Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Neuordnung in Nahost: Ein 12-Tage-Krieg und seine Folgen (mit Guido Steinberg)
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- 0:00Insgesamt ist es so, dass die Sorge in der Region vor einem Zusammenbruch und einem
- 0:05Auseinanderbrechen Iranes größer ist, als der Wunsch, dieses doch weiterhin verhasste
- 0:11Regime stürzen zu sehen.
- 0:14Ein zwölftägiger Krieg und ein Waffenstillstand, bunkerbrechende Bomben auf Iranes Atomanlagen,
- 0:19ballistische Raketen auf Tel Aviv, was sich in den vergangenen Tagen im Nahen Osten zugetragen
- 0:24hat, hat schon jetzt Geschichte geschrieben.
- 0:26Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Pott und die Welt", ich bin Martin Wielecki
- 0:31und ich bin Katharina Peetz, schön, dass Sie bei uns sind.
- 0:34Von einem drohenden Flächenbrand war die Rede von einem Ausgreifen des Konflikts zwischen
- 0:39Israel und Iran auf die ganze Region.
- 0:41Dabei ist diese Region schon eine der kompliziertesten der ganzen Welt, das war sie auch schon vor
- 0:46dem 7.
- 0:47Oktober 2023, als die Hamas Israel überfallen hat, ein Ereignis, das letztlich in direktem
- 0:52Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen steht.
- 0:55Und wie genau diese Entwicklungen miteinander zusammenhängen, ob der Nahe Osten tatsächlich
- 0:59eine Neuordnung erlebt, was das mit den Interessen der Großmächte zu tun hat und welche
- 1:04Szenarien man sich vorstellen kann.
- 1:05Darüber wollen wir heute sprechen mit dem Islamwissenschaftler und einer Ostexperten
- 1:09Gido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.
- 1:12Hallo Herr Steinberg.
- 1:13Hallo Frau Peetz.
- 1:14Stell mir uns vor, ein Astronaut oder eine Astronautin sind heute am 1.
- 1:21Juli auf die Erde zurückgekehrt, hatten das letzte Mal vor 2 Jahren Kontakt zur Erde.
- 1:26Können Sie kurz zusammenfassen, was seither im Nahen Osten passiert ist?
- 1:30Ja, es ist tatsächlich sehr, sehr viel passiert und die vielleicht wichtigste Entwicklung ist,
- 1:36dass Israel heute die Militärmacht Nummer 1 in der Region ist, zumindest dann, wenn man
- 1:43die Türkei so etwas am Rande stehen lässt.
- 1:45Das sah vor 2 Jahren ganz anders aus, da haben die Menschen im Nahen Osten, aber vor allem
- 1:52die Israelis und auch Einwohner in den Nachbarstaaten, vor allem Iran, als Bedrohung angesehen.
- 1:58Und zwar Iran und seine sogenannte Achse des Widerstands, also dieses Bündnis dem
- 2:04Angehörthaben, das Regime von Bashar al-Assad in Syrien, die Hisbollah im Libanon, die Hamas
- 2:10und der islamische Jihad in den palestinensischen Gebieten, schiitische Milizen im Irak und
- 2:15die Huzis im Jemen.
- 2:17Dieses Bündnis ist heute zwar immer noch vorhanden, aber doch militärisch geschlagen und Israel
- 2:23hat sich trotz aller Sorgen, die sich das Land gemacht hat, noch vor 2 Jahren militärisch
- 2:29fast vollkommen durchgesetzt und hat zuletzt einen fast grandiosen Sieg über Iran errungen
- 2:36und dabei Teile seines Atomprogramms zerstört.
- 2:39Sie haben den Iran schon genannt, Herr Steinberg, fangen wir doch mal damit an, mit dem Iran
- 2:43als einem der marketing Player des Nahen Ostens, zunächst außenpolitisch, wie würden Sie die
- 2:49Lage Iranes beschreiben und wie hat sich diese Lage durch die zwölftage Krieg verändert?
- 2:54Iran war ohnehin schon in einer etwas schwierigen Situation und diese schwierige Situation beginnt
- 3:03mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7.
- 3:06Oktober 2023, in den also etwa acht Jahren zuvor, seit 2015.
- 3:13Hat Iran seine Stellung in der Region weit ausgebaut und hat sich vor allem angeschickt, Israel
- 3:20immer direkter zu bedrohen.
- 3:22Mit Iran verbündete Milizen haben sich im Irak durchgesetzt im Kampf gegen den IS.
- 3:29Sie haben den Bürgerkrieg in Syrien zugunsten des Assad-Regimes entschieden, zumindest
- 3:36vorläufig wie wir heute wissen.
- 3:37Die Hezbollah ist enorm erstarkt, die Husi-Rebellen haben den Norden des Jemen eingenommen und
- 3:43von dort aus sogar Saudi-Arabien bedroht.
- 3:47Das war die Situation Ende 2023 und dann hat sich einverbündeter Iran entschlossen, ohne
- 3:55direkte Unterstützung aus der Islamischen Republik, also ohne direkte Unterstützung
- 4:00für diese Militäraktion, Israel anzugreifen.
- 4:03In einem beispiellosen Angriff Iran war nicht dabei, die Hezbollah hat sich nicht beteiligt,
- 4:10die Husis haben sich nicht beteiligt, die schiitischen Milizen in Syrien und dem Irak
- 4:15haben sich nicht beteiligt.
