Latest / heute journal - der Podcast / Harald Lesch, ist die Welt noch zu retten?
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- 0:08Ist die Welt noch zu retten? Das wollen wir in dieser Folge vom Heute-Journal-Podcast
- 0:12wissen. Und ja, das ist eine ziemlich große Frage.
- 0:15Aber mir sitzt heute jemand gegenüber, der sich auskennt mit großen Fragen und
- 0:20der sich diese Frage wahrscheinlich schon selber einige Male gestellt hat.
- 0:24Und zwar ist das Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist und
- 0:28Moderator Harald Lesch.
- 0:30Hallo Harald. Hallo Lina. Ich freue mich sehr, dass das klappt und dass wir
- 0:34zu Besuch sein dürfen im Studio, in dem du sonst Terra X, Lesch und Co.
- 0:39Aufzeichnest. Heute umfunktioniert zum kleinen Podcast-Studio.
- 0:43Du bist in München Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Uni.
- 0:48Du erklärst aber auch schon seit fast 30 Jahren Wissenschaft für ein Millionenpublikum.
- 0:55Angefangen in den 90ern mit der Fernsehsendung vom Bayerischen Rundfunk Alpha Centauri.
- 1:02Herzlich willkommen bei Alpha Centauri. Wie sieht es denn jetzt eigentlich da
- 1:06draußen im Universum wirklich aus?
- 1:08Wenn man an den Himmel blickt, sieht es ja so aus, als wenn es da draußen völlig
- 1:11leer ist. Also von der Erde bis zum Mond sind 400.000 Kilometer und dazwischen ist ja quasi nichts.
- 1:16Jetzt soll die Frage sein, wie kalt ist das Universum?
- 1:18Und diese Frage ist nicht irgendeine Frage, sondern sie hängt viel mehr mit
- 1:22unserer Existenz zusammen, als Sie jetzt vielleicht noch ahnen.
- 1:25Es geht um den Stoff, aus dem wir sind, aus dem Sie sind, aus dem alles ist,
- 1:29was auf diesem Planeten kreucht und fleucht.
- 1:34Wenn du an den Harald Lesch aus den 90ern denkst, hättest du damals gedacht,
- 1:38dass du als studierter Physiker nicht nur über das Universum und Außerirdische
- 1:43sprechen würdest, sondern auch über die Klimakrise? Wie kam es dazu?
- 1:48Ja, lustigerweise sind die Außerirdischen daran schuld. Ich habe mich in Bonn
- 1:53habilitiert. Also da gibt es ja so eine Prozedur an der Uni,
- 1:56wenn man seinen Doktor gemacht hat und man würde gerne Professor werden,
- 1:59dann muss man sich habilitieren. Also die Lizenz zum Vorlesen, wie es so schön heißt.
- 2:03Und da gab es in Bonn an der Uni ein Verfahren, da musste man drei öffentliche
- 2:07Antrittstitel nennen, also für Antrittsvorlesung.
- 2:10Und einer davon war, sind wir allein im Universum.
- 2:13Und die Fakultät hat das genommen, das hat mich sehr überrascht.
- 2:17Die beiden anderen waren stur astronomisch.
- 2:19Und dann stellt sich eben raus, wenn man sich mit der Frage beschäftigt,
- 2:22muss man vor allen Dingen die Frage stellen, was macht denn ein Planeten habitabel,
- 2:25also bewohnbar für Lebewesen?
- 2:27Und eine der grundlegenden Bedingungen ist die Temperatur. Wie bekommt ein Planet seine Temperatur?
- 2:34Und das war das erste Mal, dass ich mit Klimamodellen konfrontiert worden bin.
- 2:38Und das ist jetzt schon 32 Jahre her. Und seitdem hat es mich eigentlich nicht
- 2:42mehr losgelassen, weil schon am Anfang klar war, es muss einen Effekt geben,
- 2:47der die Erde ganz, ganz früh schon vor der Vergletscherung bewahrt hat.
- 2:51Denn die Sonne war früher wesentlich leuchtschwächer als heute.
- 2:54Das heißt, wenn die Erde weiterhin in der bewohnbaren Zone um den Stern herum
- 2:58gewesen sein sollte, damals schon, nicht zu nah dran, dann ist es zu heiß,
- 3:02nicht zu weit weg, dann ist es zu kalt, dann muss sie eine Atmosphäre gehabt
- 3:05haben mit einem außerordentlich starken Effekt.
- 3:07Diese Atmosphäre muss sehr dicht gewesen sein, so wie bei der Venus vielleicht.
- 3:11Ganz viel Kohlendioxid, Methan, Wasserdampf.
- 3:15Und nur das bewahrt die Erde davor, eine weiße Eiskugel zu werden.
- 3:19Wenn die damals verkletschert gewesen wäre, vollständig, dann hätte die Sendung
- 3:23heute nicht stattfinden können, denn wir wären nie auf diesem Planeten entstanden,
- 3:28denn der Planet hätte nach wie vor als weiße Eiskugel die Sonnenstrahlung einfach reflektiert.
- 3:33Und das war so ein Moment, wo ich dachte, Donnerwetter, was ist denn da los?
- 3:36Und ich muss natürlich sagen, dadurch, dass ich eben die Hälfte meines Lehrdeputats
- 3:39in Philosophie habe, also Philosophie unterrichte, war mir der Gedanke,
- 3:43mich über andere Themen als nur Physik,
- 3:46mich zu äußern, schon relativ nah.
- 3:49Wenn du jetzt heute an diesen bewohnbaren Planeten denkst, der hoffentlich noch
- 3:54sehr, sehr lange Zeit bewohnbar bleibt, was macht dir da aktuell die größte Sorge?
- 4:00Naja, wir sind ja Hochleistungssäugetiere. Wir haben ja einen unglaublichen
- 4:04Stoffwechsel. Wir brauchen bestimmte Temperaturen. Wenn es zu heiß wird,
- 4:07sind wir tot. Wenn es zu feucht wird und zu heiß wird, sind wir tot,
- 4:10weil wir durch unser Schwitzen unsere Innentemperatur nicht mehr regulieren können.
- 4:14Dann zerlegen sich die Eiweißmoleküle in uns drin und dann sind Feierabend.
- 4:17Wir wissen alle, bei 42 Grad ist finito, dann kommen wir auch nicht mehr auf
- 4:22die Welt sozusagen oder kommen zurück.
- 4:24Also die globale Erwärmung ist schon eine dramatische Entwicklung insofern,
- 4:28als wir nicht genau wissen, ob wir sowas bekommen wie ein Obershooting.
- 4:32Also dass tatsächlich die Natur, so wie sie sich momentan verhält insgesamt,
- 4:37also zu Lande, zu Wasser und in der Luft und auch auf dem Eis.
- 4:41Haben sich die Reaktionsvorgänge, zum Beispiel das Abschmelzen der Gletscher,
- 4:46das Verschwinden des arktischen Eises,
- 4:49so sehr beschleunigt, dass selbst die pessimistischsten Szenarien der 90er-
- 4:53oder der Nullerjahre immer noch viel zu optimistisch waren.
- 4:57Das heißt, wir haben eine enorme Beschleunigung der natürlichen Reaktion.
- 5:01Und das muss uns eigentlich sehr aufmerksam machen, dass es,
- 5:04Achtung, Finger weg, jetzt nicht noch weiter CO2 in die Atmosphäre,
- 5:08weil das könnte zu einem Obershooting führen, von dem wir nicht mehr zurückkommen.
