Latest / Hinreichend verdächtig / Als eine nächtliche Explosion die Stadt erschütterte
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- Ganz oft ist es so, dass wir in den Fällen der Geldautomaten-Sprengung tatsächlich Tatserien haben, die sich auch oft an hintereinander folgenden Tagen dann ereignet haben und man dann eben auch aufgrund der Spulenlage an den verschiedenen Tatörtlichkeiten sich dann eben ein Gesamtbild und auch einen Tatverdacht gegen eine konkrete Person generieren lässt. Das war jetzt hier eben anders. Wir hatten nur eine Tat und der Tatverdacht eigentlich auch schon aufgrund der Aufwindesituation an der Grenze. Hinreichend verdächtig, der True Crime Podcast der Rheinischen Post und der Staatsanwaltschaft Duisburg. Und damit Hallo zurück bei Hinreichend verdächtig und einen guten Start ins neue Jahr euch allen. Mein Name ist Lilly Stegner und in diesem Podcast gehen wir nicht nur echten Kriminalfällen auf den Grund, sondern wir tauchen richtig tief ein. Wir beleuchten die Ermittlungen, die zur Anklage geführt haben und wir untersuchen, was die Gesetzestexte dazu sagen. Dafür habe ich wie immer zwei Gäste hier, einmal aus der Staatsanwaltschaft in Duisburg und einmal einen Gerichtsreporter aus unserer Lokalredaktion. Die Fälle, die wir hier betrachten, die sind immer abgeschlossen und damit rechtskräftig entschieden. Wir analysieren dann, wie der Fall öffentlich wahrgenommen wurde und wie die Staatsanwaltschaft ermittelt hat und am Ende so eine Anklage formulieren konnte. Und ganz nebenbei werden wir so auch die juristischen Fachbegriffe diskutieren können, die man vielleicht immer mal wieder hört, aber möglicherweise nicht immer so ganz genau versteht. Wie zum Beispiel auch den Begriff hinreichend verdächtig. Dass wir das machen können, liegt auch an unserem Sponsor. Das ist Synlab in Leverkusen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle. Heute habe ich Jill McCuller zu Gast. Sie ist Staatsanwältin hier in Duisburg und Alexander Trisch, Redakteur in unserer Lokalredaktion. Die Tat, über die wir hier heute sprechen, betrifft Sprengstoffdelikte und ein ziemlich riskantes Verhalten, das Menschen gefährden kann. Falls euch das also belastet, dann hört die Folge lieber nicht alleine an. Starten wir wie immer aber erstmal mit der Beschreibung des Falls. Was ist passiert? In den frühen Morgenstunden des 10. Februar 2023, es ist kurz vor 4 Uhr morgens, entsteht auf der Mannesmannallee in Mülheim an der Ruhr ein Blitzerfoto. Ein grauer Mercedes ist deutlich zu schnell unterwegs. Später, auf dem Foto, soll man drei Personen im Auto erkannt haben. Wer sie sind, kann man aber nicht erkennen. Alle drei tragen Sturmhauben. Um kurz nach 4 Uhr jedenfalls finden sich drei junge Männer vor einer Kauflandfiliale in Mülheim an der Ruhr ein. Ihr Ziel? Ein Geldautomat im Eingangsbereich des Marktes. Alles, was danach geschieht, wirkt fast wie aus einem Drehbuch für eine nächtliche Einbruchsserie. Nur eben mit echten Menschen, echten Gefahren und echten Folgen. An der Filiale angekommen, verschaffen sich zwei der Männer, die wir hier Karim und Rashid nennen, gewaltsam Zugang zur Filiale. Sie hebeln die verglaste Eingangstür auf und gehen hinein, während der dritte Mann, Fares, im bereitstehenden Fluchtwagen draußen wartet. Drinnen platzieren die beiden Sprengstoffe am Geldautomaten. Dann folgen zwei Detonationen. Laut genug, dass wenige hundert Meter weiter die Scheiben eines Schnellrestaurants vibrieren, wie Zeugen später berichten werden. Der Automat reist auf, Geldscheine fliegen heraus. Viele davon werden allerdings mit grüner Sicherheitsfarbe verunreinigt, die das System bei einem Aufbruch automatisch freisetzt. Insgesamt mindestens 65.510 Euro landen so in den Händen der Täter. Die Männer flüchten, springen in den grauen Mercedes, der sich in der Nähe auf dem Parkplatz eines Discounters bereitgehalten hat, und rasen davon. Viel zu schnell und offenbar völlig unkontrolliert. Kurz darauf, gegen 4.13 Uhr, verunglückt das Fahrzeug auf dem Schurweg in Essen. Das Auto brennt aus, der Fahrer Fares wird schwer verletzt, gebrochene Ellbogen, mehrere Rippenbrüche, kollabierte Lunge. In dieser Situation rufen die drei einen Bekannten an, den wir hier Niederl nennen wollen. Er lebt in den Niederlanden und war laut seiner Aussage gerade bei der Arbeit, als ihn der Anruf erreichte. Nach eigener Aussage wusste er nichts von der eigentlichen Tat. Er soll die Gruppe lediglich abholen, nachdem ihr Fluchtauto ausgefallen war. Nidal fährt noch am selben Tag über die Grenze nach Deutschland, sammelt die Gruppe ein und tritt mit ihnen die Rückfahrt in die Niederlande an. Doch die Flucht scheitert. Bei der Wiedereinreise ins Nachbarland wird das Auto kontrolliert. Die Beamten finden das Geld, teils in Jacken, teils im Intimbereich versteckt. Daneben finden die Ermittler weitere belastende Hinweise. Orangene Plastikhandschuhe, die später im Überwachungsvideo der umliegenden Geschäfte