Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 020 Tarot in der Literatur - Folge 7: "Unterm Rad" | mit Tino Wiesinger
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- Petra: Hallo zusammen, heute widmen Tino und ich uns in unserem Tarot in der Literatur Talk, einem Roman, der leiser ist als viele Klassiker und gerade deshalb bis heute nachwirkt. Unterm Rat von Hermann Hesse. Ein Werk, das vom schleichenden Zerbrechen eines jungen Menschen im Namen von Leistung, Pflicht und Anpassung erzählt. Hermann Hesse wurde 1877 in Kalf geboren. und wuchs in einem strengen, religiös geprägten Umfeld auf. Früh galt er als hochbegabt und wurde, wie später seine Romanfigur Hans Gibenrath, auf eine akademische Laufbahn vorbereitet. Der Besuch des theologischen Seminars Marlbronn endete für Hesse jedoch in einem schweren seelischen Zusammenbruch. Diese Erfahrung sollte sein Schreiben dauerhaft prägen. Unterm Rat erschien 1906 und war Hesses zweiter Roman. Er ist stark autobiografisch gefärbt und kann als literarische Abrechnung mit einem Bildungssystem gelesen werden, das individuelle Begabungen missachtet und junge Menschen wortwörtlich unter die Räder bringt. Hesse veröffentlichte insgesamt rund zwölf große Romane, darunter später weltberühmte Werke wie der Steppenwolf, Narziss und Goldmund und das Glasperlenspiel. Bereits zu Lebzeiten war er ein vielgelesener. ⁓ diskutierter Autor, insbesondere bei jungen Menschen. 1946 erhielt er den Literaturnobelpreis, mit dem sein lebenslanges literarisches Ringen um Individualität, Humanismus und innere Freiheit gewürdigt wurde. Ein kurzer Blick auf den Menschenherrmann Hesse. Er war insgesamt dreimal verheiratet, lebte lange Zeit in der Schweiz und kämpfte Zeitlebens mit schweren seelischen Krisen. Neben seinem Schreiben malte er Aquarelle, setzte sich öffentlich gegen Krieg und ideologische Verhärtung ein und wurde in den 1960er und 1970er Jahren Ikone der Jugend- und Protestbewegung. Viele seiner Werke kreisen ⁓ innere Entwicklungsprozesse, ⁓ Brüche, Wandlungen und die Suche nach einem eigenen Weg. Nach diesem kleinen Exkurs wenden wir uns nun unterm Rat selbst zu und betrachten die zentralen Figuren. allem voran Hans Giebenrath und Hermann Heilner im Licht der Tarot Archetypen. Lieber Tino, it's up to you. Tino Wiesinger: Ja, Unterm Rat. Das haben wir ausgewählt. Ich habe mir das gewünscht, auch über Unterm Rat zu sprechen, weil das natürlich ein Roman ist, der sehr auch mit meinem eigenen Leben zu tun hat und mit dem Lehrerdasein natürlich zu tun hat. Und für mich eine Art Mahnung auch in der heutigen Zeit sein kann. Hans Diebenrath, unser Protagonist. ist ein, ich würde schon sagen, sehr hochsensibler junger Mann, der aber auch sehr begabt ist. Wobei ich gar nicht weiß, ob ich begabt sagen möchte hier in dem Fall, denn er weiß zwar viel, lernt aber ohne Ende. Der muss sehr viel dafür tun, dass er wirklich auch Leistung erbringen kann. Man muss sich überlegen, seine Mutter ist gestorben, er lebt nur mit seinem Vater zusammen, der ja so ein kleiner Händler ist. Und man erwartet von Hans eine ganze Menge. Man erwartet wirklich Leistung. Einerseits der Vater, der Leistung erwartet. Und zwar nicht nur Leistung, er soll eigentlich der Beste sein. Petra: Ja. Tino Wiesinger: Der Lehrer erwartet viel von ihm, der Pfarrer erwartet viel und alle drei machen ihm letztendlich Druck, er soll eine Aufnahmeprüfung bestehen, am Ende in Maulbronn, einem Internat für wirklich hochbegabte Kinder, Jugendliche aufgenommen zu werden, für die Elite. Letztendlich ist das ein Petra: Die Töten. Ja. Tino