Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Rettet Merz die SPD?
Transcript
- Ich habe schon so das Gefühl, die Union testet gerade auch ganz viel aus, einfach Maximalforderungen oder zumindest eben Teile der Union oder unionsnahe Verbände, Maximalforderungen auf Kosten der Arbeitnehmenden. Wie weit kann man eigentlich gehen? Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emmerich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen und über das, was die Bundesregierung in Berlin so macht. Heute wieder mit mir, Carlotta und Julia, die mir gegenüber sitzt. Und ich bin ja froh, Julia, dass wir es überhaupt beide heute heil in die Redaktion geschafft haben. Wir schlittern in Berlin wirklich von einem rutschigen Tag in den nächsten rutschigen Tag aktuell. Jeden Tag überlege ich mir, ob ich mir endlich diese Spikes kaufe. Als ich es endlich entschieden hatte, waren sie ausverkauft. Wahrscheinlich wird es sie im Frühjahr wieder geben. Ich werde mir 20 Paare hinlegen für den nächsten Winter. Der nächste Winter wird dann wieder so ein milder Winter. Ich habe heute Morgen ja schon den schrecklichsten Witz aller Zeiten gemacht. Mit einem Kanzler aus dem Sauerland kriegen wir den ersten krassen Winter in Berlin. Der Kanzler aus Hamburg, Olaf Scholz, hat uns nur so Regenwinter beschert. Ich weiß aktuell nicht mehr, ob ich nicht den Regenwinter fast schöner fand als das, was wir gerade haben. Rutschige Gehwege, jeden Tag aber was Neues. Entweder ist es Glatteis oder heute irgendwie so Schneematsch. Aber auf jeden Fall fällt die U-Bahn aus. Ausfallen tut immer was. Der Grund ändert sich. Das war jetzt unser kleiner Berlin-Hate-Moment. Wo es auf jeden Fall, glaube ich, gerade schöner ist, zumindest wettertechnisch, ist in der Golfregion, weil da ist nämlich der Bundeskanzler unterwegs. Friedrich Merz ist gerade auf einer dreitägigen Reise in den Golfstaaten. Er ist in Saudi-Arabien, in Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Los ging es am Mittwoch schon. Da ist er nach Saudi-Arabien geflogen, Donnerstag Katar. Und es geht dann noch weiter bis Freitag. Bei dieser Reise geht es ja vor allem auch, kann man so sagen, ums Geschäft. Es geht um Wirtschaftsbeziehungen, die die Regierung stärken möchte. Mit welchem Ziel ist denn Friedrich Merz jetzt zu dieser Reise aufgebrochen? Also ich glaube man kann es subsumieren mal unter die große Überschrift Friedrich sucht neue Freunde. Das ist so eine Überschrift, die über der ganzen Regierungszeit ja im Grunde schon liegt. Also die USA werden immer weniger verlässlich und allen ist klar, es braucht sowohl ökonomisch als auch was Sicherheitsinteressen angeht, als auch was insgesamt internationale Partnerschaften angeht, eine größere Diversifizierung, also mehr Freundschaften. Mehr Regionen dieser Welt. Und das ist so ein roter Faden, der sich durch die Kanzlerschaft ja schon zieht. März war ja schon in Südamerika, hat Brasilien besucht und so weiter. Aber jetzt vor kurzem mit Indien, wir hatten Jan hier, der mitgereist war und uns erzählt hat, jetzt ist er eben in den Golfregionen. Und natürlich, das Wort Freunde ist immer so ein heikles Wort. Das sind Freundschaften, die natürlich vieles ausblenden müssen, um überhaupt existieren zu können. Stichwort Menschenrechte. Stichwort Umgang mit Minderheiten und so weiter. Das sind heikle Freunde, um es mal ganz vorsichtig zu sagen. Wie kompliziert ist denn das für Friedrich Merz? Das ist ja schon so ein bisschen so ein Drahtseilakt quasi. Auf der einen Seite möchte man Partnerschaften. Auf der anderen Seite hat man da Probleme mit Werten, die teilweise nicht übereinstimmen. Wie schwierig ist es für