Latest / MOMENTUM - kevinkellermazza / Burnout, Psychosen, Depressionen: Schweizer Spitzenpsychiater erklärt, wann du zum Profi musst | Dr. Janis Brakowski MD
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- 0:00Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Momentum. Mein Name ist Kevin Keller-Mazza und mein heutiger Gast ist der Dr. Janis Prokowski. Einer der renommiertesten Ärzte, wenn es um mentale Gesundheit geht. Er arbeitet in diversen Kliniken, hat eine eigene Klinik, wo er vor allem sehr prominente Patienten betreut. In diesem Podcast reden wir über diverse psychische Erkrankungen, wie sie entstehen, was Behandlungen sind, was auch einen Unterschied zwischen einem...
- 0:28Psychiater und Psychologe ist. Wie man sich verhalten sollte, wenn man merkt, man hat gewisse Symptome und vor allem, was diese Symptome sein könnten. Dieser Podcast konnte mir selber die Augen öffnen in diesem ganzen Bereich der psychischen Erkrankungen, der mentalen Gesundheit und was es gibt, was man machen kann. Es gibt etwas ganz einfaches jetzt und das werdet ihr in diesem Podcast erfahren. Und an dieser Stelle sage ich jetzt nur noch, viel Spass mit dem Intro.
- 0:53Wieso geht es den Menschen, die vor allem sehr wohlhabend sind, oftmals ganz schlecht? Ja, das ist eine sehr wichtige und sehr gute Frage. Prinzipiell kann man sagen, dass die Personen genau die gleichen psychischen Erkrankungen haben, wie die in Anführungsstrichen Normalbevölkerung.
- 1:08darstellen möchte, sind die Personen in ganz komplexen Familiensystemen. Drei Hauptsymptome der Depression ist die gedrückte Stimmung. Also ja, wenn man merkt, so gerade morgens beim Aufstehen vielleicht häufig so eine niedrige Stimmung und Motivationslage, man fühlt sich irgendwie nicht gut. Das andere ist eben die Motivation und das Energielevel, dass man sich so ausgelaugt und wieder ausgebrannt und sehr, sehr schwach fühlt.
- 1:33Das dritte ist die Anhedonie, das heißt, dass man Sachen, die einem eigentlich Spaß machen, die Freude nicht mehr dabei empfindet. Ich meine, ich habe viel Fußball gespielt früher, wenn ich jetzt merken würde, es macht mir gar keinen Spaß mehr oder es macht mir keinen Spaß mehr ins Theater zu gehen oder es macht mir keinen Spaß mehr zu arbeiten, dann würde ich schon denken, hey, da stimmt irgendwas nicht.
- 1:50Was mir ganz wichtig ist zu sagen, ist, dass Menschen mit psychischer Erkrankung nicht häufiger gewalttätig werden oder straffällig werden als Menschen, die keine psychische Erkrankung haben. Das ist ganz wichtig. Nummer 1 Tipp für mentale Gesundheit. Soziale Interaktion. Da gibt es extrem viele gute Studien dazu, dass soziale Interaktion, also auch was wir jetzt heute...
- 2:10hier machen, interpersonell kommunizieren, vielleicht auch mal problematische Themen diskutieren. Das ist extrem wichtig. Ich würde jedem das raten, zumindest einmal am Tag jemanden zu treffen. Hebt euch Sorg. Wenn ihr merkt, dass Leben manchmal irgendwie den Berg runter geht oder es etwas schwierig ist, geht zu einem Profi, der euch unterstützen kann und passt gut auf euch auf. Versucht das Leben zu verbringen.
- 2:37Mein lieber Janis, herzlich willkommen im Momentum-Podcast. Mega cool, dass es geklappt hat. Und die Leute haben jetzt schon ein bisschen gehört, um was es in diesem Podcast geht. Und ich fange aber immer gerne mit einer Frage an. Und das ist unsere Einstiegsfrage für den ganzen Podcast. Und zwar habe ich mir für dich überlegt, was ist der Sinn des Lebens?
- 2:59Ja, das ist aber eine große Einstiegsfrage. Also wir beschäftigen uns ja in der Psychiatrie und Psychotherapie schon viel mit Sinnfragen, weil wir ja häufig Menschen haben, die zu uns kommen, egal ob sie jetzt krank sind oder nicht krank sind. Also nicht alle Menschen, die in die Psychiatrie und Psychotherapie kommen, sind krank, sondern manche kommen auch einfach, weil sie irgendein Problem in ihrem Leben haben,
- 3:21Und viele kommen aber auch, um so ein bisschen der Sinnfrage nachzugehen. Das ist nicht unsere Hauptdisziplin. Aber für mich ist der Sinn des Lebens, möglichst viele Erfahrungen zu machen, intensive Erfahrungen zu machen, mich mit Menschen auszutauschen. Und irgendwie auch, ich bin schon in die Medizin gekommen, um auch was zu geben, auch Menschen zu helfen und was Gemeinsames zu schaffen.
- 3:48Ich habe diese Frage gestellt, weil ich gelesen habe, dass du dich auch mit Philosophie beschäftigst. Und ich glaube, das ist eine hochphilosophische Frage, die wir wahrscheinlich nie richtig beantworten werden können, sondern jeder für sich seine Lösung finden wird, die sich wahrscheinlich auch im Verlauf des Lebens verändert.
- 4:08Und ich finde es sehr schön, dass du sagst, du bist auch in die Medizin gekommen, um dienen, um etwas helfen, um anderen Leuten zu helfen, aber du deinen Sinn siehst, um möglichst viele Erfahrungen zu machen. Und wenn man so einen Werdegang anschaut, kann man sagen, du hast sehr, sehr viel Erfahrung, also dein Wissensrucksack ist extrem gefüllt. Vielleicht kannst du ganz kurz erklären, wie dein ganzer Werdegang war und vor allem, mit was du dich heute hauptsächlich beschäftigen tust.
- 4:37Ja, also ein ganz wichtiger Anteil Philosophie beschäftigt sich mit ganz vielen Themen. Also natürlich mit auch Sinnfragen, aber es gibt theoretische, praktische Philosophie, ethische Fragen. Und ich bin eigentlich, bevor ich vielleicht zum Anfang komme, in die Philosophie gekommen. Nach so zwei Jahren Medizinstudium war mir das irgendwie…
- 4:57Und Medizin ist sehr, sehr verschult. Man muss sehr, sehr viel lernen. Es ist auch wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte sehr viel lernen. Aber mir hat so der Diskurs und die Diskussion etwas gefehlt und deswegen habe ich dann Philosophie und Geschichte und Wirtschaft und so noch dazu gemacht und habe eigentlich dort in den Seminaren das schön erfahren, wie man arbeitet.
- 5:14diskutiert und wie man eben auch kontrovers diskutiert, weil das bleibt manchmal in der Medizin ein bisschen zurück, obwohl wir besser geworden sind und gerade in der Psychiatrie und Psychotherapie. Aber ich bin in Freiburg im Breisgau aufgewachsen, ganz schöne Kindheit gehabt, bin dort auch zur Schule gegangen und dann mit 19, wie halt so viele Menschen machen, bin ich nach Berlin gegangen, weil ich in eine Großstadt wollte und Berlin mich immer fasziniert habe. Ich weiß noch, ich war das erste Mal 1997 so mit 15 in Berlin und dachte schon, okay, dort werde ich
- 5:44studieren und dort habe ich dann das Medizinstudium und Philosophie gemacht und dann bin ich nach dem Studium eigentlich hier nach Zürich gekommen und im ganzen Studium der Medizin, ich wollte erst Kinderarzt werden, weil ich dachte, ja, die armen Kinder, wenn die irgendwie Schmerzen haben, denen es nicht gut geht, ist es auch eigentlich ein schöner Job, Kindern zu helfen und
- 6:03Und dann habe ich aber so gemerkt, die Eltern noch dazu, ist gar nicht so einfach. Dann wollte ich Neurologie machen, weil ich immer irgendwie in mein Gehirn investiert habe und dachte, man kann was mit dem Gehirn machen. Und irgendwie bin ich dann nach so einem dritten, vierten, vielleicht auch erst fünften Studienjahr zur Psychiatrie gekommen und das hat mich von Anfang an fasziniert, weil wir viel Zeit haben oder mehr Zeit in der Psychiatrie und Psychotherapie haben und ich denke auch ganz gute Ansätze haben, um Menschen wirklich suffizient und auch längerfristig nachhaltig zu helfen.
- 6:33Seitdem bin ich hier und habe verschiedene Projekte hier schon realisiert. Wir gehen nachher ganz bestimmt noch viel, viel tiefer in die ganze Psychotherapie hinein, was es da für Faktoren gibt, was ihr genau macht. Jetzt dein Philosophie-Studium, wie weit oder wie fest unterstützt sich das in deiner heutigen Arbeit auch?
- 6:55Ich denke sehr. Also ich habe viel so Wissenschaftstheorie gemacht. Also habe mir überlegt, oder in der Wissenschaftstheorie überlegt man sich, wie kommt Wissenschaft zustande oder wie kommen gewisse Theorien, gewisse Erkenntnisse, wie gewinnt man die. Und das ist in der Psychiatrie, weil wir doch ein relativ selbstreflektives Fach sind. Also wir machen uns viel Gedanken auch über das Fach, wie sich das Fach entwickelt. Das ist extrem hilfreich, philosophische Grundkenntnisse zu finden.
- 7:21zu haben und ich denke halt auch so in den Open Mind ist es ganz gut sich mal mit so ganz wesentlichen Fragestellungen des Lebens zu beschäftigen das bleibt kommt man also dazu kommt man aber in der Psychiatrie und Psychiaterpie sowieso weil die Klienten und die Patienten kommen zu uns oft mit ganz komplizierten Lebenssituationen und da muss man gemeinsam wie eine Art Strategie und ein Konzept finden wie man die behandeln kann. Was ist denn kompliziert die laufenden Situationen?
- 7:48Also ich habe angefangen an der Amburg-Hölzle in der Psychiatrischen Uniklinik Zürich in dem Akutbereich. Und wir haben Menschen, die kommen in ganz häufig schweren Krankheitsbildern zu uns. Also schwere Depressionen, schwere Psychosen, sowas wie Schizophrenien, schwere Abhängigkeitserkrankungen. Und die sind häufig schon eine ganze Weile erkrankt und dann ist das Leben immer komplizierter geworden. Sozial ist es komplizierter geworden, mit sozialen Kontakten, beruflich ist es häufig komplizierter.
- 8:18komplizierter geworden und dann kommt irgendwie noch so eine Erkrankung dazu. Und da versuchen wir innerhalb von kürzester Zeit, weil die Personen häufig nicht so lange bei uns sind in der Akutpsychiatrie. Was heißt das? Also die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in so einer psychiatrischen Klinik insgesamt, also auch die Personen, die nicht so stark erkrankt sind, sind etwa 25 Tage krank.
- 8:39Das ist nicht so viel. Vor allem, dann zieht man noch die Wochenenden ab, wo nicht so viel Therapie passiert. Dann hat man irgendwie netto, wenn man das sagen darf, so 20 Tage, um jemanden suffizient zu begleiten. Aber man muss immer sagen, der akute Teil, also der stationäre Teil, das ist nur ein kleiner Teil der Behandlung. Der viel wichtigere Teil eigentlich ist dann längerfristig eine ambulante Psychotherapie zu machen. Aber wir müssen in den...
- 9:0420 Tagen, und manche bleiben auch länger, es gibt auch Leute, die bleiben ein, zwei Monate, versuchen wir relativ viel zu erreichen mit den Personen, um gemeinsam eine Strategie zu finden, wie man aus so einer Erkrankung wieder rauskommt und wie man die Erkrankung behandelt. Ist das je nach Erkrankung bleiben es länger oder je nach Aufnahmemöglichkeit vom Patient? Weil wenn ihr jetzt innerhalb von 20 Tagen, 25 Tagen, Mitte der Woche,
- 9:35mit dem Patienten etwas erreichen können, ist er wahrscheinlich auch wie offen, um etwas zu empfangen. Wenn er aber wahrscheinlich verschlossen ist, die ersten 15 Tage, um überhaupt etwas zu machen, dann zögert es sich wahrscheinlich aus. Sind das so Faktoren? Was sind das für Faktoren? Wieso länger? Ja, also ein ganz wichtiger Faktor ist, ob der Patient oder die Patientin in der Klinik behandelt werden möchte. Also wir haben etwa so 30-40% der Patientinnen und Patienten, die per Klinik
- 9:59Unterbringung zu uns kommen, das heisst, die müssen quasi, die kommen per Zwang zu uns. Wer gibt den Zwang? Wer macht das? Das heisst Zwangseinweisung, man muss es ein bisschen differenzierter sehen. Also jeder niedergelassene Arzt, ob er Psychiater ist oder nicht, und auch Kliniken natürlich, stationäre Kliniken, können jemanden gegen den Willen einweisen in eine psychiatrische Klinik.
- 10:22Wichtig ist, es gibt mehrere Bedingungen dafür. Also erstmal muss die Person eine psychische Erkrankung haben, macht irgendwie Sinn, dass jemand psychisch krank ist. Und zweitens darf es keine andere Modalität geben, die besser geeignet wäre. Also zum Beispiel, dass man sagt, naja, jemand, der jetzt in einer Lebenskrise ist und vielleicht sagt, ich habe lebensmüde Gedanken, ich fühle mich depressiv.
- 10:43der ist zwar psychisch krank, aber der kann ambulant behandelt werden oder der kann auch in seiner bestehenden Behandlung, er kann auch vom Hausarzt teilweise behandelt werden, aber das stationäre Setting muss das beste Setting sein für die Behandlung.