Wiesinger: Internat für junge Männer, die dann am Ende Theologie studieren wollen. ja, Hans muss für diese Aufnahmeprüfung lernen. Und das muss ich sagen, das war eine Szene, die mir sehr viel Spaß gemacht hat zu lesen, weil es geht dann ⁓ die Auristformen im Griechischen, Altgriechischen. Und ich unterrichte ja selber Altgriechisch. Petra: Respekt! Tino Wiesinger: Ich weiß, was das für eine Hölle sein kann. Auris-2-Formen zu lernen, das sind unregelmäßige Verbformen im Griechischen, die man auswendig lernen muss oder sollte, ⁓ dann wirklich griechisch übersetzen zu können. Und griechisch, also altgriechisch, das zu lernen, das erfordert unheimlich viel Anstrengung. Und ich kriege das jedes Jahr mit, wenn ich die Theologie-Studierenden Petra: Haha. Tino Wiesinger: dann unterrichte in Griechisch, die dann wirklich ein Jahr lang sich mit Griechisch quälen. Da kann ich noch so ein netter Lehrer sein und noch so freundlich Griechisch ist halt anstrengend. ja, das muss Hans machen. Hans muss Griechisch lernen und auch in den Ferien. Da hat er zusätzliche Griechischstunden. Man merkt da auch schon, eigentlich würde er wahrscheinlich viel lieber angehen, hat aber gar keine Zeit dazu. Und dann muss er noch Theologiestunden beim Pfarrer absolvieren, einfach damit er diese Prüfung besteht. Und ja, er geht zu dieser Prüfung, hat aber oft zu dem Eindruck, naja, vielleicht ist es gar nicht so gut gelaufen. Vielleicht wünscht er unterbewusst auch schon, dass er diese Prüfung nicht bestanden hat, damit er nicht dahin muss. Aber Er besteht und er kommt dann letztendlich auf dieses Internat nach Maulbronn. Es ist glaube ich schon direkt zu Beginn klar, welchem Tarotarchetyp gerade der Beginn des Romans steht. Er steht unter Tradition, unter Kultur, er muss lernen, er muss Leistung erbringen. Die typische Lehrerfigur im Tarot ist der Hierophant. Und gerade wenn es heißt, er muss da Theologie lernen und er muss sich im Altgriechischen auskennen, Altgriechisch die Sprache des Neuen Testaments letztendlich, dann sind wir natürlich beim Hierophant. Aber wir sind auch bei der Schattenseite des Hierophanten. der Vater nur sagt, ja du musst das schaffen. Petra: Ja. Tino Wiesinger: Der Lehrer sagt auch, du schaffst das. Das ist überhaupt gar keine Frage, dass du das nicht schaffst. Der Pfarrer auch. Der Einzige, der so ein bisschen noch das Kindliche auch in Hans-Gieben-Rath sieht, das ist der Schuster Fleig, der auch mal sagt, genieß auch mal deine Ferien und so. das darf Hans-Gieben-Rath nicht. Er muss Leistung erbringen und er muss auch dann in Maulbronn. Leistung erbringen. Es gibt aber auch in Maulbronn einen Lichtblick für ihn. Hans Giebenrath ist zwar derjenige, der erst mal der Primus ist. ist tatsächlich der Klassenbeste und er ist auch ziemlich gut in allem, was er tut. Er lernt da aber dann schon einen Gegenpol kennen. Und das ist Hermann Heilner. der dann sein Freund wird. Und Hermann Heilner ist ja so eine typische, also er ist das Gegenteil von Hans eigentlich. Er ist so eine künstlerische Person, die sehr künstlerisch geprägt ist, freiheitsliebend und sich nicht gegen oder für alle Konventionen da einsetzt, sondern auch mal sagt, nein, ich gehe auch mal meinen eigenen Weg. Und mit ihm freundet er sich an. Und Damit steht letztendlich auch Hans vor der Entscheidung, soll ich mich weiter diesem Hierophanten unterwerfen oder soll ich auch mal meinen eigenen Weg gehen und auf mein Herz hören, mal vielleicht ein bisschen den Unterricht schwänzen und so weiter. Bei einer Szene kommt es zu einer Schlägerei zwischen Hermann Heilner