Latest / Gin And Talk / Werner Hansch über Fußball, Leidenschaft und Spielsucht
Transcript
- 0:00Speaker 0: Fußball gegen wir am Arsch vorbei.
- 0:02Speaker 0: Mindestens bis zu diesem, den vierundzwanzigsten Februar neunzehnhundertdreiundsiebzig und da hat der Zufall zugeschlagen!
- 0:11Speaker 0: Meine sehr verehrten Damen und Herren ich wünsche Ihnen jetzt noch einen angenehmen Heimweg ein erholsames Wochenende und dann bis zum nächsten Mal aber ohne mich, ohne mich habe ich gedacht wenn einer da steht und hat nur das Mikrofon in der Hand und er guckt runter was da passiert auf diesem Rühnen Recht Eck, da muss er alles was er geben kann.
- 0:35Speaker 0: Stimme Sprache Sprachwitz Ironie Im Grunde genommen Persönlichkeit.
- 0:43Speaker 0: Muss Er Dann Reingeben in diese Reportage?
- 0:48Speaker 1: Herzlich Willkommen Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Episode Genant Talk begrüßen zu dürfen die Ich Dieses Mal In Dortmunde Aufnehme.
- 0:59Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Werner Hansch.
- 1:01Speaker 1: Er ist wohl einer der bekanntesten Sportkommentatoren in diesem Land und war über viele, viele Jahre die Stimme des deutschen Fußballs.
- 1:10Speaker 1: Nach seiner aktiven Zeit bei Radio und TV rutschte er in die Spielsucht ab und verspielte dabei nicht nur sein eigenes Geld sondern auch Geld das er sich von Freunden geliehen hatte.
- 1:20Speaker 1: Heute unterstützt er andere Spielsüchtige und hilft ihn bei ihrem Weg zurück in ein suchtfreies Leben.
- 1:26Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, wie er zum Fußball kam.
- 1:29Speaker 1: Wie die Leidenschaft für seinen Beruf entstanden ist und wie es passieren konnte dass er am Ende im Glücksspielsumpf landete.
- 1:37Speaker 1: Wenn dir diese Episode gefällt dann folg uns bei Apple Podcasts, Spotify oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlass uns eine gute Bewertung.
- 1:46Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören.
- 1:48Speaker 1: schön das ihr alle wieder mit dabei seid
- 1:54Speaker 0: Und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 1:59Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:02Speaker 0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:08Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:24Speaker 1: Lieber Herr Hansch ich freue mich sehr dass wir uns hier treffen können in Dortmund um ein wenig über ihr Leben zu reden, über Sucht zu reden und Fußball zu sprechen.
- 2:33Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 2:34Speaker 1: Ja
- 2:35Speaker 0: vielen Dank.
- 2:35Speaker 0: ja da wo das Herz des deutschen Fußballs schlägt.
- 2:39Speaker 1: Habe ich vorhin schon gelernt dass das die deutsche Fußballhauptstadt ist?
- 2:43Speaker 1: Jetzt könnte ich ja sagen ich komme aus München aber das ist so eine alte Fede die da so ein bisschen offen ist oder?
- 2:49Speaker 0: Ach Gott diese Fede wird noch lange dauern.
- 2:53Speaker 0: Das wird so sein und meistens ist es so Das letzte Ende hat in dieser Fede.
- 3:02Speaker 0: Und ich glaube vor allen Dingen, dass wird auch in diesem Jahr wieder so sein!
- 3:06Speaker 1: Ich bin gespannt.
- 3:08Speaker 1: Sie haben ja angefangen.
- 3:09Speaker 1: da hatten sie eigentlich überhaupt gar keine richtige Ahnung von Fußball.
- 3:13Speaker 1: also das wäre wahrscheinlich ungefähr so wie wenn ich jetzt Fußballmoderator werden würde weil ich bin tatsächlich fern davon Fußball Experte zu sein Sportrennen von Pferderennen kommentiert und haben sich damit beschäftigt.
- 3:29Speaker 1: Und dann gab es einen Brand auf einer Rennbahn, wenn ich das richtig gelesen habe und sie mussten einspringen als Stadionsprecher auf Schalke damals.
- 3:41Speaker 1: Ich glaube im Februar.
- 3:45Speaker 0: in der Tat beginnt meine Geschichte etwas eher... Nämlich in den Jahren, in denen die Bundesrepublik Deutschland sozusagen gegründet wurde mit dem Gewinn der ersten Weltmeisterschaft damals in der Schweiz.
- 4:04Speaker 0: Ja es wird ja einmal gedacht das war eigentlich der Beginn der Bundesrepublique.
- 4:10Speaker 0: Damit waren wir wieder wehr.
- 4:12Speaker 0: ich war sechzehn Jahre alt und Ohne jedes Interesse am Fußball, wir sind über Bänke und Zäune gesprungen und hatten unsere Freude.
- 4:23Speaker 0: Und das Haus in dem wir wohnten da war unten eine Kneipe und der Wert machte dass genauso wie Sönke Wortmann es später im Film Wunder von Bern nachgestellt hat ja kleines Gesellschaftshimmer ein Tisch eine Kommode und oben drauf der Fernseher.
- 4:42Speaker 0: Der Wert war der einzige Mensch, der in dieser Stasse einen Fernsehr hatte.
- 4:48Speaker 0: Und dann haben wir den Fünfzigfännich eintritt.
- 4:51Speaker 0: Wir sind draußen herum gestreucht so mit drei vier gleichaltrigen Kumpels.
- 4:57Speaker 0: Ab und zu hörten wir Tor!
- 5:00Speaker 0: Ja aber wer?
- 5:01Speaker 0: Und wer für
- 5:02Speaker 0: wen?!
- 5:03Speaker 0: Das hat uns überhaupt nicht interessiert.
- 5:06Speaker 0: um es zusammenzufassen... Fußball ging wir am Arsch vorbei, mindestens bis zu diesem vierundzwanzigsten Februar.
- 5:16Speaker 0: Und da hat der Zufall zugeschlagen!
- 5:19Speaker 0: Das
- 5:19Speaker 1: Erlebnis was Sie gerade beschreiben das Wunder von Bern.
- 5:21Speaker 1: war das so der erste Moment wo man wieder ein bisschen stolz auf das eigene Land sein durfte oder wie?
- 5:27Speaker 1: Ja
- 5:27Speaker 0: also ich nicht aber viele Deutsche natürlich.
- 5:30Speaker 0: es war ja so Wir waren ja total am Boden Deutschland war ja wie gesagt weg Platte auf Deutsch gesagt.
- 5:39Speaker 0: Und dann kam dieser Erfolg natürlich unerwartet mit Herr Berger und plötzlich war man wieder etwas geachtet unter den Ländern, so ist das halt was so ein Erfolg ausmachen kann.
- 5:55Speaker 0: im Fußball haben wir jetzt ja auch wieder gesehen mit Rudi Der große Held, der alles gemacht hat.
- 6:05Speaker 0: Und jetzt will er aber nicht mehr weitermachen.
- 6:08Speaker 0: Damals war das kein Thema natürlich.
- 6:11Speaker 0: Musste Herberger weiter machen mit nach diesem Triumph und deshalb ist ja auch der große Herberger geworden.
- 6:18Speaker 1: Wie lange hat es denn eigentlich gedauert, bis dann wirklich ihr Herz so ein bisschen für den Fußball angefangen hat zu schlagen?
- 6:24Speaker 1: Das
- 6:24Speaker 0: hat unheimlich lange gedaubert.
- 6:27Speaker 0: Ich weiß es gar nicht ob es jemals nur für Fußball geschlagen hat.
- 6:31Speaker 0: ich hatte ein paar schöne andere Dinge im Leben für die meine Herz dann auch geschlagen und Tennis zum Beispiel ja ganz intensiv und das hat sehr sehr lange gedauert muss ich ehrlich sagen Ja, wie gesagt.
