Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #6 Folge 8: ESSSTÖRUNGEN - Wenn die Kontrolle zur Sucht wird
Transcript
- 0:00Herzliche Begrüßung an dich. Schön, dass du da bist für eine
- 0:03neue, ja intensive Betrachtung hier bei The Deep Dive.
- 0:07Heute geht es um ein Thema, das viele betrifft, aber oft so im
- 0:13Verborgenen bleibt. Essstörungen unsere Grundlage
- 0:16heute ist ein sehr, sehr persönlicher und ausführlicher
- 0:18Artikel, der kommt von der Website nielix Berlin.
- 0:21Geschrieben hat ihn Gabriel und der Titel, der fasst es
- 0:24eigentlich schon ziemlich gut, Essstörungen, wenn Essen zum
- 0:28Feind und die Kontrolle zur Sucht wird und was diese Quelle
- 0:32so besonders macht. Gabriel teilt auf seiner Seite
- 0:35auch ganz offen eigene Erfahrungen mit, sucht mit
- 0:38psychischen Herausforderungen, das schafft irgendwie ne ganz
- 0:40andere Ebene, finde ich sehr authentisch.
- 0:43Und vielleicht hilft es dir ja auch zu sehen.
- 0:44Du bist nicht allein, falls dich das Thema beschäftigt oder du
- 0:48jemanden kennst. OK, lass uns da mal tiefer
- 0:51reingehen. Unbedingt ja, das ist so wichtig
- 0:53zu verstehen. Essstörungen sind eben keine
- 0:56Marotte oder nur ne Sache von Willensstärke, es sind wirklich
- 1:00ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche psychische
- 1:03Erkrankungen. Wir schauen uns heute mal an,
- 1:06was Gabriel in seinem Artikel da so zusammengetragen hat, also
- 1:09die Mechanismen dahinter, die mehr erschreckenden Parallelen
- 1:13zu anderen Süchten und natürlich auch, wo es Unterstützung gibt.
- 1:17Genau. Fangen wir mal ganz vorne an.
- 1:20Im Artikel da nennt er ja 3 hauptformen, Magersucht, Bulimie
- 1:24und Binge Eating Störung. Kannst du uns die vielleicht
- 1:27kurz charakterisieren, so zum Einstieg.
- 1:30Gerne also bei der Magersucht der Anorexia nervosa.
- 1:33Da steht diese extreme Einschränkung beim Essen im
- 1:36Vordergrund, oft kommt noch exzessiver Sport dazu, dahinter
- 1:40steckt eine japanische Angst vom Zunehmen und so ne total
- 1:44verzerrte Wahrnehmung vom eigenen Körper.
- 1:47Betroffene fühlen sich selbst bei starkem Untergewicht immer
- 1:50noch zu dick. Krass.
- 1:53Dann die Bulimie Bulimia nervosa, da gibt es diese
- 1:57wiederkehrenden Essanfälle, wo man wirklich die Kontrolle
- 1:59verliert und danach kommen dann Gegenmaßnahmen, also selbst
- 2:03herbeigeführtes Erbrechen. Missbrauch von Abführmitteln
- 2:06oder eben wieder exzessiver Sport, um die Kalorien irgendwie
- 2:09loszuwerden. Das passiert meistens heimlich
- 2:12aus großer Scham. OK, und dann gibt es noch die
- 2:15Binge Eating Störung, da hat man auch diese Essanfälle mit
- 2:18Kontrollverlust, aber eben ohne diese regelmäßigen
- 2:22Gegenmaßnahmen wie bei der Bulimie.
- 2:24Das führt dann halt oft zu Übergewicht oder Adipositas und
- 2:27einem ja enormen Leidensdruck. Und was alle 3 verbindet, das
- 2:32hebt Gabriel ja so hervor, ist dieser Suchtcharakter.
- 2:36Das finde ich einen ganz zentralen Punkt.
- 2:38Wie genau funktioniert das denn im Gehirn, diese Parallele zur
- 2:41Drogensucht, wie kann man sich das vorstellen?
- 2:43Ja, das ist wirklich faszinierend und erschreckend
- 2:46zugleich, was Gabriel da beschreibt, diese
- 2:49neurobiologischen Abläufe. Bei der Anorexie ist es
- 2:53paradoxerweise nicht das Essen, was belohnt, sondern das hungern
- 2:56und die Kontrolle selbst. Dieses Gefühl, den eigenen
- 2:59Körper, die Bedürfnisse, den Hunger zu beherrschen, das löst
- 3:03im Gehirn so ne Art Euphorie aus, ein Kontrollkick, wie er es
- 3:06nennt. Ah okay.
