Latest / recht:zeitig / Auftakt in Hamburg: Die Hostinnen von recht:zeitig stellen sich vor
Transcript
- 0:18SPEAKER_01: Herzlich willkommen.
- 0:19SPEAKER_01: Sie haben genau rechtzeitig eingeschaltet.
- 0:22SPEAKER_01: Wir begrüßen Sie zu unserem neuen Podcast rechtzeitig.
- 0:25SPEAKER_01: Wir sind Susanne Beck, Stefanie Bock, Charlotte Schmidt Leonardi, George Stefano Polo, Dana Valentina, and Liane Werner.
- 0:35SPEAKER_02: Wir sind gemeinsam rechtzeitig in Hamburg eingetroffen und zeichnen heute also unsere erste Folge auf.
- 0:45SPEAKER_02: Was diesen Podcast ausmacht, das erklären wir Ihnen jetzt in drei Teilen.
- 0:50SPEAKER_01: Und zwar im ersten Teil, warum wir diesen Podcast machen.
- 0:54SPEAKER_01: Dann im zweiten Teil, was denn für uns ein guter Diskurs ist, und im dritten Teil, welche Themen wir diskutieren wollen und was wir uns von unserem Podcast wünschen.
- 1:03SPEAKER_02: Ja, und Susanne und ich, wir fangen jetzt einfach mal an.
- 1:06SPEAKER_02: Also es gibt so einen Satz, den man in den letzten Jahren immer öfter hört.
- 1:10SPEAKER_02: Unsere Gesellschaft ist derart polarisiert, dass wir kaum noch miteinander sprechen können.
- 1:16SPEAKER_02: Die Frage ist, stimmt das eigentlich, Susanne?
- 1:20SPEAKER_01: Ja, es scheint zu stimmen.
- 1:22SPEAKER_01: Also, ich habe das Gefühl, dass wir alle vergessen haben, wie wir miteinander streiten und dass wir dringend überlegen müssen, woher das kommt und was wir dagegen tun können.
- 1:33SPEAKER_01: Und das sind ja sozusagen die Fragen, die wir unserem Podcast zugrunde gelegt haben.
- 1:39SPEAKER_01: Und dieser Podcast und was wir damit wollen, nämlich dass wir auf eine besondere Art und Weise miteinander diskutieren, uns besser zuhören wollen und eben neue Räume erschaffen wollen dafür, das treibt uns ja schon eine ganze Weile um.
- 1:51SPEAKER_01: Wir, das sind jetzt erstmal für den ersten Abschnitt unserer heutigen Folge, Liane Wörner und Susanne Beck.
- 1:58SPEAKER_01: Wir haben uns auch überlegt, dass wir unsere Gäste und Gästinnen für die Zukunft auf eine besondere Art und Weise auch vorstellen wollen.
- 2:05SPEAKER_01: Nicht nur immer den klassischen CV, sondern ganz besondere Fragen.
- 2:09SPEAKER_01: Und das proben wir heute mal aneinander, Liane.
- 2:13SPEAKER_01: Dann darf ich dich erstmal vorstellen.
- 2:15SPEAKER_01: Liane Wörner ist seit 2019 Inhaberin des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafrechtsvergleichung, Medizinstrafrecht und Rechtstheorie an der Universität Konstanz und seit 2022 Direktorin des dort von ihr mitbegründeten Zentrums für Human Data Society.
- 2:34SPEAKER_01: Dort setzt sie sich verstärkt für Erfordernisse interdisziplinären Zugangs zur Rechtswissenschaft und zur gesellschaftlichen Relevanz ein.
- 2:42SPEAKER_01: Und jetzt zu unseren besonderen Fragen.
- 2:44SPEAKER_01: Die erste, die dir, glaube ich, schon ganz besonders gut gefällt, Liane, ist die Frage nach dem vermeintlichen Scheitern, das sich aber vielleicht als was Positives gezeigt hat.
- 2:56SPEAKER_02: Ja, da erwischte mich genau an der richtigen Stelle.
- 2:58SPEAKER_02: Ich habe mit der Frage wirklich große Probleme, weil ich sagen würde, ich scheitere eigentlich wirklich immer.
- 3:04SPEAKER_02: Wir scheitern deshalb, weil ich immer hinter meinen eigenen Erwartungen zurückbleibe.
- 3:08SPEAKER_02: Und die Frage für mich eigentlich wirklich eher lauten müsste, wie geht man mit Scheitern eigentlich um?
- 3:13SPEAKER_02: Was macht man damit?
- 3:15SPEAKER_02: Und dazu würde ich dann sagen, weil es ja geht, so vermeintliches Scheitern, in der Tat, positiv erlebe ich, dass ich aus diesen immer wieder hinter Erwartungen zurückbleibe, reflektiere und dass eigentlich so eine Art Antrieb ist, immer weiter zu fragen und ich eigentlich als Person nie aufhöre zu fragen.
- 3:33SPEAKER_02: Immer da, wo ich meine, ich habe was erreicht, dann habe ich schon wieder die nächsten 30 Fragen im Patto.
- 3:38SPEAKER_01: Den Antrieb hat man dir jetzt auch richtig angehört, finde ich.
- 3:41SPEAKER_01: Ja, toll.