zu sehen sind. Ammoniak, schwarze Regenschirme. Die typische Ausrüstung für Geldautomaten-Sprenger. Später wurden außerdem Spuren von Pyrotechnik an der Kleidung und Ausrüstung gefunden. Einer der Täter hinterließ zudem DNA-Spuren an einer Parkbank. Und all das ergibt am Ende ein Bild der Abläufe dieser Geldautomaten-Sprengung in der Nacht. Ab wann war der Angeklagte hinreichend verdächtig? Jill, nimm uns mal mit in die Anfangsphase dieser Ermittlungen. Wann wurde denn aus dieser Explosion an einem Supermarkt ein konkreter Verdacht gegen einzelne Personen? Also im Gegensatz zu vergleichbaren Fällen ging das hier in unserem Fall recht schnell. Denn so wie du geschildert hast, war es ja so, dass die Beschuldigten bei dem Versuch von Deutschland wieder in die Niederlande einzureisen, von den niederländischen Behörden festgenommen wurden. Die Behörden dort hatten recht schnell den Verdacht aufgrund der Situation in dem Auto, dass es hier eine Straftat stattgefunden hat, insbesondere eben aufgrund der aufgefundenen Utensilien wahrscheinlich eine Geldautomatensprengung und die haben dann die Beschuldigten bereits festgenommen und uns informiert und aufgrund dieses Gesamtbildes konnte recht schnell auch der Zusammenhang mit unserer Tat, die ja nur wenige Stunden her war, hergestellt werden. Und insofern hat sich der Verdacht gegen die im Auto befindlichen Beschuldigten recht schnell erhärtet. Und wir hatten ja ganz viele ineinandergreifende Spuren, also Zeugenaussagen, es gab Brandreste, es gab DNA-Treffer. War das denn bei allen dreien dann der gleiche Zeitpunkt, wo ihr quasi die Person ausmachen konntet oder kam das so nach und nach? Also es war ja so, dass wir halt von Anfang an diese Festnahmesituation hatten. Wir hatten die vier Beschuldigten in dem Auto und deswegen hat sich schon mal, ich sag jetzt mal so ein Grundverdacht gegen alle ergeben, Wobei wir natürlich nicht sagen konnten, welcher der Beschuldigten welche Rolle in dem Fall gespielt hat. Und dann nach und nach durch Auswertung von Spuren und auch Zeugenaussagen hat sich gegen den einen oder anderen Beschuldigten dann dieser Tatverdacht immer mehr erhärtet. Das war aber natürlich nicht zum gleichen Zeitpunkt, sondern das war dann eben so ein schleichender Prozess. Und ihr habt ja auch super viel mit sehr technischer Spurenarbeit quasi hier gearbeitet. Also Funkzellen, Pyrotechnik, Spurenstandortdaten. Wie arbeitet ihr denn damit, wenn ihr dann so ein großes, also ich stelle mir das vor, so ein ganz großer Tisch, wo ganz viele Spuren quasi drauf liegen mehr oder weniger am Ende und ihr müsst das quasi alles zusammen puzzeln zu einem Bild. Wie funktioniert das denn? Ziemlich genauso, wie du es gerade beschrieben hast. Also wir arbeiten dann diese einzelnen Spurenkomplexe natürlich Stück für Stück ab und schauen uns die Beweismittel an, die wir haben. Und im allerbesten Fall ist es natürlich so, dass diese Puzzlestücke dann ineinander greifen und ein einheitliches Bild ergeben und uns dann eben Aufschluss darüber geben, wie die Tat konkret sich vollzogen hat. Ganz wichtig ist auch beispielsweise in diesen Fällen, dass wir Funktionellendaten erheben. Das ist eigentlich so eine absolute Standardmaßnahme auch in solchen Verfahren. Denn diese Daten, die geben uns Ausschluss darüber, welche Mobiltelefone zu dem jeweiligen Tatzeitpunkt in der Umgebung und der Tatörtlichkeit selbst eben auffältig waren. Und dann kann man das abgleichen mit den Mobiltelefonen von Tatverdächtigen. Und auch sowas hier in dem Fall, den wir hier behandeln, dass eben insbesondere das Mobiltelefon eines Beschuldigten auch in der Tatortfunkzelle festgestellt werden konnte. Und darauf kann man dann letztlich auch aufbauen. Es wurden auch DNA-Spuren an einer Parkbank gefunden. Wie hat das denn zu diesem ganzen Komplex dazugehört? Ja, das ist eigentlich ein ganz gutes Beispiel dafür, dass man erstmal eine Spur hat und die nicht so wirklich vielversprechend klingt. Hier war es so, dass ein Zeuge sich gemeldet hat bei der Polizei und angegeben hat, dass er an dem Morgen der Tat, also wenige Stunden nachdem sich die Tat vollzogen hatte, auffällige Personen an einer Parkbank in Essen festgestellt hat. Die Personen hätten zudem auch eine Sporttasche mit sich geführt. Und das hätte er eben so der Polizei gemeldet. Und das kann dann erstmal alles und nichts sein. Es war aber so, dass die Örtlichkeit auf dem Fluchtweg lag. Und wir uns das deswegen genauer angeschaut haben. Wir konnten dann an dieser Parkbank auch Spuren nehmen, Speichelspuren. Und diese in die DNA-Datenbank einstellen. Und haben dann auch einen Treffer in den Niederlanden erzielt. Und dieses DNA-Profil, was dort in den Niederlanden gespeichert war, war einem unserer Beschuldigten zuzuordnen. Also am Ende war dann die Spur, die erstmal so alles und nichts hätte sein können, für uns dann doch schon sehr, sehr wesentlich. Deshalb ist es vermutlich auch so wichtig, jedes noch so kleine Stückchen zu verfolgen, auch