Latest / BZ am Ohr / Ratten im OP, sterbende Kinder und kaum Hygiene: Was eine Gundelfingerin im Sudan erlebt hat
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- Kinder unter 1500 Gramm haben in Sudan keine Chancen. Wir haben eine Sterblichkeit gehabt von 20 Prozent. Die hygienischen Verhältnisse im Sudan waren katastrophal. Zum Beispiel gab es Ratten im OP, es gab Ratten auf manchen Stationen. Normalität ist ja eigentlich was, was wir für richtig empfinden. Aber dieses Normalität, was wir als richtig empfinden, muss woanders gar nicht richtig sein. In regelmäßigen Abständen kehrt Sabine Breisacher ihrem Heimatort Gundelfingen den Rücken. Für Ärzte ohne Grenzen reist sie in Länder wie den Sudan, Afghanistan oder in das größte Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch. Wie geht sie mit dem Leid und dem Sterben um? Bringt sie sich da auch selbst in Gefahr und erlebt sie vor Ort auch schöne Momente? Darüber spricht die 57-jährige Intensivpflegerin in dieser Folge von BZ am Ohr. Mein Name ist Nicola Vogt, ich bin Redakteurin bei der Badischen Zeitung. Ich vertrete heute meine Podcast-Kolleginnen Gina Kuttgart und Dora Schülz. Ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören. Sie sind vor wenigen Wochen von Ihrem jüngsten Hilfseinsatz aus dem Sudan zurückgekehrt. Worauf haben Sie sich denn zu Hause am meisten gefreut? Ehrlich gesagt auf ein Stück Käsekuchen. Es gibt nicht wirklich alles, was wir hier haben, dort zu erwerben. Und Quark zum Beispiel, das gibt es nicht. Und ich liebe Käsekuchen und das war das Erste, was ich dann am Morgen, als ich gelandet bin, gegessen habe. Wenn andere Menschen in Flugzeuge steigen, dann oftmals, um irgendwo einen entspannten Urlaub zu verbringen. Bei Ihnen ist das anders. Sie reisen bewusst in Krisengebiete an Orte, von denen andere Menschen fliehen. Warum machen Sie das? Die Motivation hatte ich schon sehr, sehr lange. Also das waren mindestens zehn Jahre. Ich hatte mal in einem Büro gearbeitet, im Controlling. Wenn dann irgendwo eine Krise war oder irgendeine Hungersnot war, dann hatte ich mich halt immer gefragt, was mache ich hier in dem Büro. Meine einzige Angst war immer oder mein einziges Hemmnis war immer mein Englisch. Ich dachte immer, mein Englisch ist nicht gut genug. Ärzte ohne Grenzen ist die weltweit größte unabhängige Organisation für medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten. Aber wie viele Deutsche fliegen denn wie Sabine Breisacher in Krisenregionen? Das habe ich Sarah Meschenmoser gefragt. Sie ist die Leiterin der politischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Aktuell sind 76 Mitarbeitende aus Deutschland mit unterschiedlichen Profilen in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Im Jahr 2025, im gesamten Jahresverlauf, waren das insgesamt über 230. Weltweit allerdings arbeiten weit über 60.000 Menschen für Ärzte ohne Grenzen in unseren Projekten und in unseren Koordinations- und Länderbüros, etwa in Berlin, in Amsterdam oder in Nairobi. Der überwiegende Teil unserer Hilfe, das ist ganz wichtig, wird dabei von Kolleginnen und Kollegen aus den Einsatzländern selbst geleistet. Neun von zehn sind lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sie arbeiten meist auch längerfristig vor Ort. Erzählen Sie mal, wann und wo war dann Ihr erster Hilfseinsatz und wie kam es genau dazu? Ja, es kam dazu, dass ich mal die Möglichkeit hatte, vier Wochen so einen intensiv Englischkurs zu machen. Und dann habe ich so gedacht, okay, wenn nicht jetzt, wann dann? Und manchmal schiebt man ja manche Sachen immer vor sich hin, irgendwann, irgendwann, irgendwann. Und ich will irgendwann nicht im Sterbebett liegen, ich hoffe, das dauert noch sehr, sehr lange, und sagen müssen, jetzt, warum habe ich das nicht gemacht, warum habe ich das nicht gemacht. Und eben, und dann hatte ich die Möglichkeit, diese vier Wochen, und dann war diese Hemmschwelle eigentlich weg, und dann habe ich gedacht, okay, jetzt bewerbe ich mich. Dann habe ich mich beworben und hatte auch eine Zusage, musste davor, aber eben, wie ich gesagt habe, ich war vorher. Sechs Jahre in einem Büro, musste nochmal in die Pflege, so ein bisschen mehr Praxiserfahrung und noch einen Drogen-Kurs, also nicht Drogen, sondern Drogen-Kurs machen in Tübingen. Und ja, und dann war ich fertig zur Abreise. Okay, können Sie das mal erklären? Was war das für ein Kurs? Drogenkurs, das sind vier Wochen ging das auch. Und da lernt man halt die ganzen