Latest / Irgendwas mit Menschen – Der Heilpädagogik-Podcast / Sandra Palfi-Springer, was macht die Heilpädagogik so faszinierend?
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- 0:00Und dann durfte ich berufsbegleitend studieren und durfte tatsächlich dieser Fragestellung, die mich da nicht loslässt, nicht
- 0:09losgelassen hat ja durfte ich weiter nachgehen und habe über meinen eigenen Prozess begriffen, was es heißt, wenn Moor von Ergriffenheit spricht.
- 0:18Musik.
- 0:34Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Irgendwas mit Menschen - der Heilpädagogik-Podcast.
- 0:42Ich bin Rihab Chabaane, an meiner Seite ist heute Philipp Bryant.
- 0:47Hallo zusammen. Und wir diskutieren für euch mit ExpertInnen der Heilpädagogik.
- 0:53Wir freuen uns heute ganz besonders über unsere Gästin Sandra Palfi-Springer.
- 0:59Frau Dr. Sandra Palfi-Springer und wir sprechen mit ihr über die Faszination der Heilpädagogik. Schön, dass du da bist Sandra.
- 1:09Ja hallo, und vielen Dank, dass ich da sein darf.
- 1:14Ja Sandra, ich sage mal ein bisschen was zu dir, bestimmt nicht alles, was sagenswert wäre um dich vorzustellen, aber ich greife mein paar Sachen auf. Du wohnst in Baden-Württemberg.
- 1:24Auch im schönen Süden, du bist verheiratet, hast drei Kinder und du hast verschiedene Ebenen der Heilpädagogik absolviert. Du warst erst Erzieherin
- 1:34vom Grundberuf, dann hast du die Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin gemacht, später hast du heilpädagogisch studiert in Nürnberg.
- 1:43Und du sagst Paul Moor hat dich nicht losgelassen,
- 1:46so sehr, dass Du dazu promoviert hast, zur Sinn-orientierten Heilpädagogik.
- 1:54Deine Promotion hast du dir ja quasi gewählt um eine "Legitimation zum Lesen" zu haben, das fand ich ganz witzig. Genau du hast in Ludwigsburg promoviert.
- 2:09Und zwar, ja, Paul Moor Impulsgeber für eine sinnorientierte Heilpädagogik, vielleicht sagst uns dann später ein bisschen was dazu, ich glaub da stehst du wirklich mit Herz und Blut dahinter.
- 2:21Genau, du vertrittst nämlich eine personenorientierte Heilpädagogik, ne personale Heilpädagogik.
- 2:26Was das genau bedeutet kannst sonst bestimmt auch im Laufe des Gesprächs erläutern.
- 2:33Ja und aktuell bist du selbstständig, du bist freiberuflich unterwegs, du berätst Familien, du machst Fachberatung, Organisationsentwicklung.
- 2:41Du bist systemische Coachin.
- 2:43Und ja, ganz besonders begleitest du Familien, die Kinder haben, die unter schweren Entwicklungsbedingungen aufwachsen,
- 2:52das ist so dein Schwerpunkt wie ich das verstanden habe, und vielleicht noch mal was Privates, was ich ganz nett fand, du bist gerne im Garten.
- 3:02Das ist deine Erdung im wahrsten Sinne des Wortes, wenn deine Hände in der Erde sein können.
- 3:08Und du sagst "gardening is cheaper than therapy and I you get tomatoes".
- 3:16Ja und in diesem wunderbaren Sommer gibt es wirklich reichlich tomatoes.
- 3:22Insofern ist es tatsächlich ein sehr erfolgreiches "Therapie-Geschehen" in meinem Garten dieses Jahr. Sehr sehr schön.
- 3:36Ja, Sandra, wir wollen gleich mit einer kleinen Aufgabe mit dir starten, mit ner kleinen Herausforderung, wir haben uns da was überlegt und zwar,
- 3:46Sagt dir denn der "Elevator Pitch" etwas?
- 3:49Wie viel Stockwerke gehe ich? 17 in einem sehr langsamen Aufzug, du hast ca. 90 Sekunden.
- 4:01Wir haben uns diese Challenge gestellt, weil wir wissen, dass wir HeilpädagogInnen in der Regel ja auch die Zeit haben um die komplexe Heilpädagogik zu erklären.
- 4:10und dass wir manchmal uns da auch verzetteln und verlieren und deswegen eben diese Challenge, später kriegst du noch mehr Zeit um um deine Punkte zu erläutern, aber so für den Einstieg vielleicht die Frage:
- 4:23Was ist die Heilpädagogik für dich? Du hast dafür circa 90 Sekunden Zeit und the stage is yours.
- 4:33Heilpädagogik ist für mich die Faszination am Menschen,
- 4:38diese Faszination, dass jeder Mensch seinen Weg geht mit den Möglichkeiten, die er eben nunmal hat,
- 4:45immer auch mit den Fragestellungen: wo können die Möglichkeiten sich auch auch erweitern, also gerade auch im Hinblick auf gesellschaftliche
- 4:55Grundlagen oder Möglichkeiten, aber für mich immer die Frage, was macht jemand draus, wie lebt er sein Leben? Wie geht er seinen Weg? Und Heilpädagogik eröffnet für mich die Möglichkeiten diesen Weg zu begleiten,
- 5:08sei es in Förderangeboten, sei es in Gesprächen, sei es auch im Abbau von Barrieren, die irgendwo da sind und diese Vielfalt,
- 5:17in den Möglichkeiten und auch im Weg des Menschen, das ist einfach das, was mich innerhalb der Heilpädagogik einfach fasziniert.
- 5:25Wow! Wie viele Sekunden? Ich habe diese Gesprächspause jetzt als ein Ende des Pitchs verstanden.
- 5:33und es wären noch 32 Sekunden übrig gewesen, also wir sind sehr schön schnell in Anführungsstrichen in der Stockwerk gelangt
- 5:42und ich würde gerne ein paar Dinge aufgreifen von dem, was du gerade gesagt hast, Sandra, und das probieren in eine,
- 5:53ja, weiterführende Gesprächsgrundlage einzubauen. Wir haben ja heute, wir Rihab schon gesagt hat, vor, uns mit
- 6:03der Heilpädagogik an sich auseinanderzusetzen und du hast jetzt erwähnt, dass es für dich um
- 6:09Menschen, um Vielfalt, um Möglichkeiten, aber auch um so etwas wie die gesellschaftlichen Grundlagen dessen geht, und das finde ich ganz spannend weil
- 6:20wenn wir so etwas wie eine sinnorientierte Heilpädagogik als dein Steckenpferd gerade schon herausgestellt haben, dann
- 6:28könnte man ja meinen, diese sinnorientierte, eher geisteswissenschaftlich orientierte Heilpädagogik würde vielleicht das, was sozialwissenschaftlich, also als die gesellschaftlichen Grundlagen.
- 6:39angesehen werden kann, vielleicht weniger gewichten oder gar ignorieren.
- 6:46Möchtest du vielleicht uns eine Orientierung dazu geben wie du diese beiden teilweise in der Disziplin ja als Gegenpole als Gegenspieler fungierenden Ansichten vereinst?
- 7:01Da brauche ich jetzt aber länger wie 30 Sekunden. Ja, wir sind nicht mehr beim Elevator-Pitch.
- 7:12Für mich sind das einfach zwei Bereiche die, also wenn ich jetzt überhaupt als Bereiche formulieren kann, die unabdingbar miteinander verknüpft sind.
- 7:21Das eine sind die gesellschaftlichen Grundlagen, also auch das Feld in dem sich Menschen mit
- 7:29erschwerten Entwicklungsbedingungen einfach auch bewegen, in dem Familien unterwegs sind, und in dem
- 7:36das was wir heute unter Inklusion meinen einfach auch.
