Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Sechstes Hauptstück - 293-311
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- 0:00Unter Kapitel 293 wohlwollende Verstellung Nietzsche beschreibt
- 0:07hier eine Situation, die im täglichen Umgang mit anderen
- 0:10Menschen oft vorkommt und sogar notwendig ist.
- 0:13Er nennt dies eine wohlwollende Verstellung.
- 0:17Damit meint er, dass wir uns manchmal absichtlich verstellen
- 0:20müssen, um freundlich oder gütig zu sein.
- 0:23Konkret tun wir so, als ob wir die wahren Beweggründe für das
- 0:26Handeln einer anderen Person nicht durchschauen würden.
- 0:30Wir wissen eigentlich genau, warum jemand etwas tut,
- 0:33vielleicht aus Eigennutz oder Eitelkeit, aber um den Frieden
- 0:36zu wahren oder den anderen nicht bloßzustellen, tun wir so, als
- 0:40wüssten wir es nicht. Unterkapitel 294 Kopien in
- 0:48diesem Abschnitt beobachtet Nietzsche, wie Menschen von
- 0:50anderen wahrgenommen werden. Er stellt fest, dass man gar
- 0:54nicht so selten Menschen begegnet, die wie Kopien von
- 0:57bedeutenden oder berühmten Persönlichkeiten wirken.
- 1:00Sie ahmen diese großen Vorbilder nach.
- 1:03Das Interessante daran ist laut Nietzsche, dass diese Kopien den
- 1:06meisten Menschen besser gefallen als die Originale selbst.
- 1:10Er vergleicht dies mit der Malerei, wo gefällige
- 1:12Nachahmungen oft beliebter sind als die vielleicht schwierigen
- 1:15oder eigenwilligen Originalkunstwerke.
- 1:20Unterkapitel 295 der Redner hier geht es um die Kunst des Redens
- 1:27und wie das Publikum darauf reagiert.
- 1:29Nietzsche sagt, dass ein Redner sehr passend und treffend
- 1:32sprechen kann, doch selbst wenn er das tut, kann es passieren,
- 1:36dass alle Welt aufschreit und ihm das Gegenteil vorwirft.
- 1:40Das geschieht immer dann, wenn der Redner seine Worte gezielt
- 1:43an eine bestimmte Gruppe richtet und eben nicht zu aller Welt,
- 1:46auch zu jedem beliebigen Zuhörer spricht.
- 1:50Die Masse fühlt sich dann ausgeschlossen oder nicht
- 1:52angesprochen und kritisiert den Redner, auch wenn seine Rede für
- 1:55die Zielgruppe perfekt war. Unterkapitel 296 Mangel an
- 2:01Vertraulichkeit Nietzsche spricht hier über
- 2:05Freundschaften, er stellt fest, dass es ein Fehler ist, wenn es
- 2:09unter Freunden an Vertraulichkeit fehlt, also an
- 2:11einer tiefen persönlichen Offenheit, aber er warnt davor,
- 2:15diesen Fehler offen anzusprechen oder zu rügen.
- 2:18Wenn man dem Freund vorwirft, nicht vertraulich genug zu sein,
- 2:21wird dieser Mangel unheilbar. Das bedeutet, man kann Vertrauen
- 2:25und Nähe nicht durch Kritik erzwingen, versucht man es doch,
- 2:29zerstört man die Möglichkeit darauf endgültig Unterkapitel
- 2:34297 zur Kunst des Schenkens dieses kurze Kapitel beschäftigt
- 2:41sich mit dem Geben und nehmen, Nietzsche erklärt, dass es eine
- 2:45Kunst ist, richtig zu schenken. Wenn man jemandem eine Gabe oder
- 2:49ein Geschenk anbietet, dies aber auf eine falsche, ungeschickte
- 2:53oder herablassende Art tut, zwingt man den Empfänger dazu,
- 2:56das Geschenk abzulehnen. Diese Ablehnung führt dann dazu,
- 3:00dass der Empfänger wütend oder verbittert auf den Geber ist.