- 3:43SPEAKER_01: Ja, das lassen wir jetzt einfach so stehen.
- 3:45SPEAKER_01: Genauso haben wir es ja auch geplant, dass wir uns da immer etwas besser kennenlernen und kommen jetzt schon zur zweiten Frage, nämlich gibt es einen Film, ein Buch, eine Serie, die dich besonders geprägt hat oder auszeichnet?
- 3:58SPEAKER_02: Naja, wir haben da ja vorher auch so ein bisschen drüber diskutiert.
- 4:01SPEAKER_02: Und ich weiß jetzt schon, dass ihr fast alle Bücher vorstellen werdet.
- 4:04SPEAKER_02: Ich lese so viel, dass ich mich da nicht entscheiden konnte.
- 4:07SPEAKER_02: Und deshalb habe ich gedacht, ich bringe was ganz, ganz anderes mit und habe nicht mal einen Film mitgebracht, sondern in der Tat eine Serie.
- 4:12SPEAKER_02: Das ist eine Serie, die mich und ich schaue tatsächlich wenig sehr hin, aber das ist eine, die hat mich wirklich festgehalten.
- 4:19SPEAKER_02: Und das ist die Serie, ich glaube, auf Apple TV ist die sogar gewesen, Ted Lasso.
- 4:25SPEAKER_02: Und da warte ich wirklich auf die nächste Staffel, weil das so eine gute Zeichnung ist und so sensibel von Gesellschaft und Gender, Freundschaft, Zusammenhalt, aber auch wie kraftvoll Veränderung sein kann.
- 4:39SPEAKER_02: Und wo die anfangen kann.
- 4:40SPEAKER_02: Und zwar auch mal mitten in einem Fußballstadion durch eine Leiterin eines Fußballteams, die das nur übernommen hat, um ihren Mann aus dem Weg zu räumen und dem richtig zu ärgern.
- 4:52SPEAKER_02: Und ich finde es so gut, also unbedingt sehenswert.
- 4:54SPEAKER_02: Okay, dann darf ich aber jetzt mal einfach direkt das Mikro behalten und darf euch mal Susanne Beck vorstellen.
- 5:02SPEAKER_02: Susanne Beck ist seit 2013 Inhaberin des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafrechtsvergleichung und Rechtsphilosophie in Hannover an der Universität.
- 5:14SPEAKER_02: Seit einigen Jahren schon setzt sie sich verstärkt in der Wissenschaftskommunikation ein und beschäftigt sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen aus Perspektive der Rechtswissenschaft.
- 5:24SPEAKER_02: Susanne ist übrigens auch eine herausragende Autorin.
- 5:27SPEAKER_02: Das würde ich auch gerne sagen.
- 5:29SPEAKER_02: Seit 2026 ist sie auch die Vorsitzende des Landespräventionsrates in Niedersachsen und derzeit ist sie auch Dekanin in Hannover an der Universität und trotzdem hier bei uns.
- 5:41SPEAKER_02: Also vielen Dank, Susanne.
- 5:43SPEAKER_02: So, jetzt wissen wir so ein bisschen, wer du bist, aber wollen natürlich auch von dir wissen, wie du so mit Scheitern umgehst oder was ist dein vermeintliches Scheitern.
- 5:55SPEAKER_01: Also da gibt es auch so einige, aber eins, was mich, glaube ich, doch sehr geprägt hat, ist, dass ich nach dem ersten Staatsexamen eigentlich gedacht habe, ich höre mit Jura auf und einen ziemlichen Wandel sozusagen gemacht habe und dann in den Journalismus gegangen bin und mir da verschiedene Medien angeschaut habe und überlegt habe, ob ich dort bleibe und habe tatsächlich gemerkt, dass ich dafür nicht geeignet bin aus verschiedenen Gründen.
- 6:19SPEAKER_01: Also nicht stressresistent genug und auch, ja, ich habe immer mehr Zeit gebraucht für die Themen und die hat man da, finde ich, nicht.
- 6:27SPEAKER_01: Also es war mir zu schnell und habe dann doch beschlossen, das Referendariat und das zweite Staatsexamen doch noch zu machen und bin dann in Jura gelandet und jetzt im definitiv für mich besten Beruf der Welt.
- 6:37SPEAKER_01: Also insofern hat sich das zum Guten aufgelöst, das Scheitern.
- 6:41SPEAKER_02: Ja, wir sind ziemlich froh, dass du Professorin geworden bist, wenn man das mal so sagen darf.
- 6:46SPEAKER_02: Für Forschung und Lehre.
- 6:47SPEAKER_02: Jetzt schreibst du ja auch Bücher, aber so wie ich von dir weiß, liest du auch ganz viel.
- 6:52SPEAKER_02: Hast du uns ein Buch mitgebracht, vielleicht?
- 6:55SPEAKER_01: Ja, bei mir ist tatsächlich andersrum als bei dir.
- 6:57SPEAKER_01: Ich schaue so viel Netflix her hin, dass ich mich da nicht entscheiden kann.
- 7:01SPEAKER_01: Deswegen habe ich ein Buch mitgebracht.
- 7:03SPEAKER_01: Und auch da konnte ich mich nicht entscheiden, aber jetzt würde ich doch, glaube ich, nehmen, Simone de Beauvoir, alle Menschen sind sterblich.
