Latest / scobel / Was Wissenschaft allein nicht erklären kann – scobel
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- 0:00Speaker 0: Auch in der Philosophie gibt es Moden, Trends und Vorlieben.
- 0:04Speaker 0: Und solche Vorliegen verhindern manchmal dass sich eine neu entstehende Einsicht oder Theorie entwickeln kann.
- 0:11Speaker 0: auch Denkgewohnheiten die aus Gewohnheit mitgeschleppt werden und verhinderen das Dinge anders neu gesehen werden können.
- 0:18Speaker 0: Die sogenannte analytische Philosophies die stark analogik und Mathematik orientiert ist hat zweifellos ihre Vorzüge gehabt.
- 0:26Speaker 0: Andererseits neigt sie dazu, sich mit reinen Elfenweinturmproblemen zu befassen.
- 0:31Speaker 0: Die nicht nur kaum noch in Kontakt mit der Wirklichkeit stehen sondern auch auf eine merkwürdige Art und Weise versuchen die empirischen Wissenschaften in der Philosophie irgendwie zu imitieren.
- 0:42Speaker 0: Lange Zeit gab es gerade wenn man Karriere in der akademischen Philosophies machen wollte ein geradezu erstickendes und einseitiges Überangebot an analytischer Philosophien.
- 0:54Speaker 0: Wer Karriere machen wollte, muss analytische Philosophie machen.
- 0:57Speaker 0: Sie bestimmte die Regeln.
- 0:59Speaker 0: Das verändert sich gerade nicht zuletzt weil zunehmend die Einsicht kommt dass Philosophies eben nicht einfach Mathematik ist.
- 1:07Speaker 0: Es gibt noch eine andere Seite und um die geht es in dieser Ausgabe in der ich mich nicht erschrecken Posi und dem neuen Buch des Philosophen Charles Taylor Zuwende dessen Bedeutung Manchmal, mit der das unlängst verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas verglichen wurde.
- 1:35Speaker 0: Es hat lange gedauert aber inzwischen finden auch die lange eher mit milden Lächeln bei Seite geschobenen indigenen Philosophien Eingang in aktuelle geisteswissenschaftliche und auch politische Debatten hier bei uns.
- 1:49Speaker 0: Und das nicht nur, weil sie zum Beispiel etwas über unser Naturverhältnis oder den Klimawandel zu sagen haben.
- 1:55Speaker 0: Manche finden das gefährlich aber Geistes- und Naturwissenschaften befassen sich mit Bereichen unseres Lebens in denen notorische Neugier und promiskultive Wissenslust leider nicht nur durch Methoden gebremst und eingehegt werden sondern auch durch Voreinstellung beises Und diese nicht immer richtig.
- 2:15Speaker 0: Zu solchen Voreinstellungen gehört zum Beispiel die Annahme, dass Subjekte mit ihrer subjektiven, das heißt auch persönlich geprägten Perspektive weniger objektiv und deshalb auch weniger brauchbar sind in der Wissenschaft genauso wie in der Philosophie.
- 2:31Speaker 0: Gut ist was nutzt?
- 2:34Speaker 0: Dass aus der Paarung von Wissenslost und Neugier dennoch Manchmal ungewollte Einsichten, neue Einsichten hervorgehen wird eher argwöhnisch betrachtet.
- 2:43Speaker 0: Der Grund dafür ist relativ einfach auf diese Art und Weise entsteht eine verwirrend oft widersprüchliche Vielfalt zunächst subjektiver Perspektiven die man dann versuchen muss durch vereinheitlichende Theorien irgendwie zusammenzubringen und zu zähmen.
- 3:00Speaker 0: Theorin dies allererst noch zu finden oder sogar zu erfinden gilt.
- 3:04Speaker 0: Erst wenn die wilde Datenherde der persönlichen Perspektiven dann im Stall ist, lässt sich ein solider Überblick gewinnen und man kann anfangen, die Schäfchen zu zählen.
- 3:21Speaker 0: Was auffällt?
