Latest / «Call the Boss» / Marco Grob, Präsident Apothekerverein Schaffhausen und Geschäftsleitungsmitglied der Volksapotheken
Transcript
- 0:00Immer Schmerzmittel, etwas gegen Übelkeit, etwas gegen Durchfall,
- 0:03und das gehört in jede Hausapotheke.
- 0:08Ein Format vom Wirtschaftsnewsetter Zahltag,
- 0:12unterstützt von GF und Radio Munot.
- 0:19Marco Grob, Präsident Apothekenverein Schaffhausen und
- 0:23Geschäftsleitungsmitglied der Volksapotheken.
- 0:30Hier ist Marco Ruck. Hoi Marco.
- 0:32Hier ist Nina vom Wirtschaftsmarkt Blätter Zahltag
- 0:35Marco, Du bist sozusagen ein Import aus Zürich, bist in
- 0:40Niederglatt aufgewachsen, hast an der ETH Pharmazie studiert
- 0:43und wohnst mit deiner Frau und deinem Neugeborenen in Dübendorf
- 0:49pendelst du nach Schaffhausen, was hat dich zu uns im Kanton
- 0:52verschlagen? Der Job schlussendlich die
- 0:55Stelle, die ich habe, die sehr interessant ist und natürlich
- 0:59sehr angenehm zum im Kanton Schaffhausen zu arbeiten.
- 1:01Ich finde es ein sehr schöner Kanton, schöne Stadt.
- 1:04Du bist nicht nur Präsident vom Apothekerverein, sondern du bist
- 1:07auch in der Geschäftsleitung der Volksapotheke.
- 1:10Jetzt haben im Moment die Grippeviren unseren Kanton fest
- 1:13im Griff. Ich nehme an, das ist für euch
- 1:15so eine Art Hochsaison, freut einen da.
- 1:20Ja, es ist ihm ein bisschen beides.
- 1:22Es ist natürlich blöd für. Für die Leute, wenn sie krank
- 1:25sind, für uns in der Apotheke ist es positiv, wenn die Leute
- 1:27krank sind. Nachteil ist auch, unsere Leute
- 1:30sind eher dann krank und es trifft sich dann meistens, dass
- 1:32wir viel zu tun haben, wenn viel krank sind, von dem her.
- 1:36Ja, ich würde jetzt nicht sagen, dass wir froh sind, wenn die
- 1:39Leute die Grippe haben, aber es ist natürlich schon eine Zeit,
- 1:42wo viel läuft in der Apotheke. Normalerweise kommt man ja in
- 1:45die Apotheke und hat die Hoffnung oder die Erwartung,
- 1:48dass ein Medikament sofort alles erträglicher macht.
- 1:51Wie schwierig ist das Erwartungsmanagement in eurem
- 1:54Job? Ja, es ist schon schon immer
- 1:57mehr. Heutzutage ist halt eben
- 2:00vielleicht auch im Internet Informationen, wo die
- 2:03Versprechungen machen, die in Wirklichkeit halt nicht so sind,
- 2:06wie gewisse Sachen brauchen einfach Zeit und dann gibt es
- 2:10gewisse Sachen, die man nur ein bisschen die Symptome, also nur
- 2:12ein bisschen, wir können einfach eine Symptombekämpfung machen,
- 2:14aber grundsätzlich braucht das jetzt einfach ein paar Tage, bis
- 2:18das wieder vorbei ist. Wenn man eine Erkältung geht,
- 2:20jetzt nicht weg, nur weil ich etwas nimmt, die wird immer noch
- 2:22das weniger schlimm, aber sie ist nicht weg und das ist schon
- 2:25etwas das. Hab ich das Gefühl, je länger je
- 2:27mehr die Erwartungshaltung ist? Es muss sofort alles gut.
- 2:31Sein, also die Menschen sind ungeduldiger.