- 7:10SPEAKER_01: Und zwar ist das ein Buch, was ich wirklich schon mit, ich glaube, 16 oder 17 gelesen habe.
- 7:16SPEAKER_01: Und das hat mich sehr geprägt, weil es mich als Atheistin mit der eigenen Sterblichkeit versöhnt hat.
- 7:22SPEAKER_01: Und das bis heute mich beruhigt, dass das gar nicht so schlimm ist, dass wir sterblich sind.
- 7:28SPEAKER_02: Ja, sehr gut.
- 7:29SPEAKER_02: Und jetzt ist das wirklich so, dass genau diese Punkte uns alle so hier zusammenbringen, die im Moment in der Mitte unserer Gesellschaft auch aus unserer Sicht insgesamt fehlen, dass wir gesagt haben, we müssen dem was mal oder weinem gerne was entgegensetzen.
- 7:45SPEAKER_02: I think one of the punkte, die uns so gestört haben, as we drüber nachgedacht, ob and wie weit reagieren can is that man of own mächtig is when man forhalte lies, they not obeched and weitergash.
- 8:08SPEAKER_02: And man too much braucht, um to reagieren.
- 8:11SPEAKER_02: And we festgestelled that we in solar bubbles verschwinden and not more gemeinsome in one ram read.
- 8:18SPEAKER_02: Also, we beschäftigt im Kern so the feeling of Gesprächsfähigkeit, that we zunehmend beobachten.
- 8:27SPEAKER_02: And we are zusammengekommen, weil we with this fehlendiskurs all in unterschiedlichen Formen in Berührung gekommen sind anders.
- 8:38SPEAKER_02: Susanne, a frage an dich.
- 8:40SPEAKER_02: Gibt's vielleicht so ein Gespräch or a Debatte where du für dich gesagt hast, that geht's so nicht mehr weiter?
- 8:47SPEAKER_01: Yeah, sogar einige.
- 8:48SPEAKER_01: Ich habe auch überlegt, was sozusagen eigentlich das Schlagkräftigste davon ist, oder vielleicht das Bezeichnendste.
- 8:54SPEAKER_01: Also, eins, mit dem wir alle auch so ein bisschen zu tun hatten, war, glaube ich, der Fall Frau Prosius Gerstov, den ich immer noch im Hinterkopf habe und wo ich finde, dass sich das sehr deutlich gezeigt hat, wie Dinge, die früher eigentlich reibungslos gelaufen sind, auf einmal sehr polarisiert und sehr aufgeheizt verlaufen.
- 9:11SPEAKER_01: Und seitdem haben wir, glaube ich, immer mal wieder wahrscheinlich alle unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
- 9:16SPEAKER_01: Ich kann mich auch noch erinnern, im Rahmen der letzten Bundestagswahl, da hatten wir mit einem Kollegen Bernd Dieter Meyer zusammen zum Beispiel eine Stellungnahme gemacht zu der Frage populistische Strafrechtsdebatten und auch die Reaktionen, die wir darauf erhalten, haben man teilweise sehr emotional, sehr aufgeheizt und sehr wenig miteinander.
- 9:39SPEAKER_01: Und ein kleines Beispiel, wo ich finde, wo man das ganz aktuell auch wieder sieht, ist die Frage von Entkriminalisierung von Schwarzfahren.
- 9:45SPEAKER_01: Das wird auf einmal auch so eine Diskussion, wo die Debatte hochkocht in einer Art und Weise, die ich finde, die mit dem Thema eigentlich gar nichts mehr zu tun hat.
- 9:53SPEAKER_01: Also ich glaube, wir könnten alle wahrscheinlich ganz viele Beispiele sagen.
- 9:56SPEAKER_01: Und daran sieht man, das geht immer weniger um die Sache, wir sind immer mehr in Lagern aufgeteilt und führen eine Debatte, die eben den Themen und den Problemen nicht guttut und aus unserer Sicht jedenfalls erschwert, Lösungen zu finden.
- 10:14SPEAKER_01: Also weiß ich, wie geht's dir, Liane?
- 10:16SPEAKER_02: Ja, ich finde auch schwierig, dass mit dieser zunehmenden Polarisierung immer noch gleich so eine moralische Bewertung einhergeht und die sich auch so zuspitzt.
- 10:29SPEAKER_02: Und das Ganze nimmt so eine Fahrt und eine Geschwindigkeit auf, die durch die verschiedenen Formate von sozialen Medien auch ganz stark geprägt ist.
- 10:38SPEAKER_02: Und wo ich auch sagen würde, dass gerade diese Digitalisierung der Medien ein zunehmendes Problem für uns ist.
- 10:47SPEAKER_02: Weil wir dadurch uns viel mehr in diese, das habe ich vorhin, glaube ich, schon mal gesagt, in diese einzelnen Bubbles begeben, die sich aber gar nicht mehr miteinander verbinden lassen.
- 10:56SPEAKER_02: So dass mir eigentlich dieser offene Diskurs von allen miteinander, der fehlt mir.
- 11:04SPEAKER_02: Und den hätte ich so gerne zurück, dass wir den wieder da haben.
- 11:08SPEAKER_02: Also is es vor allem so diese Zuspitzung, die da drin steckt.
