Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Becoming Sachsen-Anhalt
Transcript
- 0:00Ich fühle mich nicht als Sachsen-Anhalter. Ich fühle mich manchmal als
- 0:03Magdeburger, was meine Geburtsstadt ist. Ich fühle mich manchmal als Altmärker, wo
- 0:07ich aufgewachsen bin. Aber gleichzeitig finde ich das Land in seinen Regionen
- 0:10sehr, sehr verschieden und vielfältig, sodass es mir schwerfällt, so eine Identität
- 0:18zu erstellen, die genau diesem Bundesland zugehörig ist. Also, ich weiß nicht,
- 0:24wie es dir geht, Katja, aber so, wie der Autor Domenico Möhnsiefen
- 0:28es beschreibt, so aber irgendwie auch gar nicht, geht es mir mit
- 0:31Sachsen-Anhalt. Ja, Marie, das ist auf jeden Fall eine schöne Feststellung.
- 0:35Ich glaube, ich sage schon relativ häufig, dass ich aus Sachsen-Anhalt
- 0:38komme, aber ich fühle mich als Magdeburgerin, weil da bin ich groß
- 0:41geworden und habe einen großen Teil meines Lebens da verbracht. Und für mich
- 0:44sind auch so Halle oder die Altmark oder der Harz, das ist
- 0:47auch einfach was ganz anderes. Und genau darüber sprechen wir in dieser
- 0:51ersten Folge von Dazwischen. Denn diese Vielfalt, diese Unterschiede, die wir jetzt
- 1:05vielleicht irgendwie fühlen, vielleicht in manchen Bereichen ein bisschen weniger, darüber
- 1:09sprechen wir später. Die sind tatsächlich historisch und politisch gewachsen und wirken bis
- 1:13heute nach. Das wird auf jeden Fall spannend. Aber bevor wir jetzt
- 1:16schon so richtig tief eintauchen ins Thema, müssen wir, glaube ich, nochmal
- 1:19so einen kleinen Schritt zurück machen. Denn das hier ist ja so
- 1:22die allererste Folge unseres neuen Podcasts. Und da sollten wir vielleicht nochmal
- 1:26so ein paar Sätze darüber verlieren, was wir eigentlich vorhaben. Ja, und
- 1:28vielleicht sagen, wer wir sind. Gut, fange ich an. Mein Name ist
- 1:32Katja Schmidt. Ich habe schon verraten, dass ich aus Magdeburg komme. Ich
- 1:35bin allerdings in Wernigerode geboren. Das ist eine ganz interessante Geschichte, die
- 1:39ich vielleicht bei Gelegenheit dann mal erzähle. Und ich arbeite seit über
- 1:43zehn Jahren als Freijournalistin. Ja, und ich bin Marie Landes. Ich bin
- 1:46auch Journalistin wie Katja. Ich komme allerdings aus einer ganz anderen Ecke
- 1:50in Sachsen-Anhalt. Ich komme aus Dessau-Roslau. Und damit haben wir
- 1:54die Mitte von Sachsen-Anhalt schon ziemlich gut abgedeckt. Ganz aus dem
- 1:57Norden, nämlich aus der Altmark, kommt die Familie unseres Kollegen Christian Bollert.
- 2:01Der hat nicht nur die Idee für diesen Podcast gehabt, er ist
- 2:04für diese Folge auch bei uns im Studio. Hallo Christian. Hallo! Sag
- 2:08mal, wie kommt man auf die Idee, so einen Sachsen-Anhalt-Podcast
- 2:10zu machen? Ja, das ist eine gute Frage. Salzwedler Braunkuchen wäre wahrscheinlich die
- 2:15ganz kurze Antwort, weil ich tatsächlich seit Jahren die Leute, auch gerade
- 2:18außerhalb von Sachsen-Anhalt, erstmal überzeuge, dass das der beste Kuchen ist,
- 2:21den es überhaupt gibt. Die längere Antwort ist wahrscheinlich ein bisschen komplizierter,
- 2:24aber ich kann wirklich sagen, dass ich mich persönlich schon seit vielen
- 2:28Jahren mit dem Blick auf die ostdeutschen Bundesländer sehr, sehr intensiv beschäftige.
- 2:32Und das hat mit meiner Familie in der Altmark zu tun, die
- 2:34ihr ja schon erwähnt habt. Das hängt aber auch mit drei Menschen
- 2:37zusammen, die eben am 9. November 1989 geboren worden sind, also diesem
- 2:41historischen Tag, und die ich seit ihrem 18. Geburtstag tatsächlich auch begleite.
- 2:45Also seit über 20 Jahren, oder fast 20 Jahren, kann man sagen.