- 3:08Und dieses Gefühl wird dann zwanghaft gesucht, oft ganz
- 3:11unbewusst, um vielleicht innere leere Ängste oder chaotische
- 3:14Gefühle zu betäuben. Verstehe bei.
- 3:17Bulimie und Binge Eating dagegen, da wirkt der Essanfall
- 3:20wie eine Droge. Das.
- 3:21Gerade diese Hochkalorischen, stark verarbeiteten Sachen mit
- 3:24viel Zucker und Fett, die Trägern eine massive
- 3:27Dopaminausschüttung im Belohnungssystem.
- 3:29Das dämpft dann kurzfristig negative Gefühle wie Stress,
- 3:32Traurigkeit, Langeweile und bei der Bulimie kommt noch was dazu,
- 3:36das Erbrechen danach beendet dieses unangenehme Völlegefühl
- 3:40und die Panik vor den Kalorien, es kann sogar durch den
- 3:43körperlichen Stress zu einer Ausschüttung von Endophin
- 3:46kommen. Was dann als kurzfristige
- 3:48Erleichterung empfunden wird und das Verhalten nur noch weiter
- 3:51festigt. Puh, das klingt wirklich wie n
- 3:53Teufelskreis, der sich selbst am Laufen hält.
- 3:55Gabriel listet ja auch ganz klar die klassischen Suchtmerkmale
- 3:58auf, diesen Kontrollverlust, die Entzugserscheinungen, also
- 4:02Unruhe oder Angst, wenn man versucht, normal zu essen oder
- 4:04eben nicht zu hungern. Die Toleranzentwicklung also
- 4:08immer weniger Essen müssen bei Anorexie oder immer häufigere
- 4:11Anfälle bei den anderen, um den gleichen Effekt zu kriegen und
- 4:15natürlich das verheimlichen und die hohe Rückfallgefahr.
- 4:18Genau, das Gehirn lernt quasi dieses Verhalten.
- 4:21Hungern, Essen, Erbrechen ist ne schnelle, wenn auch echt
- 4:24trügerische Lösung für emotionalen Schmerz, die
- 4:27Kontrolle übers Essen oder der Rausch des Essanfalls wird zur
- 4:31vermeintlichen Krücke, die aber in Wirklichkeit n Gefängnis
- 4:33baut. Die Ähnlichkeit zu
- 4:35Substanzsüchten ist da auf neurobiologischer Ebene wirklich
- 4:39frappierend. Und dieses Gefängnis hat einen
- 4:41extrem hohen Preis. Gabriel schreibt ja, Magersucht
- 4:45sei die psychische Erkrankung mit der höchsten
- 4:48Sterblichkeitsrate. Das ist echt ne krasse Aussage,
- 4:51was sind denn da die konkreten körperlichen Folgen?
- 4:54Die sind wirklich verheerend. Das muss man in aller
- 4:56Deutlichkeit sagen. Gabriels Artikel nennt er die
- 4:59kritischsten Punkte, allen voran das Herz.
- 5:02Bei Bulimie kann dieser ständige Elektrolytverlust vor allem
- 5:05Kaliummangel durchs Erbrechen zu lebensbedrohlichen
- 5:08Herzrhythmusstörungen führen. Oh Gott, bei Magersucht wird
- 5:11durch die Mangelernährung der Herzmuskel selbst angegriffen
- 5:15abgebaut, das kann auch zum plötzlichen Herztod führen, dann
- 5:20die Knochen Osteoporose durch Hormon und Nährstoffmangel eine
- 5:25häufige, oft irreversible Spätfolge, innere Organe wie
- 5:29Nieren und Leber können schwer geschädigt werden, die.
- 5:32Das Hormonsystem gerät völlig aus dem Takt, Periode bleibt aus
- 5:36Unfruchtbarkeit ja, bei Bulimie kommt noch die Zerstörung des
- 5:40Zahnschmelzes durch die Magensäure dazu und nicht zu
- 5:44vergessen die Psyche, Depressionen, Angststörungen,
- 5:47soziale Isolation und ein massiv erhöhtes Suizidrisiko begleiten
- 5:52diese Erkrankungen fast immer, das ist n ganzes Paket.
