Latest / Im Krisenmodus / Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Das spricht für russische Täter
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- 0:00Eine Drohne, geladen mit militärischem Sprengstoff, mitten in der Nacht auf
- 0:04dem Flughafen Leipzig-Halle.
- 0:07Sie liegt direkt neben einem ukrainischen Frachtflugzeug. Der Zünder hat versagt,
- 0:11nur deswegen ist nichts passiert.
- 0:15Wochenlang spricht die Bundesregierung nur vage von fremden Mächten.
- 0:20Schnell deutet allerdings viel auf eine Verwicklung russischer Geheimdienste hin.
- 0:26Ich habe den Sicherheitsexperten Gustav Gressel gefragt, was diese Drohne wirklich
- 0:31hätte anrichten können und wie verwundbar wir sind.
- 0:34Er erklärt es mir anhand eines anderen Beispiels.
- 0:38Ein Beispiel, es gab ja 2024 zwei Schusswaffenattentate auf Donald Trump, also zwei Versuche.
- 0:47Einer beinahe erfolgreich mit einem Schuss ins Ohr, der andere wurde noch ertappt,
- 0:52bevor er überhaupt einen Schuss abgeben konnte. Aber man stelle sich vor,
- 0:54das wäre jetzt keine Schusswaffenattentäter, sondern die zwei Personen hätten
- 0:58Drohnen zum Einsatz gebracht.
- 1:00Der Secret Service damals war eigentlich nicht ausgerüstet, um solche Drohnen abwehren zu können.
- 1:05Wenn das eine statt dem Schuss aus 150 Meter eine FPV-Drohne gewesen wäre,
- 1:10die sich in die Bühne gelenkt hätte, dann wäre Donald Trump wahrscheinlich dem zum Opfer gefallen.
- 1:18Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.
- 1:27Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter
- 1:31für die Funke Mediengruppe. Ihr findet meinen Artikel in der NRZ,
- 1:34der WAZ, der Berliner Morgenpost und dem Hamburger Abendblatt und natürlich
- 1:39auch auf unseren Portalen.
- 1:42Am 4. August wird auf dem Flughafen Leipzig-Halle eine Drohne mit militärischem
- 1:47Sprengstoff gefunden, PETN und Semtex.
- 1:51Sie liegt direkt neben einer ukrainischen Antonov-Frachtmaschine.
- 1:55Die Zündvorrichtung funktioniert nicht richtig, die Drohne explodiert nicht,
- 1:59als sie gegen das Flugzeug fliegt und mit ihm kollidiert.
- 2:02Kurz darauf wird eine zweite Drohne entdeckt, ebenfalls in Leipzig.
- 2:07Wochenlang bleibt die Bundesregierung vage, allerdings deutete eben schon vieles
- 2:12darauf hin, dass möglicherweise russische Geheimdienste hinter diesem Anschlagsversuch stecken könnten.
- 2:19Heute, am 1. September, haben Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister
- 2:24Johann Wadephul dazu Stellung genommen.
- 2:26Ich habe heute Nachmittag mit Gustav Gressel gesprochen, Militärexperte an der
- 2:31Landesverteidigungsakademie in Wien.
- 2:33Ja, können wir uns mal wieder unterhalten.
- 2:37Wichtig zur Einordnung, dieses Gespräch haben wir geführt, bevor die Pressekonferenz
- 2:40mit Dobrindt und mit Wadephul begonnen hat.
- 2:43Am Ende dieser Folge hört ihr, wie nah die Einschätzung Gressels an dem lag,
- 2:48was die Bundesregierung nur wenig später offiziell verkündet hat.
- 2:51Herr Gressel, wie gesagt, 4. August, wir haben einen Anschlagsversuch erlebt
- 2:54in Deutschland am Leipziger Flughafen, der als Verkehrsknotenpunkt gilt,
- 2:59als Drehkreuz insbesondere für Transporte, militärische Transporte von NATO-Flügen,
- 3:03aber auch von ukrainischen Flügen in die Ukraine.
- 3:07Was können Sie sagen über das, was da passiert ist und was hätte passieren können,
- 3:11mit dem, was die Drohne geladen hätte?
- 3:14Was man weiß, ist, dass diese Antnov-124, das ist eben ein ukrainisches Transportflugzeug,
- 3:21aber diese Transportflugzeuge,
- 3:24die jetzt seit der Vollinvasion Russlands gegen die Ukraine auch in Leipzig
- 3:29stationiert sind und dort stehen und von dort aus fliegen und betrieben werden,
- 3:33Die nehmen ja für verschiedenste Organisationen Transportaufgaben wahr.
- 3:38Das fängt bei den Vereinten Nationen an oder auch vor allen Dingen natürlich
- 3:42dem World Food Program und der Flüchtlingshilfe, weil eben große Margen an Fracht
- 3:48mit diesen Geräten transportiert werden können.
- 3:51Das nächste, was man natürlich weiß, auch aus den Presseberichten,
- 3:54es wurde diese Transportmaschine mit Munition beladen, sie war mit Munition
- 3:59beladen und weiß man natürlich nicht, für wen diese Munition war und was für
- 4:04eine Art von Munition da drin war.
- 4:06Aber es war, dass natürlich Explosivstoffe an Bord waren, macht das Ganze natürlich nochmal prekärer.
- 4:14Dann kann man sich natürlich ausrechnen, wenn der Anschlag gelungen wäre,
- 4:19und die Drohne etwa durch die geöffnete Frachtluke hineingekommen wäre und beim
- 4:24Beladen der Munition hier dann auch noch Sekundärexplosionen hervorgerufen hätte,
- 4:30dann hätte das für das Frachtdrehkreuz Leipzig natürlich extrem bitter ausgehen können.
- 4:37Nicht nur das Menschenleben da, also Menschenleben wären auf dem Spiel gestanden
- 4:42und natürlich auch der Flughafen selbst, seine Infrastruktur.
- 4:47Also das ist schon ein sehr ernster Vorfall. Es ist leider nicht der erste ernste Vorfall.
- 4:55Es finden ja gleichzeitig zu den
- 4:59Ermittlungen um Leipzig ja auch schon Gerichtsverfahren in Warschau und.
- 5:05In Vilnius-Stadt zu sogenannten Einweg-Attentätern oder Angehörten-Attentätern,
- 5:11Leute, die also auf Anweisung von vermutlich russischen Nachrichtendiensten
- 5:16auf Telegram Pakete verschickt haben.
- 5:20Rund Europa, diese Pakete hätten in Frachtmaschinen Brände verursachen sollen.