wenn man sich im ersten Moment vielleicht gar nicht so viel davon verspricht. Ja, genau so ist es. Wir haben ja noch einen vierten Angeklagten hier in der Runde, also Nidal haben wir ihn genannt. Seine Rolle ist ja wirklich geschehen, Sehr unterschiedlich zu den anderen dreien, die ja an dieser Sprengung an sich beteiligt waren. Wie ist sein Verhalten denn da einzuordnen? Bei Nidal war es so, er hat sich auch im Ermittlungsverfahren eingelassen, dass recht schnell dann klar war, auch aufgrund seiner Einlassung und der übrigen Beweise, die wir hatten, dass er an der konkreten Tat und Tatausführung nicht beteiligt war, sondern eben erst später ins Spiel kam. Es war ja so, das hast du auch geschildert, dass die anderen Beschuldigten bei der Flucht verunfallt sind mit ihrem Auto und dann keine Möglichkeit mehr hatten, in die Niederlande zu gelangen und deswegen haben sie dann niederkontaktiert. Also er hat hier als sogenannte Abholer fungiert, kam also ins Spiel, als die Tat bereits beendet war, die Beschuldigten mit der Tatbeute, die Tatörtlichkeit verlassen hatten und in rechtlicher Hinsicht ist es dann so, dass ihm eine Beteiligung an der Tat gar nicht mehr angelastet werden kann. Er kommt ja erst zu einem viel späteren Zeitpunkt ins Spiel. Und deswegen kommen auch für Nidal nur wenige andere Tatbestände im Strafrecht in Betracht. Und in seinem Fall war es die sogenannte Begünstigung. Dieser Tatbestand bestraft es, wenn eine Person, eine andere Person, die bereits eine Straftat begangen hat, dieser Person Hilfe leistet, um der Person die Vorteile aus der Tat, also sprich die Tatbeute, zu sichern. Und genau das ist es, was Niederl getan hat. Er ist gekommen und hat die Beschuldigten abgeholt und sie mit der Tatbeute versucht, den Niederlande zu bringen. Also ihnen versucht die Vorteile dieser Tat auch zu sichern. Die Männer hatten ja zuvor keine Einträge im Bundeszentralregister. Inwiefern spielt das denn eine Rolle so am Anfang von euren Ermittlungen? Das spielt am Anfang der Ermittlungen gar keine wesentliche Rolle. Also die Frage, ob jemand bereits vorbestraft ist, ist vor allem eine Frage, die sich im Rahmen der Strafzumessung später in der Hauptverhandlung, in dem Urteil niederschlägt. Für die Frage der Tatbegehung, des Tatplans etc. Hat das gar keine große Relevanz. Das Einzige, was es uns vielleicht zeigt und auch zeigen kann, ist, dass die Personen eben noch nicht einschlägig mit diesen Taten in Erscheinung getreten sind, also vielleicht auch nicht so eine große Vorerfahrung in diesem Bereich haben. Wir haben es ja gerade schon gesagt, es kam auch noch zu einem Verkehrsunfall. Es gab Verletzungen. Vor allem einer der Täter wurde ja relativ schwer verletzt. Und das zeigt ja auch, wie gefährlich solche Sprengungen und Fluchtfahrten sind. Ja. Und gab es dann da auch medizinische Gutachten oder Unfallanalysen zu, wie das genau vonstattengegangen ist? Bei dem Unfall ist es so gewesen, dass das Auto dann auch in Brand geraten ist. Und da haben wir uns dann auch die Frage gestellt, ob das Auto aufgrund des Unfalls in Brand geraten ist oder ob die Beschuldigten nicht auch noch eine Brandstiftung begangen haben, das Auto in Brand gesetzt haben, um etwaige Spuren zu vertuschen. Das hat man ja auch des Öfteren. Deswegen haben wir hier einen Brandsachverständigen eingesetzt, der uns diese Frage eben beantworten sollte und auch konnte am Ende. Er kam dann zu dem Ergebnis, dass das Feuer entstanden ist aufgrund des Unfalls. Also es war jetzt nicht so, dass die Beschuldigten zusätzlich noch das Auto in Brand gesetzt haben. Insofern war das von uns von Bedeutung. Wir mussten das nochmal sachverständlich begutachten lassen. Interessant bei diesem Unfall war zudem, dass das Auto von sich aus einen sogenannten E-Call abgesetzt hat. Was ist das? Das passiert offensichtlich bei manchen Autos, wenn das Auto eben einen schweren Unfall hat, das dann automatisch in der Funktion eintritt, dass quasi das Auto Kontakt aufnimmt mit den Insassen. Ich sage jetzt mal so salab und fragt, ob alles okay ist. Das ist hier in dem Fall auch passiert und wird auch dokumentiert, kann also von uns schon von Bedeutung sein, wenn man dort auch Personen hört, vielleicht auch ein Gespräch zustande kommt. Bei uns war es aber in dem Fall so, dass tatsächlich mehrere Personen zu hören waren, also das war schon mal ein Indiz, dass da nicht nur eine beteiligt war, aber es war einfach zu schlecht von der Qualität, als dass man da hätte irgendeine Stimmanalyse oder so machen können. Alex, dieses Thema Geldautomatensprengung, das hat uns hier in NRW ja eine Zeit lang ziemlich in Atem gehalten und beschäftigt. Kannst du uns da nochmal kurz mitnehmen, wann hat das angefangen, wie hat sich das verbreitet, wie ist das abgelaufen? Ja, also im Grunde hat das angefangen so Anfang der 2000er Jahre und dann wurde es stärker so in den 2010ern. Im Prinzip zu der Zeit, wo die Banken angefangen haben, die Geldautomaten nicht mehr