- 7:40und auch wesentlich davon abhängt, wie definiert Gesellschaft tatsächlich auch dieses Feld und welche Mittel ist sie bereit, zur Verfügung zu stellen, dass jeder Mensch in diesem Feld einfach auch
- 7:52seinen Platz finden kann und sein Leben gestalten kann. Das ist so die eine Seite
- 7:59für mich und die andere Seite ist aber eben diese ganz persönliche, diese ganzen personale Seite und diese personale Sicht auf die Bedingungen, die ich habe.
- 8:10Und damit meine ich nicht, dass jemand quasi
- 8:15hier in diesem Annahme oder dieses Annahme-Postulat auch vorausgesetzt wird.
- 8:23Du musst das halt akzeptieren, dass es so ist. Also Eltern zu sagen, na jetzt akzeptieren Sie halt, dass ihr Kind unter anderen Bedingungen ihr Leben leben wird,
- 8:33das meine ich damit nicht, weil das steht uns überhaupt nicht zu.
- 8:37Was ich aber meine ist, dass ich einfach in meinen vielen Begleitungen erlebe, dass jeder Mensch eben eine ganz eigene Positionierung zu seiner Situation eben einnimmt
- 8:50und es da Menschen gibt, die sich sehr wohl und auch sehr kritisch mit der eigenen Situation und auch dem eigenen Umfeld auseinandersetzen.
- 8:59Und aber auch sich sehr
- 9:03kritisch mit sich selber und manchmal aber auch sehr liebevoll mit sich selber auseinandersetzen, und da merke ich das manchmal diese
- 9:11Brücke von jetzt Menschen, in der klassischen Formulierung ja, Menschen mit Behinderung sich da manchmal einfach auch
- 9:22durchaus gut für sich selbst auch positionieren in den Möglichkeiten, die es gibt.
- 9:30Was nicht heißt, im Umkehrschluss, dass die Möglichkeiten gut sind und nicht verändert werden müssen. Also das,
- 9:36ja also das sind für mich wirklich zwei Themen, und die personale Heilpädagogik, die zielt einfach auch mit drauf ab,
- 9:44wirklich zu schauen, wie geht der Einzelne mit seiner Situation um. Und ich möchte nochmal betonen, das rechtfertigt nicht, dass gesellschaftliche Grundlagen unzureichend sind, überhaupt nicht.
- 9:55Aber es ist immer auch die Frage, wie geht es mir selber in dieser Situation, weil ich auch erlebe,
- 10:04auch wenn das Umfeld sich sehe ideal darstellt,
- 10:09es immer noch vom einzelnen Menschen oder von der einzelnen Familie abhängt, wie gut
- 10:15kann die Familie, kann das kleine System oder kann auch der einzelne Mensch wirklich auch mit der Situation und mit individuellen Behinderungen,
- 10:24die eben auch
- 10:26körperlich begründet sein können oder eben sehr persönlich begründet sind, wie kann er mit denen umgehen und wie positioniert er sich.
- 10:34Mit dieser eben Ausgangsposition die so ist, wie sie ist. Also das sind für mich so diese zwei
- 10:43Blickrichtungen nenne ich es jetzt mal, wohlwissend, dass die natürlich immer untrennbar auch miteinander verknüpft sind. Aber die eine
- 10:52löst sich nicht in der anderen auf. Ich muss gerade, Sandra, während du erzählst, an das ICF-modell denken,
- 11:00was ja auch versucht, diese beiden Ausrichtungen oder Ausgangspunkte zu vereinen, zum einen,
- 11:09ich glaub, das ist so ein bisschen auch aus der Historie gewachsen, dieses medizinische Modell, was eben das Defizit nur im Menschen gesehen hat und es gilt diese Behinderung zu beseitigen oder diese Störung zu beseitigen.
- 11:21Dann kam das soziale Modell auch mit den Disability Studies was heißt, behindert ist man nicht, behindert wird man, und Behinderung wird nur als soziales Konstrukt verstanden, was im Umfeld entsteht.
- 11:32Und das ICF-Modell versucht hier genau beides zu vereinen, und das höre ich so ein bisschen bei dir raus, dass du sagst, es ist kein Entweder-Oder sondern es braucht beide,
- 11:41beide Perspektiven, auf das Individuum, aber auch auf gesellschaftliche Strukturen. Ja,
- 11:47und gleichzeitig ist eine meiner Kritiken auch am ICF-Modell, dass es diese ureigene personale Auseinandersetzung und zwar das, was über die körperlichen Beeinträchtigungen hinaus geht,
- 12:01nämlich wirklich dieses persönliche Stellungnehmen, dass das, was ist, was einfach also, das lässt sich natürlich auch nicht, das lässt sich ja nicht kategorisieren, und das ist dieser Bereich in der ICF, der auch nicht ausformuliert ist.
- 12:15Und den müssen wir mit in den Blick nehmen.
- 12:18Also es ist jetzt schon ganz ganz spannend, ich würde gerne kurz eine eckige Klammer aufmachen, ich habe an unsere Zuhörenden gedacht,
- 12:28das ICF- oder ICF-Modell ist die International Classification of Functioning.
- 12:33Und das ist ein Modell, was von der WHO veröffentlicht wurde, also der Weltgesundheitsorganisation, auf dass ich hier gerade bezogen wird, und wenn wir von einem individuellen Modell oder einem Sozialmodell gesprochen haben gerade, dann meinen wir ein individuelles Modell von Behinderung
- 12:46oder ein soziales Modell von Behinderung.
- 12:51Jetzt habe ich über die eckige Klammer ein Stückchen meine Frage aus den Augen verloren aber
- 12:59ich würde gerne noch mal ein kleines Stück zurück gehen, denn das was wir jetzt gerade hier hören,
- 13:06also dieser Fokus auf das Personale, das Sinnorientierte, da muss ich
- 13:13also da höre ich gleich wieder Paul Moor oder Emil Kobi, also die Frage danach,
- 13:20was Behinderung, wie auch immer wir sie mit welchem Modell wir sie erklären, und deswegen fand ich das so schön wie du es gesagt hast, Sandra, das lässt sich nicht auflösen oder das geht nicht in
- 13:31ineinander auf, diese beiden Blickrichtungen, denn es geht letztendlich, egal wie wir Behinderung erklären, doch, wenn ich das jetzt mal mit Kobi sagen darf,
- 13:39doch als Frage formuliert, immer darum, herauszubekommen wie jemand vor den Herausforderungen, die seine Individualität die mitbringt, eben steht und dieses wie steht das Individuum
- 13:53vor der Lebenssituation, das finde ich doch auch eine extrem
- 13:57nicht nur spannende und herausfordernde Frage in der täglichen Praxis, sondern auch eine, die die Forschungen letztendlich immer wieder leiten kann und soll.
- 14:06Und davon lässt sich dann ja wieder genau in beide Blickrichtungen auch schauen, wenn ich dich richtig verstanden habe.
- 14:15Und du, Phillip, du hast gerade auch angesprochen also auch vielen Dank, Paul Moor ist ja tatsächlich derjenige, die Rihab hat es vorher schon gesagt, derjenige, der mich letztendlich auch
- 14:28damals in meine Promotion gebracht hat, weil mich sein Konstrukt, seine Idee eines inneren Haltes nicht losgelassen hat ich habe, ich bin dem begegnet in meiner Ausbildung zur Heilpädagogin,
- 14:43damals in jungen Jahren und hab's irgendwie auch nicht so richtig verstanden, die Texte waren schwer zu lesen und dann hab ich gedacht
- 14:52achja, irgendwie ja so ein altes Ding, und ich habe gemerkt, das was da drin steckt, das lässt mich nicht los.