Drogenkrankheiten, mit denen man hier nichts zu tun hat. Und lernt einfach auch über die Drogenkrankheiten, über die Behandlungen dann mehr, dass man da ein bisschen mehr informiert ist darüber. Okay, in welches Land ging es dann damals für Sie? Genau, das war eigentlich auch eine ganz witzige Situation. Ich war mit Geflüchteten im Europapark im Tag der Herzen und plötzlich ploppt eine Mail auf und dann fragt meine Personalchefin. In Berlin, willst du in den Sudan? Und ich habe gleich sofort zurückgeschrieben, ja, ich will. Ich musste dann zu Hause erstmal googeln, wo ist Sudan, wo ist der Südsudan, was passiert da gerade, warum muss man da hin und so weiter. Und ja, dann habe ich mich eigentlich nur noch gefreut. Und die einzige Angst war wirklich immer noch das Englisch, dass ich wirklich nicht zurechtkomme mit dem Englisch. Okay, aber vor der Situation dort hatten Sie eigentlich gar keine Ängste, gab es keine Sorgen, es war wirklich eher so diese Sprachbarriere, die Ihnen da Sorge bereitet hat. Ja. Okay, spannend, ja. Wie ist das denn heute dann? Jetzt sind Sie ja im Englisch da wahrscheinlich ziemlich sicher. Sie haben jetzt schon viele Auslandsaufenthalte hinter sich gebracht. Sind Sie trotzdem noch nervös, bevor Sie zu einem Einsatz in ein fernes Land aufbrechen? Nervös? Also ich liege manchmal dann im Bett und denke, jetzt verlasse ich hier, diese tolle Gegend. Ich verlasse dieses bequeme Bett. Ich weiß nicht, wo ich hinkomme. Und dann steige ich eigentlich ins Flugzeug oder sagst du, ein Zug, ein Flugzeug und dann ist irgendwie alles wie so ein Zeitraffer, dann ist eigentlich alles normal. Und dann denke ich auch gar nicht drüber nach und dann fahre ich da hin. Die einzige Sache, wo ich manchmal nervös bin, ist, Man lebt sozusagen diese ganze Zeit in einer großen WG. Und diese große WG ist sowas, wo wir uns nicht aussuchen können, mit wem man zusammenlebt, sondern das sind Menschen von verschiedenen Ländern, von ganz Kanada, sage ich jetzt mal, bis. Indien, Indonesien, haben wir wirklich ganz gemischte Kollegen, verschiedene Religionen, verschiedene Altersgruppen, verschiedene Interessen. Und man ist halt 24 Stunden in sieben Tagen, also 24-7 mit den ganzen Arbeitskollegen sozusagen zusammen. Und wenn man sich vorstellt, wenn sich jeder vorstellen würde, man müsste mit allen Arbeitskollegen, manche mag man, manche mag man nicht, 24 Stunden zusammen sein. Und wirklich, man kann nicht sagen, ich gehe jetzt mal raus ein Bier trinken oder ich gehe jetzt mal ins Kino mit Freunden, sondern man ist wirklich mit den Leuten zusammen. und sogar manchmal muss man sich ein Zimmer teilen. Genau, also das finde ich spannend. Ich würde gerne mal mit Ihnen so ein paar Wochen zurückreisen, dass Sie uns mal so gedanklich ein bisschen mitnehmen zu Ihrem letzten Einsatz in den Sudan. Ich würde mir das gerne ganz genau vorstellen können, wie das da so aussah. Können Sie uns vielleicht einfach mal so ein Bild Ihrer Tage dort zeichnen? Wie ging das morgens los? Wie war der Tagesverlauf? Was haben Sie da gemacht? Okay, morgens gab es immer ein Frühstück. Also ich muss dazu sagen, wir haben zwei Köchinnen oder einen kochenden Köchinnen gehabt, weil wir selber, wir können nicht einkaufen. Das hört sich zuerst mal so ein bisschen feudal an. Die sind da in einer Hilfsorganisation und werden bekocht, aber wir können ja nicht zum Markt. Wir können uns ja nicht irgendwo was einkaufen, weil wir einfach nur in dem Haus waren. Sagen wir mal 80 Prozent der Tage, 500 Meter spazieren laufen konnten. Aber da gab es halt auch keinen Markt. Und auch wenn wir einen kaufen, dann sind die Preise meistens teurer. Und deswegen werden wir in jedem Projekt bekocht, um einfach auch die, dass wir auf den Markt gehen. Auf dem Markt können oft Überfälle entstehen und sowas. Und deswegen ist es halt einfach so, dass man sagt, okay, es gibt einen Koch oder es gibt eine Köchin. Und was auch gut ist, diese Menschen haben dann halt auch Arbeit und können dann halt auch ihre Familien ernähren. Genau, und dann gab es halt immer ein Frühstück, sehr, sehr einfach, Nescafé. Oder so ein Filterkaffee und dazu meistens noch ein bisschen Ei und ein bisschen Brot. Genau, und dann bin ich zusammen mit den anderen Kollegen ins Büro gelaufen. Das sind 100 Meter Luftlinie. Dort hatten wir vorher noch eine kurze Security Briefing, wo einfach nochmal wiederholt wurde, wo es vielleicht gefährlich sein konnte, ob irgendwas aufgefallen ist. Gerade mit den Mitarbeitern von