- 5:12Das ist eigentlich das Allerschlimmste. Also wenn ich Vorträge halte und ich zeige ein Diagramm,
- 5:18wo man sehen kann, dass auf den oberen 2000 Metern, also die oberen zwei Kilometer
- 5:23Wassersäule der Ozeane, sich seit rund 30 Jahren die Wärmemenge immer mehr und mehr steigert.
- 5:29Und wir wissen alle, wie lange Wasser Wärme halten kann. Sehr lange,
- 5:33das brauchen wir nicht noch zu erforschen.
- 5:35Dann bedeutet das, wir haben jetzt bereits Ozeane, die so warm sind,
- 5:39dass sie in ihrer Reaktion, sich mal irgendwann wieder abzukühlen,
- 5:42das wird noch sehr lange dauern.
- 5:44Und da die Ozeane aber über 90 Prozent der globalen Erwärmung abfangen,
- 5:48sind das alles keine guten Nachrichten.
- 5:50Übrigens, ich habe mich nie gefragt, ist die Welt noch zu retten?
- 5:53Ich habe mich immer gefragt, ist die Menschheit noch zu retten?
- 5:57Weil der Planet auch ohne uns Menschen vermutlich ganz gut klarkommt,
- 6:00wenn nicht noch besser klarkommt.
- 6:02Ich weiß nicht, ob das so ist. Auf jeden Fall hat der Planet ja schon viereinhalb
- 6:05Milliarden Jahre hinter sich gehabt, als der Mensch, der Homo sapiens zumindest
- 6:09auftar, sagen wir mal, die Hominiden gab es so fünf, sechs Millionen Jahre lang,
- 6:15aber der Mensch mit dieser unglaublichen Power der kognitiven,
- 6:19also dieser Verstandes- und Vernunftsleistung, dass er die Welt um sich herum
- 6:24so verwandeln und verändern kann, dass er beginnt sich von ihr zu,
- 6:28ich will nicht sagen zu isolieren, aber doch vor ihr zu schützen,
- 6:31sich immer weiter und weiter von ihr zu entfernen und damit ganz wichtige natürliche
- 6:35Gegebenheiten seines Daseins, So-Seins und Hier-Seins zu vernachlässigen.
- 6:40Das ist schon eine Geschichte, die kann uns richtig auf die Füße fallen.
- 6:44Wir sind die dominante Biospezies zurzeit. Wir dominieren alle Bereiche.
- 6:49Und das in einem Ausmaß, wie das ein Lebewesen in der kurzen Zeit vorher noch nie getan hat.
- 6:54Wir zeichnen diese Folge ausnahmsweise ein bisschen früher auf, nämlich am 29. Juni.
- 7:00Das heißt, wir kommen gerade, heute ist Montag und wir haben gerade ein Wochenende
- 7:04hinter uns mit Hitzerekorden.
- 7:06Das kann man wohl sagen. Das kann man wohl sagen, die wirklich niemand haben
- 7:08wollte. Diese Rekorde, 41,7 Grad, wurde in Brandenburg gemessen.
- 7:13Das ist die höchste jemals gemessene Temperatur in Deutschland.
- 7:16In Frankreich an der Atlantikküste mehr als 44 Grad.
- 7:21Frankreich musste Atomreaktoren abschalten, weil das Kühlwasser,
- 7:24mit dem man sie kühlt, zurück in die Flüsse geleitet wird. Und das hätte die
- 7:28Flüsse, die sowieso schon viel zu warm sind, noch mehr aufgeheizt.
- 7:31Außerdem zahlreiche Hitzetote in Europa entgegen.
- 7:35Wie geht es dir damit, wenn du solche Meldungen liest?
- 7:38Es gibt zwei Möglichkeiten. Man lehnt sich zurück und sagt, das haben wir euch
- 7:42doch schon die ganze Zeit gesagt.
- 7:44Seit 40 Jahren sagen wir euch genau das. Durch die zunehmende Erwärmung wird
- 7:47es mehr Extremwetterereignisse geben.
- 7:49Das können Dürren sein, katastrophale Regenfälle oder eben Wetterereignisse
- 7:55wie diese ungeheure Hitzewelle, die ich am Freitag und Samstag am eigenen Leib erfahnte.
- 8:01Man kam raus, ich war bei einer Lehrerfortbildung in Weimar und man ging aus
- 8:06dem Hotel raus und man hatte das Gefühl, hier ist ein Föhn an.
- 8:09Also als wenn man mitten in einem riesigen Föhn steht, die Luft war so heiß,
- 8:14dass man kaum richtig atmen konnte.
- 8:16Es gibt diese Geschichten natürlich des technischen Versagens,
- 8:19wo man einfach sieht, aha, wir müssen die Gleisbetten der Bundesbahn,
- 8:22die müssen gekühlt werden, die werden viel zu heiß, die Oberleitungen hängen
- 8:26durch, das heißt die Züge können auch nicht so schnell fahren.
- 8:29Das sind eigentlich alles so Omen, die an die Wand geschrieben werden.
- 8:36Mene Tekel heißt es, glaube ich, Mene Tekel.
- 8:40Warnungen, die an die Wand geschrieben werden und die hoffentlich jetzt von
- 8:43allen, weil alle das gespürt haben, so wahrgenommen werden, dass wir nicht mehr
- 8:48so weitermachen wie bisher.
- 8:50Das ist eine ganz klare, möglicherweise gelbe Karte, wenn man so will,
- 8:54mit unseren hochroten Köpfen.
- 8:56Nehmen wir das vielleicht jetzt nochmal anders wahr. Gelbe Karte,
- 8:59weil wir werden, wenn die Szenarien stimmen, die wir entwickeln,
- 9:05und ich habe ja schon gesagt, die sind im Zweifel eher zu optimistisch als zu pessimistisch,
- 9:09werden wir diese Jahre jetzt, der 20er, später als die kühlen Jahre erinnern.
- 9:15Wir werden sagen, ja damals hatten wir nur 41, 42 Grad, jetzt haben wir 45,
- 9:2046. Und dann wird es richtig, richtig dramatisch, darauf sind wir überhaupt nicht vorbereitet.
- 9:25Und das alles, wie gesagt, mit Ansage. Es ist nicht so, dass da auf einmal was
- 9:30passiert, sondern es ist eher so eine Überraschung wie, huch, es ist ja Silvester.
- 9:34Also was sind denn das für Überraschungen? Wir versuchen in diesem Podcast auch
- 9:39immer da, wo es geht, einen konstruktiven Ansatz reinzubringen.
- 9:44Wir stellen ja auch die Frage, ist die Welt, oder wie du es eher nennen würdest,
- 9:49ist die Menschheit noch zu retten? Die stellen wir und wir wollen natürlich
- 9:52auch wissen, wenn ja, wie. Dazu kommen wir auch gleich noch.
- 9:55Das sagst du jetzt schon mal so, damit die Leute nicht sagen,
- 9:55Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 9:55oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 9:56oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 9:57oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 9:58oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 9:59oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 10:00oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 10:01oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 10:02oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
- 10:03oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott.
- 10:10Oh Gott Schlag noch besser aufnehmen kann oder dass in Athen ein altes Aquädukt
- 10:20aus Römerzeiten aktiviert wird, reaktiviert wird,
- 10:24dass das Wasser in die Gärten der Menschen bringt.
