. Gut, man weiß überhaupt nicht genau, was er tut, aber es wird zu einer persönlichen Begegnung sehr vermutlich kommen und da ist immer alles drin. Deshalb, ja, die sieben, der Kanzler geht wieder auf Reisen. Unser Kollege Jan Dörner wird ihn begleiten an den Tagen und dann hoffentlich uns auch einiges berichten, wie es war und wie die erneute Begegnung zwischen Friedrich Merz und Donald Trump lief, nachdem es ja, wir haben jetzt ein paar Mal über den Marsberg-Case geredet, nicht so ganz glatt lief in den letzten Wochen und Monaten. Aber danach gab es auch schon wieder ein Telefonat zwischen den beiden, das wieder die Wogen geglättet hat. Also wir bleiben dran. Ja, die Wogen mit Trump glätten ist immer so eine Sache. Man weiß ja, der ist ja unberechenbar, der Mensch. Ich glaube, die beiden haben früher auch öfter. Regelmäßig telefoniert und dann ist das ein bisschen zurückgegangen, vielleicht eingeschlafen. Vielleicht lebt das jetzt wieder auf. Merz hat Trump ja eingeladen, allerdings in den Ort, in dem Vorfahren von Trump gelebt haben. Kannst du dir vorstellen, dass Merz Trump auch mal ein Sauerland einlädt? Das wäre toll. Eine Runde Radfahren? Donald Trump und Radfahren, das stelle ich mir komisch vor. Aber das wäre eine tolle Sache, aber ich glaube nicht, dass er es machen wird. Sie können zumindest zusammen zum Friseur gehen. Können wir uns darauf einigen? Unterschiedliche Behandlungszeiten werden die beiden haben beim Friseur. Das glaube ich auch. Lieber Martin, das war toll mit dir. Vielen Dank, dass du da warst und uns ein bisschen Einblick gegeben hast in das Sauerland des Friedrich Merz, in sein Leben in Niedereimer. Komm gerne wieder und erzähl, wie es weitergegangen ist in der Sauerland Connection. Und euch, vielen Dank fürs Zuhören und Zuschauen und bis zum nächsten Mal. Dankeschön. Vielen Dank, hat Spaß gemacht.