und einem Lucius. Und dafür wird dann Hermann auch bestraft. Und Hans Giemrath setzt sich nicht für Hermann ein. Und da kommt es dann zu einer kleinen Auseinandersetzung. Und die beiden entfremden sich zu Beginn erst mal. Aber letztendlich entschuldigt sich Hans und entscheidet sich für das Herz, entscheidet sich für Hermann. Und da sind wir bei den Liebenden. Und übrigens, wenn wir hier von den Lieben sprechen, ja, es geht ⁓ die Herzensentscheidung. Man hat aber auch schon den Eindruck, es könnte auch wirklich eine Liebesbeziehung teilweise sein zwischen Hermann und Hans. Also es hat so ein bisschen was von erster Liebe und es wird nie direkt gesagt, aber zwischen den Zeilen kann man das schon erkennen, finde ich. Petra: zwischen den Feilen wert. Tino Wiesinger: Gerade in der Zeit ist das natürlich, und in diesem Internat ist das natürlich auch so bisschen problematisch, wenn da zu enge Beziehungen zwischen den Schülern herrschen, weil die sollen sich ja auf den Schulstoff konzentrieren. Die Schule ist nicht für Freundschaften da, könnte man jetzt sagen, was in der Zeit zumindest. Habe ich auch häufiger schon mal... Petra: Und gleichzeitig fördert ja diese Atmosphäre das Ganze. Tino Wiesinger: im schulischen Kontext gehört, sondern ihr sollt lernen, ist natürlich Unsinn letztendlich, denn es geht ja auch ⁓ die psychosoziale Entwicklung der Kinder. Und gerade in Maulbronn, glaube ich, das überhaupt keine Rolle. Petra: gerade wenn das eine so ausgegrenzt wird, ja nun die Wahrscheinlichkeit, dass es dann auf der anderen Seite auch extremer integriert wird gegeben. Also weil ja nicht das normale Miteinander, das Freundschaftliche, gefördert wird. Tino Wiesinger: eben. Gerade dadurch entsteht ja Leistungsdruck und entstehen auch psychische Probleme, wenn eben dieses Soziale nicht wirklich gefördert wird, Freundschaften nicht gefördert werden. Und das passiert eben auch bei Hans. Und letztendlich passiert das eigentlich auch bei Hermann. Aber Hermann kann sich da noch gegen Wehren, der schwänzt mal den Unterricht und letztendlich führt es aber dazu, dass Ja, auch Hans nachts wach liegt und nicht schlafen kann, Albträume hat und denkt, ich schaffe das alles nicht, Versagensängste spielen da eine Rolle. Und was liegt da näher als an den neuen Schwerter zu denken? Also da in dieser Situation befindet sich Hans. Er hat aber immerhin noch einen Herrmann, ⁓ das Ganze so ein bisschen zu ertragen. Aber irgendwann muss auch Hermann Haulbronn verlassen. wird rausgeschmissen. Und dann ist Hans im Prinzip ganz alleine. Und er muss alles, das was da in der Schule in diesem Internat von ihm gefordert wird, selbst stemmen und selbst tragen. Und alle sagen immer noch, du schaffst das, gönn dir mal nur mal so ein paar Freizeitstunden, Spaziergang und so weiter. Und dann wirst du das schon schaffen. Und Hans versucht es auch. Wir sind hier eindeutig bei den Zehn Stäben. Die Schule fordert ihn und sagt, ja, du musst jetzt das alles noch schaffen. Hier noch eine Klausur und hier noch mehr Auristformen und Theologie musst du auch lernen und lernen wir hier das und das auswendig. kommt mir teilweise auch ziemlich bekannt vor, wenn wir heute noch in die Schule gucken letztendlich. Gerade so in Klausurphasen, dann herrscht schon auch ziemlich Leistungsdruck. Petra: Letztendlich ist es ja auch die klassische Burnout-Card, sagt, du wirst überfordert und kannst eigentlich dem Druck, der auf dich ausgeübt wird, mehr standhalten. Zu wenig Abgrenzung. Tino Wiesinger: Ja. Er kann es nicht mehr irgendwann. Er bricht am Ende zusammen. Denn irgendwann kann