- 10:26Solche Ideen gibt es ja. Ich sehe auch, wenn ich zum Beispiel jetzt in München
- 10:29unterwegs bin, immer mehr Trinkwasserbrunnen.
- 10:31Aber jetzt haben wir im Mai schon bis zu 50 Grad in Pakistan und Indien gemessen.
- 10:40Kann man sich an solche Extreme überhaupt noch anpassen? Du hast nämlich vorhin
- 10:44gesagt, bei 42 Grad ist finito. Was heißt das? Naja, wenn wir 42 Grad Fieber haben, sind wir tot.
- 10:49Und das ist genau die Frage, bis zu welcher Grenztemperatur wird es auch genannt.
- 10:54Also die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit kann der menschliche
- 10:57Körper sich durch Schwitzen seine Innentemperatur so regulieren,
- 11:01dass er nicht beginnt Fieber zu bekommen.
- 11:03Und diese Daten, also um 50 Grad rum, dann hängt es davon ab,
- 11:07wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist. Da können die Menschen schon nicht mehr im Freien sein.
- 11:11Und das ist eine Situation, die in Indien und Pakistan, auch im Iran schon einige
- 11:15Male passiert ist, wo also die Bevölkerung aufgefordert worden ist, im Haus zu bleiben.
- 11:19Die Pakistani haben darauf reagiert, unter anderem mit dem Aufbau von BV-Anlagen,
- 11:23um ihre Klimaanlagen damit zu betreiben. Die haben endlich verstanden,
- 11:26aha, die Sonne ist da, können wir Strom draus machen, können wir Klimaanlagen betreiben.
- 11:30Das ist ja schon mal auch eine Reaktion. Aber rein biologisch können wir das
- 11:33nicht. Wir können uns an solche Temperaturen nicht anpassen.
- 11:37Wir sind Säugetiere, die oberhalb einer bestimmten Temperatur schlicht und ergreifend sterben.
- 11:41So, das ist die medizinische Ausgangssituation und damit ist auch klar,
- 11:46wenn dieser Planet insgesamt so hohe Temperaturen erreichen würde,
- 11:50dann würde die Sterblichkeitsrate natürlich enorm nach oben schießen.
- 11:53Und zwar Kinder, Kranke, Schwache, ältere Menschen.
- 11:58Aber im Grunde genommen sind wir alle davon betroffen, weil ab einer bestimmten
- 12:01Temperatur ist es eigentlich völlig egal, von wem wir reden,
- 12:05wir sind alle extrem gefährdet.
- 12:10Was passiert ist, wir haben den Kontakt zu unserer eigenen Natur verloren.
- 12:14Wir erleben unsere eigene menschliche Natur eigentlich immer nur dann,
- 12:17wenn wir krank werden. Ansonsten haben wir zu funktionieren.
- 12:20Man sieht ja ganz deutlich, wie eben,
- 12:24dieser ökonomische Imperativ, in dem wir alle drinstecken, also sich ständig
- 12:29zu verbessern, mehr zu leisten und schneller und pipapo, der ganze Unsinn,
- 12:34dass der uns natürlich davon abhält, unsere Natur wahrzunehmen.
- 12:38Also bin ich heute überhaupt, es gibt ja so Tage, wo man nicht so gut drauf
- 12:42ist, aber wie geht es meinem Körper, wie geht es mir innerhalb einer Welt,
- 12:46die sich so stark verändert?
- 12:48Das ruft nach Veränderungen in unserem Verhalten und hat nichts mit technologischen
- 12:54Möglichkeiten zu tun, das Klima zu schützen oder sowas.
- 12:58Und diese menschliche Seite, also dieser menschliche Faktor bei der Anpassung,
- 13:03der wird völlig unterschlagen.
- 13:04Wir tun die ganze Zeit so, als könnten wir mit Geld und Technologie aus diesem
- 13:08riesigen Riesenschlamassel rauskommen. Wir reden ja hier von Abfallprojekten.
- 13:13Also wir haben ja einfach mit CO2 in der Atmosphäre 250 Jahre Abfall.
- 13:17Das Zeug ist nicht verschwunden. Das heißt, die Natur hat auch hier gewissermaßen
- 13:21Prozeduren, die uns mehr oder weniger völlig unbekannt sind.
- 13:27Denn das bedeutet, wenn das CO2 nicht aus der Atmosphäre verschwindet,
- 13:30dieser Zustand, den wir draußen erleben, der wird absehbar nicht besser werden.
- 13:37Das, was wir tun können, ist das Schlimmste zu verhindern.
- 13:40Das Pariser Klimaabkommen von 2015, kurzer Blick zurück, da hat sich ja die
- 13:45Weltgemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad
- 13:49im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu halten, möglichst auf 1,5 Grad.
- 13:54Ich kann mich da auch noch erinnern, es gab ein Video von euch,
- 13:56das ihr gepostet habt, das hat ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen 2024,
- 14:01weil wir da nämlich zum ersten Mal dieses 1,5 Grad Ziel zumindest temporär gerissen haben.
- 14:06Und da gab es eben das Video und das hatte den Titel Bye Bye 1,5 Grad,
- 14:12die unbequeme Wahrheit und im Hintergrund
- 14:15gab es ein Thumbnail mit Großbuchstaben und da stand Fuck drauf.
- 14:19Ich habe mir da nochmal die Kommentare angeguckt und ein paar haben das gefeiert
- 14:23und sagen, ja, das sind wohl, diese drastische Ausdrucksweise ist wohl einigermaßen
- 14:28angemessen, auch um die aktuelle,
- 14:31Situation und um diesen Zustand zu beschreiben.
- 14:35Und jetzt hast du auch schon gesagt, selbst die optimistischsten Szenarien sind
- 14:40mittlerweile eigentlich die pessimistischsten oder auch die,
- 14:44das kriegen wir nicht mehr hin.
- 14:46Es gibt ja auch Prognosen, die gehen von rund 2,8 Grad Erwärmung auf.
- 14:52Aber was heißt das denn jetzt im Umkehrschluss? Sollten wir einfach sagen,
- 14:58wir haben es nicht geschafft?
- 15:00Nein, wir sollten aufhören, Straßen zu bauen in Städten. Wir müssen mit der
- 15:04Versiegelung so schnell wie möglich aufhören. Wir müssen alles begrünen,
- 15:06was bei drei nicht auf den Bäumen ist, sozusagen, müssen wir zu Bäumen machen.
- 15:09Wir müssen zusehen, dass jedes Dach eine Photovoltaikanlage bekommt und jedes
- 15:13Haus in seinem Keller eine Batterie hat.
- 15:15Wir müssen zusehen, dass die Vernetzung dieser erneuerbaren Energieumwandler
- 15:19viel, viel besser geschieht.
- 15:21Und wir müssen aufhören, uns immer noch selbst damit zu belügen,
- 15:25es könnte ja irgendwie funktionieren, dass doch wieder alles so wird,
- 15:29wie es nie war, aber wie wir uns gedacht haben, wie es sein könnte.
- 15:33Also wir müssen auf jeden Fall
- 15:34dafür sorgen, dass wir viel, viel mehr Wasserrückhaltemaßnahmen haben.
- 15:38Und so eine Schwammstadt ist schon ganz schön, aber in Wirklichkeit sollten
- 15:41wir auffrosten, dass es nur so kracht und wenn die Wälder dann irgendwie beschädigt
- 15:45werden durch Borkenkäfer oder
- 15:47meteorologische Schäden wie Stürme und so weiter, alles liegen lassen.