- 3:22Speaker 0: Trotz all dieser Bemühungen hat sich in den letzten Jahren ein anderer Ton in die Philosophie eingeschlichen, der allmählich zur einer Verschiebung des Schwerpunkts Philosophie führt und ich meine damit ausnahmsweise mal nicht das KI-Thema.
- 3:36Speaker 0: Das philosophische Denken verändert sich seit Jahren in Richtung auf etwas, dass in gewisser Weise an die Strömung der Romantik denken lässt.
- 3:44Speaker 0: Es gibt ein neues Interesse am sogenannten Nature Writing An einer sprachlich genauen und zugleich poetischen Aufarbeitung authentischer Erfahrung mit und in der Natur Erfahrungen, die vermeiden schon mit dem ersten Schritt wieder in die Falle des instrumentellen Denkens zu tappen.
- 4:00Speaker 0: Das Interesse an Lyrik oder an Geschichten, wie es immer so schön heißt am Narrativen ist ebenso erwacht.
- 4:07Speaker 0: Wie das Interesse gerade an Indigenen, Denkweisen und Philosophien.
- 4:11Speaker 0: Erst spät haben Philosophen begriffen dass die Alleinherrschaft der analytischen Philosophie eine ganze Menge von blinden Flecken erzeugt weil sie versucht den im Grunde mathematischem Kern der Physik auf die gesamte Sprache und das gesamte Denken und auch die Philosophied zu übertragen.
- 4:28Speaker 0: Doch was passiert da?
- 4:30Speaker 0: Der Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa war einer der Ersten, die erklärte.
- 4:35Speaker 0: Es gehe in eine Situation zunehmender Entfremdung und Instrumentalisierung von Natur, Gesellschaft neue Resonanzbeziehungen herzustellen.
- 4:48Speaker 0: Eine der großen internationalen Philosophen, die diese Spur jetzt aufnimmt aber zugleich auch ihre historischen Wurzeln freilegt und genauer analysiert ist der Kanadier Charles Taylor.
- 4:59Speaker 0: Taylor ist ein akribischer Leser mit einem in der Philosophie selten gewordenen Überblick über gegenwärtige Fragen ebenso wie über Perspektiven- und Fragestellung der Vergangenheit, die allmählich in Vergessenheit zu geraten drohen.
- 5:13Speaker 0: Dazu gehört zum Beispiel die Phänomenologie oder die Hermeneutik.
- 5:17Speaker 0: Zudem ist Charles Taylor ein großer Kenner von Literatur und Disziplin, die an den Rändern von Philosophie und Wissenschaft angesiedelt ist – vor allem ist Taylor ein Entdecker!
- 5:29Speaker 0: Sein neues Buch Kosmische Verbindung Poesie im Zeitalter der Verzauberung befasst sich mit dem, was die westliche Philosophie derzeit wiederentdeckt.
- 5:39Speaker 0: Angeregt unter anderem durch die Auseinandersetzung mit indigenen Philosophien Literatur, Poesies und anderen Formen der Metaphysik die sich mit offen gebliebenen Fragen der Forschung des Lebens befassen.
- 5:51Speaker 0: So verschiedene Gebiete wie Komplexitätsforschung, Astrophysik oder Quantenmechanik auch sein mögen – in allen ist der Hinweis auf eine tiefe Verschränktheit Verbindung nicht nur des Lebens sondern aller Dinge gemeinsam.
- 6:06Speaker 0: Dass wir aus Sternenstaub gemacht sind weil alle höheren Elemente also höher als Wasserstoff in unserem Körper Prozessen der Kernfusion in Ferngalaxien verdankt haben, das ist längst keine Metapher mehr sondern eine sehr akurate wissenschaftliche Beschreibung die zugleich natürlich auch eine poetische romantische Seite in uns ansprechen kann.
- 6:28Speaker 0: Ernsthafte Philosophie schreibt Taylor, kann es sich nicht leisten poethische Einsicht zu ignorieren.
- 6:35Speaker 0: Mir scheint, dass Galt immer wurde aber lange nur in Gestalt der üblichen Gegenüberstellungen von Mythos und Logos verhandelt.
- 6:42Speaker 0: Neu hingegen ist jetzt der Ton und die Véhemence mit der diese alte Wahrheit furchtbar gemacht wird.