- 2:35Definitiv. Und es muss alles schneller
- 2:36gehen und alles sofort und es ist so bisschen ja die die
- 2:39Erwartungshaltung, die immer mehr so wird.
- 2:41Jetzt haben früher die Apotheker zum Teil noch selber Medikamente
- 2:44hergestellt. Heute würde man mehr und mehr
- 2:47auch zum Diagnosesteller, auch wegen dem Ärztemangel.
- 2:51Wie hat sich euer Berufsbild über die Jahre gewandelt?
- 2:55Es gab in den letzten Jahren sehr stark.
- 2:56Früher wurde bereits Medikamente abgegeben, die auf Rezepte sind
- 3:00und Herstellungen gemacht, wenn es nötig war.
- 3:02Heutzutage haben wir praktisch keine Herstellungen mehr, das
- 3:06ist meistens doch man praktisch keine und wenn man hat, gibt man
- 3:09das, wird das extern produziert im in einem Labor, auch weil die
- 3:13Qualitätsanforderungen natürlich richtigerweise wie wir steigen
- 3:17und was viel mehr gekommen ist, ist, dass die Leute zuerst in
- 3:20die Apotheke kommen, weil es eventuell kein Hausarzt
- 3:24vorhanden ist oder sie keinen haben oder nicht Zeit haben.
- 3:26Vorteil in die Apotheke ist einfach herlaufen.
- 3:28Bei einem Arzt braucht man einen Termin, es ist wieder ein
- 3:30bisschen die Erwartungshaltung, dass alles sofort sein muss, hat
- 3:33zur Folge, dass wir viel mehr die Bagatelldiagnose stellen
- 3:37müssen und dann auch gleich behandeln, die früher vielleicht
- 3:39noch beim Arzt gelandet wären. Jetzt haben wir vom Ärztemangel
- 3:43gesprochen. Gibt es eigentlich noch genug
- 3:45Apotheker und Apothekerinnen in der Schweiz?
- 3:48Ja, wir haben Männer gerade nach der Ärztin war etwa die Apotheke
- 3:52im Gesundheitswesen zweitschlimmsten ja, es gibt es
- 3:57werden weniger ausgebildet, jährlich als pensioniert werden
- 4:00im Moment, also das ist nicht nicht auf lange Sicht haltbar,
- 4:05man arbeitet daran, aber ja, es ist so ein wenig, es ist ein
- 4:09definitiv ein grosser Fachkräftemangel bei den
- 4:11Apothekerinnen vorhanden. Du.
- 4:14Bist zuständig für für 3 Apotheken hier in Schaffhausen
- 4:18hast du rund 60 Mitarbeiter. Die hier tätig sind.
- 4:22Was ist dir als Führungsperson, als Boss wichtig im Umgang mit
- 4:27deinen Leuten? Ich finde dort Respekt ist das
- 4:32Wichtigste, dass man klar kommuniziert, klar sagt, wenn
- 4:36etwas nicht gut ist, aber immer anständig bleibt und auch von
- 4:41der Gegenseite das erwartet und aller allerwichtigsten finde
- 4:44ich, wie man mit Fehlern umgeht. Das Wählermanagement, dass man
- 4:48auch dazu stehen kann, auch der Chef kann dazu stehen, wenn man
- 4:50mal etwas falsch macht, weil jeder macht einmal einen Fehler
- 4:53und deswegen ist es noch kein Weltuntergang und ich glaube,
- 4:55das ist das Allerwichtigste, wenn man offene Fehlerkultur
- 4:58hat. Sorgt automatisch dafür, dass
- 5:00mehr Vertrauen da ist untereinander und man nicht das
- 5:03Hierarchiedenken viel weniger hat und möglichst eine flache
- 5:06Hierarchie hat. Das heisst, ihr habt relativ
- 5:10flache Hierarchien bei euch in der Volks Apotheke.
- 5:13Genau also bei uns in der Volks Apotheke.