- 2:48Und dann ist da auch noch Melanie Stein und die von ihr
- 2:50gegründete Initiative „Wir sind der Osten“. Die sind auch quasi mit Schuld
- 2:54daran, dass ich mich immer intensiver mit diesem Thema auch beschäftigt habe
- 2:57in den letzten Jahren. Und dabei ist mir einfach aufgefallen, wie oft
- 3:00und leider auch wie holzschnittartig immer wieder und manchmal auch sehr undifferenziert
- 3:05über den Osten berichtet wird, den es ja so als einheitlichen Block
- 3:09eigentlich gar nicht gibt. Das ist ja auch hier irgendwie, finde ich,
- 3:11im Podcast jetzt gleich am Anfang auch schon deutlich geworden, als ihr
- 3:14so ein bisschen erzählt habt, wo ihr herkommt und so. Selbst in
- 3:17Sachsen-Anhalt gibt es sehr, sehr verschiedene Regionen. Und aus all diesen
- 3:20Gründen suche ich eigentlich schon seit Jahren in meiner Arbeit nach
- 3:23Wegen, einen anderen, differenzierteren und vielleicht auch etwas besseren Blick auf die
- 3:29ostdeutschen Bundesländer zu finden. Und im vergangenen Sommer bin ich dann auf
- 3:33eine Initiative gestoßen, die heißt Media Forward Fund. Die fördern journalistische Projekte
- 3:37und finanzieren journalistische Projekte. Und wir haben da als detektor.fm einfach
- 3:40mal unseren Hut in den Ring geworfen, eben mit der Idee, einen
- 3:43Podcast für Sachsen-Anhalt zu machen bis Ende 2027. Und jetzt dürfen
- 3:48wir das tun. Wir dürfen diesen Podcast machen. Zusätzlich auch noch einen
- 3:50wöchentlichen Newsletter. Und dankenswerterweise haben wir uns da letztes Jahr eben durchgesetzt
- 3:56in einem Feld von fast 80 Bewerbungen insgesamt. Sind auch das überhaupt
- 4:00allererste Team aus den ostdeutschen Bundesländern, was diese Finanzierung bekommen hat. Und
- 4:05deshalb ist dieser Podcast und der Newsletter jetzt eine Kooperation zwischen dem
- 4:10Media Forward Fund und eben dem Podcast Radio detektor.fm. Darüber freue
- 4:14ich mich persönlich sehr, muss ich sagen. Das ist irgendwie toll. Und
- 4:19ab sofort blicken wir halt hier im Podcast wirklich jede Woche auf
- 4:22ein Thema aus und für Sachsen-Anhalt. Und unser zugegebenermaßen ambitioniertes Ziel
- 4:27ist es dann, dass die Gesamtheit aller Episoden – und ich habe mal
- 4:30durchgezählt, es werden wahrscheinlich deutlich mehr als 70 oder 80 Episoden werden,
- 4:33wenn wir hier jede Woche bis Ende 2027 was produzieren – dass da
- 4:37dann ein ausgewogenes, vielfältiges und hoffentlich eben differenzierteres Bild von Sachsen-Anhalt
- 4:42entsteht. Und wenn wir das schaffen, glaube ich, dann ist schon viel
- 4:45gewonnen. Ja, und das wollen wir natürlich nicht allein gestalten, dieses differenzierte
- 4:49Bild von Sachsen-Anhalt. Wir brauchen dafür auch euch. Wir brauchen eure
- 4:52Ideen, Hinweise, denn natürlich können wir unsere Augen und Ohren noch nicht
- 4:56überall haben. Wir werden euch aber auch in diesem Podcast reinholen in
- 5:01unsere Reactions. Genau an dieser Stelle werden wir immer mal wieder darüber
- 5:03sprechen, was ihr uns geschrieben habt, was ihr uns erzählt habt, wie
- 5:07ihr sozusagen auf unsere Podcast-Folgen geschaut habt. Und wenn euch das
- 5:11noch nicht ausreicht, dann solltet ihr unbedingt auch den Newsletter abonnieren. Dann
- 5:15kriegt ihr noch mehr Facetten und Geschichten aus Sachsen-Anhalt. Aber sag
- 5:19mal, Christian, wie ist es denn jetzt eigentlich bei dir? Fühlst du
- 5:21dich eher als Sachsen-Anhalter oder Brandenburger, wo du ja aufgewachsen bist?
- 5:25Ja, oder Leipziger, wo ich momentan wohne. Es ist vielleicht dann doch
- 5:29wieder wie beim Baumkuchen. Also ich glaube, es sind verschiedene Schichten da.
- 5:33Also meine Wurzeln ganz unten im Baumkuchen, würde ich sagen, das Fundament,
- 5:36das ist die Altmark, weil da kommen meine Verwandten her. Dann kam
- 5:39irgendwann Potsdam drauf, so als Brandenburger. Und mittlerweile ist da auch ganz
- 5:43viel Leipzig. Aber das Schöne ist am Baumkuchen: je mehr Schichten, umso
- 5:47besser. Also dementsprechend ist dieses Baumkuchen-Bild vielleicht doch gar nicht so
- 5:50doof. Sachsen-Anhalt, das liegt irgendwie so dazwischen. Und so heißt ja
- 6:08auch unser Podcast: Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen, Thüringen und mittendrin ein Bundesland mit
- 6:15Bindestrich, der ja schon verrät, dass hier irgendwie etwas zusammengefügt wurde. Ja,
- 6:20bei diesem Zusammenfügen sind auch ganz skurrile Geschichten entstanden. Ich weiß
- 6:23nicht, ob du zum Beispiel wusstest, dass es noch bis vor ein
- 6:25paar Jahren wirklich so brandenburgische Enklaven mitten in Sachsen-Anhalt gab. Also
- 6:29so im Jerichower Land bei Möckern. Da haben also Leute nebeneinander gewohnt,
- 6:34die aber faktisch in zwei verschiedenen Bundesländern wohnten. Und deswegen zum Beispiel
- 6:38auch bei so Themen wie Breitbandausbau haben die einen dann Förderung bekommen
- 6:41und die anderen nicht. Und das finde ich so absurd, was da
- 6:44noch bis vor zwei Jahren passiert ist. Das stelle ich mir nur
- 6:47praktisch vor, wenn man zwischendurch mal wechseln konnte, immer so, wie es
- 6:49besser einem passt. Aber man hört es schon raus, es ist ganz
- 6:53schön kompliziert. Und weil das alles so kompliziert ist, habe ich für
- 6:56diese Folge mit jemandem gesprochen, der sich damit auskennt: Steffen Rassloff. Er
- 7:00ist Historiker, lebt in Erfurt und hat Bücher geschrieben wie „Sachsen-Anhalt:
- 7:0555 Highlights aus der Geschichte“. Warte mal, ein Thüringer, der jetzt uns
- 7:09etwas über Sachsen-Anhalt erzählt. Geht das überhaupt? Ja, das geht. Die
- 7:19Summe vieler Teile. Sollte Sachsen-Anhalt noch einmal auf der Suche nach
- 7:22einem Slogan sein, dann wäre das doch recht passend, oder? Herr Rassloff?
