Latest / Das Periodensystem der Elemente / 52. Tellur (Te) - Das metallische Nichtmetall
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- 0:00Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch das
- 0:03Periodensystem der Elemente, deinem Podcast zum Entspannen,
- 0:09Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt,
- 0:13bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu
- 0:16produzieren. Kennst du schon unsere anderen
- 0:19Podcastreihen wie Schlafreise durch das Universum?
- 0:23Es gibt im Periodensystem Elemente, die ihren Namen mit
- 0:27Stolz tragen, weil sie aus dem Alltag nicht wegzudenken sind.
- 0:31Und es gibt jene seltenen, scheuen Vertreter, die ihr
- 0:35Dasein im Verborgenen führen, in den feinsten Schichten der
- 0:39Hochtechnologie, in den Tiefen der Erdkruste, in den Schlacken
- 0:43der Kupferraffinerien. Tellur gehört zu dieser zweiten,
- 0:48Stilleren Familie, sein chemisches Symbol lautet T.
- 0:53Seine Ordnungszahl ist 52 und sein Name geht auf das
- 0:58lateinische Wort tellus zurück, das schlicht Erde bedeutet.
- 1:01Ein Name, der dem Element gleichsam die ganze Erde widmet
- 1:06und der doch in einem eigentümlichen Kontrast steht zu
- 1:09seiner außerordentlichen Seltenheit, denn Tellur ist
- 1:13eines der seltensten stabilen Elemente in der gesamten
- 1:17Erdkruste. Seltener noch als Gold oder
- 1:20Platin. Und allein dieser Umstand macht
- 1:22es zu einem Stoff voller Widersprüche.
- 1:25Es trägt den Namen der Erde und ist in ihr doch kaum zu finden,
- 1:31es sieht aus wie ein Metall und verhält sich doch wie ein
- 1:34Nichtmetall es ist giftig und zugleich für manche Lebewesen
- 1:39von eigentümlichem Reiz. Tellur ist mit einem Wort ein
- 1:44Grenzgänger. Und genau diese Zwischenstellung
- 1:47wird uns durch diese ganze Folge begleiten.
- 1:51Lehne dich also zurück, atme ruhig und gleichmäßig und lass
- 1:55uns gemeinsam eintauchen in die Welt dieses silbrig glänzenden,
- 2:00spröde, silbernen Halbmetalls, dessen Geschichte mehr Wendungen
- 2:04bereithält, als seine Unscheinbarkeit vermuten ließe.
- 2:09Beginnen wir mit dem Platz, den Tellur im Periodensystem
- 2:13einnimmt. Denn er erklärt vieles von
- 2:15seinem widersprüchlichen Wesen. Tellur steht in der sechsten
- 2:19Hauptgruppe, in jener Familie, die nach ihrem bekanntesten
- 2:23Mitglied auch die Sauerstoffgruppe genannt wird
- 2:25und die in der Fachsprache als Chalkogene bezeichnet wird, was
- 2:30so viel bedeutet wie Erzbildner zu dieser Familie gehören der
- 2:35Sauerstoff, der Schwefel, das Selen, das Tellur und
- 2:39schließlich das radioaktive Polonium.
- 2:42Innerhalb dieser Gruppe vollzieht sich ein
- 2:44bemerkenswerter Wandel. Je weiter man nach unten geht,
- 2:49während der Sauerstoff an der Spitze ein typisches Nichtmetall
- 2:52ist, ein Gas, das wir atmen und während der Schwefel ein gelber,
- 2:58Sprödes, nichtmetallischer Feststoff ist, beginnt sich das
- 3:02Verhalten bei Selen und Tellur allmählich zu verschieben.
- 3:07Tellur trägt bereits deutlich metallische Züge.
- 3:11Es besitzt einen silbrig weißen, metallischen Glanz.
- 3:15Es leitet den elektrischen Strom, wenn auch schlecht und in
- 3:20seinem äußeren Erscheinungsbild würde man es ohne Zögern für ein
- 3:24Metall halten. Und doch verhält es sich in
- 3:28seiner Chemie in vielen Belangen wie ein Nichtmetall, bildet
- 3:32ähnliche Verbindungen wie der Schwefel und das Selen und
- 3:36entzieht sich so der eindeutigen Einordnung.