vor Ort, die wissen dann meistens schon, okay, da war vielleicht was, da war vielleicht was, dass man dann einfach informiert wurde. Und dann sind wir mit einem Bus in die Klinik gefahren, das sind so sechs Kilometer. In der Klinik, da hatte ich mich dann getroffen mit meinen Mitarbeitern von vor Ort. Das waren drei Supervisor, die sind sozusagen verantwortlich für verschiedene Gebiete und Mitarbeiter von dem Krankenhaus selber. Da haben wir so ein kurzes. Warm-up gemacht. Wir haben es Warm-up genannt, also so ein kurzes Meeting, was jeder gerade macht, was der Plan ist für den ganzen Tag. Und dann bin ich durch die einzelnen Stationen gelaufen. Also im Sudan war ich verantwortlich für eine, Neugeborenenstation oder für zwei Neugeborenenstationen, für die Gynäkologie mit Geburtshilfe und für die Pädiatrie. Und meistens ist dann immer irgendwas passiert auf einer der Stationen, wo ich dann bleiben musste. Und ja, und dann habe ich mich da halt, ich habe auch manchmal Schulungen gegeben, wenn ich da irgendwas gesehen habe. Und ansonsten bin ich dann wieder zurück und habe mit den Supervisern, das heißt, man kann es vergleichen hier mit Stationsleitungen, habe ich mich dann getroffen und dann haben wir irgendwas besprochen oder irgendwas zusammen organisiert. Und vor Ramadan sind wir dann immer zurückgefahren und haben Mittag gegessen, und dann wieder in die Klinik. Und dann gab es manchmal Meetings, manchmal haben wir dann nochmal Schulungen gemacht. Also Schulungen waren sehr, sehr viele. Und um halb fünf mussten wir die Klinik verlassen. Dann ging es nach Hause. Ich habe meistens versucht, dann da zu Hause eine Stunde Sport zu machen, was sehr, sehr schwierig war, weil es gab eigentlich nur drei selbstgemachte Gewichte mit so. In Beton gegossenen Gewichten. Kanister oder Yogamatten. Und dann hat man halt irgendwie, es war herausfordernd, das jeden Tag irgendwie zu machen. Aber ich habe es versucht, weil ansonsten gab es da halt auch nicht wirklich viel. Und dann gab es Abendessen und nach dem Abendessen habe ich meistens noch gearbeitet am Computer. Okay, das hört sich dann schon nach einem langen Tag an. Ich fand das jetzt gerade auch sehr spannend, was Sie von der Neugeborenenstation erzählt haben. Sie sind ja hier in Freiburg auch als Krankenpflegerin eben tätig, sind an der Uniklinik beschäftigt. Ist denn da auch die Versorgung von Neugeborenen? Gehört das zu Ihrem Arbeitsfeld hier oder war das da jetzt was Neues im Sudan? Nee, hier gehört es zum Glück nicht dazu, muss ich sagen, weil ich da immer so ein bisschen Respekt habe. Also ich bin hier in der Uniklinik in so einem Springerpool, das heißt, ich kann auf allen Intensivstationen eingesetzt werden, unter anderem auch die Kinderstation, aber die Neugeborenen gehören hier nicht dazu. Das war also neu. Wobei ich sagen muss, für mich, ich bin eher so in Stationsleitung. Oder Pflegedienstleitungsebene, kann man so vergleichen. Und von dem her habe ich jetzt auch nicht wirklich viel mit der Pflege zu tun. Und man kann es auch wirklich nicht vergleichen, weil dort wird die Pflege oft von den Müttern oder von den Angehörigen durchgeführt. Und es gibt halt auch nicht so viele Gerätschaften hier. Also wir haben eine einzige Perfusorspritze gehabt. Das ist so eine Spritze, die halt regelmäßig Medikamente gibt, wo hier jedes Kind zwei bis drei oder noch mehr Perfusorspritzen hat, so Infusionsspritzen hat. Also man kann es überhaupt nicht vergleichen. Und die Medikamente werden dort halt von Hand gegeben, während hier halt alles ganz kalkuliert werden muss. Man muss auch dazu sagen, Kinder unter 1500 Gramm haben in Sudan keine Chancen. Wir haben eine Sterblichkeit gehabt von 20 Prozent auf der Neugeborenenstation. Und das ist dann schon, wenn man dann halt überlegt, hier hätten sie eine Chance, hier hätten die Kinder eine Chance und dort ist eigentlich klar, dass sie es nicht überleben. Ja, ja. Das ist ja dann auch viel Belastendes, was Sie da vor Ort so erleben. Wie verarbeiten Sie das? Bekommen Sie da auch Unterstützung von Ärzten ohne Grenzen? Tauscht man sich im Team aus? Oder Sie haben vorhin erzählt, Sie machen gern noch Sport dann nach der, aber ist das vielleicht was, was Ihnen auch so ein bisschen hilft, nach so einem Tag da abzuschalten? Oder ja, was haben Sie da für Strategien? Es gibt für Ärzte ohne Grenzen eine Einrichtung oder eine Möglichkeit, wo man wirklich 24 Stunden eine Psychologin oder Psychologe sprechen kann. Das ist ständig besetzt, was