- 7:27Ja, also in der Tat ist das heutige Bundesland Sachsen-Anhalt aus
- 7:31vielen historischen Bestandteilen zusammengesetzt, die über Jahrhunderte hinweg andere Wege gegangen sind.
- 7:37Also insofern eher historische Vielfalt als ein einheitlicher Staat. Ich glaube, das
- 7:41ist charakteristisch für das Land. Sie schreiben auf der ersten Seite Ihres
- 7:45Buches sogar von einem Land ohne Identität. Steile These! Wie kommen Sie
- 7:49darauf? Das ist durchaus unumstrittene Forschungslage. Also das sehe nicht nur ich,
- 7:54auch der Grand Senieur der Landesgeschichtsforschung, Matthias Tullner, etwa schreibt das
- 7:59in seiner Geschichte Sachsen-Anhalt. Und das liegt ja eigentlich auch auf
- 8:02der Hand. Also ein Land Sachsen-Anhalt hat es erstmals 1945 gegeben,
- 8:07ist dann sehr schnell wieder aufgelöst worden in der DDR. Und im
- 8:10Grunde gibt es dieses Land erst seit 1990. Ja, und genau darüber
- 8:14möchte ich mit Ihnen hier noch ein bisschen detaillierter sprechen. Sachsen-Anhalt
- 8:17ist eben kein, wie Sie es schon sagten, lang gewachsenes Bundesland. Es
- 8:21ist eher ein Konstrukt. Lassen Sie uns das mal aufdröseln. Was haben
- 8:25wir denn da? Also man kann es im Grunde sehr schön von
- 8:29Norden nach Süden durchgehen. Im Norden die Altmark, also ein urpreußisches Gebiet,
- 8:34die Wiege Brandenburgs. 1157 hat hier Albrecht der Bär die Mark Brandenburg
- 8:39begründet, und diese Altmark gehörte auch bis 1815 immer zu Brandenburg und
- 8:45ist erst dann zur preußischen Provinz Sachsen gekommen. Also eine Region, die
- 8:49sehr eng mit Brandenburg und Preußen verbunden ist. Im mittleren Bereich die ehemaligen
- 8:54geistlichen Herrschaften Magdeburg und Halberstadt, Erzbistum und Bistum mit weltlichen Herrschaften, die
- 9:01dann im 17. Jahrhundert an Brandenburg gefallen sind. Dazu das Land Anhalt,
- 9:06das über viele Jahrhunderte bestanden hat und erst 1945 im 1. Sachsen
- 9:10Anhalt eigentlich aufgegangen ist. Und schließlich im Süden die beiden geistlichen Herrschaften
- 9:16Merseburg und Nürnberg, Zeitz, mit den altehrwürdigen Bischofsstädten, die dann nach der
- 9:21Reformation an Kur-Sachsen gefallen sind. Gehen wir mal vielleicht so zu
- 9:26dem Jahr 1900. Da, wo heute für uns Sachsen-Anhalt ist, welche
- 9:31Regionen haben wir zu dieser Zeit? Also um 1900 hat es schon
- 9:36durch die verschiedenen Dinge, die napoleonische Zeit und dann auch spätere Entwicklungen
- 9:42in Anhalt, besteht diese Region im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen, die sich
- 9:47auch im heutigen Landesnamen finden. Nämlich zum einen die preußische Provinz Sachsen,
- 9:51die den größten Teil des heutigen Landes umfasste, und das relativ kleine
- 9:56aber alte Land Anhalt. Also das sind im Wesentlichen diese beiden Bestandteile,
- 10:00die doch recht unterschiedlich sind, aber die bis heute ein Stück weit
- 10:05nachwirken. Jetzt war ja aber das Fürstentum Anhalt, vor allem der alte
- 10:09Dessauer, ich komme aus Dessau an der Stelle, der war ja trotzdem
- 10:12dem Preußen sehr nah. Also wie groß waren denn da dann wirklich
- 10:15auch so vielleicht politische Unterschiede oder waren die gar nicht so groß?