- 10:59Und dann gibt es natürlich auch Personen, das ist aber kein Kriterium, die sind selbst- oder fremdgefährdend. Das heißt, die gefährden sich selber, zum Beispiel mit Suizidgedanken oder Suizidversuch oder die gefährden andere Personen, weil sie in so einem Ausnahmezustand sind, dass sie sich bedroht fühlen etc. Aber es ist kein hartes Kriterium oder notwendiges Kriterium. Man muss psychisch krank sein und es darf keine bessere Behandlungsmöglichkeit geben als das stationäre Setting.
- 11:23Okay. Und dann kann man gegen den Willen dieser Person die Zwangseinweise und das ist dann eigentlich wie ein Gefängnis sozusagen. Du kannst dich dann einfach raus, weil du bist ja zwangseingewesen, oder? Ja, aber mir ist ganz wichtig zu sagen, also unsere Stationen in der Psychiatrischen Uniklinik, die sind nur fakultativ geschlossen. Also die müssen nicht geschlossen sein.
- 11:48Wenn es jetzt kein Kriterium oder keine Notwendigkeit gibt, die zu schließen, dann sind die Türen offen und dann können die Patientinnen und Patienten auch rein und raus gehen. Und es ist auch nur ein gewisser Anteil der Patientinnen und Patienten sind bei uns auf einer geschlossenen Station oder einem geschlossenen Setting behandelt. Und prinzipiell versuchen wir immer, den Personen so früh wie möglich auch wieder mehr Freiraum zu geben. Aber wenn jemand natürlich andere Menschen bedroht hat aufgrund einer psychischen Erkrankung,
- 12:14Da muss man am Anfang der Behandlung vielleicht auch die Person auf der Station behalten. Aber am Schluss, wie gesagt, das Wichtigste ist die Motivation, der Wille der Patientin zur Behandlung. Und wie lange die Behandlung dann dauert, das hängt schon davon ab, wie lange dauert es, bis wir die richtige Diagnose gefunden haben mit der Person. Ja.
- 12:35wie gut funktioniert die Therapie, weil Depressionen zum Beispiel sind ganz, ganz mannigfaltig. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Depressionen und manche Depressionen brauchen vielleicht zwei Monate Behandlung, andere Depressionen gehen nach ein, zwei Wochen schon wieder zurück und wir versuchen immer die Person so rasch wie möglich auch wieder zu entlassen in ihr eigenes Zuhause, eine ambulante Therapie oder eine tagesklinische Therapie. Was würdest du sagen, was sind so in den letzten Jahren, was hat sich so herausgestellt, sind die meisten
- 13:05psychische Erkrankungen, weil... Ich hatte gerade einen Podcast vor zwei Tagen mit einer ganz tollen Frau. Und sie ist eine... sehr gute Dienerin. Sie hat immer gedacht, dass sie für alle anderen gut ist, hat aber ganz viele schlechte Sachen erlebt in ihrem Leben. Und hat das immer reingefressen, reingefressen, reingefressen. Und irgendwann gab es einen Shutdown. Und sie hat eine Panikstörung entwickelt.
- 13:32Sie ist auch jetzt noch in Behandlung und sagt, ohne Therapie kennt sie gar nicht mehr. Sie hat auch viel Medikation, die sie nimmt. Ich habe das von diesen Panikattacken in den letzten Jahren immer mehr gehört. Gibt es einen Trend von gewissen Erkrankungen oder ist es immer das Gleiche, was es gibt?
- 13:56Ja, also es gibt natürlich schon Schwankungen in der Häufigkeit von Erkrankungen. Aber wenn man es so allgemein mal sagt, sagen wir mal jetzt über die letzten Jahrzehnte, ist es so, dass die Angststörungen die häufigsten Erkrankungen sind. Und die Panikstörung gehört zu den Angsterkrankungen. Beispiel ist das. Genau, aber eine Panikattacke zum Beispiel.
- 14:14Und eine Angststörung unterscheidet sich schon. Also jemand, der eine sogenannte generalisierte Angststörung hat, der hat über sehr lange Dauer und viel Zeit am Tag zum Beispiel Angstsymptome. Jemand mit einer Panikattacke hat das nur für wenige Minuten, weil eine Panikattacke kann man nicht zwei Stunden aushalten. Da kriegt man Herzrasen, da hat man ein ganz, ganz starkes Angstempfinden, da wird man vielleicht auch…
- 14:36Man hat ganz viel auch körperliche Symptome. Das heißt, das hält der Mensch nicht einfach mehrere Stunden aus. Das heißt, es sind kurze Attacken, die dann häufig auftreten. Und Angststörungen sind eben die häufigste psychische Erkrankung. Und dann natürlich so die sehr bekannten Erkrankungen wie depressive Erkrankungen. Ich stelle ja auch immer gerne Fragen. Ich bin ja Psychiater. Was meinst du, wie viele Leute eine Depression heute haben? Wenn wir heute jetzt einfach da rausschauen in die Welt, in der westlichen Welt hat man das gemessen. Ja.
- 15:03Wie viel Prozent der Menschen haben eine Depression heute? Sind wir heute in einer depressiven Phase? Gute Frage.
- 15:15Sorry, wenn ich so direkt... Nein, ich finde das gut. Ich finde das mega gut. Auch, dass ich mir die Gedanken mache und die Frage für mich anstelle. Ich hätte gesagt 20-30%. Genau, also heute krank sind etwa 5-6%. Aber die Häufigkeit für psychische Erkrankungen oder für eine Depression über die Lebenszeit, das geht eher so etwa in die 15-20%. Aber wirklich krank heute, weil jemand mit einer Depression ist ja nicht immer krank.
- 15:42Jemand kann ja auch eine Depression haben, sagen wir mal über zwei Monate und dann hat er zwei Jahre keine Depression. Dann hat er natürlich schon die Erkrankung wie so in sich, aber das Ziel in der Psychotherapie und der psychiatrischen Behandlung ist ja, dass man recovered davon, dass man die Erkrankung nicht mehr hat.
- 15:59dass die Erkrankung in seinem Leben keine Rolle mehr spielt, aber man so die Awareness dafür hat, dass man einfach aufpassen muss in gewissen Lebenssituationen. Aber heute krank, also wirklich eine Depression mit den verschiedenen Symptomen in 5%, das ist nicht so wenig. Das ist schon wenig.
- 16:16Und das sind aber auch solche Leute, die dann wahrscheinlich eingewiesen werden müssen oder eine Therapie brauchen? Also wenn man das ganz grob eintritt, gibt es leichte, mittelschwere und schwere Depressionen. Und Personen mit leichter Depression sind nicht im klinischen Setting, die sind nicht stationär, die werden häufig auch gar nicht ambulant behandelt. Weil bei leichten Depressionen ist das Mittel der Wahl die Psychotherapie. Die nehmen keine Medikamente normalerweise.
- 16:40Erst ab so mittelschweren und schweren Depressionen kann man dann überlegen, auch Medikamente einzusetzen. Es gibt natürlich Leute, die auch leichte Depressionen haben und so ganz schwere Angstsymptome oder Schlafstörungen. Da kann man schon mal ein Medikament einsetzen. Aber eigentlich, wenn man die Studien anschaut und die klinischen Leitlinien, sollte man erst ab der mittelschweren Depression Medikamente einsetzen, wenn die Psychotherapie nicht suffizient genug wirkt.
- 17:06Das Mittel der Wahl bei ganz vielen psychischen Erkrankten ist Psychotherapie und nicht Medikamente. Aber es gibt trotzdem viele Menschen, die Medikamente nehmen. Da könnte man sich überlegen, warum nehmen so viele Leute Medikamente? Wir sind als Menschen vielleicht auch interessiert an einfachen Lösungen. Ich kann das sagen, wir dürfen als Psychiater und Psychotherapeuten ja auch selber eine Psychotherapie machen.
- 17:28machen in unserer Ausbildung oder Weiterbildung. Und das ist anstrengend, eine Psychotherapie zu machen. Das ist anstrengender, als ein Medikament zu nehmen, aber das ist das, was besser wirkt. Weil du die Arbe mit dir selber machen musst, oder? Genau, und du wirst natürlich auch konfrontiert mit sehr, sehr vielen Fragen. Es ist eine längerfristige, aber es ist auch eine wirksamere und längerfristig besser wirksame Behandlungsstrategie, als ein Medikament zu nehmen. Das heisst,
- 17:55Es kommt eher auf die Erkrankung an und auch so ein bisschen auf die persönliche Präferenz des Betroffenen, ob man Psychotherapie und Medikamente oder nur Psychotherapie macht. Weil jede medikamentöse Therapie, das ist mir schon wichtig zu sagen, wenn man einen Psychopharmaka verschreibt, also ein Antidepressivum zum Beispiel, sollte man die Person immer begleiten.
- 18:25einmal im Monat oder alle zwei Monate zu meinem Psychiater. Selbst wenn derjenige nur so eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde zum Psychiater geht, sollte das trotzdem einen therapeutischen Anteil haben. Also man fragt, wie wirkt die Medikation? Wie ist ihre Stimmung? Haben sie noch irgendwelche Symptome? Es braucht immer eine Therapie dazu. Kann man süchtig werden von diesen Medikamenten?
- 18:45Also Antidepressiva machen nicht abhängig. Das ist natürlich schon so, wenn man ein Antidepressivum nimmt, das sollte man bei einer Depression mindestens oder im besten Fall so über ein Jahr nehmen und dann sollte man versuchen, das zu reduzieren zusammen mit seinem Psychiater oder Psychiaterin. Aber trotzdem ein Jahr ist lang, oder?
- 19:01Ja, es gibt natürlich auch viele Menschen, die schon nach einem halben Jahr sagen, ich möchte das Medikament wieder loswerden und das muss man sehr individuell sehen. Aber die Medikamente machen nicht abhängig. Es ist natürlich schon so, dass man das Medikament nicht einfach absetzen darf, weil dann hat man sogenannte Rebound-Situationen.
- 19:16Das heißt, die Erkrankung kommt vielleicht sogar stärker zurück, wenn man es einfach absetzt, weil sich natürlich das Gehirn, wenn man es so ganz einfach sagen möchte, auch an das Medikament gewöhnt hat. Aber es ist nicht wie so andere Substanzen, wie so Beruhigungsmittel, also Benzodiazepine, die machen abhängig. Da braucht man häufig immer mehr davon. Und es ist ganz schwierig, auch wieder häufig davon wegzukommen. Aber Antidepressiva machen nicht abhängig, ist schon wichtig zu sagen. Und ...
- 19:41Vielleicht auch mega spannend, was passiert dann im Kopf, wenn man so etwas Antidepressives umnimmt? Wie funktioniert das genau? Wieso hat man dann keine Depression mehr? Ja, also man muss sagen, es gibt ganz, ganz unterschiedliche Theorien. Es ist wahrscheinlich jetzt komplex darauf einzugehen. Es gab Theorien zu gewissen Neurotransmittern, sogenannten Neurotransmittern, die in eine Imbalance verbreiten.
- 20:07Das sind so Kandidaten wie das Serotonin, wie das Dopamin, dass die in einer Imbalance sind und da sind die eine Klasse der Antidepressiva, die selektiven Serotonin-Aufnahmeinhibitoren, die beeinflussen die Neurotransmitter.
- 20:27Man konnte letztlich jetzt, also die aktuelle Lage, nicht genau nachweisen, dass quasi die Antidepressiva das wieder ganz ins Gleichgewicht bringen, sondern man hat so klinische Studien gemacht und hat geschaut, okay, Menschen, die Antidepressiva nehmen mit einer Depression und Menschen, die keine Antidepressiva nehmen mit einer Depression, wie verhalten sich die Symptome und man hat schon ganz klar gesehen, dass Antidepressiva sehr effizient sind in der Behandlung.
- 20:51von Depressionen. Und sie haben sicherlich auch eine Auswirkung auf den Hirnstoffwechsel, der häufig eben in so einer Dysbalance ist bei Depressionen. Aber es gibt natürlich, bei Depressionen muss man auch immer am Anfang ausschließen, dass sich nicht eine andere körperliche Ursache dahinter steckt. Also es gibt auch Personen, die haben eine Schilddrüsen-Malfunktion, werden deswegen depressiv. Deswegen muss man den Leuten eine Blutentnahme am Anfang machen, man muss sie körperlich untersuchen. Ja.
- 21:17um zu schauen, ob es irgendeine andere gibt. Doch Menschen, die haben einen Hirntumor und haben deswegen Depressionen. Also man muss erstmal ausschliessen, dass es nicht eine andere Ursache für die Depressionen gibt. Und diese Ausschliessungen, diese Tests, die macht ihr, wenn jetzt jemand in Notfall kommt? Ist das eine Notfallaufnahme oder wie heisst das?
- 21:35Ja, also wir haben schon quasi wie eine Art Notfallaufnahme und theoretisch in die psychiatrischen Kliniken kann man auch einfach hingehen und sich vorstellen. Aber es ist jetzt nicht so wie die Notfallstation am Unispital, wo jede paar Minuten quasi Notfälle reinkommen, sondern viele Menschen, die in die Psychiatrie kommen, und das ist auch so ein bisschen gewünscht, werden davor schon mal von jemandem gesehen, der ambulant arbeitet, um überhaupt zu entscheiden, ist das notwendig, dass jemand in die Klinik kommt.
- 22:03Kommt aber prinzipiell, kommt jemand zu uns, entweder gegen den Willen oder freiwillig, entweder akut oder über eine Warteliste und dann investieren wir in Diagnostik bei den Personen, die noch keine Diagnose haben. Und das ist extrem wichtig. Ich meine, das ist ja auch ganz nachvollziehbar. Erstmal muss man ja wissen, was man behandelt. Also kann ich einfach sagen, ja, da kommt einer und der ist krank oder der fühlt sich bedrückt. Jetzt behandeln wir den mal. Sondern dann muss man relativ viele diagnostische Tests machen, also eine körperliche Untersuchung.
