Latest / BZ am Ohr / Radprofi Clara Koppenburg: „Möchte auf keinen Fall zurück ins Untergewicht“
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- Es gibt diesen einen Moment im Radsport, wenn die Straßen steiler werden und das Feld auseinanderfällt und nur noch die Stärksten übrig bleiben. Am Berg zeigt sich, wer du bist und wer du nicht mehr sein kannst. Clara Koppenburg kennt diese Momente. Zehn Jahre war die Lörracherin Profi auf der Straße. Sie fuhr die größten Rundfahrten der Welt, die Tour de France femme, die Vuelta in Spanien, den Giro d'Italia. Sie ist eine, die klettern kann, eine, die sich quält, wenn andere längst abreißen lassen müssen. Doch die Leistung im Profisport ist mehr als Training und Talent. Es sind Zahlen, Erwartungen und manchmal auch ein Kampf mit und gegen sich selbst. Seit Anfang dieses Jahres fährt Clara Koppenburg weg von der Straße und hinein in den Gravel. Mehr Weite, mehr Ungewissheit, vielleicht auch mehr sie selbst? Herzlich willkommen bei BZ am Ohr, Frau Koppenburg. Mein Name ist Bernhard Amelung und wir wollen heute über Schotterpisten und Asphalt, Stürze und Comebacks, über Druck und Befreiung sprechen und darüber, was bleibt, wenn man die Wattwerte einmal ausblendet. Frau Koppenburg, Sie haben Ihr erstes Gravelrennen in den Beinen. Wie fühlt sich der sportliche Neuanfang für Sie an? Ja, ganz genau. Also ich freue mich, dass ich hier sein kann. Ich bin jetzt das erste Rennen vor knapp zehn Tagen oder zwei Wochen gefahren. Also ich bin letztes Jahr schon ein, zwei Gravelrennen gefahren, wo mich dann auch die Entscheidung mich leichter getan hat, dass ich komplett zum Gravel wechsle, weil das hat mir letztes Jahr schon so viel Spaß gemacht. Und jetzt dieses Jahr bin ich in Girona vor eben etwa zwei Wochen meine ersten zwei Gravelrennen für mein neues Team gefahren und wurde sofort in meiner Entscheidung bestätigt, dass das genau das ist, was ich machen möchte, weil es mir Riesenspaß macht. Und den Spaß hatte ich jetzt schon lange nicht mehr so auf der Straße, vor allem, wenn es ums Rennenfahren geht. Also ich liebe es immer noch, auf der Straße auch mit dem Rennrad zu trainieren und alles. Aber das Gravelrennen selber, das hat nochmal so viel. Einen ganz anderen Charakter und bringt so viel Ungewissheit und so viel Neugier und neue Sachen Und da bin ich ganz, ganz froh, dass ich jetzt den Schritt gegangen bin und freue mich auf die ganzen neuen nächsten Rennen bald. Das merkt man Ihnen auch richtig an. Also Sie wirken sehr energetisiert, sehr positiv, Ihre Augen strahlen. Was ist denn im Gravel anders als im Straßenpeloton? Also ich würde sagen, außer dass man ein Rad unter sich hat, ist eigentlich alles ein bisschen anders, würde ich sagen. Also es fängt eigentlich an schon mit der ganzen Vorbereitung aufs Rennen. Bisher, die letzten zehn Jahre, musste ich mich eigentlich um nichts kümmern. Ich habe meinen Flug bekommen, wurde vom Team am Flughafen abgeholt, habe meinen Wäschesack vor mein Hotelzimmer gelegt, uns wurde das Essen gemacht, uns wurden die Flaschen gerichtet, das Ratsch war fertig beim Start und jetzt ist alles so ein bisschen in meiner eigenen Verantwortung. Also ich muss eigenständig anreisen mit meinem Teamkollege. Also meistens fahren wir irgendwie mit dem Auto dorthin. Dann überlegen wir uns, was brauchen wir an Material. Wir machen verschiedene Reifentests, also welches Profil wir fahren wollen, je nachdem, wie das Rennen ist. Das heißt, wir fahren die Strecke vom Rennen ab, überlegen dann auch, welchen Reifendruck wir fahren. Also solche Sachen sind schon im Vorfeld ganz anders. Dann am Tag vor dem Rennen machen wir unsere eigenen Flaschen, also mit Getränkepulver drin, überlegen uns für die Verpflegung, was wir alles brauchen. Und da fängt es eigentlich schon an, dass da viel mehr Eigenständigkeit jetzt gefordert ist, was ich am Anfang schwer fand, weil wenn man es zehn Jahre lang nicht macht, dann ist es auf jeden Fall was Neues. Aber mir gefällt es eigentlich total und man wird so ein bisschen selbstständiger und befasst sich dann auch mehr mit sich selber und mit dem Rennen und ich glaube, das ist ganz gut. Und dann beim Gravelrennen selber. Also zum einen sind es lang nicht so viele Starter wie auf der Straße. Ich würde sagen immer, also vielleicht maximal 50 bis 70 Starter. Auf der Straße sind wir auch mal 150 bis 180. Und dazu kommt eigentlich, dass wir alle alleine fahren. Also es gibt zwar schon ein, zwei Teams mit vielleicht drei bis vier Fahrerinnen, aber auch selbst da, da ist es schwer, wirklich im Team zusammenzufahren, weil einfach die Straßen oder halt die Gravelstraßen, die