unbedingt in den Filialen zu platzieren, sondern auch so, dass sie von außen zugänglich sind oder in diesen Selbstbedienungsfilialen, wo man auch nachts rein kann und sich dann Geld holen kann. Und wir haben es ja gerade schon gehört, überwiegend oder fast alle Fälle sind eigentlich am Ende auf diese holländischen Banden zurückzuführen. Und im Grunde haben die mal in Holland damit angefangen. Und als die Banken dann in Holland die Sicherheit verstärkt haben und da auch viele Ermittlungserfolge zu verzeichnen waren, haben die dann im Prinzip angefangen, in Deutschland die Taten zu begehen. Und da muss man vielleicht auch sagen, ist so ein bisschen diese Bargeldliebe der Deutschen auch der ganzen Sache zum Verhängnis geworden, weil es hier halt wirklich extrem viele Geldautomaten gibt. Also ich habe mal nachgeguckt, allein in NRW sind es 10.000, also das ist wirklich richtig viel. Und ja, es wurden dann immer mehr Fälle. 2022 gab es dann einen Höchststand mit 182 Sprengungen im Jahr. Das war ja im Prinzip jeden zweiten Tag ein Geldautomat, der in NRW gesprengt wurde. Und damals hatten wir hier auch in Duisburg einen schweren Fall, wo das in einer Bankfiliale in Großenbaum passiert ist. Und man muss sich vorstellen, dass das ja wirklich jetzt nicht so... Ein bisschen Sprengstoff ist, sondern zum Teil wirklich so aus der militärischen Richtung und manche Explosionen so heftig sind, dass dann die Häuser von der Statik gar nicht mehr tragen und da war das dann auch so und dann mussten dann auch mehrere Bewohner, die dann über dieser Filiale gewohnt haben, mussten dann auch ihre Wohnungen für mehrere Tage verlassen und ja so ab 2024 so sind die Fälle dann stark zurückgegangen, dann gab es dann nur noch 44 im Jahr in NRW Und heutzutage gibt es, glaube ich, Monate, wo das gar nicht passiert. Und ja, das liegt auch so ein bisschen daran, dass man da jetzt gegengesteuert hat. Du sagst es, das Thema hat ziemlich viele Leute beschäftigt und auch das Innenministerium hatte sich eingeschaltet. Was war dann der politische Plan dieser Sache, so Herr zu werden? Also erstmal hat das Innenministerium einfach viel mehr Ressourcen in das Thema gesteckt und viel mehr Leute, die sich mit den Ermittlungen beschäftigen. Man hat aber auch sehr stark mit den Banken zusammengearbeitet, um so einen Präventionsplan zu finden, dass es einfach fast unmöglich wird, irgendwie an dieses Geld zu kommen, indem man die Automaten besser sichert und auch Möglichkeiten findet, dass das Geld dann sofort unbrauchbar wird. Also das hatten wir auch schon eben gehört, es gibt dann so Farbkapseln, die dann so einen Stoff abgeben und dann kann das Geld halt nicht mehr benutzt werden. Und man hat einfach auch Banden festgenommen. Also dann war das natürlich auch erstmal kein Thema mehr. Und hat das alles dazu geführt, dass die Zahlen abgeebbt sind? Was würdest du da sagen? Also man kann natürlich jetzt schon sagen, okay, die Ermittler haben da irgendwie schon gute Arbeit gemacht, aber am Ende war es ausschlaggebend, dass die Banken dafür gesorgt haben, dass das eigentlich sich gar nicht mehr lohnt. Also ich meine, wie hoch jetzt die Strafen sind und ob jetzt irgendwie Leute festgenommen werden, hat ja nicht unbedingt eine Auswirkung darauf, wie viele Taten dann in Zukunft noch begangen werden. Aber ich meine, also heutzutage ist das schon viel, viel schwieriger geworden, so einen Geldautomaten zu sprengen. Also es gibt mittlerweile auch so Nebelsysteme, dass wenn da der Sprengstoff hochgeht, dass dann so der ganze Raum quasi so ausgeräuchert wird. Dann sehen die Täter nichts mehr. Dann werden über die Sicherheitsfirmen sofort, werden Leute informiert, dass man da auch gar nicht mehr wegkommt. Also das ist viel gefährlicher geworden. Und ja, also am wenigsten Lust haben wir die Banken darauf, dass das passiert. Also die sind ja sowieso, glaube ich, würden die eher weniger Geldautomaten installieren. Und das ist ja auch eher so ein Wunsch der Kunden. Und dass sie dann auch gesprengt werden, das, glaube ich, ist nicht so wirklich hinter ihrem Interesse. Und wenn es sich nicht mehr lohnt, passiert es vielleicht auch nicht mehr so. Was hat denn die Leser besonders daran interessiert, also die normalen Menschen? Also generell ist natürlich irgendwie so diese Bankraubthematik, glaube ich, generell interessant. Und die Leser, würde ich jetzt mal sagen, aus eigenem Interesse natürlich diese Abdeckung mit den Geldautomaten. Also wenn jetzt ein Geldautomat gesprengt wird, dann gibt es da erstmal wahrscheinlich mehrere Monate keinen mehr. Und es gab auch einige Orte, wo dann auch gar keiner mehr installiert wurde. Also man gesagt hat, okay, das ist jetzt hier zu gefährlich. Und ja, also die wollen natürlich an ihr Bargeld kommen und finden das natürlich nicht gut, wenn die Banken da die Geldautomaten abbauen. Und jetzt eine kurze Pause, vielleicht mit etwas Werbung. Was macht das auf? Diese Tat zeigt ja eine ziemlich professionelle Vorbereitung, würde