- 22:32sollte man machen. Bei manchen Erkrankungen oder Symptomen sollte man auch eine MRI, also eine Aufnahme vom Gehirn machen, um auszuschliessen, dass es da irgendwas gibt. So haben wir die verschiedenen Hirn in Schieben gesehen. Genau, das ist diese Röhre.
- 22:47ME ist diese Röhre, wo man mit Magnetresonanz sich die Struktur und die Funktion des Gehirns anschaut. Meistens macht man nur einfach quasi so mehrere Schnittbilder des Gehirns, um genau zu sehen, ob zum Beispiel irgendwelche Gefäßveränderungen da sind, ob es Tumoren gibt, ob es irgendwelche Verkalkungen oder Einblutungen gibt.
- 23:05gibt und das machen wir eigentlich zur Ausschlussdiagnostik, dass wir nicht zum Beispiel was verpassen. Es könnte ja sein, dass jemand einen kleinen Schlaganfall gehabt hat und das gar nicht gemerkt hat und deswegen depressive Symptome hat oder einen Hirntumor oder eine Zirkulationsstörung, also dass das Gehirn an gewissen Stellen nicht so gut vom Blut versorgt wird. Das heißt, man sollte…
- 23:28Ausschlussdiagnostik machen. Und wenn man dann sieht, okay, jemand hat die Symptome einer Depression oder einer Psychose, dann kann man anfangen zu behandeln. Wichtig ist, dass man möglichst früh behandelt. Das heißt, wir haben am Anfang so ein bisschen Zeitdruck, möglichst schnell die Diagnose zu finden, weil man weiß, wenn man jetzt bei einer Depression, sagen wir mal, zwei, drei, vier Wochen erstmal so zuwartet, dann ist der Behandlungserfolg häufig nicht mehr so gut. Echt so.
- 23:52Wenn jetzt jemand ins Spital kommt, ins Unispital, ich gebe immer den Vergleich und hat irgendwie Brustschmerzen und Enge in der Brust und Verdacht auf Herzinfarkt, dann macht man relativ schnell Diagnostik und wenn man es sieht, gibt man eine Therapie, weil sonst das Herz quasi immer mehr Schaden nimmt. In der Psychiatrie können wir das häufig nicht ganz so schnell machen, aber wir versuchen innerhalb der ersten Tage schon eine Behandlung anzufangen.
- 24:14Prinzipiell erstmal mit Psychotherapie, also mit Gesprächen, mit Analyse der Lebenssituation, mit verschiedenen Techniken der Psychotherapie. Das sollte am Anfang immer im Vordergrund stehen. Diagnostik und direkt anfangen mit Therapie. Und dann haben wir natürlich auch viele Patienten, die sagen, ich will gar kein Medikament.
- 24:33Ich glaube, dass Medikamente das Gehirn verändern, meine Persönlichkeit verändern. Das ist nicht der Fall, aber die Angst kann ich gut verstehen. Also wenn ich jetzt mit 15 oder 16 in so eine psychiatrische Klinik gekommen wäre, in einem Ausnahmezustand, mir hätte jemand gesagt, das Medikament hat ein paar Nebenwirkungen, aber nimm das mal.
- 24:53Weiss ich nicht, ob ich das direkt genommen habe. Jetzt mit meinem Wissen weiss ich, dass das benötigt. Wieso haben wir diese Angst? Diese Angst haben wir wegen Filmen, wegen Hollywood. Und dann siehst du irgendwie, wenn jetzt ein Film, der mir gerade in den Sinn kommt, ist mit Leonardo DiCaprio. Wie heisst der? Der eine ist Inception. Inception. Ist das das? Wo er auf die Inseln geht?
- 25:17Ja, das ist Shutter Island. Ein genialer Film, aber da hast du ja genau solche Sachen und dann Medikation, die gegeben wird und es ist alles so ein bisschen shady, du weisst nicht genau, um was es geht und das macht natürlich dann schon Angst, könnte ich mir vorstellen.
- 25:34um dann etwas zu nehmen, weil du nicht weisst, was passiert genau mit mir, wie zurechnungsfähig bin ich überhaupt noch. Und darum ist es wichtig, dass man solche Gespräche auch führt. Und darum bin ich auch super dankbar, dass du heute da bist und von diesen ganzen Sachen erzählst. Ich finde das sehr, sehr wertvoll.
- 25:50Ja, also wir haben natürlich auch, es gibt gute Filme darüber und über die Medien, also eben auch der Podcast heute zum Beispiel, nur so erreichen wir eine große Anzahl von Menschen. Ich sage immer, die Leute kommen, teilweise kommen Schulklassen zu uns in die Klinik und es ist super spannend, was die Leute für naive Fragen stellen, aber nur so.
- 26:09Ja, zum Beispiel eben, du hast ja auch am Anfang gefragt, dass ja Wien ins Gefängnis kommt. Also die Schülerinnen und Schüler fragen manchmal so, sind alle Leute bei euch eingesperrt? Sind die irgendwie ein halbes Jahr da und kommen die gar nicht mehr raus? Und wenn man sagt, in Zürich, man kommt ins Burghölzli, die ältere Generation, die sagen, oh Gott, jetzt ist es vorbei mit mir. Das ist ja nicht der Fall. Wir machen effiziente, evidenzbasierte Medizin, meistens eine kurze Behandlung als Start einer Therapie, eines Weges.
- 26:37Aber es gibt natürlich auch Filme, die uns so ein bisschen Probleme bereitet haben. Und ein ganz bekannter Film ist Einer flog über das Kuckucksnest mit Jack Nicholson. Das ist so 60er Jahre. Und da spielt Jack Nicholson eigentlich einen Straftäter. Jemand, der wahrscheinlich eine Persönlichkeitsstörung hat und auch gewalttätig ist. Und der wird dann mit Dingen behandelt, wie zum Beispiel...
- 27:01Therapien behandelt, wie zum Beispiel Elektrokonvulsionstherapie, Elektrokrampftherapie. Und das ist keine Behandlung für Personen, die eine Persönlichkeitsstörung haben oder die vielleicht gewalttätig sind, sondern das ist eine Behandlung zum Beispiel für Personen, die eine therapieresistente Depression haben. Im Film wird so dargestellt, dass quasi die Psychiatrie, und das war vielleicht 20, 30 Jahre auch davor, teilweise Personen gegen den Willen behandelt hat mit so Elektrokrampftherapie, was gar nichts... Was ist das denn für eine Elektrokrampf...
- 27:31Wie korrigiert du das?
- 27:51Und wenn das dann nach so zwei bis vier bis sechs Wochen nicht gut wirkt, also die Depression nicht wirklich zurückgeht, dann wechselt man auf ein anderes Antidepressivum. Es gibt verschiedene Klassen. Und dann, wenn das auch nicht wirkt, dann gibt es noch so andere Substanzen, die man noch zusätzlich geben kann, also Medikamente, die man geben kann. Und wenn das alles nicht funktioniert, dann gibt es noch andere Stimulationsverfahren, so Magnetstimulationsverfahren und eben auch bei einer wirklich resistenten Depression die Elektrokrampftherapie.
- 28:20Das ist ein Verfahren, da wird ein künstlicher epileptischer Anfall ausgelöst bei einem Patienten. Also man muss sich das vorstellen, die Personen sind in einer Kurznarkose. Das ist eine Kurznarkose, wie wenn man jetzt eine Darmspiegelung macht zum Beispiel. Also die sind in einer Narkose.
- 28:37Und die Muskeln werden entspannt mit einem Medikament. Das heißt, die bekommen dann eben eine ganz definierte Frequenz und Stärke von Strom, aber auf den Kopf, aufs Gehirn appliziert und machen einen kontrollierten epileptischen Anfall, ohne zu krampfen, weil sie die Muskeln entspannt haben. Und natürlich sind sie auch in einer Narkose. Das heißt, die erleben das nicht bewusst, natürlich nicht.
- 29:07Erleben Sie es schon irgendwie? Irgendwie sehen wir es schon, oder? Genau, Sie sind natürlich schon in einer Narkose und man macht das auch mit einer gewissen Frequenz. Also nicht eine einmalige Behandlung, sondern mehrmalige Behandlungen. Das ist aber sehr wirksam bei diesen therapieresistenten Depressionen, weil die Depression ist eine schwere psychische Erkrankung. Und wenn man monatelang in so einer Depression ist, dann versucht man natürlich alles, um da wieder rauszukommen. Und die Elektro-Krampf-Therapie, ich habe das selber auch bei Patientinnen und Patienten gemacht,
- 29:35hat für die Leute, die an vielen anderen Dingen nicht gut wirken, wirklich eine ganz gute Evidenz. Etwa 60%. Du hast ja gesagt, etwa 20-25% von Depressionen sind schlünnend an der Therapie. Für mich tun das jetzt noch relativ viele. Ähm,
- 29:54Und dann macht man weitere Tests, weitere Medikationen. Irgendwann kommt man zu dieser Elektro-Krampf-Therapie. Und was passiert? Wieso wirkt das so gut? Ja, also vielleicht ein bisschen zur Einordnung. 20 bis 25 Prozent
- 30:11Klar, das ist eine ganze Menge Menschen. Das ist definitiv so. Nicht wirkt heißt auch nicht, dass gar keine Symptome zurückgehen, aber dass es nicht suffizient ist, dass man sagen kann, das ist irgendwie akzeptabel für die Person. Und das Ziel ist, wie gesagt, immer keine Symptome zu haben.
- 30:28Man darf nicht vergessen, auch bei körperlichen Erkrankungen, unser Körper ist extrem komplex. Es gibt viele Erkrankungen, wo 20 bis 25 Prozent der Menschen immer oder lange Zeit Symptome haben. Chronische Rückenschmerzen, Migräne. Es gibt hunderte Erkrankungen, wo das ähnlich ist. Das heißt, wir sind in der Psychiatrie und Psychiaterpe nicht besonders schlecht mit dem Behandlungserfolg. Es ist super effizient und wir können ganz vielen Menschen mit depressiven Erkrankungen und auch anderen Erkrankungen helfen.
- 30:55Und die Elektrokrampftherapie ist so entstanden, dass man, das war in Italien hauptsächlich ist das entstanden, dass man gemerkt hat, wenn Menschen mit einer Depression, Depression gab es immer schon, auch eine Epilepsie hatten, also epileptische Anfälle hatten aufgrund einer der Erkrankungen, irgendwie nach diesen Krampfanfällen, die damals halt wegen noch nicht guter medikamentöser Behandlung deutlich häufiger waren,
- 31:23dass denen irgendwie besser ging nach den epileptischen Anfällen. Natürlich, ein epileptischer Anfall ist ein Schock, aber prinzipiell ging das denen, dann hat man beobachtet, ging das denen besser nach den epileptischen Anfällen. Da hat man sich überlegt, naja, der epileptische Anfall, der bewirkt neurobiologisch vielleicht etwas. Das konnte man damals noch nicht nachweisen. Heute weiß man, dass gewisse...
- 31:44Verbindungen im Gehirn, wenn man es so einfach sagen darf, und gewisse Funktionalität des Gehirns sich wieder deutlich verbessert mit dieser Elektrokrampftherapie. Damals hat man es einfach gesehen, wie das sehr viel oft ist in der Medizin. Man sieht irgendwas, was wirkt und dann versucht man es zu machen. Damals hat man das halt auch teilweise natürlich noch nicht in Narkose gemacht, ohne die Muskeln zu entspannen. Das sind sehr heftige Behandlungen gewesen. Heute ist das ja alles...
- 32:09kontrolliert. Ich habe in den 60er Jahren den Film mit dem, wie hieß der? «Einer flog über das Kuckucknest». Genau. Ist das wahrscheinlich auch so dargestellt worden, so dramatisch? Ich nehme an. Ja, ich glaube, ich bin jetzt kein Filmexperte, aber es hat vielleicht auch die Attraktivität des Films erhöht.
- 32:27Irgendwie auch die Geschichte erzählt und in dem Film, das ist eben wie in einer psychiatrischen Klinik, aber eigentlich in einem Gefängnis, also in einer forensischen Klinik spielt das und da sind Personen mit sehr, sehr schweren psychischen Erkrankungen, die dargestellt werden und natürlich auch teilweise so Humor.
- 32:43Also für die Psychiatrie ist das eine sehr komplizierte Situation gewesen. Und vor allem die Behandlungsmethoden in den 60ern waren schon viel, viel besser, als sie da dargestellt wurden. Deswegen haben wir immer so ein bisschen auseinandergesetzt. Ich war vor zwei Wochen in Cannes beim Filmfestival. Ich finde Filme was ganz, ganz Tolles und Medien können extrem viel bewirken. Ich bin immer froh, wenn es auch mit der Realität was zu tun hat und nicht so Effekthascherei. Obwohl Jack Nicholson natürlich auch ein toller Schauspieler ist, gar keine Ahnung.
- 33:11Du hast auch eine eigene Praxis. Und in dieser Praxis hast du, wenn ich das richtig interpretiere, vor allem so High-Net-Word-Patienten, also Leute, die aus der oberen Schicht sehr wohlhabend sind, die sich bei euch behandeln können. Was ist der grösste Faktor, oder wieso geht es den Menschen, die vor allem
- 33:39sehr wohlhabend sind, oftmals ganz schlecht. Ja, das ist eine sehr wichtige und sehr gute Frage. Also genau, ich behandle eigentlich weltweit Patientinnen und Patienten, oder da sagt man so Klientinnen und Klienten, aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Einerseits können das sehr wohlhabende Personen sein, das können aber auch Personen sein, die in der Öffentlichkeit, also es sind Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, aus verschiedenen Medienbereichen, aber auch Personen, die in Power sind, also irgendwie aus dem politischen Bereich.