- 15:00Und dann durfte ich berufsbegleitend studieren und durfte tatsächlich dieser,
- 15:06Fragestellung, die mich da nicht loslässt, nicht losgelassen hat, durfte ich weiter nachgehen und hab
- 15:13über meinen eigenen Prozess begriffen was es heißt, wenn Moor von Ergriffenheit spricht, nämlich ich bin von Irgendwas angetriggert, angefixt und ich merke, ey das ploppt überall auf
- 15:26und was ist es, das ist für mich nämlich genau diese Faszination. Wie lebt ein Mensch sein Leben
- 15:36im Angesicht dieser Herausforderung, der er sich gegenüber gegenübersieht, und Moor spricht hier auch vom vom Anruf des Lebens und der sagt, es sind nicht wir die das Leben anfragen, ey was hast du zu bieten für mich,
- 15:50sondern wir sind die angefragten vom Leben, und meine Art zu leben
- 15:55ist meine Antwort auf diese Frage, und da sind wir genau bei dem, was du gerade gesagt hast, und es geht in diese zwei Richtungen, nämlich das eine auch tatsächlich
- 16:07anzunehmen, es ist jetzt so, wie es ist, und die Frage ist, was machen wir damit,
- 16:13was kann ich damit tun, und das andere ist aber eben auch, wie ist denn das Umfeld, in dem ich lebe mit dem wie es eben ist und was
- 16:24kann und muss sich da vielleicht auch verändern und wo kann ich dazu beitragen, dass hier wirklich auch Veränderung möglich wird oder stattfindet, und das sind genau, da verbinden sich diese zwei Richtungen.
- 16:39Spannend. Die auch sich beim Moor schon verbunden haben, also auch zu seiner Zeit, also vielleicht auch hier für die Zuhörer mache ich meinen kleinen Werbeblock, Paul Moor, wer das lesen will
- 16:52aber er hat seine Schriften in den 1930 er bis 1980er-Jahren verfasst und man muss schon auch sehen, dass sie natürlich auch auf dem Hintergrund geschrieben sind,
- 17:03und da war das, was wir heute und was für uns heute völlig selbstverständlich ist, nämlich nicht systemische Denkweise,
- 17:09die war damals auch in der Heilpädagogik eigentlich noch ein ziemliches Novum, weil man ging damals davon aus,
- 17:17es gab auch diesen Begriff der "Kinderfehler", also man ging davon aus, Behinderung ist was ganz individuelles,
- 17:24ausgelöst durch eine individuelle Schädigung oder eine Deprivation oder wie auch immer, aber es ist ein individuelles Thema und Paul Moor hat damals schon immer wieder deutlich gemacht, wir müssen das
- 17:36Umfeld mit reinnehmen und hat einen für damalige Zeiten auch sehr provokanten Buchtitel gewählt,
- 17:44Kinder-Fehler, Bindestrich, Erzieher-Fehler.
- 17:49?! Also nämlich zu sagen, okay was ist denn auch wirklich der Beitrag
- 17:56der Umgebung an dem, dass ein Kind in bestimmten Situationen, oder auch ein erwachsener Mensch mit, in der klassischen Formulierung mit Behinderung, dass er einfach Erschwernissen oder Herausforderungen gegenübersteht, die vielleicht nicht sein müssten.
- 18:10Also du sagst, dass Paul Moor, also für seine Zeit, ja relativ fortschrittlich war, mit seinem Gedanken und auch mit seiner
- 18:20Kritik vielleicht gegenüber dem Umfeld oder auch, darauf hinzuweisen, ja guck doch mal auch das Umfeld an, ich gehe noch mal zur Personenzentrierung zurück
- 18:30jetzt ist ja anscheinend Paul Moor hier unser zweiter Gast und Sandra Palfi-Springer vielleicht kannst du mal in seinen,
- 18:40in seiner Vertretung antworten.
- 18:44Was du gerade beschrieben hast, der Anruf des Lebens oder das Leben stellt die Fragen und wir dürfen uns dazu positionieren, dürfen einer Haltung dazu einnehmen gerade Menschen mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung, wie stehe ich dazu,
- 18:58wie kann ich das annehmen akzeptieren und so weiter. Was würde denn Paul Moor oder eben Sandra Palfi-Springer sagen:
- 19:06Zielgruppe der Heilpädagogik sind ja auch Menschen mit einer sogenannten schweren Mehrfachbehinderung.
- 19:13Und diese Fragen, wie positioniere ich mich zum Leben, wie kann ich
- 19:22die Resilienz vielleicht entwickeln - jetzt bringe ich mal einen anderen Begriff rein - um mit dieser Herausforderung umzugehen und so weiter und so fort.
- 19:29Das sind ja sehr philosophische Fragen, die auch ein bestimmtes Level an kognitiven Fähigkeiten erfordern.
- 19:38Wie sieht es mit den Menschen aus, gibt's da auch, ist da Paul Moor drauf eingegangen, oder hast du dir da mal Gedanken gemacht?
- 19:46Also, kleine Kritik an Paul Moor,
- 19:51Paul Moor hat tatsächlich auch die geistigen Fähigkeiten schon auch sehr hoch gehalten und hat in Halt-Schwächen einfach auch sowas wie eine geistige Dürftigkeit formuliert, und das ist
- 20:04unglaublich schwierig, und auch für mich
- 20:08eigentlich unaushaltbar, nämlich gerade Menschen mit geistiger und und komplexer Behinderung hier quasi ein Fragezeichen zu setzen, was diese Auseinandersetzung angeht
- 20:21also das mal in Richtung Paul Moor auch eine eine wirklich eine große Kritik.
- 20:27Um die Frage aber jetzt aus meiner Sicht zu beantworten auf dem Hintergrund von Moor, da erlebe ich bei Menschen mit komplexen Behinderungen
- 20:38durch ihre Art das Leben zu gestalten
- 20:41eigentlich auch eine ein ganz ganz hohes Maß an Antwort auf die Fragen des Lebens und ich möchte es gerne in einem Beispiel deutlich machen.
- 20:53Ich habe lange Zeit mit einem einem jungen Mann gearbeitet,
- 20:59hoch tetraspastisch, mit Sonde, über die Sonde ernährt quasi.
- 21:07permanent auf Hilfe und Fürsorge angewiesen. Er konnte in guten Tagen mal mal die Hand ein bisschen lösen aber meistens war das, war das einfach
- 21:18nicht möglich, er war immer angewiesen auf jemanden, und ich habe aber über ihn einfach auch so so
- 21:25Dinge schätzen gelernt wie z.B. des Lichts ich fand es immer eine eine ganz faszinierende Sache
- 21:33als uns irgendwann mal aufgegangen ist, dass, wenn wir sein Rollo im Zimmer nicht geschlossen haben morgens, und die Sonne aufging und die schien so an sein Bett und die hat ihn irgendwie gekitzelt, also ich meine die Sonne so in die Nase, und er hat in die Nase immer gerümpft, und es war für ihn ein ein Moment
- 21:52tiefster Freude von der Sonne geweckt zu werden.
- 21:57Und wenn ich manchmal an mich selber denk, wie ich morgens vielleicht nicht so leicht aufstehe, dann fällt mir dieser junge Mann immer wieder ein, wo ich denk, diese Freude, diese Freude am Erleben, da kitzelt mich die Sonne morgens wach, war was, was mich tief berührt hat, und wo ich für mich gedacht hab,
- 22:14ja, das ist - in dem Fall -
- 22:17seine Form der Antwort wirklich auch sein Leben zu gestalten, auch wenn viele andere Dinge sicherlich für ihn nicht
- 22:26so waren, wie wir es uns gewünscht haben. Also ich will hier überhaupt nichts idealisieren, um Gottes Willen, aber das sind so die Momente und das sind für mich Antwort-Momente.