er nicht mehr, kann ihm bleiben überhaupt keine Freiheiten, keine Möglichkeiten mehr. Er ist sozusagen in einer gefangenen Lage. ist gefangen und kommt da nicht raus aus dieser Situation. Und er kann auch aus eigener Kraft Petra: Ja. Tino Wiesinger: das nicht umkehren. Er sieht immer noch das Lernen und den Druck, den er der Schule erfährt und kann sich aber aus eigener Kraft nicht aus seiner Schlinge befreien. Und da sind wir schon bei dem Gehängten. Gerade dann als Hermann weg ist, kommt er aus dieser Lage des Gehängten nicht mehr raus. Und was passiert irgendwann? Irgendwann reißt sogar das Seil. Also er kann sich nicht befreien, dass Seil da ist. So muss man es eigentlich sehen. Und er bricht völlig zusammen. Er fällt runter. Er fällt runter und bleibt völlig ohnmächtig liegen. Es ist nicht der Gehängte, noch irgendwelche Möglichkeiten hat, sondern wirklich ein... kann nicht hin. Und wenn man sich die Karte, müssen wir uns merken, wenn wir uns nämlich die Farbgestaltung angucken. Oben ist... Petra: nicht mehr. Ja. Tino Wiesinger: Rot erst mal umgekehrt und unten ist blau. Und das Wasser übrigens spielt ja bei Hermann, bei Hans auch eine ziemliche Rolle. Das Angeln selber und wenn wir auf das Ende des Romans gucken, spielt das Wasser auch nochmal eine Rolle, in einer nicht sehr positiven Situation. Aber er ist auf jeden Fall in dieser Lage des Gehängten. Und was passiert mit Schülern, die in dieser Lage sind, handlungsunfähig sind? Petra: Nein. Tino Wiesinger: Sie werden schlechter, wird vom Klassenbesten plötzlich zum Schlechtesten in der Klasse. Und er wird nach Hause geschickt. Genau. Und ja, offiziell heißt es erst mal, er wird in den Urlaub geschickt nach Hause. Aber jeder weiß eigentlich, er wird nicht mehr zurückkommen. Denn man darf sich keine Schwächen erlauben in diesem System. Das ist einfach das Problem. Petra: kommt alles dazu, seelisch, gesundheitlich fertig. Tino Wiesinger: Und er hat auch nicht wirklich irgendwelche Menschen außer Hermann, ihn da unterstützen. Da sind nicht wirklich nette Lehrer, die ihm zuhören und die sagen, komm wir finden da eine Lösung und so. Das gibt es nicht. Man ist einfach Teil dieses Systems. Er ist Teil dieses Elite Internats letztendlich. Und wenn du da keine Leistungen bringst, bist du raus. Dann war es das halt. Da musst du nicht mal irgendwas Schlimmes getan haben, sondern Pech gehabt letztendlich. ja, auch dieses, wenn wir in die heutige Zeit gucken, wir haben zwar ein Schulsystem, was irgendwie durchlässiger ist, dann kannst du noch irgendwo anders hingehen. auch auch Hans kann ja dann am Ende noch eine Ausbildung machen und so, aber so wirklich. Möglichkeiten, dass er da in die Elite der Gesellschaft aufsteigt, die hat er nicht. Und natürlich sind auch die Menschen ⁓ ihn herum entsprechend enttäuscht. Der Vater, er hat das Gefühl, die Leute enttäuscht zu haben und ihm geht es natürlich dadurch psychisch immer schlechter. Aber er kommt nach Hause und er soll dann eine Lehre machen. Aber er merkt schon, wenn er dann auch mal angeln geht, er guckt sich dann in der Umgebung Petra: war's. Tino Wiesinger: und dann sieht er da einen Baum und dann sagt er so solche Sachen wie, das wäre auch ein Baum, da könnte man sich gut dran aufhängen und so. Also da werden schon eindeutige suizidale Tendenzen deutlich gemacht im Roman. Und keiner hört ihn, er macht das mit sich selbst aus. Der, der ihn gehört hätte, der ist nicht da. Mit Hermann hat er keinen Kontakt. Der Vater kann und will ihn nicht hören. der Pfarrer und der Lehrer sowieso nicht, der Schuster Fleig, naja, der könnte