- 6:49Speaker 0: Genau hier setzt Taylor ein.
- 6:51Speaker 0: Kossenwüchscheverbindung – seinen Buch – ist im Original双tausendvierundzwanzig bei Harvard erschienen und trägt den Untertitel Poesie im Zeitalter der Entzauberung.
- 7:01Speaker 0: Fast über siebenhundert Seiten analysiert er die philosophische Bedeutung von Poesie und Gefühlen, um geht dabei weit in die Geschichte zurück.
- 7:10Speaker 0: Seine zentrale These lautet –die alles andere als vorsichtig ist– der Mensch braucht kosmische Verbindungen.
- 7:18Speaker 0: Er hat sie immer gesucht und wird sie weiterhin suchen wollen!
- 7:22Speaker 0: Diese Suche ist nicht durch eine bestimmte kulturelle Brille bedingt, nicht optional.
- 7:27Speaker 0: Sondern diese Suche isst einer anthropologische Konstante.
- 7:31Speaker 0: Sie gehört entscheidend zum Menschen und macht aus was der Mensch ist.
- 7:36Speaker 0: Taylor definiert sie als ein Bewusstsein für die umgebende Welt, die von Freude, Bedeutung und Inspiration durchdrogen ist.
- 7:46Speaker 0: Und dieser Wunsch so seine Hypothese von wenigstens einigen Menschen empfunden worden, nahm allerdings in jeder Epoche auch durchaus andere Formen an.
- 8:00Speaker 0: Für einen Philosophen der die analytische Tradition gut kennt und in ihr ausgebildet wurde ist das eine bemerkenswerte Behauptung.
- 8:08Speaker 0: Das Problem mit einer solchen Behauptungen ist aus der Perspektive der Wissenschaften dass sie sich nicht so schnell falsifizieren lässt und wissenschaftliche Aussagen sollten ja falsifiziert sein.
- 8:19Speaker 0: Taylor weiß das, und das Problem trifft in gewisser Weise den Kern seines Unternehmens.
- 8:25Speaker 0: aus diesem Grund ist seinem Buch nicht wie eine einzige Beweiskette oder als Rekonstruktion eines Arguments angelegt, sondern eher wie der Versuch einen vergessenen roten Faden wieder sichtbar zu machen.
- 8:39Speaker 0: Der sich aber durch die gesamte Geistesgeschichte man könnte sagen als Konstante hindurchzieht.
- 8:45Speaker 0: Dabei konzentriert Taylor sich vor allem auf einen begrenzten Ausschnitt der Geschichte, wie er zugibt.
- 8:51Speaker 0: Nämlich die westliche Dichtung der letzten zweihundert Jahre.
- 8:55Speaker 0: Auf diese Weise kann er jedoch eng an den überlieferten Texten der Dichtungen zeigen was mit diesem Bedürfnis nach kosmischer Verbindung gemeint ist.
- 9:04Speaker 0: Was geschieht wenn die Formen in denen es sich bisher in der Zeit vor der Romantik noch artikuliert hat?
- 9:10Speaker 0: Auf einmal zusammenbrechen neu gestaltet werden müssen.
- 9:14Speaker 0: Und genau das geschah ja in der frühen Neuzeit und dieser Prozess setzte ich bis heute weiter fort.
- 9:20Speaker 0: Es geht um die Geschichte einer flächendeckenden Entzauberung, die mit der Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Technologie ebenso viel zu tun hat wie mit der Entdeckung der Freiheit eines jeden Einzelnen also eines jeden einzelnen Menschen was zur einer Pluralisierung und Zersplitterung der öffentlich geteilten Ordnung zufolge hat.
- 9:42Speaker 0: Lange Zeit konnten Dichter auf ein allen gemeinsames Vokabular zurückgreifen, zum Beispiel das der göttlichen Schöpfung die sich dann im Mikrokosmos des Menschen widerspiegelt.
- 9:53Speaker 0: was aber wenn die Natur eine andere Sprache spricht als die Sprache Gottes?
- 9:58Speaker 0: oder wenn man es philosophisch betrachtet der platonischen Ideen?