- 3:04Die Art und Weise, wie man gibt, ist also genauso wichtig wie das
- 3:07Geschenk selbst. Unterkapitel 298 der
- 3:13gefährlichste Parteimann. Nietzsche beschreibt hier eine
- 3:17Dynamik innerhalb von politischen oder
- 3:19gesellschaftlichen Parteien. Er sagt, dass es in jeder Partei
- 3:22einen Typus Mensch gibt, der für die Partei selbst am
- 3:25gefährlichsten ist. Das ist derjenige, der die
- 3:28Grundsätze und Überzeugungen der Partei viel zu gläubig und
- 3:31übertrieben ausspricht. Durch dieses extreme Verhalten
- 3:34reizt er die anderen Parteimitglieder dazu, sich von
- 3:37der Partei abzuwenden, was Nietzsche als an Abfall
- 3:40bezeichnet. Die Übertreibung des einen führt
- 3:43also dazu, dass die anderen die Lust an der gemeinsamen Sache
- 3:46verlieren. Unterkapitel, 299, Ratgeber des
- 3:53Kranken in diesem Abschnitt analysiert Nietzsche das
- 3:57Verhältnis zwischen einem Kranken und jemandem, der ihm
- 4:00Ratschläge gibt, wenn jemand einem Kranken einen Rat erteilt,
- 4:04wie er gesund werden könnte, erwirbt sich der Ratgeber
- 4:06dadurch ein Gefühl der Überlegenheit, er stellt sich
- 4:10geistig über den Kranken. Das gilt unabhängig davon, ob
- 4:13der Kranke den Rat annimmt oder ablehnt, weil der Kranke diese
- 4:17Überlegenheit spürt, entwickelt er oft eine Abneigung gegen den
- 4:20Ratgeber. Nietzsche sagt, dass stolze und
- 4:23leicht reizbare Kranke ihre Ratgeber deswegen oft noch mehr
- 4:27hassen als die Krankheit selbst. Unter Kapitel 300 doppelte Art
- 4:32der Gleichheit. Nietzsche untersucht hier den
- 4:36menschlichen Wunsch nach Gleichheit, den er als Sucht
- 4:40nach Gleichheit bezeichnet. Dieser Wunsch kann sich auf 2
- 4:43völlig unterschiedliche Arten äußern, die erste Art ist
- 4:47negativ, man möchte alle anderen zu sich herunterziehen,
- 4:50Nietzsche nennt Methoden wie das Verkleinern von anderen, das
- 4:54Sekretieren, also das Verstecken oder heimlich tun, um andere
- 4:58auszugrenzen oder das Bein stellen, die zweite Art ist
- 5:02positiv. Man möchte sich gemeinsam mit
- 5:04allen anderen nach oben entwickeln.
- 5:07Das geschieht durch das Anerkennen der Leistung anderer,
- 5:09durch helfen und durch die Freude am Erfolg fremder
- 5:12Menschen. Unterkapitel 301 gegen
- 5:17Verlegenheit hier gibt Nietzsche einen praktischen Rat für den
- 5:22Umgang mit sehr schüchternen oder verlegenen Menschen, er
- 5:25sagt, dass das beste Mittel, um solchen Menschen zu helfen und
- 5:28ihre Verlegenheit zu lindern, darin besteht, sie ganz
- 5:31entschieden zu loben. Das Lob gibt Ihnen Sicherheit
- 5:35und holt sie aus ihrer befangenen Situation heraus.
- 5:39Unterkapitel 302 Vorliebe für einzelne Tugenden Nietzsche
- 5:46spricht darüber, wie wir den Wert von guten Eigenschaften,
- 5:49sogenannten Tugenden, bei anderen wahrnehmen.
- 5:52Er behauptet, dass wir den Besitz einer bestimmten Tugend
- 5:55bei einer Person erst dann so richtig hochschätzen, wenn wir
- 5:58bemerken, dass diese Eigenschaft unserem Gegner oder Feind völlig
- 6:02fehlt. Erst die Abwesenheit der Tugend
- 6:05beim Gegner lässt uns ihren Wert beim anderen oder bei uns selbst
- 6:09besonders stark fühlen. Unter Kapitel 303 warum man
- 6:15widerspricht in diesem Kapitel geht es um Streitgespräche und
- 6:20Diskussionen. Nietzsche stellt fest, dass wir
- 6:23oft gar nicht der Meinung selbst widersprechen, die jemand
- 6:26äußert. Der eigentliche Grund für
- 6:28unseren Widerspruch ist oft nur der Tonfall, in dem die Meinung
- 6:32vorgetragen wurde. Wenn uns der Ton unsympathisch,
- 6:35arrogant oder unpassend erscheint, lehnen wir instinktiv
- 6:38auch den Inhalt ab, selbst wenn dieser eigentlich akzeptabel
- 6:42wäre. Unter Kapitel 304 Vertrauen und
- 6:46Vertraulichkeit Nietzsche unterscheidet hier zwischen
- 6:51echtem Vertrauen und bloßer Vertraulichkeit, also einem
- 6:54intimen, kumpelhaften Umgang. Er sagt, dass jemand, der
- 6:58absichtlich versucht, Vertraulichkeit mit einer
- 7:00anderen Person zu erzwingen. Sich meistens unsicher ist, ob
- 7:04er deren Vertrauen wirklich besitzt.
- 7:06Wer sich hingegen sicher ist, dass der andere ihm vertraut,
- 7:09der legt gar keinen großen Wert auf ständige Vertraulichkeit.