sind natürlich, die lassen es gar nicht zu, dass man jetzt als Team gebündelt irgendwie einen Lead-Out macht oder zusammenfährt, sondern da ist halt wirklich jeder auf sich so ein bisschen alleine gestellt. Und dadurch entwickelt sich so ein ganz eigener Renncharakter. Und wie gesagt, jeder kämpft so ein bisschen für sich selber. Man hat auch nicht irgendwie wie im Straßenrennen einen Funk im Ohr, wo der sportliche Leiter einem Anweisungen gibt, was man jetzt für seine Teamkollegin machen sollte oder wann man attackieren könnte. Sondern man ist einfach komplett im Rennen auf sich alleine gestellt. Man muss sich auch überlegen, wie macht man die Verpflegung. Manchmal muss man anhalten, um die Flaschen aufzufüllen. Wenn ich jetzt einen Platten habe im Rennen, dann muss ich den selber flicken. Das war auch die letzten Jahre, musste ich einfach im Radio dann kurz durchgeben. Ich habe einen Platten und dann habe ich ein neues Fahrrad hingestellt bekommen. Und jetzt stehe ich da selber da mit Flickzeug und einer Pumpe. Und dann kommt im Gravelrennen hinzu, dass man einfach auch ununterbrochen... Sich so konzentrieren muss, weil dann muss man plötzlich durch einen ganzen Fluss durchfahren oder plötzlich ist ganz viel Geröll oder dann ist es schlammig, rutschig. Einfach man hat nach jeder Kurve hat man irgendwie eine Ungewissheit und muss sich mit an den neuen Gegebenheiten der Straße irgendwie anpassen. Und ich finde es ganz spannend, weil im Gravel-Sport da gewinnt nicht unbedingt immer nur die Stärkste, sondern da gehört natürlich schon auch viel Glück dazu, dass du jetzt keinen, Platten oder sonst was hast, aber eben auch das Fahrtechnische und auch so ein bisschen die Taktik, auch wie man sich das Rennen einteilt, weil viele Rennen sind deutlich länger als auf der Straße. Also das wird mich jetzt dann im Sommer vor allem erwarten, wenn dann die Rennen zwischen 200 und 300 Kilometer lang sind. Das ist dann doch nochmal mehr als das Doppelte an Zeit, was ich dann auf dem Fahrrad verbringe als jetzt bisher. Und so sind es einfach wirklich komplett unterschiedliche Disziplinen. Natürlich sitzt man auf dem Fahrrad und möchte so schnell wie es geht vom Start bis ins Ziel kommen. Aber alles andere ist eigentlich wirklich eine Disziplin für sich und bringt einfach so viel neue, ungewisse Sachen, die es aber extrem spannend machen. Wie fühlt sich das denn an, jetzt absolute Einzelkämpferin zu sein? Natürlich haben Sie ein Team im Rücken, das Schweizer Team Tudor von Fabian Cancelara, aber dennoch so auf der Straße beim Rennen, da sind Sie Einzelkämpferin und wie Sie schon gesagt haben, für sich selbst verantwortlich. Was macht das mit Ihnen? Wie fühlt sich das an? Ich finde es ehrlich gesagt total gut. Natürlich gibt es auch Momente, wo man sich wünschte, es wäre schön, wenn ich noch irgendwie eine Teamkollegin um mich herum hätte am Abend, wo man dann mit der irgendwie sich austauschen kann oder so. Aber ich habe jetzt schon gemerkt, dadurch, dass da so viele dann auch immer vor Ort sind, andere Gravel-Fahrer, man geht dann auch ganz anders und offen an das Rennen dran und lernt die Leute einfach kennen und lernt neue Persönlichkeiten und neue Freunde kennen. Und von daher fühlt sich das dann gar nicht so alleine an. Und ich habe auch wirklich das Gefühl, klar, wir fahren hart gegeneinander, rennen im Gravel, aber es ist trotzdem eine viel größere Gemeinschaft. Also in der Ziellinie, da umarmen sich alle und es ist so wirklich so eine richtige Gemeinschaft und dadurch, dass eben jeder allein unterwegs ist, versucht man sich dann auch gegenseitig zu helfen oder man teilt sich das Airbnb oder man geht noch zusammen essen und so ist es eigentlich viel schöner, finde ich, als bisher, wenn man immer so in seinem Team, also ich sage jetzt gefangen, aber das ist natürlich der falsche Ausdruck. Aber ja, man war halt einfach immer teamintern, ist nach dem Rennen sofort in den Teambus gegangen, so schnell wie es geht, zum nächsten Hotel oder zur nächsten Etappe und hat gar nicht so viel die anderen Leute kennengelernt. Und jetzt ist man einfach viel offener. Und ja, gerade im Rennen ist es natürlich auch schön, wenn man wirklich nur für sich selber schauen muss. Man hat dann auch nicht irgendwie das Gefühl, sich jemand anderen aufopfern zu müssen, sondern es ist einfach nur ich und meine eigene Leistung. Und ich mache das Beste aus jedem Rennen. Und wenn es nicht läuft, dann bin ich dafür verantwortlich und wenn es gut läuft, dann aber eben auch. Und das finde ich eigentlich ganz schön, diesen Charakter, dass ich wirklich... Für mich selber komplett kämpfen kann und