- 5:56Besonders eindrücklich fand ich, wie Gabriel diesen schnellen,
- 5:59zwanghaften Zyklus der Bulimie beschreibt, diesen Rausch und
- 6:03Katerablauf. Wie läuft der denn genau ab?
- 6:06Ja, dieser Kreislauf kann sich unglaublich schnell drehen, das
- 6:08stimmt, und der ist extrem selbstverstärkend man kann ihn
- 6:12so wie im Artikel in 4 Phasen unterteilen.
- 6:15Phase 1 ist die Anspannung und das Craving also.
- 6:19Ein emotionaler Trigger, Stress, Streit, Einsamkeit.
- 6:22Irgendwas löst eine fast unerträgliche innere Spannung
- 6:25aus, und diesen unwiderstehlichen Drang nach nem
- 6:28Essanfall okay Phase 2 ist dann der Rausch der Binsch, da ist
- 6:32der Kontrollverlust. Total riesige Mengen werden
- 6:35verschlungen, oft wie in Trance, das Dopamin kickt und betäubt
- 6:39kurz die negativen Gefühle. Phase 3 ist der Kater.
- 6:43Unmittelbar danach kommen massive Schuld und Schamgefühle
- 6:46hoch, gepaart mit panischer Angst vom Zunehmen.
- 6:49Ja, das kann ich mir vorstellen. Und Phase 4 ist die Kompensation
- 6:53der Purge. Um diese Panik zu lindern und
- 6:56die Kalorien loszuwerden, wird dann eben erbrochen oder eine
- 6:59andere Maßnahme ergriffen. Das verschafft ganz kurz
- 7:03Erleichterung, schließt aber den Kreis und bereitet schon wieder
- 7:06den Boden für den nächsten Anfall, wirklich ein
- 7:09Teufelskreis. Und was ist mit dem Tag danach?
- 7:12Nach so einem Binge, egal ob jetzt mit oder ohne
- 7:14Kompensation, das Stelle ich mir auch furchtbar vor.
- 7:18Absolut. Gabriel beschreibt diesen Tag
- 7:20als oft geprägt von, ja lähmender Scham und tiefem
- 7:24Selbsthass. Man fühlt sich gescheitert,
- 7:27willensschwach, irgendwie ekelhaft.
- 7:30Dazu kommt dann noch das körperliche Unwohlsein, die
- 7:32Erschöpfung, klar, und genau in diesem emotionalen Tiefpunkt
- 7:36entsteht dann oft dieser feste Vorsatz.
- 7:39Ab morgen wird alles anders. Morgen faste ich aber genau
- 7:44diese Restriktion, dieses schwarz weiß denken, das erhöht
- 7:48wieder den Druck und die Wahrscheinlichkeit für den
- 7:50nächsten Heißhunger und damit den nächsten Anfall.
- 7:53Eine echte Falle, ja. Das alles mitzuerleben, das muss
- 7:57ja auch für Freunde und Familie unglaublich schwer sein.
- 8:00Was rät Gabriel den Angehörigen, wie kann man unterstützen, ohne
- 8:03es vielleicht noch schlimmer zu machen?
- 8:05Ein ganz wichtiger Punkt, klar. Angehörige fühlen sich oft so
- 8:09hilflos und überfordert. Gabriels Artikel gibt da sehr
- 8:13konkrete Hinweise. Wichtig ist Sorgen ansprechen,
- 8:17aber in ich Botschaften und in einem ruhigen Moment, also nicht
- 8:21du musst doch essen, sondern eher ich mache mir Sorgen um
- 8:25dich, weil ich sehe wie schlecht es dir geht.
- 8:28Ja. Zuhören ohne zu werten.
- 8:30Versuchen, den Schmerz hinter dem Verhalten zu verstehen,
- 8:33nicht das Essen selbst zu thematisieren und ganz
- 8:37entscheidend, was oft vergessen wird, sich als Angehöriger
- 8:40Selbstunterstützung suchen Beratungsstellen wie ANADEV, die
- 8:45bieten Hilfe für Familien und Freunde, um mit der Situation
- 8:48umzugehen und nicht selbst dran zu zerbrechen.