ich aber ehrlich gesagt noch nie benutzt habe. Ich glaube, es wird auch nicht so oft benutzt, so wie ich das schon mitbekommen habe. Man hat untereinander, also man findet immer jemand in so einem Team mit 10 bis 15 Mitarbeitern, findet man immer jemand, wo man so ein bisschen näher kontaktet. Man hat auch immer sehr gutes Internet, sodass ich auch immer nach Hause telefonieren kann. Also das sind so Sachen, wo ich wirklich ganz gut verarbeiten kann. Was so den Umgang mit Leid und mit Sterben ist, muss ich sagen. Ich hatte hier relativ lang mal auf der anästhesiologischen Intensivstation gearbeitet, wo viele Motorradfahrer oder junge Menschen halt dann sterben oder wo man sterben sieht. oder genau. Und, Da habe ich mir einfach zurechtgelegt und daran glaube ich mittlerweile auch, dass wir alle im Grunde einen Weg vorgegeben haben. Und an diesem Weg, wenn ich jetzt zum Beispiel heute sterbe, wenn mein Weg heute zu Ende ist, dann sterbe ich heute. Ob ich jetzt hier sterbe, ob ich zu Hause, sagen wir mal, eine Hirnblutung bekomme oder ob ich im Sudan einem Happy Shooting oder Sonstiges entgegenkomme, dann wird es halt dieser Tag sein. Und was ich auch gelernt habe, ist, die Menschen gehen ganz, ganz anders mit dem Tod um wie wir. Und das schätze ich so sehr. Und ich finde, wir hier in Deutschland oder in Europa, wir könnten sehr, sehr viel lernen von den Menschen, wie sie mit dem Tod umgehen. Der Tod gehört dort mit zum Leben. Während wir hier, wir verdrängen den Tod. Wir beschäftigen uns nicht mit dem Tod. Wir überlegen uns nicht, was will ich an Therapie. Ich habe es hier sehr, sehr oft, dass Menschen, die kommen ins Krankenhaus und haben sich noch gar nicht damit beschäftigt. Was will ich im Krankenhaus? Will ich die volle Therapie? Will ich weniger Therapie? Und das fand ich einfach so schön, dass die Menschen sich mit dem Tod beschäftigen. Und ich glaube auch, uns geht es hier sehr, sehr gut, obwohl wir das manchmal nicht wirklich sehen. Und ich glaube, wir haben Angst vor dem Tod, weil wir können uns nicht vorstellen, dass nach dem Tod was Schöneres kommt. Und wenn die Menschen jemanden verlieren, dann sagen sie, der hat es jetzt besser. Und das finde ich irgendwie, da nehme ich sehr, sehr viel mit für mich selber, und versucht es auch hier den Patienten oder den Angehörigen in Gesprächen auch mitzugeben, dass man eigentlich nicht Angst haben sollte vor dem Tod. Kurze Werbepause, aber die lohnt sich. 80 Jahre BZ, das feiern wir mit dir. Und jetzt kommt das Beste. Hol dir jetzt ein BZ-Digital-Premium-Abo und sichere dir ein Samsung Galaxy Tab A11 Plus für 0 Euro. Dazu gibt es eine passende Schutzhülle und den Online-Kurs Was dein Tablet alles kann, damit du sofort durchstarten kannst. Bestelle jetzt dein Angebot unter mehr.bz.deal. Aber nur bis zum 30.06. und nur, solange der Vorrat reicht. Werbung Ende. Wie ist das denn? Waren Sie vor Ort schon mal in gefährlichen Situationen, wo es wirklich für Sie brenzlig wurde, wo Sie Angst gehabt haben, weil Sie vielleicht in der Nähe eines Kriegsgebietes im Einsatz waren? Oder gab es so wirklich lebensbedrohliche Situationen für Sie nicht? Und fühlen Sie sich da auch immer gut geschützt? Also ehrlich gesagt, es gab es zum Glück noch nicht. Es war einmal, als ich in Bangladesch war, da waren wir in diesem relativ großen oder im größten Flüchtlingslager-Camp der Welt von den Rohingyas. Da durften wir uns eigentlich sehr frei bewegen. Also es war ein Ort, wo wir gewohnt haben außerhalb vom Camp. Wir durften uns frei bewegen. Dann kam Covid. Und die Menschen, die hatten damals irgendwie Angst, die Bangladeschis, dass wir Covid bringen. Und am Anfang haben sie uns, als wir spazieren liefen oder joggen waren, haben sie uns immer Covid gerufen. Und irgendwann fingen sie an, mit Steinen gegen uns zu werfen. Also es hat keiner getroffen oder so. Dann hat die Organisation gesagt, okay, wir haben jetzt halt eine Ausgangssperre, wir bleiben halt nur im Haus. Aber das war so die einzigste gefährliche Situation für mich. Klar, man hört immer wieder irgendwas, aber für mich selber war das das Einzigste. Jetzt im Sudan war es so, da hatte ich auch Glück, da war ich im Haus. Eine andere Gruppe, die sind spazieren gelaufen und dann gab es ein Happy Shooting. Können Sie es kurz erklären, was bedeutet das? Happy Shooting. So wie der Name schon sagt, ein lustiges Schießen. Die RSF, also die Partei, die Kriegspartei, die hatte irgendwo ein Gebiet eingenommen, und die haben sich