Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 18 - Von grossen Ereignissen
Transcript
- 0:00Unterkapitel 18 von großen Ereignissen in diesem Teil des
- 0:06Buches erzählt Friedrich Nietzsche eine sehr bildhafte
- 0:09und spannende Geschichte. Um seine Gedanken über
- 0:11Revolutionen, politische Umstürze und die wahre
- 0:14Entstehung von wichtigen Veränderungen in der Welt zu
- 0:17erklären. Die Geschichte beginnt auf einer
- 0:20Insel im Meer, die nicht weit von den glückseligen Inseln
- 0:23entfernt liegt, wo Zarathustra sich gerade aufhält.
- 0:27Auf dieser Insel gibt es einen Vulkan, der ständig raucht.
- 0:30Die Menschen, besonders die einfachen Leute, glauben, dass
- 0:33dieser Vulkan der Eingang zur Unterwelt, also zur Hölle ist.
- 0:38Eines Tages ankert ein Schiff an dieser Vulkaninsel, weil die
- 0:41Seeleute an Land gehen wollen, um Kaninchen zu jagen, am
- 0:45Mittag, als alle Seeleute wieder zusammenkommen, sehen sie
- 0:48plötzlich eine Gestalt, durch die Luft fliegen.
- 0:51Diese Gestalt sieht aus wie ein Schatten und fliegt genau in die
- 0:55Richtung des Vulkans. Dabei ruft eine Stimme laut, es
- 0:59ist Zeit, es ist die höchste Zeit.
- 1:02Die Seeleute sind erschrocken und glauben, in dem fliegenden
- 1:05Mann Zarathustra zu erkennen, der alte Steuermann des Schiffes
- 1:09sagt sogar, seht her, da fährt Zarathustra zur Hölle.
- 1:14Zur gleichen Zeit verbreitet sich bei den Freunden von
- 1:16Zarathustra das Gerücht, er sei heimlich mit einem Schiff
- 1:19verschwunden, als die Seeleute einige Tage später von ihrer
- 1:23Beobachtung erzählen, glauben viele Leute tatsächlich.
- 1:26Der Teufel habe Zarathustra geholt.
- 1:28Zarathustras Schüler lachen zwar über dieses Gerede, aber tief in
- 1:32ihrem Herzen machen sie sich Sorgen.
- 1:34Die Freude ist daher sehr groß, als Zarathustra nach 5 Tagen
- 1:37plötzlich wieder auftaucht, er beginnt seinen Schülern zu
- 1:41erzählen, was er in der Zwischenzeit erlebt hat und
- 1:43berichtet von seinem Gespräch mit dem sogenannten Feuerhund
- 1:47Zarathustra beginnt seine Erzählung mit einem Vergleich,
- 1:51er sagt, dass die Erde eine Haut hat und dass diese Haut an
- 1:54bestimmten Krankheiten leidet. Eine dieser Krankheiten nennt er
- 1:58Mensch und eine andere Krankheit nennt er Feuerhund.
- 2:03Nietzsche verwendet den Begriff des Feuerhundes hier als ein
- 2:06Symbol der Feuerhund, steht für politische Revolutionäre, für
- 2:10laute Anführer von Aufständen und für all jene Menschen, die
- 2:14mit viel Lärm, Gewalt und Zorn die Welt verändern wollen.
- 2:19Zarathustra wollte das Geheimnis dieses Feuerhundes ergründen und
- 2:22ist deshalb zu dem Vulkan gegangen, um mit ihm zu
- 2:24sprechen. Zarathustra ruft den Feuerhund
- 2:27aus der Tiefe des Vulkans an. Er wirft dem Hund vor, dass er
- 2:31in Wirklichkeit gar nicht aus der tiefsten Tiefe der Erde
- 2:34stammt. Er sagt zu dem Hund, dass er
- 2:36sein Wissen nur von der Oberfläche hat und nennt ihn
- 2:39einen Bauchredner der Erde ein Bauchredner ist.
- 2:42Jemand, der so spricht, dass es klingt, als käme die Stimme von
- 2:46woanders her. Nietzsche meint damit, dass
- 2:48laute Revolutionäre und politische Anführer oft nur so
- 2:51tun, als würden sie den wahren tiefen Willen des Volkes.
- 2:54Oder der Welt aussprechen. In Wahrheit sind sie aber
- 2:57oberflächlich und machen nur viel Lärm um sich selbst wichtig
- 3:01zu machen. Zarathustra sagt dem Feuerhund,
- 3:04dass er zwar gut brüllen und Schlamm spucken kann, dass er
- 3:07das Wort Freiheit schreit, aber dass all dieser Lärm nichts mit
- 3:11echten großen Veränderungen zu tun hat.
- 3:14Nun kommt Zarathustra zu einer seiner wichtigsten
- 3:16philosophischen Aussagen in diesem Kapitel, er erklärt dem
- 3:20Feuerhund, was wahre große Ereignisse sind, er sagt.
- 3:24Die größten Ereignisse das sind nicht unsere lautesten, sondern
- 3:27unsere stillsten Stunden. Die Welt dreht sich nicht um die
- 3:31Erfinder von neuem Lärm, sondern sie dreht sich lautlos um die
- 3:34Erfinder von neuen Werten. Mit diesem Gedanken kritisiert
- 3:38Nietzsche die lauten, blutigen Revolutionen, die Staaten und
- 3:42Regierungen stürzen. Er glaubt nicht daran, dass Lärm
- 3:45und Gewalt die Menschheit wirklich voranbringen, ein
- 3:48wirklich großes Ereignis ist für ihn nicht der Sturz eines Königs
- 3:51oder einer Regierung. Sondern der Moment, in dem ein
- 3:54Mensch oder eine Kultur neue Werte erschafft.
