Latest / heute journal - der Podcast / Israel: Wahl ohne Gewinner? Mit Eckart Woertz
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- 0:09Israel hat gewählt, aber wieder einmal gibt es keinen klaren Gewinner.
- 0:14Weder das Lager von Ministerpräsident Netanyahu noch das Bündnis seines stärksten
- 0:18Herausforderers Gadi Eisenkott kommt aktuell auf eine Mehrheit im Parlament.
- 0:23Stattdessen macht diese Wahl einmal mehr sichtbar, wie tief Israel gespalten ist.
- 0:29Nach Jahren von Krieg, politischen Grabenkämpfen und vor allem nach dem Terrorangriff
- 0:33der Hamas am 7. Oktober 2023.
- 0:37Wie geht es nun weiter? Welche Szenarien sind realistisch und werden die arabischen
- 0:42Parteien am Ende zum Königsmacher?
- 0:45Über all das und auch über die polarisierte Stimmung im Land möchten wir heute sprechen.
- 0:51Es ist Donnerstag, der 29.10.2026, 13.30 Uhr.
- 0:56Mein Name ist Hanna Zimmermann, ich verstrete heute Helene und ich bin natürlich nicht alleine.
- 1:02Mir zugeschaltet ist Professor Eckhard Wörz, Direktor des GIGA-Instituts für
- 1:06Nahoststudien und Historiker.
- 1:09Und außerdem mit dabei ist Thomas Reichert, unser Korrespondent in Israel. Guten Tag. Hallo.
- 1:16Thomas, du bist ja vor Ort und erlebst die Stimmung jetzt nach der Wahl.
- 1:21Dieses unklare Ergebnis.
- 1:24Was macht das gerade mit den Menschen in Israel, die du triffst?
- 1:27In Tel Aviv, wo unser Studio ist, gab es sicher mehrheitlich große Hoffnungen,
- 1:32dass Netanyahu abgelöst wird und,
- 1:35es eine klare Mehrheit gibt für den Herausforderer von Eisenkott und seinem Blog.
- 1:40Und da ist schon große Enttäuschung zu spüren. Die Erwartungen waren riesengroß.
- 1:45Am Flughafen von Ben-Gurion in Tel Aviv kamen Zehntausende aus dem Ausland nach
- 1:52Israel, um hier zu wählen.
- 1:53Ich habe selber Freunde getroffen, die da extra gekommen sind und erzählt haben,
- 1:58dass quasi aus der ganzen Welt die Menschen kommen, um in Israel zu wählen,
- 2:03weil die Wahrnehmung ist, das ist die wichtigste Wahl, vielleicht die wichtigste
- 2:07Wahl in der Geschichte Israels.
- 2:08Ist aus ihrer Sicht die letzte Chance, um die Demokratie in Israel zu retten,
- 2:15um Israel aus der Isolation, aus der internationalen Isolation zu befreien.
- 2:19Also riesengroße Erwartungen. Deswegen gestern vor allem so ein Schock, würde ich sagen.
- 2:27Tel Aviv wirkte erstaunlich ruhig und ich glaube, das muss bei vielen erst noch
- 2:34einsickern, was da eigentlich passiert ist und was das bedeutet und was da nun kommt.
- 2:42Professor Wörz, wir haben schon bei den vergangenen Wahlen in Israel immer wieder
- 2:45eine PAD-Situation erlebt und ein zähes Ringen um Mehrheiten.
- 2:50Nun hätte man ja vielleicht erwarten können, dass dieses Trauma des 7.
- 2:54Oktober, diese Zäsur für das Land zu einem klareren Wahlergebnis führt.
- 2:59Warum ist es nicht so gekommen?
- 3:02Offensichtlich war Netanyahu in der Lage, seine Stammwählerschaft zu überzeugen
- 3:07und hinreichend bei der Stange zu halten.
- 3:10Und der andere Faktor ist, dass das Land eben sehr polarisiert ist und in der
- 3:15gegenwärtigen Lage hier Netanyahu nach wie vor auf erhebliche Unterstützung zurückgreifen kann.
- 3:23Und umgekehrt das Oppositionslager auch relativ zersplittert ist.
- 3:28Also es reicht von eher linken Parteien bis hin zu eher rechten Parteien wie die von Liebermann.
- 3:35Trotzdem muss man ja sagen, es gab massive Kritik im Land daran,
- 3:39dass Netanjahu eine unabhängige Untersuchung des Sicherheitsversagens am 7.
- 3:44Oktober verweigert hat.
- 3:46Hätten Sie gedacht, dass das nicht einen größeren Einfluss auf das Wahlergebnis haben müsste?
- 3:51Also ich glaube, wir unterschätzen manchmal, dass eben,
- 3:56die Welt in Israel nicht nur aus dem liberalen, säkularen Spektrum besteht,
- 4:01mit dem wir als Akademiker und Journalistinnen vor allem interagieren oder häufiger
- 4:06vielleicht interagieren, sondern schon auch aus Menschen, die,
- 4:11als Gesamtgesellschaft eher nach rechts gedriftet sind.
- 4:14Und natürlich nach dem 7. Oktober hier ganz extreme Sicherheitsbedürfnisse und
- 4:21Befürchtungen haben, die sich auch leicht politisch instrumentalisieren lassen.
- 4:26Das Ringen um die Macht hat jetzt auf jeden Fall begonnen. Sowohl Benjamin Netanyahu
- 4:30als auch Gadi Eisenkott sehen den Regierungsauftrag klar bei sich.