- 5:27Und wenn das planmäßig natürlich so stattgefunden hätte,
- 5:31dann wären diese Frachtmaschinen ja auch zum Abschluss gebracht worden,
- 5:37was zumindest für die Kruder Frachtmaschinen letal gewesen wäre, je nachdem,
- 5:41wie dramatisch sie abstützen und über welchen Gebiet sie abstützen,
- 5:44ja auch durchaus noch weitere Menschenleben gekostet hätte.
- 5:46Also man sieht, dass diese Anschläge jetzt nicht nur Sachbeschädigungen sind,
- 5:51wie es gerade was Brandanschläge gegen Firmen oder gegen abgestellte Autos, sondern dass hier,
- 5:57bewusst der Tod von Menschen herbeigeführt werden soll.
- 6:02Und das ist natürlich dann für Deutschland bzw. für die anderen europäischen
- 6:05Staaten, die von diesen Dingen betroffen werden, auch eine ganz andere Nummer,
- 6:12was die Gefahrensituation angeht.
- 6:14Was man zu der Antonov sagen muss, ist, dass die Bundesregierung seinerzeit
- 6:19dementiert hat, dass da Munition an Bord war und auch die Flughafengesellschaft
- 6:24hat gesagt, die Maschine sei leer gewesen.
- 6:26Sind solche Dementis glaubhaft aus Ihrer Sicht oder ist das möglicherweise was
- 6:30gewesen, um die Bevölkerung zu beruhigen?
- 6:35Und man kann es nicht überprüfen, aber man muss dem mal Glauben schenken. Sorry, das.
- 6:41Bin ich dann auch nicht ganz up-to-date. Aber dann war es zum Zeitpunkt des Anschlags leer.
- 6:46Aber das Grundproblem natürlich bleibt, was ist, wenn der Anschlag erfolgreich gewesen wäre.
- 6:52Wir kennen also auch den Zeitplan des Anschlags nicht gleich.
- 6:54Es wurde ja die Drohne am Boden vorgefunden durch einen Mitarbeiter der Flughafengesellschaft, der.
- 7:03Soweit ich das jetzt weiß, auch nicht falsch, eigentlich für Zuschauertouren verantwortlich ist.
- 7:11Damit ist natürlich auch die Frage, wann hält der, wenn die Drohne zuschlagen sollen?
- 7:17Es wurde ja auch dann eine zweite Drohne gefunden am Flughafengelände und es
- 7:22gab eine Kollision eines innerluftbefindlichen Frachtflugzeugs mit einem Gegenstand,
- 7:27wo man auch stark vermutet, dass es eben eine Drohne war.
- 7:31Auch das ist ja auch ein gefährliches Problem, weil die Drohne in das Triebwerk
- 7:38eingesaugt wird. Das ist ähnlich wie ein Vogelschlag. Das kommt natürlich auf
- 7:42die Größe der Drohne an, aber das Triebwerk wird beschädigt.
- 7:47Wenn es nur eine Drohne ist, kann natürlich eine Maschine auf einem Triebwerk wieder landen.
- 7:52Aber wenn es mal für mehrere Drohnen sind und man auf beiden Triebwerken Flame-Out
- 7:58hat, dann ist es natürlich auch um die Frachtmaschine geschehen.
- 8:02Also das sind nicht unerhebliche Gefahren, die über den Betrieb des Flughafens selbst hinausgehen.
- 8:10Die Frage ist ja, wie gesagt, wir sind
- 8:11ja möglicherweise jetzt da an einem Katastrophenszenario vorbeigekommen.
- 8:16Also bislang sagen die Ermittler, die Zündverrichtung dieser mit Sprengstoff,
- 8:21beladenen Drohne, die habe also nicht funktioniert, sei möglicherweise abgeprallt,
- 8:25ohne zu explodieren an der Antonov in Leipzig.
- 8:29Aber nehme mal an, so eine Drohne wäre explodiert.
- 8:33Es hätte zumindest mal erheblichen Schaden gegeben oder, Sie haben es ja gerade
- 8:37angesprochen, wir hatten Vorfälle, dass Brandsätze gefunden wurden,
- 8:41auch in Leipzig-Halle, die zum Glück eben sich früher entzündet haben,
- 8:46als das eigentlich geplant war, als in der Luft.
- 8:49Aber wenn das in der Luft passiert wäre, werden Flugzeuge abgestürzt.
- 8:51Und dann entsprechend, wie Sie ja auch sagten, möglicherweise eben auch die
- 8:55Piloten an solchen Flugzeugs ums Leben gekommen.
- 8:57Das sind dann ja schon wirklich massive Vorfälle, Angriffe, die natürlich auch
- 9:03entsprechende politische Reaktionen dann zufolge haben müssen.
- 9:06Und die Frage ist doch, was haben diejenigen, die dafür verantwortlich sind, im Sinn?
- 9:13Also wollen die tatsächlich eine Reaktion provozieren, die über,
- 9:17sagen wir mal, politisches, diplomatisches Gepränke hinausgeht,
- 9:20die möglicherweise über Sanktionen,
- 9:22eine neue Sanktionsrunde wird es möglicherweise geben, hinausgeht?
- 9:25Also was erwarten Menschen, die solche Aktionen planen und durchführen?
- 9:30Ja, also die Leute, die das durchführen, machen das großteils für Geld.
- 9:34Das sehen wir jetzt an den aktuellen,
- 9:39Das Gerichtsverfahren.
- 9:42In Warschau beziehungsweise in Vilnius, die russischen Dienste versuchen durch
- 9:48solche Anschläge eine Verunsicherung in der Bevölkerung herbeizuführen.
- 9:54Das heißt, man wollte vermutlich eine Situation schaffen, in der es eben eine
- 9:57Katastrophe oder einen großen Unfall gibt, der die Leute erschüttert,
- 10:00wo aber die Finger nicht eindeutig auf Russland zu zeigen sind.
- 10:06Und so, wo aber natürlich das Verständnis darunter ist, das ist jetzt die andere
- 10:10Seite, das sind jetzt die Russen, um so sozusagen eine Einschüchterung herbeizuführen.
- 10:16Ihr könnt mit eurem Rechtsstaat nichts gegen das tun, was wir machen,
- 10:20aber wir machen es trotzdem und desto länger ihr die Ukraine unterstützt.
- 10:27Desto heftiger wird es. das ist sozusagen die Botschaft, die dahinter liegt.
- 10:31Das ist natürlich jetzt in beiden Fällen anscheinend, oder zumindest mal ein,
- 10:35Fall der Brandbomben, dadurch nach hinten losgegangen, dass man eben die,
- 10:40den Tathergang doch gut rekonstruieren kann, zumindest besser,
- 10:45als man das anscheinend in Moskau erwartet hat.
- 10:50Aber ist das nicht ein hochriskantes Spiel der Russen, ein extrem gefährliches Spiel?