- 6:48Speaker 0: Wie soll das denn passieren?
- 6:50Speaker 0: Natürlich in meinem Alter als man so kröte war.
- 6:55Speaker 0: damals wurden die Kinder nicht als Kinder bezeichnet sondern als Blagen oder Kröten und natürlich wurde da Fußball gezockt und zwar immer wieder also auf der Straße.
- 7:08Speaker 0: es war ja nur ein Mensch der ein Auto hatte im ganzen Stadtteil.
- 7:12Speaker 0: Das war der Milchbauer.
- 7:13Speaker 0: Da hatte so ein kleines Dreirad hinten drauf einen Kanister aus Aluminium, da war Milch drin.
- 7:21Speaker 0: Und zweimal am Tag fuhr der die Straßen ab und alle dreihundert Meter hielt er an und bimmelte mit einer Glocke!
- 7:28Speaker 0: Dann kamen die Frauen runter und holten Milch – und wenn der weg war wurde wieder gepölt.
- 7:35Speaker 0: Nicht Fußball gespielt, es wurde gepölt….
- 7:38Speaker 0: Es wurden Tunnister auf die Straße gelegt... Die symbolisierten die Torpfosten.
- 7:44Speaker 0: Ja, und dann hatten wir zwei... ...die es am besten konnten.
- 7:50Speaker 0: Das war der eine hieß Navrat und der andere Limbach.
- 7:54Speaker 0: Und die wählten da genau wie bei so Wortmann ein Fuß von dem anderen.
- 7:58Speaker 0: Ich nehm den Mann nie!
- 7:59Speaker 0: Der nehm ich den Kalle.
- 8:01Speaker 0: Und so ging das bis am Ende nur noch einer übrig war.
- 8:04Speaker 0: Da war ich.
- 8:06Speaker 0: Ich war ein relativ guter Läufer aber das Problem bei mir nur war Der Ball wollte mir nie folgen und deshalb musste ich immer hinterm Tor stehen und die Bälle wiederholen, die vorbeigeflogen waren.
- 8:19Speaker 0: Wie sollte sich bei einer solchen Sozialisation eine Liebe zum Fußball entwickeln?
- 8:27Speaker 0: Das war im Grunde gar nicht möglich.
- 8:29Speaker 0: auf jeden Fall hat es verdammt lange lange lange gedauert.
- 8:33Speaker 0: Jetzt
- 8:33Speaker 1: hat es ja auch wahrscheinlich eine Zeit gedauert, bis Sie überhaupt das Wissen alles drauf hatten was sie wissen mussten oder um dann auch Ihren Job als Stadionsprecher quasi überzeugen lassen haben das regelmäßiger zu machen.
- 8:48Speaker 1: Ich
- 8:48Speaker 0: konnte mich gar nicht wehren.
- 8:49Speaker 0: also es war ein Mensch der mit dem ich privat befreundet war und rein jobmäßig war er mein Chef auf der Rennbahn diesen tag, der februar und da war dieser brand auf der rennbahn.
- 9:10Speaker 0: normalerweise wäre das mein job gewesen sollten rennen stattfinden Und ich kam dahin.
- 9:15Speaker 0: dann sag ich schon von weitem die Feuerwehr und Hans Schneider so hieß der Der kam mir gleich entgegen um die rennen musste sich heute gar nicht kümmern.
- 9:23Speaker 0: wir wissen gar nicht ob wir hier veranstalten können.
- 9:26Speaker 0: Wir haben einen brand hier auf der trebühne.
- 9:29Speaker 0: du musst heute ganz was anderes machen ja was denn?
- 9:32Speaker 0: Ja, du musst mich auf Schalke vertreten.
- 9:34Speaker 0: Hans Schneider war ein erklärter Fußball-Fan und in dieser Eigenschaft war er auch Stadionssprecher beim FC Schalcke.
- 9:43Speaker 0: Das war er geworden als der uralte Sprecher aus den Zeiten von Cepernum Kuzora – sind ja noch so Namen!
- 9:54Speaker 0: Große Geschichte, ne?
- 9:56Speaker 0: Deutsche Fußball.
- 9:57Speaker 0: Die haben bis nineteenhundertfünfundvierzig Sechs deutsche Meisterschaften gewommen und die haben den Schalker Kreisel erfunden.
- 10:05Speaker 0: Vorne mit fünf Reihe, ja wenn man sieht das mal heute vorstellt vorne mit fünf Reihen da würden Tore fallen aber auch bei allen Seiten.
- 10:15Speaker 0: das wäre dann quasi ein Handballspiel mit Füßen.
- 10:19Speaker 0: Ja und ich habe gesagt Hans hat geht gar nicht.
- 10:23Speaker 0: Ich hab der noch nie im Leben einen Fußballspiel gesehen Rät nicht, musst du machen?
- 10:27Speaker 0: Er hat schon eine Taxi bestellt.
- 10:29Speaker 0: Ich konnte mich gar nicht wehren.
- 10:31Speaker 0: Er hat mich auf die Hinterbange schoben und dann ging es mit Volldampf in die alte Schalka Arena und er rief da noch hinterher.
- 10:42Speaker 0: Dann gehst Du zu Oscar Siebert, Oscar genannt.
- 10:46Speaker 0: Normalerweise Günther Siebert aber er wurde nur Oscar genannt und der wird dir alles erklären.
- 10:52Speaker 0: ja Also ich hatte weiche Knie und die Hose voller Angst, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte was mich da erwarten würde.
- 11:00Speaker 1: Und eigentlich hatten sie dann auch so ein zwei Erlebnisse wo Sie dann gesagt haben okay einmal und nie wieder und ich mach das nie wieder richtig?
- 11:07Speaker 1: Ja
- 11:07Speaker 0: ja das war dann zum Beispiel... Wenn Sie dann
- 11:09Speaker 1: mit von Staatnummern gesprochen haben zum Beispiel.
- 11:10Speaker 0: Im Grunde genommen war das unvermeidlich.
- 11:12Speaker 0: ne es waren dreißigtausend Menschen an dem Tag auf Schalke und der Siebert er hatte ganz andere Sorgen im Kopf.
- 11:20Speaker 0: Ich habe ihn dann angesprochen, ich habe ihn noch nie gesehen vorher.
- 11:25Speaker 0: Ja Herr Siebert schuldigen sie also der Schneider schickt mich heute hier her als sein Vertreter aber ich habe noch nie im Bundesligaspiel gesehen und sie würden mir alles erklären.
- 11:37Speaker 0: da guckte er sehr enttäuscht so an mir rauf und runter.
- 11:42Speaker 0: Und sagt die junge Mann, ich habe doch ganz andere Probleme im Kopf.
- 11:45Speaker 0: Gehen Sie mal da in das Marathon-Töchen und fragen sie danach?
- 11:48Speaker 0: Ja!
- 11:49Speaker 0: Eine Woche später wusste ich was der für Sorgen hatte.
- 11:53Speaker 0: Muss man mal dran erinnern.
- 11:56Speaker 0: In den ersten großen Bundesliga-Skandalen gab es einen Spiel verschoben in Bielefeld.
- 12:02Speaker 0: Die erste Mannschaft war komplett gesperrt.
- 12:05Speaker 0: Fischer dieser wunderbare Mittelstürmer, Abi der Flanken Gott.
- 12:10Speaker 0: Rolf Rüßmann, Klaus Fichtel, Lütke Bohmert und wie die alle hießen für mich alles böhmische Dörfer.
- 12:20Speaker 0: aber die durften nicht spielen und die Schalker mussten dann halt eben im Grunde mit einer Amateur-Mannschaft antreten.
- 12:28Speaker 0: gegen den Abstieg in der Bundesliga.
- 12:32Speaker 0: ja und irgendwann kamen diese dreißigtausend Menschen alle auf ihre Plätze.
- 12:39Speaker 0: Und für mich wurde es immer enger, ich saß da im Grunde wie in einem Kanicelstall und dann kam, das war vielleicht zwanzig nach drei ein junger Hüpfer die Feuerleiter hoch.