- 15:50Ich habe gerade eine Sendung gedreht, Bayerischer Wald, der Urwald im Bayerischen
- 15:55Wald, das ist so großartig, da fasst du irgendwie so ein Stück Totholz an und
- 16:00da hat es lange Zeit nicht geregnet, ist alles nass.
- 16:02Weil das Holz, weil diese ganze Biomasse eine Unmenge an Wasser speichert.
- 16:08Und das heißt, wir wissen das.
- 16:09Heutzutage kommen alle möglichen Menschen, die was mit Forstwirtschaft in Europa
- 16:13zu tun haben, in Bayerischen Wald und gucken sich an, was ist das für ein großartiges Ding.
- 16:18Und solche Best-Practice-Beispiele, die müssen pausenlos und immer und immer
- 16:22wieder gezeigt werden, damit die Leute merken, wir können das,
- 16:25es geht, aber wir müssen es viel größer machen, wir müssen es skalieren.
- 16:30Also diese ganzen Breast-Practice-Beispiele, egal was, ob du nun erneuerbare
- 16:34Energien nimmst, Batterieparks oder was, das muss größer werden,
- 16:37das muss schneller größer werden.
- 16:39Denn die Geschwindigkeit, mit der die Natur auf diese Hochtemperatursituation
- 16:43reagiert, die ist sehr hoch.
- 16:45Wir haben da gar keine großartigen Freiräume mehr, dass wir noch irgendwie über,
- 16:49was weiß ich, wie soll man sagen, so konsensuale Versammlungsmöglichkeiten,
- 16:56was machen wir denn jetzt, oder so zu reden.
- 16:58Sondern das geht vor allen Dingen an die Bauwirtschaft, also viel weniger Fläche,
- 17:02ganz klar, viel weniger Fläche versiegeln.
- 17:04Das Wasser zurückhalten, wir müssen gucken, dass wir das bisschen Wasser,
- 17:07was noch vom Himmel kommt, wirklich gut, sehr, sehr gut nutzen.
- 17:11Übrigens ist das auch ein Grund, weshalb man keine Kernkraftwerke bauen soll.
- 17:14Die müssen ja gekühlt werden mit Wasser, was für ein Quatsch.
- 17:16Wir können das Wasser nicht für was ganz anderes gebrauchen.
- 17:20Es geht natürlich auch darum, zum Beispiel so einen Raum wie die Alpen zu schützen
- 17:23davor, dass sie nicht noch vollständig abrutschen.
- 17:26Also da gibt es eine unglaubliche Menge an Maßnahmen, die vor allen Dingen dadurch
- 17:30geprägt sind, dass man etwas lässt.
- 17:33Nicht, dass man etwas tut, sondern dass man etwas lässt. Wir könnten es zum
- 17:37Beispiel lassen, Stichwort Tempolimit, so schnell zu fahren.
- 17:40Das wäre das Lassen. Also wir müssen etwas lassen.
- 17:43Wir müssen vor allen Dingen die Vorstellung loslassen, dass wir alles Mögliche
- 17:46machen können, sondern ganz das Gegenteil davon.
- 17:49Das ist interessant, weil diese konkreten Maßnahmen, diese Best-Practice-Beispiele,
- 17:54mein Eindruck ist, dass die sehr bekannt sind, dass die auch schon lange auf dem Tisch liegen.
- 17:58Aber ausgerechnet diese Maßnahmen sind politisch hart umstritten.
- 18:02Dabei sieht man auch regelmäßig in Umfragen, dass der Großteil der Deutschen
- 18:06sagt, wir wollen mehr Klimaschutz.
- 18:08Trotzdem diese politisch hart umstrittenen Maßnahmen. Wie erklärst du dir diesen
- 18:13Widerspruch? Kann ich nicht dazu sagen. Also der Wirklichkeitsverlust von etlichen
- 18:17politischen Akteuren, der ist mir schon lange ein Rätsel.
- 18:19Aber es braucht uns ja nicht davon abzuhalten, das Richtige zu tun.
- 18:22Also solidarisch, subsidiär, gemeinwohlorientiert zu agieren.
- 18:26Das heißt, wir arbeiten, subsidiär heißt von unten nach oben.
- 18:29Wir sehen einfach in den Kommunen zu, dass die Dinge passieren,
- 18:32die passieren müssen, so schnell wie möglich und so effizient wie möglich.
- 18:35Und ich bin mir ganz sicher, wenn dann Erfolge gefeiert werden sollen,
- 18:38dann sind auch diese politischen Akteure, die die ganze Zeit etwas dagegen hatten,
- 18:42gerne dabei, wenn was eingeweiht wird.
- 18:45Also wenn es irgendwelche Fotos zu machen gilt. Also man kann Politik auch dazu
- 18:49bringen, indem man einfach das tut, was man in diesem Fall für richtig hält,
- 18:53weil es das Gute, das Wahre und das Schöne ist, was wir da tun können.
- 18:57Diese ganzen Wänden, von denen wir hier reden, ob es die Wärmewende ist,
- 19:00die Verkehrswende, die Landwirtschaftswende, das sind ja durchgängig Win-Win-Win-Win-Win-Win-Win-Win-Situationen.
- 19:07Da gibt es ja keinen vernünftigen Grund, es nicht zu tun. Das muss man sich mal überlegen.
- 19:11Man muss unglaublich weit gucken, um irgendwo ein Argument zu finden,
- 19:16nicht eine Wärmepumpe einzukaufen, wenn man es kann.
- 19:20Nicht ein E-Auto zu fahren, wenn man es kann.
- 19:24Landwirtschaft nicht ökologisch zu betreiben, Also all diese Dinge oder Mohren
- 19:29nicht wieder zu vernässen, wie bekloppt wir, also natürlich,
- 19:32also was ich sagen will ist, wir haben ja alles vorbereitet,
- 19:35wir brauchen eigentlich nur noch das Richtige zu tun.
- 19:38Und es ist ja interessant, dass die Klimapraxis in Deutschland eine ganz andere
- 19:43ist, als das, was offiziell als Klimapolitik gemacht wird.
- 19:47Wenn die Klimapraxis so mies wäre, wie viele Politikerinnen und Politiker immer
- 19:50wieder über die Energiewende sprechen, hätten wir heute nicht weit über 60%
- 19:53erneuerbaren Strom im Netz.
- 19:55Irgendjemand muss die Windräder gebaut haben, muss die Photovoltaik gebaut haben,
- 19:58muss die Batterien dahingestellt haben, die es ja schon gibt und so weiter.
- 20:01Nur hey, wenn die uns unterstützt hätten dabei, dann wäre vieles viel, viel besser geworden.
- 20:07Ich habe mal im Interview gesagt, wenn wir es richtig gemacht hätten,
- 20:10dann könnte uns die Welt heute unseren elektrischen Buckel runterrutschen.
- 20:14Dann würde so eine Sache wie der Iran-Krieg, der würde uns gar nicht betreffen.
- 20:18Wir fahren unsere Autos elektrisch, wir heizen unsere Häuser mit Wärmepumpen.
- 20:21So what? Für was brauchen wir noch Öl von da unten?
- 20:25Das bisschen Öl, was wir brauchen für chemische Industrie und andere Dinge,
- 20:28die holen wir uns woanders her.
- 20:29Diese Unabhängigkeit und zugleich auch diese unheimliche Sicherheit,
- 20:33denn die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt.
