Latest / ntv Wirtschaft / „Ölpreis auf 150 Dollar? Dann droht Deutschland der Konjunkturschock“
Transcript
- 0:08Das Leben wird wieder teurer. Der Iran-Krieg schlägt bis auf unsere Rechnungen durch.
- 0:14Im Handel bricht heute eine neue EU-Regel für fast jede Verpackung an.
- 0:20Und auch beim Reisekonzern TUI hat der Krieg im Nahen Osten wirtschaftliche
- 0:24Folgen. Hallo und herzlich willkommen.
- 0:29In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:34die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:39Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:44Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:48geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:59Die Inflation zieht wieder an. Im Juli liegen die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent über dem Vorjahr.
- 1:07Im Juni waren es noch 2,3 Prozent.
- 1:10Der Treiber ist eindeutig die Energie und da vor allem der Sprit.
- 1:15Zwei Dinge kommen zusammen. Der Ölpreis ist wegen des Irankriegs gestiegen und
- 1:20zum 30. Juni ist der staatliche Tankrabatt ausgelaufen.
- 1:24Kraftstoffe verteuern sich dadurch binnen eines Monats um mehr als 11 Prozent.
- 1:30Und der Sprit bleibt teuer, solange der Ölpreis oben bleibt.
- 1:34Wie groß dieses Risiko ist und wie schnell aus hohen Ölpreisen ein echtes Konjunkturproblem
- 1:40werden kann, hat sich unser Börsenreporter Frank Mayer angeschaut.
- 1:44Der Ölpreis klopft schon wieder an der Marke von 90 US-Dollar pro Barrel an,
- 1:49obwohl die Straße von Humus ja angeblich wieder frei wäre.
- 1:53Das weiß sie bloß noch nicht und Donald Trump hat das gesagt,
- 1:56aber der sagt ja viel, wenn der Tag lang ist. Fakt ist, der Ölpreis ist 47%
- 2:01in diesem Jahr gestiegen. Das sieht man nicht nur an der Zapfsäule.
- 2:04Das wird sich auch so peu à peu über die Warenströme in die Portemonnaies der Konsumenten fressen.
- 2:11Wo aber stünde der Benzinpreis, wenn Öl auf 120 Dollar ginge?
- 2:15Bei rund 2,40 Euro. Und bei 150 Dollar?
- 2:20Bei 2,70 Euro. Ölpreise von 100 Dollar sind unangenehm.
- 2:23Ölpreise von 120 Dollar. Über kurze Zeit lässt sich das aushalten.
- 2:28Aber das würde ein Inflationsproblem mit sich bringen. Und bei 150 Dollar wäre
- 2:34das Potenzial für einen Konjunkturschock da.
- 2:37Und dann wäre auch die EZB geschockt, weil mit der Zinskeule kann sie diese
- 2:41Preise nicht klein kriegen. Und Öldrucken kann sie auch nicht.
- 2:45Teurer wird es an der einen Stelle, komplizierter an der anderen.
- 2:49Denn seit heute gilt eine neue EU-Regel, die praktisch jede Verpackung betrifft.
- 2:56Ab heute ist die neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft, kurz PPWR.
- 3:01Sie gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und löst die alte Verpackungsrichtlinie ab.
- 3:07Betroffen ist so gut wie jede Verpackungsart. Der Schuhkarton,
- 3:11das Versandpaket, das Füllmaterial, die Tragetasche.
- 3:15Einiges gilt sofort, etwa strengere Grenzwerte für bestimmte Chemikalien,
- 3:20die sogenannten PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt.
- 3:24Und es gelten neue Definitionen dafür, wer überhaupt als Hersteller einer Verpackung zählt.
- 3:30Zum Beispiel bei den Eigenmarken des Handels.
- 3:33Andere, weitreichendere Vorgaben greifen dagegen erst in den kommenden Jahren.
- 3:39Genau an dieser Umsetzung entzündet sich jetzt Kritik. Der Handelsverband Deutschland
- 3:44beklagt große Verunsicherung.
- 3:46Viele Unternehmen wüssten noch nicht, welche Pflichten sie eigentlich treffen.