den Kanzler dann bei so einer Reise, das quasi auszubalancieren? Das ist immer schwierig, weil es ein total diplomatischer Balanceakt ist, wie du schon sagst, genau. Aber es gibt sicherlich PolitikerInnen, denen das noch schwerer gefallen ist oder auch fallen würde, weil sie eben mit einer, vielleicht nochmal einer anderen Mission durch die Gegend laufen und dem, ja, schon auch glauben, dass sie überall da, wo sie hinkommen, Klartext reden müssten. Also das ist Friedrich Merz jetzt nicht. Der ist sehr pragmatisch in seiner Außenpolitik und sagt, ich muss im Grunde für Deutschland das Beste rausholen. Nicht um jeden Preis. Er ist jetzt auch nicht jemand, der sagt, Menschenrechte interessieren mich gar nicht. Aber er ist jetzt auch niemand, der in so ein Land reist und als erstes sagt, so. Und hier ist meine Liste der Vorwürfe. Die werde ich jetzt erstmal vortragen. Und wenn wir dann noch reden, ist gut. Und wenn nicht, reise ich wieder ab. Er hat das bei Erdogan so nicht gemacht. Er wird es jetzt so nicht machen. Was nicht heißt, dass er diese Themen gar nicht anspricht. Aber sie sind sicherlich weder Anlass der Reise noch Schwerpunkt der Reise. Friedrich Merz ist ja als letzte Station in Abu Dhabi. Und das ist wahrscheinlich auch zufällig, aber auch gleichzeitig der Ort, an dem aktuell die Ukraine-Verhandlungen weitergehen. Ja genau, ich glaube, dass diese Reise sowieso auf eine Weise zwar die deutschen Verhältnisse verbessern soll, auf der bilateralen Ebene mit diesen drei Ländern, aber natürlich gerade in so einem Kontext stattfindet, du sprichst die Ukraine-Verhandlungen an, gleichzeitig haben wir ja seit Tagen oder seit Wochen im Grunde diese große Iran-USA-Eskalationslage, also dieses Gefühl, möglicherweise macht Trump doch noch Dinge, Also sprich, es gibt nochmal einen Schlag gegen die Mullahs. All das findet statt. Gleichzeitig hast du im Nahen Osten, also Israel, Gaza, noch eine relativ offene Situation. Wie geht es da weiter? Und das sind alles Themen, die natürlich über diesem Besuch schweben. Die Großkonflikte, in denen die drei Golfstaaten auf ihre Weise auch verwickelt sind, beziehungsweise als Verhandlungspartner, beziehungsweise als Diplomaten im Sinne von, sie versuchen Einfluss zu nehmen, wo sie können, eine Rolle spielen. Also es gibt so zwei Ebenen bei diesem Besuch. Ja, und Ukraine geht auch weiter. Die Sorge ist nur da groß. Auch das ist ein Thema, über das wir ja schon tausendmal gesprochen haben, dass auch diese Verhandlungsrunde jetzt noch nicht den entscheidenden Durchbruch bringt. Es ist wahrscheinlich auch so ein bisschen ein Drahtseilakt aktuell, gerade für den Kanzler zwischen Außenpolitik und Innenpolitik. Wir haben wieder gestartet mit der Außenpolitik, weil wir einfach diese Weltlage haben, über die wir hier ja schon ausführlich auch gesprochen haben in den vergangenen Wochen, die sich einfach so schnell verändert, auf die reagiert werden muss, wo sich gerade eine ganz neue Weltordnung bildet. Gleichzeitig möchte der Kanzler sich ja aber eigentlich auch mehr auf die Innenpolitik konzentrieren und auf die ganzen großen Reformen und Landtagswahlen, die anstehen in diesem Jahr. Und ich würde sagen, lass uns mal ein bisschen auf die Innenpolitik schauen. Wir hatten ja letzte Woche schon eine Debatte aus dem Bereich, die Deutschen sollten mehr arbeiten. Wir müssen alle mehr arbeiten, um die Wirtschaft zu stärken. Diese Fleißdebatte, da ging es um diesen Vorstoß der Lifestyle-Thai-Zeit. Jetzt gibt es die nächste Debatte, dieses Mal angestoßen vom CDU-Wirtschaftsrat, der eine ganze Reihe von Sparvorschlägen vorgelegt hat, mit denen die Sozial- und Gesundheitssysteme