- 20:38Die schaltet niemand ab. Kein Iran und auch nicht der große Gelbe im Weißen
- 20:43Haus, auch der nicht. Niemand.
- 20:45Das heißt, wir haben immer eine wahnsinnige Energiequelle und wir können in
- 20:49Kalifornien, der fünf größten Volkswirtschaft der Welt, sehen,
- 20:52wie man ein Stromsystem mit Batterien regelt. Die kamen nämlich ein Drittel
- 20:56ihres Strommarktes inzwischen über Batterien. Hey.
- 21:00Das sollten wir auch tun, ja. Du meintest, nenne mir einen Grund oder es gibt
- 21:04eigentlich keine Gründe, es nicht zu tun, diese Maßnahmen umzusetzen.
- 21:08Wie sieht es aus mit finanziellen Sorgen der Menschen, die sich keine Wärmepumpe
- 21:13leisten können, kein E-Auto leisten können? Aber ja, aber es ist doch wunderbar.
- 21:16Gehen wir zum Uber nach Dessau, also zum Umweltbundesamt und schauen uns an,
- 21:19wie sieht es denn mit den umweltschädlichen Subventionen aus?
- 21:22Da, da, 60 Milliarden im Jahr.
- 21:2560 Milliarden an umweltschädlichen Subventionen, haben wir noch alle Tassen im Schrank?
- 21:29Nicht nur, dass wir etwas subventionieren, deren Schäden wir hinterher auch noch bezahlen müssen.
- 21:38Wir tun es auch noch meistens für Leute, die ohnehin viel Geld haben.
- 21:41Pendlerpauschale zum Beispiel trifft fast ausschließlich sehr reiche Haushalte,
- 21:46die es sich leisten können, weiter weg von der Arbeit zu wohnen und dann jeden
- 21:51Tag irgendwie zur Arbeitsstelle zu fahren.
- 21:52Dass wir zum Beispiel einen Liter Diesel mit 18 Cent subventionieren,
- 21:57dass wir einen Dienstwagenprivileg haben. Wer hat denn schon einen Dienstwagen?
- 22:01Die meisten Menschen in Deutschland fahren keinen Dienstwagen.
- 22:03Das heißt, wir haben eine Unmenge an Geld, das wir genau da reinpumpen.
- 22:08Die Schäden, die damit angerichtet werden, die müssen wir dann auch noch bezahlen.
- 22:12Hier ist ein großes Volumen an Umschichtungsmöglichkeiten, die man eingreifen
- 22:19könnte. und das ist nur das, was mir bekannt ist.
- 22:22Was ich sagen will ist, die Leute, die kein Geld haben, haben schon recht,
- 22:27wenn sie fragen, ich kann mir das nicht leisten, aber dann müssen wir das tatsächlich
- 22:30so machen, dass diejenigen, die so viel Schotter haben, das tatsächlich auch mitbezahlen.
- 22:36Das ist die einzige Möglichkeit und an der Stelle muss ich das einfach nochmal sagen,
- 22:41Oder nicht nochmal, sondern zum ersten Mal sagen, es gibt eine Theorie,
- 22:45das nennt man Spieltheorie.
- 22:47Und Spieltheorien sind unglaublich interessante Verhaltenstheorien,
- 22:50wie sich Menschen untereinander verhalten, wo jeder seine besonderen Vorlieben,
- 22:55Interessen und so weiter hat.
- 22:57Und es gibt eine ganz wichtige Erkenntnis aus dieser Spieltheorie.
- 23:00Nur dann, wenn alle am Tisch immer mal wieder gewinnen, geht das Spiel weiter.
- 23:07Wenn es immer weniger werden, die am Tisch gewinnen, ist das Spiel relativ schnell
- 23:11zu Ende. Und das können wir nicht wollen.
- 23:13Denn das Spiel, von dem ich hier rede, ist das Spiel unserer Gesellschaft,
- 23:16unserer demokratischen Gesellschaft in Europa.
- 23:19Wenn wir da nicht aufpassen, sondern immer mehr und mehr Geld sich bei immer
- 23:23weniger und weniger Leuten konzentriert, dann wird das Spiel zu Ende gehen.
- 23:27Und dann gibt es ein neues Spiel.
- 23:30Und wenn wir in die Systemtheorie reingucken und schauen uns an,
- 23:33was dann für neue Spiele da sind, Darüber würde ich in diesem Podcast gar nicht reden.
- 23:39Du siehst also die Klimakrise und die Art und Weise, wie man ihr begegnen kann,
- 23:45nicht losgelöst von anderen wichtigen gesellschaftlichen Fragen,
- 23:48Gerechtigkeitsfragen beispielsweise. Unbedingt, natürlich.
- 23:50Du bist in den letzten Jahren auch nicht mehr nur als Wissenschaftler im Fernsehen
- 23:55zu sehen, sondern bist auch als Mitglied der Grünen auf Klimademos gewesen,
- 24:01hast da Reden gehalten. Ich bin kein Mitglied der Grünen.
- 24:04Ich bin nicht Mitglied bei der Grünen-Partei. Okay. Auf Klimademos warst du?
- 24:08Ja, ich habe jetzt die erste Rede auf einer Demo gehalten.
- 24:11Die gingen offensichtlich ziemlich um durch Deutschland durch Social Media.
- 24:16Ich war noch nie aufgeregt, aber da war ich es. Das war wirklich der Hammer.
- 24:20Wann hast du dir denn gedacht, Wissenschaft erklären, lesen,
- 24:25forschen, das reicht nicht mehr? du musst.
- 24:30Auch politisch aktiv werden oder raus auf die Straße solche Reden halten bei solchen Demos?
- 24:36Das ist eine gute Frage. Das kann ich gar nicht so genau beantworten,
- 24:39weil ich schon immer ein ziemlich politischer Mensch gewesen bin und mich ziemlich
- 24:41oft schon in allen möglichen Dingen eingemischt habe.
- 24:46Aber ich glaube ganz sicher, dass,
- 24:50Kinder, Enkelkinder machen nochmal einen großen Unterschied aus.
- 24:54Das macht einen richtig, weil ich dann einfach denke, so kann ich nicht arbeiten.
- 24:59Also ich möchte meinen Enkeltöchtern auf jeden Fall erklären können,
- 25:02wenn die mich fragen, Opa, was hast du denn so gemacht, kann ich ihnen wenigstens
- 25:05sagen, hört mal, das ist eine Sache, da habe ich mich so weit,
- 25:08wie es irgendwie ging, aus dem Fenster gelehnt.
- 25:12Und ich bin mir sicher, dass sie mich fragen werden. Aber auf der anderen Seite
- 25:14interessiere ich mich natürlich auch für die Zukunft, denn das ist die Zeit,
- 25:17in der ich den Rest meines Lebens noch verbringen möchte.
- 25:20Also insofern habe ich mich eigentlich das nie so richtig gefragt,
- 25:23sondern ich stamme aus einer Familie, in der Ehrenamt sozusagen normal war.
- 25:31Mein Vater, also alle möglichen Leute in unserer Familie sind entweder im Gesangverein
- 25:36gewesen, bei der Feuerwehr, beim Deutschen Roten Kreuz oder sonst irgendwie.
- 25:40Oder bei der Bundeswehr, auf jeden Fall, es gab immer eine ganz klare Hinwendung zum Gemeinwohl.