ich jetzt mal sagen, aber auch ein großes, großes Risiko, was die Täter da eingehen. Was sagt uns das denn über die Täter? Ich glaube, dazu muss man erstmal wissen, dass die Personen, die dann später bei uns auf der Anklagebank sitzen, sind tatsächlich nur die, die die Tat konkret vor Ort ausführen. Da gibt es ganz andere Menschen, die dahinterstehen, Gruppierungen, Organisationen, die die Tat im Vorfeld planen und die Angeklagten selbst darin gar nicht involviert sind, sondern die werden dann angeheuert, die führen die Tat aus, sind meistens recht noch junge, junge, erwachsene, männliche Täter, die sich, glaube ich, dieser Gefahren auch gar nicht bewusst sind. Also was für ein Risiko sie da auch für sich selbst und ihr Leben letztlich eingehen. Kommt man denn dann ran an diese Hintermänner, von denen du gerade gesprochen hast? Ja. Nein, ganz klare Antwort. Wir haben hier immer nur die Personen auf der Anklagebank sitzen, die die Tat ausgeführt haben. Die sind auch meistens nicht dazu bereit, ihre Hintermänner zu benennen. Wahrscheinlich aus nachvollziehbaren Gründen, weil ihnen dann natürlich Repressalien drohen. Meistens geben sie dann eben an auch, dass es da Hintermänner gibt und dabei bleibt es aber letztlich auch und die Personen, die die Taten geplant haben, die sich meistens dann eben auch in den Niederlanden befinden, denen werden wir nicht habhaft. Wie lief dann der Prozess später ab? Haben sich die Angeklagten geäußert zu dem Fall? Niederland hat es sich ja wie gesagt schon im Entlungsverfahren eingelassen und das dann auch nochmal in der Hauptverhandlung wiederholt, wobei natürlich seine Einlassung, er habe nichts davon gewusst, dass die Beschuldigten eine Straftat begangen hatten. Ja, das konnte man ihm ziemlich eindeutig widerlegen aufgrund der Situation im Auto, wie er sie auch letztlich transportiert hat. Und im Laufe des Verfahrens haben sich dann auch die anderen Angeklagten geständig eingelassen. Aber wie eben schon angedeutet, sind es dann sogenannte Pauschalgeständnisse. Also die sagen dann, ja, ich räume den Anklagevorwurf ein. Einer hat auch noch gesagt, ja, es gab Hintermänner, ich wurde da irgendwie angeheuert auf der Straße, aber dabei bleibt es dann letztlich auch. Aber das haben sie getan, sie haben dann letztlich die Tatausführung auch konkret eingeräumt. Und wie wirkten die Männer auf dich? Also waren die irgendwie die Reue gezeigt oder waren die sich ihrer Schuld bewusst? Ich würde es als teilnahmslos bezeichnen. Sie selbst haben sich auch nicht eingelassen, sondern über ihre Verteidiger ihre geständigen Erklärungen abgegeben. Das ist gar nicht unüblich, aber dadurch kamen sie so selbst auch gar nicht zu Wort. Das heißt, man hat, finde ich, auch immer nur schweren Eindruck dann von den Personen, was das wirklich mit ihnen macht. Aber sie wirkten, wie gesagt, recht teilnahmslos, desinteressiert. Also ich könnte jetzt gar nichts Besonderes über die Angeklagten sagen. Alex hat es ja gerade schon ausgeführt, dieses Thema Geldautomatensprengung waren ja ein paar Jahre lang ein riesiges Problem hier für Ermittler, für Banken, für Anwohner. Dieser Fall, den wir jetzt hier gerade besprechen, ist der besonders typisch oder ist der irgendwie besonders atypisch für das Thema Geldautomatensprengung? Also als sehr typisch würde ich die Art des Geständnisses einstufen. Das haben wir immer wieder, dass die Angeklagten das dann pauschal einräumen und auch sagen, dass es Hintermänner gibt, diese aber nicht benennen. Das ist absolut typisch. Was eher untypisch ist, dass wir den Tätern so schnell habhaft wurden aufgrund der besonderen Situation an der Grenze. Das ist auch wirklich einem glücklichen Zufall geschuldet. Und was auch eher untypisch ist, dass wir hier nur über eine Tat reden. Ganz oft ist es so, dass wir in den Fällen der Geldautomaten-Sprengung tatsächlich Tatserien haben, die sich auch oft an hintereinanderfolgenden Taten, Tagen dann ereignet haben und man dann eben auch aufgrund der Spurenlage an den verschiedenen Tatörtlichkeiten sich dann eben ein Gesamtbild und auch ein Tatverdacht gegen eine konkrete Person generieren lässt. Das war jetzt hier eben anders. Wir hatten nur eine Tat und der Tatverdacht eigentlich auch schon aufgrund der Aufwindessituation an der Grenze. Und also abgesehen von dem Unfall hat ja auch die Flucht in die Niedernander das quasi bestätigt, dass da nicht weitere Taten geplant sind, aber habt ihr irgendwas finden können, dass das vielleicht doch irgendwo angelegt war, dass die noch was vorhatten? Dafür gab es tatsächlich keine Anhaltspunkte. Also es sah tatsächlich eher danach aus, als wäre es diese eine Tat gewesen. Wir haben natürlich dieses ganze Equipment finden können, was man typischerweise bei diesen Taten benutzt. Aber dass da jetzt noch andere konkrete Taten in Planung waren, dafür gab es keine Anhaltspunkte. Verstehe. Wir haben es ja auch gerade gesagt, diese Explosionen sind zum Teil ziemlich heftig. Also auch