Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - Zarathustra's Vorrede - 6-8
Transcript
- 0:00Vorrede Unterkapitel 6 der Sturz des Seiltänzers und das Gespräch
- 0:06mit dem Sterbenden in diesem Abschnitt geschieht das Unglück,
- 0:10das sich zuvor angedeutet hat. Der Seiltänzer, auf den die
- 0:14Menge gewartet hat, beginnt seinen gefährlichen Weg über das
- 0:17Seil, das zwischen 2 Türmen gespannt ist.
- 0:20Während er balanciert, öffnet sich plötzlich eine kleine Tür
- 0:23am Turm und ein bunt gekleideter Mann springt heraus.
- 0:27Dieser Mann sieht aus wie ein Clown oder ein Possenreißer.
- 0:31Er läuft schnell hinter dem Seiltänzer her und beschimpft
- 0:33ihn wütend, er nennt ihn einen Lahmfuß und ein Faultier und
- 0:38fragt, was er hier zwischen den Türmen zu suchen habe.
- 0:42Der Clown schreit, dass der Seiltänzer den Weg für jemanden
- 0:44blockiert, der besser ist als er, das ist eine wichtige Szene,
- 0:49der Clown steht hier sinnbildlich für die
- 0:51zerstörerischen Kräfte. Den Spott oder vielleicht auch
- 0:54für die Mittelmäßigkeit, die den Menschen daran hindern will,
- 0:57sich weiterzuentwickeln. Er hetzt den Seiltänzer und
- 1:00kommt ihm immer näher, als er nur noch einen Schritt hinter
- 1:04ihm ist, stößt der Clown einen schrillen Schrei aus und springt
- 1:07einfach über den Seiltänzer hinweg, der Seiltänzer verliert
- 1:11dadurch völlig die Fassung, als er sieht, wie sein Konkurrent
- 1:15über ihn hinweg siegt, verliert er das Gleichgewicht, er lässt
- 1:18seine Balancierstange fallen und stürzt in die Tiefe.
- 1:22Die Menschenmenge auf dem Marktplatz gerät in Panik und
- 1:25läuft auseinander. Genau dort, wo der Körper
- 1:28aufschlagen muss. Zarathustra aber läuft nicht
- 1:31weg, er bleibt ruhig stehen, der Seiltänzer fällt direkt neben
- 1:35ihn, er ist schwer verletzt, seine Knochen sind gebrochen,
- 1:39aber er lebt noch, nach einer Weile kommt der Gestürzte wieder
- 1:43zu Bewusstsein und sieht, dass Zarathustra bei ihm kniet, der
- 1:47Sterbende sagt, er habe schon lange gewusst, dass der Teufel
- 1:50ihm ein Bein stellen würde. Er glaubt nun, dass der Teufel
- 1:53ihn in die Hölle schleppen wird und fragt Zarathustra, ob er das
- 1:56verhindern will. Zarathustra antwortet ihm sehr
- 2:00ernst und beruhigend, ergibt ihm sein Ehrenwort, dass es weder
- 2:03den Teufel noch die Hölle gibt. Er sagt dem Sterbenden, dass
- 2:07seine Seele noch schneller tot sein wird, als sein Körper, das
- 2:11bedeutet, dass es nach dem Tod kein Weiterleben, keine Strafe
- 2:15und keine Qualen gibt. Zarathustra nimmt dem Mann damit
- 2:19die Angst vor dem Jenseits. Er erklärt ihm, dass er nichts
- 2:22mehr zu fürchten hat. Der Mann schaut misstrauisch und
- 2:25fragt nach, wenn das wahr ist, dann verliert er ja gar nichts,
- 2:29wenn er sein Leben verliert. Er vergleicht sich selbst
- 2:32traurig mit einem Tier, dass man nur durch Schläge und wenig
- 2:36Futter das Tanzen gelehrt hat. Zarathustra widerspricht ihm
- 2:39sanft, er sagt nicht, doch er erklärt dem Sterbenden, dass er
- 2:45aus der Gefahr seinen Beruf gemacht hat, das ist nichts,
- 2:48wofür man sich schämen muss. Der Seiltänzer hat sein Leben
- 2:52riskiert und daran geht er nun zugrunde.
- 2:55Aus Respekt vor diesem Mut verspricht Zarathustra ihm, dass
- 2:58er ihn mit seinen eigenen Händen begraben wird, als Zarathustra
- 3:02das sagt, antwortet der Sterbende nicht mehr, aber er
- 3:05bewegt seine Hand so, als wollte er sich zum Dank bei Zarathustra
- 3:08bedanken. Vorrede unter Kapitel 7
- 3:12zarathustras Einsamkeit und der neue Entschluss.