- 10:02Speaker 0: mit Galilei Newton und vor allem mit Descartes setzt eine immer schärfer werdende Trennung von Subjekt und Objekt ein in deren Folge dieses Bezugsfeld allmählich zerfällt.
- 10:14Speaker 0: Mit allem Mal gibt es die materielle Welt einer seelenlosen Mechanik, die ohne jede menschliche Bedeutung und damit buchstäblich sinnlos ist.
- 10:26Speaker 0: Erschließbar und relevant ist dann nur noch das was der Philosoph Max Schäler – Das Leistungswissenante also ein Wissen, dass Herrschaft Technologie ermöglicht.
- 10:34Speaker 0: Was dabei aber verloren geht, Weltbild und ein Gefühl für Zusammenhänge, für Verbindungen.
- 10:41Speaker 0: Sondern auch die Sprache mit der wir uns selber und unsere Gefühle in diesem größeren Zusammenhang stellen können und die Wahrnehmung von Natur verbinden können damit.
- 11:01Speaker 0: Was nach dem Bruch kommt ist der eigentliche Gegenstand des Buches.
- 11:06Speaker 0: Die Dichter und Philosophen der Romantik allen voran, die deutschen Autoren von den siebzenhundert neunzigern Jahre wie Hölderlin und Novalis, Hegel, Fichte, Schelling, Goethe – Sie alle erfinden etwas Neues!
- 11:18Speaker 0: Dass sie sich nicht mehr auf eine gemeinsame Ordnung berufen können.
- 11:23Speaker 0: allmählich zerbröselt, erschaffen sie ihre eigenen Bezugsfelder durch Sprache und diese Sprache bewirkt etwas.
- 11:30Speaker 0: Sie schafft neue Gefühle, neue Empfindungen bringt neue Impulse in die
- 11:34Speaker 0: Welt.".
- 11:34Speaker 0: Genau dieser schöpferische Akt ist der angemessene Gebrauch, der gerade von ihnen neu entdeckten Freiheit einer Freiheit mit der sie sich von alten Mustern lösen konnten.
- 11:46Speaker 0: Hölderliens Götter Rilkes Engel jetz Bezanz verändern ihre Bedeutung, weil sie keine losgelöste absolute Existenz mehr haben – also das engelt tatsächlich existieren zum Beispiel – sondern zur Erfüllung ihrer Funktion des fühlenden Herzens der Menschen selbst bedürfen.
- 12:05Speaker 0: Wie Hölderlin das formuliert?
- 12:07Speaker 0: Taylor übernimmt für dieses Phänomen von den Literaturwissenschaftler Earl Wasserman den Begriff der subtileren Sprachen.
- 12:15Speaker 0: Gemeint sind Sprachen die eine Nennen das man tiefer liegende Ordnung, die nicht unmittelbar sichtbar ist.
- 12:23Speaker 0: Nicht nur beschreiben sondern vor allen Dingen auch mithilfe ihrer Sprache neu erfahrbar erlebbar machen.
- 12:30Speaker 0: Die Dächterschreibtailer lassen uns kosmische Ordnungen intensiv erleben behaupten jedoch nicht dass diese jenseits des menschlichen Erlebens tatsächlich existieren.
- 12:42Speaker 0: und das ist das Neue.
- 12:43Speaker 0: wo frühere Autoren ihre Vorstellung von kosmischen Ordnungen, z.B.
- 12:48Speaker 0: Götterhimmel, Olympus
- 12:49Speaker 0: usw.,
- 12:50Speaker 0: als fundamentale Wahrheiten verkünden konnten, erheben deren postromantische Nachfolger, Zitat nur noch den Anspruch, den Zwischenraum zu
- 13:00Speaker 0: charakterisieren.".
- 13:02Speaker 0: Das ist für Taylor ein entscheidender Begriff.
- 13:04Speaker 0: was es gemeint mit diesem Zwischenraum.
- 13:06Speaker 0: Gemeint ist der epistemische Ort also der Ort, der eine Erkenntnis markiert den die traditionelle an den Wissenschaften orientierte Erkenntnistheorie längst nicht mehr vorsieht oder vergessen hat.