- 22:36Das finde ich ein sehr schön anschauliches Beispiel und das bringt mich zu etwas, was du ja auch schon erwähnt hast vorhin Sandra,
- 22:46mit dem Hinweis auf die eine Veröffentlichung der Kinderfehler und, Schrägstrich, der Erziehungsfehler,
- 22:52weil der Blick wird ja da sehr deutlich auf uns als in der Situation Handelnde gerichtet
- 22:56und du hast ja auch schon von der Ergriffenheit als eine Vokabel, die beim Moor sehr zentral ist, gesprochen und diese Ergriffenheit des Herzens,
- 23:04mit der er ja in unterschiedlichen Veröffentlichungen arbeitet,
- 23:09ist ja etwas was offensichtlich vielleicht heute so nicht mehr genannt wird, aber du hast ja eingangs auch schon gesagt,
- 23:16es macht ja den Eindruck als sei Paul Moor tatsächlich sehr aktuell, und im Vorgespräch hast Du erwähnt, vielleicht ja sogar aktueller denn je, mit einer Orientierung an Sinn und an Personalität.
- 23:29Wenn wir jetzt auf uns als Handelnde schauen
- 23:33und ebenso dieser Frage, wie können wir denn auch Menschen mit sogenannten komplexen oder schweren mehrfachen Beeinträchtigungen, Behinderungen
- 23:44eine Unterstützung einer Assistenz zuteil werden lassen, was würdest du denn sagen, was so
- 23:51für das Wesen der in der Heilpädagogik Tätigen etwas wie ein Kernmerkmal ist?
- 23:59Oder gibt es so etwas nicht?
- 24:06Also ich verwehre mich dieses Kernmerkmal jetzt auf die die Profession der Heilpädagogik zu fokussieren, aber ich würde es gern als Kernmerkmal,
- 24:18derer beschreiben, die in diesen Settings arbeiten, also ich würde gerne loslösen von der Profession, ich nenne das jetzt
- 24:27ich nenne es jetzt mal Schwingungsfähigkeit.
- 24:30Es ist für mich diese Fähigkeit, mich tatsächlich auf den anderen einzulassen, gerade auch bei Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen Behinderungen, wo jetzt die klassische Form der Kommunikation zum Beispiel nicht möglich ist,
- 24:46da ist dieser Mensch angewiesen auf
- 24:50ein Gegenüber, das sensibel ist und das versucht, wirklich wahrzunehmen und zu erkennen, was ist sein Anliegen gerade was ist das was er braucht,
- 25:01wohlwissend, dass wir da uns natürlich immer nur in einem Annäherungsprozess befinden, wir können den anderen nie ganz erfassen, aber wir können uns auf den anderen einlassen und spüren in dieser Resonanz
- 25:16letztlich, was wir ihm anbieten
- 25:18können und auch dann müssen wir eben, na wir müssen dranbleiben um zu schauen, ist das was ich mir jetzt erdacht habe oder was ich gemeint habe erspürt zu haben, ist es jetzt tatsächlich das eben in der in der in der Rück-
- 25:31Kopplung durch den anderen, und das setzt eben
- 25:34dieses hohe Maß an Beziehung voraus, das für mich für die Heilpädagogik und wie der heilpädagogische Arbeit, also losgelöst von der Profession, aber für diese heilpädagogische Arbeit was ganz Zentrales ist. Es geht um Beziehungen Beziehungsgestaltung.
- 25:49Da würde ich gerne direkt noch mal einhaken und ich hoffe ihr erinnert mich da dran weil jetzt ist z.b. der Begriff der Profession und auch der Disziplinen genannt, die sollten wir auch noch mal klären für unsere Zuhörenden, aber wenn du jetzt
- 26:05sagst, du möchtest ungerne da an so einen professionellen oder professions-
- 26:11bezogenen Charakter denken, gibt es denn etwas, du hast ja so ein Stückchen, habe ich zumindest rausgehört - und korrigiere mich wenn ich das falsch gehört habe - so ein bisschen von so etwas wie im Auftrag geschrieben, gibt es Aufträge, die du für die Heilpädagogik benennen kannst?
- 26:25Was sind die Aufträge, mit denen wir in unsere
- 26:30ich nenne das immer mit den Menschen leben und arbeiten, und bewusst zuerst Leben und dann arbeiten, gibt es da etwas was wir
- 26:39mitnehmen als
- 26:41Auftrag der Heilpädagogik?
- 26:51Wenn ich im Kontakt bin, und da bin ich auch nicht eben jetzt als die Heilpädagogin da oder der Heilpädagoge, sondern da bin ich als Mensch da und da interessiert das andere
- 27:02mein Gegenüber nicht. Es ist dieses ich bin da und Teile Leben und arbeite mit dir, das ist so das eine, und das
- 27:10andere ist auch, dass, ich meine Kröske hat das auch mal formuliert, also auch im gewissen Sinne eine Anwaltschaft zu haben,
- 27:19aber, und da werden manche Zuhörer, und gerade auch die, die vielleicht auch hier politisch orientiert gerade auch im Rahmen der Heilpädagogik unterwegs sind, da gehen schon Alarmleuchten an, es geht mir hier nicht drum in einer paternalistischen Anwaltschaft, ja also im Sinne von ich weiß was gut für dich ist, nee überhaupt
- 27:38nicht, aber ich stelle mich zur Verfügung,
- 27:41wahrzunehmen oder mich zu bemühen wahrzunehmen, was ist gerade dein Thema, was brauchst du, und das unter Umständen in Sprache zu übersetzen für die Menschen, die eben nicht in diesem Kontakt
- 27:54zu dir sind, aber da fokussieren wir uns gerade wirklich auch auf Menschen, die das nicht selber in Sprache bringen, ganz spannend und es wäre ein
- 28:04anderes Klientel, sind die einfach auch Menschen, die das durchaus selber in Sprache bringen, und da auch wirklich unterstützend tätig zu sein, dass sie auch gehört werden mit dem, was sie in Sprache bringen.
- 28:17Jetzt habe ich gleich zwei Fragen, ich hoffe,
- 28:22ich platziere sie mal und dann kannst du entscheiden wann du welche du zuerst beantworten willst. Das was du zuletzt gesagt hast, beschäftigt sich ein bisschen mit
- 28:33wer sind eigentlich wer ist eigentlich die Zielgruppe oder die Zielgruppen der Heilpädagogik, da haben wir auch eine ganz ganz
- 28:41diverse Bandbreite, vielleicht magst du da vielleicht auch aus deiner eigenen beruflichen Biografie heraus erzählen, mit welchen
- 28:48Zielgruppen Du schon zu tun hattest und vielleicht noch welche Handlungsfelder da bedient werden in der Heilpädagogik dass ist das eine vielleicht,
- 28:56das als zweites, und die erste Frage hat eher mit dem Anfang zu tun, du sagst, als Heilpädagogin bin ich als Mensch da,
- 29:05bin total präsent, teile das Leben.
- 29:10Ich habe, Philipp, Profession und Disziplin nicht vergessen, ich möchte aber auf das Wort Professionalität eingehen, was macht dann unsere Professionalität aus, wenn wir
- 29:19in unserem Beruf aber als kompletter Mensch in die Beziehung gehen,
- 29:24mit unserem Klientel, wo ist da die professionelle Abgrenzung oder braucht es die oder brauchen wir sie nicht?
- 29:34Da würde ich dich jetzt bitten, merk du dir mal kurz die ist das Zweite, ich gehe ganz kurz drauf auf das erste ein, das geht vielleicht etwas schneller.
- 29:44Eine weitere Faszination der Heilpädagogik ist, wie du gesagt hast, dieses unglaublich breite und diverse Feld des Klientels, mit dem wir
- 29:52zun tun haben, das reicht über den den frühkindlichen Bereich z.B. im Rahmen von Frühförderung oder auch von früher Begleitung, von Eltern über die Arbeit in
- 30:05Kindertagesstätten, in der Schule, in der schulischen Begleitung, manche Kollegen sind auch tatsächlich im schulischen Zusammenhang als Lehrer tätig oder Lehrerinnen,
- 30:17bis über die Begleitung von Jugendlichen, von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen, die ihr Leben
- 30:27in einer ganz eigenen Form Leben, sei es in ambulanten Unterstützungen oder auch wirklich in der Assistenz
- 30:34in einer Komplex-Einrichtung, um jetzt mal das ganz andere Extrem zu nehmen.