- 3:51Gesa Eberl hat mit Stefan Gent gesprochen, dem Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands
- 3:56Deutschland. Warum sieht die Wirtschaft das Ganze kritisch und der Handel läuft trotzdem Sturm?
- 4:01Wir beschäftigen uns sehr lange schon mit diesem Thema in den letzten Jahren
- 4:04und sind grundsätzlich dafür.
- 4:06Also wir stehen hinter den Zielen der neuen Verpackungsrichtlinie in Europa.
- 4:10Die Kommission hat selber das als eine der zehn größten bürokratischen regulatorischen
- 4:14Hürden innerhalb des Binnenmarktes festgestellt, dass wir unterschiedliche Vorgaben
- 4:18bei Verpackungen haben, dass die Kreislaufwirtschaftssysteme nicht überall funktionieren,
- 4:22die Recyclingfähigkeit nicht da ist.
- 4:24Wir sind in Deutschland schon viel, viel weiter als in anderen europäischen Ländern.
- 4:27Das Problem, was wir heute haben, ist, dass man diese Verordnung in Kraft setzt.
- 4:31Die gilt ab heute. Aber es sind viele technische Dinge überhaupt noch nicht klar.
- 4:34Das heißt, diese Richtlinie ist rechtssicher, heute gar nicht umsetzbar für
- 4:38die Unternehmen. Da geht es nicht nur um E-Commerce und Verpackungen im Versandhandel,
- 4:43sondern um vieles mehr. Und das ist unsere Kritik.
- 4:45Man hätte erst diese Dinge technisch klären müssen.
- 4:47Wir haben dafür plädiert, dass man den Inkrafttretenzeitpunkt auf den 1. Januar 27 verschiebt.
- 4:53Das wollte man nicht und jetzt haben wir wirklich ein bürokratisches Desaster.
- 4:57Klingt nach einem großen Haken. Treffen die neuen Regeln vor allem kleine Händler
- 5:02und Online-Shops oder ist das jetzt für alle ein Kraftakt?
- 5:05Es sind alle Händler in der gesamten Breite betroffen und zwar alle,
- 5:08die im Grunde genommen Produkte verkaufen. Der gesamte Lebensmittel-Einzelhandel,
- 5:12Baumärkte, Möbelmärkte, Möbelhäuser und der E-Commerce, der Versandhandel natürlich gleichermaßen.
- 5:18Das Problem inhaltlich liegt einfach daran, dass eben diese technischen Vorschriften
- 5:22noch gar nicht klar sind.
- 5:23Und die Kommission jetzt gerade nochmal FAQs, also entsprechende Fragen und
- 5:27Antworten rausgegeben hat vor einer Woche, die total widersprüchlich sind,
- 5:30die uns vor große Fragen stellen und die Umsetzbarkeit nicht zulassen.
- 5:34Ein Beispiel ist, dass im Grunde genommen Folien, die noch auf einer Rolle sich
- 5:37befindet, also noch gar nicht zu einer Verpackung wurde, bisher nicht als Verpackung eingestuft wurde.
- 5:42Jetzt sagt die Kommission, selbst solche Stretchfolien, die noch auf einer Rolle
- 5:46befindlich sind, sind schon eine Verpackung.
- 5:48Und das führt dann zu der Unklarheit, wer denn die Lizenzgebühren dafür zahlen
- 5:52muss, wer das Ganze anmeldet. Und auch bei Kartons ist es beispielsweise der Fall.
- 5:56Bisher war klar, dass Kartonagen, die noch nicht zu einem Karton gefaltet sind,
- 5:59noch keine Verpackung darstellen. Jetzt sagt die Kommission,
- 6:01das ist schon eine Verpackung.
- 6:03Also es sind viele Details, die absolut noch nicht klar sind.
- 6:06Und wir haben in Deutschland schon ein Verpackungsdurchführungsgesetz.
- 6:09Der Bundesumweltminister Schneider hat mit uns dafür gekämpft,
- 6:12dass man den Zeitpunkt des Inkrafttreten auf den 1. Januar verschiebt.
- 6:15Das wollte die Kommission partout nicht.