- 11:13SPEAKER_02: And ich glaube, was wir auch vielleicht mal irgendwann in der richtigen Folge auch hier diskutieren sollten, is that with dieser Digitalisierung der Medien eben auch einhergeht, dass a bestimmte Discussion immer eine bestimmte Form of likes, dislikes, Zustimmung, Ablehnung auslöst.
- 11:30SPEAKER_02: And that the algorithmen lagen bestimmt.
- 11:33SPEAKER_02: And that sich durch these Algorithmen auch der Diskurs verändert.
- 11:38SPEAKER_02: While uns Dinge angezeigt werden, die die höchsten Anschlagszahlen haben und nicht Dinge, die richtig sind, die wichtig sind.
- 11:43SPEAKER_02: Also we werden zunehmend quantifiziert und zwar von außen quantifiziert.
- 11:48SPEAKER_02: Und das stört mich.
- 11:49SPEAKER_02: Das würde ich gerne zurückholen.
- 11:51SPEAKER_02: Also würde ich ja auch gerne mit uns so die Zeit anhalten, sodass wir immer mit dem Recht in der Zeit sind.
- 11:57SPEAKER_01: Ja, genau.
- 11:58SPEAKER_01: Also ich glaube auch, dass völlig richtig.
- 12:00SPEAKER_01: Das eine Diagnose, die wir irgendwie, wenn wir über Debatten sprechen, ist tatsächlich nur die Digitalität, die was macht das mit uns, dass wir ganz viel eigentlich nur noch in sozialen Netzwerken diskutieren und einem eben immer weniger persönlich und dass die Algorithmen unsere Emotionen ja bewusst anfeuern und eben nicht beruhigen, nicht dazu dienen, dass wir sachlich miteinander sprechen, sondern im Zweifel wird einem das gezeigt, was einen entweder schon bestärkt in der Ansicht, die man ohnehin hat, oder eben bewusst auch Dinge, die einen ja empören soll.
- 12:36SPEAKER_01: Also diese Empörungsalgorithmen, ich denke, das ist auch das, was du meinst, die dazu natürlich total beitragen, dass wir die andere Seite überhaupt nicht mehr verstehen können oder wollen, sondern sofort empört sind.
- 12:49SPEAKER_01: Wie kann man nur so denken, wie kann man sowas nur sagen.
- 12:52SPEAKER_01: Mir geht es tatsächlich selber auch so, ich bemerke das auch an mir, dass ich jetzt, wenn ich Leute lese, die, ich weiß nicht, ob ihr das auch mitbekommen habt, die das Urteil über den, der einen Polizisten erschossen hat und jetzt für schuldunfähig erklärt wurde.
- 13:06SPEAKER_01: Und der wird jetzt von allen Seiten kommentiert.
- 13:08SPEAKER_01: Und wenn Leute dann nicht verstehen, was Schuldunfähigkeit heißt, dann sitze ich auch irgendwie da und denke, ah, also diese Empörung funktioniert ja bei einem selber sogar dann gut, wenn man sie eigentlich versteht.
- 13:19SPEAKER_01: Und das ist tatsächlich ein Hindernis, glaube ich, auch in der aktuellen Debatte.
- 13:24SPEAKER_01: Und dann ja noch ein paar andere Dinge, vielleicht, die wir auch beobachtet haben.
- 13:28SPEAKER_01: Dazu kommt dann ja auch noch Skepsis gegenüber dem, was wir eigentlich alle tun, nämlich Skepsis gegenüber der Wissenschaft.
- 13:35SPEAKER_01: Und auch das ist ja ein großes Problem in der aktuellen Debatte.
- 13:38SPEAKER_01: Nicht, dass Wissenschaft immer alles weiß und richtig macht, aber dass sie halt auch nicht mehr anerkannt und vielleicht auch nicht mehr verstanden wird, weil ich jetzt gar nicht sagen würde, dass nur die schuld sind, die uns nicht verstehen, sondern vielleicht ein Stück weit ja auch wir selber, dass wir es nicht richtig kommunizieren.
- 13:55SPEAKER_01: Aber das versuchen wir ja hier besser zu machen und vielleicht anders zu kommunizieren, was wir tun.
- 14:02SPEAKER_02: Ich finde das ganz großartig, weil wir jetzt praktisch schon in dem Übergang sind zu dieser Idee, warum jetzt gerade dieser Podcast.
- 14:11SPEAKER_02: Und da war für uns, glaube ich, als wir dieses erste Gespräch darüber hatten zu entscheiden, Podcasts sind langsamer.
- 14:18SPEAKER_02: Wir sprechen miteinander.
- 14:20SPEAKER_02: Wir schreiben nicht nur einfach und überlassen den anderen die Interpretationshoheit.
- 14:24SPEAKER_01: Ja, genau, total.
- 14:26SPEAKER_01: Also die sind, die lassen mehr Raum für das Nachdenken, für das gemeinsame Gespräch.
- 14:32SPEAKER_01: Weil ansonsten in den sozialen Medien oder auch auf andere Weise haben wir das Problem, dass Kommunikation eben schneller geworden ist, aber nicht klüger.
- 14:40SPEAKER_01: Und das versuchen wir hier einzuholen und tatsächlich eben auch zu erlauben, dass sich verschiedene Perspektiven sich auszutauschen und konstruktiv wieder miteinander diskutieren.