- 4:35Wir wollen eine deutsche Reichweite, kreise, kreise, kreise,
- 4:41kreise, kreise, kreise, kreise,
- 4:50kreise. Ich übersetze das mal kurz. Netanyahu sagte noch am Wahlabend,
- 4:55dass er eine starke nationalrechtsgerichtete Regierung bilden will.
- 5:00Das sei, was getan werden müsse.
- 5:02Sein Herausforderer Eisenkott erklärte gleichzeitig, er werde alle Teile der
- 5:06israelischen Öffentlichkeit vertreten. sowohl diejenigen, die für seine Partei
- 5:10Jascha gestimmt haben, als auch diejenigen, die dies nicht getan haben.
- 5:16Wie geht es jetzt aber ganz konkret weiter? Alle Fakten zur Regierungsbildung liefert Gundula Gause.
- 5:28An der Wahl zur Knesset, dem israelischen Parlament, haben sich außergewöhnlich
- 5:33viele Menschen beteiligt.
- 5:35Die Wahlbeteiligung lag bei 77,7 Prozent, der höchste Wert seit 1999.
- 5:42Doch einen klaren Sieger gibt es bislang nicht. Weder das Lager von Ministerpräsident
- 5:48Benjamin Netanyahu noch das Oppositionsbündnis um Gadi Eisenkott haben eine
- 5:53absolute Mehrheit erreicht.
- 5:56Überraschend stark schnitten die arabischen Parteien ab.
- 6:00Sie kommen nach letzten Zahlen wohl auf 19 Sitze, fast doppelt so viele wie zuvor.
- 6:06Damit könnten sie zum Königsmacher werden.
- 6:09Ohne ihre Unterstützung dürfte weder Netanjahu noch Eisenkott eine Regierung bilden können.
- 6:16Das amtliche Ergebnis soll am 4. November feststehen. Danach kommt die Knesset
- 6:22am 10. November zusammen.
- 6:24Staatspräsident Herzog beauftragt
- 6:25dann die Person, mit den besten Chancen eine Regierung zu bilden.
- 6:30Dafür braucht es mindestens 61 der 120 Sitze.
- 6:35Scheitern alle Versuche kann sich das Parlament auflösen.
- 6:39Dann gäbe es üblicherweise innerhalb von 90 Tagen Neuwahlen,
- 6:43wie schon zwischen 2019 und 2022, als die Israelis fünfmal wählten.
- 6:51Bis eine neue Regierung steht, bleibt Netanjahu Chef einer Übergangsregierung.
- 7:00Also das ist die Ausgangslage. Jetzt wollen wir mal durchspielen,
- 7:03welche Szenarien denn überhaupt möglich sind.
- 7:07Wünschendes Wert wäre natürlich eine Regierung mit stabiler Mehrheit.
- 7:11Und dann kommen ganz schnell die arabischen Parteien ins Spiel.
- 7:13Netanjahu hat eine Koalition mit ihnen bereits ausgeschlossen.
- 7:17Bei Gadi Eisenkott ist das dagegen nicht ganz so eindeutig.
- 7:21Thomas, hältst du es für realistisch, dass die arabischen Parteien am Ende die Königsmacher werden?
- 7:26Ein unglaubliches Ergebnis, was Sie jetzt sehen, wirklich historisch mit 19 Sitzen aktuell.
- 7:33Sind Sie eine Macht geworden oder werden Sie eine Macht sein in der Knesset?
- 7:37Ob Sie zu König machen werden, wird nicht allein von Ihnen abhängen.
- 7:41Das ist ein schwieriger Weg.
- 7:44Wichtig ist, glaube ich, schon klarzumachen, wir haben es mit einem gewissen
- 7:49Paradox in Israel im Moment zu tun,
- 7:52weil es einerseits eine Regierung gibt von Netanyahu, die abgewählt wurde,
- 7:58die keine Mehrheit mehr hat und zwar sehr deutlich abgewählt wurde.
- 8:01Die haben, wenn man die Zahl der Sitze anguckt, die sie verloren haben.
- 8:06Auf der anderen Seite haben wir eben auch einen Oppositionsblock und Gadi Eisenkott,
- 8:10der noch weiter weg ist von der Mehrheit.
- 8:13Mit den arabischen Parteien hätten sie eine komfortable Mehrheit,
- 8:16aber da sind die Hürden enorm groß.
- 8:18Und ich kann mal kurz drei Punkte skizzieren. warum die so hoch sind.
- 8:23Wir haben insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 ein noch viel größeres Misstrauen,
- 8:30in der jüdischen Mehrheit in Israel gegenüber der arabischen Minderheit.
- 8:37Das ist noch viel stärker geworden. Und Benjamin Netanyahu hat einen Wahlkampf
- 8:42geführt mit massiven anti-arabischen Ressentiments.
- 8:46Er hat versucht, die Opposition zu verändern,
- 8:48auf Wahlplakaten in eins zu setzen mit den arabischen Parteien,
- 8:52hat insuliert, die würden sowieso unter dem gleichen Deckmantel arbeiten.
- 8:57Und dieser Netanjahu ist immer noch so stark, dass er quasi die Regeln definiert,
- 9:03nach denen in Israel Wahlkampf und Machtpolitik gemacht wird.
- 9:06Und er hat letztlich auch dazu geführt, dass die Eisenkott-Parteien,
- 9:13insbesondere Liebermann und Bennett Lapid,
- 9:18das Bejachert-Lager und er selbst sich sehr deutlich gegen eine Koalition ausgesprochen haben.
- 9:24Eisenkott hat es offen gelassen, aber sich tolerieren lässt.
- 9:26Aber eine Koalition haben sie sehr deutlich ausgeschlossen.