nicht irgendjemand anderen irgendwas schulde oder so weiter, ja. Das klingt trotz aller professionellen Strukturen, die die Wettkämpfe ja haben, auch trotz allen intensiven Trainings, dass sie da hinein investieren, auch sehr, sehr locker, hat so ein bisschen Festivalcharakter und Festivalatmosphäre. Und glaube ich, ganz anders, als das eben der Straßenradsport war, auf den ich jetzt gerne zu sprechen kommen möchte, lassen Sie uns ein bisschen zurückblicken. Wenn Sie Ihre Straßenkarriere in einem Satz beschreiben müssten, welcher wäre das? Das ist eine gute Frage. Ich habe mir Gedanken drüber gemacht und so richtig einen Satz ist schwer, aber ich würde sagen. Eine zehn Jahre lange Straßenkarriere mit Höhen und Tiefen, aber am Ende hat es mich zu dem gemacht, wo ich heute bin und ich möchte kein Jahr missen, auch wenn es wirklich Jahre gab, die die auf dem Papier nicht gut aussahen oder die mich sehr geprägt haben. Aber am Ende bin ich sehr froh, dass ich wirklich das alles gemacht habe und kann auch stolz auf viele Ergebnisse sein und möchte nichts davon missen. 2023 und 2025 sind Sie die Tour de France der Frauen gefahren. Was bleibt denn von diesen Sommern auf Frankreichs Straßen unter Frankreichs Sonne? Also im Jahr 2000, also beide Jahre bin ich für das französische Team Copides gefahren, im Jahr 2023 als Leaderin und habe da auch wirklich hart für trainiert und wollte, also mein großes Ziel war es so in die Top 15 zu fahren, im Gesamtklassement habe ich auch gerade geschafft, ich habe dann als 15. Das Rennen beendet und für mich war das wirklich ein Riesenerfolg, weil der Tour de France sind einfach wirklich die allerbesten Fahrer der Welt und ich habe da hart für gearbeitet und das war auf jeden Fall eine ganz, ganz tolle Erfahrung für mich. Und da sind wir auch so berühmte Berge wie den Tourmalé hochgefahren und es war das erste Mal, dass ich die Tour gefahren bin und so viele Zuschauer und Fernsehübertragung und Media im Ziel und vorm Ziel und das war schon wirklich eine ganz tolle Erfahrung. Und trotzdem muss ich auch sagen, es hat mich auch sehr angestrengt. Vor allem dadurch, dass ich für das französische Team gefahren bin, war auch viel französische Presse immer vor Ort. Und ich habe dann erst mal das Ausmaß gemerkt, was für eine Tour de France nochmal andere Medien und so weiter anzieht. Und es war wirklich auch eine anstrengende Woche. Also zum einen eben auf dem Fahrrad, weil man jeden Tag im Gesamtklassement darf man ja wirklich keinen einzigen schlechten Tag haben. Oder man muss um jede Sekunde kämpfen. Und selbst in einem Massensprint darf man nicht irgendwie eine Lücke haben und so. Das hat mich also körperlich und mental sehr angestrengt. Aber natürlich war es auch, es war ein Riesenerfolg für mich. Also es hat mir auch großen Spaß gemacht. Und dann 2025 war ich in einer ganz, ganz anderen Rolle. Da war es bis eine Woche vor der Tour gar nicht klar, ob ich die Tour überhaupt fahre oder nicht, weil ich einfach nicht in der Form war, wo ich hätte sein sollen. Oder ich war einfach nicht so stark wie davor auch schon. und dann bin ich aber doch mitgegangen als reine Helferin, hauptsächlich für unsere junge französische Fahrerin, die dann auch dieses Young Rider Jersey besitzt, sechs Etappen lang hatte, was für uns als Team sehr, sehr gut war. Und so habe ich die Tour von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Da bin ich nicht vorne mitgefahren, sondern bin jeden Tag hinten im Kruppetto, habe ums Zeitlimit gekämpft und wollte die Tour einfach nur zu Ende fahren. Also aus einer ganz, ganz davor, eben zwei Jahre davor, habe ich um jede Sekunde gekämpft und jetzt 2,25 habe ich gekämpft, dass ich es überhaupt zu Ende schaffe. Und ja, von daher habe ich irgendwie beide Seiten erlebt. Ja, auf jeden Fall eine tolle Erfahrung Sie gelten ja als stark am Berg inwieweit ist denn das Auszeichnung und inwieweit ist das Erwartungsdruck ähm. Also auf jeden Fall ist es eine tolle Auszeichnung, klar, aber es bringt wirklich viel Druck mit sich, weil eben wie auch schon im Intro gesagt, der Berg, der verzeiht einem einfach nichts. Also da kann man sich nicht irgendwie verstecken und Kraft sparen oder sonst irgendwas, sondern da zählt wirklich die reine Leistung. Und da zeigt sich einfach, wer hat gut trainiert, wer ist gut in Form, wer hat alles richtig gemacht in der Vorbereitung. und wenn es dann nicht läuft und man dann abfällt, das ist wirklich so ein Gnadenschlag irgendwie und das tut dann einfach doppelt so weh. Also zum einen tut es in den Beinen weh, zum anderen tut es mental extrem weh, wenn man nicht vorne mitfahren kann. Und ja, ich