- 4:17Trotzdem sind sie in den nächsten Monaten mehr oder weniger direkt in diesen Krieg mit
- 4:23einbezogen worden, die Hezbollah dadurch, dass sie schon am 8.
- 4:27Oktober begonnen hat den Norden Israels mit Raketen zu beschießen, die Husis haben später
- 4:32begonnen, Israel zu beschießen und auch den Schiffsverkehr im Roten Meer.
- 4:37Es hat zwei direkte militärische Auseinandersetzungen gegeben zwischen Iran und Israel im April
- 4:43und im Oktober 2024.
- 4:47All diese Aktionen haben dazu geführt, dass die Israelis eine Schwäche gewittert haben
- 4:53auf iranischer Seite und diese Schwäche war doch ganz beträchtlich.
- 4:57Die Hamas wurde fast vollständig, zumindest militärisch, zerschlagen.
- 5:02Die Hezbollah ist im Herbst 2024 auch zusammengeschossen worden von den Israelis und in Folge dieser beiden
- 5:09größeren Raketenangriffe Iran auf Israel wurde auch die iranische Luftabwehr stark
- 5:16beschädigt und deswegen hat Israel dann schon im April 2025 die Chance gesehen, jetzt durch
- 5:24einen großen Angriff auf das iranische Atomprogramm diesen Gegner strategisch zu schwächen, also
- 5:30nicht mehr nur seine wichtigsten Verbündeten zusammenzuschießen, wie das im Libanon und
- 5:35in den palästinensischen Gebieten geschehen ist, sondern Iran selbst stark zu schwächen
- 5:40und genau das ist dann geschehen.
- 5:43Iran ist heute in einer so schwachen Position wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr.
- 5:49Diese Angriffe Israels und dann auch die amerikanischen Bomben, die waren für Iran, für das Mullerregime
- 5:55ja eine Überraschung und auch eine Demütigung.
- 5:57Was erwarten Sie denn, wie man sich darauf jetzt verhalten wird?
- 6:01Ja, das ist die ganz, ganz, ganz große Frage im Nahen Osten.
- 6:06Es gibt ja zwei Möglichkeiten, zwei extreme Möglichkeiten, die die islamische Republik jetzt
- 6:12hat.
- 6:13Sie könnte zum einen auf ein Atomprogramm verzichten, zu einer großen Übereinkunft
- 6:20mit den USA kommen, vielleicht sogar zu einem Ende der Sanktionen und wie auch immer
- 6:27gearteten Übereinkünften auch mit weiteren Weltmächten und auch der Europäischen Union.
- 6:32Die zweite Möglichkeit ist, dass Iran jetzt die Entscheidung trifft, nicht mehr nur ein
- 6:40militärisches Nuklearprogramm zu betreiben, sondern zu versuchen, in möglichst kurzer
- 6:46Zeit aus den noch verbliebenen Anlagen und Materialien eine primitive Atombombe zusammenzubauen,
- 6:55um sich mithilfe eines Atomwaffentests dann vor weiteren Angriffen zu schützen.
- 7:01So wie ich die islamische Republik kenne, so wie ich den obersten Führer Ali Khamenei
- 7:06in den letzten Jahrzehnten kennengelernt habe, gehe ich eher davon aus, dass die islamische
- 7:11Republik alles versuchen wird, jetzt in Richtung einer Bombe zu gehen.
- 7:15Wir wissen noch nicht, wie diese Entscheidung fällt, ich lasse mich da auch gerne überraschen.
- 7:20In jedem Fall gibt es viele Anzeichen dafür, dass die Ereignisse in diesen zwölf Tagen
- 7:25im Juni 2025 erst der Anfang einer längeren Geschichte waren und nicht das Ende.
- 7:32Für wie realistisch halten Sie denn einen Regimewechsel und war so ein Wechsel des Regimes
- 7:42eigentlich ein Ziel auch von der israelischen Regierung bei den Angriffen auf Iran?
- 7:47Es gibt so ein paar Hinweise darauf, dass Ministerpräsident Netan Yahu zumindest auf
- 7:52eine substanzielle Schwächung des Regimes gesetzt hat, vielleicht sogar auf die Hoffnung,
- 7:57dass Ali Khamenei und seine Gefolgsleute stürzen.
- 8:01Die anzeichenbaren Beispielsweise die Tötung von vielen ganz wichtigen Kommandeuren der
- 8:06Revolutionskarten in den ersten Stunden des Krieges, diese Tötungen waren militärisch
- 8:12nicht unbedingt notwendig, besonders dann, wenn es nur um das Atomprogramm gegangen wäre.
- 8:18Da hätte sich Israel auf andere Ziele konzentrieren können.
- 8:22Dazu kommt ja die Breite der israelischen Angriffe, es wurden ja auch Anlagen der Energieinfrastruktur
- 8:28getroffen, Öl- und Gasanlagen.
- 8:30Auch diese Angriffe waren aus meiner Sicht nicht zwingend notwendig, wenn es nur um
- 8:35das Atomprogramm gegangen wäre.
- 8:37Ich glaube aber, dass die Hoffnung auf ein Sturz des Regimes tatsächlich nicht gerechtfertigt
- 8:42ist.