- 12:50Speaker 0: der hat den Zettel in der Hand.
- 12:52Speaker 0: Das waren die Mannschaftsaufstellungen.
- 12:54Speaker 0: Der suchte jetzt den Sprecher.
- 12:56Speaker 0: ja den fand er nicht!
- 12:57Speaker 0: Ja wer macht das denn heute?
- 12:58Speaker 0: Ja ich, da gab mir den Zettle und ich bin heute noch ziemlich sicher Was ich da gelesen habe, das hätte jedem richtigen Fußballfreund Glanz in die Augen gespült.
- 13:12Speaker 0: Sepp Meyer Georg Schwarzenbeck Franz Beckenbauer der mir am Arsch vorbei ging Den Namen hatte ich mal in einer Zeitung gelesen aber für mich völlig ohne Bedeutung Uli Hoeneß Paul Breitner und der große Gerd Müller nicht wahr?
- 13:31Speaker 0: Der wunderbare Gerd, der wunderbare Torjäger.
- 13:36Speaker 0: Die spielten an diesem Tag in der Arena auf Schalke gegen eine B-Mannschaft und ich glaube allen Leuten war klar die Bayern würden über diese Schalker hinwegwägen.
- 13:51Speaker 0: so dann habe ich angefangen.
- 13:54Speaker 0: ich habe kein Kommando bekommen.
- 13:55Speaker 0: ich hatte nur plötzlich das Gefühl ich muss jetzt was sagen weil um halb vier sollte es ja losgehen.
- 14:02Speaker 0: Guten Tag meine sehr verehrten Damen und Herren, da ging ein Raunen durch die Reihen.
- 14:07Speaker 0: Ich spürte förmlich die Blicke.
- 14:10Speaker 0: Meine sehr verehren Damen und Herr hatte auf Schalke noch nie einer gesagt.
- 14:16Speaker 0: Das war noch sehr angenehm aber dann hat mich sozusagen mein Unwissen eingeholt.
- 14:24Speaker 0: Ich habe dann angefangen mit Schalkel.
- 14:26Speaker 0: das macht man ja nicht als Sternensprechung am Beginn immer mit der Gastmannschaft wenn man vorstellt Nein, ich war dann plötzlich so aufgemischt durch diese bewundernenden Blicke von den Seiten.
- 14:41Speaker 0: Dann habe ich gesagt hier nun liebe Schalkerfreunde für Sie die Aufstellung der Schalkermannschaft mit der Startnummer eins Norbert Niegburr ja und dann hat es mich getroffen wie ein Blitz.
- 14:55Speaker 0: dreißigtausend Menschen haben höhnisch gelacht und dieses Lachen hat mich getroffen wie ein Schuss mit dem Schweinebolzen zwischen die Hörner weil ich, weil ich mich gewundert habe.
- 15:11Speaker 0: Es hat mich verletzt.
- 15:13Speaker 0: warum lachen sie denn jetzt?
- 15:15Speaker 0: Die haben mich doch eben noch bewundert.
- 15:17Speaker 0: ja die mussten lachen weil man ja weiß Fußballer haben nur Nummern Pferde haben Start Aber niemand von den dreißigtausend wusste, dass ich vom Pferderemann kam.
- 15:33Speaker 0: Das wusste keiner!
- 15:34Speaker 0: Also für mich war in dem Moment schon klar heute bin ich hier um den Handschneider zu vertreten aber nie mehr wieder.
- 15:43Speaker 0: Niemehr wieder.
- 15:44Speaker 0: das war so... Ich war so verletzt.
- 15:46Speaker 0: ja und dann ist es passiert.
- 15:49Speaker 0: die Bayern gingen in Führung mit ein zu null aber sehr spät glaube es war so.
- 15:54Speaker 0: zweifünfzigste Minute Uli Hoeneß brachte die Bayern in Führung und dann ist ein kleines Wunder passiert, das war aber wie ich glaube.
- 16:04Speaker 0: Wie ich heute immer noch glaube für mein Lebensverlauf ein wichtiges Wunder.
- 16:10Speaker 0: Ich glaube es war so in der vierundachtzigsten Minute da hatten die Schalker einen Spieler.
- 16:15Speaker 0: Der ist mir nie wieder untergekommen Peter Ehmke hieß der Und er bekam den Kopf dem Ball an den Kopf.
- 16:23Speaker 0: Es war der Hinterkopf.
- 16:25Speaker 0: Ja, ich glaube bestimmt es war Zufall und von da aus nahm der Ball so eine komische Kurve das auch Sepp Maier nichts mehr halten konnte.
- 16:35Speaker 0: Drinn das Ding!
- 16:36Speaker 0: Entstand einst zu eins.
- 16:39Speaker 0: Dann habe ich die Leute noch verabschiedet.
- 16:41Speaker 0: meine sehr verehrten Damen und Herren.
- 16:43Speaker 0: Ich wünsche Ihnen jetzt noch einen angenehmen Heimweg, ein erholsames Wochenende und dann bis zum nächsten Mal aber ohne mich, ohne mich hab' ich gedacht.
- 16:52Speaker 0: Dann bin ich runter über die Feuerleiter unten in das kleine Marathon Türchen.
- 16:57Speaker 0: Genau in dem Moment kommt Günther Siebert aus der Schalker Spielerkabine, er war euphorisiert weil natürlich dieses Eins zu Eins.
- 17:07Speaker 0: dieser Punkt war ein Punkt gegen den Abstieg, den man ja befürchten musste und also er war richtig aufgeladen und er war schon drei vier Meter an mir vorbei.
- 17:20Speaker 0: plötzlich bleibt er stehen dreht sich um auf dem Absatz und sagt, sagen sie mal haben Sie nicht heute hier gesprochen?
- 17:28Speaker 0: Ja.
- 17:29Speaker 0: Das haben Sie aber nett gemacht!
- 17:31Speaker 0: Wo uns das nicht immer machen, ich sage Herr Siebert hat es ausgeschlossen.
- 17:34Speaker 0: Sie haben ja den Schneider, das kommt für mich gar nicht infrage.
- 17:37Speaker 0: auch der Schneider.
- 17:38Speaker 0: Der kann gar nicht richtig sprechen.
- 17:39Speaker 0: da ist bloß so ein Fußball-Fan.
- 17:42Speaker 0: Der kriegt vor mir jetzt eine Jahreskarte dann ist er immer dabei und sie machen das.
- 17:46Speaker 0: nein!
- 17:47Speaker 0: Siebert ist ausgeslossen.
- 17:49Speaker 0: Dann hat er etwas gesagt.
- 17:52Speaker 0: Ja, da konnte ich mich nicht mehr verteidigen.
- 17:54Speaker 0: Doch, sagt er sie machen das – Sie kriegen auch Honorar!
- 17:59Speaker 0: Ich war wieder Student, Politik, Soziologie in Bochum….
- 18:03Speaker 0: ja was willst du gegen Honorar machen?
- 18:07Speaker 0: Da hast du kein Argument mehr.
- 18:08Speaker 0: Ich habe dann nur noch gesagt Herr Siebert wenn Sie mit dem Schneider reden und der ist vielleicht einverstanden.
- 18:14Speaker 0: Ich mache das schon, Sie hören von mir.
- 18:16Speaker 0: Am nächsten Tag traf' ich den Handschneider, Im wahrsten Sinne des Wortes vor Erleichterung um den Hals gefallen.
- 18:26Speaker 0: Beste Lösung die man sich überhaupt denken kann quasi und kannst du ja viel besser als ich, Ich bin jetzt immer dabei ich habe eine tolle Jahreskarte Du machst das Und so machte ich das insgesamt dann fünf Jahre lang und was ja noch wichtig ist Die sind nicht abgestiegen.
- 18:46Speaker 0: wir haben es geschafft sind drin geblieben und dann im Sommer am vierten August war die Eröffnung des neuen Parkstadions.