- 10:55Wie gesagt, bislang sind uns Katastrophen erspart geblieben,
- 11:01aber jetzt deklinieren wir das mal durch.
- 11:03Also es explodiert tatsächlich eine Drohne, es explodiert ein Brennsatz und
- 11:09dabei kommen Menschen zu Schaden. Dann wäre das ja schon mal wieder eine komplett
- 11:12andere Dimension als das, was wir bislang erleben.
- 11:16Also könnte man möglicherweise auch sagen, naja, bei dem einen Ding funktioniert
- 11:20der Zünder nicht, bei dem anderen Ding entzünden sich die Brandsätze,
- 11:22bevor sie ins Flugzeug gelangen.
- 11:24Sind das möglicherweise auch so Warnschüsse, dass die möglicherweise sogar extra
- 11:28nicht funktioniert haben, dass man einfach versucht hat zu zeigen,
- 11:32zu was man theoretisch in der Lage wäre.
- 11:34Denn da Menschen tatsächlich zu töten oder zumindest in das Risiko zu gehen,
- 11:39dass Menschen sterben, das, wie gesagt, würde ja alles auf eine komplett neue
- 11:43Dimension heben, wo ganz andere Schritte notwendig wären.
- 11:46Und glauben Sie, dass die Russen das tatsächlich riskieren würden?
- 11:50Auf der anderen Seite weiß Moskau natürlich auch, dass wir da nicht so reagieren
- 11:53werden wie bei Osama Bin Laden oder anderen Leuten, weil natürlich Russland
- 11:57Atommacht ist und da zumindest die militärischen Druckmittel nicht angewendet werden.
- 12:05Wenn man zeigen will, was man könnte, stellt sich natürlich die Frage,
- 12:11warum versuche ich dann zum Beispiel Paketwege lang und aufwendig zu verschleiern?
- 12:18Bei der Drohnen in Leipzig muss man sich natürlich fragen.
- 12:23Also da fehlen zu viele Detailinformationen, also zum Beispiel,
- 12:27wer hat die Drohne ausgebracht und scharf gemacht.
- 12:29Versteht er was von seinem Handwerkzeug oder ist das ein totaler Laie,
- 12:34den man quasi über Do-it-yourself-Anleitungen oder durch eine im Internet überspielte
- 12:40Anweisung versucht hat, auszubilden auf dem Gerät.
- 12:43Damit er es scharf macht, das Gerät von mir als professionell,
- 12:46also es war ja militärischer Sprengstoff,
- 12:49dass das Gerät eben über die Grenze geschmuggelt, aber dann in die Hände von,
- 12:57nicht ausreichend trainierten Leuten gegeben und die haben dann es nicht geschafft,
- 13:01zum Beispiel diese Zünder fachgerecht scharf zu machen.
- 13:04Dann ist natürlich das Problem, dann kann man es erstens nicht ausschließen,
- 13:06dass die volle Mission dahinter war.
- 13:10Und das Zweite ist, man hat natürlich dadurch, dass man es in unprofessionelle
- 13:13Hände gibt, dann auch noch, ich
- 13:14sage mal so, einen Haufen anderer Unfallmöglichkeiten in Kauf genommen.
- 13:20Denn das nicht artgerechte Scharfmachen des Zünders ist dann noch die harmloseste
- 13:29Variante, was schiefgehen kann, wenn unbefugte Leute mit Sprengmitteln hantieren.
- 13:33Wie waren die im Transport gesichert?
- 13:36Wäre dann auch so eine Frage. Ich habe Erzünder und relativ guten Sprengstoff.
- 13:41Die sollen ja erst relativ spät zusammenkommen. Also da gibt es viele Fragen,
- 13:46wo ich ehrlich weiß oder ehrlich sagen muss, ich weiß über die Hintergründe
- 13:50zu wenig, um darüber wirklich eine Aussage zu treffen.
- 13:54Aber ganz risikofrei, dass dabei was Größeres schief geht, selbst wenn man nur
- 14:00einen Warnschuss geben will, ist das Ganze natürlich auch nicht.
- 14:04Das Ganze reiht sich ja ein in eine ganze Reihe von Vorfällen,
- 14:07die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben.
- 14:09Die wir, glaube ich, alle so in den Kontext hybride Kriegsführung,
- 14:12kognitive Kriegsführung einreihen können. Also beispielsweise,
- 14:16was Sie ja gerade gesagt haben, einmal die Brandsätze, dann natürlich jetzt
- 14:19diese Drohngeschichte.
- 14:20Dann haben wir diverse Cyberattacken auf Bundestagparteien, Logistiksektor oder
- 14:27die Flugsicherung gehabt.
- 14:28Wir haben immer wieder auch Ausspähkampagnen über irgendwelche Wegwerfagenten,
- 14:34die aufgeflohen sind oder geplante Sabotagefälle.
- 14:37Das alles erleben wir ja im Grunde genommen seit 2014, 2015,
- 14:41also seit der Annexion der Krim, seit der Krieg in der Ukraine eigentlich begonnen
- 14:47hat, Deutschland die Ukraine unterstützt.
- 14:50Und glaubt Moskau aus Ihrer Sicht da wirklich ernsthaft, dass sich ein Land
- 14:57wie Deutschland dann von der Unterstützung der Ukraine abbringen lassen könnte?
- 15:03Ich meine, das ist ja so ein bisschen irrige Vorstellung. Oder sind die da einfach,
- 15:07auf einem kompletten Holzweg?
- 15:09Das Problem ist die Fehleinschätzung, dass man die Wirkungsmaßnahmen im Westen
- 15:16unterschätzt. dass sozusagen der Schuss nach hinten losgeht,
- 15:18nämlich sich die Haltung gegen Russland eigentlich verstärkt.
- 15:22Und in der Zeit sind ja auch einige Dinge passiert vom Salisbury-Anschlag,
- 15:25also der auch ein Todesopfer gefordert hat,
- 15:28zwar nicht die Zielperson, die man ausschalten wollte, aber immerhin war natürlich
- 15:34ein eindeutiger Mordanschlag auf Skripal.
- 15:38Dann in Bulgarien die Gebrev-Affäre, also einen Waffenhändler, der in seinem Bestand,
- 15:48aus alten Warschau-Paktbeständen Munition gehortet hat, die man aus dem Weg
- 15:53räumen wollte, weil er diese Munition an die Ukraine verkaufen wollte. Es gab.
- 16:00Die Sprengung eines Munitionsdepots in Tschechien.
- 16:06Wie gesagt, da gab es, glaube ich, zwei Quote, wenn ich mich richtig erinnere.
- 16:12Also es gab ja schon einige große Anschläge auch, die eben auch auf Leib und
- 16:16Leben von Einzeltersonen abgezielt haben.