- 30:39Und wir haben zunehmend auch Kolleginnen und Kollegen, die wirklich auch im Bereich der Geragogik unterwegs sind, wobei hier die Heilpädagogik
- 30:47noch eine sehr geringe oder ne sehr kleine Rolle spielt.
- 30:51Ganz spannend finde ich den Einsatz von heilpädagogisch Tätigen im Bereich der Hospiz-Arbeit,das ist was da
- 30:59erlebe ich gerade so das Hineinwachsen einer Kollegin und das finde ich unglaublich spannend, weil sich für mich da auch wieder so ein Kreis schließt, ja wirklich, Heilpädagogik ist letztlich über die gesamte Lebensspanne.
- 31:11tätig oder kann tätig sein.
- 31:16Und die Tätigkeiten dort, die Heilpädagogik ist ja immer wieder auch mit ihren Ansätzen therapienah unterwegs, und in je nachdem, in welchem Tätigkeitsfeldern man unterwegs ist,
- 31:28ist da die Nähe größer oder kleiner, also in in in klassischen Frühförder-Bereichen
- 31:36ist durchaus auch das therapeutische Denken und auch das Förder-Denken, so nenn ich es jetzt einfach mal, auch noch stärker im Blickpunkt, während jetzt auf der anderen Seite, z.B.
- 31:48in der Assistenz von, in der Wohnassistenz oder in der Arbeitsassistenz der Förder-Aspekt nicht mehr so eine große Rolle einnimmt, sondern wirklich die Frage, wo braucht ein Mensch Unterstützung, dass er sein Leben so leben kann wie er das gerne hätte.
- 32:03Also hier mal, um so diese Breite des Feldes ein bisschen abzugreifen, ich hoffe das reicht jetzt, sonst würde ich dich einfach bitten noch mal
- 32:14nachzufragen danke für diesen Überblick, es zeigt definitiv,
- 32:20wie divers und ich bin mir sicher, das war noch nicht alles, - ganz sicher nicht - , was Dir jetzt schnell auf die Schnelle eingefallen ist und da gibt's sicher mehr, aber das ist definitiv erstmal genug.
- 32:32Deine zweite Frage, die Frage, jetzt sage ich mal,
- 32:39Leben teilen versus Profession und da bringe ich jetzt mal noch eine Begrifflichkeiten rein, nämlich auch professionelle Distanz, die da immer wieder ein Thema spielt,
- 32:50das ist für mich schon auch ein Spannungsfeld. Das ist ein Spannungsfeld, weil
- 32:55es ist mein Beruf, ja, und mein Beruf endet einfach auch
- 33:02nach meiner Tätigkeit, nach acht Stunden, nach zehn Stunden, manchmal auch ein bisschen mehr vielleicht, genau und da habe ich natürlich auch die Möglichkeit, mich tatsächlich im Rahmen meines Berufes auch rauszuziehen aus einem Setting,
- 33:16ja also ich verlasse die Wohngruppe, ich verlasse diesen diesen Menschen, für den ich vielleicht gerade auch ein Stück weit
- 33:24Assistenz bin und gleichzeitig weiß ich von mir selber wie schwierig das aber ist.
- 33:33Ich ich kann
- 33:34diesen Beruf nicht wie eine Akte auf meinem Tisch liegen lassen. Sondern es sind eben Menschen, die nehme ich mit, die nehme ich mit nach Hause, da merke ich auch, die Situation in der sie gerade sind, die die beschäftigt mich auch
- 33:50und da ist es immer wieder auch eine Herausforderung, tatsächlich auch gut in die Distanz gehen zu können, um nicht quasi ganz assoziiert auch in Problemstellungen mit rein
- 34:05zu kommen und dann nicht mehr professionell handeln zu können und gleichzeitig weiß ich aber auch, dass dieses
- 34:14assoziierte Teilhaben eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir professionell handeln können. Die Kunst ist auch hier, wirklich schwingungsfähig zu bleiben und eben in einer,
- 34:25in einem hohen Maß auch ein Reflexion zu spüren, was ist das denn gerade und deshalb ist es,
- 34:32Phillip lass mich ganz kurz in Gedanken bitte zu Ende sprechen, wenn das geht, deshalb ist es für mich so zentral wichtig, dass wir als Heilpädagoginnen
- 34:39oder als heilpädagogisch Tätige wirklich auch eingebunden sind in ein kollegiales Feld und dann nicht allein unterwegs sind, dass wir hier wirklich auch
- 34:47gut ein Korrektiv haben von Kollegen und auch in der interdisziplinären,
- 34:55ja, im Interdisziplinären Unterwegssein, weil gerade auch diese unterschiedlichen Blicke
- 35:03uns helfen, unsere eigene Professionalität immer wieder für uns
- 35:09glaube ich auch täglich neu ab zu klopfen, also auch das ist für mich, um Moos Begrifflichkeit zu bedienen, immer wieder auch ein Anruf wo es drum geht, meine eigene Antwort zu formulieren und die ist nicht jeden Tag gleich,
- 35:23und auch das ist für mich Professionalität.
- 35:27Ich wollte dich damit gar nicht aus der Reihe bringen oder gar unterbrechen, das war lediglich ein Zeichen an Rihab, dass ich gerne mich einklinken würde mit einer Anschlussfrage,
- 35:38und zwar hast du ja jetzt auf der einen Seite
- 35:43dieses Spiel zwischen einer Nähe und einer Distanz als ein Spannungsfeld gekennzeichnet und du hast aber auch so etwas wie von Interdisziplinarität
- 35:55redend eingeführt und ich würde jetzt gerne fragen, ob
- 35:59du aus deiner Expertise heraus uns die Frage beantworten kannst, mit welchen Referenz-Disziplinen wir es zu tun haben in der Heilpädagogik oder welche anderen
- 36:12Formen für dich da sehr zentral in einem gelingenden Assistieren, Unterstützen oder Fördern relevant sind.
- 36:22Gerne ich würde bevor ich deine Frage beantworte gerne einen Schritt zurückgehen, weil ich finde,
- 36:28dass die Heilpädagogik an sich in ihrem Denken eigentlich schon sehr interdisziplinär unterwegs ist.
- 36:36Es gibt nicht die Heilpädagogik, und das was ich von euch vorhin auch gehört habe über über eure Ausrichtung dieses Podcast,
- 36:46da ist es euch ja auch ein Anliegen, tatsächlich diese ganz
- 36:49unterschiedlichen Facetten der Heilpädagogik wirklich auch zu beleuchten und das ist das was ich unglaublich spannend finde an unserer Disziplin Heilpädagogik die an sich eine Teildisziplin der allgemeinen Pädagogik ist, aber sich eben aus ganz unterschiedlichen anderen Disziplinen auch speist, und je nachdem
- 37:12und das sage ich jetzt mal je nachdem auch nach eigener Fasson, haben wir natürlich unterschiedliche Referenz-Disziplinen, ich möchte einmal die Verbindung auch zu Medizin hernehmen, die eigentlich
- 37:27die ganz sage ich mal die ganz klassiche
- 37:30der Heilpädagogik war, also wenn wir in die Ursprünge der Heilpädagogik zurückgehen, bei Georgens und Deinhardt, da war die Heilpädagogik eigentlich eine Disziplin, die auch aus der Medizin und aus der Psychiatrie entwachsen ist,
- 37:44nämlich aus dem Gedanken heraus es gibt Menschen da haben wir medizinisch alles getan und trotzdem haben sie noch einen Bedarf, den wir aber Medizin ist nicht mehr decken können,
- 37:56und da war so die Idee, boa, wenn wir da nur in
- 37:59einem pädagogischen, heilpädagogischen Engagement gut genug sind, dann findet sowas wie
- 38:09"Heilung", ich setze es jetzt in Anführungszeiche, ich sag's auch noch mal für die Zuhörer, in Anführungszeichen, findet das tatsächlich auch statt
- 38:18und das ist was, von dem hat sich die die Heilpädagogik als Disziplin entfernt, und auch da war Moor ganz maßgeblich daran beteiligt indem er gesagt hat, Heilpädagogik ist Pädagogik
- 38:30und nichts anderes und vielleicht müssen wir uns oder wollen wir uns nachher auch noch mal in diesem diese Begrifflichkeit des Heils auch noch mal kurz
- 38:38oder da den Blick drauf werfen, weil das finde ich schon sehr spannend, aber das ist so die Grundrichtung, in der sich die Heilpädagogik entwickelt hat und heute sehen wir einfach, dass wir ohne
- 38:50Referenz-Disziplinen wie die Psychologie, die allgemeine Pädagogik, aber auch auch die die Soziologie oder alle Kulturwissenschaften, die wir da haben, eigentlich gar nicht mehr auskommen
- 39:03können, weil die Heilpädagogik
- 39:06eben auch wieder in diesen beiden Blickrichtungen unterwegs ist, und da ist auf der einen Seite das Individuelle,
- 39:14auch wenn es z.B. um Beeinträchtigungen und die Frage geht, wie kann man denn individuelle
- 39:20Beeinträchtigungen auch abmildern, was gibt's auch hier für therapeutische oder für Förderansätze.