- 18:56Speaker 0: Ja, Gelsenkirchen und Dortmund waren ja beide WM-Städte.
- 19:02Speaker 0: Und der Umzug in das neue Stadion war natürlich schon was Besonderes.
- 19:10Speaker 0: Große Sprecherkabine, neueste Technik usw.
- 19:14Speaker 0: Das war eine ganz andere Welt – so kam ich dahin!
- 19:17Speaker 1: Und dann kam irgendjemand mit einer Visitenkarte bei Ihnen
- 19:20Speaker 0: vorbei,
- 19:21Speaker 1: die nochmal ihr Leben verändert hat.
- 19:22Speaker 1: Das
- 19:22Speaker 0: hat auch noch wieder fünf Jahre gedauert ne?
- 19:25Speaker 0: Da war ein Renntag in Gelsenkirchen und plötzlich schrie einer, mein Gott wir kriegen heute tollen Besuch!
- 19:32Speaker 0: Ja wer kommt
- 19:33Speaker 0: denn?!
- 19:33Speaker 0: Der große Kurt Brumme der Sportchef des westdeutschen Rundfunks – mit der ganzen Redaktion ach du lieber Gott was... brach dafür eine Hektik raus.
- 19:46Speaker 0: Die Busfrauen wurden in die Keller geschickt und mussten jeden Zepfel fetzen an rotem Teppich, den sie finden konnten.
- 19:53Speaker 0: Mussten Sie raufholen?
- 19:54Speaker 0: Und dann wurde das aufgebügelt?
- 19:57Speaker 0: Ja!
- 19:57Speaker 0: Dann war es soweit, ne?
- 20:00Speaker 0: Kurz vor sechs kam sie an aus Köln, Kurt Brummel – stattliche Figur der Druck immer so auftragende Trenchcodes, vorne auf und alle hinter ihm her.
- 20:13Speaker 0: Die Sekretärin, die Kollegen Redakteure Eddie Körper, Dietmar Schott und wie die alle hießen.
- 20:20Speaker 0: Ja!
- 20:20Speaker 0: Und er wurde natürlich überall rumgeführt, kriegte auf Deutsch gesagt Puderzucker in den Hintern geblasen und irgendwann stand der da auf dem höchsten Punkt der Tribüne wo ich saß und die Rennen kommentierte.
- 20:39Speaker 0: zu mir, sagen sie mal wie machen Sie das eigentlich?
- 20:42Speaker 0: Sie haben ja nicht mehr ein Fernklass.
- 20:43Speaker 0: Wie kennen Sie denn die Pferde da hinten in der Kurve?
- 20:47Speaker 0: Ja da habe ich glaube ich, ich hab meine ich einen Scherz gemacht habe ich gesagt Herr Brumme meistens rate ich und dann sagt er erzählen Sie mal keinen Blödsinn!
- 20:55Speaker 0: Ich komme gleich nochmal wieder.
- 20:57Speaker 0: Habe ich schon eine Pause zwischen zwei Rennen?
- 20:59Speaker 0: Ja, da stand er wieder hinter mir.
- 21:01Speaker 0: ich glaube Das Gefühl sagt mir jetzt so ungefähr aus dem Augenwinkel habe ich ihn gesehen Mit so einer leicht nach hinten geborgenen Körperhaltung, etwas zynisches Lächeln im Gesicht.
- 21:16Speaker 0: It's the same procedure.
- 21:19Speaker 0: Pferde im Ziel?
- 21:21Speaker 0: Dann sagt er, ich muss dir mal was sagen!
- 21:24Speaker 0: Ich habe mich jetzt in der halben Stunde eine Pause über sie ein bisschen erkundigt.
- 21:29Speaker 0: Die sind auch Sprecher auf Schalke seit fünf Jahren.
- 21:33Speaker 0: Ja, sagt er.
- 21:34Speaker 0: Da haben Sie doch... Haben Sie doch sicherlich ein bisschen Ahnung vom Fußball?
- 21:39Speaker 0: Naja, vielleicht ein bisschen.
- 21:41Speaker 0: Ja, da holt er sein Kopf dein Portemonnaie raus, zückt eine Visitenkarte und legt die Sohn neben mich auf den Tisch und sagt ich gebe Ihnen mal einen guten Rat.
- 21:51Speaker 0: das mache ich nicht so oft!
- 21:54Speaker 0: Sie haben eine fantastische Stimme.
- 21:56Speaker 0: sie sollten sich bei mir bewerben.
- 21:58Speaker 0: Ich kann sie gebrauchen, ich kann sie Gebrauchen.
- 22:02Speaker 0: Ich hatte Sechsundsebzig Mein Diplom an der Uni im Buchen gemacht, Politik und Soziologie mit einem Einsapp-Predikat.
- 22:13Speaker 0: Da habe ich überall beworben – ARD, ZDF, Süddeutsche Zeitung.
- 22:19Speaker 0: Frankfurter kriegte auch schöne Antworten.
- 22:22Speaker 0: Sehr gefällige Bewerbung!
- 22:24Speaker 0: Im Moment leider keine Stelle.
- 22:26Speaker 0: wir legen sie auf Halde.
- 22:28Speaker 0: da liege ich bis heute noch.
- 22:29Speaker 0: Und dann kommt der Brummer und sagt Ich kann sich gebrauchen.
- 22:32Speaker 0: ganz andere Ausgangslage.
- 22:35Speaker 0: Diese Visitenkarte habe ich vierzehnt Tage lang immer wieder in meine Hand genommen und hatte das Gefühl, ne Rundfunk.
- 22:46Speaker 0: Das ist ja etwas überirdisches!
- 22:49Speaker 0: Das schaffst du nie!
- 22:51Speaker 0: Aber nach drei Wochen war meine Neugier größer als meiner Angst.
- 22:55Speaker 0: Ich hab den Brumme geschrieben und was bis dahin wo ganz selten passiert war am vierten November, september, war ich zum ersten mal Auf dem Sender.
- 23:06Speaker 0: Es war ein zweitlicher Spiel, Prussia Münster gegen Bayer Nullvier Leverkusen Das Jahr in dem Leverkussen dann in die Bundesliga aufgestiegen ist.
- 23:16Speaker 0: Ja es war... ...es war ein unglaublich tragischer Moment für mich.
- 23:26Speaker 0: Was man in so einem Moment braucht das sind ja einfache Spielzüge.
- 23:30Speaker 0: Ein schöner Abschlag auf die Rechte Außenbarn, herrlich!
- 23:34Speaker 0: Den Ball mit der Brust angenommen und dann gleich runtergeleitet in den Lauf.
- 23:40Speaker 0: Und jetzt vielleicht noch ein Dribbling?
- 23:42Speaker 0: Jaa!
- 23:42Speaker 0: Und die Flanke müsste jetzt kommen, denn in der Mitte da lauert der Milchstürmer.
- 23:47Speaker 0: Kopfball drin oder nicht ist schon gar nicht mehr so wichtig aber so etwas braucht man doch.
- 23:54Speaker 0: Ich habe nichts davon gesehen nur Spieler die sich an die Wäsche gingen ständige Rudelbildung.
- 24:01Speaker 0: In diesem Spiel ist kein Tor gefall, aber es gab vier rote Karten.
- 24:06Speaker 0: Das hatte bis dahin im deutschen Fußball einmal erst gegeben und zwar in Kaiserslautern – und das bei meinem Debüt!
- 24:16Speaker 0: Ich war durchgeschwitzt von hier oben bis in die Zehen.
- 24:19Speaker 0: Bin runtergelaufen von der Tribüne, der Toningenieur hat mich gerade noch gesehen.
- 24:24Speaker 0: Hans-Fert ist denn mit Ihnen?
- 24:25Speaker 0: Da sprengen Sie mir gar nicht an.
- 24:27Speaker 0: Ich muss sofort nach Hause in die Pfanne.