- 13:18Speaker 0: Es geht dabei um den Zwischenraum, der sich genau zwischen objektiver Behauptung und subjektiver Erfahrung zeigt.
- 13:27Speaker 0: Da tut sich etwas auf – etwas das Zwischenbeobachter und Welt zwischen Subjekt-und Natur geschieht und dennoch nichts ist sondern im Gegenteil nach wie vor eine große Bedeutung für unser Leben haben kann!
- 13:40Speaker 0: Dieser Zwischenraum ist ein eigener dritter Bereich, ein drittes Feld und weder allein auf Wissenschaften noch einfach auf das subjektive Gefühl reduzierbar.
- 13:50Speaker 0: Lyrische Gedichte oder Musik beispielsweise können in diesen Bereichen diesen Zwischenrahmen hineinziehen.
- 13:57Speaker 0: Der einzige Weg zu diesem Bereich oder Zustand, der mit ihm verbunden ist.
- 14:02Speaker 0: Ist der Aufenthalt in diesem Zwischenbereich?
- 14:04Speaker 0: Die Erfahrung im Zwischen-Bereich und den ermöglicht insbesondere die Kunst.
- 14:09Speaker 0: Von dieser Perspektive aus lassen sich zwei verschiedene Wege einschlagen.
- 14:13Speaker 0: Der eine ist der gewohntreduktionistische Weg.
- 14:15Speaker 0: am Ende es alles nur Physik oder Psychologie.
- 14:19Speaker 0: das innere individuelle erleben ist ohne weiteren Erkenntnis wert.
- 14:23Speaker 0: Taylor geht den anderen Weg erhält die Entzauberung die mit dieser Haltung des vorherrschenden Reduktionismus verbunden ist für einen grundsätzlichen und fatalen Irrtum.
- 14:33Speaker 0: Denn warum es nicht zuletzt zum Beispiel im Anthropozän geht, ist ja eine historisch entwickelte Instuintuition für unser höchst reales Verhältnis zu der real uns umgebenden Natur.
- 14:45Speaker 0: Nichts, was wir sind ist einfach isoliert.
- 14:48Speaker 0: Auch wenn wir glauben, wir könnten uns zum Beispiel von der uns umgebenden Natur irgendwie isolieren.
- 14:54Speaker 0: Wir leben in Verbindung und müssen daher das Verhältnis zu diesen Dingen um uns herum zur Natur besser verstehen intensiver wahrnehmen und ihm mehr Beachtung schenken wie als auch liebevoll gestalten, terminal, lethal und tödlich für uns werden soll.
- 15:11Speaker 0: Der ökologische Unterton davon ist natürlich in Telers Analyse immer wieder durchzuhören.
- 15:17Speaker 0: Doch Taylor will auf etwas anderes hinaus als reine Ökologie – das macht seine Analysee wie ich finde ebenso zugänglich wie elegant und wichtig.
- 15:33Speaker 0: Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts entdeckt die Wissenschaft die Tiefenszeit eine ungeheuer Erweiterte Zeitskala mit ganz vielen kosmischen Katastrophen, die sich in der Geschichte des Universums ereignet haben.
- 15:46Speaker 0: Indem eben nichts von Dauer ist und damit zerbricht nicht nur die Vorstellung von einer rolllichen Ordnung sondern auch die Erfahrung von Beständigkeit.
- 15:56Speaker 0: Die Verbindungen, die wir suchen durchwandert daher unterschiedliche Raum- und Zeitkonstellationen.
- 16:02Speaker 0: Aber es sind vor allem die Lyriker bzw.
- 16:04Speaker 0: Lyrikerinnen und SchriftstellerInnen, die diese Dimension suchen in denen sich innerhalb der Lebenszeit unserer Lebenszeit größere Muster zeigen, die Bedeutung für uns haben.
- 16:15Speaker 0: Wodler zum Beispiel war ein Autor, den nicht nur genau auf der Zeit dieser Verschiebung im Jahrhundert lebe sondern er versuchte sie sprachlich zu erfassen.