eine Option sein. Und es kommt ja dann sogar zu einer Apfelmost-Ernte sozusagen oder Apfelmostlese, ich weiß nicht, wie man das genau nennt. Und dort lernt er ja sogar die Nichte von Schuster Fleig kennen, Emma, und es entbahnt sich so eine kleine Liebesgeschichte an. Aber auch die verschwindet wieder nach dieser nach dem Herbst, wenn der Apfelmost hergestellt ist, wenn das alles vorbei ist, dann ist auch Emma wieder weg und er ist wieder allein. Und er sagt aber nichts. Er sagt im Prinzip dazu gar nichts, sondern macht das wirklich alles mit sich selber aus. Und was passiert, es passiert das, was passieren muss. Irgendwann wird Hans gefunden, er treibt in diesem sondern im See, wo immer geangelt hat und ist tot. Und da sind wir gerade bei dieser Karte natürlich, aber hier auch wirklich der echte Tod. ist nicht, wie ich immer gerne sage, ich sehe die Karte immer als Auferstehungskarte. Nein, für Hans ist das keine Auferstehung. ⁓ Wir wissen nicht, was nach dem Petra: Also, der hätte fast noch die Zehen der Schwerter dann eben auch nehmen können. Er hat sich selbst überfordert und hat gar keinen anderen Ausweg mehr gesehen, auch wenn es nicht ganz aufgelöst wird. Tino Wiesinger: Er liegt da und bei ihm geht nicht die Sonne auf. Das muss man einfach auch mal klar sagen. Bei ihm geht nicht die Sonne auf, sondern sie geht unter. das... Ja, dieser Hierophant, der steht da noch und hat wahrscheinlich irgendwelche klugen Sprüche. Der steht ja auch auf der Todkarte noch und hat dann kluge Sprüche parat. Aber ich sagte, der einzige kluge Spruch, der dann kommt, ist von Schuster Fleig, der dann sagt... So was wie einige dieser Herren haben sehr viel dazu beigetragen, dass es zurückgekommen ist. Und damit sind eindeutig der Vater, der Lehrer und auch der Pfarrer gemeint. Denn, ja, die haben zwar nicht direkt immer gesagt, du musst der Beste sein, sondern sie haben immer angetrieben. Es sind ja eigentlich immer so Möglichkeiten gewesen. Ja, komm noch zu mir und dann gebe ich dir noch extra Stunden, auch in deinen Ferien. scheinbar gut oder anscheinend gut gemeint. Aber letztendlich hat keiner von denen gesehen, dass auch Hans noch jemand ist, der noch sein Kind sein, sein Jugendsein leben sollte und nicht nur von Leistung geprägt werden darf. Petra: Leistungserfüllung, Leistungserbringung und eigentlich ja nun auch die Wünsche der Eltern damit zu übernehmen, ohne dass er selbst gefragt wird. Tino Wiesinger: Er scheitert komplett. Deswegen muss dieser unscheinbare Roman erst mal wirklich so gelesen werden als absolute Gesellschaftskritik und Kritik am Bildungssystem, den Erwachsenen, wie die den Kindern umgehen und so weiter. Man merkt es oftmals vielleicht gar nicht, wie man die Kinder dann so antreibt. dann gar nicht so. Petra: Inwieweit man sie halt auch vor den Karren spannt, ⁓ die eigenen Wünsche oder das, was man selber als Anforderung bekommen hat, durch die Kinder wieder zu erreichen und bestätigt zu bekommen. Also da ist eine ganz andere Ebene dann dahinter. Tino Wiesinger: Ja, und auch als Lehrer. Wenn man so einen Klassenprimus hat und denkt, du bist der Klassenbeste und aus dir kann richtig was werden, aus jedem kann richtig was werden, auch wenn er nicht der Klassenbeste ist. Und es ist völlig egal, ob die Person dann am Ende studiert oder sonst irgendwas macht, solange sie glücklich ist. Und ich glaube, ist das, was man gerade als Lehrer oder als Eltern den Kindern mitgeben muss, dass es hier darum geht. Die Heldenreise wirklich so zu bestehen, dass am Ende die Sonne da steht, das innere Kind gelebt werden kann und