- 3:39Diese Mischung aus metallischem Aussehen und nichtmetallischem
- 3:43verhalten weist ihm seinen Platz unter den Halbmetallen oder
- 3:48Metalloiden zu jenen Grenzgängern, die zwischen den
- 3:51großen Reichen der Metalle und der Nichtmetalle stehen und die
- 3:56gerade in der modernen Technik eine herausragende Rolle
- 4:00spielen. Der Name dieser Folge, der
- 4:03metallische Nichtmetall, fängt diesen Widerspruch treffend ein,
- 4:07denn Tellur ist beides und doch keines von beidem.
- 4:10Ganz wenden wir uns nun der Geschichte seiner Entdeckung zu,
- 4:15die in ein abgelegenes Bergrevier des 18 Jahrhunderts
- 4:19führt, nach Siebenbürgen, in das heutige Rumänien, das damals zum
- 4:23Habsburger Reich gehörte. Dort, in den Goldgruben rund um
- 4:27den Ort Zalatna, stieß man auf ein seltsames Erz, das die
- 4:32Bergleute und Mineralogen vor ein Rätsel stellte.
- 4:36Es enthielt Gold, daran bestand kein Zweifel, und doch verhielt
- 4:40es sich anders, als die bekannten Golderze.
- 4:44Man nannte es spöttisch und ratlos das Problemgold oder mit
- 4:49einem deutschen Ausdruck das fragwürdige Gold, denn niemand
- 4:53konnte Recht sagen, womit das Gold darin verbunden war.
- 4:57Ein österreichischer Mineraloge namens Franz Josef Müller von
- 5:02Reichenstein, der als Bergbaubeamter in dieser Region
- 5:06tätig war, untersuchte dieses Erz in den Jahren um 1782 mit
- 5:12großer Sorgfalt er. Er gewann daraus eine silbrig
- 5:16glänzende Substanz, die sich keinem der bekannten Stoffe
- 5:19zuordnen ließ. Und er vermutete richtig, dass
- 5:22er es mit einem neuen, bis dahin unbekannten Element zu tun
- 5:27hatte. Müller war ein gewissenhafter
- 5:30Forscher und er war sich seiner Sache nicht völlig sicher,
- 5:33weshalb er proben an den berühmten schwedischen Chemiker
- 5:36und Mineralogen Torban Bergmann schickte, um seine Beobachtungen
- 5:41bestätigen zu lassen, doch. Die Mengen waren zu gering für
- 5:46eine zweifelsfreie Klärung und so blieb die Sache zunächst in
- 5:50der Schwebe. Es dauerte mehr als ein
- 5:53Jahrzehnt, bis das neue Element endgültig als solches anerkannt
- 5:58und mit einem Namen versehen wurde.
- 6:02Diese Aufgabe fiel dem deutschen Chemiker Martin Heinrich
- 6:06Klapprott zu, einem der bedeutendsten analytischen
- 6:10Chemiker seiner Zeit. Der das Element in den letzten
- 6:13Jahren des 18 Jahrhunderts erneut untersuchte, Müllers
- 6:17Entdeckung bestätigte und ihm den Namen Tellur gab.
- 6:21Nach dem lateinischen Tellus der Erde klapprot ein Mann von
- 6:27großer wissenschaftlicher Redlichkeit, betonte dabei
- 6:31ausdrücklich, dass das Verdienst der Entdeckung Müller von
- 6:34Reichenstein gebühre. Und so ist die Geschichte des
- 6:37Tellurs auch eine Geschichte wissenschaftlicher Fairness, in
- 6:41der ein Forscher die Leistung eines anderen würdigte, anstatt
- 6:46sie sich anzueignen. Bemerkenswert ist, dass nur
- 6:50wenige Jahre später in den ersten Jahren des 19
- 6:54Jahrhunderts, das nahe verwandte Element Selen entdeckt wurde,
- 6:58und zwar durch den schwedischen Chemiker Jöns Jakob Bercelius.
- 7:04Dieser benannte sein neues Element nach der griechischen
- 7:07Mondgöttin Selene, dem Mond und tat dies gerade in bewusster
- 7:12Anlehnung an das bereits bekannte Thelur, das ja nach der
- 7:16Erde benannt war. So entstand ein himmlisches
- 7:20Geschwisterpaar im Periodensystem, der Mond und die
- 7:24Erde, Selen und Thelur. 2 Elemente, die nicht nur dem
- 7:29Namen nach, sondern auch in ihren chemischen Eigenschaften
- 7:33eng miteinander verwandt sind und die in der Natur oft
- 7:36gemeinsam auftreten. Es ist eine jener feinen,
- 7:39poetischen Verbindungen, die sich in der Nomenklatur der
- 7:43Wissenschaft mitunter verbergen, und sie erinnert uns daran, dass
- 7:47auch die nüchterne Chemie ihre Bilder und Bezüge kennt.