entlastet werden sollen. Das gesamte Ziel ist eigentlich deutlich weniger Sozialversicherungsleistungen und es gibt vor allen Dingen einen Vorschlag aus dieser Liste von Ideen, der jetzt quasi für die nächste Debatte gesorgt hat. Und das ist die Forderung, dass Zahnarztbesuche nicht mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden sollen. Ich würde sagen, dass die Mehrheit der Mitglieder des CDU-Wirtschaftsrats sich das locker leisten kann. Aber die große Mehrheit der Deutschen hätte ein Riesenproblem damit. Zahnarztbehandlungen sind nicht eine Sache von 10 Euro. Das war ein Vorstoß, der sich in den letzten Jahren, Der, glaube ich, wieder diesen Kern getroffen hat, der all diesen Vorstößen, die gerade aus dieser wirtschaftskonservativen Ecke der Unions-Bubble kommen, betrifft, dass die Leute das Gefühl haben, da gibt es so ein paar, die wirklich gut dastehen und mal sich Gedanken machen, wer mal alles noch mehr leisten sollte. Du hast diese Arbeitszeitgeschichten angesprochen und auch hier geht es ja letztlich darum, leistet mehr im Sinne von, bezahlt bitte schön auch noch eure eigenen Behandlungen. Und das geht immer wieder in dieselbe Richtung und ich kann mir nach wie vor vorstellen, dass das in einer ganz bestimmten Klientel zu so einem, genau, die sollen mal, führt und dass da so eine Applauswelle auftritt. Aber mein Gefühl ist, dass inzwischen immer mehr genervt davon sind, verärgert davon sind und das eben ganz klar auch in den eigenen Reihen von Friedrich Merz, also in der Union. Wir dürfen immer nicht vergessen, in ein paar Tagen ist CDU-Parteitag in Stuttgart und dieser Parteitag wird natürlich dazu da sein, nochmal so eine Art Positionsbestimmung zu machen. Wo stehen wir als Union? Die Umfragen sind nach wie vor überhaupt nicht da, wo sie sein sollten und sein könnten. Und natürlich ist immer die Frage, haben wir uns zu weit von unserem Kern entfernt, sind wir noch die wirtschaftsfreundliche Partei, die wir sein wollen und so weiter. Das spielt alles eine Rolle. Aber inzwischen habe ich das Gefühl, kommt da so eine Massivität dieser Vorschläge rein, die weder Friedrich Merz gefallen kann, noch den Wahlkämpfern in den Ländern. Ja. Die müssen sich ja permanent auf den Marktplätzen mit diesen Dingen auseinandersetzen. Es sind ja auch alles Vorschläge, die relativ schnell Gegenwind bekommen haben aus der CDU. Zwar bei der Lifestyle-Teilzeit, in Anführungsstrichen. Jetzt ist es auch so gewesen bei diesem Zahnarztvorstoß. Ich glaube, wir müssen uns noch mal ganz kurz diesen CDU-Wirtschaftsrat auch anschauen. Denn der trägt ja die CDU im Namen. Aber er ist eigentlich keine Teilorganisation der CDU. Er darf diesen Namen tragen. Also diese CDU-Nähe ist offiziell und ist klar. Und Friedrich Merz war tatsächlich auch selber, bevor er CDU-Parteichef wurde, war er selber in der Führung dieses Wirtschaftsrats. Interessanterweise, als er dann Parteichef wurde, ist ihm nachgefolgt Carsten Wildberger, der jetzt sein Digitalminister ist. Also das ist so eine kaderschmiede auch für wirtschaftsliberale unionsleute so das ist ein gremium das aber natürlich gehört wird und das einfluss hat und in dem große unternehmer drin sind und auch namen sind die als lobbyisten, sicherlich wirkmächtig sind und wenn die so ein papier rausgeben ist das nichts wo man sagen kann ja okay sorry nische sondern. In der Union gibt es viele, die da sehr wohl drauf hören, was sie sagen. Ich finde es faszinierend. Ich habe es auch letzte Woche schon mal angesprochen, wie stark wir jetzt aktuell diese ganzen Vorschläge kriegen. Immer wieder Arbeitswelt, immer wieder, wie du gesagt hast, mehr Arbeiten. Es geht ja