- 24:29Speaker 0: Wir sehen uns sowieso nicht
- 24:30Speaker 0: mehr.".
- 24:31Speaker 0: Und ich habe nicht geschlafen an dem Wochenende.
- 24:33Speaker 0: Ja klar, weil ich wusste am Montag ruft der große Brummer an!
- 24:37Speaker 0: Der Reef auch an!
- 24:38Speaker 0: Ach das war ja schlimmer mit den ständigen Rudels und die dauernde Unterbrechung... Mein Gott!
- 24:45Speaker 0: Das waren noch nicht in Ordnung.
- 24:46Speaker 0: hier müssen sie nochmal und das und ich denke um Gottes für gleichwetter sagen wir haben es mal versucht aber es hat nicht gereicht.
- 24:56Speaker 0: nein das sagt er nicht sondern dann fahren sie nächste Woche mal nach Uerdingen.
- 25:03Speaker 0: Da spielt ja Schalke Nullvier, da kennen Sie sich ein bisschen besser aus!
- 25:08Speaker 0: Das war wie eine Neugeburt für mich denn daraus sind vierzehn wunderbare Hörfunkjahre geworden.
- 25:17Speaker 0: das war für mich sozusagen eine wirklich grundlegende Veränderung meines damaligen Lebens.
- 25:29Speaker 0: So ist es gewesen.
- 25:31Speaker 1: Wann haben Sie eigentlich selbst bemerkt, dass Ihre Stimme wirklich irgendwie was Besonderes, was man kannte, einen Wiedererkennungswert hat?
- 25:40Speaker 1: Also
- 25:40Speaker 0: das habe ich selbst nie so gemerkt.
- 25:42Speaker 0: Es ist mir immer wieder gesagt worden von verschiedenen Menschen – Das ist so!
- 25:48Speaker 0: Ich hatte das große Glück um ehrlich zu sein damals in meiner Zeit als Rennbandsprecher.
- 25:53Speaker 0: da konnte ich mich selbst entwickeln.
- 25:56Speaker 0: Niemand hat mir da Vorwürfe gemacht.
- 25:58Speaker 0: Ich konnte selbst erfahren, wie ich Menschen erreiche über dieses Medium wenn man in einem Mikrofon sprach.
- 26:08Speaker 0: Nein?
- 26:09Speaker 0: Das ist ein schönes Gefühl!
- 26:10Speaker 0: Wenn du das Gefühl hast, ich komme jetzt durch.
- 26:14Speaker 0: Ich packe sie.
- 26:15Speaker 0: Das ist einfach fantastisch.
- 26:17Speaker 0: und ja...das Gefühl hat mir dann später auch sehr geholfen glaube ich.
- 26:23Speaker 0: und das is ebenso.
- 26:25Speaker 0: Beim Rundfunk ist es schon nicht ganz unwichtig, dass man eine ordentliche Stimme hat.
- 26:32Speaker 0: Ich sage immer heute noch ein Mensch der das nicht hat darf eigentlich nie in einem Mikrofon sprechen.
- 26:39Speaker 0: Es kommt aber immer wieder vor.
- 26:41Speaker 0: und die Stimme, die Sprache.
- 26:45Speaker 0: ja.
- 26:45Speaker 0: wenn einer da steht und hat nur das Mikrophone in der Hand und er guckt runter was da passiert auf diesem rühnen Rechteck Da muss er alles, was er geben kann.
- 26:59Speaker 0: Stimme, Sprache, Sprachwitz, Ironie im Grunde genommen Persönlichkeit!
- 27:07Speaker 0: Muss er dann reingeben in diese Reportage?
- 27:12Speaker 0: Und je mehr er das schafft umso bunter sind die Bilder, Die ihm Kopf des Hörers entstehen Denn der sieht ja nix Das Schlimme, was ein Fernsehreporter machen kann wenn er den Zuschauern noch erklärt.
- 27:32Speaker 0: Was sie ohnehin schon sehen das ist dann radio im fernsehen.
- 27:39Speaker 0: ja Ja gut so ist es gelaufen.
- 27:43Speaker 1: Wie geht es Ihnen eigentlich damit, wenn Sie auf den Fußball heute schauen wie sich Fußball auch entwickelt hat über all die Jahrzehnte hin zu einem sehr kommerzialisierten Geschäft?
- 27:55Speaker 1: Zu einem internationalen Zirkus in dem es um wahnsinnig viel Geld geht.
- 28:02Speaker 0: Ja gut dass wir schon mal Zirkuss gesagt haben das hätte ich sonst auch gesagt.
- 28:05Speaker 0: also für mich ist das abstoßend so sage ich ganz offen und wir sind ja längst noch nicht am Ende Das kommt erst noch.
- 28:16Speaker 0: Nächstes Jahr abwarten, was da alles passiert Saudi-Arabien und so weiter.
- 28:20Speaker 0: Da werden ja Summen sozusagen durch die Luft geschleudert.
- 28:26Speaker 0: Die sind ja unvorstellbar aber die machen das aus politischen Gründen um sozusagen das eigene Staatsgebilde nach vorne zu bringen.
- 28:36Speaker 0: Und diesem Geld werden viele europäische Fußballer Auch weiterhin erliegen.
- 28:44Speaker 0: Ich mache denen keinen Vorwurf, dem einzelnen Spieler mache ich kein Vorwurf!
- 28:48Speaker 0: Ich würde auch die Millionen nehmen wenn sie mir einer bieten würden.
- 28:52Speaker 0: Das sage ich ganz offen.
- 28:54Speaker 0: das System ist so kaputt und keiner tut etwas dagegen.
- 28:59Speaker 0: Nein nein, ich habe einen großen Abstand von diesem ganzen kommerziellen Zirkus.
- 29:03Speaker 0: Ich sag es nochmal und nee, ich brauche das nicht mehr
- 29:08Speaker 1: wo wir gerade schon über Geld reden.
- 29:09Speaker 1: Sie haben dann auch ganz gut verdient in ihrer Zeit und sie beschreiben, haben es selbst so beschrieben, dass sie hatten gut gefüllte Konten und sind dann irgendwann in die Versuchung gekommen als sie ihr Postfach glaube ich gelehrt haben und an einer Wettbude sozusagen vorbeigekommen sind.
- 29:31Speaker 1: Ja
- 29:32Speaker 0: also sehr spät hat mich das erwischt.
- 29:37Speaker 0: Ganz entscheidender Moment in meinem Leben war das Jahr zwei tausend drei.
- 29:43Speaker 0: Die Bundesliga-Rechte gingen von Rann seit eins Fußball.
- 29:49Speaker 0: Elf Jahre hatten wir sie, ich war Chefkommentator ging zurück an die öffentlich rechtlichen und dann zu gab es das Gerücht Kirchispleite.
- 29:59Speaker 0: hast du schon gehört?
- 30:00Speaker 0: Kirch ist pleite Ja, Menschenskind!
- 30:05Speaker 0: Das konnte man sich ja gar nicht vorstellen.
- 30:06Speaker 0: Aber es war dann so und wir hatten eine große Konferenz in München.
- 30:12Speaker 0: Da waren bestimmt zweihundertfünfzig vielleicht waren es auch dreihundert Kollegen Und unser Programmdirektor Michael Leon saß auf einer Bühne und versuchte den Kollegen die da saßen mit gesenkten Köpfen Die Situation zu erklären dass das nicht nur ein Gerücht war sondern Tatsache.
- 30:32Speaker 0: Kurz danach war es ja so weit und dann guckte der über die Köpfe rüber und sah mich, ich saß hinten an einer Wand.
- 30:41Speaker 0: Und dann sagt er plötzlich du hast ja Glück!
- 30:45Speaker 0: Ich denke was meint er denn?
- 30:47Speaker 0: Wieso hab' ich
- 30:48Speaker 0: Glück?!
- 30:49Speaker 0: Ja, ja!