- 9:29Und das ist jetzt eine hohe Hürde hinter die kommen schwer darüber hinweg über
- 9:33diesen Punkt, sagen wir mal so und sie kommen erst recht schwer darüber hinweg,
- 9:37weil diese Wahl enttäuschend für sie verlaufen haben und sie nicht wirklich
- 9:40ein machtvolles Mandat haben um zu sagen.
- 9:43Im Sinne Israels machen wir diesen Schritt und arbeiten jetzt auch,
- 9:48mit arabischen Parteien zusammen, die ja am Ende gut 20% der Bevölkerung repräsentieren
- 9:53insofern könnte man das durchaus auch als integrativen Akt verkaufen,
- 9:58aber eben nicht aus einer Position der Schwäche, die sie im Moment haben.
- 10:02Vielleicht sprechen wir nochmal über die inhaltlichen Punkte.
- 10:04Du hast ja jetzt schon Hürden genannt. Was spricht inhaltlich dagegen, Professor Wörz?
- 10:10Gegen eine Duldung durch die arabischen Parteien. Da sind starke Ressentiments
- 10:16vorhanden bei der jüdischen Bevölkerung, auch bei den Wählern und Wählerinnen
- 10:20der genannten Parteien.
- 10:22Insofern würden die ein gewisses politisches Risiko eingehen.
- 10:26Auf der anderen Seite, diese Koalition nicht einzugehen, beinhaltet natürlich ein.
- 10:32Ein anderes sehr großes Risiko, dass es zum neuen Zyklus von Wiederholungswahlen,
- 10:39Neuwahlen kommt, wie schon zwischen,
- 10:412019 und 2021, bei denen Netanjahu dann vielleicht besser abschneiden könnte.
- 10:48Bis dahin ist er dann auch als Übergangspremier noch im Amt und kann zum Beispiel
- 10:53eine weitere Eskalation im Irankrieg vorantreiben, was derzeit befürchtet wird.
- 10:58Aber wenn wir jetzt nochmal wirklich auf die inhaltlichen Punkte schauen,
- 11:01das kennen wir ja auch aus Deutschland bei Koalitionsverhandlungen,
- 11:04wenn jetzt nun wirklich das Lager Eisenkotz in Koalitionsverhandlungen mit den
- 11:08arabischen Parteien treten würde, wo könnte es denn da kritisch werden?
- 11:13Nun ja, Eisenkold ist ganz klar gegen jede Form von palästinensischer Staatlichkeit.
- 11:19Also so viele andere politische Lösungen bieten er und andere Parteien wie Liebermann
- 11:26den Palästinensern auch nicht an.
- 11:29Also insofern gibt es da schon und umgekehrt gibt es ja bei den arabischen Parteien,
- 11:34die Rahmenpartei ist relativ pragmatisch auf Alltagsforderungen konzentriert, aber unter den,
- 11:42linken arabischen Parteien gibt es durchaus Persönlichkeiten und Standpunkte,
- 11:49zum Beispiel was ein gewisses Verständnis gegenüber der Hamas betrifft,
- 11:54die für die jüdische Seite absolut inakzeptabel sind. Ich glaube, dass es vielleicht,
- 12:00Schnittmengen gerade im Innenpolitischen geben kann. Ein großes Faktum,
- 12:05warum die arabische Bevölkerung so mobilisiert hat und wir das auch auf der
- 12:10Straße oder bei Interviews in arabischen,
- 12:13Gemeinschaften auch immer wieder gehört haben, ist die Wahrnehmung, dass sie,
- 12:17von aktuellem Sicherheitsminister Itamar Ben-Wir marginalisiert werden,
- 12:22dass der bewusst die Polizei,
- 12:24das ist jedenfalls der Vorwurf, nicht so arbeiten lässt und dass deswegen die
- 12:27Gewaltkriminalität in ihren Gemeinschaften sehr hoch geworden ist, dass,
- 12:32öffentliche Einrichtungen, Schulen und anderes nicht ausreichen oder jedenfalls
- 12:37nicht in dem Maße finanziert werden, wie das in jüdischen Ortschaften der Fall ist. Ich denke, da.
- 12:45Gibt es keine große Differenz. Das ist eher eine ideologisch begründete Verschlechterung,
- 12:52die durch die Netanjahu-Regierung gekommen ist.
- 12:54Aber Professor Wörth hat es schon gesagt, was die Rolle von Gaza angeht,
- 12:59was die Perspektive einer Zwei-Staaten-Lösung angeht, eines eigenen Palästinenser-Staates,
- 13:05da gibt es natürlich fundamentale Unterschiede.
- 13:07Und zum Teil eben auch fällt es Teil dieser arabischen Parteien schwer,
- 13:13Hamas wirklich auch als Terrororganisation zu bezeichnen.
- 13:17Haben sich denn die arabischen Parteien jetzt schon so ganz klar positioniert zu so einer Frage?
- 13:21Sie haben jedenfalls die Zusammenarbeit angeboten und das in einer Weise,
- 13:26die würde ich sagen schon auch historisch ist, weil sie lange jede Zusammenarbeit abgelehnt haben.
- 13:35Rahm war die einzige Partei, die bisher an einer Regierung beteiligt war.
- 13:40Das war damals ein Riesenschritt und dass nun dieses Angebot von den Parteien
- 13:48insgesamt sehr breit kommt, ist ein großer Schritt.
- 13:52Und er leigt sich natürlich auch daraus, aus ihrer Sicht natürlich ab,
- 13:56dass sie dieses gewaltige Mandat in ihrem Rücken spüren.