auch immer um die Arbeitnehmenden am Ende, die mehr leisten müssen. So heißt dieses Papier übrigens auch, Agenda für Arbeitnehmer. Finde ich tatsächlich auch faszinierend, weil, also wenn das das Papier ist für die Arbeitnehmenden, weiß ich nicht, was dann das Papier ist für die Wirtschaftsunternehmen. Wenn es bei den Arbeitnehmenden erstmal darum geht, dass Leistungen gestrichen werden. Ich habe schon so das Gefühl, die Union testet gerade auch ganz viel aus. Einfach Maximalforderungen oder zumindest eben Teile der Union oder unionsnahe Verbände, Maximalforderungen auf Kosten der Arbeitnehmenden. Wie weit kann man eigentlich gehen? Aber gleichzeitig ist das ja natürlich auch so eine Klein-Klein-Debatte. Also hier geht es um Zahnarztbesuche, dann geht es um die eine Stunde mehr arbeiten, dann geht es um Krankheitstage, beim ersten Tag keinen Lohnausgleich mehr zu bekommen. Also wir verzetteln uns gerade in so ganz, ganz vielen Debatten. Das ist halt so ein Dilemma. Natürlich muss man gleichzeitig sagen, dass wir immer auch gerade als Medien immer sagen, ja, aber okay, was heißt das denn konkret? Wo könntet ihr denn was regeln? Und deshalb muss so ein Vorschlag natürlich auch immer sagen können, wir wollen, dass die Leute mehr machen. Und zwar an diesen drei Stellen könnte man es schon mal einführen. Also man muss natürlich auch sehr konkret werden und dann ist es oft eben ein bisschen kleiner. Aber ich bin total bei dir, dass es extrem klein, klein wirkt, wenn man es mal so in dieser Gesamtschau sieht. Vor allem, wenn man sich überlegt, sind das eigentlich wirklich die Arbeitsdebatten, die wir heute sinnvollerweise führen sollten? Müssen wir nicht... Viel größer denken, müssen wir nicht in einer Zeit denken, bei der wir wissen, dass sich die Arbeitswelt durch KI vor allem in den nächsten Jahren so radikal umformen wird und das sagen uns Wirtschaftsinstitute, das sagen uns die Tech-Gurus aus dem Silicon Valley, das sagt inzwischen jeder. Die Arbeitswelt, die wir heute jetzt sehen, die wird in ein paar Jahren, die einen sagen in ein, zwei Jahren, die anderen sagen in zehn Jahren, aber egal, das geht schneller, als wir alle gucken können, die wird nicht mehr diejenige sein, die wir kennen. Und dann wirken diese Debatten umso kleinteiliger und vor allem so fast gestrig, weil sie überhaupt nicht einpreisen, dass wir, jetzt sage ich schon wir, aber dass im Grunde die Politik die Menschen darauf vorbereiten sollte, dass das, was sie jetzt für normal und für auch planbehalten, möglicherweise sich grundstürzend ändert. Und das fängt an bei der Produktion. Also die Frage, wir sind diese Dark Factories. Es gibt Produktionen, die den Menschen gar nicht mehr braucht, die auch nicht mehr viel Energie braucht, weil sie im Dunkeln stattfinden kann und so weiter. Wenn darauf flächendeckend umgestellt wird, dann brauchst du ganz viele dieser einfachen Industriearbeiterjobs, die brauchst du alle gar nicht mehr. Das gleiche in der Verwaltung. Wer macht denn in zwei Jahren noch Buchhaltung im Sinne von Reisekostenabrechnung für ein großes Unternehmen? Das macht alles die KI. Da fallen. Und tausende Arbeitsplätze demnächst weg und tausende Optionen für Berufseinsteiger, erstmal sich in einem Unternehmen zu setteln, um zu gucken, will ich bis ins Management oder steige ich vorher aus. All das, was heute selbstverständlich ist, das wird es in ein paar Jahren gar nicht mehr geben. Und wir reden jetzt darüber, ob wir Zahnarztbehandlung selber bezahlen oder ob wir eine Stunde mehr arbeiten. Ich finde das so einen total wichtigen Punkt. Es gab auch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, IAB, die sich