- 25:46Und das habe ich in mir, im Grunde genommen empfinde ich auch meine Arbeit bei
- 25:50öffentlich-rechtlichen Sendern auch als eine Sache, die für mich mit zu dieser Tätigkeit gehört.
- 25:58Dieses Aktivistische, das ist nochmal eine Sache, die ich so richtig begriffen
- 26:03habe, als ich zum ersten Mal das Buch von Lagernerie gelesen habe,
- 26:06Denken in einer schlechten Welt.
- 26:08Da schreibt er nämlich am Anfang auf die Frage, warum sind Sie denn jetzt eigentlich
- 26:12Aktivist geworden, antworte ich grundsätzlich, warum Sie denn nicht?
- 26:16In welchem Zustand muss denn die Welt sein, damit Sie endlich mal anfangen aktiv
- 26:19zu werden? Das gibt es überhaupt nicht.
- 26:21Und da habe ich zum ersten Mal begriffen, wie unglaublich selbstverzwergend
- 26:25die Wissenschaften eigentlich sind, durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
- 26:29die sich in ihren Laboratorien, in ihren ganzen Instituten zurückziehen.
- 26:34Praktisch eskapistisch, also flüchtend, sich in ihre Forschungsbereiche hineinstürzen,
- 26:39anstatt zu gucken, draußen brennt die Welt, wir müssen sofort dabei sein,
- 26:43wir müssen Sachverhalte klären, wir müssen Missverständnisse aus der Welt schaffen
- 26:45und so weiter, sofort an der öffentlichen Debatte teilnehmen,
- 26:48damit da bloß nicht die Idioten mit all ihrem ganzen Wahnsinn,
- 26:51den sie da erzählen, mit den Verschwörungen, mit diesen haarsträubenden Falschmeldungen und so weiter,
- 26:56das Feld übernehmen. Wir müssten eigentlich viel, viel lauter sein.
- 27:00Also müssten Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen aktivistischer sein?
- 27:03Unbedingt, unbedingt. Das ist ganz klar. Wir sind in einer Situation,
- 27:05in der wir uns nicht mehr leisten können, dass ja angeblich die schlauesten
- 27:09Köpfe eines Landes, dass man von denen nichts hört.
- 27:12Das kann doch nicht wahr sein. Also ich höre immer wieder hochinteressante Reden,
- 27:16wo es dann um den Wettbewerb, um die schlauen Köpfe geht.
- 27:18Aber diese schlauen Köpfe scheinen, was die Welt sonst so betrifft,
- 27:21nicht viel zu sagen zu haben. Die forschen halt da vor sich hin,
- 27:24die einen mit dunkler Materie, die anderen mit dunkler Energie.
- 27:26Wieder andere suchen nach Elementarteilchen oder sonst irgendwas.
- 27:29Aber da, wo es um die Physik der Wirklichkeit geht, um die makroskopischen Systeme,
- 27:34die momentan außer Rand und Band sind, das Systemische vor allen Dingen,
- 27:38dass man Menschen immer wieder erklärt, hey, das hängt miteinander zusammen.
- 27:42Die Artenvielfalt, die Zerstörung der Artenvielfalt, Das sind wir auch eine
- 27:47Art, die möglicherweise sich selbst zerstört wie irre.
- 27:50Und die Zusammenhänge auch, die dann eben in der gesellschaftlichen,
- 27:52in der politischen Arena stattfinden.
- 27:55Es wäre großartig, wenn in Deutschland praktisch jeden Abend in einem Dorf,
- 28:00in einer Stadt irgendwo eine politische Versammlung ist, wo alle da sind und
- 28:04nicht zu Hause vor ihren Flachbildschirmen sitzen.
- 28:06Aber hättest du da nicht die Sorge, dass die Wissenschaft oder Wissenschaftler,
- 28:09Wissenschaftlerinnen als noch weniger neutral und damit auch glaubwürdig wahrgenommen werden?
- 28:14Wissenschaft kann nicht neutral sein, wenn es um sein oder nicht sein geht.
- 28:17Das ist keine Frage. Also ich halte diese Neutralitätsgebote,
- 28:20die finde ich ehrlich gesagt ziemlich blöd.
- 28:24Vor ein paar Tagen habe ich einen schönen Satz gelernt.
- 28:27Mein Parteibuch ist das Grundgesetz. Das ist das allererste.
- 28:31Und wenn Leute, die haben ein Recht auf eigene Meinung, sie haben nicht das
- 28:34Recht auf eigene Fakten.
- 28:36Wenn Leute Unsinn erzählen und damit destabilisierend auf die Gruppenform wirken,
- 28:43in der ich lebe, dann habe ich als Wissenschaftler geradezu die Verpflichtung, mich zu äußern.
- 28:48Und dann gibt es noch eine formale Verpflichtung, die interessanterweise gerade
- 28:51diejenigen betrifft, die für Universitäten fest angestellt sind.
- 28:56Das sind nämlich Beamte, Staatsdiener.
- 28:59Wenn ich unterschreibe, dann ist das ein Vertrag zwischen mir und der Gesellschaft.
- 29:03Die Gesellschaft erlaubt mir für den Rest meines Lebens, war einer der schönsten
- 29:06Momente meines Lebens, das zu tun, was ich am besten kann.
- 29:10Nämlich Wissenschaften zu unterrichten und zu erforschen. Großartig.
- 29:14Aber was erwartet denn der Staat von mir? Erwartet die Gruppe,
- 29:19die mich finanziert, wirklich nur,
- 29:21dass ich da meine 9 Stunden Lehrdeputat abreiße und mich ansonsten mit,
- 29:26interessanten Forschungsfragen beschäftige, die außer mir nur noch 5 andere auf der Welt verstehen?
- 29:33Und diese Spezialisierung, die ist sogar notwendig, damit man an den Rand der Forschung kommt.
- 29:38Was hat denn die Gesellschaft von Spezialisten?
- 29:41Nichts. Sie braucht Generalisten, die diese Inhalte so übersetzen,
- 29:46dass die Leute damit Handlungsoptionen erkennen.
- 29:49Ah, das können wir damit tun.
- 29:51Das heißt, das ganze Thema Wissenschaft wird immer interessanterweise nur als
- 29:56eine Art von nettem Hobby der Menschheit bezeichnet.
- 30:01Die müssen ja ganz neutral, die dürfen sich ja nicht machen.
- 30:04Aber was machst du denn, wenn du als Wissenschaftler zum Beispiel feststellst,
- 30:08dieser Patient hat Krebs? Sage ich ihm das oder sage ich ihm das nicht?
- 30:13Wissenschaftlich muss ich ihm das nicht sagen. Da muss er selber mit zurechtkommen.
- 30:18Das heißt, ich habe doch eine Verpflichtung zu sagen, was der Fall ist.
- 30:23Könnte man diese Verpflichtung auch auf Medien, Journalisten,
- 30:27Journalistinnen übertragen?
- 30:31Wie schafft man es, Menschen auch für Klimathemen noch mehr zu interessieren,
- 30:37ohne eine gewisse Ohnmacht dabei zu befördern?
- 30:41Ich kenne dieses Ohnmachtsgefühl von mir selber und ich merke es auch in meinem
- 30:44Umfeld, dass man das Gefühl hat, eine Krise jagt die nächste.
- 30:48Und jetzt kommen auch noch die ganzen Schreckensmeldungen zur Klimakrise dazu.