darüber so gefreut, dass sie halt vor Freude geschossen haben. Nur, dass das Schießen halt mit Munition war, dass das Schießen halt teilweise auch von sehr, sehr, sehr jungen männlichen, also Soldaten durchgeführt wird, die vielleicht auch keine Kontrolle haben, dass es da auch Bullets gibt, die dann halt irgendwo wieder runterkommen können, das macht die Sache des Happy-Shootings halt auch sehr, sehr gefährlich. Und fünf Mitarbeiter von uns, die waren dann halt gerade spazieren, waren über Funk nicht mehr erreichbar. Und das war schon so, ich hatte Angst um die. Also ich war in Sicherheit, wir haben in dem Haus so eine Art Safe Room gehabt, also einen Raum, der umgeben war mit Metallwänden. Mit einer Metalltür, die eigentlich auch bombensicher ist, wo wir halt immer hin mussten, wenn jetzt irgendwas Gefährliches war. Okay, und sowas kommt dann aber schon vor. Also das kann da dann mit zum Alltag dazugehören, dass man sich in diesen Raum begeben muss und da einfach mal ausharren muss. Also es gab, sagen wir mal, im Schnitt einmal pro Woche einen Drohnenangriff, auf die Stadt, in der wir gewohnt haben. Aber die Drohnen waren immer gezielt. Das war meistens halt irgendwo im Flughafen, das war fünf Kilometer entfernt. Aber trotzdem sind wir sicherheitshalber immer wieder in diesen Safe Room geschickt worden, um da dann zu warten, was da noch passiert. Fünf Kilometer ist ja auch nicht weit. Ist nicht weit, also man hat es gehört. Und dann muss ich auch, als ich jetzt zurückkam, habe ich manchmal, wenn ich genau dieses Geräusch gehört habe, das ist so wie so eine Art Donner, dann bin ich da manchmal schon auch so ein bisschen hier zusammengezuckt. Aber es war wirklich, ich hatte auch nie jetzt Herzklopfen, weil ich halt auch, ich muss sagen, ich habe Vertrauen zur Organisation und hätte ich die nicht, würde ich nicht mit denen mitgehen. Das war zum Beispiel auch, als ich zugesagt habe für Sudan, das war im September, Ende September, und ich sollte Anfang November gehen. Und dann kam im Oktober El Fascha, der Angriff auf die Stadt. Und dann habe ich so wieder gedacht, Sabine, was machst du da? Was machst du da? Und dann habe ich aber eben mit meiner Personalberaterin in Berlin geredet. Und dann hat sie halt auch gemeint, El Fascha ist 200 Kilometer entfernt von dem Ort, wo du hingehst. Ja, 200 Kilometer sind hier nicht weit. Aber im Sudan ist es eine fünf bis sechs Stunden Reise. Also von dem her war es schon sehr, sehr weit. Und dann habe ich auch so gedacht, wenn die Organisation mich als weibliche, christliche Frau hinschickt, als weise. Christliche Frau in dieses Projekt schickt, dann wissen sie, was sie tun. Weil es gibt tatsächlich Projekte, wo die Organisation sagt, wir schicken keine Frauen, wir schicken keine Weißen, wir schicken keine Christlichen hin. Manchmal auch von der Nationalität. Die amerikanischen Mitarbeiter dürfen auch nicht in jedes Projekt gehen. Also da sind die schon sehr, sehr gewissenhaft und man muss auch ein Stück vertrauen. Der Krieg im Sudan gilt als einer der vergessenen Kriege. Seit drei Jahren führen das sudanesische Militär und eine paramilitärische Miliz einen von beiden Seiten brutal geführten Krieg gegeneinander. Warum Ärzte ohne Grenzen im Sudan aktiv ist, das habe ich Sarah Meschenmoser gefragt. Die Lage im Sudan ist für uns als Ärzte ohne Grenzen extrem herausfordernd. Einerseits natürlich, weil das Ausmaß des menschlichen Leides wirklich so immens ist. Der Krieg wird von allen Kriegsbeteiligten mit einer hemmungslosen Brutalität gegen die Zivilbevölkerung geführt, mit gezielten Angriffen auf zivile Infrastruktur, systematischer sexualisierter Gewalt und mit der Zerstörung von Lebensgrundlagen. Dabei wird das humanitäre Völkerrecht eklatant missachtet und auch der Schutz von Krankenhäusern und medizinischem Personal gilt nicht mehr. Andererseits wird der Zugang zu den Orten, in denen die Not tatsächlich am allergrößten ist, massiv eingeschränkt. Hilfe wird bewusst und absichtlich blockiert, sie wird verzögert oder angegriffen, und in vielen Teilen des Landes, kommt dann zusammen, dass das Gesundheitssystem weitgehend zusammengebrochen ist, Krankheiten sich ausbreiten, Menschen hungern und schlussendlich die Menschen, die so sehr Bedarf hätten, überhaupt keine Unterstützung erreicht. Als Erz ohne Grenzen sehen wir tatsächlich tagtäglich, wie Menschen im Sudan nicht nur durch Bomben sterben, sondern auch, weil Hilfe sie nicht erreichen kann. Und daher denken wir, dass