auch damit beschäftigt haben, wie KI den Arbeitsmarkt in den nächsten 15 Jahren verändert wird und die auch zu dem Schluss gekommen sind. Das sind riesige Veränderungen. Die haben von Zahlen gesprochen, um die 800.000 Arbeitsplätze, die wegfallen könnten durch KI. Die Vorstände gehen allerdings auch davon aus, dass ungefähr genauso viele neue Arbeitsplätze entstehen, auch rund 800.000, aber natürlich ganz anders aussehen. Und was eben ganz klar ist, die Arbeitswelt wird sich extrem verändern und ich habe bei den Debatten, die wir aktuell führen über die Arbeitswelt und diesen Fleißdebatten das Gefühl. Vielleicht ist es auch einfach so, dass dieser Umbruch so groß ist, der da auf uns alle zukommt, dass man teilweise wirklich so Berührungsängste hat und dann lieber eben im Hier und Jetzt über eine Stunde mehr Arbeit diskutiert und ein bisschen so tut, Und als würde quasi der Arbeitsmarkt, wie wir ihn heute kennen, auch in der Zukunft noch so weiter existieren. Und dann könnte man dem einfach nur so ein kleines bisschen verändern, dass wir alle mehr arbeiten. Und dann ist damit die Wirtschaft gerettet und ausblendet, was da für ein enormer Umbruch noch kommt. Und umgekehrt, und das sieht man ja jetzt auch tatsächlich so bei den CDU-Wahlkämpfern, vor allem da, wo CDU-Wahlkämpfer gegen zum Beispiel SPD-Mitbewerber kämpfen müssen. Die merken natürlich, dass du mit so einer Debatte die Leute total verunsicherst. Sagst, es werden noch ganz viele Dinge sein. Also wir werden euch Leistungen wegnehmen und sonst wie. Und natürlich, die sagen ja, ich muss ja gerade gegen einen SPD-Mensch versuchen, Punkte zu machen. Und die SPD stellt sich hin, wir sind aber die Beschützer der Arbeitnehmerschaft und so weiter. Das ist für die CDU-Wahlkämpfer natürlich gerade doppelt doof. Die Vorschläge sind nicht zu Ende gedacht und sie treiben natürlich die Wählerinnen und Wähler im Zweifel eher der SPD zu. Genau, wir haben ja zwei Landtagswahlen, die jetzt unmittelbar bevorstehen im März, also in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg möchte die CDU wieder den Ministerpräsidenten stellen. Aktuell sind es die Grünen, aber wenn man auf die Umfragen schaut, führt die CDU und in Rheinland-Pfalz hofft die SPD darauf, dass sie die Wahl gewinnen und ihr Amt verteidigen können. Weil ansonsten steht da für die SPD relativ viel auf dem Spiel, auch innerparteilich und das weiß auch die Union. Das stimmt und das ist nochmal so eine Ebene darüber, dass natürlich diese Wahlkämpfe einmal ganz konkret in den Ländern die Frage, wer regiert, das ist das eine. Aber keiner dieser Wahlkämpfe hat nur eine Bedeutung für diese Länder. Und gerade dieser Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, wo es darum geht, dass die SPD ihren Ministerpräsidenten verteidigen will, ist natürlich die Frage, was ist, wenn die SPD das verlieren sollte, wenn es dort also einen Machtwechsel gäbe. Ja klar, würde sich die CDU freuen und ihren Mann durchgekriegt haben und Mainz regieren. Kein Ding. Aber was sind die langfristigen Folgen? Die langfristigen Folgen sind natürlich, dass die SPD eine herbe Niederlage erleiden würde. In einer Phase, wo es der SPD eh nicht gut geht. Die sind bei 15 Prozent. Das ist im Grunde zahlmäßig keine Volkspartei mehr. Aber sie haben diesen Anspruch so. Was bedeutet das, wenn Rheinland-Pfalz kippt? Das natürlich setzt es die SPD-Spitze. Unter Druck. Und diese SPD-Spitze sind im Moment Lars Klingbeil und Bärbel Baas, die beiden Stützen für Friedrich Merz in der Koalition. Das heißt, der Druck wächst. Möglicherweise gibt es eine Führungsdebatte. Möglicherweise reagiert eine angeschlagene, angezählte SPD, wie