- 5:15Wir haben die die 3 Apotheken, die haben jeweils eine eigene
- 5:17Apotheke, die sind alle zusammen in der Geschäftsleitung, können
- 5:21alle operativ unter strategische Sachen dort alles mitbestimmen
- 5:24und schlussendlich kann dort eigentlich bei allen.
- 5:28Den Lehrling auch zu zu der Chatführerin oder zum
- 5:30Geschäftsführer gehen und irgendetwas.
- 5:33Mitteilen, was man vielleicht nicht in allen anderen Firmen
- 5:35kann. Und ich finde, das sollte auch
- 5:37so sein. Jetzt gibt es immer mehr Ärzte,
- 5:40wo auch Medikamente direkter Patienten abgeben.
- 5:43Das kann praktisch sein. Ihr als Apotheker seid da aber
- 5:47glaube ich vermutlich nicht so erfreut darüber.
- 5:51Unsere Arbeit zum Teil, also wenn wir natürlich gerade beim
- 5:53Arzt ist, ist es gut, wenn man es gerade mitnehmen kann
- 5:56grundsätzlich, dann muss man auch mal weniger zum Arzt
- 5:59schlussendlich, für uns ist es natürlich ein Medikament, das
- 6:01man nicht in der Apotheke holt. Zum einen ist es, glaube ich,
- 6:05Vorteil von den Apotheken, dass die Öffnungszeiten meistens
- 6:08besser sind, nicht für die Geschwindigkeit, oftmals auch
- 6:11besser ist, wenn man etwas bestellen muss und
- 6:13hautlieferdienste haben die meisten Ärzte auch nicht.
- 6:15Also von dem her können wir auch noch nachliefern, wenn wir jetzt
- 6:19nicht so gut zu Fuss ist und so schlussendlich.
- 6:23Hat das Stimmvolk so entschieden, dass die Ärzte das
- 6:26abgeben dürfen? Im seit 2018 von dem her ist es
- 6:30glaube ich auch sinnvoll, wenn man dort ist, dass man das
- 6:32gerade bekommt. Wenn man immer wieder braucht
- 6:35oder ein Dauerrezept hat, dann muss jeder für sich entscheiden,
- 6:37wo er das gerne holen. Will aber das habe ich
- 6:41mitgenommen. Ihr habt also sogar einen
- 6:43Hauslieferdienst, falls man mal nicht fähig ist in die Apotheke
- 6:47nochmals vorbei zu kommen. Genau haben eigentlich alle
- 6:49Apotheken. Es ist nicht Versandapotheke,
- 6:51die man einfach bestellen kann, sondern man man muss dann schon
- 6:53cool sein bei dieser Apotheke, aber wenn man mal aus
- 6:55irgendeinem Grund, weil man schwer krank ist, Grippe oder so
- 6:58nicht aus dem Haus herauskommt, oder vielleicht hat es nicht
- 7:01gehabt, man ist nicht gut zu Fuss.
- 7:03Die meisten Apotheken haben eine Möglichkeit, dass man einem das
- 7:05dann nachliefern kann. Man liest auch immer häufiger
- 7:08von den sogenannten personalisierten Medizin, also
- 7:11dass es in Zukunft Medikamente geben sollte, die exakt auf
- 7:15meine Idee NA min Körper, meine Probleme abgestimmt sind.
- 7:19Wann kommt das, was stehst du da für eine Zukunftsprognose?
- 7:23Ja, ich glaube, es kommt. Es geht noch länger als man
- 7:25denkt. Man hat schon schon vor 5 Jahren
- 7:27gedacht, es sei in 5 Jahren da, es kommt, es wird nicht mehr so
- 7:31ewig lange gehen, man man hat schon viel in den Spitälern,
- 7:34wird doch schon einige von diesen Tests gemacht, ich denke
- 7:37in den nächsten 5 bis 10 Jahren wird das immer häufiger werden,
- 7:40zuerst für eher die schweren Krankheiten wie Krebs und solche
- 7:43Sachen später kann ich mir vorstellen, dass das auf auf
- 7:46sehr viele weitere Krankheiten nachher unter Problemen oder
- 7:49Medikamenten ausgeweitet werden kann, wo man einfach.