- 16:24Speaker 0: Im zwanzigsten Jahrhundert folgten ihm dann weitere Autoren.
- 16:27Speaker 0: Einer von ihnen war T.S.
- 16:28Speaker 0: Eliot, der in den Vorequartets – also in vier Quartetten zurückfindet zu einer in dem Fall theologisch zentrierten Ordnung des ruhenen Punktes einer kreisenden Welt, einer poetischen Fassung des Nungstans, also der ewigen Gegenwart Gottes.
- 16:44Speaker 0: Worum es Eliot ging ist einen Ausdruck zu finden für die Erfahrung eines übervollen Augenblicks.
- 16:52Speaker 0: Es so scheint, als ob eine höhere Zeit in unsere Erfahrung der Gegenwart einbricht.
- 16:58Speaker 0: Der Preis dafür ist Verzicht zu erliert, denn Menschen ertragen nicht sehr viel Wirklichkeit.
- 17:04Speaker 0: Gedichte haben die Aufgabe dieser Erfahrungen so kraftvoll zu beschreiben dass sie uns bewegen und im Idealfall verändern indem Sie uns zugänglich machen wovon diese Gedichte handeln.
- 17:16Speaker 0: Ein weiterer Autor den Taylor Intensiv analysiert ist Cechlas Milosh, der wie Elliot ebenfalls Nobelpreisträger für Literatur war.
- 17:25Speaker 0: Milosh stellt dieselbe Frage wie Elliot nur unter völlig anderen Bedingungen hat ja zunächst Unterhittler dann unter Stalin leben müssen.
- 17:32Speaker 0: Für Milosh war die Flucht in Natur und zarte Gefühle keine Option.
- 17:37Speaker 0: Was ist poesie wenn sie weder Völker noch Menschen rettet fragte er?
- 17:42Speaker 0: Das Taylor diese beiden Autoren wählt ist kein Zufall.
- 17:45Speaker 0: während Elliot mehr die Kontemplative Seite der Poesie verkörpert, ist es bei Milosch die geschichtlich ethische.
- 17:54Speaker 0: Und beide haben so Taylor mit der kosmischen Verbindung zu tun – nämlich mit einer Geschichte, zu der auch die Geschichte der Gewalt gehört!
- 18:03Speaker 0: Milošate behauptet, dass der dichterische Akt die Zukunft Antizipiere also in der Vorstellung die Zukunft vorwegnehme und uns dadurch der Zukunft näher bringt.
- 18:13Speaker 0: Tela versucht zu erfassen was moralisches und ethisches Wachstum überhaupt ausmacht, was das beinhaltet?
- 18:20Speaker 0: Und in dem Zusammenhang welche Rolle nicht zuletzt Sprache der Dichtung und Poesie dabei spielen übersehenden Zwischenräume hineinzuziehen und uns auch vor allem neue Möglichkeiten der Existenz, existenzielle Möglichkeiten zu eröffnen.
- 18:37Speaker 0: Am Ende sind es immer wieder Texte die einen Fortschritt zumindest in dem Maße beinhalten wie zum Beispiel Die Erklärung der Menschenrechte.
- 18:46Speaker 0: das Verhalten hängt halt hinterher aber mit diesen Texten die wir dann hatten die Erklärungen der Menschenrecht haben sie unser Verhalten im Laufe der Zeit verändert.
- 18:55Speaker 0: Doch Geschichte ist natürlich ein offener Prozess, in dem sehr viel passieren kann.
- 18:59Speaker 0: Insbesondere die lyrische Sprache erinnert uns aber an die Möglichkeiten, die aus einer intensiv erfahrenen kosmischen Verbindung auch eine Verbindung mit der Natur hervorgehen können.
- 19:12Speaker 0: Die zeitgenössische Form kosmischer Verbindungen findet sich allerdings nicht nur in der Lyrik sondern auch zum Beispiel in wissenschaftlich informierten Naturbeschreibung – zum dem nach Taylor beispielsweise, die von Alexander von Humboldt gehören.
- 19:28Speaker 0: Also eine Tradition zu der ich das zählen würde was in der Nachfolge dann häufig etwas abschätzig als Nature-Writing bezeichnet wird.