- 16:19Aber wie gesagt, man hat auf der Seite der Europäischen Nachrichtendienste der
- 16:26danach gezogen ist, den Russen zumindest schwerer gemacht.
- 16:29Also ja, die politische Wirkung solcher Anschläge, die ist zumindest in Zweifel zu ziehen.
- 16:37Aber das Problem ist, da ist auf der russischen Sicht die Einschätzung unserer
- 16:43eigenen Innenpolitik zum Teil enorm unscharf und dieses Macht- und dieses Mafia-Denken,
- 16:48dass man sozusagen, wenn man.
- 16:50Wenn man der Gewaltbereite ist und diese anwenden kann, um es dem Gegner zu
- 16:54zeigen, dass man es könnte.
- 16:55Das liegt zu stark im eigenen Selbstverständnis der gegenwärtigen russischen
- 17:01Führung und ihres politischen Systems, als dass man das unterlassen würde.
- 17:06Aber es ist ja schon einigermaßen verblüffend, dass ein Geheimdienst wie der
- 17:11FBS aus dem KGB hervorgegangen,
- 17:14die ja eigentlich im Ruf stehen, doch eigentlich eine ganz vernünftige Arbeit
- 17:18zu machen, dass die solchen Fehleinschätzungen aufsitzen.
- 17:22Ich meine, das hat man ja auch erlebt bei der Einschätzung schon.
- 17:26Der Stimmung in der Ukraine 2022, als man die Vollinvasion begonnen hat,
- 17:30ist man ja auch davon ausgegangen, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer da Jugendliche
- 17:34am Straßenrand stehen und sich über den russischen Einmarsch freuen.
- 17:39Ganz offensichtlich ist es ja nicht der Fall gewesen. Wie erklären Sie sich
- 17:42das? Also diese Unfähigkeit, was die Einschätzung eben von von innenpolitischen
- 17:49Geschichten angeht, in den jeweiligen Ländern, die Ziele von russischen Angriffen wären.
- 17:54Also wenn man sich den KGB oder die russischen Dienste nach dem Verfall der
- 17:59Sowjetunion anschaut, dann sind da einige Entwicklungen drin,
- 18:03die natürlich die professionelle Integrität dieser Dienste stark beansprucht haben.
- 18:08Das erste in der Sowjetunion war der KGB natürlich eine Institution,
- 18:14über die man sozialen Aufstieg erreichen hat können und der deshalb auch.
- 18:21Gut und viel rekrutieren konnte aus der Gesellschaft und auch Talente in der
- 18:26Gesellschaft rekrutieren konnte.
- 18:27Das war für die russischen Nachrichtendienste in den 90er Jahren enorm schwierig,
- 18:31weil die Gehälter gering waren.
- 18:33Und wenn man nicht korrupt und wenn man nicht die Machtposition missbraucht
- 18:37hat, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen, hat man im Grunde
- 18:40von einem FSB-Gehalt nicht leben können.
- 18:43Das hat zu einer starken Korrumpierung oder die starke Korrumpierung des FSBs
- 18:49oder der damaligen Nachfolgebehörden des KGBs.
- 18:55Der KGB wurde aufgeteilt in fünf einzelne Dienste und bis auf der SWR,
- 18:59also der Auslandsnachrichtentienst, wurden die dann nach 2000,
- 19:03glaube ich 2002, also in gewisser Zeitraum nach 9-11 alle wieder im FSB vereint.
- 19:10Und jetzt haben wir eine Situation, wo es mehrere Dienste gibt,
- 19:12die im Grunde das Gleiche machen,
- 19:15und sich gegenseitig übertreffen wollen in dem, was sie machen,
- 19:19weil natürlich Putin und das Regime Erfolg belohnt, aber Misserfolg nicht bestraft.
- 19:27Es gab eigentlich bei keinem, selbst bei den Operationen, die schiefgegangen
- 19:31sind, Salisbury zum Beispiel, gab es für die Beteiligten negative Konsequenzen
- 19:36oder für die Verantwortlichen negative Konsequenzen.
- 19:39Da rollen keine Köpfe, da wird niemand abgesetzt, da wandert keiner in den Knast
- 19:44dafür, dass man eine Operation durchführt, die eigentlich Bockmist ist.
- 19:50Und das belohnt zusammen mit dem Konkurrenzverhältnis, und da geht es natürlich,
- 19:54wer erfolgreicher ist, der kriegt dann auch in Budgetverhandlungen,
- 19:56hat bessere Karten, kriegt mehr Geld etc., mehr Machtbefugnisse.
- 20:02Das belohnt risikoreiches, offensives Vorgehen für die Dienste selber aus ihrer
- 20:08innerbürokratischen Situation.
- 20:10Und das führt dazu, dass wir eine Vielzahl von eigentlich strategisch wenig
- 20:16wertvollen und riskanten Operationen sehen der Russen im ganzen EU-Raum.
- 20:24Und ja, das sind natürlich die innere Machtverhältnisse. In Moskau können wir
- 20:28kaum verändern. Also da können wir uns nur darauf einstellen,
- 20:32dass die Zeiten ungemütlich sind und wahrscheinlich auch ungemütlich bleiben.
- 20:35Ja, oder möglicherweise auch ungemütlicher werden, wenn wir mal in die Ukraine
- 20:39schauen und jetzt davon ausgehen müssen, dass all das, was wir jetzt erleben an Operationen,
- 20:47ob das vom GUR, der Militärgeheimdienst ist, vom FSB oder eben auch vom SWR,
- 20:52dass all das auch natürlich eine Reaktion auf die deutsche Unterstützung oder
- 20:57die europäische Unterstützung für die Ukraine ist.
- 21:00Und wie gesagt, wenn wir nach in die Ukraine gucken, dann sehen wir ja,
- 21:03dass die Situation für die Russen sich jetzt nicht unbedingt verbessert hat.
- 21:05Gerade in diesem Jahr militärische Erfolge eher auf ukrainischer Seite,
- 21:10Befreiung von einigen Städten oder davon, gerade im Südosten des Landes,
- 21:18durch die ukrainische Streitkräfte.
- 21:20Die russischen Streitkräfte kommen nicht richtig nach vorne an der Front.
- 21:22Es gibt massive Schläge der Ukraine im russischen Hinterland mit Langstrecken-Drohnen
- 21:28und Marschflugkörpern und Mittelstrecken-Drohnen auf die Logistik.
- 21:32Also das läuft ja in diesem Jahr für die Ukraine vergleichsweise gut,
- 21:37auf jeden Fall besser als im vergangenen Jahr.