- 10:19Die waren in der Tat nicht so groß, denn im Gegensatz sozusagen
- 10:23zu diesem sehr problematischen Verhältnis zwischen dem Preußen und den Sachsen, ja,
- 10:27das ist ja sprichwörtlich der Kampf zwischen Sachsens Glanz und Preußens Gloria,
- 10:32gab es zwischen den anhaltischen Fürsten der Askanier und den Hohenzollern im
- 10:37Preußen ein sehr gutes Verhältnis. Das hatte was mit der gemeinsamen Religion,
- 10:41dem reformierten Glauben, zu tun, aber auch mit vielen persönlichen Beziehungen. Also
- 10:45so groß waren die Unterschiede vielleicht nicht. Trotzdem existierten die Grenzen hier
- 10:49relativ lang und zwar bis zu einer Zeit, in der gleich zweimal
- 10:53hintereinander die Welt tief erschüttert und auch neu geordnet wurde. Wir haben
- 10:58das Ende des Ersten Weltkrieges 1918, und das bedeutet ja auch das
- 11:01Ende der Monarchie in Deutschland und die Weimarer Republik wird gegründet. Die
- 11:06erste parlamentarische Demokratie für uns hier in Deutschland. Was bedeutet denn das
- 11:11für diese beiden Gebiete? Was passiert mit der Provinz Sachsen und auch
- 11:15Anhalt? Also man könnte jetzt einfach sagen, gar nichts, weil der Territorialbestand
- 11:21übersteht. Diese Hürde sozusagen aus dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Anhalt
- 11:26werden jetzt Freistaaten, werden jetzt Länder der Weimarer Republik, aber ihr Gebietsstand
- 11:31bleibt identisch. Allerdings gibt es vor allen Dingen in den 1920er Jahren
- 11:35sogenannte Reichsreformdebatten, wo man überlegt hat, wie kann man das Reichsgebiet besser
- 11:41aufteilen. Es gibt diesen erdrückenden großen preußischen Staat und viele relativ kleine
- 11:46und mittlere Länder, und da gibt es dann auch Debatten hier, die
- 11:50teilweise sogar schon die heutigen drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
- 11:53vorausnehmen. Aber unterm Strich dann bis 1933 faktisch ändert sich am Gebietsstand
- 11:59nichts. Sie haben das Stichwort 1933 schon gegeben. Es folgt die Zeit
- 12:04des Nationalsozialismus. Deutschland wird zu einer Diktatur. Was heißt das für das
- 12:11Gebiet vom heutigen Sachsen-Anhalt? Also Sachsen-Anhalt wird jetzt in zwei
- 12:16Gaue aufgeteilt, die schon ein Stück weit die spätere DDR-Bezirksstruktur vorwegnehmen.
- 12:22Also es kommt auch im Dritten Reich zu keiner Vereinheitlichung der Region.
- 12:25Im Gegenteil, die NSDAP-Gaue spielen jetzt eine größere Rolle. Und ja,
- 12:31also neben sozusagen der Allgemeinentwicklung, die hier natürlich auch die schlimme Zeit
- 12:36des Dritten Reiches geprägt hat, dann natürlich besonders im Zweiten
- 12:40Weltkrieg hat sich hier auch territorial letztlich nichts getan, weil formal bestanden
- 12:46die Länder, also das Land Anhalt und die preußische Provinz Sachsen bis
- 12:491945 weiter. Die NS-Diktatur führt Deutschland in den Zweiten Weltkrieg. Die
- 12:55Alliierten gewinnen diesen Krieg, teilen das gesamte Deutschland zu dieser Zeit in
- 13:00verschiedene Besatzungszonen auf und auch dann entstehen neue Gebiete. Und das ist
- 13:05ja der Moment, wo man sagen kann, Sachsen-Anhalt wird ein erstes
- 13:09Mal jetzt richtig gegründet, aber zunächst als Provinz Sachsen-Anhalt. Was
- 13:15ist denn das damals für ein Gebilde? Also grob gesprochen kommt es
- 13:191945 erstmals zum Zusammenschluss dieser großen preußischen Provinz Sachsen und dem kleinen
- 13:26Land Anhalt, das dann auch, wie ich finde, völlig zu Recht den
- 13:29Namen Sachsen-Anhalt bekommt. Das ist allerdings, also da gab es keine
- 13:34große Mitbestimmung der Menschen, sondern das war eine Entscheidung der sowjetischen Besatzungsmacht,
- 13:38genauso wie in den westlichen Besatzungszonen ja auch diese großen neuen Kunstländer
- 13:44Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und so weiter entstanden sind. Und ja, dieses
- 13:49Land besteht aber auch wiederum nur kurze Zeit und wird schon 1952
- 13:54dann in der DDR wieder aufgelöst in einem zentralistischen Staat, der von
- 13:58Ostberlin, von der SED, aus verwaltet wird. Also auch diese kurze Zeit
- 14:02des ersten Landes Sachsen-Anhalt hat ja keine großen Spuren hinterlassen können.
- 14:08Ich finde das total spannend und es erinnert mich auch ein bisschen
- 14:11an eine Geschichtsstunde. Ich weiß nicht, ob die Lehrerin damals tatsächlich aus
- 14:15Halle kam. Jedenfalls hat die uns so ganz imbrünstig erzählt, dass Halle
- 14:19in dieser kurzen Zeit des ersten Landes Sachsen-Anhalt tatsächlich Landeshauptstadt war,
- 14:24eben weil Magdeburg so zerstört war nach dem Krieg und man da
- 14:26gar nicht so richtig wusste, wo man jetzt zum Beispiel die Parlamente
- 14:29hinbauen sollte. Also in Dessau hatten wir das nicht in Geschichte, spielte
- 14:34keine Rolle. In Dessau aber für uns Magdeburger war das relevant. Ja,
- 14:37und war nicht nur, ist es sogar, denn bis heute noch sorgt
- 14:40es ja, naja, vielleicht nicht unbedingt für hitzige Diskussionen, aber für eine
- 14:45liebevolle Rivalität zwischen den beiden Städten. Dazu kommen wir gleich. Ja, die
- 14:48ist mal liebevoll und mal vielleicht nicht ganz so liebevoll. Aber lass
- 14:52uns mal zurückgehen in die Timeline, über die wir jetzt so gesprochen
- 14:55haben. Wie ging es denn dann nach 1952 weiter? Naja, danach waren
- 14:59es dann nur noch zwei Bezirke: Magdeburg und Halle. Warum hat die
- 15:02DDR das gemacht? Ging es da sozusagen nur um Zentralismus? Teils, teils.