- 39:27Und das ist eine andere Ausrichtung wie jetzt das, wenn wir uns wirklich die Frage stellen, wo müssen wir auch auf gesellschaftlicher Ebene
- 39:35wirklich weiter arbeiten, das eben auch Teilhabe für alle marginalisierten Gruppen
- 39:41möglich ist, und da würde ich das auch gerne wirklich auch erweitern über das Feld von Menschen mit sogenannten Beeinträchtigungen oder Behinderungen hinaus, weil auch da die Heilpädagogik sicherlich mehr und mehr auch ihren Auftrag hat.
- 39:56Also in Ergänzung dazu vielleicht noch ganz kurz,
- 40:02was aus meiner Perspektive noch sehr wichtig ist als eine oder als mehrere Grenzwissenschaften, ohne die wir letztendlich nicht das,
- 40:12was du über Paul Moor heute hier einbringst, leisten können, wäre z.B. auch die Ethik, die Philosophie, das Recht, ganz ganz ganz wichtige Disziplinen die uns in Anführungsstrichen dabei helfen,
- 40:26z.B. solche herausfordernden Dinge wie die Nähe und Distanz, Haltungsfragen, Beziehungsfragen, die Frage nach dem anderen dem Gegenüber,
- 40:37zu erörtern und dann tatsächlich, das hat mir sehr sehr gut gefallen wie du das dargestellt hast, im Sinne der Professionalität,
- 40:45in jeder Situation aufs Neue wieder zu eruieren ob das noch so ist, wie es beim letzten Mal war,
- 40:53und das immer wieder neu zu erarbeiten, also das als ein Teil von Professionalität.
- 40:59Ja und vielleicht können wir da auch deine Frage von vorhin noch mal anschließen, nämlich die Frage nach der Disziplin und der Profession.
- 41:09Die Disziplin, also ich weiß jetzt nicht ob ich es wirklich umfassend jetzt so darstellen kann, aber die Disziplin in
- 41:18diesem Verständnis ist ja hier wirklich auch eine, also für mich auch eine wissenschaftliche Ausrichtung, eine wissenschaftliche Klärung, die auch eine ganz klare wissenschaftliche Basis hat, und da kommen wir an ein ganz spannendes Thema, nämlich
- 41:33der Verknüpfung und manchmal auch der Diskrepanz zwischen der Theorie auf der einen Seite,
- 41:38Disziplin, und der Praxis auf der anderen Seite. Und Profession ist für mich letztlich auch dieser Integrationsprozess von
- 41:50disziplinärem Wissen also, auch theoriegeleitetem Verständnis und der
- 41:57praktischen Umsetzung der Handlungs-, also der Umsetzung auf einer auf einer individuellen Handlungsebene und das
- 42:05Spannende der Heilpädagogik, wenn wir es jetzt mal unter disziplinären Gesichtspunkten anschauen, ist ja schon allein, dass das die Heilpädagogik
- 42:14eine, also wenn wir sie als Profession verstehen, aber in disziplinären Zusammenhang stellen, dann haben wir da eine Ausbildungs-Ebene
- 42:22auf der Ebene der staatlichen Anerkennung, wir haben eine Möglichkeit des Studiums als Handlungswissenschaft, also an den FHs, also an den Fachhochschulen oder in den Hochschulen,
- 42:34und wir haben aber auch die Möglichkeit, die Heilpädagogik an der Universität zu
- 42:39studieren, und da sind schon nochmal unterschiedliche Schwerpunkte auch grundgelegt, und das ist das, was das Disziplinäre ausmacht und auch diese, ich nenne es jetzt einfach auch mal
- 42:50disziplinäre Diversität, der ihr ja auch mit eurem Podcast ein Stück weit nachgeht, und das
- 42:57Spannende für mich persönlich ist einfach das, was mache ich persönlich als heilpädagogisch Tätige
- 43:05mit diesem Wissen, mit dieser Auseinandersetzung, mit dieser Grundlegung und auch mit einer, ich nenne es jetzt mal disziplinären Diskrepanz, die wir haben, also dem, dass da auch ganz unterschiedliche
- 43:19Blickpunkte da sind, die sich im Zweifelsfall auch nicht auf einen Nenner bringen lassen, sondern die genau auch dieses Spannungsfeld
- 43:27darlegen und dann möchte ich jetzt gerne Paul Moor wieder bedienen, der einfach auch sagt, ich komme nicht umhin, der einfach auch sagt, es gibt nichts Praktischeres
- 43:39für den heilpädagogisch Tätigen als eine gute Theorie und das ist eben immer wieder die Frage: wie handele ich.
- 43:48Wenn ich diese Theorie glaube, was heißt es denn für mich persönlich,
- 43:53in dieser aktuellen Situation mit diesem individuellen Gegenüber in unserer Beziehung, also in ganz vielen feinen Nuancen,
- 44:05wunderschön wunderschön,
- 44:08ja ich würde sagen, ich leute jetzt tatsächlich die letzte inhaltliche Frage dieser Art ein, die knüpft aber wunderbar auch an das Zitat jetzt von Paul Moor an:
- 44:20Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie, das muss ich mir merken,
- 44:26und ich möchte auch eingehen auf den Begriff "Heil", das hast du ja kurz angeteasert und ich würde sagen, dass, die Zeit nehmen wir uns noch das
- 44:36du das kurz aus deiner Sicht erläuterst, vielleicht eben als schöne Abschluss-Frage,
- 44:43ich könnte jetzt fragen welche Menschenbilder prägen die Heilpädagogik, aber das glaube ich können wir noch mal eine Stunde sitzen, deswegen frage ich, welches Menschenbild prägt dich ganz besonders in deiner Tätigkeit
- 44:54als Heilpädagogin und wie stellst du da den Zusammenhang zu diesem "Heil" in der Heilpädagogik her?
- 45:02Also wenn man,
- 45:05wenn wir in die reichhaltige Bibliothek der Heilpädagogik schauen, dann sind das sicherlich zwei Begriffe, die
- 45:13sehr sehr sehr kontrovers diskutiert wurden und zwar über die gesamte Zeit der Heilpädagogik hinweg. Also die Frage nach dem "Heil" in
- 45:22der Heilpädagogik und der Frage nach dem
- 45:25also, ich sage wieder in Anführungszeichen, dem Menschenbild der Heilpädagogik, für das Menschenbild würde ich sagen, dass das
- 45:34gibt es nicht und das kann es auch nicht geben.