- 8:43Das Regime kann sich nur selbst stürzen, ganz einfach deshalb, weil seine Machtbasis
- 8:47stark ist.
- 8:48Es verfügt über über eine Million Mann unter Waffen und es gibt überhaupt keine Anzeichen
- 8:54für Konflikte, für größere Meinungsverschiedenheiten innerhalb dieser Machtbasis.
- 8:59Zwar kann es ganz gut sein, dass wir die übersehen, solange noch keine Hinweise darauf vorliegen,
- 9:05müssen wir davon ausgehen, dass die islamische Republik stabil ist, weil diese Machtbasis
- 9:10in den letzten Jahrzehnten immer wieder gezeigt hat, dass sie bereit und in der Lage ist,
- 9:16viele Gegner zu töten, um den Erhalt dieses Regimes zu sichern.
- 9:21Ich gehe also vorerst davon aus, dass wir es weiter mit der islamischen Republik zu
- 9:25tun haben, so wie bisher auch.
- 9:27Wenn Sie sagen, das Regime kann sich nur selbst stürzen, das heißt, wenn wir ins Land noch
- 9:31mal schauen, in den Iran die innenpolitische Situation, es gab in den letzten Jahren ja
- 9:35Proteste, die aber sehr rigoros niedergeschlagen worden sind, dann verstehe ich Sie so, dass
- 9:41auch aus dieser Bevölkerung heraus kein Umstands erfolgen kann.
- 9:45Nein, nein, weil die Bevölkerung nicht bewaffnet ist.
- 9:48Mehr noch, die Opposition ist uneinig, ist nicht organisiert, nicht strukturiert.
- 9:55Also für ein planmäßiges Vorgehen gegen die Regierung fehlt jegliche Grundlage.
- 10:00Auch die kleinen bewaffneten Gruppen, die es vielleicht unter den Kurden im Nordwesten
- 10:05des Landes, den Arabern im Südwesten und den Belutschen im Südosten gibt, gibt es
- 10:10keine, die irgendwie in der Lage wäre, das Regime in Bedrängnis zu bringen.
- 10:15Und deswegen glaube ich, dass die einzige Möglichkeit für größere innenpolitische
- 10:20Probleme ist, dass beispielsweise wichtige Armeeinheiten sich erheben gegen das Regime
- 10:27oder auch die Revolutionskarten.
- 10:29Aber dafür gibt es keine Hinweise und der oberste Führer, Herr Menei, hat auch in den
- 10:35vergangenen, ja jetzt schon über dreieinhalb Jahrzehnten dafür gesorgt, dass gerade diese
- 10:41wichtigen Teile des militärisch-geheimdienstlichen Komplexes unter seiner Führung bzw. unter
- 10:47Führung von ganz, ganz getreuen Gefolgsleuten sind und das Ausmaß der Kontrolle dort tatsächlich
- 10:53sehr, sehr weit geht.
- 10:55Stichwort Regime Change nochmal, wenn wir den Fokus mal ein bisschen aufziehen, haben
- 11:01denn andere Länder in dieser sehr komplexen Region überhaupt eine Interesse an einem
- 11:06Regime Change in Täran?
- 11:08Nein, das hat man tatsächlich in den letzten zwei bis drei Wochen auch immer wieder bemerkt.
- 11:14Ganz viele andere regionale Staaten möchten einen solchen Regimewechsel nicht, nicht etwa
- 11:20weil das Regime in Täran irgendwo beliebt wäre, aber weil die Folgen befürchtet werden.
- 11:27Wir dürfen ja nie vergessen, dass Iran ein vielvölkerstaat ist, der sicherlich homogener
- 11:31als der Irak, zumindest im Kern, aber es gibt eine starke kurdische Minderheit im Nordwesten,
- 11:38eine arabische Minderheit im Südwesten, die Belutschen.
- 11:41Die Aseris, also die Perser und die Shiaeten, stellen zwar die überwiegende Mehrheit der
- 11:46Bewohner.
- 11:47Aber im Fall eines Regimewechsels müsste mit Konflikten im Land gerechnet werden und dann
- 11:54vielleicht auch mit zentrifugalen Tendenzen und gerade Nachbarn wie Saudi-Arabien, die
- 11:59Vereinigten arabischen Emirate, die befürchten eine solche Entwicklung.
- 12:05Man muss allerdings auch sagen, dass andere Staaten vielleicht oder zumindest heile politische
- 12:10Akteure in anderen Staaten vielleicht ganz froh wären, wenn Iran stark geschwächt würde.
- 12:16Das gilt besonders für viele Akteure im Irak oder auch im Libanon und im Jemen, wo ganze
- 12:23Staaten von den Proxies, also den Stellvertretern der Iranern praktisch in Geiselhaft gehalten
- 12:29werden.
- 12:30Darauf hoffen, dass vielleicht diese iranische Unterstützung für die Hezbollah, für die
- 12:34schiitischen Milizen im Irak und für die Ansar-Alar-Rebellen, also die Husis, im Jemen
- 12:41irgendwann einmal endet.
- 12:42Aber insgesamt ist es so, dass die Sorge in der Region vor einem Zusammenbruch und einem
- 12:48Auseinanderbrechen irans größer ist, als der Wunsch, dieses doch weiterhin verhasste
- 12:54Regime stürzen zu sehen.