- 34:06Und prinzipiell kann man sagen, dass die Personen genau die gleichen psychischen Erkrankungen haben wie die in Anführungsstrichen Normalbevölkerung. Aber häufig, wenn man das so einfach darstellen möchte, sind die Personen in ganz komplexen Familiensystemen. Weil wohlhabende Familien oder auch Familien, wo es sehr viel Erfolg gibt,
- 34:29herrscht, haben häufig ganz, ganz diffizile Familienbeziehungen, weil natürlich auch viel Druck und viel Konkurrenz herrscht und haben natürlich ganz, ganz viele Mittel, um Psychotherapie oder auch körperliche Therapieverfahren zu machen, aber häufig sind sie sehr zurückhaltend. Weil wenn man in so einem...
- 34:52High-Performance-Umfeld ist, ist die Tendenz, sich Hilfe zu holen, häufig noch geringer, obwohl man den gleichen Leidensdruck hat wie jetzt jemand, der ein ganz normales Leben führt. Und dann gibt es natürlich viele familiäre Entscheidungen, die einzelne Personen unter Druck setzen. Also es herrscht einfach sehr, sehr viel Druck in den Systemen.
- 35:19Und auch sehr, sehr viel Verantwortung. Und Verantwortung kommt halt oft auch mit Belastung. Und die Belastung triggert häufig so viele Stressfaktoren, dass die Personen dann irgendwann merken, okay, ich brauche eine Art von Behandlung. Man darf nicht unterschätzen, dass die Personen natürlich auch von der Gesellschaft viel Druck bekommen.
- 35:39bekommen und viel auch Neid und sagen, naja, die haben doch so viel Geld und so viel, die sind doch so berühmt und das ist doch sowas Schönes, also ich weiß nicht, ob berühmt sein sowas attraktiv ist, ehrlich gesagt, aus meiner Erfahrung mit Personen so in diesem High-End-Bereich, es gibt viele, die sind sehr resilient und die haben ein tolles Leben und die sind sehr, sehr glücklich, aber das kommt auch mit einer gewissen Last und das dann mit den Personen anzuschauen, ist erstmal super spannend, sind sehr interessante Personen häufig, die ich
- 36:07dann treffe und auch die mir ihr Vertrauen schenken für eine Behandlung. Aber es sind häufig auch Personen in ganz, ganz schwierigen Lebenssituationen. Und sind das solche Personen, die hauptsächlich wirklich das Gespräch suchen, die die Therapie brauchen von einem Psychotherapeut, heisst das, der sie begleiten kann, wo sie ein bisschen
- 36:29Dampf oder Druck ablassen? Oder ist es oftmals so, dass sie sagen, hey, ich darf gar nicht zu jemandem gehen, ich muss es selber schaffen, will so viel Druck, ich bin doch so hoch angesehen, ich muss es selber handeln können. Und irgendwann kippt es und dann ist es wie ein langes Gespräch nicht mehr.
- 36:50Ja, es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie die Personen zu mir kommen. Also ein Weg ist sicherlich auch, dass das Umfeld sagt, hier ist jemand zum Beispiel mit einer sehr großen Verantwortung, sag mal jemand, der in der Politik arbeitet oder der eine große Firma leitet, der viel Verantwortung hat und der irgendwie nicht mehr so gut funktioniert, wo man merkt, die Entscheidungen sind nicht mehr so nachvollziehbar oder man merkt der Person an, dass eine psychische Erkrankung,
- 37:16vorliegt, manchmal auch Substanzkonsum, Alkoholkonsum, Medikamentekonsum oder die Leistungsfähigkeit ist nicht mehr so groß. Und dann kommt das Umfeld nach einer gewissen Zeit und meldet sich bei mir oder auch bei anderen Personen für eine Behandlung, erstmal für einen Check-up, erstmal zu sagen, okay, könnte der mal zu dir kommen und du das mit ihm anschauen. Und häufig dauert es noch eine ganze Weile, bis die Person möchte, weil so…
- 37:40Wenn jemand aus deinem Team hier sagen würde, hey Kevin, ich habe das Gefühl, dir geht es nicht so gut und dann würdest du ja vielleicht sagen, hey ich habe das ganz gut im Griff und möchte das gerne selber entscheiden. Wir haben eher die Tendenz als Menschen, dass wir selber Entscheidungen treffen möchten und deswegen dauert es häufig noch eine ganze Weile. Und dann, wie du richtig gesagt hast, gibt es natürlich die Menschen, die merken, mir wird das alles zu viel und eigentlich bin ich ein Problemlöser.
- 38:05CEOs, Personen, die im Film arbeiten, die im Sport sehr, sehr erfolgreich sind, das sind Problemlöser. Die finden immer eine Lösung dafür und die sind das auch gewohnt. Und wenn sie dann merken, plötzlich das funktioniert nicht mehr so gut, dauert es auch eine ganze Weile, bis sie sich das wie so eingestehen können und sagen können, hey, vielleicht gehe ich mal zu jemand, der sich damit auskennt. Und es ist ja auch verrückt,
- 38:25Wenn man so merkt, dass es ein schwelendes Problem gibt, mir geht es schon eine Weile nicht mehr so gut, ich bin nicht mehr so leistungsfähig, dann gehe ich doch zu einem Profi. Dann versuche ich das doch nicht alles selber zu regeln. Aber bis man dann dort ist, das dauert häufig eine Weile. Und das ist auch ganz legitim, dass es eine Weile dauert. Wieso glaubst du das so? Haben wir wie Angst davor? Oder ist es ...
- 38:50fühlen wir uns irgendwie wie geblankt, um zu jemandem zu gehen, um Hilfe zu suchen. Weil ganz ehrlich, wenn zu Hause mein Abfluss verstopft ist, hole ich einen Sanitär. Und du schaust, dass ein Profi kommt, das wieder reinigen und entstopfen. Wenn die Mauer abfällt, dann hole ich auch einen Maurer, der das macht.
- 39:09Wieso sollte ich dann, wenn ich mit dem Kopf etwas habe, nicht zu einem Profi gehen wollen? Ist das komisch angesehen? Ich glaube, dass wir vielleicht zur Stigmatisierung können wir gerne auch noch kommen, aber ich denke, dass Menschen Meister der Selbsttherapie sind und selber Lösungen finden. Und das ist ja was ganz, ganz Wichtiges der menschlichen Existenz, dass man resilient ist, dass man widerstandsfähig ist, dass wir ganz viele Probleme selber lösen können. Aber auch bei körperlichen Erkrankungen. Wie viele Leute haben
- 39:38jahrelang Rückenschmerzen, jahrelang Kopfschmerzen, gehen immer mal wieder in die Apotheke, holen sich einen Medikament, gehen dann nach einer Weile mal zum Hausarzt, der sagt, ja, nehmen Sie mal das und dann dauert es wieder zwei Jahre oder haben immer wieder Magenverdauungsbeschwerden und lassen das einfach nicht untersuchen. Also
- 39:56Ich sage nicht, dass man wegen jeder kleinen Beschwerde zum Arzt gehen sollte oder zu einem Psychotherapeuten gehen sollte, aber wir sind wirklich Meister der Selbsttherapie, weil das vielleicht auch so mit dem Selbstbild zusammenhängt, dass man nicht so gern Schwäche zeigt, auch in unserer Gesellschaft nicht so gern Schwäche zeigt und dass psychische Erkrankungen insbesondere natürlich auch noch sehr stigmatisiert werden.
- 40:19Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr daran arbeiten können, dass es etwas ganz Normales ist, sich im Trend zu lassen. Ich habe das Gefühl, der Trend wird besser. Ich weiss noch, als ich noch bei Apple gearbeitet habe, das war die Zeit, du, also ich habe aufgehört im 19. Aber als ich zu Apple Corporate ging, das war im 2014, da konnten wir uns schon für ein Programm für Mental Health anmelden. Also für mentale Gesundheit gab es ein Programm, das wir uns anmelden konnten.
- 40:49um mit jemandem zu sprechen etc. Also schon dort ist es langsam gekommen, ich meine, das ist jetzt elf, zwölf Jahre her, ich habe das Gefühl, mentale Gesundheit ist immer mehr ein Thema in der Gesellschaft und es wird langsam einfacher, glaube ich, wie ich das empfinde. Aber trotzdem sehe ich viele, die sagen, hey,
- 41:14Vielleicht wäre es einfach besser, mal zu jemandem zu sprechen. Die Frage ist halt, vielleicht kannst du mich das besser beantworten. Was für Symptome sollte ich haben, um dann die Entscheidung zu treffen, hey, vielleicht sollte ich mich mal untersuchen lassen, vielleicht sollte ich mal zu einem Profi gehen. Was sind das für Anzeichen?
- 41:32Ja, es ist nicht ganz einfach zu beantworten. Prinzipiell würde ich dir zustimmen, dass es in den letzten Jahrzehnten natürlich auch durch viele Kampagnen, psychosoziale oder politische Kampagnen dazu gekommen ist, zum Beispiel, dass die Suizidrate runtergegangen ist. Im Moment haben wir wieder einen kleinen Anstieg von Suiziden und Suizidversuchen.
- 42:02Gibt es mehr Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen und das kann man halt auch daran sehen. Ich bin immer vorsichtig, Länder zu vergleichen, aber ich war zum Beispiel vor zwei Jahren auf Madagaskar, um so einen Kurzdokumentarfilm zu drehen und da haben wir Menschen einfach auf der Straße und überall.
- 42:18interviewt und so gefragt bezüglich psychischer Erkrankungen. Da ist das Wissen zum Beispiel deutlich geringer als jetzt hier in der Schweiz. Und das Wissen über psychische Erkrankungen reduziert schon auch die Stigmatisierung. Und in Madagaskar gibt es, also in der Schweiz gibt es 770 mal mehr Psychiater pro Kopf, pro Einwohner als in Madagaskar.
- 42:39Und das kann ja irgendwie nicht ganz stimmen. Und in Mexiko gibt es etwa 50 bis 60 Mal weniger Psychiater als in der Schweiz. In der Schweiz haben wir die höchste Anzahl Psychiater pro 100.000 Einwohner, also pro Kopf. Wir sind Nummer eins. Nummer zwei sind so Deutschland und Schweden und die haben etwa die Hälfte davon. Wow. Wir haben etwa 40 bis 50.
- 43:00Die Zahlen variieren ein bisschen. Psychiater und Psychotherapeuten pro 100'000 Einwohner. Das nächste Land ist Deutschland und Schweden, die haben etwa 20. In Madagaskar haben sie etwa 0,1 pro 100'000. Und sieht man aber auch, dass es mehr psychische Erkrankungen gibt in der Schweiz oder in Madagaskar?
- 43:18Die Prävalenzen, da muss man ein bisschen vorsichtig sein. Also prinzipiell ist es so, wenn man die großen Studien anschaut, Untersuchungen zu psychischen Erkrankungen, liegen die Zahlen, jetzt sagen wir mal in westlich geprägten Ländern, also der westlichen Welt, zwischen 40 und 70 Prozent. Also 40 bis 70 Prozent der Menschen werden im Laufe ihres Lebens, je nach Studie, eine psychische Erkrankung haben.
- 43:41Nicht jeder davon muss behandelt werden. Es gibt auch Menschen, die haben ganz leichte Erkrankungen oder Menschen, die haben eine Erkrankung, die wieder weggeht, bevor sie Therapie machen. Und das sind natürlich, wir haben sehr gute Messinstrumente hier. Wir machen gute Studien dazu und umso häufiger man misst,
- 43:57zum Beispiel, umso besser ist die Trefferquote auch, dass man wirklich ein richtiges Ergebnis bekommt. Das heißt, wir haben hier ganz gute Zahlen und das ist aber schon unterschiedlich auf der Welt verteilt. Also zum Beispiel die Zahlen für Angsterkrankungen Madagaskar und Schweiz sind nur leicht unterschiedlich. Diese Angsterkrankungen gibt es auch, aber meine Schlüsselszene auf Madagaskar, wenn ich das erzählen darf, war zum Beispiel, wir waren in so einem kleinen Dorf und haben
- 44:23Leute interviewt, dann habe ich eine Frau mit ihren zwei Kindern, ein kleines Kind auf dem Arm und ein so ein 5-6-Jähriges gefragt, ja haben sie mal eine Depression gehabt, wissen sie was das ist und ich erkläre ihnen ein bisschen was dazu, damit sie es vielleicht besser einschätzen können und dann meinte sie, Depression, ich habe gar keine Zeit dafür, ich habe überhaupt keine Zeit für sowas, ich muss für meine Kinder sorgen, ich muss arbeiten, ich muss irgendwie überleben, ich habe keine Zeit für Depressionen.
- 44:53und spielt auch eine Rolle. Das heißt, mediale Präsenz von Erkrankungen beeinflusst natürlich auch, wie häufig die Leute zu einer Fachperson gehen. Aber prinzipiell kann man sagen, dass das Auftreten von psychischen Erkrankungen über die Zeit relativ gleich bleibt. Es ist einfach,
- 45:10So, dass heutzutage vor allem in der Schweiz auch mehr Leute sich untersuchen lassen und auch mehr Leute behandelt werden, was aber das Leiden natürlich auch reduziert. Also Personen, die, weil du gefragt hast, wer sollte zu einer Fachperson gehen, wenn du merkst, dass du nicht mehr so leistungsfähig bist, dass du zum Beispiel auch irgendwie,
- 45:28Schmerzen oder Müdigkeit, Schlafstörungen hast, wenn du merkst, dass Alkoholkonsum ansteigt oder Tablettenkonsum ansteigt, wenn das Umfeld dir sagt, hey, geht's dir gut, stimmt irgendwas nicht bei dir. Natürlich, wenn du Halluzinationen hast, wenn du merkst, die Konzentrationsfähigkeit ist nicht mehr so gut, dann ist es nicht mehr so gut.