- 19:38Speaker 0: In dieser neuen Sprache der Kosmologie schreibt Taylor gibt es keine höheren und niederen Ebenen mehr deren Einteilung die Wissenschaften vorgeben.
- 19:48Speaker 0: An ihre Stelle treten viel mehr intime Kenntnis der Natur, so etwas wie Ehrfurcht oder Dankbarkeit der Natur gegenüber.
- 19:56Speaker 0: Gefühle auch für das was es gibt und für die Tatsache dass wir überhaupt leben.
- 20:02Speaker 0: Parallel dazu entwickelt sich die oftmals ortsgebundene Spiritualität.
- 20:07Speaker 0: viele unterschiedliche Indigenergemeinschaften für die Landschaften wie zum Beispiel für die australischen Aborigines zu einer Spiegelung ihrer Seele werden.
- 20:16Speaker 0: Spiritualität ist in Taylors Definition das, was uns die Weisheit und Kraft gibt dieses volle Leben zu verwirklichen.
- 20:26Speaker 0: Spiritualität is'n diesem Sinn untrennbar verbunden mit dem, was wir das Ethische nennen Das heißt – Mit der Frage nach einem vollen und guten Leben Nach einem wirklich erfüllenden, zufriedenen Leben.
- 20:39Speaker 0: Zu diesem Leben gehört die Verbindung unter anderem mit der Natur die die Lyrik ebenso wie bestimmte Symbole greifbarer macht und spürbar macht, weil sie uns bewegt und unsere Verbindung auf der verlorene Verbindung zu diesem Kosmos zur Natur wiederherstellt.
- 20:57Speaker 0: All das wirkt der Entzauberung entgegen durch Wissenschaft und Technologie ohne selbst magische Illusionen zu werden.
- 21:05Speaker 0: Worum es geht ist am Ende eine Realität die sich nicht im üblichen Reduktionismus unterwirft und auch nicht die subjektive Perspektive einfach über Bord wirft, aber eben dennoch erfahrbar bleibt.
- 21:19Speaker 0: insofern auch real- und realistisch weil wir sie sehen hören fühlen können wenn auch vermittelt durch eine Sprache oder eine Kunst die wir heute selbst schaffen oder auch erschaffen erfinden müssen um wieder zu finden was wir da zunehmend verloren haben.
- 21:37Speaker 0: durch die Entzauberung der Wirklichkeit.
- 21:39Speaker 0: Anders als die wissenschaftliche Beobachtung und Analyse registriert Poesie nicht einfach, sondern ermöglicht Erfahrungen.
- 21:48Speaker 0: Wenn Dichtung gut ist, erschließt sie uns, wovon sie handelt und vermittelt uns beispielsweise über Symbole einen neuen Zugang zur Wirklichkeit.
- 21:57Speaker 0: Einen Zugang zu Wirklichkeiten der dann auch diese übliche Distanz die von den Wissenschaften geradezu vorgeschrieben wird zwischen subpekt-und obpektüberwindet.
- 22:05Speaker 0: Die Sprache der Kunst macht etwas sichtbar lässt etwas aufscheinen das es wirklich gibt.
- 22:11Speaker 0: wenn die Wissenschaft für viele ein Spiegel der Natur ist der dann die Wirklichkeit auf Daten reduziert und als Informationen wiedergibt.
- 22:19Speaker 0: Dann ist Poesie ein Spiegel, der eine tiefere Natur reflektiert und nicht nur die Erscheinungen an der Oberfläche.
- 22:32Speaker 0: Wenn ein Kanal versiegt, so Charles Taylor, dann öffnet sich oft ein Neuer.
- 22:38Speaker 0: Als die alten Renaissance-Ordnungen verschwanden, fand sich in der romantischen Poesies einen Ersatz dafür.
- 22:46Speaker 0: Die Entzauberung der Natur und unseres eigenen Lebens ruft Widerstand hervor.
- 22:51Speaker 0: Poesie kann in der Sprache die Erfahrung einer tiefen Verbundenheit der Existenz
- 22:55Speaker 0: wecken.".