- 14:53SPEAKER_01: Und eben nicht jetzt unbedingt eine Agenda pushen, sondern sich wirklich verstehen wollen.
- 14:58SPEAKER_01: Und damit sind wir ja eigentlich schon bei unserem zweiten Teil.
- 15:02SPEAKER_02: Wir wollen noch ganz kurz sagen, bevor wir in den zweiten Teil reingehen, dass wir diesen Weg hier zusammengehen mit ganz tollen anderen Wissenschaftlerinnen, uns darauf auch ganz sehr freuen und gemeinsam mit dem Nommus Verlag und der Gerd- und Ebeline Pozerius Zeit Stiftung, die unsere Idee beide von Anfang an unterstützt haben, uns fördern, uns hosten und finanzieren.
- 15:23SPEAKER_01: Absolut, total wichtig.
- 15:25SPEAKER_01: Und ja, jetzt, wenn wir eben sagen, wir möchten hier mit unserem Podcast einen Raum für Diskussionen schaffen, stellt sich natürlich sofort die nächste Frage, was ist eigentlich ein guter Diskurs?
- 15:37SPEAKER_01: Und damit gebe ich direkt an Charlotte und Steffi, die uns das ganz sicher beantworten müssen.
- 15:41SPEAKER_03: Segue, ja genau, was genau entsteht denn hier für einen Diskursraum und wie stellen wir uns dann vielleicht auch eine Debattenkultur vor?
- 15:50SPEAKER_03: Wir machen es aber jetzt mal wie ihr und stellen einander erstmal vor.
- 15:55SPEAKER_03: Das heißt, ich habe das Vergnügen.
- 15:57SPEAKER_03: Stefanie Bock, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung an der Philips-Universität Marburg.
- 16:08SPEAKER_03: Und braucht man derzeit im aktuellen Kontext Direktorin des International Center for War Crimes Trials.
- 16:15SPEAKER_03: Das heißt, dein Forschungsschwerpunkt, Steffi, liegt auch, ich will nämlich den nächsten nicht weniger groß machen, aber er liegt auch auf dem Völkerstrafrecht, seiner internationalen und nationalen Durchsetzung und politischen Wirkkraft.
- 16:28SPEAKER_03: Ich finde, das kann man derzeit nicht oft genug sagen und dafür habe ich so viel Respekt und Wertschätzung für das, was du machst.
- 16:34SPEAKER_03: Aber ich sagte explizit auch mit legal gender Studies, also Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, auch und gerade in internationalen Kontexten.
- 16:44SPEAKER_03: Das fand ich nochmal sehr, sehr spannend.
- 16:46SPEAKER_03: Und du hast im Vorgespräch angedeutet, dass dein größtes Scheitern etwas mit einem abgelehnten DFG-Antrag zu tun hatte.
- 16:56SPEAKER_03: Sag mal mehr dazu.
- 16:57SPEAKER_04: Ja, also ich habe vom Prinzip ja eigentlich mal ein ähnliches Gefühl, wie Liane, dieses Gefühl, dass es eigentlich unser Weg, auch wenn er nach außen vielleicht meistens gar nicht so aussieht, sondern irgendwie ganz viel mit Scheitern zu tun hat.
- 17:09SPEAKER_04: Und das, was ich jetzt mitgebracht habe, ist, glaube ich, ein sehr spezifisch wissenschaftliches Scheitern, nämlich die Ablehnung eines Antrags für die Deutsche Forschungsgemeinschaft der DFG.
- 17:22SPEAKER_03: Und das Scheitern von Anträgen kennen wir alle, aber das war für dich irgendwie besonders.
- 17:27SPEAKER_04: Ja, der war ein bisschen anders.
- 17:28SPEAKER_04: Das war ein Projekt, was wir mit mehreren Kolleginnen und Kolleginnen zusammen gemacht haben, ein internationales Rechtsvergleichnisprojekt und wir waren da wirklich mit Begeisterung bei.
- 17:39SPEAKER_04: Dann haben wir den eingereicht, waren ganz davon überzeugt, dann ist er abgelehnt worden.
- 17:43SPEAKER_04: Okay, Enttäuschung runtergeschluckt, überarbeitet neu eingereicht, wieder abgelehnt worden.
- 17:48SPEAKER_04: Und das Extrem deprimierende war, dass wir die Kritik sehr scharf fanden.
- 17:52SPEAKER_04: Wir fanden sie auch teilweise ungerechtfertigt, jedenfalls waren die Gutachten widersprüchlich und es war also extrem frustrierend und demotivierend.
- 18:01SPEAKER_04: Und wir haben ja eigentlich die Idee, dass wir versuchen, was Positives rauszuziehen, das ist in dem Punkt gar nicht so leicht.
- 18:07SPEAKER_04: Aber das, was dann doch irgendwie toll war, ist, dass wir als Gruppe dann nochmal weiter zusammengefunden haben und dann aber gesagt haben, nee, unsere Idee ist toll.
- 18:16SPEAKER_04: Und im Moment sind wir halt gerade dabei, andere Wege zu suchen, dieses Projekt umzusetzen und dass dieser Spirit, den auch Liana angesprochen hat, dieses nicht aufgeben wollen.