- 30:52Wie kann man damit umgehen? Nein, was die Ukraine-Krieg betrifft,
- 30:56da bin ich ohnmächtig, kann ich nichts tun. Es gibt viele andere Konflikte auf
- 30:59der Welt, kann ich nichts tun.
- 31:00Beim Klima kann ich was machen, natürlich sofort. Mitglied werden in der Energiegenossenschaft
- 31:04und mit anderen dafür zu sorgen, dass hier in Deutschland so schnell wie möglich
- 31:08die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, so schnell wie es nur geht,
- 31:12und zwar mithilfe von Photovoltaik, Windrädern, Batteriebetrieb und so weiter.
- 31:16Das ist, glaube ich, der Goldweg, der in vielen Ländern übrigens auch schon
- 31:19längst beschritten wird. Nur in Deutschland hat man das noch nicht so richtig mitgekriegt.
- 31:22Da gibt es ja großartige, ganz, ganz großartige Verkünder auch immer wieder,
- 31:27ob es der Tim Mayer ist mit seinem Buch Strom oder der Christian Stöcker zum Beispiel.
- 31:31Das sind alles Leute, die immer wieder uns mitteilen, Leute da draußen.
- 31:35Tobt der Planet erneuerbare Energien, da geht es zur Sache. Und wir hier in
- 31:39Deutschland, wir reden über Verlängerung des Verbrenner aus und wollen wir nicht
- 31:44doch noch ein paar Gaskraftwerke bauen oder noch blöder Kernkraftwerke,
- 31:49wollen wir nicht wieder Kernkraftwerke bauen.
- 31:51Also alles so ein Verzögerungsdiskurs, der in jeder Hinsicht völlig fehl am
- 31:54Platze ist, anstatt dafür zu sorgen, was sind die Best-Practice-Beispiele in
- 31:58Deutschland? Es gibt eine Reihe von Gemeinden, die viel, viel mehr Strom produzieren,
- 32:02als sie eigentlich verbrauchen.
- 32:03Und man kann sich mal angucken, wie die das gemacht haben. Was war eigentlich
- 32:06der Fortgang? Die haben sich eine Vision, über 20, 25 Jahre,
- 32:09haben die eine Vision festgehalten, nicht immer wieder vorwärts,
- 32:12rückwärts, wie die Bundesregierung, vorwärts, rückwärts, vorwärts, rückwärts.
- 32:15Sondern gesagt, okay, in 25 Jahren sind wir soweit. Bill Polzried im Allgäu
- 32:19für mich das perfekte Beispiel, wie eine Kommune sich da umgesetzt und durchgesetzt hat.
- 32:24Und das hat für mich den Charme, sich gemeinsam so einem Projekt zuzuwenden
- 32:28und zu sagen, so, das machen wir jetzt. Und wenn wir das gemacht haben,
- 32:31dann gucken wir mal, wie die Welt dann aussieht und dann machen wir den nächsten Schritt.
- 32:36Aber es gibt natürlich in Deutschland wahnsinnig viele Perfektionistinnen und
- 32:39Perfektionisten, die sofort vom 100-Prozent-Niveau ausgehen.
- 32:42Das ist für ein Unternehmen, wo man nicht genau weiß, wie man rauskommt,
- 32:46immer ganz schlecht. Da gibt es aber die andere Variante, 20% Aufwand,
- 32:4980% Wirkung. nehmen wir. Die Lösung nehmen wir sofort.
- 32:53Und da kann man richtig viel tun und man merkt vor allen Dingen,
- 32:56dadurch, dass man sich zusammentut, man ist nicht allein.
- 32:59Also dieses Ohnmachtsgefühl, gerade wenn es um Klimafragen geht,
- 33:02kann man locker dadurch beheben, indem man sich zusammentut,
- 33:05allemöglich bei Organisation, Mitarbeit, aber das Beste ist für mich wirklich
- 33:08Bürgerbeteiligung, Akzeptanzverbesserung enorm.
- 33:11Energiegenossenschaften und Los, beide Maschinen volle Kraft voraus,
- 33:16sich vor allen Dingen auch darum kümmern, dass eben tatsächlich viel weniger
- 33:19Fläche versiegelt wird ökologische Landwirtschaft, immer dabei sein,
- 33:22niemals aufgeben, sondern,
- 33:24wenn alle Stricke reißen, würde ich sagen, geht man auf den Friedhof in Berlin,
- 33:28da gibt es den Grabstein von Herbert Marcuse und da steht drauf,
- 33:31weitermachen, Ausrufezeichen.
- 33:33Und das ist es, das ist das Einzige, was wir tun können, ja.
- 33:35Ein paar Beispiele hast du schon genannt, aber vielleicht können wir zum Schluss
- 33:38trotzdem nochmal das ein bisschen umdrehen, sozusagen Harald Leschs Vision einer
- 33:45besseren Welt zeichnen.
- 33:47Also wir stellen uns mal vor, wir leben in einer Zukunft, in der wir das alles geschafft haben.
- 33:53Wie könnten wir uns den Alltag in einer klimaneutralen Welt vorstellen? Leise.
- 34:01Weil alle mit Elektroautos fahren, hat man schon mal keinen Verkehrskrach mehr.
- 34:05Das ist schon mal das allererste.
- 34:07Zugleich haben aber natürlich alle ihren Anteil daran, mit dafür zu sorgen,
- 34:11dass das Wasser nicht wegfließt. Die sorgen sich darum, dass die Nahrung so gut ist, wie es nur geht.
- 34:18Das heißt, wir müssen viel, viel mehr aufwenden für das, was wir unseren Lebensbetrieb nennen.
- 34:23Deutschland hat sich ja über Jahrzehnte zur großen Exportnation entwickelt,
- 34:27was übrigens immer wieder bedacht werden muss, wenn wir darüber reden,
- 34:30welche Emissionen Deutschland auf dem Planeten verursacht hat.
- 34:33Weil wir schon seit Ewigkeiten industrialisiert sind und wir haben sehr,
- 34:37sehr viel Emissionen exportiert, indem wir große Maschinen und sehr,
- 34:40sehr viele Autos überall auf die Welt verkauft haben.
- 34:43Hätten wir in den 80er oder 90er Jahren angefangen, E-Autos zu entwickeln,
- 34:47dann würden wir heute dastehen, wo andere Länder stehen.
- 34:49Jetzt schauen wir aber zurück. Wir wollen ja diese positive Vision.
- 34:52Genau, das ist alles passiert. Wir haben also in Deutschland ein Energiesystem,
- 34:55das in weiten Teilen auf erneuerbaren Energiequellen beruht.
- 35:00Das führt allerdings dazu, dass wir deutlich mehr Aufwand treiben müssen,
- 35:03um das richtig gut hinzukriegen.
- 35:05Wir werden dafür sorgen, dass wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in
- 35:09unseren Nachbarländern diese Energieformen haben.
- 35:11Wir werden uns viel mehr darum kümmern müssen, woher das Wasser kommt,
- 35:15woher die ganzen Grundlagen für unser Leben kommen.
- 35:17Und wir werden anfangen, Technologien zu entwickeln, die so nachhaltig sind,
- 35:22weil wir nämlich in Deutschland die Kreislaufwirtschaft, die Recyclingwirtschaft.
- 35:25Als das große Projekt der 30er, 40er, 50er, 60er, 70er Jahre des 21.
- 35:32Jahrhunderts entdeckt haben.