- 12:55Dann schauen wir nochmal genauer auf Israel und wie Israel jetzt nach diesem zwölftigen
- 13:05Krieg dasteht.
- 13:06Sie haben es eben schon beschrieben, wie stark es dasteht.
- 13:10Man könnte wohl sagen, es ist jetzt die stärkste Macht im Nahen Osten.
- 13:13Was glauben Sie, was wird Israel mit dieser Macht tun?
- 13:17Ja, die weitere Entwicklung wird ganz entscheidend davon abhängen, ob es jetzt die großen Politiker
- 13:23gibt in Washington, aber auch in Tel Aviv und Jerusalem, die diese Niederlage Irans und
- 13:30diesen Erfolg Israels und auch der USA dazu nutzen, Probleme zu lösen.
- 13:36Ich bin mir nicht sicher, ob wir das erleben werden, aber zunächst einmal wäre es eine
- 13:42ganz, ganz wichtige Aufgabe der Sieger in diesem Konflikt dafür zu sorgen, dass vielleicht
- 13:47auf dem Verhandlungswege eine Lösung für das iranische Atomprogramm gefunden wird.
- 13:52Das ist umso dringlicher, wenn meine Interpretation stimmt, dass das Regime der islamischen
- 13:58Republik jetzt wahrscheinlich daran gehen wird, mit vielleicht noch größerer Dringlichkeit
- 14:04als früher an einer Atombombe zu arbeiten.
- 14:08Und wir dürfen dann nicht vergessen, dass es durchaus eine Zeit gab, in der sich die
- 14:13islamische Republik da sehr zurückgehalten hat, nämlich nach dem Abkommen von 2015.
- 14:19Da haben sich die Iraner nämlich tatsächlich an die Begrenzungen für ihre Irananreicherung
- 14:25gehalten.
- 14:26Und das ist doch ein Hinweis darauf, dass Verhandlungen zumindest ein Teil einer Strategie
- 14:33auch im Umgang mit einem Regime, wie dem der islamischen Republik, sein können, um dieses
- 14:37Problem zu lösen.
- 14:38An zweiter Stelle kommt natürlich die Frage, was geschieht in Gaza.
- 14:41Das ist ein Krieg, der aus meiner Sicht schon vor langer Zeit hätte enden müssen.
- 14:47Die militärischen Ziele, die die Israelis haben, erreichen können, nämlich die weitgehende
- 14:52Zerschlagung der Hamas, die sind schon lange erreicht und es gibt aus meiner Sicht keine
- 14:57Rechtfertigung mehr für die vielen Toten in diesem Konflikt.
- 15:01Also das wäre der zweite Schritt und damit verbunden vielleicht dann auch der große
- 15:05Friedensschluss zwischen Saudi-Arabien und Israel, der ja ganz kurz vor dem 7.
- 15:10Oktober 2023, fast vor der Verwirklichungsstand und aus meiner Sicht eine Tragik dieser Ereignisse
- 15:18der letzten anderthalb Jahre, dass diese Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien
- 15:22nicht fortgesetzt wurde, unter anderem auch deshalb, weil Saudi-Arabien sich mittlerweile
- 15:28dann eben doch als Sachwalter der Palästinenser versteht und durchaus eine mäßigende Wirkung
- 15:34auf die israelische Politik haben kann, ganz einfach deshalb, weil Saudi-Arabien irgendeine
- 15:40Art von Zugeständnis an die palästinensische Seite haben will, zu der die Regierung nettern
- 15:46Yahoo im Moment noch nicht bereit ist.
- 15:48Vor mittlerweile fast fünf Jahren wurden ja die sogenannten Abram-Abkommen geschlossen,
- 15:53die also zu einer Normalisierung zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten beitragen
- 15:57sollten.
- 15:58Jetzt gibt es Gerüchte, dass diese Abrams-Abkommen erweitert werden könnten.
- 16:01Wie schätzen sie das ein und was würde das für die Region bedeuten?
- 16:05Zunächst einmal würde das bedeuten, dass Bewegung in den israelisch-palästinensischen
- 16:10Konflikten kommt.
- 16:11Der wichtigste Kandidat für ein neues Abkommen ist Saudi-Arabien.
- 16:15Es hat bereits in den vergangenen Jahren Gespräche zwischen den USA und Saudi-Arabien über eine
- 16:21mögliche Friedensflösung mit Israel gegeben.
- 16:25Diese Gespräche wurden am 7.
- 16:27Oktober 2023 erst einmal unterbrochen, aber alle drei Seiten haben immer wieder betont,
- 16:34dass sie bereit sind, zu einer Lösung zu kommen.
- 16:36Das gilt natürlich für Washington.
- 16:39Präsident Trump will diesen Frieden unbedingt, schon aus persönlichen Gründen.
- 16:43Ministerpräsident Nettern Yahoo und auch vorstellbare alternative Ministerpräsidenten
- 16:49oder Ministerpräsidentinnen in Israel wollen diesen Frieden.
- 16:53Und Saudi-Arabien hat immer wieder klar gemacht, dass es bereit ist diesen Frieden zu schließen.
- 16:58Seit dem 7.
- 16:59Oktober 2023 hat aber Saudi-Arabien den Preis für eine solche Übereinkunft erhöht.
- 17:04Saudi-Arabien will nämlich jetzt ganz, ganz substanzielle Fortschritte im Friedensprozess
- 17:09– ich trau mich kaum das auszusprechen – im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern.