- 3:17Es ist inzwischen Abend geworden und der Marktplatz liegt im
- 3:20Dunkeln. Die Menschenmenge hat sich
- 3:22verlaufen, denn irgendwann werden selbst Neugier und
- 3:25Schrecken müde, Zarathustra sitzt immer noch neben dem toten
- 3:29Seiltänzer auf dem Boden und ist tief in Gedanken versunken, er
- 3:33vergisst die Zeit, schließlich wird es Nacht und ein kalter
- 3:37Wind weht über ihn hinweg, da steht Zarathustra auf und
- 3:41spricht zu sich selbst. Er zieht eine bittere Bilanz
- 3:44seines ersten Versuches, die Menschen zu lehren.
- 3:47Er sagt ironisch, dass er heute einen schönen Fischfang gemacht
- 3:51hat. Er hat keinen lebendigen
- 3:53Menschen als Anhänger gewonnen, sondern nur einen Leichnam.
- 3:56Zarathustra denkt über das menschliche Leben nach, er
- 4:00findet es unheimlich und immer noch ohne tiefen Sinn, ein
- 4:04einziger Possenreißer, also ein nach oder ein unglücklicher
- 4:08Zufall, kann einem Menschen zum Verhängnis werden und sein Leben
- 4:11beenden. Zarathustra bekräftigt hier sein
- 4:14Ziel. Er will den Menschen den Sinn
- 4:17ihres Daseins lehren. Dieser Sinn ist der Übermensch.
- 4:21Der Begriff Übermensch meint bei Nietzsche eine neue Art von
- 4:24Mensch, der sich selbst überwindet, der sich eigene
- 4:27Werte schafft und dem Leben voll und ganz zustimmt, anstatt auf
- 4:31ein Jenseits zu hoffen. Zarathustra vergleicht diesen
- 4:34Übermenschen mit einem Blitz, der aus der dunklen Wolke, die
- 4:37der normale Mensch ist, Hervorbricht, aber Zarathustra
- 4:41muss einsehen, dass er den Menschen noch fremd ist.
- 4:44Sie verstehen ihn nicht. Er sagt, mein Sinn redet nicht
- 4:48zu ihren Sinnen für die Menschen auf dem Markt ist er nur eine
- 4:52Mischung aus einem Narren und einem Leichnam.
- 4:55Die Nacht ist dunkel und Zarathustras weg ist ebenfalls
- 4:58dunkel, er spricht den toten Seiltänzer an, als wäre er ein
- 5:03Gefährte, auch wenn er kalt und steif ist.
- 5:06Er entscheidet sich, sein Versprechen zu halten, er nimmt
- 5:09den Toten auf seinen Rücken, um ihn dorthin zu tragen, wo er ihn
- 5:13begraben kann. Damit endet dieser Abschnitt, in
- 5:16dem Zarathustra erkennt, dass seine direkte Rede an das Volk
- 5:19gescheitert ist und er einen neuen Weg finden muss.
- 5:23Vorrede Unterkapitel 8 Zarathustras Flucht aus der
- 5:28Stadt und die Wanderung mit dem Leichnam in diesem Abschnitt
- 5:33verlässt Zarathustra den Marktplatz und die Stadt, er hat
- 5:37beschlossen, den toten Seiltänzer nicht einfach liegen
- 5:39zu lassen, sondern ihn selbst zu begraben.
- 5:43Zarathustra sprach zu seinem eigenen Herzen, lud sich den
- 5:46toten Körper des Seiltänzers auf den Rücken und machte sich auf
- 5:49den Weg. Er war noch keine 100 Schritte
- 5:52gegangen, da schlich sich jemand an ihn heran und flüsterte ihm
- 5:55ins Ohr, es war der Possenreißer vom Turm, also jener bunte
- 6:00Clown, der den Unfall des Seiltänzers verursacht hatte,
- 6:04der Possenreißer warnte Zarathustra eindringlich, er
- 6:08sagte, Geh weg aus dieser Stadt, O Zarathustra.
- 6:12Zu viele Menschen hassen dich hier.
- 6:14Der Possenreißer erklärte genau, wer diese Feinde sind.
- 6:18Er nannte 2 Gruppen. Zum einen hassen ihn die guten
- 6:22und gerechten, damit meint Nietzsche in diesem Buch oft
- 6:25jene Menschen, die stur an alten moralischen Regeln festhalten
- 6:29und glauben, sie seien moralisch perfekt, Sie nennen Zarathustra
- 6:33ihren Feind und Verächter, weil er ihre alten Werte in Frage
- 6:36stellt, zum anderen hassen ihn die Gläubigen des rechten
- 6:40Glaubens. Das sind die streng religiösen
- 6:43Menschen. Sie nennen Zarathustra eine
- 6:45Gefahr für die Menge, also eine Bedrohung für das einfache Volk.