- 21:40Ja, und man hat ja den Eindruck, dass die Russen da militärisch eben unter Druck
- 21:44stehen. Es gibt Hinweise darauf, dass möglicherweise eine neue Mobilisierungskampagne
- 21:48bevorsteht oder eine Mobilisierungswelle auf russischer Seite nach den Duma-Wahlen im September.
- 21:54Wenn das so weitergeht, müssen wir uns dann in Deutschland auch auf eine Intensivierung
- 21:59solcher Anschläge, solcher Geheimdienstoperationen einstellen,
- 22:03wie wir die jetzt erlebt haben in den vergangenen Wochen und Monaten?
- 22:07Ja, leider. Damit ist zu rechnen, weil Putin natürlich auch enorm unter Druck
- 22:11ist. Er hat in den Krieg investiert, er hat enorm viele Ressourcen darin investiert,
- 22:18hat seine politische Karriere und seine Politik.
- 22:22Seine Vermachenschaft, seine
- 22:23Legacy in diesen Krieg investiert und der läuft es nicht wirklich gut.
- 22:27Auch wenn natürlich Russland noch in der Initiative ist und wenn natürlich der
- 22:32Luftkrieg zurzeit für Russland vielversprechend ist, weil der Ukraine vor allen
- 22:35Dingen die Fliegerabwehr Lenkwaffen fehlen,
- 22:39ist es nicht wirklich ersichtlich, dass er an sein strategisches Ziel, nämlich die Ukraine,
- 22:47entweder in ein Abkommen zu zwingen, das einer Kapitulation gleichzieht und
- 22:51er sozusagen die Kontrolle über weite Teile der Ukraine bekommt oder diese Kontrolle
- 22:56direkt militärisch durch Eroberung erreichen kann,
- 23:01dass er dem irgendwie nahe kommt.
- 23:05Und jetzt versucht er natürlich auszuloten, wo kann er noch erfolgreich sein
- 23:14in Feldern, die man als Schwäche des Gegners identifiziert hat.
- 23:18Also natürlich der Luftkrieg gegen die Ukraine aus eben schon genannten Gründen
- 23:23und die ganze Patriot-Situation, die zieht sich natürlich durch.
- 23:27Und das Zweite ist natürlich, dass man die europäische Unterstützung für die
- 23:31Ukraine als Schwäche ausgemacht hat.
- 23:33Und das sieht man ja auch an allen Ecken und Enden, also zum Beispiel die finanzielle
- 23:39Unterstützung oder die Beschlagnahmung der eingefrorenen Vermögenswerte der
- 23:43Russischen Föderation diskutiert wurde.
- 23:44Dann gab es sofort direkte Drohungen gegen den belgischen Premierminister beziehungsweise auch,
- 23:51Fachpersonal der belgischen Nationalbank, die dann direkt beziehungsweise deren
- 23:57Familien dann direkt bedroht wurden als Versuch der Erpressung und der Beeinflussung
- 24:02eben von politischen Entscheidungen.
- 24:06Zur Unterstützung der Ukraine. Man sieht da jetzt auch, dass zum Beispiel,
- 24:11wenn ich den Geschäftsführer von.
- 24:16Von Donaustahl, der auch jetzt unter Polizeischutz leben muss.
- 24:22Es gab Anschlagspläne gegen den Stell von Rheinmetall, gegen Packenberger.
- 24:26Auch das sind natürlich klare Zeichen, dass man versucht, den Druck auf Entscheidungsträger,
- 24:31auf Personen, die in diese Unterstützung involviert sind und natürlich dann
- 24:35auch in der öffentlichen Meinung,
- 24:38dass man die versucht, über diesen Druck auch zu beeinflussen. Und,
- 24:44natürlich so bei solchen Anschlägen oder Anschlagsversuchen,
- 24:50wie wir es in Leitzicht gesehen haben, gehen solche Dinge meistens nach hinten
- 24:55los. Aber wie gesagt, da ist die Beurteilung in Moskau anscheinend eine andere.
- 25:00Wie weit werden die Russen denn gehen aus ihrer Sicht? Ich meine,
- 25:02es gibt ja Möglichkeiten noch und nöcher.
- 25:05Wir sehen jetzt den Einsatz von reaktiven Drohnen in der Ukraine,
- 25:10also diesen Drohnen, die jetgetrieben sind, wesentlich schneller als normale
- 25:13Drohnen, als diese herkömmlichen Shades, die wir hatten, die sicherlich auch
- 25:17eine größere Durchschlagskraft haben.
- 25:19Ist sowas zu erwarten oder wäre das denn der Ticken zu viel?
- 25:22Wäre das dann schon die Kriegserklärung, die man in Moskau möglicherweise auch nicht haben will?
- 25:26Also ich denke, die Russen werden, solange der Krieg in Ukraine so für sie läuft,
- 25:31versuchen, um einen formellen Kriegsgrund mit anderen Staaten herumzukommen.
- 25:36Also dass man eben genau unter dieser Schwelle operiert.
- 25:39Aus dem einfachen Grund, man hat nicht die Mittel.
- 25:45Gegen die NATO. Und sei auch nur, selbst wenn Donald Trump ist,
- 25:50eine mögliche Beistandserfüllung der Amerikaner ist äußerst ungewiss.
- 25:54Aber böse gesagt, es sind so viele russische Kräfte gebunden in der Ukraine,
- 26:00dass man einfach so wenig Kräfte frei machen kann, dass man wirklich...
- 26:04Maximal Operationen zustande bringt, mit denen eben die baltischen Staaten Polen
- 26:08und eine lose Koalition europäischer Staaten im Hintergrund auch fertig wird.
- 26:14Baltischen Staaten sind klein, aber sind gut organisiert und sind motiviert.
- 26:17Haben gute Streitkräfte, eine gute Verbindung von Behörden der äußeren oder
- 26:22inneren Sicherheit, also Militär und Polizei.
- 26:24Die können gerade kleineres, wenn man von grünem Männchen die ganze Zeit spricht,
- 26:29da können die Balten schon ziemlich rabiat reagieren, wenn sowas kommt.
- 26:33Also da ist die Erfolgsausschicht geringer. Und einen großen Krieg anfangen,
- 26:37da ist halt immer die Frage,
- 26:40wie könnte man durch Eskalation und Masse, Die Vorteile der russischen Armee
- 26:44sind Feuerkraft und Masse.
- 26:46Wenn die in der Ukraine gebunden ist, wie kann man dann so eine Eskalation eskalieren?
- 26:50Jetzt abgesehen vom Nuklearen-Szenario, das zumindest so lange in Frankreich
- 26:56noch nicht Madame Le Pen Präsident ist und,
- 27:00in Großbritannien auch ein anderer Premierminister regiert als Herr Farage.