- 7:52Doch wo findet man dieses seltene Element überhaupt, das
- 7:55den Namen der ganzen Erde trägt und in ihr doch so rar ist?
- 8:01Tellur kommt in der Natur nur in winzigen Mengen vor und seine
- 8:05Konzentration in der Erdkruste liegt in einem Bereich, der es
- 8:09zu einem der seltensten Elemente überhaupt macht.
- 8:13Anders als die meisten anderen Elemente, die sich vorwiegend
- 8:17gebunden in Mineralen finden, tritt Tellur gelegentlich sogar
- 8:22in gediegener, also reiner Form auf, und es bildet eine Reihe
- 8:27eigentümlicher Minerale, in denen es sich anders als die
- 8:31meisten Nichtmetalle mit Metallen wie Gold und Silber
- 8:35verbindet. Diese sogenannten Telleride sind
- 8:39unter Mineralogen wohlbekannt und einige von ihnen tragen
- 8:43klangvolle Namen. So gibt es das Calaverit und das
- 8:47Sylvanit, beides Gold, Tellur, Verbindungen, die in manchen
- 8:51Goldlagerstätten der Welt vorkommen und die in der
- 8:55Geschichte des Goldbergbaus eine eigene, mitunter kuriose Rolle
- 8:59gespielt haben. In der berühmten Goldgräberstadt
- 9:03Calgurli in Westaustralien etwa wurde in den frühen Jahren des
- 9:08Goldrauschs Tellurhaltiges Golderz, das man nicht als
- 9:13wertvoll erkannte, achtlos beiseite geworfen und sogar zum
- 9:17Auffüllen von Schlaglöchern und zum Pflastern von Straßen
- 9:22verwendet, bis man Jahre später erkannte, dass in diesem
- 9:25vermeintlichen Abfall beträchtliche Mengen Gold
- 9:28gebunden waren. Daraufhin gruben die
- 9:31Bewohnerinnen und Bewohner ihre eigenen Straßen wieder auf, um
- 9:35das verschmähte Gold zu bergen. Eine Episode, die mit einem
- 9:40gewissen Augenzwinkern überliefert wird und die zeigt,
- 9:43wie eng das Schicksal des Tellurs mit dem des Goldes
- 9:47verwoben ist. Die wirtschaftlich bedeutsamste
- 9:51Quelle des Tellurs ist jedoch keine eigene Tellurmine, denn
- 9:54solche gibt es kaum, sondern ein Nebenprodukt eines ganz anderen
- 9:59Industriezweigs, nämlich der Kupfergewinnung.
- 10:03Wenn Kupfer in großem Maßstab elektrolytisch raffiniert, also
- 10:08gereinigt wird, sammelt sich am Boden der Elektrolysezellen ein
- 10:12dunkler Schlamm an. Der sogenannte Anodenschlamm, in
- 10:17dem sich all jene Begleitelemente anreichern, die
- 10:20im Rohkupfer enthalten waren. Aus diesem Anodenschlamm, einem
- 10:24Abfallprodukt der Kupferindustrie, wird der
- 10:27weitaus größte Teil des heute genutzten Tellurs gewonnen.
- 10:32Das bedeutet, dass die Verfügbarkeit von Tellur eng an
- 10:36die Produktion von Kupfer gekoppelt ist und sich nicht
- 10:39beliebig steigern lässt. Ganz gleich, wie groß die
- 10:43Nachfrage auch sein mag, diese Abhängigkeit macht Tillur wie
- 10:48viele andere seltene Elemente auch, zu einem strategisch
- 10:52heiklen Rohstoff, dessen Versorgung von den
- 10:55Produktionsmengen eines völlig anderen Metalls bestimmt wird.
- 10:59Und sie verleiht ihm eine besondere Verletzlichkeit in den
- 11:02globalen Lieferketten der Hochtechnologie.
- 11:07Und damit kommen wir zu jener Anwendung, die das einst so
- 11:11unscheinbare Tellur in den vergangenen Jahrzehnten an die
- 11:15Schwelle der großen Zukunftstechnologien gerückt
- 11:18hat. Zur Gewinnung von Sonnenenergie.