- 45:39Es gibt aber für mich und für mich ganz persönlich und ich glaube auch für die für die Profession einfach bestimmte bestimmte Grundlagen, die das heil-
- 45:49pädagogische Menschenbild,
- 45:51das es eigentlich gar nicht gibt, aber dieses Menschenbild ist unsere Arbeit trägt, die das wirklich kennzeichnen und da würde ich gerne auch Hermelin wirklich auch noch mal in den Blick führen, der mit seiner wertgeleiteten Heilpädagogik gesagt hat, okay, das sind die Werte die Gleichheit der Menschen und diese Unveräußerlich-
- 46:09barkeit des menschlichen Lebens. Jedes Leben
- 46:13trägt seine eigene Würde und die müssen wir unbedingt achten, das sind die Grundlagen der Heilpädagogik, aber das sind nicht nur die der Heilpädagogik, sondern das ist das dass wir uns einfach auch im Grundgesetz verankert ist, und das ist was, was wir uns vielleicht auch
- 46:28für die Menschen mit denen wir zu tun haben immer wieder bewusst machen müssen, wir haben es mit einem Menschen und seiner ureigenen Würde zu tun und was
- 46:39gar nicht geht, und das ist was, was wir einfach, jetzt sage ich mal aus dem Umfeld der Heilpädagogik, in der Geschichte einfach,
- 46:46kennenlernen mussten, das sind diese Diskussionen zum lebensunwerten Leben.
- 46:51Und die wurden auch innerhalb der Heilpädagogik geführt, also ich möchte einfach auf Singer verweisen oder ähnliche, die wirklich diese Frage gestellt haben und das ist für mich ein Thema, also das muss
- 47:03jedes individuelle Bild
- 47:05dass wir haben von Menschen, auf diesen auf diesem auf diesen Grundlagen muss es fußen, jeder Mensch,
- 47:14hat eine eine bedingungslose Würde und hat bedingungslos Achtung des anderen verdient und er hat aber auch
- 47:24Bedingungslos,
- 47:26Achtung verdient im Sinne dessen, dass er selbstbestimmt über sein Leben und das kann jeder, auch ein Mensch mit komplexer Behinderung ist in der Lage, selbst
- 47:37zu bestimmen. Die Frage ist, gibt es ein Umfeld, das
- 47:42das wahrnimmt, dass diese Ausdrucksweisen der Selbstbestimmung wahrnimmt, und damit ist für mich auch dieser Begriff des "Heils" in der Pädagogik eigentlich ein Auftrag.
- 47:55Ein Auftrag, nähmlich dieses "Heil" im Sinne eines ganzheitlichen Verständnis, und dass du schon der nächste Begriff, der in der Heilpädagogik unglaublich kontrovers diskutiert wird, weil auch hier letztlich, es ist immer ein Bemühen um.
- 48:10Es ist ein Bemühen um
- 48:13den anderen in seiner Ganzheit, wohlwissend, dass ich die nie umfassen werde, aber es ist ein Bemühen um dem Ganzen,
- 48:22in seiner Ganzheit hier einfach auch mich zu Verfügung zu stellen.
- 48:28Und in diesem, was zwischen uns entsteht, dieser dieser Raum zwischen uns, in dem passiert das, was wir vielleicht auch,
- 48:38und jetzt setze ich ganz hoch an, heilende Beziehung meint, nämlich Beziehung im Sinne von da gibt es jemand der sich ernsthaft um mich bemüht.
- 48:47Dem es wichtig ist, mich in all meinen Facetten,
- 48:50wirklich ich auch wahrzunehmen, wohlwissend dass er das nicht schafft, das ist ja das, was wir auch in ganz normalen Partnerschaften, das ist dieser Wunsch dieses idealen Lebenspartners.
- 49:00Und wir alles glaube ich sind irgendwann ist zum Leben auf diesen Moment gekommen wo wir gemerkt haben, das wird so nicht zu funktionieren.
- 49:11Also eher im
- 49:12weiß nicht ob es euch auch so geht, aber ich merke manchmal, ich umfasse mich ja selber nicht in meiner Ganzheit und es gibt immer wieder Facetten, die mich überraschen an mir selber wo ich denk, echt, dass auch noch? Das kenne ich gar nicht an mir. Und das haben wir im Zusammenspiel auch und deshalb ist auch dieser Begriff des Heiles im Sinne eines
- 49:32eines Ganzheitlichen ein Auftrag, dem wir nie
- 49:36gerecht werden können, aber der für uns einfach auch so eine so ein Wegzeiger sein kann ich möchte mich dem Ganzen
- 49:45und dem Ganzen des anderen wirklich auch wieder zur Verfügung stellen da sind wir wieder bei diesem Begriff,
- 49:50in aller Professionalität und mit allen Abgrenzungen die es einfach auch braucht, dass ich auch ganz bei mir bleiben kann.
- 49:57Wohlwissend, dass wir es nie erreichen werden, aber es ist
- 50:03der Aufruf, der vielleicht an uns ergeht, aus dem anderen und das sind wir auch wieder, ja,
- 50:10bei bei einem Ansatz, den wir gerade in der Heilpädagogik und den die auch Kollegen ja wirklich auch sehr sehr stark auch gerade herausarbeiten, wirklich auch diese diese Anfrage die vom anderen ausgeht.
- 50:24Also indem dass der Mensch mich anfrägt.
- 50:28Also nicht nur das Leben so wie es Moor dargestellt hat, sondern eben auch der andere, und es liegt an mir zu antworten und da einfach in einen
- 50:36reziproken Prozess der Beziehung einzutreten. Ja sehr spannend vielen Dank, ich würde gerne noch einen Aspekt,
- 50:43noch mehr herausstellen und einen anderen kurz noch einrahmen, also einmal zu der Debatte um Singer, ich glaube dass auch, wenn wir das jetzt nicht weiter behandeln können, aber dass das etwas ist, was uns
- 50:56und ich bin inhaltlich praktisch auf der entgegengesetzten Position, die Singer vertritt, aber ich glaube, dass diese Debatte
- 51:06auch hilfreich, in einer hilfreichen Art und Weise für die Heilpädagogik genutzt werden kann, also dass wir nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen um Gottes Willen, wie kann er denn sowas denken, sondern dass wir das auch für uns nutzen können,
- 51:21um stärker in unserer Argumentation zu werden.
- 51:24Und das andere ist, jetzt hast du ja gerade gesagt, Sandra, das ist irgendwie schwierig ist so etwas wie ein Menschenbild, und natürlich gibt's nicht dieses eine, aber ich finde du hast schon,
- 51:32wenn wir es jetzt mal an bestimmten Begrifflichkeiten die du benutzt hast, fest machen würden,
- 51:38das, also Selbstbestimmung offensichtlich sehr zentral ist wenn wir auf die Menschen gucken, und der Würdebegriff, also die Anerkennung des anderen, und das ist ja das was du gerade auch zum Ende noch mal angesprochen hast mit diesen
- 51:50vermeintlich oder hoffentlich immer reziproken Verhältnis was wir annehmen, wenn wir auch an diese Menschen
- 51:58denken, über die vorhin schon gesprochen haben, die wir als vermeintlich schwerstmehrfach oder komplex behinderte Menschen bezeichnen, dass es also tatsächlich immer darum geht,
- 52:08ja, in einer anerkennenden,
- 52:14würdevollen Art und Weise miteinander in den Austausch zu gehen und Selbstbestimmung auch z.B. in einer differenzierten Art und Weise zu verstehen.
- 52:24Also Selbstbestimmung wird ja häufig gleichgesetzt mit so etwas wie einer Handlungsautonomie und das ist natürlich total verkürzt, denn wir können, und da helfen uns
- 52:33aus meiner Sicht auch viel diese Referenz-Disziplinen die wir thematisiert haben, wir können ja aus der heilpädagogischen Perspektive nach meiner Lesart sehr gut zwischen so etwas wie einer Entscheidungs-
- 52:45und eine Handlungsautonomie differenzieren und ne Entscheidungs-Autonomie kann sehr wohl dazu beitragen, auch wenn ich die Handlung nicht selber ausführen kann, dass ich selbstbestimmt mein Leben führe.