- 27:07Auch ein gewisses Restrisiko ist, selbst wenn die Amerikaner draußen wären.
- 27:13Die russischen Maßnahmen versuchen unter der Schwelle von dem zu sein,
- 27:17was die betroffenen Staaten als staatlichen offenen Angriff und Bündnisfall
- 27:24nach Artikel 5 begreifen.
- 27:26Das ist einfach dem Umstand geschuldet, dass man mit den eigenen Kräften in
- 27:31der Ukraine gebunden ist.
- 27:32Und das Zweite ist natürlich, die Abnutzung war enorm hoch, also einzelne Marineinfanterie und,
- 27:40Fallschirmjägerverbände, die sind mittlerweile schon zum vierten oder zum fünften
- 27:43Mal in Aufstellung, weil sie sich eben in den großen Schlachten dieses Kriegs
- 27:47auch entsprechend abgenutzt haben.
- 27:50Das ist jetzt nicht so, dass die Qualität der Ausbildung dann besser wird.
- 27:55Im Gegenteil, die Ausbildungszeiten werden immer kürzer. Das ist natürlich bei
- 27:58der normalen Infanterie schlimmer als bei den VDV, also den Fallschirmjägern
- 28:01oder Marieninfanterie, aber es betrifft die auch.
- 28:03Das heißt, die Qualität der Truppen, die Qualität vor allen Dingen der Offiziere
- 28:08im unteren Führungsbereich, die ist mittlerweile schon sehr stark abgenutzt.
- 28:14Und das heißt vor allen Dingen kleine Operationen wie Besetzung der Krim mit
- 28:19wenigen Leuten, aber auch gut ausgebildet. Das geht nicht mehr so,
- 28:22wie das 2014 gegangen ist oder wie man es 2022 versucht hat.
- 28:28Aber was Russland natürlich kann, das ist unter dieser Schwelle zu operieren.
- 28:32Und da sind natürlich die Drohnenkräfte, die sind qualitativ und quantitativ.
- 28:39Deutlich über dem, was die Fähigkeiten vieler europäischer oder der meisten
- 28:42europäischen Staaten angeht.
- 28:45Und hier hat man auch die Möglichkeit, verdeckt zu operieren.
- 28:47Also ein Drohnenstaat muss eben nicht aus Russland kommen. Man kann ihn von
- 28:51Schiffen machen, man kann die Drohnen einschmuggeln.
- 28:53Das hat man ja auch bei der ukrainischen Operation Spiderweb,
- 28:56also Spinnenetz, gesehen.
- 28:58Dass wenn ich die gut verstecke in Gütern, in konventionellen Gütern,
- 29:04dann ist die Chance, dass ich sie einschmuggeln kann, doch groß.
- 29:10Und das ist natürlich bei allen Seehefen, Transportbewegungen,
- 29:15die in die EU stattfinden, ist das natürlich auch eine Achillesferse.
- 29:19Man muss ja auch diese Container nicht in Russland selber direkt vorbereiten und bauen.
- 29:24Man kann das über Nachrichtendienstliche Dependancen in anderen Staaten auch
- 29:29dann zusammenwerken. Der Container kann aus Brasilien kommen oder aus Kuba oder sonst wo.
- 29:37Da gibt es enorm viele, leider Gottes, Möglichkeiten.
- 29:43In der Europäischen Union durch solche Operationen Schaden anzustellen.
- 29:47Ein zweites, was vermutet wird, ist, dass man zum Beispiel ukrainische Drohnen,
- 29:51die durch elektronische Kampfführung über Russland zum Absturz gebracht wurden,
- 29:54die nicht alle davon explodieren.
- 29:57Manche kann man wieder instand setzen, dass man die zum Beispiel auch dann verwendet,
- 30:01um Angriffe etwa in Polen oder in anderen Ostflankenstaaten durchzuführen.
- 30:07Das wäre ein politischer Explosivstoff, Gerade wenn man sich die polnisch-ukrainischen,
- 30:11Beziehungen anschaut und dann sozusagen sind da ukrainische Markierungen auf
- 30:18einem ukrainischen Drohnenmuster.
- 30:19Das ist dann natürlich auch etwas, wo Russland die Propagandamaschine anwerfen
- 30:24kann und hier Zwietracht stiften kann.
- 30:26Das sind alles so Möglichkeiten, wie man jenseits von Artikel 5 in die Europäer
- 30:31schädigen kann. Und da muss man leider damit rechnen, dass Russland versuchen
- 30:35wird, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dies eben unter dieser Schwelle zu tun.
- 30:40Wie können wir darauf reagieren? Wie müssen wir darauf reagieren?
- 30:43Also wahrscheinlich geht es jetzt wieder um irgendwelche Sanktionsspiralen,
- 30:48die weiter angedreht werden sollen.
- 30:50All das scheint ja jetzt nicht so wirklich hilfreich zu sein.
- 30:52Also was gibt es für Möglichkeiten, um...
- 30:55Zum einen deutsche Infrastruktur oder europäische Infrastruktur zu schützen
- 31:01vor solchen Angriffen einerseits und auf der anderen Seite, was muss politisch,
- 31:06militärisch geschehen.
- 31:08Um Russland zu zeigen, hier sind unsere roten Linien, so geht es einfach nicht weiter.
- 31:13Ja, also das sind in der Tat zwei Körbe.
- 31:16Das eine ist dann der Eigenschutz und das andere ist dann sozusagen der Umgang mit Russland.
- 31:20Und zum Eigenschutz ist es natürlich so, dich zum Beispiel vor Drohnen oder
- 31:23kritische Infrastruktur vor Drohnen schützen zu können, ist etwas,
- 31:27was man ohnehin ungeachtet von Russland können muss.
- 31:30Weil natürlich bei diesen Anschlägen ja auch andere Kräfte, die sonst Anschläge
- 31:34verursachen, es gibt ja Extremisten aller möglichen Couleurs,
- 31:38natürlich auch mitschreiben und sich überlegen, okay, können wir das nutzen.
- 31:45Gerade bei kritischer Infrastruktur oder auch für die Polizei,
- 31:48die Personenschutz macht oder Behörden oder Wahlkampfveranstaltungen absichern muss.
- 31:51Drohnen-Detektionsgeräte, die gibt es passiv und aktiv, jeweils mit Stärken
- 31:56und Schwächen, sind eigentlich Pflicht.
- 31:59Und mich wundert es immer wieder, dass eben Flughäfen oder andere große Infrastrukturobjekte,
- 32:05solche Ortungsgeräte noch nicht oder unzureichend haben.
- 32:10Das Zweite sind auch die Befugnisse aus, denen Gewalt gegen Sachen anwenden zu können.