- 14:01Man darf sich das vor Augen führen. Es gibt,
- 14:05wenn man sich die Rangliste jetzt mal so grob anguckt, dann sind die quasi,
- 14:11wenn man die drei Parteien zusammennimmt, dann an dritter Stelle.
- 14:14Das ist sehr ungewöhnlich.
- 14:17Eine weitere Möglichkeit ist ja am Ende eine Minderheitsregierung, dann auch unter...
- 14:22Duldung von arabischen Abgeordneten oder Unterstützung von arabischen Abgeordneten, ist das realistischer?
- 14:30Wir müssen da wirklich auf die Zahlen gucken.
- 14:33Eine Minderheitsregierung mit Tolerierung ist wegen der Schwäche des Eisenkopf-Blockes,
- 14:39mindestens bei einem oder zwei Partnern darauf angewiesen, dass zum Beispiel
- 14:44Rahm in eine Koalition geht.
- 14:48Und es besteht die Gefahr, dass die Partei von Liebermann die Teil des Eisenkott-Blockes
- 14:54ist, wir kommen jetzt so ein bisschen ins Detail dieses breiten Spektrums,
- 14:59mit dem wir da sind, dass die dann nicht mitmacht.
- 15:02Das ist die Partei, die am weitesten rechts steht in diesem Konglomerat von
- 15:08links bis stramm rechts und das kann durchaus passieren und dann haben wir eine
- 15:14völlig andere Zahlenlage.
- 15:15Also Tolerierung war ein, sagen wir mal, ein Modell vor der Wahl mit Blick darauf.
- 15:23Dass der Eisenkottblock vor dem Block von Netanjahu liegt und dass am Ende vielleicht
- 15:29nur ein paar Stimmen fehlen bis zu diesen 61 Sitzen. Wir haben jetzt eine andere Lage.
- 15:34Der Abstand ist viel größer geworden. Und ich vermag im Moment nicht zu sagen,
- 15:41alle warten im Moment noch auf die wirklich endgültigen Zahlen,
- 15:43weil da kleinste Verschiebungen noch eine Menge ausmachen können.
- 15:46Aber ich vermag immer nicht zu sehen, dass Tolerierungen durch alle arabischen
- 15:51Parteien ausreichen würden.
- 15:53Vielleicht sehen Sie das anders, Professor Wörth.
- 15:57Also die Zahlenspiele müssen wir dann machen, wenn das Endergebnis da ist.
- 16:01Aber ja, ich sehe es ähnlich. Also nur eine Tolerierung durch Rahmen,
- 16:06das wäre vielleicht eine realistische Möglichkeit, aber das wird nicht reichen.
- 16:11Und die anderen Parteien werden
- 16:14als problematischer empfunden auf der jüdischen Seite, aber sind auch.
- 16:21Weniger bereit Kompromisse einzugehen oder sich auf pragmatische Alltagsfragen
- 16:27zu konzentrieren wie vielleicht Rahm.
- 16:29Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, alle raufen sich irgendwie zusammen.
- 16:32Es klappt mit einer Minderheitsregierung, die eben so toleriert wird.
- 16:37Wenn wir jetzt mal auf diese Stichworte gespaltenes Land und die starke Polarisierung gucken.
- 16:42Wäre denn eine Minderheitsregierung überhaupt gut für Israel in der aktuellen
- 16:46Situation? Kann ein so schwacher Ministerpräsident dann ein Land einen?
- 16:52Also ich glaube, da bekommt man ganz unterschiedliche Antworten,
- 16:56je nachdem wo und wen man in Israel fragt.
- 17:00Wenn man Ehud-Olman fragt, wird er sagen, der ehemalige Ministerpräsident wird
- 17:05er sagen, und das hat er ja auch gestern,
- 17:08heute schon im Interview mit Christian Siebers gesagt,
- 17:13das ist der einzige Weg, weil das Ziel ist, Netanyahu und diese Regierung abzulösen.
- 17:18Wenn das das große Ziel ist, dann würde, glaube ich, viele Israelis auch das
- 17:24in Kauf nehmen, jedenfalls die, die auf diesen Wechsel gesetzt haben und in
- 17:27diesem Wechsel die letzte Chance sehen.
- 17:30Aber natürlich, ich war Anfang der Woche, einen Tag vor der Wahl,
- 17:35im Westjordanland in der Siedlung, habe mit einer Siedlerin gesprochen,
- 17:38die ein Interview geführt hat, die natürlich gesagt hat, sie wird natürlich
- 17:42Smotrich wählen, weil der ihnen.
- 17:46Im Westjordanland mehr Sicherheit gebracht hat aus ihrer Wahrnehmung.
- 17:52Und deswegen wäre das...
- 17:56In ihrem Kreis überhaupt nicht akzeptabel. Das.
- 18:02Würde ich mal eine massive Proteste zumindest in diesem Bereich hervorrufen.
- 18:07Professor Wörz, wie schätzen Sie das ein? Also ich sehe momentan wirklich eine
- 18:12ganz ausgeprägte Paz-Situation, wo eine,
- 18:16Tolerierung durch die arabischen Parteien höchstens so nicht hingenommen werden
- 18:21wird vom Eisenkottlager.
- 18:23Und man dann vielleicht wieder auf so einen Neuwahlenzyklus zusteuert wie 2019
- 18:29bis 2021. Und ich denke, dass das Netanyahu unter den gegebenen Umständen auch gelegen kommt.
- 18:36Ich glaube auch, dass Netanjahu wahrscheinlich am Ende sogar so eine Hängepartie
- 18:40jetzt forcieren könnte,
- 18:43weil er gesehen hat, dass sein Lager da treu zur Urne geht,
- 18:49und er darauf hoffen kann, dass diese Mobilisierung des liberalen Lagers,
- 18:56das wir jetzt gesehen haben bei dieser Wahl.