- 15:07Also die DDR gründet sich ja im Gegenmodell zur BRD, und das
- 15:12passiert politisch wie strukturell. Was passiert genau? Sie gibt erstmal ihrem Gebiet
- 15:17eine ganz neue Verwaltungsstruktur. Die bis 1952 bestehenden fünf Bundesländer werden in
- 15:2314 Bezirke unterteilt, plus Ostberlin. Und jeder dieser Bezirke hat eine
- 15:29Bezirkshauptstadt. Also der Bezirk Magdeburg hat die Bezirkshauptstadt Magdeburg. Das alles dient
- 15:34natürlich einem höheren Plan, denn die bis dahin zumindest für einen kurzen
- 15:38Zeitraum bestehende föderale Struktur, wie wir sie ja auch heute kennen, die
- 15:42wird aufgelöst und die neuen Gebiete werden so gestaltet, dass sie zentral
- 15:46von oben nach unten politisch wie wirtschaftlich verwaltet und natürlich kontrolliert werden
- 15:52können. Es ist damals eine Verwaltungsreform nach sowjetischem Vorbild. Dann folgen ja
- 15:58so 40 Jahre DDR. Was macht das mit der Identität der Leute?
- 16:03Kurz gesagt könnte man sagen, es löst sie noch mehr auf. Aber
- 16:06im Detail habe ich natürlich auch da noch mal bei Steffen Rassloff
- 16:10nachgefragt. Das Problem in Sachsen-Anhalt ist, also sagen wir mal, das Problem
- 16:16ist es ja nicht zwingend, aber der Umstand ist der, dass es
- 16:18anders als jetzt mal beispielsweise in Sachsen oder Thüringen eben kein historisch
- 16:23gewachsenes Bewusstsein gibt, das in den anderen Ländern problemlos diese 40 Jahre
- 16:28DDR überstanden hat. Also in Sachsen im Herbst 1989 hat man sofort
- 16:32wieder die grün-weißen Fahnen rausgeholt und das sächsische Hautenwappen. Etwas Vergleichbares
- 16:37gab es hier nicht. Und die DDR hat es eben tatsächlich geschafft,
- 16:41dieses Sachsen-Anhalt-Bewusstsein in den Bezirken Halle und Magdeburg, in denen
- 16:45im Wesentlichen ja das Land aufgeteilt wurde, zurückzudrängen. Jetzt fällt aber die
- 16:50Mauer. Deutschland wird wieder vereinigt. Und die große Frage ist zu diesem
- 16:53Zeitpunkt natürlich: Was passiert mit den Gebieten der ehemaligen DDR? Wie schnell
- 16:59war denn damals klar, dass hier jetzt neue Bundesländer entstehen, vielleicht auch
- 17:03müssen und man eben nicht einfach die bestimmten Regionen jetzt Niedersachsen, Hessen
- 17:07oder Bayern zuordnet? Naja, es gab eine enorme Dynamik in dieser Zeit.
- 17:13Also wenn man überlegt, vom Mauerfall am 9. November 1989 bis zur
- 17:17deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 verging nicht einmal ein Jahr. Und
- 17:22was ist alles in dieser kurzen Zeit passiert? Es war also ein
- 17:24riesiger Handlungsdruck. Zwei große Staaten sollten miteinander verbunden werden. Und in den
- 17:31meisten Ländern, die ja 1952 erst aufgelöst worden waren, war klar: Die
- 17:37Sachsen wollten wieder ein Land Sachsen, die Brandenburger wieder ein Brandenburg und
- 17:40auch die Thüringer wollten wieder ein Thüringen, genauso wie in Mecklenburg-Vorpommern.
- 17:45Und von daher war relativ schnell klar, zumal man sich ja auch
- 17:49den föderalen Strukturen der Bundesrepublik anpassen musste und auch in den meisten
- 17:53Teilen durchaus wollte, dass es wieder in Richtung dieser fünf Länder geht,
- 17:57wobei allein eben Sachsen-Anhalt teilweise dann auch zur Disposition stand. Richtig,
- 18:02es gab damals sogar eine richtige Kommission, die sich ja mit der
- 18:06Neugründung von Bundesländern beschäftigt hat. Und ich wusste das tatsächlich nicht, ich
- 18:12bin auch in dieser Zeit erst geboren worden. Sachsen-Anhalt war so
- 18:15eigentlich erst einmal nicht vorgesehen in den ersten Entwürfen. Warum denn nicht?
- 18:19Also man wusste natürlich auch damals schon, dass in dieser Region das
- 18:24Landesbewusstsein am geringsten ausgeprägt ist oder fast gar nicht bestand zu diesem
- 18:28Zeitpunkt, ganz anders als etwa bei den Sachsen oder den Brandenburgern rundherum.