- 6:17Und jetzt haben wir wirklich ein Bürokratiemonster. Und das absolute Paradoxe
- 6:21ist, dass die Kommission jetzt selber schreibt an die nationalen Behörden,
- 6:25bitte ahndet das Ganze noch nicht, verfolgt es noch nicht, wartet bitte ein
- 6:28halbes Jahr erst noch ab, bis wir diese Dinge geklärt haben.
- 6:32Das ist wirklich absolut widersinnig, was jetzt gerade stattfindet.
- 6:34Das hat übrigens nichts mit den Zielen dieser Richtlinie zu tun,
- 6:37die wir ausdrücklich unterstützen und auch für richtig halten.
- 6:41Ja, das heißt, da geht es jetzt natürlich, also es klingt erstmal sehr kompliziert
- 6:44und komplex, aber jetzt nochmal nach den Kosten gefragt. Wer trägt denn jetzt
- 6:48dann am Ende die Kosten? Am Ende der Verbraucher?
- 6:50Natürlich ist die Frage, wer trägt die Kosten ganz entscheidend.
- 6:53Wir haben in Deutschland natürlich schon ein Rücknahmesystem bei den Verkaufsverpackungen.
- 6:56Das ist privatwirtschaftlich organisiert. Da müssen Lizenzgebühren bezahlt werden
- 7:00und zwar für denjenigen, der als Erzeuger oder Hersteller dort auftritt.
- 7:03Das ist der Handel oder auch die Industrie, also diejenigen,
- 7:06die quasi Produkte dann in den Verkehr bringen.
- 7:09Daran ändert sich künftig auch nichts. Momentan ist aber nicht ganz klar,
- 7:12ob der Industriehersteller quasi diese Kosten direkt zahlt oder der Händler,
- 7:17oder jemand, der als Dienstleister dazwischen geschaltet ist.
- 7:20Das sind genau die Probleme, die wir haben. Und Sie haben natürlich recht.
- 7:22Letztendlich sind es Kosten, die insgesamt entstehen, die natürlich irgendwo auch bleiben müssen.
- 7:27Das heißt natürlich auch im Gesamtsystem beispielsweise, wenn die Verkaufspreise
- 7:30wieder aufgefangen werden müssen. Und das ist natürlich eine große Herausforderung,
- 7:33gerade in den jetzigen Zeiten in Deutschland, wo wir die Inflation natürlich
- 7:37haben, eine Kaufzurückhaltung da ist und die Konsumstimmung leider wirklich im Keller ist.
- 7:41Insofern eine große Herausforderung von beiden Seiten, sowohl für den Handel
- 7:45als auch für die Verbraucher.
- 7:48Soweit Stefan Gent vom Handelsverband HDE zur neuen EU-Verpackungsverordnung.
- 7:55Von den Sorgen der Händler zu den Sorgen eines Reisekonzerns.
- 7:59Und da sind wir wieder beim Öl.
- 8:02TUI hat heute Zahlen zum Briten-Quartal vorgelegt und die fallen deutlich schwächer aus.
- 8:08Der Umsatz sinkt um 6 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.
- 8:12Der Gewinn bricht sogar um 27 Prozent ein.
- 8:16Der Grund ist derselbe wie beim Sprit. Der Krieg im Nahen Osten,
- 8:19die hohen Ölpreise, verunsicherte Kunden.
- 8:23Die Zahl der Reisenden geht um 3 Prozent zurück auf 9,9 Millionen.
- 8:28Und doch ist das nicht die ganze Geschichte. In den vergangenen vier Wochen
- 8:32ziehen die Buchungen wieder an.
- 8:34Die Menschen verreisen also weiter. Sie buchen nur später und kurzfristiger.
- 8:39Sascha Erdelhoff hat mit dem TUI-Vorstandschef Sebastian Ebel gesprochen.
- 8:44Wenn man in die Welt schaut, dann hat man das Gefühl, dass Spannungen,
- 8:47Kriege, politische Unsicherheiten, aber auch Extremwetter wie Hitzewellen eher
- 8:52zu als abnehmen. Wie gehen Sie als Reisekonzern damit um?
- 8:56Wir haben uns sehr resilient aufgestellt, sonst wäre das auch jetzt nicht so
- 8:59möglich gewesen. Flexibilität ist wirklich ganz, ganz wichtig.