viele Parteien in so einer Lage reagieren, nämlich mit Profilierungssehnsüchten. Das heißt, es wird rauer, auch in der Bundesregierung. Das kann sich die CDU natürlich alles nicht wünschen. Umgekehrt kann sie nicht sagen, okay, nehmt halt meins, wir ziehen zurück, macht meins. Und das geht natürlich auch nicht. Das ist schon klar, aber das ist so ein bisschen das Dilemma. Und natürlich gibt es, wenn du dich in der Union umhörst, ganz viele, die sagen, wir haben gar kein Interesse daran, dass die SPD schwach ist. Klar, wir wollen die Waren gewinnen. Wir wollen immer Nummer eins sein. Keine Frage. Aber bitteschön, die SPD soll auch stark sein. Es gibt Leute, die sagen, wir 35 Prozent, die SPD 30 Prozent und alles wäre fein. Das ist natürlich eine Sehnsucht. Das ist eine Sehnsucht an die guten alten Zeiten, als Friedrich Merz ein junger Politiker war, es nur drei Parteien gab und alles ganz easy-beasy war. Also entweder die einen oder die anderen, aber stabile Mehrheiten. Also es gibt eine Sehnsucht in der Union nach einer starken SPD und das finde ich in diesem frühen 2026 ein Befund, den man mal so ein bisschen mitnehmen kann durch das Jahr und ich glaube es ist was dran und ich glaube es wird vieles leiten und ganz ehrlich, diese Debatte, über die wir jetzt die ganze Zeit geredet haben, diese Fleißdebatte nennen wir sie mal so, die immer so von den konservativen Wirtschaftsleuten in der Union kommt. Die könntest du, wenn du ganz böse wärst, als Teil dieser Strategie schon bewerten. Denn je massiver das wird, desto eher hat natürlich die SPD zu sagen, so und wir beschützen euch vor all diesen bösen Unionsthemen. Aber so weit wollen wir natürlich nicht gehen, zu sagen, dass der Wirtschaftsrat im Grunde Mission SPD retten betreibt. Ich würde jetzt auch mal nicht unterstellen, dass das quasi so weit eine Strategie war, so weit um die ecke gedacht dass man sagt okay diese ganze debatte jetzt schade der union aber davon profitiert ja die spd und das möchte die union am ende auch aber vielleicht ist es ja tatsächlich so also ich meine du hast es erzählt bei den wahlkämpfern vor ort in baden-württemberg oder den rheinland-pfalz bei den cdu wahlkämpfern ist man not amused über das was da gerade so passiert ja, Total. Und perspektivisch heißt für alle, wenn wir die Debatte richtig polarisieren und so weiter, wer gewinnt von solchen polarisierten Debatten? Wer profitiert? Es sind die Ränder. Es sind die Ränder ganz links und die Ränder ganz rechts, die sagen. Leute, wir würden euch immer vor all dem Quatsch beschützen und jede kluge Sozialstaatsdebatte ist gar nicht mehr möglich, wenn die Lage so aufgeheizt ist. Ich habe aktuell so das Gefühl, wenn man auf die Union schaut, dann hält sich die Parteispitze so ein bisschen zurück mit großen Reformen, Ideen, Vorschlägen. Das kommt aktuell irgendwie so ein bisschen vom Rand, also sei es jetzt von der Mittelstand- und Wirtschaftsunion oder eben vom Wirtschaftsrat der CDU. Da kommen die ganze Zeit Vorschläge vom Rand. In der Spitze hält man sich zurück. Vielleicht auch, weil man den Parteitag abwarten möchte. Und dann auch die Landtagswahlen abwarten möchte. Und keine große Debatte jetzt noch riskieren möchte, die am Ende den Landtagswahlkampf beeinflusst. Wie ist denn jetzt allgemein, würdest du sagen, aktuell die Stimmung in der Union vor diesem Parteitag, der jetzt dann ja ansteht in zwei Wochen? Ja, schwierig. Die Union fühlt sich schon ganz schön unter Druck durch diese nach wie vor sehr schlechten bundesweiten Umfragen. Zumal das Fiese daran ist ja aus Unionssicht, dass die AfD immer noch mindestens gleichauf in manchen Umfragen ja auch zuletzt