größere Hilfszusagen wie Mitte April auf der Sudan-Konferenz in Berlin zwar ein wichtiges Signal sind, aber gleichzeitig mehr Geld eben auch nicht ausreicht, sondern vielmehr ist aus unserer Sicht entscheidend, dass Staaten mit Einfluss auf die Kriegsparteien jetzt politischen Druck ausüben, damit humanitäre Hilfe ungehindert möglich wird, über allem Land und absolut sofort. Hier sehen wir auch die deutsche Bundesregierung stärker in der Pflicht. Insgesamt steht die internationale Entwicklungszusammenarbeit gerade massiv unter Druck. Überall wird Geld gespart. Besonders gravierend ist die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, das Programm USAID zu beenden. Dazu nochmal Sarah Meschenmoser. Auch wenn wir als Ärzte ohne Grenzen nicht unmittelbar von den großen Einschnitten betroffen sind, spüren wir die Folgen des US-Rückzugs doch deutlich. Mit der Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID und dem Wegfall milliardenschwerer Programme ist das internationale humanitäre Hilfssystem insgesamt geschrumpft. Das heißt, sehr viele humanitäre Organisationen mussten ihre Budgets um 30 bis 40 Prozent kürzen. Unsere Teams sehen die konkreten Folgen dessen tatsächlich auch vor Ort. Es fehlt an therapeutischer Nahrung, Impfkampagnen werden unterbrochen, Programme zur Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern, aber auch Programme zur Behandlung von Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria wurden und werden ausgesetzt. Das betrifft besonders fragile Gesundheitssysteme natürlich stärker. Aus unserer Warte heißt das, es entstehen noch größere Versorgungslücken, die zu bewältigen wären, während gleichzeitig das Umfeld, auf das auch wir als Ärzte ohne Grenzen angewiesen sind, immer schwächer wird. Daher ist es besonders problematisch, dass auch europäische Staaten, darunter Deutschland, ihr humanitäres Engagement deutlich zurückfahren. In einer Phase wachsender globaler Krisen bedeutet das dann wiederum weniger Versorgung, weniger Schutz und mehr Leid für die Menschen, die ohnehin ums Überleben kämpfen. Mich würde noch mal interessieren, Sie haben es gerade so ein bisschen angeschnitten, also es läuft dann schon so, dass Sie von Ärzte ohne Grenzen angefragt werden, können Sie sich diesen oder jenen Einsatz vorstellen oder geht es auch andersrum, dass Sie sagen, in diesem Land, das würde mich interessieren, da würde ich eigentlich gerne helfen wollen? Es kommt eben so ein bisschen halt darauf an, was für ein Profil die suchen, gerade in dem Projekt, wie die Zeitrahmen sind. Also ich würde zum Beispiel sehr gerne nochmal nach Afghanistan. Ich würde auch ganz gerne nochmal jetzt in Sudan zurück, weil man da die Strukturen kennt. Aber ich kann halt von meinem Arbeitgeber in Freiburg, oder geht es halt nur im Winter, in der Winterzeit, wegen dem Urlaub. Es gibt Mitarbeiter, die tatsächlich die ganze Zeit von Einsatz zu Einsatz gehen, und die können natürlich schon so ein bisschen das variieren. Ich kann es versuchen, aber meistens ist es so, dass meine Personalvertreterin in Berlin, dass die dann sagt, hey, ich habe das und das für dich. Passt das für dich oder nicht? Weil es geht dann auch um die Fähigkeiten. Also ich würde zum Beispiel nicht unbedingt nur auf eine Gynäkologie, also in ein Frauenkrankenhaus, weil ich einfach da keine Erfahrung habe. Oder ich kann auch nicht in französische Länder gehen, weil ich kein Französisch kann. Wissen Sie jetzt schon, ob und wann Sie einen nächsten Einsatz zu bestreiten werden? Ich würde gerne, aber ich muss erst noch mit meinem Arbeitgeber reden. Der weiß davon noch nichts. Genau, das war auch noch die Frage. Können Sie das auch noch so ein bisschen erklären? Sie sind ja eben eigentlich hier fest angestellt und werden dann immer freigestellt sozusagen für diese Einsätze. Die dauern ja auch. Wie lange dauert so ein Einsatz für Sie im Ausland Minimum? Vier bis fünf Monate dauert der. Und ich bin eben dadurch, dass ich in diesem Springerpool bin und einen sehr guten Chef habe, der dann halt sagt, er wird so Sachen halt unterstützen. Und deswegen bekomme ich dann halt unbezahlten Urlaub. Ich werde freigestellt, werde dann von Ärzte ohne Grenzen bezahlt, in der Zeit auch versichert, krankenversichert und komme dann wieder zurück und arbeite dann hier wieder. Wie wird man eigentlich Teil von Ärzte ohne Grenzen? Dazu sagt Sarah Meschenmoser. Wer wie Sabine international mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten möchte, durchläuft in der Regel mehrere Schritte. Am Anfang steht das Informieren, zum Beispiel über unsere Website oder über Infoveranstaltungen, um ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag und den Anforderungen zu bekommen. Danach folgt die Online-Bewerbung. Wenn das Profil dann passt, gibt es ein Bewerbungsgespräch, in dem es dann nicht nur um fachliche Qualifikation geht, sondern auch um Motivation, Belastbarkeit und Teamarbeit. War das erfolgreich, werden Bewerberinnen und Bewerber in unseren sogenannten Pool aufgenommen. Das heißt, sie sind grundsätzlich einsatzbereit. Sobald dann eine passende Stelle frei wird, beginnt die konkrete Vorbereitung. Etwa zur Sicherheit, medizinischen Standards, zum jeweiligen Einsatzkontext und so weiter. Und dann natürlich der Abflug ins Projekt. Neben der internationalen Mitarbeit kann man sich aber natürlich auch auf Jobs in unseren Geschäftsstellenbüros wie hier in Berlin bewerben. Ich würde gerne nochmal so ein bisschen eben Ihre Arbeit hier und die bei den Auslandseinsätzen vergleichen, beziehungsweise kann man die überhaupt vergleichen oder würden Sie sagen, Sie machen hier und dort doch ganz unterschiedliche Dinge? Also letztendlich geht es in beiden immer wieder um Patientenversorgung. Nur die ist halt ganz, ganz anders. Also wenn ich jetzt gerade Sudan und die Uniklinik vergleiche, also die hygienischen Verhältnisse im Sudan waren katastrophal. Zum Beispiel gab es Ratten im OP, es gab Ratten auf manchen Stationen, die dann halt irgendwie auch von den Menschen akzeptiert wurden. Aber ich habe das dann halt auch am Anfang so gedacht, warum akzeptieren sie das? Aber wenn man dann halt die Lebensbedingungen von den Menschen sieht, auch manchmal so die Ordnung in den Schränken, am Anfang habe ich gedacht, warum wollen die nicht mehr Ordnung haben? Aber wenn man halt sieht, wie die wohnen müssen durch den Krieg, halt zerstörte Häuser, dann glaube ich, sind halt ihre Schwerpunkte nicht, einen ordentlichen Schrank zu haben, sondern Geld zu haben für irgendwas zu essen oder zu trinken. Und deswegen sind die Bedingungen halt schon irgendwie anders. Erst Patientenversorgung wird dort auch nicht so wertgeschätzt. Also das machen die Angehörigen. Und eine Frau, nachdem sie geboren hat, geht ab zwei Stunden spätestens nach Hause. Eine Frau nach einem Kaiserschnitt geht nach zwei Tagen nach Hause mit einer sehr, sehr, sehr großen Narbe. Schmerzen werden auch nicht wirklich, da habe ich immer wieder gekämpft, nicht wirklich erkannt als Schmerzen und werden auch nicht wirklich wahrgenommen. Von dem her haben wir hier sehr, sehr, sehr viel höhere Standards. Hier in Deutschland bin ich eben mehr in der Pflege, also mehr am Praktischen. Und in den Einsätzen bin ich mehr am Anleiten, am Schauen, am Organisieren, am Unterrichten. Ja, eher so im Organisatorischen und hier eben mehr am Praktischen. Gibt es auch bestimmte kulturelle Unterschiede, wo Sie manchmal schlucken müssen oder wo Sie sehen einfach, dass manches anders läuft, als wir es hier kennen, was Ihnen vielleicht schwerfällt, manchmal auch dann so zu akzeptieren? Ja, auf jeden Fall. Aber auch das lernt man irgendwie oder das habe ich irgendwie sehr, sehr mitgenommen, dass wir, unsere Normalität, Normalität ist ja eigentlich was, was wir für richtig empfinden, aber dieses Normalität, was wir als richtig empfinden, muss woanders gar nicht richtig sein. Und gleich im ersten Einsatz im Südsudan kam das so für mich ganz oft so, dass zum Beispiel für mich ist es normal, Hosen zu tragen. Und im Südsudan wurden die Mitarbeiter von vor Ort, die wurden gefragt, hey, ist das eine Frau oder ein Mann? Also ich. Und dann haben sie gemeint, eine Frau, und ich habe so an mir runtergeguckt und habe so gedacht, naja, ein bisschen weiblich sehe ich ja schon aus. Und dann haben sie gemeint, naja, eine Frau trägt keine Hosen. Es ist nicht normal, dass eine Frau Hosen trägt. Und dann habe ich so gedacht, okay, da haben wir schon was anderes. Und es ist auch oft so, dass wir, wenn wir in solche Länder gehen, versuchen, unsere Normalität da hinzubringen. Aber das funktioniert nicht. Und ganz oft ist es halt so, dass die Menschen dann auch manche Sachen einfach mitmachen, die Zeit, die man dort ist, aber dann das nicht weiterzumachen. Und mein Ziel ist immer, die Menschen zusammenzuarbeiten mit den Menschen von vor Ort und dann zusammen eine Lösung zu finden, wie man irgendwas verbessern kann. Also gerade jetzt im Sudan diese unordentlichen