hier bei einem Schnellrestaurant in der Nähe haben die Scheiben gewackelt, haben Zeugen berichtet. Das ist ja auch einfach für Unbeteiligte Dritte gefährlich. Also wenn da jetzt vielleicht jemand auf dem Weg zur Frühschicht vorbeigelaufen wäre. Hätte das ja auch wirklich böse ausgehen können. Wie schätzt du denn die Gefährdungslage für so Infos? Und unbeteiligte Dritte ein bei solchen Sprengungen. Ja, das ist absolut, das ist hochgefährlich. Definitiv, Alex hat es ja eben auch schon angedeutet, da werden ja teilweise Sprengmittel benutzt, die solch eine Kraft haben. Das kann man sich, glaube ich, gar nicht vorstellen. Und wenn man sich so eine Tatörtlichkeit anguckt, dann wird einem das auch bewusst, denn das ist wirklich ein Feld der Verwüstung. Also das sieht irgendwie aus wie im Krieg. Also da ist kein Stein mehr auf dem anderen und das birgt natürlich erhebliche Gefahren. Das einzige was das ganze vielleicht ein bisschen minimiert ist es natürlich in der nachtzeit stattfindet natürlich kann da jemand auf dem weg nach hause vorbeilaufen oder gerade zur frühschicht laufen aber es ist natürlich nicht so hoch frequentiert aber trotzdem ist es auf jeden fall als hochgefährlich einzustufen und es können da auch immer menschen zu schaden kommen und ich schätze die täter werden auch aus purem eigennutz gucken dass da jetzt nicht gerade zehn leute drum herum stehen vermutlich ja. Wir haben es gerade gehört, das war für ein paar Jahre lang wirklich ein zahlenmäßig richtig großes Problem hier in NRW. Wie seid ihr denn als Staatsanwaltschaft damit umgegangen? Habt ihr irgendwie ein Sonderteam gebildet oder gab es da irgendwelche Besonderheiten bei euch? Also die Delikte werden bei uns in der Kapitalabteilung bearbeitet. Wir bearbeiten Tötungsdelikte, aber eben auch Brand und Sprengstoff und darunter fällt das dann eben. Und ja, in diesem Team unserer Abteilung haben wir diese Taten abgearbeitet, aber es ist so, wie du sagst, es war dann schon ein absolutes Peak zu verzeichnen und wir hatten sehr, sehr viel mit diesen Taten zu tun. Und man muss ja auch sagen, das ist eben auch schon mal angedeutet worden, die Ermittlungen sind ja sehr, sehr aufwendig, weil wir eine Vielzahl von Spuren haben, eine Vielzahl von Daten, die wir erheben müssen. Wir müssen das alles irgendwie auswerten und dann ein einheitliches Bild dadurch zeichnen. Das erfordert schon eine ganz schön krasse Manpower, die wir zum Glück dann bei der Polizei jetzt auch in diesem Fall hatten und das bedurft es dann eben auch, gerade zu diesen Zeiten. Du hast es gerade schon gesagt, oft sind da Hintermänner involviert, Planungen, die gar nicht bei den Personen, die angeklagt werden, am Ende liegen. Gibt es denn da sonst noch so typische Strukturen oder Muster, die man bei solchen Fällen immer wieder sehen kann? Ja, also durch die Angaben der Angeklagten, weniger Angaben, aber doch ein bisschen, kann man immer wieder verzeichnen, dass sie konkret angesprochen werden, oft auch auf der Straße. Es sind immer männliche Personen, recht jungen Alters, die auch nicht aus den besten Verhältnissen kommen, wo man vielleicht denken könnte, die haben finanzielle Probleme und genau das nimmt man dann eben als Auffänger, indem man den Personen dafür, dass sie diese Tat voll üben, einen gewissen Geldbetrag eben zusichert. Dann werden die Täter, die die Tat vor Ort ausführen sollen, mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet und auch mit Autos. Und im besten Fall wird eben auch noch ein konkreter Abholer beauftragt, der dann die Täter, die die Tat konkret ausgeführt haben, eben am Tatort mit Tatbeute einsammelt. Also das kann man schon immer wieder verzeichnen, dass es die gleiche Struktur ist, die da letztlich stattfindet. Das klingt fast nach so einer Maschinerie aus. Wir haben einen Plan für die Sprengung, wir haben einen Plan für die Anwerbung, wir haben Plan für alles. Genau, das ist eben auch organisierte Kriminalität. Alex, ihr habt auch regelmäßig über diese Sprengung hier in der Region berichtet. Hat das was mit dem Sicherheitsgefühl der Menschen hier gemacht? Also wir haben eben über die Sorge darüber gesprochen, dass die Bankautomaten in ihrer Zahl weniger werden. Aber macht das auch was Neues? Mit dem Gefühl von Sicherheit der Leute? Ja, auf jeden Fall. Also wir haben natürlich hier die Situation, dass eigentlich die meisten Geldautomaten ja irgendwie in den Städten in NRW irgendwie an Mehrfamilienhäusern dran gebaut sind. Und da muss man sich vorstellen, da wird ja ein Teil der ganzen Fassade rausgesprengt und zwei Etagen drüber schläft vielleicht gerade jemand mitten in der Nacht. Und das ist natürlich schon super gefährlich und es gab auch Fälle, in denen das zweimal am gleichen Ort passiert ist, also wo dann so ein Geldautomat wieder aufgestellt wurde und ein Jahr später, der dann wieder gesprengt wurde. Also das hat auf jeden Fall zu viel Verunsicherung geführt. Vielleicht das Gute, was man noch sagen kann, dass dem Geld