- 45:47dann würde ich einfach einen Check-up machen. Wenn ich Zahnschmerzen habe, gehe ich zum Zahnarzt. Das ist ja gar keine Frage. Du hast gesagt, falls man Schmerzen hat, könnte eine psychische Erkrankung Schmerzen auslösen. Wir haben häufig gleichzeitiges Auftreten von Schmerzen und Affektiven erkrankt.
- 46:04Also Depressionen zum Beispiel. Depression ist eine affektive Erkrankung. Das ist eine affektive Erkrankung, genau. Wir sagen affektive Störung. Ich finde den Begriff Störung nicht ganz so optimal, aber es gehört zu den affektiven Erkrankungen. Der Affekt ist die Stimmung. Und eins der Hauptsymptome der Depression ist die gedrückte Stimmung. Es gibt drei Hauptsymptome der Depression. Das ist die gedrückte Stimmung.
- 46:24Also ja, wenn man merkt so, gerade morgens beim Aufstehen vielleicht, man hat häufig so eine niedrige Stimmung und Motivationslage, man fühlt sich irgendwie nicht gut. Das andere ist eben die Motivation und das Energielevel, dass man sich so ausgelaugt und wieder ausgebrannt und sehr, sehr schwach fühlt. Und das dritte ist die Anhedonie, das heißt, dass man Sachen, die einem eigentlich Spaß machen,
- 46:52nicht mehr, die Freude nicht mehr dabei empfindet. Ich meine, ich habe viel Fußball gespielt früher, wenn ich jetzt merken würde, oder jetzt auch teilweise noch, es macht mir gar keinen Spaß mehr, oder es macht mir keinen Spaß mehr, ins Theater zu gehen, oder es macht mir keinen Spaß mehr, zu arbeiten, dann würde ich schon denken, hey, da stimmt irgendwas nicht.
- 47:08Und ich finde immer wichtig, aufs Umfeld zu achten. Wenn das Umfeld sich viel Sorgen macht, Partnerinnen, Partner oder auch Freundinnen, Freunde, Familie, sagt so, hey, es geht nicht so gut. Von außen merkt man das häufig, dann einfach einen Check-up machen. Ich meine, das ist eine Investition. Man muss natürlich schon ein bisschen warten, weil wir jetzt nicht Kapazitäten haben, alle Leute…
- 47:31zu diagnostizieren und einzuschätzen. Aber das ist eine Investition von etwa 90 Minuten. Das ist so ein Erstgespräch. Dann hat man zumindest schon mal ein Bild davon. Da kann der Psychiater oder die Psychiaterin oder auch der Psychologe oder Psychologin schon eine erste Einschätzung geben, ob es notwendig ist, eine Therapie zu machen oder nicht. Kannst du kurz den Unterschied zwischen einem Psychiater und einem Psychologen erklären?
- 47:54Genau, also ein Psychiater hat Medizin studiert, also ganz einfach gesagt, ein Psychiater hat Medizin studiert und ein Psychologe oder Psychologin hat Psychologie studiert, weil die Psychiatrie ja ein Fachgebiet der Medizin ist. Also ich hätte nach dem Medizinstimmen auch Chirurg oder Urologe oder Neurologe werden können und ich habe mich entschieden Psychiater zu werden. Und prinzipiell ist die Psychotherapie sehr sehr ähnlich, die Psychotherapie die ein Psychiater macht und die ein Psychologe macht.
- 48:22Ein Unterschied, das ist relativ trivial, dass natürlich Psychiaterinnen und Psychiater als Mediziner Medikamente verschreiben können und Psychologen können das nur gemeinsam mit einem behandelnden Arzt. Prinzipiell können Psychologen auch Menschen mit medikamentöser Therapie behandeln, sie können einfach die Medikamente nicht verschreiben.
- 48:41Und dann gibt es ganz, ganz unterschiedliche Psychotherapieverfahren, die eben sowohl Psychiater als auch Psychologen anbieten. Dieses Bild von früher, dass quasi die Psychologen so ein bisschen die einfacheren Fälle behandeln und die Psychiater die schwereren Fälle, ich denke, das hat nicht viel mit der Realität zu tun. Auch psychologische Psychotherapeuten können auch schwere Depressionen zum Beispiel behandeln.
- 49:04Also für jemanden, der solche Symptome hat wie Lustlosigkeit, keinen Spass mehr an etwas, an dem eigentlich Spass gemacht hat, kann es nicht gross darauf fallen, ob man zu einem Psychiater oder zu einem Psychologen geht.
- 49:21Ja, prinzipiell würde ich zu jemandem gehen, der Erfahrung in der Diagnostik hat, also der wirklich ein diagnostisches Gespräch führen kann, weil es gibt auch viele niedergelassene Therapeuten, die sich eher auf den Therapieteil fokussiert haben. Also die, wo Leute hingehen, die schon eine Diagnose haben und die dann in die Therapie gehen. Aber prinzipiell das Assessment, auch bei uns in den Kliniken, also das psychiatrische oder therapeutische Gespräch, diagnostische Gespräch kann von einem Psychologen oder Psychiater gemacht werden.
- 49:51Die Ausschlussdiagnostik, also Blutuntersuchungen ansetzen, dieses MRI vom Kopf machen, die körperliche Untersuchung, das können nur Ärztinnen und Ärzte machen. Das heisst, wir haben häufig am Anfang der Behandlung, gerade bei mittelschweren und schweren Erkrankungen, eher die Situation, dass die Leute in die Klinik oder zu Psychiaterinnen und Psychiatern kommen. Also Diagnostik kann hauptsächlich übermachen, wo...
- 50:18Ein Psychiater ist? Unterschiedlich. Also wenn es jemand zum Beispiel eben das erste Mal so mittelschwere depressive Symptome hat, dann würde ich schon empfehlen, auch eine medizinische Diagnostik zu machen. Weil wie gesagt, der kann auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse haben, der kann irgendeine hormonelle Erkrankung haben und dafür sind...
- 50:38psychologische Psychotherapeuten einfach nicht weitergebildet. Das geht einfach nicht. Die können das einfach nicht machen, weil sie den fachlichen Hintergrund nicht haben. Aber prinzipiell haben wir sehr, sehr viele Menschen, die auch mit Depressionen zu niedergelassenen Psychotherapeuten, Psychologen gehen. Und wenn der Psychologe dann merkt, da könnte noch irgendwas anderes dahinter stecken, dann muss der sowieso die Leute noch mal zum Hausarzt oder zum Psychiater schicken. Wir müssen auch ein bisschen...
- 51:02Wir haben zwar viele Psychiaterinnen und Psychiater, aber auch nicht wie Sand am Meer. Das heißt, wir können auch nicht alles anbieten, weil wir einfach die Kapazitäten davon nicht haben. Und das ist was, wo ich wirklich mittlerweile auch sehr kritisch darüber denke. Wenn es so weitergeht wie jetzt, wenn die Personen in dieser Hyperstressgesellschaft nicht frühzeitig in ihre Gesundheit investieren,
- 51:26Sei es im mentalen Bereich, aber auch im körperlichen Bereich, dann werden wir das irgendwann nicht mehr versorgen können, weil wir einen Bevölkerungszuwachs haben und weil wir natürlich immer mehr so psychische und soziale Stressfaktoren haben. Wir leben in einer Hyperstressgesellschaft, gerade in Zürich, da sieht man und auch in anderen Großstädten. Leben in der Großstadt zum Beispiel ist ein Faktor.
- 51:46was das Risiko erhöht, psychisch krank zu werden. Also etwa so drei bis viermal. Wir leben hier in Zürich oder ich lebe in Zürich zumindest. Wo lebst du? In der Grossstadt. Wir haben etwa ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, eine psychische Erkrankung zu bekommen. Ist natürlich jetzt nicht exorbitant hoch, aber es ist ein Risikofaktor. Ist das eigentlich ein Leistungsdruck? Weil man sich vergleicht, oder was sind da so...
- 52:11Ja, ich denke, natürlich sind so die Umweltreize ein Faktor. Es ist einfach lauter, die Luftqualität ist vielleicht nicht ganz so gut wie außerhalb der Großstädte. Man ist häufiger auch in beruflich stressigeren Settings. Es gibt ganz viele differenzierte Faktoren dazu.
- 52:28Man misst dann eben so die großen Faktoren und das ist sicherlich so die Hyperstressgesellschaft und ich denke immer noch in Zürich, klar kann das ein stressiges Leben hier sein, aber wenn man sich so überlegt, in asiatischen Großstädten oder auch in New York City oder so, ich habe mal eine Weile dort in Manhattan gelebt,
- 52:45Also ich meine, das ist nochmal auf einem anderen Level. Und da kann man sich vorstellen, also in New York, nach den ersten vier Monaten, dachte ich, ich kann auch diese Sanitätsgeheule nicht mehr hören. Und man muss immer gucken, dass man quasi nicht vom Auto gerade überfahren wird. Also es gibt ganz viele Vorteile in Großstädten. Andere Überlappungskräfte. Ja, aber es ist auf die Psyche...
- 53:06hat es auf jeden Fall mitunter auch einen negativen Einfluss, in Grossstädten zu leben. Ich habe mein ganzes Leben in Grossstädten gelebt und bin trotzdem irgendwie gesund geblieben, aber nur, weil ich auch in meine Gesundheit investiert habe. Du hast ja an grossen Universitäten studiert, oder warst an grossen Universitäten. Ähm,
- 53:26Unter anderem am Freud-Institut, das ist in Zürich, oder? Genau. Aber auch in der Stadt, da bist du in, jetzt muss ich überlegen, in Harvard? Genau, ich war in Boston an der Harvard Medical School. Da habe ich hauptsächlich Forschung und Studien gemacht. Das ist einer der renommiertesten Medical Schools auf der Welt. Mhm.
- 53:44Ja, also es war eine sehr schöne Zeit damals, sehr intensiv. Also schon irgendwie ein Haifischbecken. Das war 2007, etwa für so ein knappes Jahr war ich dort. Da habe ich aber hauptsächlich Forschung gemacht und so Forschungstraining, aber auch Neurologie. Und das war super spannend. Und ich habe hauptsächlich an der Charité studiert in Berlin und das ist auch eine sehr gute Zeit gewesen.
- 54:07Aber klar, Medizin ist kompetitiv und es gibt viele schlaue Leute, Menschen, die wirklich sehr interessiert daran sind, in der Medizin einerseits weiterzukommen, aber auch was dazu beizutragen, dass wir hoffentlich immer mehr Erkrankungen auch gut behandeln können. Ja.
- 54:23wie in jedem Business gibt es Vor- und Nachteile. Aber ich habe eben von Anfang an gemerkt, auch als ich nach Berlin gegangen bin, dass mir das Reisen Spaß macht, dass mir das Spaß macht, an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Ich war auch in Madrid und in London und Cambridge und so weiter. Also das hat mir eigentlich immer viel Spaß gemacht. Also alle meine diese Praktika quasi habe ich alle im Ausland gemacht, um so ein bisschen den Horizont zu erweitern, aber auch, und ich habe auch nicht so gute Erfahrungen gemacht. Das gab es sicherlich auch.
- 54:53Insgesamt muss ich sagen, dass mich das persönlich weitergebracht hat, was auch vielleicht ein bisschen egoistischer Grund hat, aber man darf ja auch auf sich selber schauen. Was ist denn der Grund, nachdem du an so vielen grossen Universitäten warst, bist du an so vielen Grossstädten gelebt, wieso hast du dich dann entschieden, in Zürich zu sein? Ja, das ist eine gute Frage.
- 55:16Ich kann es gar nicht so richtig sagen, aber ich bin damals nach der Uni, eben nach dem Uniabschluss nach Zürich gekommen, weil unser, der Direktor der Klinik jetzt auch noch, mit dem ich einfach einen guten Kontakt hatte und der mir auch ein gutes Angebot gemacht hat. Und dann bin ich hierher gekommen und wie viele habe gedacht, na mal ein, zwei Jahre, Zürich ist eine schöne Stadt.
- 55:34Erfahrung, jetzt bin ich 16 Jahre hier und Zürich hat mich einfach sehr positiv empfangen. Ich habe wundervolle Leute hier kennengelernt. Die Medizin ist sehr, sehr dynamisch, sehr, sehr gut hier. Also das berufliche Umfeld spielt sicherlich auch eine Rolle.
- 55:52Ich bin zwar schon immer so in Kontakt, auch mit Berlin geblieben und auch mit anderen Städten, aber ich finde, Zürich ist sehr, sehr lebenswert. Die Schweiz ist sehr, sehr lebenswert. Ich bin davon überzeugt, dass mich mein Umfeld, die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, mich dazu bewegt hat, lässig dann hier zu bleiben.
- 56:11Schön, mega schön. Wo hast du deine Klinik genau, deine private Klinik? Also ich arbeite einerseits eben immer noch am Burg Kölzli, an der psychiatrischen Uniklinik und habe da hauptsächlich ambulante Patienten. Und meine Firma oder meine Klinik, das ist eine internationale Firma, das heisst, ich sehe teilweise Leute online, teilweise sehe ich Leute in persona, aber ich gehe eigentlich zu den Leuten nach Hause. Ah, du kannst zu ihnen.
- 56:37die das einerseits wünschen, aber es ist auch immer ganz gut, um das Umfeld ein bisschen kennenzulernen. Das heißt, es ist in verschiedenen Ländern, aber prinzipiell auch in der Schweiz und der Firmensitz ist in Zürich, aber es ist sehr, sagen wir mal, sehr, sehr dynamisch, wo ich dann gerade bin. Ich war viel in den Emiraten oder viel in der arabischen Welt, jetzt gerade aktuell aus nachvollziehbaren Gründen nicht so, aber auch in Mexiko, in Südamerika, in den USA, in London relativ viel und
- 57:04Ja, mir macht das Spass, es ist schon auch intensiv. Würdest du sagen, in so vielen Ländern sind Probleme oder Erkrankungen überall die gleichen, ähnlich? Ja, das ist sicherlich eine Erkenntnis, die ich erlangt habe, dass die Menschen eigentlich
- 57:22Also man muss ja überlegen, die Lebensrealitäten der Menschen sind zwar unterschiedlich, aber die Herausforderungen des Lebens sind jetzt ja nicht so verschieden, wenn du in Zürich einen normalen Beruf hast und vielleicht eine Familie oder du lebst irgendwie in Riyadh und hast einen Beruf und eine Familie und bist aber vielleicht irgendwie noch politisch aktiv.