- 18:33Und von daher hat man gesagt, gleichzeitig sind ja auch die neuen
- 18:37Bundesländer heute relativ klein im Vergleich mit den großen westdeutschen Bundesländern. Und
- 18:42so entstand die Idee, Sachsen-Anhalt zwischen den Nachbarländern Brandenburg, Sachsen und
- 18:47Thüringen aufzuteilen, wofür es, wir haben es ja eingangs gesagt, durchaus auch
- 18:52historische Argumente gab. Also die Altmark zu Brandenburg, zu dem sie über
- 18:57Jahrhunderte gehört hat, der südliche Bereich zu Sachsen und Thüringen, Wittenberg, die
- 19:03große kursächsische Residenz. Also das hätte man sich alles vorstellen können, aber
- 19:07am Ende war, glaube ich, der Handlungsdruck so groß, dass man auf
- 19:12diese Form dieser fünf Bundesländer dann doch zurückgegriffen hat. Ja, denn dieser
- 19:16Plan, doch nur vier Bundesländer vielleicht neu zu gestalten, der kam dann
- 19:22gar nicht so gut an bei den Menschen in Sachsen-Anhalt. Haben
- 19:26die da vielleicht doch so ein bisschen Landesbewusstsein, Identität entdeckt oder steckten
- 19:31dahinter dann vielleicht doch eher machtpolitische Interessen von, ich weiß es nicht,
- 19:36Städten wie Magdeburg oder Halle? Ja, Sie sprechen es an. Also große
- 19:40Protestwellen im Sinne „wir wollen unser Sachsen-Anhalt wieder haben“, die gab
- 19:45es nicht. Aber in dem Moment, wo sich diese Länder immer deutlicher
- 19:49abzeichneten als die künftigen Bundesländer des vereinten Deutschlands, kamen natürlich diese Aufteilungspläne
- 19:55dann in bestimmten Bereichen des späteren Sachsen-Anhalts nicht gut an. Das
- 19:58ist nachvollziehbar. Also in Magdeburg zum Beispiel sah man sich nicht als
- 20:02Provinzstadt eines von Potsdam aus regierten Brandenburgs. Also das ist, denke ich,
- 20:07verständlich. Im Süden sorgte man sich in Halle um den eigenen Status,
- 20:10zumal ja auch noch gar nicht klar war, welche dieser Städte auch
- 20:13deshalb hatte durchaus Ambitionen, dann in einem solchen Land Sachsen-Anhalt künftig
- 20:17mal die Metropole ist. Denn der Status einer Landeshauptstadt in der Bundesrepublik
- 20:22Deutschland, das ist natürlich was, worum es sich zu kämpfen lohnt. Und
- 20:26gar nicht klar ist, noch ein bisschen untertrieben. Es kam zu einem
- 20:30waschechten Streit, vor allem zwischen Magdeburg und Halle, die beide Landeshauptstadt werden
- 20:36wollten, die beide diesen Titel für sich beanspruchten. Warum denn? Nun ja,
- 20:42das Konfliktpotenzial war im Grunde vorprogrammiert. Also das Land bestand bis 1990
- 20:48aus zwei ähnlich großen und auch für DDR-Verhältnisse mächtigen Bezirken mit
- 20:53zwei ähnlich großen Bezirksstätten, die beide auch durchaus mit Recht den Anspruch
- 20:58auf die Metropolfunktion in diesem neuen Land anmeldeten. Und das auch mit
- 21:02großem Nachdruck. Und das war eine enorme Belastung für die Landesbildung, weil
- 21:06der Riss ging hier durch die Parteien, durch die Gesellschaftsgruppen. Jeder hat
- 21:10für seine Region, seine große Stadt gekämpft. Und das war schwierig. Also
- 21:15das gab es in der Form in anderen Ländern nicht. Und mitten
- 21:18in diesem Streit kam Dessau, hob auch noch die Hand und meinte,
- 21:22vielleicht so ein bisschen nach dem Motto: Wenn zwei sich streiten, freut
- 21:24sich der Dritte. Wir können es ja auch noch machen. In der
- 21:28Tat, weil Dessau hatte natürlich ein historisches Pfund. Es war, anders als
- 21:33Halle und Magdeburg, die nie wirklich eine Landeshauptstadt waren, war es die
- 21:37einzige Stadt, die über viele Jahrhunderte hinweg die Residenz und Landeshauptstadt Anhalts
- 21:41war. Und auch wenn es hier starke Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gab,
- 21:45aber dieses sozusagen historische Fluidum einer gewachsenen Residenz und Hauptstadt konnte man
- 21:50ins Rennen werfen. Und spannend ist ja auch, dass der Zusammentritt des
- 21:55ersten Landtages von Sachsen-Anhalt am 28. Oktober 1990 also weder in
- 22:00Halle noch in Magdeburg passierte, sondern in Dessau. Und dieser erste Landtag
- 22:04sollte nun entscheiden, welche dieser beiden großen Städte die künftige Hauptstadt wird.
- 22:09Und wir wissen ja, wie das Ganze ausging. Dessau ist es nicht
- 22:13geworden. Magdeburg hat das Rennen gemacht, ist bis heute Landeshauptstadt. Und
- 22:19ich habe mich aber gefragt, wie tief sitzt denn dieser Schmerz bei
- 22:23den Hallenserinnen und Hallensern heute noch? Weil man hört ja immer mal
- 22:26wieder noch: Naja, Halle ist es nicht geworden, schade. Ich war in
- 22:30Halle unterwegs und habe mich umgehört. Und die meisten Menschen, die mir
- 22:33begegnet sind, haben erst gesagt, es wäre ihnen egal. Aber, und dann
- 22:38haben sie ganz oft hinterher den Satz geschoben: Schön wäre es natürlich
- 22:41schon, wenn es Halle geworden wäre. Und eine der schönsten Antworten habe
- 22:46ich von diesem Herrn bekommen. Ja, der Kontakt zu Magdeburg ist natürlich
- 22:54immer gespalten. Als Hallenser ist man da immer ein bisschen, ja, ein
- 22:59bisschen auf Krawall gebürstet, sagen wir so. Ja, das hat er schön
- 23:03ausgedrückt und beruht ja auch auf Gegenseitigkeit. Also wir haben in Magdeburg
- 23:07früher immer gesagt: In Halle werden die Dummen nicht alle. Sorry, lieber
- 23:11Hallenser. Aber sag mal, gab es diesen Streit bei der Gründung der
- 23:14anderen neuen Länder auch? Ja, wenn auch vielleicht ein bisschen weniger ausgeprägt. 00:23:19.000 --> 00:23:24.000 Aber beispielsweise Thüringen, Erfurt, Weimar, Jena und Gera hatten sich damals als
- 23:24Landeshauptstadt beworben. Der Streit wurde dann vor allem aber zwischen Erfurt,
- 23:28der größten Stadt des Landes, und Weimar, als kulturhistorisch bedeutsamere Stadt, ausgetragen.