hatte viele gute Jahre, wo ich wirklich stark am Berg war und dann macht das Bergfahren extrem viel Spaß, weil man sich dann irgendwie wirklich so das Gefühl hat, man kann der Masse davonfahren und man kann sich von anderen abheben und plötzlich wird das Feld immer kleiner und man fühlt sich dann plötzlich so stark und überlegen und frei, und jetzt die letzten zwei Jahre war es eher das Gegenteil, dass ich mich am Berg total schlecht gefühlt habe und nicht mehr die Leistung erbringen konnte, die ich auch schon erbracht habe und dann wird jeder Berg eher zur Last und ich habe dann eher im Rennen oder schon vor dem Rennen eher schon Angst vor den Bergen und ein paar Jahre davor habe ich mich über jeden Berg gefreut, weil ich dann das Gefühl hatte, okay, jetzt kommt so meine Zeit im Rennen und jetzt die letzten zwei Jahre war das eher das Gegenteil. Von daher ist es Fluch und Segen zugleich, würde ich sagen. Wie geht man denn mit, also wenn man weiß, dass man zwei so starke Gefühle gegenüber Bergen mitbringt, einmal so die große Freude, die Begeisterung dafür, dass man weiß, ich habe gute Beine, ich komme da sehr, sehr schnell hoch. Andererseits aber dann, wie Sie gesagt haben, die Angst. Wie geht man denn mit dieser, also fast schon Zerrissenheit um als Athletin? Im Training fällt mir das eigentlich ganz leicht, weil dann bin ich einfach auf mich gestellt und ich weiß ganz genau, was ich leisten kann. Und es wäre jetzt auch nicht schlimm, wenn ich es nicht in der Zeit schaffe oder da ist man einfach so mehr für sich. Aber im Rennen ist es dann schon schwer, diese Balance zu schaffen und sich nicht schon vor dem Rennen eigentlich fertig zu machen und zu sagen, ja, das ist der Berg, da falle ich auf jeden Fall ab, sondern dann einfach versuchen, das Beste draus zu machen oder dem Team anderweitig zu helfen und sich dann dem einfach so ein bisschen zu stellen und einfach so weit, wie es geht, zu kommen. Und dann, ich meine, wir alle, niemand im Radsport würde früher aufhören, bevor er wirklich nicht mehr kann. Also ich glaube, das ist nicht in der Natur eines Radfahrers. Von daher, wenn man dann am Berg abfällt, dann hat man wirklich zu dem Zeitpunkt alles gegeben. Und dann muss man einfach auch mit sich ehrlich sein und das dann auch akzeptieren, weil es bringt dann gar nichts, wenn man dann frustriert ist und dann aufhört zu treten oder das Rennen abbricht oder so weiter, sondern es ist dann einfach der aktuelle Stand der Leistung. Und vielleicht muss man dann einfach andere Dinge oder andere Stärken herausfiltern, wo man dann dem Team, wo man anders dem Team helfen kann. Und ja, ich glaube einfach, es ist wichtig, dass man klar ist, dass man zwar wirklich weiß, okay, was sind die Stärken und Schwächen, aber dass man sich auch nicht zu sehr runterziehen lässt, weil wenn man irgendwie zu frustriert ist oder zu traurig über den aktuellen Leistungszustand, dann kommt man eigentlich nur in so eine Negativspirale und dann kommt man da auch nicht mehr raus. Von daher einfach immer versuchen, irgendwie trotzdem positiv zu bleiben und das alles einfach ein bisschen sachlicher zu sehen, würde ich sagen. Ja, wir gehen noch ein bisschen weiter zurück in Ihre Radsportvergangenheit. Beim Giro d'Italia der Frauen sind Sie 2021 und soweit ich richtig recherchiert habe, 2022 gestürzt und mussten das Rennen aufgeben. Was ging Ihnen denn da durch den Kopf, als Sie gemerkt hatten, es ist vorbei? Es war eine große Frustration, weil beide Male war ich im Gesamtklassement, also in den Top Ten. Und es war jeweils noch eine Etappe, es war die vorletzte Etappe jeweils. Und ich wusste, das waren auch beide Male noch sehr bergige Etappen. Und zu dem Zeitpunkt war ich sehr gut in Form. Das heißt, ich hätte mich auf jeden Fall im Gesamtklass noch sicherlich unter die Top 8 kämpfen können. Und beide Male war es mein eigener Fehler auf einer Abfahrt. Ich war vorne raus, ich hatte attackiert und hatte einen guten Abstand. Eigentlich hatte ich über zwei oder drei Minuten zum Hauptfeld und war dann einfach zu ambitioniert, würde ich sagen, und zu aufgeregt. bin den Berg zwar schnell hoch, aber dann habe ich es auf der Abfahrt, bin ich beide Male weggerutscht und. Und habe dann eigentlich auch beide Male sofort gemerkt, dass das kein guter Sturz ist. Normalerweise stehe ich immer sofort auf und gehe wieder aufs Fahrrad und man richtet sich dann so auf dem Fahrrad und merkt dann meistens, ja, irgendwie kommt man schon ins Ziel. Aber bei beiden Stürzen habe ich gemerkt, das geht gar nicht. Beim ersten Mal hatte ich Schlüsselbein und das Becken gebrochen und beim zweiten Mal hatte ich