- 52:56Also ganz viele tolle Aspekte die du noch mal herausgestellt hast, die das Bild der Menschen formen, mit denen wir arbeiten
- 53:05und leben. Das möchte ich möchte unbedingt unterstreichen, was du gerade auch noch mal erwähnt hast, und noch einen Aspekt, um das abzurunden vielleicht auch noch dazu fügen, dass wir da auch,
- 53:18jetzt, von der Profession gesprochen, auch sehr sehr milde mit uns sind und uns wirklich auch Grenzen einfach auch
- 53:28anerkennen und achten und aber auch nicht davon aufhalten lassen, aber auch hier wirklich immer wieder in der Situation zu sehen, dass
- 53:37auch wir begrenzt sind in unseren Möglichkeiten, dass die Situationen begrenzt sind und das einfach auch
- 53:44zu achten und auch anzunehmen und zu schauen okay, was mache ich denn jetzt damit, um uns auch im Sinne der Professionalität wirklich auch vor einem Ausbrennen wirklich auch zu schützen, um nicht in den Kampfmodus zu verfallen und hier,
- 54:00ja wirklich auch auch letztendlich uns selber und auch unser Gegenüber zu überfordern indem, dass es
- 54:08irgendwo fundamentalistische Züge annimmt, also das ist was mir gerade auch im Zusammenhang mit der Inklusionsdebatte, also wo ich immer wieder merke oh, das macht mir Bauchgrummeln, wenn ich merke, dass da Menschen oder Systeme sich wirklich auch in eine persönliche Überforderung
- 54:24bringen, also da auch sehr achtsam mit uns selbst zu sein.
- 54:30Sandra für mich ist es ein Genuss dir zuzuhören, also ich könnte mit euch beiden glaube ich noch weitere 2 Stunden debattieren, diskutieren und mich austauschen.
- 54:41Wir kommen jetzt zum Abschluss-Part, dir wird wieder eine Aufgabe gestellt,
- 54:51du bekommst 5 Entscheidungsfragen von uns, wo du dich für A oder B entscheiden darfst, ohne große Erläuterung leider
- 55:01genau die Zeit Erläuterung ist gerade vorbei genau aber du hast einen Joker das heißt Du darfst einmal dich dieser A-oder-B-Entscheidung entziehen.
- 55:12Okay! Was braucht die Heilpädagogik mehr: Forschung oder politische Arbeit?
- 55:22Ohoooo ...
- 55:25Joker! Super, sehr gut, das hast du richtig gut gemacht, jetzt ist der Joker weg.
- 55:35Es braucht beides.
- 55:37Und zwar jedes zu seiner Zeit und an jedem Ort, aber ich darf nichts dazu sagen, Tschuldigung. Die nächste A-oder-B-Frage lautet: Förderung oder Therapie?
- 55:50Förderung.
- 55:54Tee oder Kaffee? Kaffee. Auto oder Fahrrad? Fahrrad.
- 56:05Zum Abschluss noch mal bisschen schwieriger: Parteinahme oder Selbstbestimmung?
- 56:13Joker...
- 56:20Selbstbestimmung, und zwar dann, wenn es jemanden gibt, der auch Partei für mich ergreift.
- 56:25Aber grundsätzlich Selbstbestimmung. Ich möchte gerne noch einen letzten hinzufügen Rihab,
- 56:34Menschen mit Behinderung oder behinderte Menschen? Menschen mit Behinderung.
- 56:40Ja jetzt sind wir schon fast am Ende unserer gemeinsamen Zeit angelangt, mit der Bitte um,
- 56:49wenn du das noch in Anspruch nehmen möchtest, Sandra, z.B. auf eine der A-oder-B-Fragen noch mal bisschen mehr einzugehen, aber mit der Bitte um eine relativ kurze Antwort, gibt es noch einen Aspekt der dir
- 57:01im Gespräch oder jetzt über die A-und-B-Fragen zu kurz gekommen ist, der noch ein bisschen Erläuterung braucht oder thematisiert werden soll aus deiner Sicht?
- 57:11Ich
- 57:11würde vielleicht tatsächlich meinen ersten Joker ganz kurz nochmal erläutern, weil ich glaube, die Frage, Forschung oder und ich würd sogar noch aufmachen das Feld Forschung,
- 57:25politisches Engagement und tatsächlich auch konkrete Handlungsimpulse, also auch das Erlernen von,
- 57:34von Methoden, ich glaube wir dürfen das in der Heilpädagogik tatsächlich auch unter dem Dach der Profession vereinen, weil wir es müssen, weil die Fragestellungen
- 57:45der Menschen mit den wir arbeiten zu vielfältig sind, dass wir das nicht mit einem der Bereiche beantworten könnten, sondern es braucht das, und da finde ich das in dieser Disziplin, und zwar in dieser wissenschaftlichen Disziplin, aber auch in dieser Handlungs-
- 58:00Orientierung der Heilpädagogik einfach so bereichernd, dass wir diese unterschiedlichen Ansätze haben, die sich
- 58:07gegenseitig befruchten aber auch gegenseitig begrenzen und begrenzen müssen.
- 58:13Und die Kunst ist für mich wirklich auch, und da sind wir wieder bei Paul Moor,
- 58:19es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie, die Frage ist eben immer wieder, was mache ich als Praktiker auch
- 58:26mit der Forschung und wie wird die Forschung auch so transportiert, dass sie für den Praktiker relevant wird, weil da sehe ich immer noch einen
- 58:35einen großen Bedarf, diese Brücke wirklich gut zuschlagen, und da nehme ich mich nicht aus, indem wir aus Forschungs- Sicht
- 58:44Bücher schreiben, die für den Praktiker mitunter sehr schwer zu lesen sind, da wie gesagt, ich nehme mein eigenes nicht aus.
- 58:51Und ich glaub, das ist auch in Auftrag für uns wirklich auch aus der Forschung heraus so zu sprechen, dass der Praktiker was damit anfangen kann, und dass es für ihn eine Bereicherung wird. Und so verstehe ich auch meinen Auftrag oder einen meiner Aufträge
- 59:05innerhalb der Heilpädagogik. Dankeschön. Bevor wir gleich am Ende sind,
- 59:11hast du noch einen Empfehlung für unsere Zuhörenden? Möchtest du ein Buch, eine Musik, was auch immer unseren Zuhörenden ans Herz legen?
- 59:20Aber natürlich, ich empfehle natürlich, sich mit Paul Moor einfach mal wieder zu beschäftigen und einfach wenn Lust und Zeit da ist, sich ein bisschen auch auf seine Art,
- 59:31und sein Denken einzulassen und zwar unter dem Aspekt, dass er uns selber
- 59:37als Menschen anfrägt und da lade ich einfach jeden heilpädagogischen Tätigen immer wieder ein, sich anfragen zu lassen aus der Literatur heraus, natürlich kann man das auch mit meinem Buch machen oder eben auch mit der Originalliteratur oder mit allen anderen Ansätzen,
- 59:55die uns anfragen und die uns herausfordern, selber Stellung zu beziehen das finde ich einfach was ganz Wunderbares
- 1:00:03für unsere Professionalität und für uns aber auch einfach in unserem persönlichen Wachstum.
- 1:00:10Liebe Sandra Palfi-Springer, ich, wir bedanken uns ganz ganz herzlich für diese sehr bewegenden inspirierenden Gedanken und Worte von dir, leider ist unsere Zeit vorbei.
- 1:00:22Ein herzliches Dankeschön an dich und wenn ihr, liebe Zuhörende, Anregungen, Kritik oder Fragen an uns habt,
- 1:00:30dann schickt diese doch gerne per E-Mail an uns, und zwar an Podcast@bhponline.de, bhponline durchgeschrieben ohne Bindestrich.
- 1:00:42Und wir freuen uns auf das nächste Mal. Bis bald! Vielen Dank und alles Gute euch.
- 1:00:48Music.