- 11:22Eine Verbindung des Tellurs mit dem Metall Cadmium, das Cadmium
- 11:26Tellurid, hat sich als außerordentlich geeigneter
- 11:30Werkstoff für die Herstellung von Solarzellen erwiesen.
- 11:34Diese sogenannten Dünnschichtsolarzellen
- 11:37unterscheiden sich grundlegend von den verbreiteten Solarzellen
- 11:40aus kristallinem Silizium. Während letztere eine
- 11:44vergleichsweise dicke Schicht des Halbleiters benötigen,
- 11:48genügt beim Cadmiumtellorid eine hauchdünne Schicht, um das
- 11:52Sonnenlicht wirksam in elektrischen Strom umzuwandeln,
- 11:56denn dieses Material besitzt eine außergewöhnlich gute
- 12:00Fähigkeit, Licht zu absorbieren. Eine Schicht von wenigen
- 12:06Tausendstel Millimetern Dicke reicht aus, um den größten Teil
- 12:10des einfallenden Sonnenlichts einzufangen.
- 12:14Das macht diese Technik kostengünstig und
- 12:17materialsparend und Cadmium tellurid Solarmodule gehören
- 12:22heute zu den preiswertesten Möglichkeiten, Sonnenstrom in
- 12:26großem Maßstab zu erzeugen. Auf weiten Solarkraftwerken, die
- 12:32ganze Landschaften mit ihren dunklen Modulreihen überziehen,
- 12:36leistet das einst verschmähte Telur so einen stillen Beitrag
- 12:40zur Energiewende, zur Abkehr von den fossilen Brennstoffen hinzu
- 12:46erneuerbaren Quellen es ist eine bemerkenswerte Wendung im
- 12:50Schicksal eines Elements, das man jahrzehntelang kaum zu
- 12:54gebrauchen wusste und sie zeigt. Wie sich der Wert eines Stoffes
- 12:58mit dem Wandel der menschlichen Bedürfnisse verändern kann.
- 13:03Was gestern noch ein nutzloses Nebenprodukt der
- 13:06Kupferraffinerie war, ist heute ein Baustein einer saubereren
- 13:10Zukunft. Doch die Solartechnik ist nicht
- 13:13die einzige Bühne, auf der das Tellur in der modernen Welt eine
- 13:17Rolle spielt, eine weitere. Höchst faszinierende Anwendung
- 13:22findet sich in der Welt der Datenspeicherung, genauer gesagt
- 13:25in den Wiederbeschreibbaren optischen Speichermedien, wie
- 13:29sie über viele Jahre als Wiederbeschreibbare Compact
- 13:32Discs und digitale vielseitige Scheiben verbreitet waren.
- 13:37Hier nutzt man eine außergewöhnliche Eigenschaft
- 13:41bestimmter Tellurlegierungen. Nämlich ihre fähig Fähigkeit,
- 13:46durch Wärmeeinwirkung blitzschnell zwischen 2
- 13:49verschiedenen Zuständen hin und her zu wechseln.
- 13:53Zwischen einem geordneten kristallinen Zustand und einem
- 13:58ungeordneten, glasartigen Zustand.
- 14:01Diese bei einem Zustände unterscheiden sich in ihrer
- 14:04Fähigkeit, Licht zu reflektieren und genau dieser Unterschied
- 14:09lässt sich nutzen um Information zu speichern.
- 14:13Ein feiner Laserstrahl erhitzt winzige Punkte der
- 14:17Speicherschicht und versetzt sie wahlweise in den einen oder den
- 14:21anderen Zustand. Und ein schwächerer Laserstrahl
- 14:25liest diese Zustände später wieder aus.
- 14:29Dieses Prinzip der Phasenwechselspeicherung beruht
- 14:33maßgeblich auf den besonderen Eigenschaften tellurhaltiger
- 14:36Legierungen, und es wird bis heute in modernen Formen der
- 14:40Datenspeicherung erforscht und weiterentwickelt, die einmal die
- 14:44heutigen Speichertechniken ablösen könnten.