- 6:49Der Possenreißer erklärte weiter, Warum Zarathustra noch
- 6:53am Leben ist. Er sagte, Zarathustra habe Glück
- 6:56gehabt, dass die Leute über ihn gelacht haben, sie haben ihn
- 6:59nicht ernst genommen, sondern wie einen weiteren Spaßmacher
- 7:02behandelt. Außerdem habe es Zarathustra
- 7:05gerettet, dass er sich mit dem toten Hund abgegeben hat, mit
- 7:09toter Hund. Meinte der Possenreißer
- 7:11respektlos den toten Seiltänzer dadurch, dass Zarathustra sich
- 7:15so erniedrigt hat, diesen Leichnam zu tragen, wirkte er
- 7:18ungefährlich und hat sich für den heutigen Tag gerettet.
- 7:21Doch der Possenreißer drohte ihm zum Abschied, geh fort aus
- 7:25dieser Stadt, sonst springe ich morgen über dich hinweg, so wie
- 7:29ein lebendiger über einen Toten springt.
- 7:32Damit meinte er, dass er Zarathustra vernichten würde,
- 7:35wenn er bliebe. Nach diesen Worten verschwand
- 7:38der Mensch und Zarathustra ging weiter durch die dunklen Gassen
- 7:42am Stadttor traf Zarathustra auf die Totengräber, sie leuchteten
- 7:46ihm mit einer Fackel ins Gesicht, erkannten ihn und
- 7:49begannen ihn zu verspotten. Sie riefen Zarathustra trägt den
- 7:54toten Hund weg es ist gut, dass Zarathustra unter die
- 7:57Totengräber gegangen ist. Sie sagten spöttisch, Ihre
- 8:01eigenen Hände seien zu sauber für diesen Braten, also für den
- 8:05toten Körper. Sie machten Witze darüber, dass
- 8:09Zarathustra dem Teufel wohl sein Essen stehlen wolle.
- 8:12Sie lachten und steckten ihre Köpfe zusammen.
- 8:15Zarathustra ignorierte sie, sagte kein Wort und setzte
- 8:19seinen Weg fort, er wanderte 2 Stunden lang durch Wälder und an
- 8:23Sümpfen vorbei, in der Nacht hörte er das Hungrige Heulen der
- 8:27Wölfe, da bekam er selbst großen Hunger, er blieb vor einem
- 8:31einsamen Haus stehen, in dem noch Licht brannte.
- 8:35Zarathustra dachte darüber nach, wie seltsam der Hunger ist.
- 8:39Er verglich den Hunger mit einem Räuber, der einen plötzlich in
- 8:42der Nacht im Wald überfällt. Er wunderte sich, dass er den
- 8:46ganzen Tag über keinen Hunger gespürt hatte, obwohl er nichts
- 8:49gegessen hatte, er klopfte an die Tür des Hauses, ein alter
- 8:53Mann öffnete mit einem Licht in der Hand und fragte, Wer da
- 8:57seine Ruhe störe. Zarathustra, antwortete, ein
- 9:01lebendiger und ein Toter. Er bat um Essen und trinken, da
- 9:05er es tagsüber vergessen hatte. Er zitierte eine Weisheit,
- 9:09werden Hungrigen, speist, Erquickt, also stärkt und
- 9:12erfrischt seine eigene Seele. Der alte Mann ging kurz weg und
- 9:17kam mit Brot und Wein zurück, er erklärte, dass dies eine
- 9:20schlechte Gegend für Hungrige sei und er deshalb hier als
- 9:24Einsiedler wohne, um Tier und Mensch zu helfen.
- 9:28Der Alte forderte Zarathustra auf, auch seinem Begleiter etwas
- 9:31zu geben, da dieser noch müder sei.
- 9:34Zarathustra antwortete, mein Gefährte ist tot, ich werde ihn
- 9:38kaum dazu überreden können, zu essen.
- 9:41Der alte reagierte mürrisch und sagte, Das ist mir egal, wer an
- 9:46meine Tür klopft, muss nehmen, was ich ihm biete, esst und habt
- 9:50eine gute Zeit. Danach wanderte Zarathustra
- 9:54wieder 2 Stunden weiter, er orientierte sich an den Sternen,
- 9:58denn er war es gewohnt, nachts zu gehen.
- 10:01Er mochte es, in das Gesicht der schlafenden Welt zu schauen, als
- 10:04der Morgen langsam Anbrach, befand sich Zarathustra in einem
- 10:07tiefen Wald und es gab keinen Weg mehr.
- 10:11Er entschied sich, den Toten Seiltänzer in einen hohlen Baum
- 10:14zu legen, er tat dies am Kopfende des Baumes, um den
- 10:18Leichnam vor den Wölfen zu schützen, danach legte sich
- 10:21Zarathustra selbst auf dem Boden in das weiche Moos, er schlief
- 10:25sofort ein, sein Körper war zwar müde.
- 10:28Aber seine Seele war ruhig und unbewegt.