- 18:59So nicht mehr vielleicht wiederholbar sein wird.
- 19:01Es ist schwer vorstellbar, dass wenn wir in zwei, drei Monaten wieder eine Wahl
- 19:06hier haben, dass dann wieder 50.000 aus dem Ausland zum Beispiel einfliegen.
- 19:11Es ist auch offen, ob die arabische Bevölkerung dann wieder so mobilisiert wird
- 19:15und auch wieder in diesem Ausmaß, wie wir es noch nie gesehen haben, zur Wahl geht.
- 19:21Insofern würde ich sagen, bei Netanyahu ist die Strategie, die er so oft bei
- 19:26politischen Problemen hat, nämlich hinauszögern und sozusagen die Dose weiter
- 19:30die Straße runterkicken, bis es dann für ihn eine Situation gibt,
- 19:35die ihm hilft. Und das sind Neuwahlen.
- 19:39Das ist sicher seine Strategie. Man merkt es schon im Eisenkott-Lage,
- 19:43dass sie Neuwahlen überhaupt nicht wollen.
- 19:46Und im Grunde bleibt diesem Lager, bleiben im Grunde nur zwei Möglichkeiten.
- 19:51Entweder sie gehen in Verhandlungen mit Netanjahu über eben diese Einheitsregierung,
- 19:56wo sie möglichst viel herausholen zu versuchen.
- 20:00Vielleicht mit der Drohung, dass sie sonst mit den arabischen Parteien zusammengehen.
- 20:06Aber es sind alles keine besonders guten Optionen und alles keine besonders...
- 20:13Vielleicht gangbaren Wege. So, wir sind jetzt schon bei den Neuwahlen gelandet.
- 20:16Ich würde gerne nochmal einen Schritt zurück machen, weil das ist ja das,
- 20:20was als allerletztes käme.
- 20:22Erstmal wird ja jetzt darum gerungen, eine Regierung zu bilden.
- 20:26Eine Regierung der nationalen Einheit. Wir müssen vielleicht erstmal erklären,
- 20:30was das für ein Szenario wäre, was das bedeuten könnte.
- 20:35Ob das überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
- 20:39Wird darüber gesprochen, Thomas? Naja, Netanyahu hat das natürlich in der Wahlnacht,
- 20:44schon gleich gefordert und da wird natürlich darüber gesprochen.
- 20:49Wie das aussehen könnte, das ist ehrlich gesagt noch relativ unklar.
- 20:53Im Kern würde es eigentlich bedeuten, oder so wird es jedenfalls auch in Israel
- 20:58wahrgenommen, Einheitsregierung bedeutet, die großen Parteien,
- 21:02die großen zionistisch-jüdischen Parteien bilden eine Regierung.
- 21:08Wie gut das funktionieren kann, das ist eine völlig offene Frage,
- 21:12weil man darf wirklich nicht vergessen, der eigentliche Kit dieser sehr diversen,
- 21:18Eisenkopf-Blockes war die Gegnerschaft zu Netanyahu, war das Ziel, Netanyahu abzulösen.
- 21:23Wenn das jetzt wegfällt, was hält diesen Block dann eigentlich noch zusammen?
- 21:29Und das macht möglicherweise dann auch die Bildung einer Regierung schwierig.
- 21:34Deswegen habe ich es auch gerade genauso formuliert, also ob wirklich ernsthaft
- 21:37darüber gesprochen wird.
- 21:39Es ist klar, dass Netanyahu das in den Raum stellt, aber jetzt als Beobachter
- 21:42wirkt das doch erstmal völlig unrealistisch, dass ein Eisenkott am Ende sagt,
- 21:47klar, ich gehe mit meiner Partei in Koalition mit Al-Ikut.
- 21:51Unrealistisch glaube ich nicht. Am Ende ist die Frage, die der Eisenkott-Block
- 21:57beantworten muss, Wollen wir Neuwahlen oder wollen wir uns irgendwie mit Netanyahu einigen?
- 22:04Oder geben wir das große politische Risiko ein.
- 22:09Meine Koalition mit den arabischen Parteien?
- 22:12Und das sind für die Opposition, die sich so viel erhofft hat,
- 22:17sind das alles drei keine guten Optionen.
- 22:19Aber ausschließend würde ich auch diese nationale Einheitsregierung nicht.
- 22:24Professor Wörz, da gibt es einen Punkt, der dann sicherlich zu Problemen führen würde.
- 22:28Das ist diese Aufarbeitung des 7. Oktober.
- 22:31Das ist doch eigentlich für Eisenkott und sein Lager nicht verhandelbar.
- 22:36Sie wollen, dass das geschieht, oder? Das ist der Wunsch. Netanjahu hat sich
- 22:41dagegen bisher verwahrt bzw.
- 22:44Versucht, das nur in einem sehr eng umschriebenen Rahmen zuzulassen.
- 22:51Also keine wirklich unabhängige Untersuchungskommission zuzulassen,
- 22:55wie man das ja in früheren Episoden gesehen hat. Hier scheint es so zu sein,
- 23:00dass Netanyahu hier sich so durchfinden kann.
- 23:03Er ist wirklich ein politischer Überlebenskünstler, der fast 20 Jahre der letzten
- 23:0830 Jahre Premierminister war und vielleicht kommt er wieder davon und schafft es hier,
- 23:18ihm zugeneigte Lösungen zu zimmern.
- 23:23Scheitert am Ende die Regierungsbildung trotzdem, dann kommt es eben zu Neuwahlen.