Schränke, einfach so ein bisschen Ordnung reinzubringen, die zu überzeugen, dass es vielleicht doch besser ist, die Ordnung zu halten und so weiter. Und solche Sachen, ich versuche immer mitzuarbeiten und eben diese Normalitäten, die halt einfach zurückzustellen, weil eben zu sehen, irgendwo anders ist es normaler, irgendwas anderes zu machen. Oder auch Sachen zu akzeptieren, das ist manchmal halt auch sehr, sehr schwierig, wenn. Eine Frau einen Wasserkanister trägt, 20 Kilo, ich weiß nicht, ob sie das schon mal versucht haben, den auf den Kopf zu stellen, 20 Liter Wasser, und die dann hochschwanger ist und daneben dann ein Mann steht oder läuft, also ihr Mann, der keinerlei Anstalten macht, dieser Frau zu helfen, dann schluckt man. Aber man muss einfach denken, für die Frau oder für diese Familie ist es normal, ohne irgendwie zu bewerten, ist es jetzt gut oder schlecht. Es ist einfach eine Normalität für die Menschen. Ich hatte auch mal noch ein anderes Erlebnis. Das war auch im Südsudan in meinem ersten Einsatz. Da war ich so verantwortlich für Flugzeuge. Flugzeuge. Also wir haben Patienten, wir konnten selber nicht operieren und haben halt dann immer zweimal in der Woche Patienten für Operationen in andere Projekte geschickt. Und ich musste da halt mithelfen, die Patienten dann mit Angehörigen in den Flieger. Für die war das das erste Mal, dass sie geflogen sind und ein bisschen beruhigen. Und da war eine Frau hochschwanger und es war klar, wenn sie nicht fliegt, also nicht operiert wird im Kaiserschnitt, dann wird sie sterben und das Kind auch. Aber der Mann von ihr war irgendwo in den Feldern, nicht erreichbar. So, was machen wir? Schicken wir die Frau jetzt zur Operation ohne Zustimmung von dem Mann zurück. Oder lassen wir die Frau sterben? Und die Frau saß im Flieger und wir hatten keine Unterschrift. Und das war für mich so, so schlimm, weil auf der einen Seite wusste ich, wenn wir die Unterschrift nicht geben. Wird es eine ganz, ganz große Unzufriedenheit geben im Land oder in dem Dorf, weil wir machen was gegen die Normalität des Dorfes oder gegen die Regeln des Dorfes. Und wenn wir die Frau aber nicht fliegen, wird sie halt sterben. Dann sind aber alle Mitarbeiter von dem Krankenhaus, die sind dann losgestürmt. Und Gott sei Dank in aller, allerletzter Minute, bevor der Flieger dann doch ohne sie geflogen wäre, haben wir dann eine Unterschrift gekriegt, denn die Frau konnte fliegen. Wissen Sie, wie es ausgegangen ist? Beide haben überlebt. Sie kam ja wieder zurück. Okay. Ja, das war schön. Ja. Ich wollte Sie zum Abschluss eigentlich fragen, was so ein besonders schönes Erlebnis war in all Ihren Einsätzen. Würden Sie sagen, das war das schönste Erlebnis? Oder haben Sie da noch irgendwas, was Sie mit uns teilen können? Also ehrlich gesagt habe ich fast in jedem Projekt irgendwelche schöne Erlebnisse, die man einfach nie vergisst und die einem immer in Erinnerung bleiben. Aber ich glaube, das war so eins, wo ich wirklich immer wieder dran denke. Ich denke auch zum Beispiel in Nigeria, da war ich auf einer mangelernährten Station, im mangelernährten Krankenhaus. Und da war ein Junge, der war dreimal wirklich ganz, ganz nah am Sterben und wir haben da immer wieder alles probiert und letztendlich konnte der Junge auch entlassen werden. Das war auch so schön für uns alle, wir haben eigentlich die Hoffnung schon verloren gehabt, und die Mutter hatte auch was ganz, ganz Liebes geschrieben und das war eigentlich auch ganz schön, weil der Junge, in Nigeria muss ich dazu sagen, haben die Kinder immer geschrien, wenn ich zu nah kam, weil die kannten keine weiße Frau. Manche Mütter, oder es gab mal eine Mutter, die hat irgendwie auch wieder die Mitarbeiter von vor Ort gefragt, ist das ein Roboter oder ist das ein Avatar? Und dann haben die halt so gelacht, haben mir das übersetzt. Und dann haben sie gesagt, die kennen keine weißen Frauen, die haben noch nie weiße Frauen gesehen. Und eben deswegen haben auch viele Kinder einfach ganz panisch angefangen zu schreien, wenn sie mich gesehen haben. Und der Junge, der war immer ganz friedlich und süß und hat gelacht und ich konnte ihn auf den Arm nehmen und da war ich auch ganz, ganz froh, dass er das überlebt hat und dass er dann nach Hause gehen konnte. Okay, vielen Dank, dass Sie das alles mit uns geteilt haben und wir mal einen kurzen Einblick in das bekommen konnten, was Sie da schon seit vielen Jahren machen und leisten, sehr interessant. Dankeschön.