wieder das Becken gebrochen und wusste dann auch schon ganz genau, diesen Schmerz auch einzuordnen und wusste sofort, okay, jetzt gar nicht mehr bewegen, weil sonst machst du es eigentlich nur noch schlimmer. Und man ist dann schon sehr, sehr frustriert. Also zum einen über das Rennen, zum anderen, weil man auch weiß, was jetzt für ein langer Prozess der Genesung vor einem steht. Es sind dann jedes Mal mindestens zwölf Wochen in der Reha-Klinik und so weiter. Und man ist halt einfach, man wird so aus dem absoluten Höchstpunkt der Form, wird man rausgerissen. Man hat davor so viel trainiert, man ist so stark gerade. Und dann heißt es, die Diagnose ja Beckenbruch und jetzt zwölf Wochen gar nicht bewegen und nur mit so einem Sitzkissen sitzen und keine Belastung und meistens nur im Bett liegen. Und das ist für jeden Sportler, glaube ich, das Allerschlimmste, was man einem antun kann, weil wir sind dafür nicht gemacht, dass wir einfach nur den ganzen Tag rumliegen. Und man weiß dann auch nie genau, wie stark kommt man da wieder von zurück. Also das sind ja dann nicht nur die zwölf Wochen in der Reha-Klinik, sondern das heißt ja dann danach dann zwei, drei, vier Monate, bis man wieder auf einem okayen Leistungsstand ist. Weil ich glaube, jeder, der sich mit Sport auskennt, der weiß ganz genau, was nur eine oder zwei Wochen an Trainingsverlust für eine Auswirkung haben. Aber sind es dann wirklich zwölf bis vierzehn Wochen, da muss man eigentlich komplett von null starten. Und das macht einem natürlich Angst. Und wenn man dann auch noch in einer Vertragssituation ist, dann ist es auch ein großes Risiko, dass man dann für das darauffolgende Jahr kein Team findet und dann kann es das dann auch mit der Karriere gewesen sein. Und so steht halt irgendwie die ganze Karriere immer auf so einem Balanceakt. Ob man nochmal ein neues Team findet und so weiter. Und das ist schon auch ein extremer Stress für den Athleten. Ganz okayes Niveau heißt ja bei Ihnen Weltspitze. Also es gibt ja nur sehr, sehr wenige Fahrerinnen, die auf diesem Leistungsniveau Rennen bestreiten können wie Sie. Wann, in welchem Augenblick wussten Sie denn immer, ich komme zurück? Und damals wusste ich das eigentlich sofort. Ich bin da so diszipliniert und weiß dann auch ganz genau, was ich machen muss und vertraue da auch dann den Ärzten und den Physiotherapeuten. Und ich weiß von mir selber, dass wenn ich mir was in den Kopf setze, dass ich das meistens ziemlich gut umsetzen kann. und es ist einfach nur eine Frage der Zeit. Aber ich habe mir damals wirklich gesagt, du kommst auf jeden Fall so stark wieder zurück, wie du davor warst. Und ich habe mir natürlich dann auch so eingeredet, ja, vielleicht tut eine Pause auch mal ganz gut oder so. Aber ja, also grundsätzlich war für mich nie der Moment, dass ich gesagt hätte, ich gebe auf oder ich wechsle jetzt die Karriere oder sonst irgendwas wegen den Stürzen. Ich hatte dann anfangs, als ich wieder aufs Fahrrad durfte, hatte ich große Probleme. Einfach mit der Angst umzugehen, weil so ein Sturz mit über 70 kmh auf dem Asphalt, das nimmt einen dann schon auch sehr mit, würde ich sagen, im Kopf, weil man einfach extreme Angst hat, wieder zu stürzen und ich meine grundsätzlich, es hätte ja auch viel schlimmer ausgehen können, so ein Sturz und habe mich aber dann auch mit einem Mentalcoach und einem Sportpsychologen getroffen, die mir dann auch die Angst wieder genommen haben, habe dann auch Fahrtechniktraining gemacht, weil ich extrem Angst hatte, um diese Linkskurve zu fahren, weil es halt zweimal eine Linkskurve war, wo ich gestürzt bin. Und so habe ich dann einfach, bin ich Schritt für Schritt, habe ich mich wieder herangetraut und sicherlich die ersten Rennen haben mir große Angst gemacht, aber man wächst dann auch wieder rein und schlussendlich ist es das, was man über acht oder zehn Jahre gemacht hat und ja, das liegt dann einfach im Blut, das ist so wie Skifahren, das verliert man dann glaube ich nicht und wenn man große Freude und Spaß daran hat, dann kann man sich auch wieder zurückkämpfen. Sie haben ja auch gerade von Werten gesprochen und da ist es ja im Profiradsport so, dass man schwarz auf weiß genau weiß, wo man steht, welche Ausdauerleistung man mitbringt. Watt pro Kilogramm zum Beispiel ist ein Wert, der ja sehr, sehr, sehr diskutiert wird und als Kletterin zählen die ja ganz besonders. Und wie sehr hat sie in ihrer Profikarriere dieser Wert definiert? Und mich hat er sehr definiert. Ich habe das auch öffentlich gemacht, dass ich über fünf Jahre sehr mit Untergewicht und auch einer Essstörung zu kämpfen hatte, weil ich damals Gewicht