- 23:30Wie hoch schätzten Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass das passiert?
- 23:35Also ich vermute, dass es eben eher in diese Richtung geht, dass es weder eine,
- 23:42Regierung mit Tolerierung der arabischen Parteien gibt, noch eine Einheitsregierung.
- 23:46Aber das ist Spekulation zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Es ist alles möglich.
- 23:52Aber wenn ich mal Geld drauf verwetten sollte, dann würde ich sagen,
- 23:57dass Netanyahu, dass dem gerade eigentlich ganz gut zu Pass kommt,
- 24:05dass man diese Imbalance hat und bei Neuwahlen,
- 24:10wie Herr Reichert gerade schon hingewiesen hat, er sicherlich größere Chancen
- 24:14hätte als jetzt bei der letzten Wahl.
- 24:17Thomas, wie würdest du wetten? Ich fürchte, ich würde auch auf dieses Feld wetten.
- 24:23Ich würde aber sagen, es ist nicht so eindeutig, dass wir tatsächlich da landen.
- 24:35Es gibt einfach die, aus Sicht, sagen wir mal,
- 24:40des Eisenkottlagers oder im Grunde, muss man ja sagen, aus Sicht der Mehrheit
- 24:46der Wähler, die abgestimmt haben. Eine Mehrheit hat ja gegen diese Regierung
- 24:51gestimmt, wenn man arabische Stimmen und Eisenkott zusammenfängt.
- 24:55Gibt es die reale Gefahr, dass bei Neuwahlen genau diese Regierung,
- 25:00die die letzten vier Jahre dran war,
- 25:03aus ultraorthodoxen und rechtsextremistisch-zionistischen Parteien,
- 25:08dass die wieder drankommt und dass es danach nochmal weitere vier Jahre mit
- 25:13denen gibt, die möglicherweise noch dramatischer werden könnten?
- 25:16Ich glaube, das ist eine Schreckensvision für viele in Israel,
- 25:22am Ende vielleicht auch für die entscheidenden Personen im Eisenkottblock.
- 25:27Und möglicherweise sich dann doch für die eine oder andere Position zu entscheiden.
- 25:33Weil Neuwahlen, das könnte für dieses Lager erstens, habe ich schon gesagt,
- 25:40nicht die Mobilisierung mit sich bringen und gerade deswegen dann richtig nach hinten rausgehen.
- 25:46Insofern gibt es da vielleicht eine abschreckende Wirkung vor Neuwahlen,
- 25:50zumindest für diese Seite.
- 25:53Wie müssen wir uns das vorstellen? Wie ist denn gerade eigentlich die Stimmung
- 25:57in Israel? Gibt es da schon einen Wunsch, in welche Richtung das gehen sollte?
- 26:02Sagen die einen schon, ich wünsche mir eigentlich Neuwahlen,
- 26:04das kann so nicht funktionieren. Oder wünscht man sich eher,
- 26:08dass sich die Parteien zusammenraufen?
- 26:11Also ich kann das im Moment nur anekdotisch sagen, was ich in den letzten Tagen
- 26:15für Gespräche geführt habe.
- 26:18Neuwahlen will mit den Leuten, mit denen ich gesprochen habe.
- 26:23Eigentlich keiner, weil das nicht als Lösung wahrgenommen wird und weil auch
- 26:28argumentiert wird, das ist doch eigentlich ein komisches Signal.
- 26:30Jetzt haben wir eine Wahlbeteiligung insgesamt, die so hoch ist wie seit Jahrzehnten
- 26:35nicht mehr und schaffen es dann nicht daraus, eine Regierung abzuleiten und
- 26:41müssen in Neuwahlen gehen.
- 26:42Das ist nicht der Wählerwille.
- 26:46Die wollten wählen, die Frage ist, sie haben gewählt, was haben sie damit gemeint?
- 26:51Aber diese Frage, was haben Sie damit gemeint, dass es der politische Prozess
- 26:54jetzt stattfinden muss?
- 26:56Das ist das eine. Also Neuwahlen werden, zumindest wie ich es wahrnehme,
- 27:00mehrheitlich, glaube ich, abgelehnt.
- 27:03Kann trotzdem dazu kommen, natürlich. Und dann ist die Sache, dass.
- 27:09Zumindest sozusagen in diesem Bereich, der wahrscheinlich gegen Netanjahu gestimmt hat,
- 27:18es durchaus Überlegungen gibt, ob es nicht in dieser Situation doch das Risiko
- 27:24wert ist, mit arabischen Parteien zu koalieren, sich tolerieren zu lassen.
- 27:30Also diesen Riesenschritt zu machen, aber auch da ist eben die Sorge riesengroß,
- 27:34dass es am Ende das Land zerreißen würde, weil es darauf insbesondere nach dem
- 27:407. Oktober noch nicht vorbereitet ist.
- 27:43Die Mehrheit, mit denen ich gesprochen habe, die sagt, dann müssen wir vielleicht
- 27:47irgendwie eine nationale Einheitsregierung finden.
- 27:50Viele setzen darauf, dass es vielleicht dazu kommen kann, dass der Likud sich von Netanyahu befreit.
- 27:58Wobei ich das ehrlich gesagt eher für einen frommen Wunsch halte.
- 28:02Aber das ist zumindest die Idee, dass am Ende in dieser tiefen Zerrissenheit,
- 28:10ein Zusammengehen der großen jüdisch-zionistischen Parteien dem Land helfen könnte.
- 28:18Idealerweise ohne Netanyahu als Regierungschef und vor allem,
- 28:22das ist dem meisten wichtig, ohne Itamar Ben-Gvir oder Vizeles Smotric in der Regierung.