- 7:52Weiss, dass gewisse, die je nach je nach Mutationen die man hat
- 7:56je nach Protein die man hat. Enzyme, dass man gewisse Sachen
- 7:59besser verbreiten oder besser anspricht.
- 8:01Und das Ziel ist dann immer bessere Wirkung, weniger
- 8:03Nebenwirkungen. Also jeder hat so seine eigenen
- 8:07Mittel, die dann seinem Körper gut tun.
- 8:09Was machst du selber, um körperlich und mental gesund zu
- 8:12bleiben? Das Mentale ist sicher, der
- 8:16Ausgleich wichtig, dass man auch eben die Familie in der Freizeit
- 8:20hat oder sonst Hobbys hat, die man auch mal abschalten kann.
- 8:23Nicht immer im Geschäft am Denken ist.
- 8:25Ich finde es auch ganz praktisch, dass ich noch einen
- 8:28kleinen Einweg habe, nicht ganz nah wohne.
- 8:30Hilft auch noch mal kurz runterzufahren und dann kommt
- 8:32man zuhause mit ein bisschen anders an.
- 8:34Das ist sicher der mentale Bereich, körperlich sich fit zu
- 8:37halten, Sport machen, das ist sicher immer gut und ausgewogen,
- 8:41sich ernähren und was ich meistens mache, ist über die
- 8:43Winterzeit das Multivitamin mit ein bisschen Zink drin, um das
- 8:48Immunsystem ein bisschen zu unterstützen.
- 8:49Gibt es etwas, das es immer in deiner Hausapotheke hat?
- 8:53Ja, immer Schmerzmittel etwas gegen Übelkeit, etwas gegen
- 8:56Durchfall, und das gehört in jede Hausapotheke.
- 9:00Gibt es auch ein Medikament, das total überschätzt ist?
- 9:03In deinen Augen? Ja, es gibt.
- 9:06Es gibt so Neocitran ist so ein bisschen das Allerweltmittel für
- 9:09alles, und das ist ein gutes Produkt, was es macht.
- 9:13Es macht einfach die Symptome einer Erkältung oder von einer
- 9:16Grippe, es wird aber nicht, manchmal wird es prophylaktisch
- 9:20eingenommen, was definitiv dann nicht funktioniert, ich glaube,
- 9:23dort wird dann ein bisschen zu viel zu viel zugeschrieben.
- 9:26Und was sagst du all denen, die jetzt gerade mit Fieber im Bett
- 9:29liegen, zuhören und das Gefühl haben, ihr Leiden nehme nie mehr
- 9:33ein Ende? Ja, wenn es, wenn es so eine
- 9:36richtige Grippe ist, dann kommt das so.
- 9:38Man fühlt sich auch tot, todkrank, es geht aber gleich
- 9:41schnell wieder weg, wie es kommt, aber das ist jetzt auch
- 9:43so etwas, das es braucht, einfach seine Woche genug
- 9:47trinken, möglichst viel schlafen und das geht wieder weg,
- 9:50plötzlich fühlt man sich wieder super, aber es braucht Zeit.
- 9:53Das ist ein sehr gutes Schlussvotum.
- 9:55Danke Marco für das Gespräch und Dir und deinen Mitarbeitenden
- 9:59gute Gesundheit und vor allem auch gute Nerven im Umgang mit
- 10:03uns leidenden. Tschüss, Marco.
- 10:06Tschüss. Ein Format vom
- 10:12Wirtschaftsnewsetter Zahltag, unterstützt von GF und Radio
- 10:16Munot.