- 18:26SPEAKER_04: Der war in dieser Gruppe halt ganz stark da und das war dann die tolle Erfahrung.
- 18:30SPEAKER_03: Mir gefällt das so gut, dass du das teilst, weil man sieht von außen oft nur diese gelingenden Projekte und die Sternchen, die überall sind, und dass du das teilst und auch nicht gleich, and there is the silver lining und so toxisch positiv.
- 18:43SPEAKER_03: Und es hat überhaupt nicht wehgetan, sondern es ist halt erstmal schmerzt, aber man es dann eben produktiv auf anderen Weg versucht, weil die Idee gut is anders.
- 18:55SPEAKER_03: Finde ich toll.
- 18:56SPEAKER_03: Hast du denn a book, a film, a serie for us?
- 19:00SPEAKER_04: Yeah, that's a Laseratte and versuche so violent as well to lose and been either a fantasy-fan and had zuerst überlegt, ganz viele Fantasy-Bandsbringen.
- 19:11SPEAKER_04: Then is there a book in the finger game, which I really have great for a year.
- 19:18SPEAKER_04: This is from Bernardine Evaristo, Mädchen, Frau, etc.
- 19:23SPEAKER_04: And that is a roman over the identity and the wegsuche of diverser friends and the framework, wie they their platform in the Gesellschaft finden.
- 19:33SPEAKER_04: And they had me sehr nachhaltig beeindruckt, and deswegen habe ich ihn heute mitgebracht.
- 19:38SPEAKER_03: Kommt auf meine Leseliste.
- 19:41SPEAKER_04: So, und dann, liebe Charlotte, darf ich dich jetzt vorstellen.
- 19:45SPEAKER_04: Charlotte Schmidt-Leonardi ist Innerhaberin des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht und interdisziplinäre Rechtsforschung an der Uni Bielefeld.
- 19:54SPEAKER_04: Und ich finde ja, diese interdisziplinären Rechtsprojekte, die finde ich immer ganz großartig, weil es ist ja diese Idee, Recht in seiner Gesamtheit, in seiner Komplexität und auch in seiner gesellschaftlichen Wirkung zu verstehen, das finde ich ist so unglaublich wichtig.
- 20:07SPEAKER_04: Und das sieht man auch bei deinen sonstigen Forschungsschwerpunkten.
- 20:11SPEAKER_04: Du bist ganz stark im Wirtschaftsstrafrecht tätig und da vor allen Dingen in den Bereichen Unternehmensverantwortung und Unternehmenskriminalität, also die Kriminalität der ganz Großen und die Frage der Verantwortung.
- 20:26SPEAKER_04: Und dein zweiter großer Bereich ist halt dieses Strafverfahrensrecht.
- 20:32SPEAKER_04: Da leidest du ein großes DFG-Projekt zur Matrix einer Gesamtreform des Strafverfahrensrechts.
- 20:37SPEAKER_04: Ja, drunter ging es nicht.
- 20:39SPEAKER_04: Darunter ging es nicht, natürlich nicht.
- 20:42SPEAKER_04: Und wo wir dann tatsächlich eine gewisse Nähe haben, weil da berühren sich Wirtschaftsstrafrecht und Völkerstrafrecht.
- 20:49SPEAKER_04: Du hast ja diesen Blick auf die Großverfahren im Strafprozessrecht.
- 20:54SPEAKER_04: Also was bedeutet das eigentlich, wenn wir Prozesse haben, die über Jahre geführt werden?
- 20:58SPEAKER_04: Und was ich auch extrem cool finde, dass du Mitglied in dieser Forschungsgruppe bist zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des NSU-Komplexes Hamburg.
- 21:08SPEAKER_03: Das ist eine besondere Ehre und Verantwortung, ja.
- 21:12SPEAKER_04: Das glaube ich.
- 21:13SPEAKER_04: Und jetzt sind wir bei dem gleichen Punkt.
- 21:14SPEAKER_04: Von außen sieht es ganz doll, toll und strahlend aus.
- 21:18SPEAKER_04: Und jetzt bin ich ganz gespannt, was du uns für ein Scheitern mitgebracht hast.
- 21:21SPEAKER_03: Ja, ich habe lange überlegt, aber da ihr alle so ehrlich und mutig seid, habe ich gedacht, was ist denn das, was ich wirklich authentisch sagen würde?
- 21:29SPEAKER_03: Und es ist, ich habe es lange als Scheitern angesehen, dass ich meine akademische Heimat so spät gefunden habe oder dass ich sie zuerst nicht gefunden habe, dass ich an einem Ort promoviert habe, wie viele von uns, eher mit mir selber, was ja auch sozusagen interessant ist, zu lernen, kann man mit sich und einem Thema allein sein.
- 21:51SPEAKER_03: In einem Kontext, in dem ich glaube, ich immer gehofft habe, und da spielen die Bilder eine Rolle, ich habe immer gehofft, ich würde so den akademischen Lehrer finden, der dann auch der Grossem Mentor im Leben sein wird und so weiter.
- 22:02SPEAKER_03: Also, all diese Bilder helfen natürlich auch auf meiner Seite nicht.
- 22:05SPEAKER_03: Und dort war aber nicht die akademische Heimat, so wie ich sie mir erhofft und erwünscht hatte.