- 35:33Da können wir unser gesamtes Know-how aus den großen Ingenieurwissenschaften, die,
- 35:39wir ja haben, einsetzen, um der Welt etwas zu präsentieren, was an vielen Stellen
- 35:44einfach noch fehlt, nämlich die Wiederverwendung von ganz teuren Materialien,
- 35:48aber auch zum Beispiel, wie vermeiden wir Plastikabfälle und dergleichen mehr.
- 35:52Nämlich das, womit wir es zu tun hatten im 20. Jahrhundert, sind Abfallprozesse.
- 35:57CO2 ist ein Abfall, Mikroplastik ist ein Abfall und hochradioaktive Abfälle ist ein Abfall.
- 36:03Meine Vision wäre, wir sind ja unter uns.
- 36:09Meine Vision wäre, dass der bayerische Ministerpräsident sich beschließt,
- 36:14zusammen mit seinem Kabinett und dem Bayerischen Landtag, wir beantragen,
- 36:18dass der Standort für ein Endlager in Bayern sein soll.
- 36:22Wir bewerben uns in Berlin darum, dass wir hier in Bayern unter Opalinuston,
- 36:27genau das gleiche Endlager hinbauen, wie die Schweizer das unter ihrem Opalinuston tun.
- 36:32Und wir bieten der Bundesrepublik Deutschland an, die 1700 Kasturenbehälter
- 36:36so schnell, wie es nur irgendwie geht, unter Tage zu bringen.
- 36:38Damit die endlich weg sind, denn jeder dieser Kasturenbehälter enthält so viel
- 36:42Radioaktivität, wie bei dem GAU in Tschernobyl frei geworden ist.
- 36:46Und damit haben die anderen Bundesländer vielleicht die Verpflichtung,
- 36:50Bayern darin zu unterstützen.
- 36:52Und das wäre eine der großartigsten Maßnahmen, die ich mir vorstellen kann.
- 36:56Und wenn dann der Ministerpräsident in einem großen E-Auto unter lauter Bäumen
- 37:00dann dahin fährt und vielleicht mit einer Schere dieses Ding eröffnet,
- 37:04unter anderem natürlich auch eine Universität für Kerntechnikerinnen und Kerntechniker,
- 37:08die für die ganze Welt, in der ganzen Welt Leute ausbildet in dieser Technologie,
- 37:13die so unbedingt notwendig ist, dass wir sie nicht vergessen,
- 37:16dann würde ich sagen, Mission accomplished.
- 37:19Ich glaube, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster,
- 37:21um sagen zu können, dass das ein eher unrealistisches Szenario ist.
- 37:24Aber du solltest ja auch ein Bild einer Zukunft zeichnen.
- 37:29Ich habe mitgenommen, das wäre eine klimaneutrale, klimafreundliche Zukunft,
- 37:35in der es leiser ist, in der es weniger Abfall gibt, sowohl um uns herum als auch in der Atmosphäre.
- 37:40Und was ich auch mitgenommen habe, ist, du glaubst schon noch daran,
- 37:45dass wir das alles hinkriegen können. Aber ja, wir werden es auch hinkriegen.
- 37:48Die Frage ist nur, wie viele Opfer wir dabei haben werden. Also wie gut es laufen wird.
- 37:56Letzten Endes reden wir ja hier über die Lösung für einen Teil der Welt.
- 37:59Es gibt ja andere Teile der Welt, die viel stärker unter dem Klimawandel leiden,
- 38:03als wir das tun und in denen die Gesellschaften praktisch überhaupt keine Handlungsoptionen
- 38:08haben, sondern viel stärker irgendwie reagieren müssen.
- 38:11Und für die, für alle diejenigen, müssen wir die Möglichkeiten schaffen,
- 38:14dass sie gut da durchkommen, was auf uns zukommt.
- 38:18Wir selber haben in Europa momentan die höchsten Heizraten. Das heißt,
- 38:22Europa wird am schnellsten warm.
- 38:24Wir haben aber auch immer noch relativ gute natürliche Grundbedingungen.
- 38:27Das ist in anderen Teilen der Welt eine ganz andere Situation.
- 38:30Wir können uns helfen. Wir können Klimaanlagen bauen. Wir können den anderen
- 38:34aber vielleicht auch ein Modell geben, was so billig ist, dass sie das überall
- 38:37benutzen können, solange sie mit erneuerbaren Energien den Strom vor allen Dingen versorgen.
- 38:42Wir haben hier die Möglichkeit, unsere große Menge an Optionen zu nutzen für das Wohl aller.
- 38:49Das wäre sozusagen absolute Gemeinwohlorientierung, die Würde des Menschen im
- 38:54Mittelpunkt zu haben, subsidiär und solidarisch zu sein.
- 38:58Das halte ich für den großen Kompass, in dem ich lebe. Und ich halte das für
- 39:03den Kompass, mit dem man gut durch diese Krisen kommt.
- 39:06Und Resignation und Pessimismus ist ein Luxus, den wir uns gar nicht leisten können.
- 39:11Als Possibilist würde ich immer sagen, okay, jetzt wollen wir erstmal gucken,
- 39:14was ist wahrscheinlich, aber was ist auch möglich.
- 39:17Und diese Möglichkeiten, das ist das, was mich wirklich interessiert.
- 39:19Wo können wir was tun? Und da ich ein ziemlicher Fan bin von Hannah Arendt,
- 39:25würde ich immer am Ende sagen, da wo Menschen zusammenkommen,
- 39:28kann man mit Wundern rechnen.
- 39:29Und zwar sind das keine Wunder in irgendeinem übernatürlichen Sinne,
- 39:33sondern es sind Möglichkeiten, die vorher niemand auf dem Schirm gehabt hat,
- 39:37die aber schon immer da waren und die erst dadurch entstehen,
- 39:40dass Menschen etwas zusammentun.
- 39:42Und was dafür eben ganz wichtig ist, ist raus ins wirkliche Leben,
- 39:46weg vom Bildschirm, wirklich da gucken, wo wirklich gelebt wird und nicht wo
- 39:51nur Simulationen von Leben da sind.
- 39:53Das ist etwas, was uns, glaube ich, am allerstärksten davon abhält,
- 39:56das zu tun, was dringend nötig ist. Das gilt auch für die Politik,
- 39:59die oft genug eben nicht ins wirkliche Leben reinschaut, sondern eher in Simulationen von Leben rein.
- 40:05Harald Lesch, vielen Dank für die Zeit. Danke für das Gespräch.
- 40:09War mir ein Vergnügen. Mir auch und euch da draußen hoffentlich auch.
- 40:14Falls ja, dann lasst uns doch sehr, sehr gerne eine positive Bewertung da.
- 40:19Ein Abo oder auch ein Kommentar, Feedback, Kritik, Anmerkungen auch gerne gesehen.
- 40:24Es gibt auch eine Mailadresse heutejournal-podcast.zdf.de oder als Kommentar.
- 40:30Und dann sage ich an der Stelle, vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank fürs
- 40:33Zuschauen. Danke, dass wir hier heute in deinem Studio sein durften. Bitte, bitte.
- 40:38Und bis nächste Woche.
- 40:40An dieser Folge mitgearbeitet haben Christoph Söller, Céline Weimar-Dittmar,
- 40:44Esther Stephan und Niklas Stellhorn. Das Fact-Checking kam von Marlene Ziegelmeier
- 40:48und Andreas Salden. Kamera und Ton von Noah Amshoff, Konrad Fleckenstein,
- 40:53Lars Opitz und Ludger Nüschen.
- 41:01Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.