- 14:48So verbirgt sich in der Geschichte der digitalen
- 14:51Erinnerung, in der Fähigkeit, Bilder, Töne und Texte dauerhaft
- 14:56zu bewahren. Ein weiteres Mal das Stille
- 14:59Wirken des Tellurs. Daneben findet das Tellur eine
- 15:04ganze Reihe weiterer, weniger spektakulärer, aber durchaus
- 15:09nützlicher Verwendungen. In der Metallverarbeitung setzt
- 15:14man kleine Mengen Tellurbestimmten Stahlsorten und
- 15:17Kupferlegierungen zu, um sie besser zerspanbar zu machen, das
- 15:22heißt leichter, Bohrbar, drehbar und bearbeitbar.
- 15:26Was in der industriellen Fertigung von erheblichem Wert
- 15:29ist. In der Gummiherstellung diente
- 15:32Tellur lange Zeit als Zusatz bei der Vulkanisation, jenem
- 15:37Prozess, durch den Kautschuk in widerstandsfähigen Gummi
- 15:41verwandelt wird. Und es verlieh dem Gummi eine
- 15:44erhöhte Hitzebeständigkeit. Auch in der Glasherstellung
- 15:49kommt Tellur zum Einsatz, wo es gläsern eine eigentümliche
- 15:54bräunliche Färbung verleihen kann und in speziellen Gläsern
- 15:58für die moderne Optik und die Datenübertragung Verwendung
- 16:02findet. So zieht sich das Tellur, einmal
- 16:06entdeckt und verstanden durch die unterschiedlichsten Bereiche
- 16:09der Technik, fast immer im Hintergrund, fast nie im
- 16:12Rampenlicht. Es gibt jedoch eine Eigenschaft
- 16:16des Tellurs, die selbst jenen im Gedächtnis bleibt, die sich
- 16:20sonst wenig für Chemie begeistern.
- 16:23Und sie ist von einer Art, die man eher belustigend als
- 16:27bedrohlich nennen möchte, obwohl sie auf einer ernsten Tatsache
- 16:31beruht, der Giftigkeit des Tellurs Tellur und seine
- 16:36Verbindungen sind giftig, und wer ihnen ausgesetzt ist, etwa
- 16:39bei der Arbeit mit dem Element. Kann eine höchst unangenehme
- 16:43Begleiterscheinung erfahren. Der menschliche Körper wandelt
- 16:48aufgenommenes Tellur in eine flüchtige Verbindung um das
- 16:52Dimethyl Tellurid, und diese Substanz besitzt einen
- 16:56außerordentlich durchdringenden, knoblauchartigen Geruch.
- 17:01Wer auch nur winzige Mengen Tellur aufgenommen hat, sondert
- 17:04diesen Geruch über den Atem und die Haut ab.
- 17:08Und zwar in einer Intensität und Hartnäckigkeit, die jedes Maß
- 17:12übersteigt. Man spricht von einem Tellur
- 17:16Atem, der über Wochen, in manchen Fällen sogar über Monate
- 17:20anhalten kann und der so stark ist, dass die betroffene Person
- 17:25für ihre Mitmenschen kaum erträglich wird, schon
- 17:29winzigste. Gesundheitlich völlig
- 17:32unbedenkliche Mengen reichen aus, um diesen Effekt
- 17:35hervorzurufen, weshalb der knoblauchartige Geruch geradezu
- 17:39als chemische Visitenkarte des Tellurs gilt.
- 17:43Diese eigentümliche Eigenschaft hat dem Element unter
- 17:47Chemikerinnen und Chemikern einen gewissen Ruf eingebracht,
- 17:51und sie erinnert auf fast humorvolle Weise daran, wie sehr
- 17:54die Stoffe unserer Welt in uns hineinwirken und unsere Körper
- 17:58in einer Weise verändern können. Die wir nicht beabsichtigt
- 18:02haben. Zugleich ist sie eine Mahnung
- 18:05zur Vorsicht, denn die Giftigkeit des Tellurs verlangt
- 18:09einen sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang,
- 18:12gerade dort, wo es in industriellen Mengen verarbeitet
- 18:16wird. Wenn wir den Blick noch einmal
- 18:19weiten und das Tellur in seinen größeren Zusammenhang stellen,
- 18:24dann zeigt sich ein Element, das.