dann man in die Welt hinausgehen kann. Das ist, ich, das, was man mitgeben muss und nicht ständig wie so ein Fass, das immer noch weiter mit Bildung gefüllt werden muss. Klar, Bildung ist schön und ich stehe auch hier als Lehrer und als jemand, der auch an der Uni unterrichtet, auch als Repräsentant von Kultur, Tradition und Bildung. Petra: Aber wir machen das, weil es uns Spaß macht. Das ist der große Unterschied. Tino Wiesinger: Das ist das, was ich auch den Schülern vermittel und sage, du musst nicht in jedem Fach der Beste sein. Ich mag auch nicht mehr diesen Satz, gib dein Bestes. Dieser Satz, gib dein Bestes, bedeutet, für viele könnte das bedeuten, sich bis zur Erschöpfung totzuarbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes, wie man bei Hans Giemrad gesehen hat. Mach das, was für dich das Beste ist. Das ist, glaube ich, das Beste. Und da sind wir auch als Erwachsene gefordert, ⁓ mit den Jugendlichen und Kindern zu gucken, was ist denn das Beste. Petra: heute auch in einer anderen Zeit, die mehr Vielfalt erlaubt und lebt, als es früher zu dieser Zeit einfach möglich war. Tino Wiesinger: Aber trotzdem wirklich ein absolut aktueller Roman. Nicht nur für Schüler, auch wir gelangen oftmals unter das Rad, so als Erwachsene. Petra: Ja. Definitiv. Was lassen wir mit uns machen und aus welchen Gründen lassen wir es dann auch mit uns machen? Als Erwachsene dürfen wir es ja auch selber steuern und wir tun es nicht immer. Tino Wiesinger: Man muss sich überlegen, wir haben im Jahr 2026 das Jahr des Schicksalsrades sozusagen. Das Rad des Schicksals steht im Zentrum und das dreht sich. Vielleicht geraten wir mal unter das Rad, aber wichtig ist, dass wir dann auch wieder nach oben kommen und dem Lauf der Dinge folgen. wirklich frei sein können, so wie Crowley das auch sagt. Der sagt ja, man ist wirklich dann frei, wenn man wie ein Planet seine Bahnen ziehen kann. Und das ist Hans Gibra nicht vergönnt. Der kann nicht seine Bahnen ziehen. Der wird nämlich nur angetrieben von der Gesellschaft, anderen Leuten. Damit gerät er unters Rad, ohne da selber wieder rauszukommen. Petra: Ja. Ja, definitiv. Tino Wiesinger: Ja, wenn wir uns jetzt angucken. Ich habe eben in unserem Vorgespräch schon gesagt, eigentlich könnte man den Roman auch einfach der Hierophant nennen. Petra: Ja, wir haben gesagt, das ist die Karte, eigentlich über dem ganzen Roman steht. Tino Wiesinger: Das stimmt. Also letztendlich alles steht unter diesem Hierophanten und alles wird davon abhängig gemacht. ich glaube, da steckt die wichtigste Botschaft dahinter. Ja, der Hierophant ist gut. Kultur ist gut. Tradition, Bildung ist gut. Aber nur dann, wenn wir auch Gefühl mit einbeziehen. Petra: Ja. wenn sie öffnet, wenn sie Vertrauen schafft, wenn sie über den Tellerrand hinausguckt, wenn sie andere Einflüsse zulässt und nicht wenn sie reglementiert. Tino Wiesinger: Keine Dogmen, sondern eher auf Freiheit bedacht. Das ist, glaube ich, ganz wichtiger Punkt. Wie immer haben wir natürlich, wie schön, wir hätten jetzt den Hierophanten auch gezogen, den haben wir aber nicht gezogen. Sondern, was haben wir sonst nicht gemacht? Ich habe heute eine Karte gezogen, ich erst dachte, was soll das denn mit Petra: Ja. Nein. So einfach haben wir es uns nicht gemacht. Tino Wiesinger: dem Roman zu tun haben. Und tatsächlich hat diese Karte auch mit dem Roman nichts zu tun. Nämlich habe ich hier die Königin der Kelche. Die fehlt. Es fehlt die Kelchenergie in dem Roman komplett. Fehlt auch die weibliche Energie, die Königin, die sich kümmert, die wirklich auch die Bedürfnisse