Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 9 - Von den Predigern des Todes
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 9 von den Predigern des Todes in diesem
- 0:05Abschnitt spricht Zarathustra über eine Gruppe von Menschen,
- 0:08die er, die Prediger des Todes nennt.
- 0:11Damit meint Nietzsche Menschen, Philosophen oder religiöse
- 0:15Führer, die das Leben auf der Erde schlecht reden und den Tod
- 0:18oder das Jenseits als etwas Besseres darstellen.
- 0:22Zarathustra beginnt mit der Feststellung, dass es diese
- 0:24Prediger gibt und dass die Erde voll von Menschen ist, denen man
- 0:27predigen muss. Sich vom Leben abzuwenden.
- 0:30Er beschreibt die Erde als voll von überflüssigen, mit dem
- 0:34Begriff überflüssige meint Nietzsche Menschen, die ihr
- 0:37Leben nicht selbstbestimmt gestalten, sondern nur als graue
- 0:40Masse existieren, ohne höhere Ziele oder Leidenschaft.
- 0:44Das Leben ist durch diese viel zu vielen verdorben.
- 0:48Zarathustra sagt sarkastisch. Man solle diese Menschen doch
- 0:51mit dem Versprechen auf ein ewiges Leben aus dieser Welt
- 0:54weglocken. Mit ewigem Leben ist hier meist
- 0:57die religiöse Vorstellung eines Paradieses nach dem Tod gemeint,
- 1:01für Nietzsche ist dieser Glaube oft nur eine Flucht vor dem
- 1:04echten Irdischen Leben, Zarathustra nennt diese Prediger
- 1:08des Todes gelbe oder Schwarze, das ist eine bildliche Sprache.
- 1:13Mit den gelben könnten Menschen gemeint sein, die vor Neid oder
- 1:16Krankheit gelb sind. Also Menschen, die das Leben
- 1:19nicht genießen können. Mit den Schwarzen spielt
- 1:22Nietzsche vermutlich auf Priester und Geistliche an, die
- 1:25traditionell schwarze Gewänder tragen und oft eine Lehre
- 1:27verbreiten, die das Diesseitige Leben abwertet.
- 1:31Zarathustra unterteilt diese Prediger des Todes in
- 1:34verschiedene Gruppen und beschreibt sie sehr genau.
- 1:37Die erste Gruppe bezeichnet er als die fürchterlichen, diese
- 1:41Charaktere verbergen ein wildes Tier in ihrem inneren, ihnen
- 1:45fehlt die Freiheit der Wahl. Sie pendeln zwischen Zügelloser
- 1:49Lust und strenger Askese. Dieser Begriff steht hier dafür,
- 1:53dass sie sich selbst kasteien und ihre Bedürfnisse aus Prinzip
- 1:56verweigern, sie handeln oft aus religiösem Eifer.
- 2:00Diese Menschen haben die Stufe des Menschseins noch nicht
- 2:03erreicht nach Zarathustras Ansicht sollen sie ruhig das
- 2:07Ende preisen und selbst verschwinden, denn sie tragen
- 2:09nichts zum Lebenswillen bei die zweite Gruppe bezeichnet er als
- 2:13die Schwindsüchtigen der Seele. Schwindsucht ist ein altes Wort
- 2:18für Tuberkulose, eine Krankheit, die den Körper auszehrt.
- 2:22Hier ist es aber geistig gemeint.
- 2:24Diese Menschen sind schon kaum geboren, da fangen sie innerlich
- 2:27schon an zu sterben, sie sehnen sich nach Lehren, die Müdigkeit
- 2:31und Verzicht fordern, also nach Entsagung, sie wollen am
- 2:35liebsten tot sein, und Zarathustra meint spöttisch, man
- 2:38solle ihren Willen gutheißen, man soll vorsichtig sein, diese
- 2:42Totengräber nicht aufzuwecken. Oder ihre lebendigen Särge, also
- 2:47ihre Körper, in denen kein echter Lebenswille mehr steckt,
- 2:50zu beschädigen. Diese Menschen sehen einen
- 2:53Kranken, einen alten Mann oder eine Leiche und sagen sofort,
- 2:57das Leben ist widerlegt, das bedeutet, sie nutzen das Leid
- 3:01und den Tod als Beweis dafür, dass das Leben an sich schlecht
- 3:05und sinnlos ist. Aber Zarathustra sagt, dass nur
- 3:08diese Menschen selbst und ihr begrenzter Blick widerlegt sind.
- 3:12Sie sehen nur das eine Gesicht des Daseins, nämlich das Leid,
- 3:16und sind blind für die Freude und Kraft des Lebens.
- 3:19Sie hüllen sich in dicke Schwermut, also in Traurigkeit
- 3:22und Depression, und warten gierig auf kleine Unglücksfälle,
- 3:25die Ihnen den Tod bringen könnten.