- 18:26Dass die ganze Spannweite menschlicher Erfahrung mit der
- 18:30materiellen Welt in sich vereint, da ist die Geschichte
- 18:35seiner Entdeckung, die von der Geduld und Redlichkeit einzelner
- 18:38Forscher erzählt, von Müller, von Reichenstein, der ein Rätsel
- 18:43nicht ruhen ließ, und von Klapproth, der die Ehre dem
- 18:47Entdecker zusprach. Da ist seine kosmische
- 18:50Verwandtschaft mit dem Selen. Die Erde und der Mond in der
- 18:55Namensgebung verewigt da ist seine eigentümliche Seltenheit,
- 19:01die im Widerspruch zu seinem irdischen Namen steht und seine
- 19:05enge Bindung an das Gold und das Kupfer, in deren Schatten es
- 19:10gewonnen wird. Und da ist seine erstaunliche
- 19:13Wandlung vom verschmähten Abfallprodukt zum Baustein der
- 19:17Sonnenenergie und der digitalen Erinnerung.
- 19:21In all dem spiegelt sich etwas von der grundlegenden Wahrheit,
- 19:26dass die Elemente, aus denen unsere Welt gebaut ist, endlich
- 19:29sind, ungleich verteilt und oft nur in winzigen Mengen
- 19:33verfügbar. Tellur ist eines der seltensten
- 19:38unter ihnen und seine wachsende Bedeutung für die Technik der
- 19:41Zukunft, besonders für die Gewinnung sauberer Energie aus
- 19:45dem Sonnenlicht, stellt uns vor die Frage, wie wir mit solchen
- 19:49kostbaren und begrenzten Gaben der Erde umgehen wollen.
- 19:53Es liegt eine stille Verantwortung darin, diese
- 19:56Stoffe nicht zu verschwenden, sie aus alten Geräten
- 20:00zurückzugewinnen, anstatt immer neue Lagerstätten zu
- 20:03erschließen. Und die Belastungen ihrer
- 20:05Gewinnung nicht achtlos der Natur und kommenden Generationen
- 20:10aufzubürden. Die Erde, deren Namen das Tellur
- 20:14trägt, ist kein unerschöpfliches Vorratslager, sondern ein fein
- 20:18abgestimmtes Ganzes, dessen Schätze über unvorstellbare
- 20:22Zeiträume hinweg entstanden sind und sich nicht erneuern lassen.
- 20:27Gerade ein Element, das uns hilft, das Licht der Sonne zu
- 20:31ernten und uns von den fossilen Brennstoffen zu lösen, mahnt
- 20:35uns, diesen Weg mit Bedacht und mit Achtung vor der
- 20:39Verletzlichkeit unseres Planeten zu gehen.
- 20:42Und so neigt sich unsere Reise durch die Welt des Tellurs ihrem
- 20:47Ende zu. Wir sind aufgebrochen in den
- 20:50Goldgruben Siebenbürgens und. Wo ein rätselhaftes Erz die
- 20:54Forscher Beschäftigte, sind dem Element durch die feinen
- 20:58Verzweigungen seiner Verwandtschaft mit dem Mond und
- 21:01der Erde gefolgt, haben es in den Schlacken der
- 21:04Kupferraffinerien aufgespürt, in den dunklen Reihen der
- 21:08Solarkraftwerke wiederentdeckt und in den schimmernden
- 21:11Schichten der optischen Speicher gefunden.
- 21:13Und wir haben sogar von seinem unverwechselbaren, hartnäckigen
- 21:17Atem erfahren. Tellur.
- 21:20Der metallische Nichtmetall, der Grenzgänger zwischen den
- 21:24Reichen, das seltene Element mit dem Namen der ganzen Erde ist
- 21:29ein leiser Begleiter unserer technischen Zivilisation, der im
- 21:33Verborgenen wirkt und dessen Bedeutung weit größer ist, als
- 21:37seine Unscheinbarkeit vermuten lässt.
- 21:41Während du nun langsam zur Ruhe kommst und die Bilder dieser
- 21:45Reise in dir nachklingen lässt. Die silbrig glänzenden Kristalle
- 21:49des Tellurs die. Die verschmähten goldhaltigen
- 21:52Straßen von Calgurli, die dunklen Solarmodule, die das
- 21:57Sonnenlicht trinken, denke daran, dass in den
- 22:00unscheinbarsten Dingen oft die erstaunlichsten Geschichten
- 22:04verborgen liegen. Die Welt ist voll von solchen
- 22:08stillen Wundern, von Elementen und Geschichten, die nur darauf
- 22:12warten, entdeckt zu werden. Schlaf gut, Ruhe sanft und bis
- 22:18zur nächsten Folge unserer gemeinsamen Reise durch das
- 22:21Periodensystem der Elemente.