von Hans und generell von den Jugendlichen im Internat sieht. Das fehlt. Es gibt keine Königin und es gibt vor allem keine Kelchenergie. klar, doch vielleicht von Hermann, aber der verschwindet ja wieder. Der gehört hier, ja eigentlich letztendlich auch unter diesem Rat. Deswegen ist genau hier die Karte aufgetaucht, die vielleicht in diesen Hierophanten noch integriert werden muss. Der Hierophant braucht die Königin der Kelche. ⁓ ein guter Hierophant zu sein. Das ist, glaube ich, die Botschaft, dahinter steht. Petra: Ich habe eine ganz andere Karte gezogen und zwar die Sechs der Schwärter. Fand ich spannend, weil da ist bei mir immer so die Geschichte der Schwärter, auch die dahinter steht, der vor ist die Fünf, die heißt da ist eine Schlacht, die geschlagen wurde und es kommt darauf an, ob du derjenige bist, der alle platt gemacht hat oder ob du platt gemacht wurdest und bei der Sechs heißt es eigentlich noch mal so ein bisschen Aufbruch zu ungewissen noch nicht bekannten Ufern. Und wir hatten vorher auch darüber gesprochen und gesagt, das ist vielleicht genau dieser Moment, als er vom Internat wieder zurückgeht. Es hat ihn überfordert und es wäre vielleicht, weil die Sechsen immer auch ein bisschen Unterstützerkarten, man sieht aber in dem Fall bei den Schwertern nicht, wer hinter einem steht. Vielleicht wäre es nochmal die Chance gewesen durch diese Rückkehr. ein anderes Leben zu führen, anderes Ufer zu betreten und noch mal Fuß zu fassen. Das heißt, indirekt hätte ihn sogar jemand dabei unterstützt, so schwer das ganze Schicksal ist. Andererseits die Geschichte zeigt auch, das neue Ufer oder das Unbekannte hat leider nicht mehr dazu geführt, dass er Fuß fassen konnte. Von daher ist das so eine Situationskarte, fand ich aber sehr spannend zu sagen. Wo kann man sie denn einordnen? Tino Wiesinger: Es ist vor allem zu spät. Also dieser Rückkehr ist zu spät und er fällt sozusagen, wir können bei dem Bild bleiben, er fällt aus dem Boot direkt ins Wasser und kann auch auf Bühne werden. Petra: Es ist zu spät. Ja, leider. Er erreicht sozusagen seinen Ufer, an dem er nochmal neu hätte Fuß fassen können, für sich dann nicht mehr. Tino Wiesinger: Ja. Das war und ist unterm Rat von Hermann Hesse. Und ich kann wirklich nur noch mal betonen, das ist glaube ich ganz, ganz wichtig, dass wir, das sagen wir immer bei den Botschaften von Literatur, dass wir das auch in unser Leben integrieren, was wir ja mit Tarot dann auch immer noch mal deutlicher machen. Tarot ist ja auch, ist ja eben unser Leben. Und es unterstützt uns quasi, die Literatur auch in unser Leben zu holen. Und ich glaube, das, was die Autoren wollen und was Literatur soll, einerseits natürlich soll es unterhalten und es soll uns emotional berühren und angreifen. Aber wir sollen doch auch was daraus lernen und zwar für unser eigenes Leben und für das Leben von anderen, wie wir mit anderen umgehen. Und ich bei Unterm Rat wird das nochmal ganz besonders deutlich. Petra: Ja. Ja. Und ich glaube, ist auch das Schöne am Tarot, dass jede Karte Impulse für uns bereithält und ja auffordert uns auch mit der Karte zu beschäftigen, was wir darin sehen. Und das ist nie eine Einbahnstraße, sondern das eröffnet eigentlich einen ganz großen Raum. ja, damit sind wir auch dieses Mal schon wieder am Ende. Wir hoffen, wir haben euch inspiriert. Wir haben vielleicht neue Sichtweise auf einen altbekannten Klassiker gegeben und euch natürlich auch Tarot ins Herz gelegt. Und wir verabschieden uns für heute und freuen uns mit euch gemeinsam aufs nächste Mal. Tschüss! Tino Wiesinger: Bis dann!