- 8:51Das ist ein guter Punkt und was sollte man als Angehöriger auf
- 8:54keinen Fall tun? Unbedingt vermeiden sollte man
- 8:57laut Gabriel Kommentare zu Figur, Gewicht oder
- 9:00Essverhalten, auch wenn sie vermeintlich gut gemeint sind.
- 9:03Das Triggert enorm essenskontrolle oder Druck
- 9:06ausüben ist doch mal normal. Verstärkt nur den inneren
- 9:10Konflikt und die Scham versuchen, die Krankheit
- 9:12wegzudiskutieren, die folgt keiner Logik, die man mit
- 9:15Argumenten aushebeln könnte, das ist wichtig zu verstehen, ja.
- 9:20Und Geduld bewahren, auch wenn es schwerfällt.
- 9:22Heilung ist ein Langer-Weg, oft mit Rückschlägen.
- 9:25Wenn die Essstörung also oft so ein fehlgeleiteter Versuch ist,
- 9:29mit schwierigen Gefühlen klarzukommen, was wären denn
- 9:32gesündere Alternativen? Was schlägt Gabriel da vor?
- 9:36Der Kern ist eigentlich, neue Wege zu finden, um mit Emotionen
- 9:41und Stress umzugehen. Also statt Betäubung durch
- 9:44Hungern oder Essen geht es darum, Gefühle wieder zulassen
- 9:47und aushalten zu lernen. Techniken aus der dialektisch
- 9:51behavioralen Therapie DBT wie Gabriel erwähnt, können da
- 9:55helfen, also Skills zu entwickeln, um mit Anspannung
- 9:59umzugehen, ohne sofort in dieses schädliche Muster zu fallen.
- 10:02OK, Skills entwickeln. Genau das kann bedeuten, Stress
- 10:07anders abzubauen durch Bewegungen, die Spaß macht,
- 10:10nicht als zwang, kreative Tätigkeiten, Zeit in der Natur.
- 10:15Es geht auch darum, statt diesem trügerischen Kontrollkick der
- 10:18Essstörung echte Selbstwirksamkeit zu erleben,
- 10:22Bereiche im Leben zu finden, wo man sich kompetent und
- 10:25handlungsfähig fühlt. Hobby, Beruf, Ehrenamt, was auch
- 10:29immer, macht Sinn und nicht zuletzt durch Achtsamkeit und
- 10:32Körperwahrnehmungsübungen sowas wie Yoga oder Meditation wieder
- 10:36einen freundlicheren, spürenden Zugang zum eigenen Körper zu
- 10:40finden, ihn nicht nur zu bewerten und zu bekämpfen.
- 10:43Das klingt nach einem anspruchsvollen, aber wichtigen
- 10:46Weg. Wie sieht denn eine konkrete
- 10:49Behandlung aus und wo findet man Hilfe, wenn man betroffen ist?
- 10:54Also der erste Schritt ist natürlich der schwerste, sich
- 10:57einzugestehen, dass man Hilfe braucht.
- 10:59Aber Heilung ist möglich, das ist die zentrale Botschaft in
- 11:02Gabriels Text, das ist ganz wichtig.
- 11:04Eine gute Behandlung, so beschreibt er es, ist meistens
- 11:07multimodal. Das heißt, sie besteht aus
- 11:09mehreren Bausteinen. OK, da ist einmal die
- 11:12Psychotherapie, um die Ursachen zu bearbeiten, oft kognitive
- 11:15Verhaltenstherapie, aber auch andere Ansätze, dann die
- 11:18medizinische Begleitung, um den Körper zu stabilisieren und zu
- 11:21überwachen, das ist ja oft notwendig, ja klar, und die
- 11:24Ernährungsberatung, um wieder ein gesundes, angstfreies
- 11:27Essverhalten zu lernen. Anlaufstellen können der
- 11:31Hausarzt sein, der einen Weiterverweisen kann.
- 11:34Suchtberatungsstellen wegen dieser Suchtparallele stimmt
- 11:37spezialisierte Kliniken oder Therapeuten eine ganz wichtige
- 11:41Ressource ist auch die Bundeszentrale für
- 11:43gesundheitliche Aufklärung, die BZGA.
- 11:45Die haben eine Hotline, die Nummer ist 0221, 2910, 31 und
- 11:49die Webseite BZGA minus essstörungen.de und auch
- 11:51Selbsthilfegruppen können sehr, sehr unterstützend sein, der
- 11:54Austausch mit anderen Betroffenen.