- 32:14Also es gibt ja auch nicht Schusswaffen spezifische Abwehrmethoden für Drohnen,
- 32:20etwa durch eine andere Drohne Netze auszubringen oder Fangkabel,
- 32:24die sich in den Propellern der anderen Drohnen verheddern.
- 32:28So kann ich eine Drohne abwehren, ohne dass ich etwa im Umgelände eines Flughafens schießen muss.
- 32:34Und diese Mittel kann ich auch durchaus auch erlauben, dass man etwa Betreibergesellschaften,
- 32:41dass Betreibergesellschaften von Flughäfen oder von anderen Infrastrukturbereichen,
- 32:45oder auch Veranstaltungsbetreiber, dass die die auch einsetzen können.
- 32:50Weil wenn ich einen Sperrbereich ausschreibe und,
- 32:53Flughäfen sind das automatisch, bei Großveranstaltungen ist das auch temporär.
- 32:57Dann kann ich gerade solche Methoden, die eben nicht den Schusswaffengebrauch
- 33:04einschließen, eigentlich auch durch zivile Kräfte bewerkstelligen lassen.
- 33:09Muss nicht die ganze Zeit die Bundespolizei auf den Plan rufen oder mit allem belästigen.
- 33:15Das Zweite ist natürlich die nachrichtendienstliche Aufklärung und Zusammenarbeit
- 33:19unter den Europäern zu stärken und auszuweiten. Die Befugnis,
- 33:23es gibt ja in Deutschland immer noch einen sehr langen Streit über die Befugnis seit etwas des BNDs.
- 33:28Wie weit darf ich voraus aufklären im sozusagen unter Anführungszeichen Feindesland,
- 33:33was dort vorgenommen wird? Aber es ist die erste Linie der Verteidigung,
- 33:36um dann den eigenen Dienst zu sagen, hey, da kommt eine Operation,
- 33:39da kommt dies und das auf uns zu.
- 33:41Desto schwieriger es macht, desto stärker setze ich natürlich auch den Gegner unter Druck.
- 33:45Desto stärker ich ihn unter Druck setze, desto eher macht er Fehler.
- 33:48Und wenn er Fehler macht, dann erwische ich ihn.
- 33:51Das Zweite ist, wie signalisiert man Russland, okay, das ist nach hinten losgegangen,
- 33:56hier gibt es Konsequenzen. Das ist eben auch ein großes Problem. Es gab viele dieser.
- 34:01Anschläge, die keine großen Konsequenzen nach sich zogen.
- 34:06Die letzten, die wirklich versucht haben, bewusst nach einem Anschlag Sanktionen
- 34:12und Ausweitungen einzuführen, das waren die Briten nach Salisbury,
- 34:15sonst hat man das zur Kenntnis genommen und dann gab es irgendwann ein nächstes Sanktionspaket.
- 34:20Dann ist auch diese genaue Botschaft, dass wir segieren euch jetzt genau wegen dem.
- 34:25Da ist natürlich Sanktionen ein Mittel, Ausweisungen von Diplomaten ein anderes,
- 34:30aber man hat sehr viel Handlungsspielraum noch beim Vorgehen gegen Infrastruktur,
- 34:38wie zum Beispiel das russische Haus in Berlin.
- 34:40Da kann man die Verträge für dieses Haus auch wirklich kündigen und es schließen.
- 34:46Das Zweite ist das Vorgehen gegen die Schattenflotte. Auch da,
- 34:49das ist im Grunde das leichteste Vorgehen, da braucht man wenig dazu beschließen.
- 34:54Man muss einfach rigoros, sehpolizeilich Standards im Bereich Versicherung,
- 35:00Unfallschutz durchsetzen.
- 35:04Fahrzeuge, die falsch beflaggt sind, falsch gekennzeichnet sind, keinen,
- 35:10Euro- oder Dollar-gedeckten Versicherungsschutz aufweisen, die lässt man eben
- 35:15dann auch nicht durch seine territorialen Gewässer und auch gegebenenfalls auch
- 35:21nicht durch die exklusive Wirtschaftssituation.
- 35:24Die Türken sind ein Beispiel.
- 35:28Vor dem Krieg war das Schwarze Meer, Nordrussis, der größte Öl-Exporthafen für die,
- 35:35Für die Russen, das ist es mittlerweile nicht mehr, weil die Türken relativ
- 35:38restriktiv am Bosporus und den Dardanellen die russische Durchfahrt beschränken.
- 35:43Und sie machen das nicht aus politischen Gründen. Sie sagen nicht,
- 35:47wir verurteilen den Krieg, sondern sie sagen einfach, die Umweltrisiken einer
- 35:52Tankerdurchfahrt, die sind so hoch.
- 35:54Wir erfordern sehr strikt, dass diese Schiffe gut versichert sind,
- 36:00dass die Versicherung eine westliche Versicherung ist, dass sie in Dollar gedeckt
- 36:03ist, damit wir, falls wirklich was passiert, nicht auf den Umweltschäden und
- 36:07auf deren Kosten liegen bleiben.
- 36:09Und damit müssen diese Schiffe natürlich sich im Westen versichern lassen.
- 36:13Deshalb sind sie an die Ölpreis-Obergrenze gebunden. Damit kann ich eben dann
- 36:18nicht Öl irgendwo umladen und schmuggeln.
- 36:21Und das hat Nowodossysk als Exporthafen für Russland extrem unattraktiv gemacht,
- 36:28noch bevor die ukrainischen Seedrohnen es noch unattraktiver gemacht haben,
- 36:33als es vorher eh schon war.
- 36:35Und Ähnliches kann ich natürlich mit Beltern Sund anstellen.
- 36:39Also ich sehe wirklich nicht ein, warum Skandinavien, Dänemark im Bereich Umweltschutz,
- 36:45irgendwie hinter den Türken zurückfallen soll und,
- 36:48hier schlechteren Standards anwertet, damit jeder russische Rostkahn da durchschippern kann.
- 36:56Und das sind Mittel, da kann ich eigentlich die Daumenschrauben für Russland stark anziehen.
- 37:02Wenn man dazu natürlich dann noch die Ölpreis-Obergrenze nach unten drückt,
- 37:06damit der dann nur mehr begrenzt mögliche legale Export auch noch hoch unrentabel
- 37:11wird, dann tut man ihnen wirklich weh. Ich danke Ihnen, Herr Gressel.
- 37:16Wenige Minuten nach unserem Gespräch um 17.30 Uhr am Dienstagnachmittag treten
- 37:22Alexander Dobrindt und Johann Wadephul vor die Presse.
- 37:24Innenminister Dobrindt wird deutlich und sagt, Zitat, die Bundesregierung kommt
- 37:28deshalb zu dem Schluss, dass Russland einen hybriden Angriff am 4.