auch mal auf Platz 1 lag. Und die Landtagswahlen, ja, in Baden-Württemberg sieht es ganz gut aus. In Rheinland-Pfalz kann es ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden und in Sachsen-Anhalt, darüber haben wir schon oft gesprochen, wird es wirklich eng. Das ist sehr schwierig und alle wissen eben auch, auch darüber haben wir schon oft gesprochen, diese Sozialstaatsreformen, die anstehen, die werden nicht einfach. Und ja, ich glaube auch nicht, dass es nach dem Parteitag plötzlich alles besser wird und einfacher wird. Aber ich glaube, dass in der Unionsspitze schon auch angekommen ist, wir müssen jetzt für Pragmatismus sorgen. Wir müssen die aufflammenden Debatten auch einordnen und schnell auch von der Spitze her beenden. Also dass sich die erste Reihe praktisch hingestellt hat, als diese Lifestyle-Debatte kam und gesagt hat, nein, Teilzeit ist eine gute Sache. Oder jetzt hinstellt und sagt, nein, Zahnarztbehandlungen werden weiter bezahlt von den gesetzlichen Krankenkassen. Ihr spinnt ja wohl alle. Das ist gut so und das ist klar so, aber gewünscht haben die sich das bestimmt nicht, das immer so machen zu müssen. Und es zeigt ja auch irgendwie einfach eine Nervosität oder auch eine Unsicherheit innerhalb der Partei irgendwie, oder? Wenn man diese ganzen Debatten immer wieder hat und jetzt auch irgendwie nicht geeint in diesen Parteitag geht. Ja, das ist die Lage und du könntest jetzt positiv sagen, ist halt die letzte Volkspartei, die wirklich von Sozialflügel, der wirklich in manchen Punkten wahrscheinlich eine SPD-Position hält und diesen sehr wirtschaftsliberalen, dass das ist eben Volkspartei, das muss man hinkriegen. Das musste die Union in den letzten Jahrzehnten immer hinkriegen, aber wenn das Ganze unter so einem hohen Druck auch noch passiert, wird es natürlich wirklich anstrengend. Und dann einem Kanzler, der eigentlich gerade, wir kommen ja eigentlich aus dem Golf gedanklich, auf einer ganz anderen Umlaufbahn permanent präsent sein muss. Und weder Zeit noch Kapazitäten hat eigentlich, um Arbeitszeitregelungen und sonst wie zu streiten, beziehungsweise die Probleme da zu lösen. Also ja, das wird die Herausforderung, glaube ich, werden in den kommenden Monaten, also auch nach den Landtagswahlen, wenn es dann wirklich in diese großen Reformen geht, wenn die Kommissionen ihre Ergebnisse vorlegen, dass Friedrich Merz dann gleichzeitig diese Umbrüche in der Weltpolitik handeln muss und aber präsenter sein muss im Land. Und bei den Themen, die halt wirklich die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland beschäftigen. Total. Auch mehr bewegen. Also das ist halt einfach der Alltag. Natürlich alles unter dem großen Deckmantel der weltpolitischen Lage, aber trotzdem, glaube ich, beschäftigt ganz viele Menschen dann doch die Themen, die sie halt im Alltag direkt betreffen. Mehr häufig als die Frage, was passiert eigentlich mit Trump und Putin und wie geht es weiter in der Ukraine. Und jetzt die Zahl der Woche. Hast du denn in dieser Folge noch eine Zahl der Woche für uns? Julia. Ja, das ist ein bisschen traurig. Meine Zahl, also die Zahl selbst ist nicht traurig, aber der Anlass ist traurig. Ich habe die 88, so alt ist Rita Süssmuth geworden und ich weiß gar nicht, ob alle, die uns zuhören, den Namen Rita Süssmuth noch so präsent haben. Für viele Generationen in der Bundesrepublik war das eine ganz wichtige Figur. Langjährige Bundestagspräsidentin, Familienministerin, Frauenministerin in der CDU und wirklich eine Frau, die, glaube ich. Allen, die manchmal dachten so, boah, ein Männerladen, der am Ende doch einfach nur strukturkonservativ ist. Letztlich die CDU immer