- 12:02Super. Danke für die ganzen
- 12:04Anlaufstellen. In Gabriels Artikel gibt es ja
- 12:07auch diesen FAQ teil, da sind sicher fragen dabei, die vielen
- 12:10im Kopf rumgehen. Greifen wir mal n Paar raus,
- 12:13erste Frage ist das nicht einfach nur ne extreme Diät?
- 12:16Das ist n wichtiger Punkt, den Gabriel klar verneint.
- 12:20Eine Diät ist bewusst gewählt, meistens zeitlich begrenzt und
- 12:24theoretisch jederzeit beendbar. Eine Essstörung ist eine
- 12:28Zwangserkrankung. Die Gedanken kreisen
- 12:31unaufhörlich um Essen, Gewicht, Figur.
- 12:34Der entscheidende Unterschied ist der Kontrollverlust.
- 12:37Es ist keine freie Entscheidung mehr, das ist der Punkt.
- 12:41OK verstanden? Nächste Frage, die sicher viele
- 12:44Betroffene und Angehörige umtreibt, kann man vollständig
- 12:47geheilt werden. Ja, absolut.
- 12:50Gabriel betont das auch. Man kann wieder vollständig
- 12:53gesund werden, aber es ist oft ein langer, intensiver Prozess.
- 12:57Er braucht professionelle Hilfe, je früher man sich die sucht,
- 13:01desto besser ist die Prognose, aber es können eben auch nach
- 13:04der Genesung sensible Punkte bleiben, die vielleicht in
- 13:07stressigen Lebensphasen wieder mehr Aufmerksamkeit brauchen,
- 13:11das ist normal. Klar.
- 13:13Und was, wenn ein Freund oder eine Freundin kaum ist, aber
- 13:16alles abstreitet? Was kann man da tun?
- 13:19Schwierige Situation. Gabriel Räther wieder die ich
- 13:23Botschaft nutzen. Ich mache mir Sorgen um dich,
- 13:26keine Kommentare zum Essen oder zur Figur machen, das ist
- 13:29kontraproduktiv, Unterstützung anbieten, aber nicht aufdrängen,
- 13:34man kann niemanden zu Hilfe zwingen und ganz wichtig sich
- 13:39als Freund oder Angehöriger selbst Hilfe suchen, um mit der
- 13:42eigenen Sorge und Hilflosigkeit umzugehen.
- 13:44Ja, das hatten wir schon. Guter Rat, wann muss man denn
- 13:48ins Krankenhaus? Das ist eine ernste Frage.
- 13:51Ins Krankenhaus muss man bei akuter körperlicher Gefahr, also
- 13:55starkes Untergewicht, Herzprobleme, Elektrolyt,
- 13:58Entgleisungen, das sind absolute Warnsignale, oder auch wenn eine
- 14:03ambulante Behandlung einfach nicht anschlägt, keine Besserung
- 14:06eintritt. Und bei Suizidgefahr natürlich
- 14:10sofort den Notruf 112 wählen. Da gibt es kein Zögern.
- 14:13OK, ganz klar noch mal zum Unterschied.
- 14:16Binge Eating versus Bulimie. Genau beides hat ja diese s
- 14:20Anfälle der Kernunterschied bei der Bulimie folgen danach
- 14:23regelmäßige Gegenmaßnahmen, also Erbrechen, Abführmittel,
- 14:27exzessiver Sport bei der Binge Eating Störung finden diese
- 14:30regelmäßigen Gegenmaßnahmen nicht statt.
- 14:32Verstanden und wie kann man sich aus einem s Anfall holen?
- 14:37Geht das überhaupt? Das ist extrem schwer und
- 14:39braucht viel Übung. Es gibt da Skills, die helfen
- 14:42können. Gabriel nennt Beispiele, den
- 14:44Raum verlassen, sofort jemanden anrufen, starke Sinnesreize
- 14:47suchen, auf eine Chili beißen, einen Eiswürfel lutschen.
- 14:51Es geht darum, eine Verzögerung zwischen dem Drang und der
- 14:54Handlung zu schaffen, diesen Automatismus zu durchbrechen.
- 14:57Das ist das Ziel, aber es ist harte Arbeit, kann.
- 14:59Man nicht mir vorstellen. Nächste Frage sind eigentlich
- 15:02nur Mädchen und Frauen betroffen?
- 15:05Nein, das ist wirklich ein Mythos, der sich hartnäckig
- 15:08hält, aber falsch ist. Gabriel betont das auch.