- 22:56Speaker 0: Seine These lautet daher, Zitat, dass der Verlust eines Kanals einen anderen zu öffnen scheint spricht für ein beständiges zeitloses Bedürfnis oder eine Sehnsucht dieser Art.
- 23:10Speaker 0: Heute geht es also darum, die Kanäle offen zu halten und Spaltungen, den Gegensatz von Vernunft und Gefühl, Subjekt und Objekt, Körper und Geist.
- 23:19Speaker 0: Menschen und Natur zu überwinden!
- 23:21Speaker 0: Gerade Gedichte sind im wörtlichen Sinn Übersetzungen von Erfahrungen – Überhindernisse hinweg.
- 23:29Speaker 0: Sie tragen etwas zu uns hinüber bis es bei uns ankommt.
- 23:33Speaker 0: Sie an der Strenne von wissenschaftlichem Beweisen messen zu wollen bedeutet ja aus Poesie wieder Wissenschaft machen zu wollen Ein Argument statt eine Möglichkeit zum Beispiel Verbindungen zu erfahren, weil uns die Sprache dafür sensibilisiert hat.
- 23:49Speaker 0: Mir persönlich scheint es unbestreitbar dass es eine weitreichende und bedeutsame Erfahrungsdimension gibt, die wir zunehmend aus unserem Leben ausgetrieben haben.
- 24:03Speaker 0: Aber es gibt eben auch Gegenbewegungen.
- 24:04Speaker 0: Und das ist unsere individuelle Entscheidung, die problematische Voreinstellung der Wissenschaften ihre Methoden, ihre Regeln und Gesetze auf alle Bereiche des Lebens zu übertragen, die wir durchaus überprüfen müssen – zum Beispiel was die Ethik betrifft?
- 24:20Speaker 0: Was soll Wissenschaft über Ethik sagen außer dass sie sehr oft den wissenschaftlichen Betrieb stört?
- 24:26Speaker 0: Eine falsche Einstellung können wir durch Haltung korrigieren!
- 24:30Speaker 0: Wer im eigenen Leben nur gelten lässt, was den geltungsbedingungen der Naturwissenschaft genügt produziert nicht analytische Stränge wie er durchaus bewundernswert ist sondern wenn man Taylor folgt auch eine geistige Beschränktheit die uns daran hindert die entscheidenden Fragen Lebensfragen zu stellen und zu beantworten.
- 24:50Speaker 0: Fragen deren Antworten für unser Selbstverständnis als Menschen eigenen Weg zu einem zufriedenen, erfüllenden Leben ganz entscheidend sind.
- 24:59Speaker 0: Und dazu gehören vor allen Dingen auch die Resonanzbeziehung und die kosmologischen Verbindungen – die Verbindung zu dem was um uns herum und vielleicht tief in uns selber ist!
- 25:09Speaker 0: Dass die Wissenschaft ihre eigenen Grenzen nicht erkennt oder vielmehr nicht erkennen will, ist durchaus ein gravierendes Problem.
- 25:16Speaker 0: Deshalb brauchen wir eine gute und das bedeutet auch eine selbstkritische Wissenschaft Aber wir brauchen darüber hinaus noch mehr als das.
- 25:24Speaker 0: Was wir unter anderem brauchen, so Tela ist Poesie!
- 25:27Speaker 0: Telas Buch ist ein dichtes und wie ich finde sehr überzeugendes Plädoyer für diese anderen inzwischen sehr vernachlässigten Wege – und für unseren Weg hinein in die Zwischenräume, die wir oft gar nicht mehr sehen.
- 25:39Speaker 0: Wir sind aber frei, diese Zwischenröme wieder zu entdecken und neu zu finden.
- 25:45Speaker 0: Und tschüss!
- 25:49Speaker 1: Gertz-Gobel, produziert von der Pro Bono Fernsehproduktion GmbH.
- 25:53Speaker 1: Postproduktion Rene Fischell Musik Pascal Hadré Sprecherin Kimplette Meier.
- 25:58Speaker 1: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE dem Institut für Achtsamkeit Verbundenheit und Engagement.
- 26:06Speaker 1: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.