- 17:15Damit hat die Palästinense.
- 17:17Seite endlich einmal wieder einen Sachwalter. Und da das israelische Interesse an diesem Frieden so
- 17:23groß ist, sehe ich da durchaus die Möglichkeit, dass als Teil solcher Verhandlungen auch eine
- 17:29Lösung oder zumindest ein Management des Konflikts im Gasa-Streifen besser ablaufen kann,
- 17:35als das bisher der Fall ist. Das ist aus meiner Sicht die ganz große Hoffnung, die die Region
- 17:42hat, dass nun Trump nicht nur zu einer Lösung mit der islamischen Republik kommt, sondern auch dazu
- 17:50beitragen kann, dass Saudi Arabien einen Frieden mit Israel schließt und dass im Verlauf dieser
- 17:55Verhandlungen dann auch die Lage der Palästinenser sich zumindest etwas verbessert. Sie haben
- 18:04Gasa gerade schon erwähnt, nur hat der Krieg gegen den Iran, der ganz bestimmt die Aufmaßigkeit auch
- 18:09von Gasa weggelenkt. War das, glauben Sie, auch ein Kühl von Benjamin Netanyahu? Nein, ich glaube,
- 18:17dass man Benjamin Netanyahu viel durchaus zutrauen kann, dass er wichtige Entscheidungen von Krieg
- 18:24und Frieden auch aufgrund von innenpolitischen Erwägungen trifft. Das gilt mit ziemlicher
- 18:31Sicherheit für die Ereignisse in Gasa in den letzten Monaten. Die Entscheidung aber,
- 18:35das Atomprogramm anzugreifen, war aus meiner Sicht vollkommen unbeeinflusst von den Ereignissen
- 18:41in Gasa. Ministerpräsident Netanyahu wurde in den letzten Monaten und Jahren schon sehr häufig
- 18:47mit der Bemerkung angegangen, ob er denn wirklich in die Geschichte eingehen will, als derjenige
- 18:52israelische Ministerpräsident unterdessen Ergide, als den Iranern gelungen ist, die entscheidenden
- 18:57Schritte in Richtung Atomwaffe zu machen. Das war aus meiner Sicht der wichtigste Grund hier
- 19:03zuzuschlagen. Ich glaube, dass jede vorstellbare israelische Regierung in einer ähnlichen
- 19:09Situation ganz unabhängig von der Lage in Gasa oder im Westjordanland genauso gehandelt hätte,
- 19:15wie Benjamin Netanyahu. Ich sehe da also diesen Link, der ja so häufig gemacht wird, den sehe ich
- 19:22überhaupt nicht. Ich würde gerne nochmal zurückkommen auf das, was Sie vorhin gesagt haben,
- 19:26nämlich, dass die Kriegsziele in Gasa eigentlich längst erreicht sind und dass der Krieg schon
- 19:30längst zu Ende sein könnte, ist er aber ja nun nicht. Jetzt ist am Montag noch ein Gespräch
- 19:35zwischen Trump und Netanyahu in Washington geplant. Wie nah dran ist man denn Ihre Einschätzung
- 19:39nach einem Kriegsende? Oder was will man überhaupt noch? Ja, es wird in den letzten Tagen vermehrt
- 19:45über ein solches Kriegsende gesprochen. Ich glaube allerdings, dass es dazu ganz klarer Worte von
- 19:52Präsident Trump bedarf. Wir sehen ja in den letzten Monaten immer wieder, dass die israelische Regierung
- 19:58vor einem Dilemma steht. Und zwar kann sie einerseits den Gaserstreifen mit israelischen Truppen
- 20:04erneut besetzen, dort dann eben die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen und auch
- 20:11entsprechende Verluste einfahren. Das will die Regierung Netanyahu nicht, das will auch der
- 20:16Ministerpräsident nicht. Auf der anderen Seite haben wir die Möglichkeit, eben die palästinensische
- 20:22Autonomiebehörde an irgendeiner Art von neuer Verwaltung des Gaserstreifens zu beteiligen. Das
- 20:30wollen die rechten Koalitionspartner von Benjamin Netanyahu nicht. Und das Ergebnis ist, dass
- 20:36dieser Krieg immer weiter geführt wird, vollkommen ziellos, ohne irgendeiner Aussicht darauf,
- 20:41dieermaßen noch entscheidender, zu schlagen. Ich sehe tatsächlich keine anderen Motive als
- 20:47diese innenpolitischen Probleme, als diese Uneinigkeit innerhalb der Koalition. Und selbst wenn
- 20:55Ministerpräsident Netanyahu im Moment vielleicht dazu neigen könnte, hier nach einer Lösung zu
- 21:01suchen, wird er, meine ich, nicht über seine Abneigung gegenüber den Palästinensern hinauskommen.