- 28:29Also wenn die nicht mehr in der Regierung sind, dann ist, glaube ich,
- 28:32für die Mehrheit in Israel schon viel akzeptabel.
- 28:36Professor Wörz, lassen Sie uns jetzt mal einen Schritt weitergehen und auf diese
- 28:39Hängepartie schauen, die jetzt bevorsteht.
- 28:42Israel stehen ja nun sehr wahrscheinlich mehrere Wochen oder sogar Monate,
- 28:46bevor bis klar ist, wer künftig die politische Führung übernimmt.
- 28:50Sollte es zu Neuwahlen kommen, könnte Netanjahu im Extremfall sogar noch bis
- 28:54ins Frühjahr hinein an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt bleiben.
- 28:59Was bedeutet das denn jetzt für Israel? Also es wird ja erwartet,
- 29:04dass es möglicherweise einen neuen Waffengang gegen den Iran geben könnte.
- 29:10Die USA haben schon ziviles Personal und Angehörige aus der Region evakuiert.
- 29:17Es gibt verschiedenste Gerüchte sowohl in den USA als auch,
- 29:22in Israel, insbesondere nach den Mithörmwahlen in den USA, wenn Trump nicht
- 29:27mehr diesen Druck hat, dass der Ölpreis möglichst niedrig gehalten werden muss,
- 29:31um jetzt bei den Mithörmwahlen nicht zu stark zu verlieren.
- 29:36Da ist dann die Wahrscheinlichkeit höher, dass die USA entweder Israel grünes
- 29:42Licht geben für eine Attacke nur unter israelischer Regie oder dass sie wieder
- 29:47auch gemeinsam den Iran angreifen.
- 29:50Wobei die große Frage ist halt, was soll da dann besser klappen,
- 29:54was bei den letzten beiden Mal größeren Eskalationen im Rahmen dieses Krieges nicht geklappt hat.
- 30:01Und die strategischen Zielsetzungen sind recht unklar und recht unklar kommuniziert von diesem Krieg.
- 30:08Und es gibt eine durchaus weit verbreitete Wahrnehmung, dass diese strategischen
- 30:13Zielsetzungen insofern.
- 30:16Kommuniziert wurden mit Nuklearprogramm, wenn überhaupt nur teilweise realisiert
- 30:22wurden und eben eine ganz neue strategische Problemlage durch den Krieg erst
- 30:25dazugekommen ist. Das ist die Schließung.
- 30:28Teilweise Schließung der Straße von Hormuz und der entsprechende Effekt auf die Ölpreise.
- 30:33Also abgesehen davon, welche Strategie wäre das im Iran, aber für Netanyahu
- 30:37wäre es eine Fortsetzung einer Strategie, die er auch in den letzten drei,
- 30:42vier Jahren immer hatte, nämlich der permanente Ausnahmezustand,
- 30:46der permanente Kriegszustand, der ihm letztlich innenpolitisch immer geholfen hat,
- 30:53sozusagen die Reihen in seiner Koalition zu schließen.
- 30:58Termine für seinen eigenen Strafprozess wegen Korruptionsvorwürfen hinauszuschieben.
- 31:05Und insgesamt seine Macht zu konsolidieren.
- 31:08Ich glaube, nach dem 7. Oktober hat selbst in dieser Regierung niemand daran
- 31:12geglaubt, dass sie quasi die vollen vier Jahre durchhalten wird.
- 31:16Und ich glaube, ein wesentlicher Punkt war eben das, was Netanjahu gemacht hat,
- 31:21der permanente Ausnahmezustand.
- 31:23Da teile ich das. Ich glaube, wir müssen uns schon darauf einrichten,
- 31:27dass es nach den Midterms da wieder zu einem Angriff auf den Iran kommen könnte.
- 31:32Okay. Und das ist ja nun nicht die einzige Konfliktlinie, die es gibt.
- 31:36Wie sieht es da an den anderen Fronten, sag ich jetzt mal aus?
- 31:39Was heißt das für Gaza, vielleicht auch Libanon oder die Palästinenser im Westjordanland?
- 31:45Ja, also je länger Netanjahu und insbesondere seine beiden rechtsextremen Minister
- 31:53Ben-Gewir und Smotric im Amt sind, desto schlechter für die Palästinenser.
- 31:59Also es ist ja nicht nur Gaza, wo die Lage nach wie vor,
- 32:03katastrophal ist und wo man weit davon entfernt ist, dass hier das vielleicht,
- 32:08zu einer Art Wiederaufbau kommen könnte und wo Waffenstillstand auch ein gewisser
- 32:14Euphemismus ist, weil es sind ja über 1000 Palästinenser seit diesem sogenannten
- 32:18Waffenstillstand noch einmal umgekommen.
- 32:21Es kommt regelmäßig auch nach wie vor zu militärischen Aktionen,
- 32:26aber besonders besorgniserregend ist eben die Lage auf der Westbank,
- 32:30wo man hier auch eine eskalierende Gewalt hat, insbesondere eine privatisierte Gewalt,
- 32:36von israelischen Siedlern.
- 32:39Und das ist eben sehr, sehr bedenklich.
- 32:42Vielleicht nochmal für alle Zuhörer, das ist das Westjordanland,
- 32:45das Gebiet zwischen Israel und Jordanien,
- 32:47das Israel seit 1967 besetzt hält und in dem rund drei Millionen Palästinenserinnen
- 32:52und Palästinenser leben, aber auch eben hunderttausende israelische Siedler und diese Siedlungen,
- 32:59sind nach internationalem Recht illegal.
- 33:02Die gelten als illegal, nochmal als Erklärung.