- 30:50Speaker 0: Du gehst doch im August in Pension!
- 30:54Speaker 0: Ich geh'n kann Pension... Das war für mich unbegreiflich.
- 31:00Speaker 0: dass das was ich doch eine Erhebliche Zahl von Jahren mit gesteigertem Freude gemacht habe, das was auf einem grünen Rechteck unter dem Begriff Fußball abläuft.
- 31:24Speaker 0: Dass das Schluss war nur weil ich fünfundsechzig wurde.
- 31:30Speaker 0: Das konnte ich in dem Moment nicht glauben!
- 31:32Speaker 0: Ich hab mich lächerlich gemacht vor den Kollegen.
- 31:34Speaker 0: Ich hab denen widersprochen.
- 31:36Speaker 0: Das glaub' ich nicht.
- 31:38Speaker 0: Ja ja... Und als ich abends nach Hause kam, dann habe ich den Vertrag gesucht und gefunden.
- 31:45Speaker 0: Und dann hatte ich es schwarz auf weiß.
- 31:47Speaker 0: das ist eben so mit fünfundsechzig Enden solche Festanstellungsverträge So und sie haben schon richtig beschrieben Ich hatte immer sehr gut verdient.
- 31:58Speaker 0: Ich hatte eine Menge Geld und plötzlich auch eine Menge Zeit so und das ist eine Verbindung die Auf jeden Fall, alle Chancen hat auch in die Hose zu gehen.
- 32:12Speaker 0: Und das war bei mir der Fall!
- 32:15Speaker 0: Ja und deshalb sage ich heute immer aufpassen Menschen Wenn der Zeitpunkt kommt.
- 32:26Speaker 0: Ich denke immer an diesen vorbildlichen Buchhalter Der macht vierzig Jahre lang einen tollen Job Hat kaum einen Tag gefehlt Alle seine Bilanzen Stimmten immer bis auf den Fennig Und dann kommt der letzte Tag, an dem er noch ins Büro geht und dann ist Schluss.
- 32:47Speaker 0: Wenn dieser Mensch nicht darauf vorbereitet ist – das heißt, er hat keinen Sinn, keinen Inhalt, der ihm dann noch für die bevorstehende wahrscheinlich ja letzte Lebensphase Sinn vermittelt?
- 33:08Speaker 0: Dann gibt es diesen Menschen manchmal drei Jahre später schon gar nicht mehr, der liegt schon unter Gras.
- 33:14Speaker 0: Das ist bei mir nicht passiert sondern ich bin eben da in diese Schlucht reingefallen in dieses Spiel sucht.
- 33:22Speaker 0: das war ganz schlimm und es ging bei mir rasend schnell bin ich in die schlucht gefallen Ich bin auf Pferderen gestolpert und eigenartigerweise immer nur rennen in irland england Frankreich.
- 33:42Speaker 0: Irland, England, Frankreich, deutscherem Pferde habe ich mit dem Hintern nicht angeguckt.
- 33:48Speaker 0: da war mir sowieso immer klar da ist sowieso alles abgekatert.
- 33:53Speaker 0: ja da hab' ich kein Vertrauen.
- 33:55Speaker 0: aber Irland-England-Frankreich bin sehr schnell abgestürzt und das Ende war dann Gott verdammt ziemlich dramatisch.
- 34:04Speaker 1: Warum eigentlich?
- 34:05Speaker 1: ausgerechnet Pferde, also man könnte ja sagen sie haben dann so viel Fußball sich soviel mit Fußball beschäftigt da würde es doch eigentlich nahe liegen dass Sie Wetten auf Fußballspiele abschießen.
- 34:16Speaker 0: Würde naheliegen das hat mich nicht überhaupt nicht berührt.
- 34:20Speaker 0: ich habe natürlich Oliver Kahn gesehen.
- 34:23Speaker 0: der war damals testimonial bei einem großen Wettspiel Anbieter und Dann kam er immer in der Pause mit dem roten Telefon.
- 34:36Speaker 0: Jetzt nochmal nachfetten, Bono sichern und so weiter.
- 34:39Speaker 0: Da habe ich gelacht!
- 34:41Speaker 0: Ich hab ja Oliver Kahn auch in der aktiven Laufbahn erlebt wie er mit offenem Gebiss auf Heiko herrlich zulief usw.
- 34:49Speaker 0: In solches Szenen hatte ich noch... Und wenn er dann kam mit dem Roten Telefon habe ich immer gelacht.
- 34:54Speaker 0: Nee das hat mich überhaupt nicht angeturnt gar nicht Nein, nein.
- 34:57Speaker 0: Es waren die Pferde über die bin ich gestorbert
- 35:00Speaker 1: und haben dann wie es so läuft erst mal Glück gehabt mit einem ganz ganz kleinen Betrag.
- 35:04Speaker 1: Ich glaube es waren zwanzig Euro Die sie eingesetzt haben und dann auch ich glaub vierzig daraus gemacht haben.
- 35:11Speaker 0: das ist so dass macht der spielteufel zu der Der macht das so.
- 35:17Speaker 0: Sie haben erstmal dieses kleine erfolgserlebnis.
- 35:20Speaker 0: Dann fahren sie nach hause Und vierzehn tage später müssen wir wieder das fussfach leer machen in richtigen hausen.
- 35:27Speaker 0: Und dann kommt man da raus und denkt, das war doch schön.
- 35:31Speaker 0: Vor vierzehn Tagen war eine tolle Stimmung dahin im Buchladen
- 35:35Speaker 0: usw.,
- 35:37Speaker 0: ob ich da noch mal hingehe?
- 35:38Speaker 0: Der Gedanke war nicht zu Ende gedacht.
- 35:42Speaker 0: Da war ich schon unterwegs!
- 35:44Speaker 0: Die Tür des Ladens stand nicht auf wie beim ersten Mal.
- 35:49Speaker 0: Niemand hat von drinnen nach mir gerufen.
- 35:51Speaker 0: Nein!
- 35:52Speaker 0: Ich bin selber rein.
- 35:54Speaker 0: An dem Tag war Tote Hose.
- 35:56Speaker 0: da sassen Vielleicht drei, vier einzelne Menschen.
- 35:59Speaker 0: Die waren in ihrer Rennzeitung vertieft und so.
- 36:03Speaker 0: Da bin ich nach vorne an die Wand, da hingen so Zeitungen Englische, Französische mit den Ergebnissen der Pferde um mit den Leistungen usw.
- 36:12Speaker 0: Und dann sage ich auf einem Bildschirm plötzlich einen Schimmel schön über grünes Gras und das war ein Punchestown in Irland!
- 36:21Speaker 0: Da dachte ich oh, der geht aber toll.
- 36:23Speaker 0: daher denn werd' ich jetzt mal... Da bin ich selbst zum Schalter gegangen und hab gewettet.
- 36:28Speaker 0: Fünfzig Euro!
- 36:30Speaker 0: Ja, fast hat das gereicht.
- 36:32Speaker 0: Der wurde sonst ein Stück geschlagen.
- 36:33Speaker 0: zweiter.
- 36:36Speaker 0: Jetzt kannst du aber nicht nach Hause gehen.
- 36:38Speaker 0: Mit Zweiter ist ja nicht gut.
- 36:41Speaker 0: Jetzt musst du aber am Sieger wetten.
- 36:43Speaker 0: So fing alles an.
- 36:44Speaker 0: Das ging es bei mir rasend schnell.
- 36:49Speaker 0: Am Ende war meine Konten leer.
- 36:52Speaker 0: Dann fing ich an, mir Geld zu leihen von Bekannten, die ich hatte.
- 36:57Speaker 0: Das ist ebenso wer in der Branche gearbeitet hat.
- 37:00Speaker 0: Hat eine Menge guter Bekannter, will nicht sagen Freunde aber guter bekannter und die waren immer bereit mir alles Mögliche zu leihen.