- 9:04Wenn der Kunde nicht in die eine Region möchte, dann ist es wichtig,
- 9:08dass wir ein Angebot in einer anderen Region haben.
- 9:10Das gelingt uns sehr, sehr gut und diese Flexibilität hilft, damit klarzukommen.
- 9:17Die Unsicherheiten führen auch dazu, dass mehr Menschen kurzfristiger buchen.
- 9:21Ist das eine gute Strategie?
- 9:24Für den Kunden, also auch hier dürfen wir als Anbieter damit umgehen.
- 9:30Für den Kunden ist es immer wieder eine Frage. Wir haben ein gutes Kurzfristangebot
- 9:36zum Beispiel in die Türkei.
- 9:38Wenn ich gerne nach Spanien möchte, wird es aktuell sehr, sehr schwierig,
- 9:41weil vieles ausgebucht ist.
- 9:43Das ist immer die Frage vom Geldbeutel und von der persönlichen Präferenz.
- 9:48Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Preise für Flüge und Pauschalreisen
- 9:53im ersten Halbjahr gestiegen.
- 9:55Wann können wir damit rechnen, dass Reisen für uns wieder günstiger wird?
- 10:00Ich sage mal, wenn ich vergleiche die Entwicklung der Preise für Reisen,
- 10:04zum Beispiel mit dem Preis an der Tankstelle oder den Lebensmittelpreisen,
- 10:08dann haben wir hier eigentlich ein sehr preisstabiles Produkt,
- 10:13welches wir unseren Kunden anbieten können.
- 10:14Und es ist, wie ich schon sagte, so, dass für jeden Geldbeutel immer wieder
- 10:19ein passendes Angebot auch da ist. Das ist uns ganz, ganz wichtig,
- 10:23weil wir ja auch wissen, dass der eine oder andere dort Limitationen hat.
- 10:28Das war TUI-Vorstandschef Sebastian Ebel. Vom Geld, das im Urlaub ausgegeben
- 10:34wird, zum Geld, das ganz früh zurückgelegt werden soll.
- 10:40Das ist mal eine gute Nachricht für Familien. Das Kabinett hat heute den Gesetzentwurf
- 10:44zur Frühstartrente beschlossen.
- 10:47Die Idee, der Staat zahlt für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren 10 Euro im
- 10:52Monat in ein Altersvorsorgedepot ein. Angelegt am Kapitalmarkt.
- 10:58Los geht es rückwirkend ab 2026. Zunächst nur für den Jahrgang 2020.
- 11:04In den Jahren danach kommt jeweils der nächste sechsjährigen Jahrgang hinzu.
- 11:09Ausgezahlt wird das Ersparte allerdings frühestens mit 65.
- 11:14Was kann die Frühstartrente leisten?
- 11:17Dazu eine Einschätzung von der NTV-Wirtschaftschefin Frauke Holzmeier.
- 11:21Also wenn man jetzt nur die 10 Euro vom Staat nimmt, sagt, ich gebe nichts extra
- 11:24rein, Dann hat man mit 18 etwa 2.200 Euro angespart.
- 11:29Mit 65 sind es dann 53.000 Euro. Wer sagt, zumindest 10 Euro monatlich schießt
- 11:34sich selber auch noch dazu.
- 11:35Der landet mit 65 bei über 100.000 Euro. Das ist aber natürlich eine Rechnung,
- 11:40eine Prognose, auch ganz wichtig. In dem Fall hat das das Bundesfinanzministerium
- 11:44ausgerechnet. Und die gehen von einer Rendite im Jahr von 7% aus.
- 11:48Das ist eine gute Rendite, kann man sagen. Die haben das schon ganz schön gerechnet.
- 11:52Ja, also es kann auch ein bisschen weniger sein, wissen wir auch.
- 11:55Am Ende geht es um den Kapitalmarkt, der schwankt. Das kann auch mal ein bisschen
- 11:58anders sein. Aber nichtsdestotrotz ist es grundsätzlich schon eine ganz gute
- 12:02Idee, auch Kinder schon an die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu führen über den Kapitalmarkt.
- 12:09Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den
- 12:13Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV.
- 12:16In der App, im TV oder hier im Podcast.