- 15:11Zwar werden Essstörungen bei Frauen häufiger diagnostiziert,
- 15:15aber Jungen und Männer sind auch betroffen, die Tendenz ist
- 15:18steigend. Die Dunkelziffer ist da
- 15:20wahrscheinlich sehr hoch, weil die Scham und dieses Stigma, so
- 15:24was sei unmännlich, viele vom Hilfesuchen abhalten.
- 15:27Ja, das ist ein Problem. Bei Männern kann sich die
- 15:30Störung auch anders äußern, zum Beispiel als Muskeldysmophie,
- 15:34also die zwanghafte Sorge, nicht muskulös genug zu sein,
- 15:37verbunden mit exzessivem Training und rigiden
- 15:40Ernährungsplanen. Ah okay interessant.
- 15:44Und die letzte Frage aus dem FAQ Orthorexie, diese Besessenheit
- 15:48von gesundem Essen, ist das auch schon eine Essstörung, ja.
- 15:52Formales Orthorexie noch keine eigenständige Diagnose wie
- 15:55Gabriel richtig sagt, aber sie wird von Experten sehr ernst
- 15:59genommen, wenn diese Fixierung auf gesundes, reines, Erlaubtes
- 16:04essen so zwanghaft wird, dass es zu Mangelernährung führt, weil
- 16:07immer mehr Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden.
- 16:10Wenn es zu sozialer Isolation kommt, weil man nirgendwo mehr
- 16:13mitessen kann und das ganze Leben nur noch darum kreist,
- 16:17dann hat das definitiv Krankheitswert.
- 16:19Es kann eine Vorstufe oder eine Variante, eine Essstörung sein,
- 16:23der Übergang ist da oft fließend, ja.
- 16:25Wow, danke für diese ausführlichen Antworten.
- 16:29Man merkt wirklich, wieviel Arbeit und auch persönliches
- 16:32Engagement Gabriel in sein Projekt Nielix Berlin steckt.
- 16:36Um über diese doch sehr wichtigen Themen aufzuklären.
- 16:39Und wenn dir, liebe Zuhörerinnen, lieber Zuhörer,
- 16:42dieser Einblick jetzt gefallen hat und du die Arbeit von Nilix
- 16:45Berlin wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über
- 16:48deine Unterstützung freuen. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 16:52du diesen Beitrag vielleicht auf Social Media teilst oder den
- 16:55Podcast auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts
- 16:58bewertest und Likest. Genau das Projekt Nidix Berlin
- 17:02wird nämlich komplett allein von Gabriel finanziert und erstellt
- 17:06jede Form der Unterstützung. Hilft Gabriel wirklich mit
- 17:08diesem Projekt sich selbst und gleichzeitig anderen Betroffenen
- 17:12zu helfen, sein persönliches Motto, das ihn antreibt und.
- 17:15Dass er auch auf der Seite teilt, lautet aus allem
- 17:18schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 17:20Ein starkes Motto Okay was bleibt also hängen aus dieser
- 17:24intensiven Betrachtung von Gabriels Artikel?
- 17:27Essstörungen sind komplexe, ernste psychische Erkrankungen
- 17:31mit Suchtcharakter, keine Frage der Disziplin oder des Willens,
- 17:35aber, und das ist das entscheidende, Heilung ist
- 17:38möglich. Absolut der wichtigste und oft
- 17:42auch mutigste Schritt ist diese Mauer aus Scham und Schweigen zu
- 17:46durchbrechen und sich Hilfe zu suchen.
- 17:48Das gilt für Betroffene genauso wie für Angehörige.
- 17:51Es ist wirklich ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
- 17:54Und vielleicht als Gedanke für dich zu mitnehmen in einer Welt,
- 17:58die ja doch voller Optimierungsdruck und
- 18:00Körperideale ist. Wie pflegst du eigentlich eine
- 18:03Gute, eine wohlwollende Beziehung zu deinem Essen,
- 18:06deinem Körper und auch dem Thema Kontrolle in deinem Leben?
- 18:10Wo verläuft für dich persönlich die Grenze zwischen gesund?
- 18:13Und, Na ja, vielleicht schon zwanghaft.
- 18:16Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, hier
- 18:18zuzuhören. Pass gut auf dich auf und bis
- 18:21zum nächsten Mal hier bei the Deepdive.