- 21:08Er will ganz einfach keinen Frieden mit den Palästinensern, er will einen Frieden ohne die
- 21:13Palästinenser und nur auswärtige Akteure, und das können nur die USA sein, werden ihn dazu bewegen,
- 21:20können hier zu einer politischen Lösung, welcher Art auch immer zu kommen. Das Dramatische ist,
- 21:26dass es dafür Palästinenser mit einzubeziehen, also vor allem die palästinensische Autonomiebehörde,
- 21:31Polizisten aus dem Westjordanland, fast schon ein bisschen zu spät ist. Aber ich lasse mich da
- 21:38gerne überraschen. Ich denke, dass die Chancen für ein Ende des Krieges in Gaza seit dem 7. Oktober
- 21:422023 noch nicht so gut waren wie jetzt. Und es liegt vor allem daran, dass Israel in einer
- 21:49Position der Stärke ist. Auch ein israelischer Ministerpräsident natürlich einen großen
- 21:53Handlungsspielraum hat. Dass wir zweitens auf der amerikanischen Seite einen Präsidenten sehen,
- 21:58der auf Teufel kommen raus, seinen Friedensnobelpreis haben will, der keinen neuen Krieg im Nahen
- 22:03Osten haben möchte und von dem ich mir jetzt erhoffe, dass er die israelische Seite in Richtung
- 22:09einer Verhandlungslösung drängt. Das wird allerdings eine sehr, sehr kreative Lösung sein
- 22:14müssen. Ganz einfach deshalb, weil die Hamas weiterhin im Gaserstreifen stark ist.
- 22:19Von einer möglichen kurzfristigen oder mittelfristigen Lösung mal abgesehen unter
- 22:27Beteiligung der USA. Herr Steinberg, Sie schauen auf diese Region schon sehr, sehr lange und sehr,
- 22:32sehr tief hinein. Welche Rolle werden die USA denn langfristig spielen im Nahen Osten?
- 22:38Ich denke, dass der Krieg selbst schon gezeigt hat, dass die USA auf dem Rückzug sind. Das mag
- 22:46jetzt zunächst einmal überraschen, weil die Trump-Administration ja mit ihren Angriffen vor
- 22:52allem auf Fordo und auf Natanz dafür gesorgt hat, dass die Israelis möglicherweise ihre Kriegsziele
- 22:58erreicht haben, dass Teile des iranischen Atomprogramms zerstört sind. Wie weit, das wissen
- 23:04wir im Moment noch nicht so ganz. Aber trotzdem war dieser Krieg einer, wie wir ihn in den letzten
- 23:1130, 40 Jahren nicht mehr erlebt haben. Wir kommen ja gerade aus einer Epoche der amerikanischen
- 23:16Hegemonie im Nahen Osten. Die Amerikaner haben im Tankerkrieg, im Persischen Golf 1987, begonnen,
- 23:24in dieser Region eine direkte militärische Rolle zu spielen. Sie haben den Kuwait Krieg geführt,
- 23:301991, den Irak Krieg 2003 in Libyen waren sie gemeinsam mit einigen europäischen Mächten
- 23:38unterwegs. Die USA waren tatsächlich der Hegemonen in der Region und seit einigen Jahren, ich würde
- 23:46sagen so gut anderthalb Jahrzehnten, zeigt sich nun, dass die Bevölkerung in den USA aber auch
- 23:52beide Parteien in dieser Kriege im Nahen Osten müde sind und sich langsam zurückziehen. Sie haben zwar
- 23:58immer noch ihr Militär dort, aber die Präsidenten Obama, Trump 1, Biden, Trump 2 konzentrieren sich
- 24:07alle in ihrer Weltpolitik auf den Pazifik, auf China. Da sehen sie die großen Herausforderungen des
- 24:1321. Jahrhunderts für die USA und wollen langsam einen Rückzug. Und dieser Krieg, den wir jetzt
- 24:19erlebt haben, ist der erste seit ganz, ganz langer Zeit. Ich würde sagen seit 1973, seit dem
- 24:26Yom Kippur oder Oktoberkrieg zwischen Israel einerseits und Syrien, Ägypten und anderen andererseits,
- 24:31dass Regionalmächte direkt aufeinander prallen. Es zeigt so ein bisschen die Schwäche der Israelis,
- 24:38dass sie für ein Ende des Krieges, für einen erfolgreichen Abgang immer noch die USA brauchen,
- 24:45aber das Grundprinzip ist aus meiner Sicht, dass da Regionalmächte aufeinander treffen und die
- 24:51USA werden sich weiter zurückziehen, sie werden sich vielleicht sogar militärisch aus einigen
- 24:56ihrer Basen in der Region zurückziehen und wir werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten
- 25:01wieder mehr Regionalmächte sehen, die versuchen, dieses amerikanische Vakuum zu füllen. Gibt es
- 25:07denn irgendeine Rolle für die Europäer in der Region, vielleicht mit Blick auf die diplomatischen
- 25:12Bemühungen rund um das Atomabkommen? Das hat sich leider in den letzten Tagen und Wochen gezeigt,
- 25:17dass vor allem die USA die Europäer überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Das ist ein Phänomen,
- 25:24das wir jetzt schon seit einigen Jahren beobachten können. Die beiden Regierungen war zu höflich,
- 25:30den Europäern zu sagen, dass sie dadurch eigentlich keine Rolle haben. Die Trump-Administration hat
- 25:36das jetzt mit aller Deutlichkeit getan. Zuletzt in Folge der Gespräche der Großen Drei, also Großbritannien,