- 22:15SPEAKER_03: Da habe ich auch von einem pensionierten Prof, trotz einer Summer-Disc gehört, die ist nicht so aus dem Holz geschnitzt, um eine wissenschaftliche Laufbahn zu versuchen.
- 22:27SPEAKER_04: Also ein weiterer großer Lesetipp ist die großartige Dis von Charlotte.
- 22:33SPEAKER_03: Aber das war tatsächlich, das habe ich sehr persönlich genommen, das habe ich lange auch viel zu ernst genommen.
- 22:40SPEAKER_03: Obwohl, wenn ich jetzt zurückblicke, ich auch sehe, dass eigentlich genau in dieser Zeit Professor Lüdersen, der große Frankfurter Strafrechtler, in mein Leben kam.
- 22:50SPEAKER_03: Der wiederum hat Manuskripte von jungen Menschen irgendwie in die Finger gekriegt, was ehrlich gesagt immer noch nicht wie ein Teil meiner Disc bekommen hat.
- 22:56SPEAKER_03: Und er hat mich eines Tages angerufen.
- 22:58SPEAKER_03: Und der hat gleich eigentlich, als ich ihm dann gesagt habe, es wird nichts mit einer Habil an diesem Ort, da sozusagen bin ich nicht gewollt.
- 23:07SPEAKER_03: Das traut mir niemand zu, war seine Reaktion, ach Gott sei Dank, ich überlege schon seit Wochen, wie ich sie nach Frankfurt kriege.
- 23:16SPEAKER_03: Und das war wunderbar, weil natürlich, man nimmt das so als junger Mensch, man ist so unerfahren in diesem Bereich.
- 23:21SPEAKER_03: Und ich habe gesagt, Sie müssen zu meinem Schüler Matthias Jahn.
- 23:24SPEAKER_03: Und auch wenn ich am Anfang sehr zögerlich war, weil Matthias Jahn ist ja auch so ein Shootingstar und ich dachte, das kriege ich alles nicht hin und er arbeitet so viel und ich werde nie zu meinen Sachen kommen, bin ich in Frankfurt wirklich explodiert an Kreativität, obwohl ich mehr gearbeitet habe als an meiner Heimatuni und habe dort Sascha Ziemann, mein Habilitationsbruder und der Kontext, die Dienstagseminare mit diesen großen Strafrechtlern, von denen viele jetzt gestorben sind.
- 23:49SPEAKER_03: Und dort habe ich mich wirklich gefunden als Strafrechtlerin, die auch zum Beispiel kritisch auf das Strafrecht schaut, also eine kritische Perspektive.
- 23:58SPEAKER_03: Dort habe ich im Grunde alles gelernt, was mich heute noch trägt.
- 24:01SPEAKER_03: Und insofern ist es wirklich ein vermeintliches Scheitern, das ich immer sehr persönlich genommen habe und für das ich so dankbar bin, weil ich einfach meine akademische Heimat in Frankfurt gefunden habe.
- 24:14SPEAKER_04: Das ist eine so schöne Geschichte.
- 24:16SPEAKER_04: Das ist ein ganz toller Schritt.
- 24:18SPEAKER_04: Währenddessen fühlt es sich immer ganz dramatisch an.
- 24:21SPEAKER_03: Das glaube ich.
- 24:22SPEAKER_04: Und hast uns denn auch ein Buch oder einen Film mitgebracht?
- 24:26SPEAKER_03: Ja, es ist Viktor Frankel und trotzdem Ja zum Leben sagen.
- 24:31SPEAKER_03: Das ist jetzt, also ich bringe hier so das Schwere rein.
- 24:34SPEAKER_03: Das ist ein Psychologe, der das Konzentrationslager erlebt hat.
- 24:38SPEAKER_03: Man kennt es vielleicht mehr unter diesem englischen Titel A Man's Search for Meaning.
- 24:41SPEAKER_03: Ich liebe dieses Buch schon immer und dieses Konzept, das zwischen Reiz und Reaktion ein Raum ist.
- 24:48SPEAKER_03: Und in diesem Raum liegt die Macht unserer Wahl und darin liegt die Freiheit.
- 24:52SPEAKER_03: Das ist was, was ich im Übrigen auch in dem Kontext, den ich eben geschildert habe, immer sehr ernst genommen habe.
- 24:57SPEAKER_03: Ich habe immer noch die Wahl, was ich mit der Situation mache und was daraus sich entwickelt.
- 25:03SPEAKER_03: Und das ist was, was bis heute wegweisend ist und was ich das Buch, das ich jedem empfehlen würde.
- 25:09SPEAKER_04: Ja, das Buch kenne ich auch.
- 25:10SPEAKER_04: Das ist ganz, ganz fantastisch.
- 25:12SPEAKER_04: Ich habe es gelesen bei meiner Forschung über Opfer in völkerschlafrechtlichen Kontexten.
- 25:17SPEAKER_04: Das ist ja natürlich fantastisch.
- 25:19SPEAKER_04: Aber die Idee, so Räume und Aktionen und was macht man daraus, bringt uns jetzt eigentlich auch zum inhaltlichen Thema.
- 25:26SPEAKER_04: Denn wir wollen hier ja auch einen Raum schaffen und wir haben die Idee, wir haben den Befund, den Liane und Susanne aufgezeigt haben, dass uns nicht mehr gefällt, wie wir miteinander reden.