- 57:50sind nicht so verschieden. Und die Häufigkeit der psychischen Erkrankungen sind ähnlich verteilt. Es ist schon anders, aber in den verschiedenen Ländern. Aber die Menschen, die zu mir kommen, die sind ja oft schon in sehr schwierigen Lebenssituationen. Also
- 58:06Ich sage immer so, die ganz, ganz leicht Erkrankten, die so ein bisschen das Gefühl haben, ich will mal ein bisschen Lifestyle-Medizin machen, das ist auch legitim. Man hat auch eine Daseinsberechtigung, ist nicht so mein Metier. Ich habe eher Leute, die wirklich in schwierigen Lebenssituationen sind, aber auch die so ein gewisses Coaching benötigen.
- 58:26Wenn ich bei mir Social Media aufmache, ob das TikTok oder Instagram ist, und wir kommen gleich noch zu deinem Account, weil du hast einen riesen Account aufgebaut in den letzten Jahren. Aber wenn ich den aufmache und ich scrolle etwas herum, sehe ich immer mehr ADHS und Fokalien und Ritalin. Also vor allem sehr viele Junge, die sich anstellen und sagen, «Ich bin halt ein ADHS-Kind.»
- 58:55Ich habe das Gefühl, in den letzten Jahren ist das so viel mehr geworden. Ich habe das Gefühl, es hat sich so gesteigert. Natürlich, Social Media gibt den... Man sieht es auch mehr, man spricht darüber. Aber siehst du, dass so der ADHS einen Peak erreicht hat? Dass immer mehr Leute sagen, sie haben ADHS? Und ist das auch eine psychische Krankheit?
- 59:16Genau, ADHS, also Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätssyndrom heißt es, ist eine psychische Erkrankung, wird diagnostiziert von Psychiaterinnen und Psychiatern, wird häufig auch mit Medikamenten und mit Psychotherapie behandelt. Ist ja eine Erkrankung, die häufiger schon so im Kindes- und Jugendalter auftritt, aber so in den letzten Jahrzehnten hat man auch gesehen, dass es auch viele Erwachsene gibt, die einen ADHS haben. Ich finde, man muss dort immer...
- 59:39aufpassen, was quasi so soziale Medien und Medien Präsenz ist und was in der Realität passiert. In der Realität muss man sagen, dass es auch unterschiedliche Studien dazu gibt. Also letztlich meine, wie ich die Studien lese oder ich bin jetzt, ich behandle Personen mit ADHS, aber die Studienlage ist relativ komplex. Das heißt, so wie ich die Studien lese, ist es so, dass mehr Menschen diagnostiziert werden. Also mehr Menschen werden mit ADHS diagnostiziert, weil es halt
- 1:00:09dafür gibt. Aber prinzipiell ist es jetzt nicht so, dass wir eine Inflation von ADHS haben. Und ich denke, dass es auch wichtig ist, dass die Leute wirklich zu Spezialisten gehen, weil es gibt ganz unterschiedliche Formen des ADHS. Es gibt auch ADS, also ohne diese Hyperaktivität. Und dann gibt es auch so gemischte Formen und es gibt auch Personen, die haben eher die Hyperaktivität, ganz einfach gesagt.
- 1:00:33Wichtig ist, dass das gut diagnostiziert wird und dass man sich gerade auch im Kindesalter dann sich gut überlegt, wie möchte man das behandeln. Wie das medial präsent ist, das sehe ich und ich denke auch meine Kolleginnen und Kollegen doch relativ kritisch, weil das ADHS, gerade wenn es eine gewisse Ausprägung hat, ist auch eine eher schwerere Erkrankung mit vielen Implikationen. ADHS kann auch in Bereichen, manche Symptome können auch bezüglich Kreativität und bezüglich
- 1:01:01Prävalenz bei Personen, die sehr leistungsfähig sind, gibt es auch mehr Leute mit ADHS, hat auch ein paar Vorteile, aber prinzipiell sage ich immer, man muss vorsichtig sein, wenn man sagt, irgendwie Genie und Wahnsinn, die psychische Erkrankung hat einen Vorteil, die meisten psychischen Erkrankungen haben keinen Vorteil. Das heißt auch so, zum Beispiel die andere Erkrankung, bipolare Störungen, sind die manisch-depressiven Erkrankungen,
- 1:01:24In der Manie ist man sehr leistungsfähig, sehr kreativ, sehr nach aussen gewandt. Wenn man mal Personen mit einer Manie gesehen hat und auch die Zeit nach der Manie, das ist sehr, sehr anstrengend und eine sehr, sehr schwierige Lebensphase. Was ist die schlimmste Erkrankung, die du selber behandelt hast?
- 1:01:48Ich würde sagen, ich habe zum Beispiel jetzt keine Personen mit schwerem kindlichen Autismus. Also der kindliche Autismus, die mit schwerem Autismus, das sind wahrscheinlich von dem Störungsgrad die schwersten Erkrankungen, die wir in der Psychiatrie und Psychotherapie gesehen haben. Aber die Erkrankungen, die ich behandle, die sehr schwer sind, sind Abhängigkeitserkrankungen, also Alkohol, aber auch Substanzen, also auch Kokain.
- 1:02:10Heroin, Medikamente und dann natürlich die psychotischen Erkrankungen. Also ich arbeite auch an der Klinik, die ist die Klinik, wo der Begriff der Schizophrenie durch Eugen Bleuler, der bekannteste Psychiater der Schweiz, geprägt wurde und die Schizophrenen, Psychosen,
- 1:02:27sind gerade mit einer schweren Ausprägung schon das, was ich am schwierigsten für das eigene Erleben sehe. Aber auf der anderen Seite gibt es auch gute Behandlungsmethoden. Also alle schweren Erkrankungen, schwere Abhängigkeitserkrankungen, auch schwere Depressionen, schwere bipolare Erkrankungen. Also Menschen, die eine Sucht entwickelt haben, ob das Alkohol, Drogen etc. sind,
- 1:02:56Auch die kommen zu euch? Ja, genau. In dem stationären Bereich haben wir eine Aufteilung von etwa 20-25% der Patienten. Die Patienten haben eine Abhängigkeitserkrankung, also doch ein Viertel der Leute. Dann haben wir noch so 20% mit Depressionen.
- 1:03:17Und 20 Prozent etwa mit Psychosen, weil man sich überlegen muss, die Psychosen zum Beispiel, die haben ja häufig auch Halluzinationen, Wahnvorstellungen, das heißt eine Veränderung der Wahrnehmung der Realität und da kommt es dann häufig schon zu sehr komplizierten Situationen, also Fremdgefährdung auch oder auch dazu, dass jemand quasi gar nicht mehr imstande ist, sein Leben zu organisieren und deswegen kommen die Personen dann in eine stationäre Behandlung. Das heißt…
- 1:03:46Das sind schon die häufigsten Erkrankungen, die wir sehen. Psychosen, Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen im stationären Bereich. Das ist interessant, mega interessant. Für mich ist sie jemand, der eine Suchterkrankung hat, in eine Rehab, in eine Klinik. Ich wusste nicht, dass das auch bei euch ein Teil davon ist. Das finde ich ganz spannend. Doch, wir haben eine spezialisierte Abteilung oder eigentlich ein ganzes Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen.
- 1:04:15Und auch da ist es so, es gibt ganz viele ambulante Angebote. Also nur ein kleiner Teil kommt in den stationären Bereich, aber mit einer schweren Alkoholabhängigkeit. Es gibt natürlich auch ganz viele andere Stellen, in Zürich zum Beispiel, die das behandeln. Und es gibt auch einen rehabilitativen Anteil, aber prinzipiell am Anfang mit einer schweren Abhängigkeitserkrankung muss erstmal die Diagnose gestellt werden und dann muss das akut behandelt werden,
- 1:04:41bevor dann in der zweiten oder dritten Phase die Rehabilitation anfängt. Und das ist natürlich der wichtigere Teil, die Rehabilitation, auch die Rückfallprophylaxe, die man macht. Aber häufig sind Personen halt in so einer schweren und auch manchmal im schlechten körperlichen Zustand, vor allem schlechten psychischen Zustand, dass sie ein stationäres Setting brauchen. Und es gibt natürlich auch Rehab-Kliniken, auch private Rehabs in der Schweiz,
- 1:05:06Aber eigentlich alle grossen Kliniken, wir haben fünf grosse Kliniken im Kanton Zürich, bieten auch Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen an. Ja, von dem, was du eben gesagt hast, so bipolar, ich finde das immer etwas, wo ich ganz schlecht greifen kann, wie jemand ist, der bipolar ist, weil ich stelle mir dann wie vor, du redest jetzt mit einer Person und die ist ganz ruhig, besinnt, kannst mit ihr ein Gespräch führen,
- 1:05:32Und im nächsten Moment ist sie auf einmal eine ganz andere Person und agiert anders, ist sie vielleicht aggressiv oder nicht bei sich etc. Für mich ist so Bipolarität ganz schwierig zu nachvollziehen, wie das funktionieren kann. Ja, also die bipolare Erkrankung, ganz prinzipiell ist es so, die Personen haben depressive Phasen und auch manische Phasen. Und die Ausprägung, wie häufig das vorkommt, solche Phasen, ist ganz, ganz individuell.
- 1:06:02In der Psychiatrie kann man nachvollziehen, was passiert, wenn Person A und Person B aktiv sind.
- 1:06:13Ja, also wir in der Psychiatrie machen wir das ja hauptsächlich über das therapeutische oder diagnostische Gespräch. Und jemand, der zum Beispiel eine Manie hat, also Manie ist damit verbunden, dass man einen starken Antrieb hat. Das kann sein, dass man sehr, sehr aktiv ist, dass der Gedankenprozess oder der Denkprozess häufig sehr beschleunigt ist, dass man die Ideen, die man formuliert, von dieser Person gar nicht so gut nachvollziehen kann. Also sogenannte Ideenflucht, manche Personen sind sehr, sehr aktiv auch.
- 1:06:42sexuell aktiv zum Beispiel. Andere haben ein ganz großes Schlafdefizit, also schlafen vielleicht nur noch zwei, drei Stunden pro Tag. Deshalb hat ganz, ganz viele verschiedene Symptome. Was du jetzt schilderst, dass die Personen in einem Moment so sind, in einem anderen Moment so sind, das ist schon eher selten. Es gibt das sogenannte Rapid Cycling, dass die Personen
- 1:07:02Ganz, ganz schnell wechseln zwischen einem manischen Zustand und wie einem normalen Zustand und einem depressiven Zustand. Aber das ist schon eher selten. Die meisten Personen haben wie Phasen. Das kann mal ein paar Wochen sein, das kann auch eine kurze Phase sein. Und da ist es ganz wichtig, dass man das gut behandelt. Weil eine Manie zum Beispiel, dieser erhöhte Antrieb und diese Ideenflucht und so, das hält man nicht so lange aus. Weil das für das Gehirn, ich sage immer, der Ferrari fährt dann irgendwie 400 Kilometer,
- 1:07:29Stundenkilometer und irgendwann muss der von der Autobahn runter. Das ist einfach zu intensiv jetzt als so Parallelidee. Und auch die Phase danach, also die depressive Phase, die häufig kommt nach einer Manie, weil dann so eine Erschöpfung eintritt, das ist auch sehr, sehr schwer auszuhalten für die Personen.
- 1:07:47Dieses Wechseln von Perspektive und dieses Wechseln von Antwort oder dieses Wechseln in der Beziehung, das würde man eher bei Persönlichkeitsstörungen sehen. Zum Beispiel Personen, die emotional instabil sind. Es gibt eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, die vom Beziehungsbegriff,
- 1:08:08vom Borderline-Typ ist. Das sind Personen, die so starke Problematiken in der Beziehung haben, die häufig sich auch selbst verletzen, zum Beispiel sich ritzen mit scharfen Gegenständen und die haben immer mal wieder so ganz starke Stimmungsschwankungen. Das sind vielleicht eher die Personen, die du mit dem Bipolaren verbindest.
- 1:08:28Aber natürlich auch Personen, die manisch-depressive Phasen haben, können ihre Perspektive und die Beziehungsgestaltung schnell wechseln. Einfach nicht so ganz so dramatisch normalerweise.
- 1:08:40Jetzt hast du schon etwas angesprochen und es ist mir gerade eine Situation in den Sinn gekommen, die jetzt relativ aktuell in den Medien umgegangen ist. Ich weiss nicht, wie stark du bewandert bist mit dem. Aber jetzt ist es gerade vor ein paar Tagen, ein Mann hat einen Passanten am Winterthurer Bahnhof mit einem Messer bedroht und auch zugestochen. Und der ist einen Tag vorher aus einer Klinik entlassen worden. Und der behandelnde Arzt hat gesagt, er wäre in einem stabilen Zustand.
- 1:09:10vielleicht aus deiner professionellen Ansicht, wie kann so etwas passieren? Und
- 1:09:18Können so Fehler... War der Herr einfach ein sehr guter Schauspieler, der dazu geschockt hat? Oder was kann denn passiert sein? Ja, also auf einem Einzelfall jetzt ein Urteil dazu abzugeben, ist extrem schwierig. Das würde ich mir auch nicht zutrauen. Man sollte in der Psychiatrie und Psychotherapie immer nur über jemanden sprechen, wenn man die Person selber untersucht hat. Und natürlich kann man das einigermassen trotzdem einschätzen, auch ohne Untersuchung.