- 37:10Speaker 0: das war nie ein Problem bis sich in den Postgasten ganz nach vorne angekommen war.
- 37:16Speaker 0: da war nicht mehr viele übrig die ich dann noch sozusagen beleihen konnte oder so.
- 37:25Speaker 0: Das hat dann nicht mehr funktioniert.
- 37:27Speaker 0: Mittlerweile wurde ich ja schon durchgereicht, ne?
- 37:31Speaker 0: Hatte Hansch dich auch angerufen... Ja was hatte der denn?
- 37:33Speaker 0: Der hatte einen Unfall!
- 37:35Speaker 0: Der wollte aber ohne Polizei und dann brauchte er ein bisschen Geld.
- 37:39Speaker 0: Ich habe ihm etwas geliehen.
- 37:41Speaker 0: Ja, der hat mich auch angerofen und war was mit dem Finanzamt.
- 37:44Speaker 0: also es wurde immer enger.
- 37:47Speaker 0: Und so war das und am Ende war ich ganz, ganz durch.
- 37:53Speaker 0: Ungefähr
- 37:53Speaker 1: ein bisschen über eine halbe Million haben Sie verloren?
- 37:56Speaker 0: Ja, ja.
- 37:57Speaker 0: Also ich habe es nicht mehr ganz genau zusammengezählt also aber Es wird deutlich mehr als einer halben million gewesen sein.
- 38:06Speaker 0: Ich hatte auch einen Haus gekauft Von um bis unten neu eingerichtet.
- 38:11Speaker 0: alles wunderbar Alles weg alles weg.
- 38:15Speaker 0: und das allerschlimmste ist allerdings ich hab über diese Krankheit auch meine Lebensgefährtin verloren.
- 38:23Speaker 0: Das schmerzt mich noch bis
- 38:26Speaker 0: heute.".
- 38:26Speaker 1: Wann kamen in dieser Moment der Erkenntnis, wo Sie festgestellt haben die Reden nicht?
- 38:30Speaker 1: Also man ist ja da erst in so einem Widerstand dass man sagt ne lasst mich mal machen ich weiß schon was ich tue und Ich habe kein Problem und ich hol das alles wieder zurück.
- 38:40Speaker 1: und sie haben immer gesagt sie kommen morgen Morgen gehe ich hin und morgen aber gewinne ich dann auch wirklich und dann hole ich mir alles Geld.
- 38:48Speaker 0: Das ist diese perverse Selbsttäuschung, die ist so typisch für diese Krankheit.
- 38:58Speaker 0: Ich habe einfach nur Pech gehabt aber ab morgen beginnt mein großer Rücklauf.
- 39:04Speaker 0: ich werde alles wiederholen was ich bis jetzt verloren habe.
- 39:09Speaker 0: So ein Wahnsinn das setzt sich so fest im Kopf und da glaub man dran dass es in der Tat so gewesen.
- 39:16Speaker 0: Das war ganz schlimm.
- 39:19Speaker 0: und wenn man raus will aus dieser Krankheit, da gibt es nur eine Möglichkeit.
- 39:28Speaker 0: Man muss sich seiner Krankheit bewusst werden.
- 39:31Speaker 0: Und das war bei mir leider etwas schmerzhaft weil ich im Sommer in einem relativ gut bekannten großen Fernsehformat mitgewirkt habe Promi Big Brasser Und ich wusste gleich, irgendwann kommt jetzt der Moment wo der große Bruder mich fragt.
- 39:55Speaker 0: Sag mir weshalb bist du hier?
- 39:58Speaker 0: Das war genauso und das war ein ganz schlimmer Moment für mich weil ich musste von einer Sekunde auf die andere entscheiden.
- 40:07Speaker 0: was sage ich dem jetzt?
- 40:10Speaker 0: Erzählte ihm jetzt irgendeine Schote wie ich sie vielen meiner Gläubiger erzählt hatte vorher?
- 40:16Speaker 0: Oder habe ich jetzt endlich den Mumm die Hose runter zu lassen bis auf die Sprunggelenke.
- 40:23Speaker 0: Es war so, als ob ich bei einem Leichtathletik-Wettbewerb mitgemacht hätte.
- 40:31Speaker 0: Stabhochsprung!
- 40:33Speaker 0: Du stehst da... du hast den Stab in der Hand.
- 40:37Speaker 0: Sechzig Meter Anlauf und dann musst du rennen und an den Moment abpassen.
- 40:43Speaker 0: Den Stab im Kasten setzen und dich dann hochwinden, um über die Latte zu kommen.
- 40:51Speaker 0: So hoch liegt... ...die Latte der Scham!
- 40:56Speaker 0: Der Scham?
- 40:58Speaker 0: Du schämst dich ja weil irgendwo spürst du ja.
- 41:02Speaker 0: Ja das ist in der Gesellschaft nicht gut angesehen wenn man spielsüchtig ist.
- 41:09Speaker 0: Das ist ja noch schlimmer als trink süchtig und drogensüchtig.
- 41:15Speaker 0: Nein, das willst du geheim halten.
- 41:17Speaker 0: Aber das war nicht mehr möglich.
- 41:20Speaker 0: Wir hatten an dieser in dieser zeit damals an jedem abend ungefähr anderthalb millionen zuschauer bei sat.
- 41:28Speaker 0: einst lief dass und ich wusste genau jetzt ist es raus und draußen an den fernsehern saßen Jetzt eine ganze menge leute die sich dann gewundert haben.
- 41:39Speaker 0: hättest du das von dem gesagt?
- 41:42Speaker 0: Der war schilsüchtig und der hat Leute angepumpt.
- 41:46Speaker 0: Hat die belogen?
- 41:48Speaker 0: Ja, furchtbar!
- 41:50Speaker 0: Das muss ich ertragen bis heute, bis heute.
- 41:53Speaker 0: Die leute haben recht was ich gemacht habe War absolut unter ihr.
- 41:58Speaker 0: die schnelleonte ja.
- 42:02Speaker 0: Es war aber trotzdem für mich ein großer wendepunkt in meinem leben.
- 42:07Speaker 0: da wars raus Und so Muss es sein Auch heute noch.
- 42:14Speaker 0: Ich kenne eine ganze Menge Menschen, die alle raus wollen aus der Spielsucht?
- 42:20Speaker 0: Das muss am Anfang stehen!
- 42:23Speaker 0: Du musst dich öffnen du musst die Hose runterlassen bis auf die Sprunggelenke.
- 42:30Speaker 0: wer das nicht schafft Schafft es nie.
- 42:33Speaker 1: Wie haben Sie sich gefühlt als sie offen darüber gesprochen haben?
- 42:37Speaker 1: direkt danach war das befreiend oder hatten sie Panik davor wie die Reaktionen sind?
- 42:43Speaker 1: Also
- 42:43Speaker 0: Panik hatte ich bestimmt nicht, es war schon eher ein Gefühl der Befreiung muss ich ganz ehrlich sagen.
- 42:51Speaker 0: Ich wusste nur da sitzen jetzt anderthalb Millionen Menschen die saßen da und da wars raus.
- 42:57Speaker 0: also ich fühlte mich schon erleichtert.
- 43:00Speaker 0: um ganz ehrlich zu sein das war schon so und als ich dann wieder raus war hat dann ein guter Freund der auch noch Rechtsanwalt war mich dann zu einem Therapeuten geführt.
- 43:15Speaker 0: Das war sehr gut und der hat gleich zu mir gesagt, Hansch sie müssen parallel zu unserer Therapie auf jeden Fall sich noch anmelden bei einer Selbsthilfegruppe und dort mitmachen.
- 43:34Speaker 0: Da ist es nämlich so.
- 43:36Speaker 0: du brauchst keine Schamgrenze zu beachten da treffst Du auch Menschen die genau dasselbe Problem haben Und da tauscht man sich aus.
- 43:46Speaker 0: Das hat mir sehr geholfen, muss ich ehrlich sagen.