- 23:34Wie Halle war auch Weimar zuvor schon einmal Landeshauptstadt gewesen, nämlich
- 23:38bei der ersten Gründung Thüringens 1920. Das Rennen machte aber hier
- 23:42am Ende Erfurt. Also ähnlich wie bei uns Magdeburg und nicht Halle
- 23:46und auch nicht Dessau. Wir haben ja vorhin gehört, dass ihr das
- 23:50eigentlich auch nicht so schlecht gefunden hättet mit der Landeshauptstadt. Ist das
- 23:54noch ein Thema für die Dessauer heute? Also ich bin tatsächlich mit
- 23:58dieser Geschichte aufgewachsen, dass Dessau einmal hätte Landeshauptstadt werden können. Aber mein
- 24:05Eindruck ist eher über die Jahre, dass wir einen ganz anderen Streitpunkt
- 24:08haben, den wir viel schmerzhafter empfinden: dass Dessau und Rosslau eine Stadt
- 24:12mal geworden sind. Zumindest ein Teil der Menschen in dieser Stadt. Aber
- 24:15das wäre ja ein Thema für eine andere Folge in diesem Podcast.
- 24:19Du hast ja ganz am Anfang so ein bisschen kryptisch gesagt, es
- 24:22geht dir mit der Identität als Sachsen-Anhalterin genauso wie Dominiko Müllensiefen
- 24:26und auch so ein bisschen anders. Was genau meinst du damit? Also
- 24:29wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme, dann sage ich natürlich ganz
- 24:32klar Sachsen-Anhalt. Bei Dessau habe ich immer so ein bisschen ein
- 24:36ambivalenteres Gefühl dazu. Ich bin mit 18 direkt weggezogen, weil ich das
- 24:40Gefühl hatte, da gibt es nichts mehr für mich. Aber je älter
- 24:43ich werde, desto mehr merke ich auch, dass ich so ein bisschen
- 24:46in so einen Verteidigungsmodus komme und auch immer mehr schätzen kann, was
- 24:50es dort für schöne Ecken gab und bis heute noch gibt. Und
- 24:53deshalb würde ich so ein bisschen sagen: Irgendwie ganz viel, aber irgendwie
- 24:57auch manchmal schwierig zu greifen, wie ich mich fühle. Ja, Heimatgefühle sind
- 25:01ja nicht immer so ganz linear. Manchmal sind die ja auch ambivalent,
- 25:04glaube ich, kann man sagen. Du hast dir vorgenommen, auch die Leute
- 25:07auf der Straße zu fragen. Da bin ich gespannt, was die zu
- 25:09dem Thema gesagt haben. Ja, kann so sein. Das war ihre Antwort
- 25:13auf die Frage: Fühlen Sie sich als Sachsen-Anhalter oder Sachsen-Anhalterin?
- 25:18Nee, nee. Ich fühle mich als Mensch, also näher. Ich bin Sachsen-Anhalter, mache auch da kein
- 25:24Härtum. Schon ja. Also einfach, weil ich mein ganzes Leben bisher in Sachsen-Anhalt verbracht habe. Nein, ich fühle
- 25:30mich eher als Weltbürger. Und diese Antworten habe ich auch Steffen Rassler
- 25:36vorgespielt. Ich denke, das liegt natürlich in erster Linie an dem historischen
- 25:46Hintergrund, den wir hier ja beschrieben haben, und an eben sehr unterschiedlichen
- 25:50historischen Bestandteilen dieses Bundeslandes, die keine gemeinsame Identität entwickeln konnten, beziehungsweise eben
- 25:58doch sehr spät im 20. Jahrhundert. Und ich denke auch, man sollte
- 26:01jetzt nicht auf Biegen und Brechen ein sachsen-anhaltisches Landesbewusstsein konstruieren. Denn
- 26:07die Vielfalt an Geschichte und Tradition ist doch auch, wie ich finde,
- 26:10ein positives Element. Allein wenn man auf die außergewöhnlich vielen UNESCO-Welterbestätten
- 26:15schaut, darauf kann man als Sachsen-Anhalter, wie ich finde, das sage
- 26:19ich jetzt auch als Thüringer, durchaus stolz sein. Und die großen Themen
- 26:23vom Reich der Himmelsscheibe, also in der Bronzezeit einer der ersten großen
- 26:27Hochkulturen, über die Zeit der Ottonen im 10. Jahrhundert, als das heutige
- 26:32Sachsen-Anhalt der Kernraum des entstehenden Deutschen Reiches war, das Lutherland bis
- 26:36zur modernen Industrieregion im 20. Jahrhundert, das wirkt schon. Ich denke, ein
- 26:40Stück weit integrierend, ohne dass die Leute jetzt auf der Straße mit
- 26:43Inbrunst sagen: Ich bin ein Sachsen-Anhalter. Und ich denke auch, das
- 26:47Bundesland selbst entfaltet allein durch sein Bestehen seit nunmehr gut dreieinhalb Jahrzehnten
- 26:52quasi täglich jene normative Kraft des Faktischen, wie es der Staatsrechtler Georg
- 26:57Jellinek mal genannt hat. Oder einfacher formuliert: Viele Menschen haben sich mittlerweile
- 27:01einfach daran gewöhnt, Sachsen-Anhalter zu sein. Und wenn das nicht so
- 27:05euphorisch rüberkommt, aber an sich ist der Befund doch durchaus in Ordnung.