- 1:09:44Was mir ganz wichtig ist zu sagen, ist, dass Menschen mit psychischer Erkrankung nicht häufiger gewalttätig werden oder straffällig werden als Menschen, die keine psychische Erkrankung haben. Das ist ganz wichtig. Aber es gibt natürlich Phasen von Erkrankungen, wo Personen ein erhöhtes Risiko für Gewalttaten oder auch Anwendung von Gewalt haben, wie zum Beispiel akute Psychosen, also Psychotherapeutik.
- 1:10:09Wenn du dir jetzt vorstellst, du hast so eine Psychose, du fühlst dich verfolgt, ich habe jetzt hier das Gefühl, da kommt jetzt hier gleich jemand rein in das Studio und wir werden hier bedroht oder ich habe Halluzinationen, das heißt ich höre irgendwelche Stimmen von Menschen, die mir sagen, du bist schlecht, du solltest aus der Gesellschaft entfernt werden oder dich zur Gewalttat auffordern und so.
- 1:10:39Und natürlich haben wir immer wieder ganz, ganz selten solche Fälle, dass Personen aus der Behandlung entlassen werden und es dann danach zu einer Straftat kommt. Es ist ganz, ganz selten, muss man sagen, weil die Personen, die in Behandlung sind, die haben eigentlich ein niedriges Risiko für Gewalttaten. Die Personen, die keine Behandlung haben und zum Beispiel so mit der Problematik sich selber beschäftigen und vielleicht auch gewisse Konfrontationen vermeiden, die haben ja, ist ja ganz rational nachvollziehbar, die haben ein höheres Risiko für Gewalttaten.
- 1:11:08Im Einzelfall ist es immer schwierig, das zu sagen. Ich finde, da ist die mediale Berichterstattung halt auch nicht immer ganz optimal, dass man sagt, Messertäter aus Psychiatrie entlassen, ersticht Passantin oder sowas. Das ist natürlich ein super Headliner. Genau, es ist eine Darstellung, die ja auch was mit der Realität zu tun hat, aber für uns ist das nicht ganz unproblematisch. Aber man muss sich auch überlegen, wie kann man das ganz differenziert darstellen, dass Leute das in den Medien auch konsumieren. Ich verstehe schon, dass die Medien auch konsumieren,
- 1:11:36dass Schlagzeilen wollen und dass sie halt irgendwie auch informieren wollen. Man muss in solchen Fällen, und da sind die Forensiker, also forensische Psychiatrie eigentlich zuständig, um Personen, die zum Beispiel eine Straftat begangen haben und eine psychische Erkrankung haben, um die optimal zu behandeln. Und das ist so ein spezialisierter Bereich, da würde ich mir auch nicht anmaßen, darüber ein Urteil zu fällen. Spannend, spannend.
- 1:11:59Ja, es ist auch für mich klar, dass du nicht mega detailliert darüber kannst, weil du die Person nicht kennst, den Arzt nicht kennst und nicht genau weisst, was passiert ist. Und mir natürlich auch ganz klar bewusst ist, dass medial du Schlagzeilen generieren musst und Schlagzeilen, wo steht, ein Messerstecher aus der Klinik entlassen, sticht dir darüber hin.
- 1:12:19Wird natürlich gelassen, was genau der Hintergrund ist. Genau, du musst dir überlegen, wir entlassen jeden Tag, jetzt muss ich gerade überlegen, wir entlassen etwa so 15 bis 20 Patienten, würde ich jetzt mal sagen, jeden Tag. Wir behandeln im Jahr etwa 5000 Patienten, also das ist eine ganze Menge Leute. Mega viel.
- 1:12:36Und wenn jetzt über zwei Jahre es ein einziges Mal zu so einer Tat kommt, was natürlich tragisch ist. Jeder Einzelfall ist tragisch und das tut mir sehr leid, was den Personen widerfahren ist. Und natürlich sollte das nicht passieren in einer optimalen Welt. Aber nochmal, die Wahrscheinlichkeit ist
- 1:12:51Mini, mini klein, dass sowas passiert. Das heißt, wir haben eigentlich ganz gute Möglichkeiten, Personen so gut zu behandeln, dass es einerseits natürlich eben nicht zu Straftaten kommt, auch nicht zu Suiziden kommt, auch nicht zu einer erneuten Verschlechterung der Symptomatik. Was wir schon wissen, ist, dass diese Transitionsphase, also vom Übergang,
- 1:13:12von der stationären Behandlung in die ambulante Behandlung, dass das ein gewisses Risiko ist, dass die Erkrankung wieder ausbricht. Das ist natürlich schon, weil die Personen werden stationär sehr intensiv behandelt und ambulant gehen die vielleicht dann einmal die Woche zum Psychiater oder Psychotherapeuten. Deswegen ist es so wichtig,
- 1:13:29wenn die Leute entlassen werden, dass sie auf jeden Fall schon den ersten Termin bei einem ambulanten Behandler haben. Leider haben wir natürlich auch immer wieder Personen, die dann nicht in ambulante Therapie kommen, die dann möglicherweise wieder eine Erkrankungsphase entwickeln, wieder zu uns in die Klinik.
- 1:13:44Aber prinzipiell sollte man schon sagen, klar, bei sehr schweren Erkrankungen fällt es uns auch nicht immer leicht, so einen guten Behandlungserfolg zu gewährleisten. Aber wir tun alles dafür, dass es klappt. Aber bei vielen Erkrankungen können wir wirklich auch einmal behandeln, im stationären Bereich, und dann mit einer gewissen ambulanten Phase auch dahin kommen, dass die Personen nicht mehr in Behandlung bleiben müssen. Das ist ja auch das Ziel. Das ist das Ziel, ja.
- 1:14:13Hey, Janis, ich respektiere mega fest seine Zeit und ich weiss, dass du jetzt bald los musst. Darum will ich meine Fragen sehr gezielt noch richtig machen, aber noch zwei Themen. Eine habe ich angesprochen, ist Social Media ein grosses Thema in der heutigen Zeit. Und du selber betreibst sehr gezielt und sehr intensiv Social Media, hast auch einen richtig grossen Account. Wie hat sich das Ganze entwickelt?
- 1:14:39Ja, also ich glaube, der Account, den ich da entwickelt habe, der soll einerseits Wissen vermitteln, aber einerseits auch so ein bisschen meine Perspektive auf die Psychiatrie und Psychotherapie oder auf Mental Health darstellen. Mir ist wichtig, da geht es wirklich darum, viele Menschen zu erreichen. Das ist eigentlich die einzige Funktion dieses Accounts.
- 1:15:00Und wir machen ja an der Uni, in den Kliniken Lehre, wir bilden Leute aus, wir behandeln Patienten und versuchen möglichst viel Wissen in die Gesellschaft reinzubringen. Aber ich glaube, allgemein in der Medizin haben wir in vielen Bereichen noch nicht genug getan, um das Wissen wirklich an die Menschen dran zu bringen. Also ich bin eben immer wieder...
- 1:15:21Er staunt darüber, wenn Schulklassen kommen oder auch wenn Personen zu uns in Behandlung kommen, wie wenig sie eigentlich wissen über Psychologie, über Mental Health. Und der Account, der hat jetzt ein gewisses Profil, das kann man auch kritisieren, aber der sollte eigentlich Wissen vermitteln und soll so ein bisschen darstellen, was auch meine Sicht auf Mental Health ist. Und ich habe eine globale Sicht, natürlich war ich auch viel unterwegs.
- 1:15:45Ich glaube, dass wir das nur global als Gesellschaft lösen können. Das Problem ist, dass es doch viele Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt. Und da soll der Account ein bisschen helfen. Da gebe ich meinen kleinen Anteil dazu, dass Menschen in ein paar Jahren mehr wissen über Mental Health. Auf jeden Fall wichtiger.
- 1:16:05Du hast es angesprochen, Mental Health. Wir haben vor ein paar Wochen gemeinsam mit dem Studio gesessen zu einem anderen Thema, und zwar Longevity. Und jetzt hast du auch deinen Beitrag, den du beiträgst, und du bist auch an diesem Thema sehr bewandert. Jetzt
- 1:16:23Wenn wir über Longevity und Mental Health sprechen, wie ist deine Ansicht darauf? In der Gesellschaft ist das ein grosses Thema und es wird immer mehr ein Thema. Immer mehr Leute befassen sich damit. Was ist deine Metaperspektive darauf?
- 1:16:39Also mein Wissen oder ich glaube meine Expertise im Bereich Longevity ist wirklich immer eigentlich in Bezug auf mentale Gesundheit. Es gibt ja auch ganz viele andere Bereiche wie Supplements, wie Diagnostik bezüglich DNA-Tests etc. Ich kenne mich schon damit aus und kann auch.
- 1:16:56die Tests anbieten, aber mein Bereich ist eigentlich wirklich der mentale und das ist aus meiner Sicht der größte Bereich im Longevity, weil die effizientesten Veränderungen, die man machen kann, um ein gesundes, langes Leben zu haben, also um den Health-Programm,
- 1:17:13Spend zu verlängern, sind im mentalen Bereich. Das sind Lifestyle Changes. Und ich sehe das ja, dass viele Patientinnen und Patienten, die zu mir kommen, die haben schon über viele Jahre einfach einen Lebensstil geführt, der sehr problematisch für die Gesundheit ist. Sowohl für die körperliche als auch für die psychische Gesundheit. Und man weiß das ja von einem selber, so Lebensstilveränderungen zu machen, das ist gar nicht so einfach, das umzusetzen. Und ich glaube, da können, und bin davon überzeugt, dass wir da aus dem Bereich
- 1:17:43Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie relativ viel leisten können. Weil wir ja doch ganz gute Tools haben in der Psychotherapie, um Personen, die vielleicht ein gewisses Motivationsdefizit haben oder eine hohe Belastung haben, in eine Art Veränderung des Lebensstils zu bringen. Und natürlich sind die psychischen Erkrankungen mit einer erhöhten Mortalität, also mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Das heißt, wenn man nicht psychisch krank wird,
- 1:18:11macht man schon viel für seine Langleblichkeit, weil man eben nicht früher verstirbt und weil psychische Erkrankungen eben auch häufig mit körperlichen Erkrankungen einhergehen, weil die Personen zum Beispiel sich nicht um ihre Ernährung so gut kümmern, weil sie häufig weniger körperliche Aktivität haben, weil sie vielleicht auch selten dazu...
- 1:18:32Check-ups, zum Arzt gehen und vielleicht nicht so ein gutes Bewusstsein entwickeln, was wirklich gesund ist, weil sie so beschäftigt sind mit dem psychischen Anteil. Deswegen wir müssen in dem Bereich investieren, sowohl in Longevity, also die Gesellschaft muss investieren.
- 1:18:49Es braucht auch politische Aktivitäten in die Richtung. Aber vor allem, und natürlich ist das auch meine Expertise und meine Passion, sollten wir in mentale Gesundheit investieren. Und das kann jeder für sich selber tun, aber das können wir auch als Gesellschaft tun, wie wir miteinander umgehen, wie wir auf Krisen reagieren und wie wir das medial kommunizieren. Was würdest du jetzt sagen, ist so dein Nummer-Eis-Tipp für mentale Gesundheit? Ja.
- 1:19:15Soziale Interaktionen, da gibt es extrem viele gute Studien dazu, dass soziale Interaktionen, also auch was wir jetzt heute hier machen, interpersonell kommunizieren, vielleicht auch mal problematische Themen diskutieren, das ist extrem wichtig. Ich würde jedem das raten, zumindest einmal am Tag jemanden zu treffen. Das kann natürlich auch über Videokonferenz sein, aber besser noch im Persönlichen und man braucht einfach ein paar gute Freunde, vielleicht auch eine Partnerin oder einen Partner.
- 1:19:44Familienbeziehungen, die man stärken soll. Man sieht das über Studien über viele, viele Jahre, dass eigentlich das der Nummer eins Faktor ist für Langleblichkeit und auch für mentale Gesundheit. Genauso wie, dass man eine gewisse Sinnhaftigkeit, wo wir vielleicht wieder zum Anfang kommen, was du nach dem Sinn des Lebens gefragt hast, also
- 1:20:05Eine sinnhafte Tätigkeit zu machen, auch was du hier machst, ich meine, das ist super sinnhaft, Personen aus unterschiedlichen Bereichen in so einen Podcast einzuladen und das nach draußen zu geben, das ist eine extrem sinnhafte Tätigkeit, das tut dir wahrscheinlich auch gut, könnte ich mir vorstellen. Mega wichtig.
- 1:20:21Mega fest. Also ich muss wirklich sagen, mir gibt das, abgesehen davon, dass ich jedes Mal sehr viel lernen kann aus jedem Gespräch, gibt mir das ein sehr gutes Gefühl dabei. Also ich mache das, ich liebe das zu machen, ich liebe Menschen und ihre Geschichten.
- 1:20:37Wie gesagt, ich kann immer sehr viel daraus herausziehen und es gibt mir immer wieder neue Erkenntnisse. Darum, ja, absolut, definitiv. Ja, sinnhaft, ein sinnhaftes Leben zu führen. Und mir ist schon klar, dass wir auch natürlich ein gewisses Privileg haben, dass wir das machen dürfen. Absolut.