- 3:58Werte sind die grundlegenden Überzeugungen darüber, was gut,
- 4:02was richtig und was wichtig im Leben ist.
- 4:05Wenn sich diese Werte ändern, ändert sich die ganze Welt, und
- 4:09eine solche Veränderung der Werte passiert nicht mit
- 4:11Kanonenschüssen oder lauten Protesten auf der Straße,
- 4:14sondern in der Stille, im menschlichen Geist.
- 4:17Zarathustra macht sich weiter über den Feuerhund und die
- 4:20Umstürzler lustig. Er sagt, es sei dumm, Statuen
- 4:24umzuwerfen und in den Schlamm zu werfen, wenn man eine Macht
- 4:28stürzt und sie in den Schmutz zieht, führt das oft nur dazu,
- 4:31dass die Menschen Mitleid mit der gestürzten Macht bekommen.
- 4:34Dadurch wächst die Macht wieder neu heran und am Ende entsteht
- 4:38genau das gleiche wie vorher, nur vielleicht noch schlimmer.
- 4:42Der Feuerhund wird bei diesen Worten sehr wütend und fragt
- 4:45Knurrend Kirche, was ist denn das?
- 4:49Zarathustra antwortet ihm, dass die Kirche auch nur eine Art von
- 4:52Staat ist, und zwar die verlogenste Art.
- 4:56Er vergleicht den Staat und die Kirche direkt mit dem Feuerhund
- 4:59beide, der Staat und die Kirche, verhalten sich wie heuchlerische
- 5:03Hunde, sie machen viel Lärm und Rauch und wollen die Menschen
- 5:07glauben machen, dass sie das wichtigste auf der Erde sind und
- 5:10aus dem tiefsten Herzen der Dinge sprechen, als der
- 5:12Feuerhund das hört, wird er so wütend, dass er vor Neid und
- 5:16Zorn fast erstickt. Er spuckt schreckliche Töne aus
- 5:20seinem Schlund, als er sich ein wenig beruhigt, lacht
- 5:23Zarathustra ihn aus und sagt ihm, dass es noch einen ganz
- 5:26anderen, einen wahren Feuerhund gibt.
- 5:29Dieser andere Feuerhund spricht wirklich aus dem Herzen der
- 5:32Erde, dieser wahre Feuerhund spuckt keine Asche und keinen
- 5:37heißen Schlamm, sondern er atmet Gold und lacht goldene Wolken
- 5:41aus, für ihn sind Asche und Schmutz unwichtig, er nimmt das
- 5:45Gold und das Lachen aus dem tiefsten Inneren der Welt.
- 5:49Die Begriffe Gold und Lachen sind bei Nietzsche extrem
- 5:52wichtig. Sie stehen für eine positive,
- 5:54Bejahende und schöpferische Einstellung zum Leben, während
- 5:58der erste Feuerhund, der Revolutionär aus Neid, Zorn und
- 6:01Zerstörungswut handelt, symbolisiert durch Schlamm und
- 6:04Rauch, handelt der wahre Schöpfer aus Freude, Reichtum
- 6:08und Liebe zum Leben, symbolisiert durch Gold und
- 6:11Lachen. Wahre Tiefe und echte
- 6:14Veränderung sind bei Nietzsche immer mit Freude und einem
- 6:16Lachen verbunden, nicht mit bitterem Ernst und Zerstörung
- 6:20als der falsche Feuerhund. Von diesem goldenen, lachenden
- 6:23Feuerhund hört, schämt er sich, zieht den Schwanz ein und
- 6:27kriecht kleinlaut in seine Höhle zurück.
- 6:29Damit beendet Zarathustra seine Erzählung, doch seine Schüler
- 6:33haben die tiefe philosophische Bedeutung seiner Worte kaum
- 6:36verstanden. Sie sind viel zu neugierig auf
- 6:39die Geistergeschichte der Seeleute und wollen wissen, was
- 6:41es mit dem fliegenden Mann auf sich hat, den man am Himmel
- 6:44gesehen hat. Zarathustra merkt, dass sie ihm
- 6:47nicht richtig zugehört haben, er fragt sich selbst, ob er
- 6:50vielleicht ein Gespenst sei, winkt dann aber ab und sagt,
- 6:54dass die fliegende Gestalt wohl nur sein eigener Schatten
- 6:56gewesen sein muss. Er nimmt sich vor, seinen
- 6:59Schatten in Zukunft kürzer zu halten, damit er nicht noch
- 7:02seinen Ruf verdirbt. Ganz am Ende schüttelt
- 7:05Zarathustra noch einmal den Kopf und wundert sich über die Worte,
- 7:08die sein Schatten gerufen hat. Der Schatten rief, es ist
- 7:12höchste Zeit, Zarathustra fragt sich rätselnd, wozu ist es denn
- 7:17die höchste Zeit mit dieser offenen Frage endet das Kapitel
- 7:21und lässt den Leser darüber nachdenken, welche große, Stille
- 7:24Veränderung Zarathustra nun in die Welt bringen muss.