- 7:13Das echte Vertrauen ist ihm genug, er braucht die äußere
- 7:16Show der Intimität nicht Unterkapitel, 305, Gleichgewicht
- 7:22der Freundschaft, Freundschaft wird hier als ein Balanceakt
- 7:26beschrieben. Nietzsche meint, dass es
- 7:29manchmal passiert, dass wir uns in einer Freundschaft dem
- 7:31anderen gegenüber überlegen fühlen oder dass das Verhältnis
- 7:34aus dem Gleichgewicht geraten ist, um das rechte Gleichgewicht
- 7:38wiederherzustellen, kann es hilfreich sein, wenn wir in
- 7:41unsere eigene Waagschale etwas Unrecht legen.
- 7:44Das bedeutet, wir geben uns bewusst eine kleine Blöße oder
- 7:47tun etwas leicht Unrechtes, damit der andere sich wieder
- 7:50ebenbürtig fühlen kann und die Freundschaft auf Augenhöhe
- 7:53bleibt. Unterkapitel 306 die
- 7:58gefährlichsten Ärzte Nietzsche warnt hier vor einer bestimmten
- 8:03Art von Ärzten. Er sagt, die gefährlichsten
- 8:06Ärzte sind diejenigen, die von Natur aus Schauspieler sind, sie
- 8:10besitzen eine vollkommene Kunst der Täuschung, ihre Fähigkeit,
- 8:13die Rolle des kompetenten Heilers perfekt zu spielen, kann
- 8:16so überzeugend sein, dass der Patient die tatsächliche
- 8:19medizinische Leistung nicht mehr kritisch hinterfragt
- 8:23Unterkapitel 307 wann Paradoxien am Platze sind.
- 8:29Ein Paradox ist eine Aussage, die widersprüchlich oder
- 8:32unlogisch klingt, aber eine tiefere Wahrheit enthalten kann.
- 8:36Nietzsche erklärt, wie man geistreiche, also intelligente
- 8:39und scharfsinnige Personen für eine Idee gewinnen kann,
- 8:43manchmal muss man ihnen einen Satz oder eine Idee nur in Form
- 8:47einer ungeheuerlichen Paradoxie präsentieren, das ungewöhnliche
- 8:51und scheinbar widersprüchliche reizt ihren Intellekt.
- 8:54Und so lassen Sie sich überzeugen, wo eine einfache
- 8:56Erklärung vielleicht langweilig gewirkt hätte.
- 9:00Unter Kapitel 308 wie mutige Leute gewonnen werden.
- 9:06Hier geht es darum, wie man mutige Menschen dazu bringt,
- 9:08eine bestimmte Handlung auszuführen.
- 9:11Nietzsche sagt, man überredet sie am besten dadurch, dass man
- 9:14die Handlung gefährlicher darstellt, als sie in
- 9:16Wirklichkeit ist. Mutige Menschen suchen die
- 9:19Herausforderung, und wenn etwas als besonders gefährlich gilt.
- 9:22Fühlen sie sich angespornt, es zu tun?
- 9:26Unterkapitel 309 Artigkeiten Nietzsche beschreibt eine
- 9:31menschliche Eigenart im Umgang mit unbeliebten Personen.
- 9:35Wenn wir jemanden nicht mögen, tendieren wir dazu, selbst
- 9:38dessen höflichkeiten, Nietzsche nennt sie artigkeiten, negativ
- 9:42auszulegen. Wir rechnen ihm seine
- 9:44Freundlichkeit als Fehler oder sogar als Vergehen an, weil wir
- 9:47in unserer Abneigung nichts Gutes an ihm sehen wollen.
- 9:52Unter Kapitel 310 warten lassen dieses Kapitel handelt von der
- 9:58Unmoral des Wartens. Nietzsche sagt, dass es ein
- 10:02sicheres Mittel ist, andere Leute wütend zu machen,
- 10:04aufzubringen und sie dazu zu bringen, böse Gedanken zu
- 10:07entwickeln, man muss sie einfach lange warten lassen, er
- 10:11bezeichnet dieses Verhalten als unmoralisch, weil man damit
- 10:14absichtlich negative Gefühle und Bosheit im anderen provoziert,
- 10:20unter Kapitel 300111. Gegen die vertraulichen.
- 10:25Nietzsche warnt vor einem Fehlschluss im Umgang mit
- 10:28Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken.
- 10:30Manche Leute glauben, nur, weil sie uns ihr volles Vertrauen
- 10:33geben, hätten sie automatisch ein Recht darauf, dass wir ihnen
- 10:36auch unser Vertrauen schenken. Das Unsrige Nietzsche stellt
- 10:41klar, dass das falsch ist. Durch ein Geschenk und Vertrauen
- 10:45ist ein Geschenk erwirbt man keine Rechte auf eine
- 10:48Gegenleistung.