- 1:20:55Ist natürlich auch so, dass nicht jeder die gleichen Voraussetzungen hat. Aber man kann auch mit schlechteren Voraussetzungen, sei das finanziell oder gesellschaftlich, sehr, sehr viel machen, wenn man was Sinnhaftes hat. Also zum Beispiel auch eine Familie zu gründen, Kinder in die Welt setzen, ist was sehr, sehr Sinnhaftes. Oder vielleicht auch einen Beruf zu haben, dem man mit Passion nachgeht. Ich sage immer, ich habe auch Sportler, die zu mir kommen oder Leute, die so im High-Performance-Bereich
- 1:21:21in anderen Bereichen unterwegs sind, die machen ja ganz viele Jahre was extrem Sinnhaftes für sich selber und auch für die Gesellschaft. Aber viele kommen dann halt manchmal auch an die Grenzen, weil natürlich der Hochleistungsbereich, auch Hochleistungssport, extrem intensiv sein kann. Und manchmal ist es vielleicht auch zu viel und man vergisst neben der ganzen Sinnhaftigkeit und dem Drive, den man hat, dass man vielleicht auch mal ein, zwei Stufen runterschalten könnte. Absolut. Ja.
- 1:21:47Sehr, sehr toll. Danke vielmals für all die Erkenntnisse, für die Erfahrungen, die du da mitgegeben hast. Wir sind aber noch nicht ganz fertig. Ich habe noch eine Schnellführrunde. Es sind ein paar Fragen, die wir versuchen, schnell zu beantworten. Gut, da bin ich nicht so gut drin. Ich versuche mich jetzt zu konzentrieren, dass ich nur ein, zwei Sätze sage. Wunderbar. Ich bin Psychiater, wir reden einfach auch gerne. Wir reden sehr gerne. Ja, und ich bin Podcaster, ich rede auch sehr gerne.
- 1:22:11Eigentlich frage ich ja normalerweise. Etwa 50-60% würde ich sagen, dass psychiatrische Gespräche Fragen sind und natürlich auch Einordnungen. Jetzt versuche ich kurz zu antworten. Gut, wir versuchen es. Morgenroutine, was ist das Erste, was du machst? Was ist das Erste, was ich mache? Ein gutes Frühstück vorbereiten. Lieblingsfrühstück ist was?
- 1:22:35Ja, schon proteinreich, also Früchte und auch Milchprodukte und was Gutes zu trinken. Ja, schön. Orangensaft. Super. Das letzte Buch, das dich beeinflusst hat? Boah, das ist nicht so einfach zu sagen. Was mich intensiv beeinflusst hat? Ähm...
- 1:22:59Jetzt ein bisschen gemein, weil ich jetzt gerade... Also ich habe zuletzt Efi Priest gelesen. Und das kann ich jedem empfehlen. Efi Priest. Okay, gut. Sehr gut. Welcher Patient, natürlich anonym, hat dir selber am meisten gelehrt?
- 1:23:20Das ist eine gemeine Frage. Ich habe so viel gelernt von meinen Patientinnen und Patienten. Aber auch gerade am Anfang meiner Karriere habe ich so viele Personen mit Migrationshintergrund gehabt, die zu uns in die Klinik gekommen sind. Leute, die aus politischen Regimen flüchten mussten, die extrem viel Vertrauen mir entgegengebracht haben, wo ich so viel gelernt habe.
- 1:23:41So schön. Im Leben. Mega schön. Aber gerade die Personen, die sehr, sehr stark betroffen sind, die wirklich Hilfe suchen, die mich auch brauchen, das sind die, die ich am spannendsten finde. Schön. Gut. Ich will keine gemeine Frage stellen, tut mir leid. Meditation. Ja oder überschätzt?
- 1:24:00Meditation ist sehr, sehr sinnvoll. Achtsamkeit ist auch etwas sehr, sehr Sinnvolles. Ich glaube, jeder muss entscheiden, ob er das machen kann und möchte. Gerade Personen in so High-Stress-Berufen profitieren sicherlich von Achtsamkeit und Meditation. Weisst du, was ich gestern zum ersten Mal gemacht habe? Eine Klangmassage. Ja.
- 1:24:20Hey, ich bin innerhalb von drei Minuten eingeschlafen. Progressive Muskelrelaxation nach Jakobsen. Also es gibt ganz viele Verfahren. Wir dürfen nicht vergessen, dass körperliche Aspekte, also auch körperliche Entspannung, einen extremen Einfluss auf die Psyche haben. Also progressive Muskelrelaxation. Eigentlich was man macht, ist nur, dass man seine Muskeln
- 1:24:41Muskelgruppen eins nach dem anderen für eine ganz kurze Zeit anspannt und dann wieder loslässt. Aber was das für eine Entspannung im Gehirn ganz allgemein sagt, bewirkt, ist extrem. Ich bin auch ein Typ für einen Spanxi. Ja, ich meine, wir müssen überlegen, in der westlichen Welt, wir wissen ganz viel, aber wir vernachlässigen immer noch Erkenntnisse aus der traditionellen chinesischen Medizin, aus südamerikanischer Medizin. Also wir müssen das integrieren, wir müssen das global integrieren.
- 1:25:09Diese Frage ist ganz wichtig. Diese Entscheidung müssen wir weitermachen mit der nächsten Frage. Ich stelle dir immer Ananas auf der Pizza.
- 1:25:20Ich glaube dafür, das kann ich eigentlich nicht zulassen. Gut, danke. Weil ich war letztes Jahr einen Monat in Rom und habe Italienisch gelernt und so gut gegessen. Ah, Italiano. Ich hätte mich das nicht... Si. Un po' di no si? Un po' Italiano. Per se, ok. Allo Italiano. Aber nein, ich glaube, das ist für die meisten Menschen ein No-Go und das ist auch gut so. Ja, total. Sollte auch bleiben. Gut, dann dürfen wir gerne weitermachen. Und zwar...
- 1:25:48Alkohol. Du als Psychiater, was sagst du dazu?
- 1:25:54Also wenn Alkohol heute, also Alkohol gibt es ja schon seit vielen, vielen Jahrhunderten. Wenn das heute erfunden würde, würde das keine Zulassung mehr bekommen. Oder? Weil das einfach zu viele Langzeitschäden hat, weil das natürlich auch sehr, sehr ein starkes Suchtmittel ist. Aber es ist mitten in unserer Gesellschaft. Das heißt, wir müssen einfach realistisch damit umgehen, dass es halt Menschen gibt, die auch zu viel Alkohol trinken. Aber prinzipiell ist Alkohol, wenn man das in Maßen genießt, ist das in Ordnung.
- 1:26:24Aber es würde heute nicht mehr zugelassen werden, weil es einfach ein Nervengift ist, weil es auch die längerfristigen Studien zeigen, dass es viel, viel mehr negative Effekte als positive Effekte hat. LSD, Fluch oder Saga? Den Begriff von LSD.
- 1:26:42Wenn man es aus heutiger Perspektive sieht und wir hoffentlich in vielen Jahren oder in ein paar Jahren nach mehreren Studien, die durchgeführt werden, vielleicht LSD auch in abgeänderter Form in Therapie einsetzen können, dann wäre es eher ein Segen. Prinzipiell gibt es natürlich auch viele Menschen, die schon Probleme hatten mit LSD. Das heißt, jede Droge hat Vor- und Nachteile. Natürlich.
- 1:27:09Was denkst du zu Menschen, die sagen, sie brauchen keinen Therapeuten, sie reden mit Kollegen? Das ist gut. Also man hat viele Untersuchungen zu Laien in Psychotherapie gemacht. Man weiss, dass zum Beispiel jemand, der eine empathische Herangehensweise hat, einem zuhört, das einordnen kann, einen vielleicht auch ganz gut kennt, ganz, ganz viele Probleme und psychische Symptome schon wie behandeln kann, einfach durch eine gute Herangehensweise.
- 1:27:34Und es ist eine persönliche Entscheidung, zum Therapeuten oder Therapeutin zu gehen. Es gibt einfach Lebenssituationen, in denen man das unbedingt machen sollte, weil es notwendig ist. Und nochmal, wir haben ganz effiziente psychotherapeutische Methoden. Das funktioniert, das ist wirksam und vor allem längerfristig ist es ein sehr, sehr guter Weg. Auch für die Selbsterkenntnis, die Beschäftigung mit einem selbst. Das ist sehr positiv. Dann, was macht Geld mit der Psyche in einem Satz?
- 1:28:05Es fordert die Psyche heraus, gerade viel Geld. Menschen mit viel Geld, viel Macht, viel Einfluss, intensiver Lebensgestaltung haben häufig auch Herausforderungen. Würdest du sagen, Geld verändert oder verstärkt den Charakter?
- 1:28:22Das kann man so allgemein glaube ich nicht sagen. Aber wir sind mit gewissen Persönlichkeitseigenschaften nicht nur geboren, sondern entwickeln die auch so in unserer Kindheit und Jugend. Und Personen mit manchen Persönlichkeitsprofilen quasi können eher profitieren, wenn sie viel Geld verdienen und andere können nicht so gut profitieren. Okay, gut. Ich habe noch zwei Fragen. Gut. Ähm.
- 1:28:50wenn du 20 wärst, mit dem Wissen, das du aber heute hast, was würdest du machen? Also würde ich mein Leben nochmal so leben? Achso, was ich für meine Gesundheit machen würde...
- 1:29:05Ich glaube, ich hätte noch früher mehr auf, also ich achte jetzt sehr auf meine Ernährung, ich hätte noch mehr auf meine Ernährung geachtet und ich hätte vielleicht etwas besser meinen Stress gemanagt, weil Medizin ist ein stressiger Beruf. Es gibt an ganz viel, aber ich habe sicherlich auch Phasen in meiner Karriere gehabt, wo ich zu viel gearbeitet habe und sehr gestresst war und ich glaube, jetzt kann ich besser damit umgehen. Schön.
- 1:29:36Dann noch zu der letzten Frage. Und zwar, der Podcast heisst Momentum. Was heisst Momentum für dich? Momentum? Ich glaube, dass man das Momentum nutzen darf. Und ich finde, jetzt haben wir einen Moment in der Geschichte der Menschheit, wenn man das so sagen darf, wo wir ganz viele Möglichkeiten haben. Allein die technischen Möglichkeiten, die immer so ein bisschen...
- 1:30:00Ja, überschätzt werden und auch unterschätzt werden und teilweise so kritisiert werden. Wir haben jetzt die Möglichkeit, wirklich viele Menschen zu erreichen, Wissen zu vermitteln. Wir haben das alles und ich glaube, das müssen wir nutzen. Im Bereich Medizin, Lebensgestaltung, Gesundheit haben wir so, so viele Möglichkeiten und das Momentum sollten wir nutzen als Gesellschaft, unsere Generation.
- 1:30:21Wunderschön, okay. Sehr gut. An dieser Stelle, bevor ich nachher meinen Dankesausstoss dir nochmal gebe, vielen Dank, dass du da warst, wissen aber noch nicht ganz wer, und zwar, das ist deine Kamera. Wenn du jetzt noch etwas möchtest, gleich rausgeben an die Gesellschaft, an die Zuhörer und Zuhörerinnen, die das schauen oder hören, ist jetzt deine Zeit, deine Kamera, kannst du sagen, was dir wichtig ist.
- 1:30:46Ja, Kevin, vielen Dank für die Möglichkeit. Hebt euch Sorg. Wenn ihr merkt, dass das Leben manchmal irgendwie den Berg runter geht oder es etwas schwierig ist, geht zu einem Profi. Nicht unbedingt zu mir, aber geht zu jemandem, der euch unterstützen kann. Und passt gut auf euch auf. Versucht, das Leben zu genießen.
- 1:31:07Ja, versuchen das Leben zu geniessen. Ich glaube, das ist für viele wahrscheinlich das Ziel im Leben. Und es ist auch ganz wichtig, dass man das kann, egal wie stressig das wird. Aber dass man auch mal innehalten kann und den Moment geniessen kann. Und bewusst leben. Ich glaube, das sollte das Ziel sein von ganz vielen. Ist es von mir auf jeden Fall. Und mein lieber Janis, an dieser Stelle möchte ich mich bei dir ganz herzlichst bedanken. Es hat mir...
- 1:31:34enorm viel Spass macht, um mit dir das Gespräch zu führen, um mehr über deine Arbeit, deine Person, deinen Werdegang zu erfahren. Ich glaube, das, was du machst und das, was ihr macht in der Klinik in Burghölzli oder auch in der Privatklinik, ist für ganz viele Menschen ein extremer Mehrwert. Ich bin dir auch sehr dankbar, dass du mit dieser Message, die du verbreitest, rausgehst über die sozialen Medien und da versuchst,
- 1:31:57sondern das Grundknowledge weiterzugeben. Und für alles, was du gesagt hast, danke vielmals, aber vor allem, danke vielmals für deine Zeit. Ich finde, die Zeit ist das Wichtigste, was wir haben und es ist nicht selbstverständlich, dass man sich die Zeit nimmt, um da eineinhalb Stunden mit jemandem hinzusitzen und über die Themen zu reden. Danke vielmals für das.
- 1:32:18Ja, vielen Dank, durfte ich hier sein. Es war sehr spannend und ich habe auch was gelernt. Es war super angenehm. Danke vielmals. An dieser Stelle auch danke dir. Danke, dass du wieder zugesagt hast bei «Momentum», deinem Podcast, der inspirierende Menschen, inspirierende Geschichten erzählt.
- 1:32:34Wie das ganze Game funktioniert, weisst du eigentlich, aber ich erkläre es dir sehr gerne. Da unten hat es einen Knopf, der heisst «Abonniere». Wenn du diesen Knopf drückst, verpasst du nichts mehr, was auf diesem Kanal läuft. Nebenan hat es sogar ein kleines Glöckchen. Wenn du das Glöckchen anklickst, wirst du sogar benachrichtigt, wenn so ein toller Podcast wie der von Janis online geht. Darum, klick das an, schenke ein bisschen Liebe mit einem Kommentar oder einem Like. Danke vielmals für alles. Bis zum nächsten Mal bei «Momento».
- 1:33:03It's a wrap. Super. Perfekt.