- 25:44Frankreich und Deutschland, der jeweiligen Außenminister mit dem iranischen Außenminister
- 25:48vor so etwa zehn Tagen, glaube ich, war das. Und die Europäer werden kämpfen müssen, also nicht
- 25:57im militärischen Sinne, aber sie werden kämpfen müssen, wenn sie wieder eine Rolle in der Region
- 26:02spielen wollen, wenn sie als sicherheitspolitischer und regionalpolitischer Akteur überhaupt ernst
- 26:07genommen werden wollen. Ich denke, dass so etwas schnell passieren kann, wenn beispielsweise
- 26:13für den Gaza-Streifen eine palästinensische Polizei wichtige Aufgaben übernimmt, um die
- 26:20Hamas unter Kontrolle zu halten, dann wird eine solche palästinensische Polizei die Unterstützung
- 26:25von Nachbarstaaten haben müssen, vielleicht auch die Unterstützung der Europäer. Es wurde
- 26:30schon in den letzten anderthalb Jahren immer mal wieder diskutiert, ob denn nicht ein solcher
- 26:36Akteur im Gaza-Streifen die Unterstützung beispielsweise von jordanischen oder emiratischen
- 26:42Polizeikräften mit europäischer Unterstützung bekommen könnte. Da sehe ich also durchaus
- 26:47eine Möglichkeit für die Europäer eine Rolle zu spielen in der ganz großen Politik der Region,
- 26:53also bei den großen Friedensschlüssen, bei den Verhandlungen mit Iran, mit Saudi Arabien. Da
- 26:59spielen die Europäer überhaupt keine Rolle mehr. Das ist schon ein Warnzeichen. Da hat sich etwas
- 27:05gewandelt vor 15 Jahren, war das durchaus noch anders. Hier vielleicht nochmal sozusagen in die
- 27:09andere Richtung gefragt. Sie haben in der internationalen Politik, in der IP im Oktober
- 27:13letzten Jahres auch geschrieben, dass Deutschland eben als Akteur in der Region nicht wahrgenommen
- 27:18wird und dass es "ein sehr schwach ausgeprägtes Bewusstsein für die Bedrohung Europas durch
- 27:23die Instabilität im Nahen Osten gebe". Also haben wir auch immer noch nicht verstanden,
- 27:28was da eigentlich passiert und warum es auch für Europa eine Rolle spielt? Teile der europäischen
- 27:32Politik haben Salop gesagt, den Schuss nicht gehört. Allerdings gilt das ja vor allem für den
- 27:38Ukraine-Russland-Konflikt. Es gilt allerdings in etwas abgemildertem Maße auch für das
- 27:44etwas im Nahen Osten los ist. Das iranische Atomprogramm war auf lange Sicht durchaus eine
- 27:51Bedrohung für Europa. Die Iraner haben schon in den letzten Jahren Marschflugkörper besessen,
- 27:56die in der Lage sind, mindestens bis nach Griechenland, vielleicht auch bis nach Süditalien zu
- 28:00fliegen. Und wenn Iran sich irgendwann nuklear bewaffnet, dann wird das Land auch einige Jahre
- 28:07später in der Lage sein, diese Marschflugkörper mit entsprechenden Brennkörpern zu versehen.
- 28:12Und dann könnten wir ganz, ganz schnell zum Opfer einer nuklearen Erpressung durch Iran
- 28:16werden, so wie das Teile Ostasiens ja heute schon sind durch Nordkorea. Diese etwas direkte
- 28:23Bedrohung wurde mir in Deutschland zu wenig diskutiert, wurde aus meiner Sicht auch nur von der Union
- 28:30mal auf den Tisch gebracht und debattiert. Ich glaube, dass die deutsche Politik da aus ihrem
- 28:39Provinzdenken herauskommen muss und ernster nehmen muss, was in der Region passiert. Wenn man es noch
- 28:44etwas einfacher ausdrückt, damit es vielleicht dann auch überall im politischen Berlin ankommt,
- 28:49muss man vielleicht auch sagen, dass auch die Flüchtlingsströme der letzten zehn Jahre,
- 28:54die ja in der Innenpolitik so viele Probleme verursachen, ganz unabhängig davon, wo man
- 28:59da steht, dass diese Flüchtlingsströme teilweise ausgelöst wurden durch diesen großen Konflikt
- 29:06zwischen Iran und der Achse des Widerstands einerseits und den Gegnern andererseits. Es ist
- 29:11kein Zufall, dass besonders viele Menschen aus Ländern gekommen sind, in denen die Iraner besonders
- 29:16aktiv waren in den letzten zehn Jahren, also Syrien, Irak und Afghanistan. Und auch dieses
- 29:24Problem verdanken wir zum Teil den Iranern und dass wir da so überhaupt keine Einflussmöglichkeiten
- 29:30in der Region haben, obwohl das Problem innenpolitisch so massiv und groß ist, das ist doch ein Bahnzeichen.
- 29:38Ich würde gerne mit der letzten Frage nochmal zurückkommen auf den Anfang der Folge und nämlich
- 29:47auf die Frage nach dem Austonauten oder der Austonautin. Wenn derselbe Mensch aus dem Weltraum
- 29:53in zwei Jahren noch mal zurückkehrte auf die Erde, also im Sommer 2027 und auf den Nahen Osten schaut,
- 30:00welches Update könnte er denn dann wohl bekommen? Was ist bis dahin, was mag bis dahin passiert sein?
- 30:05Im besten Fall wird Iran sich von der Idee verabschiedet haben, sich atomar zu bewaffnen.