- 37:32August in Leipzig zu verantworten hat, Zitat Ende. Er ergänzt.
- 37:37Zitat, wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.
- 37:44Außenminister Wadephul kündigt konkrete Konsequenzen an. Das russische Generalkonsulat
- 37:48in Bonn und das russische Haus in Berlin werden geschlossen.
- 37:50Neue Personen kommen auf die EU-Sanktionsliste, Einreisekontrollen für Russen werden verschärft.
- 37:56Die russische Schattenflotte wird weiter unter Druck gesetzt und der russische
- 38:00Botschafter wird einbestellt.
- 38:02All das sind natürlich erstmal Maßnahmen, die Entschlossenheit demonstrieren sollen.
- 38:06Klar ist aber auch, und das ist ja glaube ich in dem Gespräch auch deutlich
- 38:09geworden, die russischen Geheimdienste werden möglicherweise noch aggressiver
- 38:16werden in den nächsten Monaten.
- 38:19Hintergrund ist, das ist im Gespräch ja auch angedeutet worden,
- 38:22dass die Situation für die russischen Streitkräfte in der Ukraine schwierig
- 38:26wird, die Russen ihre Kriegsziele noch lange nicht erreicht haben,
- 38:29obwohl sie eigentlich davon ausgegangen sind, dass dieser Krieg eben sehr,
- 38:31sehr schnell enden wird.
- 38:35Die Wirtschaft in Russland nimmt mittlerweile auch Schaden, Putin steht massiv
- 38:39unter Druck und all das wird möglicherweise dazu führen, dass auch die Unterstützerinnen
- 38:44und Unterstützer der Ukraine, also die europäischen Staaten vor allem,
- 38:49immer häufiger Ziele von Hybriden attacken werden.
- 38:53Nicht nur Attacken wie eben diese Drohnenangriffe oder dieser versuchte Drohnenangriff
- 38:58in Leipzig, sondern eben auch vermehrte Cyberattacken, noch mehr Desinformationskampagnen,
- 39:05noch mehr Bots im Internet, die,
- 39:07Chaos stiften wollen und das Land destabilisieren wollen.
- 39:12Was bleibt am Ende dieser Folge? Eine Drohne mit militärischem Sprengstoff,
- 39:16die durch einen defekten Zünder keinen Schaden anrichtet, aber genug Gewicht
- 39:19hat, dass zwei Bundesminister eine Pressekonferenz einberufen und Russland offiziell
- 39:24die Verantwortung zuschieben.
- 39:28Was mich an diesem Gespräch am meisten beschäftigt hat, ist allerdings,
- 39:31dass Kressler nicht nur erteert hat, warum die Spur nach Moskau führt,
- 39:33sondern auch, warum der russische Geheimdienstapparat, also GRU,
- 39:38der Militärgeheimdienst-Crew,
- 39:41FSB, der Inlandsgeheimdienst und der SWR, der Auslandsgeheimdienst,
- 39:45trotz wiederholtem Scheitern weitermachen, weil in diesem System offenbar niemand
- 39:50für Fehler gerade stehen muss. Das ist keine beruhigende Erkenntnis.
- 39:53Das bedeutet, es wird weitergehen, ganz unabhängig davon, ob solche Anschläge
- 39:57aufschliegen oder misslingen.
- 40:00Und was natürlich auch klar ist, die Antworten auf solche Bedrohungen,
- 40:05die müssen schon entschlossen sein.
- 40:08Diese Pressekonferenz am Dienstagnachmittag, Dienstagabend, die hat,
- 40:13wie gesagt, den Anschein erweckt, dass Deutschland da geschlossen auftritt und
- 40:17entschlossen vor allem auftritt.
- 40:19Russisches Haus schließen, die Schattenflotte unter Druck setzen,
- 40:22Diplomaten einbestellen und so weiter.
- 40:24Das ist alles ganz sinnvoll, aber ich glaube, das Allerwichtigste ist,
- 40:28dass man sich eben nicht ins Boxhorn jagen lässt, dass man sich nicht einschüchtern lässt.
- 40:32Auch das hat Wadebuhl übrigens gesagt, der Außenminister, dass man sich nicht
- 40:35einschüchtern lassen werde.
- 40:36Und genau das halte ich für eben sehr, sehr wichtig. Man muss einfach deutlich
- 40:41machen, dass wir uns eben nicht als Europa von Mafiamethoden erpressen lassen.
- 40:48Dass wir nicht davon abrücken, die Ukraine zu unterstützen in ihrem Abwehrkampf
- 40:53gegen die russische Aggression.
- 40:55Ich glaube, in den nächsten Wochen werden wir erleben, dass der Krieg in der
- 40:58Ukraine noch mal deutlich eskalieren wird.
- 41:00Wir sehen das jetzt schon, dass die Luftangriffe, die russischen auf die ukrainischen
- 41:04Städte, deutlich förmlich zugenommen haben. Immer mehr ballistische Raketen,
- 41:08die nach Kiew fliegen, nach Odessa fliegen, mittlerweile eben auch reaktive Drohnen.
- 41:12Drohnen, die ziemlich schnell sind, jetgetrieben sind, und russische Drohnen,
- 41:15die die ukrainische Luftabwehr überwinden können.
- 41:19Und das wird für die Menschen in der Ukraine ein sehr bitterer Winter werden.
- 41:23Aber was natürlich nicht passieren darf, und das ist eben auch das,
- 41:26was ich immer wieder in der Ukraine höre, dass ihnen ein russischer Diktatfrieden
- 41:31auferzwungen wird, auch durch nachlassende europäische Unterstützung.
- 41:36Also wir müssen meines Erachtens weitermachen, wir müssen die Ukraine unterstützen.
- 41:39Wir dürfen uns nicht ins Boxen lassen von dem, was die Russen unternehmen,
- 41:44auch in Hybride, Kriegsführung.
- 41:47Und ja, wir sollten halt nicht aufgeben.
- 41:51Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde
- 41:55produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch Journalist und arbeitet bei
- 41:59einem Radiosender der Funke Mediengruppe.
- 42:01Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, liked und folgt uns.
- 42:04Das hilft in jedem Fall, unsere Arbeit sichtbarer zu machen.
- 42:08Schreibt mir auch gerne, wenn ihr einen Vorschlag für eine unserer Folgen habt.
- 42:11Krisenmodus at funkemedien.de Und vielleicht nehmt ihr aus dieser Folge diese
- 42:17Frage mit, Wie sicher fühlt ihr euch eigentlich noch an einem ganz normalen
- 42:21Flughafen in Deutschland?
- 42:23Passt auf euch auf. Bis dann. Ciao, ciao.