- 3:28Dabei beißen Sie die Zähne zusammen oder sie greifen nach
- 3:32Süßigkeiten, also nach kleinen banalen Vergnügungen, und machen
- 3:36sich dabei über ihre eigene Kinderei lustig, sie hängen an
- 3:40ihrem Leben wie an einem Strohhalm.
- 3:42Also sehr schwach und unsicher und machen sich gleichzeitig
- 3:46darüber lustig, dass sie noch immer an diesem Strohhalm
- 3:49festhalten. Ihre Weisheit lautet ein Narr,
- 3:53also ein Dummkopf, ist derjenige, der am Leben bleibt,
- 3:57und dann fügen sie hinzu, aber wir sind solche Narren, und das
- 4:01ist das Dümmste am Leben, dass wir noch leben.
- 4:04Dann beschreibt Zarathustra eine weitere Gruppe, diese Leute
- 4:08sagen, das Leben ist nur leiden. Sie lügen nicht, sagt
- 4:13Zarathustra. Für Sie stimmt das, aber er
- 4:16fordert sie auf. Dann sorgt doch dafür, dass ihr
- 4:19endet, sorgt dafür, dass dieses Leben aufhört, das für euch nur
- 4:23leiden ist. Er legt ihnen den Satz in den
- 4:26Mund, du sollst vergehen, du sollst dich davon stehlen.
- 4:31Das ist eine Aufforderung, freiwillig aus dem Leben zu
- 4:34scheiden oder sich völlig aus der Welt zurückzuziehen.
- 4:37Wieder andere predigen Keuschheit und Verzicht auf
- 4:40Sexualität. Sie sagen, Wollust ist Sünde.
- 4:44Sie fordern, dass man beiseite geht und keine Kinder zeugt.
- 4:48Andere sagen, gebären ist mühsam.
- 4:50Also Kinder kriegen ist nur Schmerz und Last.
- 4:53Sie fragen wozu noch gebären, man setzt ja doch nur
- 4:57unglückliche in die Welt, auch diese Menschen zählt Zarathustra
- 5:00zu den Predigern des Todes, weil sie das Entstehen von neuem
- 5:03Leben verhindern wollen. Eine weitere Gruppe sind
- 5:06diejenigen, die Mitleid predigen, Sie sagen, Mitleid ist
- 5:10notwendig. Nimm was ich habe, nimm was ich
- 5:14bin. Umso weniger bindet mich das
- 5:16Leben. Zarathustra analysiert das so,
- 5:20wenn diese Menschen wirklich vollkommenes Mitleid hätten,
- 5:22würden sie ihren nächsten das Leben verleiden, also madig
- 5:26machen, das wäre ihre eigentliche Güte im Sinne ihrer
- 5:29eigenen Logik, denn sie halten das Leben ja für schlecht, aber
- 5:33sie wollen nur selbst vom Leben loskommen.
- 5:36Es ist ihnen egal, dass sie durch Ihre Geschenke und ihr
- 5:38Mitleid andere Menschen noch fester an das Leben binden und
- 5:42sie abhängig machen. Zuletzt spricht Zarathustra die
- 5:45Menschen an, die sehr fleißig sind, er fragt sie ihr, denen
- 5:50die wilde Arbeit und die Unruhe lieb ist.
- 5:52Seid ihr nicht eigentlich sehr müde vom Leben, seid ihr nicht
- 5:56reif für die Predigt des Todes? Alle, die die wilde Arbeit
- 5:59lieben und das schnelle, neue und Fremde Suchen, ertragen sich
- 6:03selbst schlecht. Ihr Fleiß ist in Wahrheit eine
- 6:06Flucht. Es ist der Wille, sich selbst zu
- 6:08vergessen. Zarathustra sagt, Wenn diese
- 6:12Menschen mehr an das Leben glauben würden, würden sie sich
- 6:15nicht so sehr in den bloßen Augenblick, in die Hektik
- 6:17werfen, aber sie haben nicht genug inneren Inhalt, um warten
- 6:21zu können, sie haben nicht einmal genug Inhalt, um faul zu
- 6:24sein, denn selbst für echte Faulheit braucht man eine
- 6:27gewisse innere Ruhe und Stärke. Zum Abschluss stellt Zarathustra
- 6:31fest, dass überall die Stimme derer ertönt, die den Tod
- 6:34predigen. Und die Erde ist voll von
- 6:37Menschen, denen man den Tod predigen muss, weil sie für das
- 6:40echte Leben, wie Zarathustra es versteht, nicht geschaffen oder
- 6:43zu müde sind. Manche rufen nach dem ewigen
- 6:46Leben, also dem Jenseits, Zarathustra kommentiert das
- 6:51gleichgültig, das ist mir egal, solange sie nur schnell
- 6:54dahinfahren, damit, meint er. Solange sie nur schnell
- 6:58verschwinden und Platz machen für diejenigen, die das Leben
- 7:01bejahen.