- 27:09Ja, dafür sind wir dann eben mit mehr Euphorie Magdeburger, Hallenser, Altmerker
- 27:14oder Dessauer und eben weniger Sachsen-Anhalter. Ist doch eigentlich auch okay.
- 27:18Ja, vor allem aber keine Anhaltiner, denn das wäre das Adelsgeschlecht. Obwohl
- 27:23so ein bisschen Adelsgeschlecht fühle ich manchmal auch in mir, finde ich.
- 27:26Naja, wenn dann bin ich das ja, denn ich komme aus Sachsen-Anhalt.
- 27:28Na gut, na gut. Ja, also ich danke dir auf jeden
- 27:32Fall, dass du heute dieses Thema mitgebracht hast und dass wir mal
- 27:34so ein bisschen tiefer in die Geschichte unseres gemeinsamen Bundeslandes Sachsen-Anhalt
- 27:38eintauchen konnten. Da war viel Spannendes dabei, auf jeden Fall. Und auch
- 27:41ich habe nochmal richtig viel gelernt, was ich so freue, obwohl ich
- 27:45aus Sachsen-Anhalt komme, noch nicht wusste. Hier im Podcast werden wir
- 27:51in jeder Episode neben unserem großen Thema der Woche immer auch noch
- 27:55detaillierte Einblicke in die einzelnen Regionen in Sachsen-Anhalt schauen. Das können Meldungen
- 27:59sein, die uns in der letzten Woche ins Auge gesprungen sind. Oder
- 28:02wir stellen euch Helden und Heldinnen des Alltags vor, die beispielsweise bei
- 28:06sich vor Ort etwas Besonderes für den Ort und die Gemeinschaft geschaffen
- 28:09haben. Es kann aber auch ein Lieblingsort von euch Hörerinnen und Hörern
- 28:14sein, sozusagen als Tipp, wo ihr unbedingt mal hin müsst, wenn ihr
- 28:18da noch nicht gewesen seid. Hallo, mein Name ist Annett und ich
- 28:22lebe in Halle an der Saale. Mein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist
- 28:27hier in Halle direkt die Saale in ihrer ganzen Vielfalt: Spazieren gehen
- 28:31im Naturschutzgebiet auf der Peißnitz, entspannen am Pfälzer Ufer oder auch einfach
- 28:37den Ausblick von der Burg Giebichenstein genießen. Ach ja, die Peißnitz, da
- 28:42ist es wirklich schön. Ich habe mal ein paar Monate im Paulusviertel
- 28:45in Halle gewohnt und da war ich sehr, sehr oft spazieren. Bist
- 28:47du auch ein Fan? Also ich glaube, um das Wort Fan zu
- 28:50benutzen, hätte ich da schon ein bisschen öfter sein müssen. Ich war
- 28:53schon ab und zu mal auf der Peißnitz und es ist auf
- 28:55jeden Fall sehr schön. Aber vielleicht ist das eher ein Lieblingsort-Tipp
- 28:59auch an mich. Ja, siehst du, kannst du da mal ausprobieren. Und
- 29:02ihr könnt uns eure Lieblingsorte schicken. Wir freuen uns da sehr drüber,
- 29:05auch so ein bisschen als Inspiration für uns selber, wie für Marie
- 29:08jetzt in diesem Fall, aber natürlich auch für die anderen Hörer und
- 29:10Hörerinnen. Schickt uns das gerne als Sprachnachricht an dazwischen@detektor.fm.
- 29:16Diese Mailadresse findet ihr auch nochmal in der Podcastbeschreibung, also den
- 29:20Shownotes dieser Episode. Und wenn ihr noch tiefer in Sachsen-Anhalt eintauchen
- 29:24wollt, dann abonniert doch auch unseren Newsletter, denn da bekommt ihr jede
- 29:28Woche noch mehr Geschichten und Facetten aus Sachsen-Anhalt direkt in euer
- 29:32Postfach. Auch diese Infos zum Newsletter findet ihr in den Shownotes. Nächste
- 29:36Woche Donnerstag gibt es hier im Podcast dann schon die zweite Folge
- 29:40von Dazwischen und darin geht es um Krankentage. Denn da ist Sachsen
- 29:44Anhalt in Deutschland Spitzenreiter und wir wollen uns mal ein bisschen genauer
- 29:48anschauen, warum das so ist und was es vielleicht auch schon so
- 29:51an Ideen gibt, um das zu ändern. Wir freuen uns auf euch.
- 29:54Bis nächste Woche. Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und
- 30:05dem Media Forward Fund. Podcast Hosts: Marie Landes und Katja Schmidt. Community
- 30:11Redakteurin: Anne Koslowski. Podcast Redaktion: Leonard Schubert. Cover Design: Claudia Dölling und
- 30:18Anja Krämer von Sisters of Design. Originalmusik: Florian Sievers. Audioproduktion: Stanley Baldauf
- 30:25und Tim Schmutzler. Projektleitung: Christian Bollert.