verloren hatte und prompt ging meine Leistung nach oben. Und natürlich wird man dann erstmal darin bestärkt, weil plötzlich ist man ganz vorne mit dabei, man fliegt die Berge hoch, man gewinnt Rennen, aber alles eben nur eigentlich aufgrund von einem viel zu tiefen Gewicht. Und über ein paar Jahre habe ich das so auch nicht akzeptieren wollen oder nicht wirklich sehen wollen, weil für mich stand der Radsport und die Leistung an allererster Stelle und dann bin ich auch das Risiko von Untergewicht und einer Essstörung auch eingegangen, weil für mich gab es einfach nur eben Erfolg und Radfahren, weil mich das so glücklich gemacht hat. Und es ist dann auch schwer, den Kopf ein bisschen zu überlisten und zu sagen, nee, du musst wieder zunehmen, weil jeder weiß, wenn du dann wieder zunimmst, dann ist natürlich dann deine Leistung dann auch wieder ein bisschen schlechter oder so. Und warum sollte ich jetzt gegen meine Leistung quasi arbeiten, wenn es doch jetzt gerade so gut läuft? Und das war dann schon, also hatte ich lange mit zu kämpfen, also fast eben fünf, sechs Jahre. Und irgendwann habe ich aber dann doch gemerkt, okay, es ist doch nicht alles der Radsport und die Leistung. Und mir war es einfach ganz wichtig, dass ich wieder zu einem gesunden Körper zurückkomme und auch wieder ein bisschen glücklicher werde. Und weil natürlich, ich war glücklich und ich habe tolle Rennen gefahren und alles, aber irgendwas hat mir einfach gefehlt und ich habe auch gemerkt, dass einfach dieses jahrelange Untergewicht auch einfach an der Persönlichkeit und an den Nerven ein bisschen kratzt und auch mit der Familie und allem. Und dann habe ich einfach den Schritt gemacht und habe mir Hilfe geholt und bin jetzt da auch zum Glück wieder raus. Aber das hat dann eben jetzt die letzten zwei Jahre sich deutlich in der Leistung gezeigt und das ist halt immer so ein bisschen der Krux an der ganzen Geschichte, würde ich sagen, dass wenn man dann den Schritt geht und sich entscheidet, okay, ich werde jetzt gesund, ich mache was für mich, für meinen Körper, für meine Zukunft, dann prompt geht die Leistung runter und man hat nicht mehr diesen sportlichen Erfolg. Verliert die Plätze in den Teams. Keine Teams wollen einen mehr haben. Und dann zweifelte man natürlich extrem an sich selber, ob man wirklich den richtigen Schritt gegangen ist und so weiter. Aber für mich ist es immer noch auf jeden Fall der richtige Schritt und ich möchte auf gar keinen Fall zurück ins Untergewicht. Und vielleicht war das auch so ein bisschen der Grund, warum ich dann am Ende die Straße jetzt hinter mir gelassen habe, weil ich das Gefühl hatte, dass ich da dann zu viel immer in der gleichen Materie drinne bin. Ich sehe zu viele andere Frauen, und die immer noch mit dem gleichen Thema kämpfen. Und das ist wie für mich so ein kleiner Trigger irgendwie, dass ich Angst habe, dass ich da zurückfallen könnte. Oder auch die Teams werden immer strenger, was Ernährung angeht. Und alles wird abgewogen und jeder kommt mit seiner eigenen Waage ins Essenszimmer und alles wird kontrolliert. Und für mich war das dann so ein Druck einfach, weil ich einfach merke, dass ich da noch sehr sensibel bin, was dieses Thema Ernährung und Gewicht angeht. Dass ich dann gesagt habe, okay, das ist für mich nicht mehr das richtige Umfeld. Und habe dann eben so das Graveln dann auch für mich entdeckt. Sie hatten über Ihre Essstörung ja auf Instagram geschrieben im August des vergangenen Jahres und der Post hatte ja eine enorme Reichweite. Was hat denn diese Resonanz mit Ihnen gemacht? Also am Anfang war ich ein bisschen überwältigt und überrumpelt von all dem. Natürlich wollte ich was mit dem Post erreichen, sonst hätte ich es ja nicht öffentlich gemacht. Zum einen wollte ich mir selber das auch endlich eingestehen und nicht mehr das verstecken, weil ich habe mich lang genug versteckt oder habe drum herum geredet oder habe andere Gründe für mein Untergewicht gesucht. Und das dann offen auszusprechen, da ist einfach auch eine Riesenlast von mir gefallen, weil ich einfach mit mir selber das erste Mal seit Jahren wieder ganz ehrlich war und auch meiner Familie gegenüber ehrlich war und mich einfach dann so von der verletzlichsten Seite eigentlich gezeigt habe, wie ich es nur sein kann. Und dass ich da so viel positive Resonanz dafür bekommen habe, hat mich schon sehr bewegt. Und ich habe auch von so vielen anderen Fahrerinnen Nachrichten bekommen, dass sie in ähnlichen Situationen sind. Und es hat mich einfach sehr bewegt, würde ich sagen, weil ich wünsche es einfach keinem, dass man in so einer Situation ist. Und ich hoffe, dass alle, die