wieder auch als Partei hat denken lassen, in der es eben auch Rita Süssmutz gab. Und das war schon eine tolle Frau durch all die Jahrzehnte. Und ich fand es sehr interessant, dass Merz sie natürlich gewürdigt hat und nochmal gesagt hat, sie ist ein Leitstern und sie ist ein Vorbild und hat unsere Gesellschaft modernisiert. Aber hat eben sich auch verkniffen, dann zu sagen, hat auch die CDU modernisiert. Und dieser Name Rita Süßmuth steht für die leider immer wenigen, aber doch auch sehr starken CDU-Frauen, die immer wieder es schaffen, dieser Partei auch ein weibliches, liberales, modernes Gesicht zu verleihen. Ich fand es ganz interessant, es soll ja einen Trauerstaatsakt geben für Rita Süßmuth und dabei habe ich gesehen, dass sie erst die dritte Frau ist in der Bundesrepublik, für die es überhaupt einen solchen Trauerstaatsakt gibt. Also es gibt eine ganze Reihe von Männern, aber sie ist erst die dritte Frau. Das finde ich schon irgendwie krass, wenn man sich das so nebeneinander anschaut. Man denkt immer, wir sind so weit gekommen schon mit der Gleichberechtigung. Wir hatten halt extrem wenige Frauen in höchsten Staatsämtern. Und diese Staatsakte zur Trauer gibt es eben nur für höchste Ämter. Ja. Das ist dann eben die Folge daraus. Nächstes Jahr wird ja der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin gewählt. Vielleicht haben wir dann mal eine Frau im höchsten deutschen Staatsamt. Ja, ich glaube, da führt einfach kein Weg mehr dran vorbei. Aber was ist deine Zahl? Ich habe eine lustige Zahl oder eine fröhliche Zahl. Je nachdem, wie man es sehen möchte. Aber wir haben ja über diese ganze Reihe von Anträgen gesprochen, die die CDU jetzt eingebracht hat für den Bundesparteitag. Und da gab es auch einen Antrag, den ich ganz nett fand. Da geht es nämlich um die Fußball-WM. Um die Fußball-WM der Herren. Die findet jetzt ja dieses Jahr in den USA, in Kanada und in Mexiko statt. Schauen wir mal. Ja, schauen wir mal. Denn es gibt ja jetzt schon Debatten darüber, ob man die WM nicht boykottieren sollte aufgrund der Ereignisse in den USA aktuell unter Donald Trump. Vielleicht lädt Trump auch alle anderen Länder aus und verteilt die Medaillen einfach unter republikanischen Abgeordneten. Ja, oder er verleiht noch ein paar Friedenspreise, man weiß es nicht. Also auf jeden Fall unter Trump ist nicht sicher. Aber es gibt jetzt auch einen Antrag für den Bundesparteitag der CDU darauf, dass sich doch die CDU dafür einsetzen soll, dass sich Deutschland wieder bewirbt für die WM als Austragungsort, nämlich für 2042. Und das ist meine Zahl der Woche. Ich finde, 2042 hört sich so wahnsinnig weit weg an. Wie alt ist Friedrich Merz im Jahr 2042? Ich habe vorhin nachgeguckt und ich glaube, er müsste 88 sein. Krass. Ja, aber es fand ich irgendwie ganz nett. Das sind doch mal die wichtigen Anträge für den Bundesparteitag. Und der Wirtschaftsrat wird bestimmt sagen, und wir geben auch noch eine Marge vor, wie viele Medaillen erreicht werden müssen. und zwar aus welchen Milieus und, Der Wirtschaftsrat findet es doch bestimmt gut, weil Austragungsort der WM zu sein, ist doch immer auch ein Antrieb für die heimische Wirtschaft. Auf jeden Fall. Dann haben wir endlich alle befriedet am Ende dieser Runde. Wenn bis 2042 nicht noch 7000 andere Sachen passiert sein werden. Total unwahrscheinlich. Total unwahrscheinlich. Ansonsten würde ich sagen, hören wir uns nächste Woche wieder. Vielen Dank fürs Zuhören. Und wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann würden wir uns natürlich sehr freuen über eine Fünf-Sterne-Bewertung, auf welcher Plattform auch immer ihr uns geradezu hört. Tschüss. Tschüss.