der Leute ja nichts passieren konnte. Also da haften ja die Banken für, wenn das weg ist. Aber das war natürlich schon so eine... Und für viele Leute hat das so ein bisschen die Machtlosigkeit des Staates irgendwie gezeigt, wenn dann da kommen irgendwelche Leute aus den Niederlanden, steigen irgendwie vier Männer aus dem Audi aus und platzieren da Sprengstoff an einem Haus. Also das war natürlich jetzt schon besorgungserregend. Gab es denn auch von den Ladenbetreibern oder von den Banken irgendwie Meldungen? Habt ihr mit denen mal gesprochen? Ich meine, wenn ich mir überlege, so ein Kiosk, der vielleicht auch noch draußen ein Geldautomat hat, das ist ja dann, wird man ja automatisch zum Ziel. Ja, auf jeden Fall. Ich weiß das jetzt nicht ganz genau, aber ich glaube, die meisten Sprengungen fanden schon auch an so diesen klassischen Banken statt, also wo jetzt wirklich von Sparkass oder Volksbank oder Targobank sowas ist und jetzt nicht so diese Kioskautomaten, weil da glaube ich nicht so viel Geld immer drin ist. Ich fand es irgendwie interessant, dass die Banken das jetzt nicht benutzt haben, um das ganze Bargeld-Thema direkt abzuräumen. Also die hätten ja irgendwie auch sagen können, okay, das ist super gefährlich und es ist sowieso ein Riesenaufwand, die ganze Zeit so viel Bargeld durchs Land zu transportieren, um diese Automaten zu befüllen und das alles zu sichern. Und dann hätten die ja sagen können, okay, jetzt lassen wir das endgültig, das ist viel zu teuer und jetzt gibt es erstmal viel weniger Bargeld im Umlauf. Das haben die aber nicht gemacht und es gibt natürlich jetzt weniger Geldautomaten als früher, aber auch nicht so viel weniger, also immer noch so um die 10.000. Und ja, das fand ich eigentlich bewundernswert, dass man da einfach so durchgestanden hat. Hast du Prozesse zu Geldautomaten-Sprengungen verfolgt auch? Nicht so direkt eher aus der Ferne ähm, Und krass fand ich, dass, wenn es das dann so gibt, dass dann wirklich ganz, ganz viele Fälle auf einmal auffliegen. Also, dass hier wirklich dann Bankfilialen in Krefeld, Köln, Meerbusch, Duisburg, Kempen, Bottrop, wirklich alles hintereinander sich da irgendwie ereignet hat. Und dass das jetzt wirklich nicht so Kleinkriminelle sind. Also dass man wirklich dann durchsucht man bei denen und findet wirklich, wie die den Sprengstoff herstellen. Dann haben wir noch scharfe Waffen dabei und da gleich dann mehrere Leute auf einmal gefasst werden. Wie geht es aus? Wie lautete denn am Ende unser Urteil hier? Niederl wurde wegen Begünstigung zu einer Freistraft von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Und die anderen Beschuldigten wegen gemeinschaftlichem Herbeiführens einer Sprengstoff-Explosion in Tateinheit mit gemeinschaftlichem Diebstahl zu Freistrafen von drei Jahren und sechs Monaten bis runter zu drei Jahren und zwei Monaten. Das Urteil beruht, und jetzt muss ich ablesen, auf einer Verständigung nach § 257c. Kurz, ihr habt einen Deal gemacht. Wie sah dieser Deal denn aus? Ja, also 257c SCPO ist quasi die zentrale Verständigungsvorschrift, die regelt Absprachen zwischen dem Gericht und den anderen Verfahrensbeteiligten und soll eben insbesondere dafür sorgen, dass es keine heimlichen Absprachen gibt. Und ganz wichtig zu wissen ist, dass es eben immer alle Verfahrensbeteiligten mit einbezogen werden und dass das Gericht in der Regel einen Vorschlag macht und die anderen Verfahrensbeteiligten dem dann zustimmen und dann kommt diese Verständigung zustande. Und in der Praxis kann man sich das aber eher schon so vorstellen, dass es ein Gespräch ist, also ein Verständigungsgespräch, in dem jeder eben darlegt, wie er den Fall beurteilt und was aus seiner eigenen Sicht eben für eine Strafe in Betracht kommen würde. Und dann guckt man eben, ob das unter einen Hut zu bringen ist und ob man dann eben dann sich auch auf einen konkreten Vorschlag einigen kann. Und das Ganze macht man quasi, um so einen Prozess im Zweifelsfall vielleicht auch abzukürzen, wenn das eh relativ klar ist? Genau, also es kommt immer dann in Betracht, wenn wir auch einen geständigen Angeklagten haben. Also die Vorschrift sagt auch, dass Teil dieser Verständigung soll immer ein Geständnis sein und dass man dann dem Angeklagten, der eben geständig ist und dadurch auch die Beweisaufnahme erheblich verkürzt, dass man dem dann eben dafür anbietet, dass es zu einer gewissen Strafe, die sich in einem Strafrahmen befindet, da legt man eine Ober- und eine Untergrenze fest, dass er dazu verurteilt wird und eben insbesondere für ihn natürlich wichtig, nicht zu einer höheren Strafrahmen. Und das sind diese Fälle, die sich dann für so eine Verständigung eignen. In der Regel auch Fälle, die eine lange Beweisaufnahme nach sich ziehen würden, weil man eben eine Vielzahl von Beweisen hat, die man erheben müsste und dann eben durch dieses Geständnis doch zu einer erheblichen Verfahrensverzögerung kommt. Und deswegen alle Beteiligten sich dann darauf einigen, dass