- 30:12Möglicherweise wird dann auch der oberste Führer Ali Khamenei nicht mehr über das Land herrschen und
- 30:19vielleicht haben wir dann auch im Iran, das ist allerdings jetzt ein sehr positives Szenario,
- 30:23eine etwas bessere Regierung als heute. In einem solchen positiven Szenario wäre aber auch der
- 30:30palästinensische Konflikt etwas entschärft, dadurch, dass Saudi Arabien seinen Einfluss
- 30:35geltend macht und als Teil eines solchen Friedensabkommens mit Israel deutliche Verbesserungen für
- 30:43die Situation der Palästinenser durchsetzt. In einem etwas negativeren Szenario wird
- 30:49die islamische Republik sich jetzt sehr, sehr schnell vielleicht schon innerhalb von einem Jahr
- 30:54oder anderthalb Jahren nuklear bewaffnen. Das würde nur bedeuten, dass Iran eine sehr,
- 31:01sehr primitive Atombombe besitzen würde, aber das würde die Politik der Region auf einen
- 31:06Schlag verändern. In einem solchen negativen Szenario wäre vielleicht in zwei Jahren sogar noch der
- 31:13Gaza-Streifen in einer ähnlichen Situation wie heute, wo ein praktisch nicht endenwollender
- 31:20Konflikt auf einem niedrigen Level immer weitergeführt wird und das auch zu keinen weiteren
- 31:26Friedensschlüssen kommt, sondern vielleicht sogar bestehende Friedensregelungen beispielsweise
- 31:32zwischen Israel und Bahrain aufgekündigt werden. Und ich glaube, dass beides Szenarien dieses sehr
- 31:40positive und dieses sehr negative Szenario durchaus eine gewisse Plausibilität besitzen.
- 31:46Und ich wage es kaum, da irgendwelche Prognosen zu erstellen.
- 31:53Sag Gido Steinberg, Naostexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, vielen Dank für ihre
- 31:59Einschätzungen. Ja, vielen Dank nach Berlin. Zum Ende einer jeden Folge fassen wir nochmal
- 32:08zusammen und tauschen uns über die Punkte aus, die besonders in Erinnerung geblieben sind. Ich fang
- 32:13mal an, weil es bei mir irgendwie viel so eher deprimierendes ist, muss ich leider sagen. Also
- 32:19ich fand ganz interessant, wie Gido Steinberg diese zwei möglichen Optionen skizziert hat,
- 32:24wie sich Iran jetzt verhält und dass er eben es für wahrscheinlicher hält, dass der Iran jetzt
- 32:30möglichst schnell versuchen wird, eine primitive Atombombe doch noch zu entwickeln. Auch den
- 32:36Satz, das Regime im Iran kann sich nur selbst stürzen, der hängt mir noch sehr nach. Also
- 32:41dass da eigentlich nicht wirklich eine Perspektive dafür ist, dass aus der Protestbewegung im Land
- 32:46selbst oder auch anderen Akteuren eben einen Umsturz erfolgt. Und die sehr passive Rolle der
- 32:51Europäer, die finde ich ist auch nochmal deutlich geworden und dass sie eben auch von den verschiedenen
- 32:55Akteuren aber auch von den USA nicht ernst genommen werden. Martin, wie ist es bei dir?
- 33:01Ich würde gerne nur auf das helle schauen, Katarina. Vielleicht ist man schon so deformiert in
- 33:07diesen Zeiten von Kriegen und immerwärmen Krisen, dass man sich so darauf stürzt. Aber ich finde
- 33:13schon, dass Gido Steinberg ein paar Anlässe zur Hoffnung skizziert hat, sei es Rolli Arabien mit
- 33:18einem möglichen Friedensvertrag mit Israel, sei es endlich, endlich, endlich das Ende dieses
- 33:23furchtbaren Krieges in Gaza, sei es eine doch stärkere Rolle der USA, die dazu führen könnte,
- 33:28dass die Region sich insgesamt so ein bisschen befriedet. Das ist ja so ein großes Faszinus und
- 33:34finde ich dieses Stasis, das so unheimlich viel still steht und gleichzeitig in diesem Rahmen
- 33:38so ein bahniges Chaos herrscht. Also ich finde, es gibt ein paar Gründe, auf das helle zu schauen,
- 33:45das würde ich heute gerne tun. Danke dafür, das tut gut. Damit geht die heutige Folge von
- 33:52"Pod und die Welt" zu Ende. Wir freuen uns über Feedback in Form von Kommentaren bei YouTube,
- 33:57lassen Sie gerne auch eine Bewertung da, wo auch immer Sie uns hören und empfehlen Sie uns weiter.
- 34:01Fragen, Feedback oder auch Themenwünsche sind auch immer gern gesehen, am besten per E-Mail an
- 34:06ip@dgarp.org. Die nächste Episode unseres Podcast kommt am 17. Juli. Ein weiterer Blick noch in
- 34:14die IP-Zukunft der neue Nahe Osten-Fragezeichen kommt Ende August, die neue Ausgabe auch mit
- 34:20einem Stück von Gido Steinberg. Das wollte ich hier gerne noch erwähnen. Danke, dass Sie uns
- 34:24heute zugehört haben. Ich bin Martin Griggy und ich bin Katharina Beetz. Wenn Sie mögen, hören
- 34:29uns beim nächsten Mal.