in so einer Situation sind, irgendwie sich Hilfe holen können oder Hilfe bekommen, um dort rauszukommen, weil am Ende, ja, der Radsport, der ist wichtig und macht auch ganz, ganz viel mit einem. Aber am Ende ist es nur irgendwie zehn, zwölf Jahre unseres Lebens. Und wenn man sich damit dann eine Zukunft, sei es Familie oder sonst irgendwas, verbaut, weil wir Frauen, wir haben dann über sechs, sieben Jahre unsere Menstruation nicht und solche Sachen. Und das ist dann schon einfach ein riesen, ein großes Risiko, würde ich sagen und ich hoffe, dass ich da auch ein bisschen aufklären konnte und anderen zeigen konnte, dass man sich auch daraus wieder zurückholen kann aus so einer Essstörung und dass das Leben danach sehr, sehr schön sein kann und ja, von daher, ich bin da immer noch immer wieder in vielen Interviews oder Podcasts zu hören, weil es mir einfach ein riesen Anliegen ist und auch wenn irgendjemand halt eine Frage hat oder reden möchte oder so, dass ich da wie so ein bisschen eine Ansprechstelle bin, und versuche einfach eben anderen damit zu helfen. Ja, also Ihre Beiträge wirken auf mich jedenfalls so und wie Sie jetzt sagen, auch auf andere, das merken Sie ja an den Zuschriften, also so, dass Sie eine Mutmacherin sind in diesem Thema, dass man damit darüber öffentlich spricht und damit auch umgehen lernt, wer oder was hat Ihnen denn dabei geholfen, damit umgehen zu lernen? Auf Instagram haben Sie ja geschrieben, Sie haben den Weg, also geschafft, den Weg einzuschlagen zu einem Better Me, zu einem besseren Ich, also einer besseren Version von Ihnen selbst zu werden. Also ich habe mir auf jeden Fall, ich habe schon angefangen, 2020 war ich schon in der ersten stationären Klinik deswegen. Und seitdem dann war ich immer in der ambulanten Behandlung, und bin da eigentlich auch wöchentlich eben zu meinem Psychologen gegangen und habe einfach ganz, ganz offen immer damit, bin damit umgegangen, habe mit ihm darüber gesprochen und der hat mir dann schon eigentlich hauptsächlich geholfen, da rauszukommen und mir auch gezeigt, dass eben nicht alles an mir schlecht ist und so weiter. Und ich meine, so eine Essstörung, die kommt nicht von nichts. Also da sind dann schon immer irgendwelche anderen verborgenen Muster dahinter. Und wenn man die dann erst mal entdeckt hat und daran dann arbeiten kann, dann ist das eigentlich die größte Hilfe, würde ich sagen. Und von daher, also für mich war immer das Offene drüber reden oder eben die Ängste auch zu besprechen, was passiert jetzt mit meinem Körper, wenn ich jetzt zunehme, ist das normal, dass ich mich so aufgebläht fühle oder dass ich das Gefühl habe, ich lager so viel Wasser ein, dass ich einfach ein bisschen mit anderen Leuten darüber sprechen kann, was passiert gerade mit meinem Körper. Weil ansonsten, wenn man damit alleingelassen ist, dann macht einem das nur Angst. Und Angst kann dann ganz schnell wieder in so einen Rückfall treten. Und deswegen ist, finde ich, es ganz, ganz wichtig, dass man einfach versucht irgendwie, es kann auch nur eine einzige Ansprechperson sein, aber wenn man sich bei der wohlfühlt, dann ist es, glaube ich, ganz, ganz viel wert. Lassen Sie uns zum Abschluss mal alle Watt pro Kilogramm, alle Leistungsdaten löschen. Wer sind Sie, Clara Koppenburg, die Gravel-Profi ohne Leistungsdaten? Ja, also natürlich bin ich immer noch, freue ich mich, wenn ich gute Rennen fahre, gar kein Thema und ich trainiere auch noch mindestens genauso hart, wenn nicht sogar noch mehr jetzt, weil ich einfach gemerkt habe, hey, ich tue mir gerade was Gutes, ich liebe das Radfahren mehr als je zuvor, für mich ist das Graveln, ich trainiere zwar viel auf der Straße, aber wenn ich Lust habe, gehe ich einfach aufs Gravelrad und gehe plötzlich biege ich von der Straße einfach links in den Waldweg ein und für mich ist das ein absolutes Freiheitsgefühl und ich fühle mich, mittlerweile in meinem Körper sehr, sehr gut und schön und habe einfach so viel Freude am Radfahren. Das macht mich so glücklich und ich freue mich extrem auf die ganzen neuen Rennen und Erfahrungen, auf all die neuen Menschen, die ich kennenlerne und versuche einfach, das alles so sehr, wie es geht, aufzusaugen und zu genießen, weil wer weiß, wie lange man sowas noch machen kann und es ist ein Riesenprivileg, dass ich hier so eine, Profisportlerin sein darf und so viele Möglichkeiten habe, durch die ganze Welt reisen darf und das alles mit meinem Fahrrad und, deswegen möchte ich es einfach von vorne bis hinten genießen und trotzdem immer alles geben, weil dann, wenn ich in die Ziellinie komme und alles gegeben habe, dann bin ich extrem stolz auf