eine Strafe in dem festgelegten Strafrahmen zu finden sein wird. Kann das prinzipiell bei allen Fällen zur Anwendung kommen oder gibt es da auch Grenzen für? Also grundsätzlich kann das für alle Fälle in Betracht kommen. Es ist natürlich immer dann schwierig, insbesondere wenn wir uns in dem Bereich von Tötungsdelikten befinden, weil wie wir ja schon in anderen Folgen angesprochen haben, sieht das Gesetz für Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Aber da muss ich mir natürlich die Frage stellen, wie soll ich denn da dem Angeklagten einen Strafrahmen zubilligen, wenn er ein Geständnis ablegt. Also solche Fälle werden in der Regel, wird da die Vorschrift nicht angewandt. Aber ich habe es eben auch selbst schon erlebt in Wirtschaftsstrafverfahren, die ja oft sehr, sehr umfangreich sind, wo man viele, viele Dokumente einführen muss. Da ist es eigentlich immer ganz sinnvoll, dann davon Gebrauch zu machen. Ich verstehe und deshalb auch hier, weil wir ja auch hier so eine große Zahl von Beweisen hatten, die ihr quasi alle vor Gericht nochmal hättet aufrollen müssen, nochmal erklären müssen, jeder hätte sich dazu äußern müssen und so und dann kann man das quasi hier ein bisschen kurz. Ja, hier war es so, die Beweislage war ja aus meiner Sicht sehr, sehr gut, aber sie beruhte eben auf vielen, vielen, vielen, vielen Spuren und Zeugenaussagen etc. Das hätte man alles einführen müssen und so, und das muss man ja ganz klar hervorheben, durch dieses Geständnis konnten wir die Hauptverhandlung in einem Tag quasi durchführen, was auch für die Angeklagten natürlich insofern gut ist, als dass sie sich ja in Untersuchungshaft befunden haben und deswegen natürlich ohnehin immer ein Beschleunigungsgrundsatz gilt. Also insofern hat sich das hier dann doch schon erheblich ausgewirkt auch. Verstehe. Und da ihr euch auf dieses Urteil ja verständigt habt, gehe ich mal davon aus, dass du das Urteil auch so gut hast und zufrieden bist damit. Genau, also ich war mit dem Urteil einverstanden. Es ist aber so, das muss man vielleicht auch wissen, dass bei Verständigungen ist es nicht zulässig, sich darauf zu verständigen, dass Rechtsmittelverzicht erklärt wird. Das ist nämlich ganz wichtig, das möchte das Gesetz, dass der Angeklagte danach noch die Möglichkeit hat, auch wenn er sich in diese Verständigung mit einbezogen wurde, dass er danach die Möglichkeit hat zu prüfen, ob er das Urteil auch wirklich so akzeptieren möchte. Also im Zweifelsfall in Revision ging. Genau und in unserem Fall war es so, dass tatsächlich ein Angeklagter sich danach entschieden hatte, zunächst ein Rechtsmittel einzulegen. Das hat er dann aber bevor es zu einer etwaigen Berufungsverhandlung hätte kommen können, hat er das dann wieder zurückgenommen und hat sich dann doch auch einverstanden erklärt mit dem Urteil. Alex, weißt du denn was darüber, wie solche Urteile gegen Geldautomaten-Sprenger generell in der Öffentlichkeit aufgenommen werden oder interessiert da die Leute mehr die Tat als das Urteil? Also ich würde sagen, das wird in der Regel schon ganz gut aufgenommen, weil es ja meistens dann überhaupt eine Nachricht ist, dass es überhaupt mal zu einem Prozess gekommen ist und man da jemanden festnehmen konnte. Aus den letzten Jahren ist in NRW die Aufklärungsquote so bei knapp einem Drittel gewesen. Das ist natürlich jetzt nicht so viel. Und deswegen, glaube ich, wird das dann schon oft als Erfolg auch gesehen, dass es überhaupt dazu kommt. Weißt du denn, ob sich, wir haben gerade schon darüber gesprochen, dass die Banken Gott sei Dank nicht weniger Geldautomaten aufgestellt haben nach diesen ganzen Sprengungen. Aber hat sich der Umgang der Öffentlichkeit, der Stadtverwaltung mit dem Thema generell ein bisschen verändert? Also das Thema ist ja jetzt irgendwie dadurch, dass die Fälle gesunken sind, ja so ein bisschen verschwunden aus der Öffentlichkeit. Es gibt immer noch so Versuche, aber jetzt so die großen Taten gibt es da nicht mehr. Aber da sieht man ja vielleicht jetzt so an dem Fall in Gelsenkirchen, dass dann Kriminelle auch andere irgendwie Optionen sich suchen, um irgendwie an viel Geld zu kommen. Ja, aber insgesamt fand ich es überraschend, dass also wie viel wirklich die Banken investiert haben, um das irgendwie in den Griff zu bekommen, dass sich das halt irgendwie gar nicht mehr lohnt. Ja, spannend und auch, also ich finde das auch interessant, wie das radikal nach unten gegangen ist, diese Zahlen nach einer gewissen Zeit. Ein sehr spannendes Thema. Ich danke euch beiden für die Einblicke in diesem Fall und auch ein Dankeschön an unsere Zuhörer für eure Aufmerksamkeit. Wenn ihr Gedanken zu unserem Podcast habt, dann teilt sie gerne mit uns, entweder in den Kommentaren hier in eurer Podcast-App oder unter podcast.rheinische-post.de. Mein Name ist Lili Stegner und ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal dabei seid, wenn wir neue Fälle aufklären. Bis dahin. Tschüss. Hinreichend verdächtig.