- 33:06Vielleicht können wir mal ein bisschen resümierend jetzt nochmal darauf schauen.
- 33:10Also klar ist, es gibt keinen eindeutigen, klaren Sieger, der aus dieser Wahl
- 33:16hervorgeht. Aber wenn wir das jetzt mal etwas im größeren Bild betrachten,
- 33:20gibt es denn irgendeinen Gewinner?
- 33:22Ich würde sagen, Gewinner ist zum Beispiel die arabische Minderheit in Israel,
- 33:28die immer den Eindruck hatte, dass Wahlen für sie sowieso nichts ändern und auch,
- 33:37deswegen nicht zu Wahlen gegangen sind, weil sie vielfach auch den Staat insgesamt abgelehnt haben.
- 33:45Dass die nun in diesem Maße zur Wahl gehen ist singulär,
- 33:50das haben wir vorher erlebt dass die Leute da in Jaffa in Abu Ghosh,
- 33:56in arabischen Orten zu den Leuten gegangen sind und gesagt haben geht wählen,
- 34:01dass sie das gemacht haben ist ein Riesenschritt und ich würde sagen die arabische
- 34:07Minderheit ist auf jeden Fall einer der Gewinner und ansonsten haben wir es,
- 34:12glaube ich, mit zwei Verlierern zu tun.
- 34:14Das Netanyahu-Lager und das Eisenkott-Lager.
- 34:16Haben die arabischen Parteien wirklich so viel gewonnen? Die haben unheimlich
- 34:20viel Stimmen gewonnen und haben jetzt so,
- 34:22diesen Achtungserfolg, dass sie als mögliche Königsmacher im Gespräch sind.
- 34:27Aber ich könnte mir vorstellen, dass es ganz erhebliche Frustrationspotenziale
- 34:32gibt, wenn die realisieren, das hat ja eh nichts gebracht.
- 34:36Die wollen uns einfach nicht akzeptieren. Niemand geht mit uns ins Gespräch.
- 34:43Und genauso, wie wir gedacht haben, dass es eh keinen Sinn macht zu wählen,
- 34:47dass sie beim nächsten Mal nicht wählen.
- 34:49Und dass dann wieder Netanyahu ganz erheblich in die Karten spielt.
- 34:53Und es gab ja Versuche von der Rechten in Israel, diese arabischen Parteien
- 34:58nicht zuzulassen zur Wahl.
- 35:00Also sollte Netanyahu es schaffen, nochmal eine Regierung zu bilden und vielleicht
- 35:05mit der Justizreform vorankommen und die Unabhängigkeit der Justiz schwächen,
- 35:12ist es ja durchaus denkbar, dass in Zukunft,
- 35:15vielleicht solche arabischen Parteien gar nicht mehr zugelassen werden.
- 35:18Das ist sicherlich ein lang- oder mittelfristiges Ziel der israelischen Rechten,
- 35:22weil innerhalb der jüdischen Stimmen wäre ja alles für sie ganz in Ordnung und
- 35:28sie könnten auf eine entsprechende Mehrheit spekulieren.
- 35:32Es gibt ja auch öffentlich vorgetragene Vertreibungspläne von Smotretsch zum
- 35:37Beispiel bezüglich der palästinensischen Bevölkerung.
- 35:41Prof. Wörz, wenn wir jetzt in die Glaskugel schauen könnten,
- 35:45ein Jahr in die Zukunft, was glauben Sie denn, was wir dann sehen werden?
- 35:51Vermutlich eine Neuwahl hat schon stattgefunden und wenn die wieder inkonklusive
- 35:57ist, dass man dann weiter in dieser Paz-Situation verharrt.
- 36:02Aber ich glaube, dass die Zeit momentan eher für Netanyahu spielt.
- 36:08Thomas, was glaubst du, wo Israel in einem Jahr steht? Ich kann mir das auch
- 36:11so vorstellen, wie es Prof.
- 36:13Watzin politisch zitiert hat. Ich glaube, dass es Israel eher außenpolitisch
- 36:18in eine extrem schwierige Lage bringen wird und dass dieser Druck von außen
- 36:23möglicherweise dann auch im Inneren Folgen haben wird.
- 36:27Die Unterstützung in den USA für Israel ist nicht nur auf demokratischer Seite,
- 36:32sondern auch auf republikanischer Seite im Abwärtstrend.
- 36:35Und das wird hier in Israel quer durch die Lager als total bedrohlich wahrgenommen
- 36:41und besorgniserregend.
- 36:42Und wenn Netanyahu es als politischer Überlebenskünstler schafft,
- 36:48trotz allem weiter an der Macht zu bleiben, wird die internationale Isolierung weiter vorangehen.
- 36:54Sie wird wirtschaftliche Folgen haben, sie wird sicherheitspolitische Folgen
- 36:57haben und sie wird am Ende vielleicht dann auch innenpolitische Folgen haben.
- 37:03Und jetzt vielleicht noch als letztes, dass es nicht nur eine Frage ist,
- 37:07wie Amerika mit Israel umgeht, sondern auch wie Deutschland mit Israel umgeht.
- 37:12Ich höre hier immer, dass der Einfluss von Deutschland in Israel wesentlich
- 37:18größer wahrgenommen wird, als dass deutsche Politiker, die gelegentlich hierher
- 37:22kommen, selber wahrnehmen.
- 37:24Also sicher ist auf jeden Fall, das werden spannende Wochen und Monate.
- 37:28Vielen Dank Professor Wörth für Ihre Zeit und Expertise. Alles Gute.
- 37:33Und auch besten Dank an dich, Thomas, für deine Analyse aus Israel.
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