mich selber und froh und genau dieses Gefühl ist eigentlich das, was mir keiner nehmen kann, egal welcher Platz am Ende dabei rauskommt, solange ich weiß, dass ich für mich alles best gemacht habe und alles gegeben habe und einfach zufrieden und stolz mit mir bin. Dann bin ich mehr als glücklich und ja, freue mich einfach auf alles, was kommt. Was ist denn Ihr sogenannter Happy Place auf dem Fahrrad, der Moment, in dem alles stimmt? Hauptsächlich schon, wenn ich einfach, also ich bin schon eher eine schön Wetterfahrerin, ich liebe gutes Wetter, wenn die Beine gut sind, wenn ich mich einfach kräftig fühle, also einfach stark fühle, wenn ich das Gefühl habe, auch wenn ich den Berg hochfahre und mich gut fühle, aber dann auch, wenn ich die Abfahrt richtig gut fahre, wenn ich mich gut in die Kurven reinlege, wenn ich einfach grundzufrieden bin und nicht dann auch im Training oder so jede Minute runterzähle und denke, so, boah, noch drei Stunden, sondern einfach, wenn ich fahre und fahre und plötzlich ist die Zeit vorbei, die ich vorgeschrieben hatte vom Trainer oder wenn ich mich so gut fühle, dass ich noch eine Stunde dranhänge, weil ich es einfach dem Fahrer zuliebe und weil ich es einfach, weil ich es so gerne mache, dann ist eigentlich der perfekte Tag, würde ich sagen. Ja, das klingt doch gut. Wie geht es denn jetzt für Sie weiter? Sie waren ja in Spanien, in Girona und sind da ... Eine Version von The Trucker gefahren. Den Namen habe ich jetzt gerade nicht mehr präsent. Santavall. Santavall, genau. Was kommt als nächstes für Sie? Also ich werde jetzt nächste Woche, werde ich erstmal mit dem ARD eine Exkursion nach Roubaix machen. Werde da ein bisschen was mit dem ARD drehen. Dann gehe ich eine Woche nach Zypern zu einem Gravel-Trainingslager, also rein auf dem Gravel, um auch ein bisschen an meiner Technik noch zu arbeiten. Und dann fahre ich zwei, drei weitere Rennen von der Gravel-Earth-Series, also das eine heißt The Hills, dann gehe ich nach Kalifornien zu einem ganz großen Gravel-Rennen, Sea Otter und dann fahre ich Trucker in Girona wieder und dann fahre ich auch noch Unbound in Amerika. Also eigentlich habe ich ab jetzt fast jedes Wochenende oder alle zwei Wochen habe ich ein Rennen. Und es geht wirklich Schlag auf Schlag, aber das ist eigentlich auch genau das, was ich möchte, weil ich habe jetzt auch viel trainiert und ich glaube, bei den Rennen werde ich einfach zunehmend über mich hinauswachsen und so viel lernen und sicherlich auch ganz oft auf den Deckel bekommen und merken, oh je, die anderen sind alle besser oder mir fehlt es hier an der Technik oder so. Aber ich glaube, jedes Rennen ist für mich jetzt ein Lernprozess und ich werde durch die Rennen nur stärker. Von daher möchte ich so viele Rennen, wie es geht, mitnehmen und einfach Spaß daran haben und einfach Freude haben. Nach zehn Jahren Profikarriere auf der Straße noch was dazulernen? Wie fühlt sich das für Sie an? Das fühlt sich super an. Also mir wurde es fast ein bisschen langweiliger auf der Straße, muss ich sagen. Natürlich ist jedes Rennen ein bisschen anders, aber man fährt dann doch meistens die gleichen Strecken ab auf der Straße. Man kennt die dann schon. Man hat sogar den gleichen Reiseplan. Man übernachtet oftmals jedes Jahr in den gleichen Hotels. Das Einzige, was sich wechselt, sind vielleicht ab und an die Teamkollegen oder die Race-Taktik oder so. Aber jetzt ist wirklich alles komplett neu. Und ich bin echt wie so ein, natürlich fahre ich lange Rad, aber ich bin auch beim Gravel wirklich ein kompletter Neuling. Und mir macht es total Spaß, neue Dinge zu lernen und dann auch selber wieder an mir zu arbeiten. Und dann ist es jetzt eben nicht nur das normale Training, sondern eben jetzt auch Techniktraining und auch so Sachen wie schnell vom Rad auf- und absteigen. Das kann ich einfach nicht. Und das jetzt dann im Training zu integrieren oder Trackstand oder solche Sachen, Das macht mir total Spaß und auch das Ganze mit dem Material. Also am Anfang war das immer, war ich damit maßlos überfordert und jetzt, dass ich in der Lage bin, die Reifen selber zu wechseln und mir zu überlegen, welcher Luftdruck macht Sinn. Ich lerne jetzt, wie man die Kette wechselt, lauter so Sachen. Ich finde das total spannend und sehe es einfach als neue Herausforderung und freue mich darüber und macht Spaß, ja. Das klingt gut. Und auch als Abschluss, dann bedanke ich mich recht herzlich für die Zeit, die Sie sich genommen haben, für den Einblick in ein sehr bewegtes, bewegendes Profileben und wünsche Ihnen für die weiteren Rennen gute Beine und sehr viel Sonne. Vielen Dank. Dankeschön.