- 43:49Speaker 0: und dann ist tatsächlich passiert durch diese Kombination der beiden Therapiearten habe ich sehr schnell meine Selbstkontrolle wieder zurückgewonnen.
- 44:03Speaker 0: Ich habe auch eine sinnvolle Aufgabe übernommen die heute für mich das ist was ich damals.
- 44:18Speaker 0: Ich bin auf der anderen Seite der Sucht und engagiere mich dafür, dass andere Menschen dieses Schicksal erspart bleiben.
- 44:37Speaker 0: Durch Zusammenarbeit noch mit einem Rechtsanwalt ist ja ein Start-up entstanden.
- 44:44Speaker 0: In meinem Alter bin ich also noch Gründer eines Startups, das ist ja wahnsinnig im Prinzip und die Aufgaben sind klar verteilt.
- 44:54Speaker 0: Der Anwalt übernimmt sozusagen den juristischen Teil der dazu machen ist.
- 45:01Speaker 0: man kann ja über zehn Jahre verlorene Spiel Verluste wieder zurückklagen.
- 45:10Speaker 0: Da ist er sehr erfolgreich und das nimmt ja keine Ende, also sehr viele Menschen stecken in diesem Schicksal drin und meine Aufgabe ist es da sich sozusagen um die Menschen zu kümmern.
- 45:26Speaker 0: Da sind zum Beispiel Menschen, die sich jetzt geoutet haben.
- 45:31Speaker 0: Das ist dann unvermeidlich gegenüber dem Anwalt und mir.
- 45:36Speaker 0: Aber trotzdem sind noch große Probleme da.
- 45:39Speaker 0: Da sind zwei zum Beispiel, die sind verheiratet, da sind kleine Kinder noch im Hintergrund aber die Ehefrauen, die wissen noch gar nichts davon.
- 45:49Speaker 0: das ist so tragisch.
- 45:51Speaker 0: und was wird dann passieren wenn die Frau das mütlich mitbekommt?
- 45:55Speaker 0: Der zitert jetzt schon wenn da plötzlich vom Oberlandesgericht ein Brief ankommt, das er den abfängt.
- 46:02Speaker 0: Nicht die Frau, dass sie ihn als Erste in die Finger bekommt.
- 46:06Speaker 0: Das ist schon alles nicht so einfach.
- 46:08Speaker 0: aber mir macht es eine große Freude diesen Menschen zu helfen und das ist jetzt eben sozusagen ... Wenn Sie so wollen... Die erlösende Therapie oder die Aufgabe, die mich jetzt erfüllt Kann man ja so sagen, absolut letzten Lebensphase.
- 46:28Speaker 0: Hoffentlich bleiben wir noch ein paar Jahre mit dieser Aufgabe.
- 46:32Speaker 1: Zockerhelden heißt das Startup und Sie sind da wahnsinnig aktiv?
- 46:37Speaker 1: Wie sehr hilft es denn auch den Betroffenen, wie sie dann als Ansprechpartner oder in diesem Unternehmen zu haben der all das selbst durchgemacht
- 46:46Speaker 0: hat?
- 46:48Speaker 0: Also ich kann es nur aus meiner Erfahrung beurteilen.
- 46:51Speaker 0: Ich glaube dass es den Menschen wirklich hilft.
- 46:54Speaker 0: Da ist zum Beispiel einer, für mich war das wie ein Ritterschlag.
- 47:00Speaker 0: Der hat gesagt demnächst ist ja ein Termin beim Oberlandesgericht.
- 47:06Speaker 0: Würden Sie mich damit hin würden sie mich begleiten?
- 47:12Speaker 0: Aber ich habe ihm gesagt aber der Rechtsanwärts ist doch bei dir.
- 47:15Speaker 0: Ja aber ich würde mich viel wohler fühlen wenn sie mich auch begleitet würden.
- 47:20Speaker 0: Stell Dir mal vor!
- 47:22Speaker 0: Da hab ich gedacht, Junge du hast einen Vertrauen zu mir.
- 47:25Speaker 0: Natürlich komm' ich hin wenn dein Termin ist auf jeden Fall!
- 47:30Speaker 1: Wir haben denn eigentlich all die Bekannten reagiert, die damals auch durch ihr Bekenntnis in der Sendung dann auch erfahren haben was wirklich los war weil sie wie Sie sagten, Sie haben den ja alle möglichen Geschichten erzählt um Geld zu machen.
- 47:46Speaker 0: Also um es ganz klar zu sagen viele sind nicht mehr da Die sind mir abhandengekommen sozusagen.
- 47:56Speaker 0: Das ist auch nicht weiter schlimm, denn das waren nicht wirkliche echte Freunde.
- 48:02Speaker 0: Wenn dir da einer erzählt, ja hättest du mich gestern angerufen?
- 48:06Speaker 0: Da habe ich leider eine neue Küche gekauft und da hätte ich dir helfen können!
- 48:11Speaker 0: Nee, das war nicht die Wahrheit.
- 48:13Speaker 0: der wusste was mein Problem ist.
- 48:15Speaker 0: er hatte noch Nicht genug hinter in der Hose um es ganz deutlich zu sagen Das ist dann ein Freund, den brauche ich nicht mehr.
- 48:24Speaker 0: Ganz ehrlich!
- 48:26Speaker 1: Wie geht es Ihnen heute mit all der Historie?
- 48:32Speaker 1: Würden Sie heute sagen sie sind geheilt?
- 48:34Speaker 1: Sie bezeichnen uns auch selbst als Krankheit.
- 48:36Speaker 1: also sind Sie heute geheilt?
- 48:40Speaker 0: Ich weiß wie hoch das Risiko ist dass man wieder umfällt habe ich auch erlebt.
- 48:47Speaker 0: eine Menschen die mich auch den Weg geöffnet haben.
- 48:50Speaker 0: raus habe ihn gut vernetzt und ja, als ich dann mal nach einer kleinen Pause ihn wieder einmal angerufen habe.
- 49:00Speaker 0: Bist du spielfrei?
- 49:02Speaker 0: Da musste er mir leider gestehen dass er wieder umgefallen war.
- 49:06Speaker 0: Ja nein da bin ich in meinem Fall absolut sicher!
- 49:10Speaker 0: Ich habe einen doppelten Schutz.
- 49:12Speaker 0: erstens ist es meine Selbstkontrolle die ich wieder habe.
- 49:19Speaker 0: Das zweite ist, ich weiß ganz genau.
- 49:21Speaker 0: Würde ich heute jetzt noch mal so eine Wettbude betreten?
- 49:26Speaker 0: Da machen zwei Jungs mit ihrem Handy ein Foto von mir und schicken das an die Bild-Zeitung.
- 49:32Speaker 0: Und da werde ich sowas von an die Wand genagelt!
- 49:36Speaker 0: Dann kann ich mich nie mehr von erholt... dann kann ich mir gleich einen Strick nehmen und mich aufknüpfen.
- 49:43Speaker 0: Ehrlich gesagt.
- 49:43Speaker 0: Und deshalb bin ich mir so sicher.
- 49:48Speaker 1: Viel Glück in ihrem Start-up, dass sie das auch noch ganz lange und mit viel Elan weitertreiben können.
- 49:56Speaker 1: Und danke Ihnen sehr für das Gespräch!
- 49:58Speaker 0: Ich danke Ihnen für diese sehr zutreffenden Fragen.
- 50:01Speaker 0: Danke schön!
- 50:02Speaker 1: Das war es leider schon – die letzte Runde ist ausgetrunken, das Gesprächt zu Ende.
- 50:10Speaker 0: Vielen Dank fürs
- 50:11Speaker 1: Zuhören.
- 50:12Speaker 1: Bitten
- 50:13Speaker 0: im Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise
- 50:16Speaker 1: wenn du die
- 50:16Speaker 0: Bar verlässt Aber vergiss auf keinen Fall, den abonnieren Button
- 50:30Speaker 1: zu klicken.