- 25:38SPEAKER_04: Und damit, Charlotte, was macht für dich denn einen guten Diskurs aus?
- 25:42SPEAKER_03: Also ich glaube, die Intention, die auch here in diesem Podcast so im Vordergrund steht, is this gegenargument erst stark zu machen, um es dann zu kritisieren.
- 25:57SPEAKER_03: What I damit me is, dass wir in den Diskurs and Debatten, die we here wollen, uns nicht dieser Tendenz hingeben, die wir alle haben, and ich mach's auch immer noch, dass man vielleicht die Gegenposition erstmal kontextualisiert oder übertreibt, um zu sagen, ach, das ist völlig abwegig in dieser absoluten Form oder eine Fußnote weglässt und Details weglässt und schon wirkt sie absurder und dann kann man sie leichter angreifen, sondern dass man sich wirklich angewöhnt, die Gegenpositionen stark, so stark wie möglich zu machen.
- 26:31SPEAKER_03: Da gibt es verschiedene Traditionen in der Philosophie.
- 26:33SPEAKER_03: Das nennt man das Principle of Charity.
- 26:35SPEAKER_03: Das wird jetzt auf Neil Wilson zurückgeführt.
- 26:37SPEAKER_03: Da gibt es aber viele Repräsentanten, wahrscheinlich ist es eine ganz alte Tradition, die auf die Antike zurückgeht, aber sagen wir jetzt, Leute wie Davidson oder Dennett sind Leute, die dieses Prinzip stärker gemacht haben, die also sagen, wir interpretieren in der besten, in der plausibelsten, in der vollständigsten Form die Gegenposition, die Argumente, die dazugehören.
- 27:00SPEAKER_03: Dennett hat das zugespitzt und hat die Stil-Arguments ins Spiel gebracht und hat gesagt, wir machen also das Gegenargument hart wie Stahl.
- 27:09SPEAKER_03: Ich weiß nicht, ich sage nicht, ob das die beste Formulierung ist, aber man kann sich vorstellen, dass man die Gegenposition erstmal ganz hart wie Stahl und schaut dann, was man dagegen ins Feld bringt.
- 27:21SPEAKER_03: Und das ist, finde ich, eine Grundhaltung des Umgehens mit Gegenpositionen, die produktiver ist und die auch letztlich dazu führt, dass die gesamte Argumentation auf einer höheren Ebene sich abspielt.
- 27:36SPEAKER_03: Und vielleicht kann ich das dann gleich zurückgeben an dich, Steffi, denn das Ganze ist eine gute Gewohnheit, sozusagen privat, wie aber auch im politischen und im rechtlichen Kontext.
- 27:48SPEAKER_03: Und das hat für uns aber eben auch eine politische Dimension.
- 27:52SPEAKER_03: Also wir wollen bestimmte Diskussionen, bestimmte Debatten auf eine bestimmte Art ablaufen, sehen, weil das auch ein Zweck hat und sozusagen nützlicher sein kann für uns in unserer Gesellschaft, oder?
- 28:05SPEAKER_04: Genau, das ist eine ganz wichtige Ebene für uns, dass wir sagen, Diskurs ist auch ganz wichtig für Demokratie.
- 28:11SPEAKER_04: Also da steckt natürlich irgendwo das Konzept der deliberativen Demokratie hinter.
- 28:16SPEAKER_04: Zu dem kann man jetzt im Detail stehen, wie man möchte.
- 28:19SPEAKER_04: Aber was ich aus diesen Konzepten eine ganz wichtige Grundidee finde, ist, dass Mehrheitsentscheidungen, wenn sie denn gelten sollen, Legitimität aus Diskurs beziehen.
- 28:29SPEAKER_04: Also es geht ja immer darum in einer Demokratie, wie überzeuge ich die Menschen der Minderheit, also die, die jetzt überstimmt worden sind, davon, dass diese Entscheidung, die sie eigentlich gar nicht mittragen wollen, trotzdem richtig für sie ist.
- 28:41SPEAKER_04: Und das geht nur, wenn ich Gründe gebe.
- 28:43SPEAKER_04: Und das passt, glaube ich, total schön zu dem, was du gesagt hast, dass es bei Diskurs erstmal darum geht, dass wir konkurrierende Perspektiven zusammenbringen, in den Austausch bringen, um uns selber besser zu machen, um bessere Lösungen zu finden.
- 28:58SPEAKER_04: Und das kann ich natürlich auch nur, wenn ich den anderen nicht abwerte, weil er jetzt aus der falschen Bubble kommt, sondern sein Argument inhaltlich ernst nehmen.
- 29:06SPEAKER_04: Also so die Anti-Bubble eigentlich.
- 29:08SPEAKER_03: Wir wollen gerade nicht die Bubble-Diskussion.
- 29:10SPEAKER_04: Wir müssen aus unseren Bubble raus und gleichzeitig versuchen, dass es dann die Idee eines inklusiven Diskurses, so viele Stimmen wie möglich zu hören.
- 29:20SPEAKER_04: Also wir leben ja auch von Vielfalt und wer beteiligt sich wie in Diskursen und wer bestimmt auch Diskurse?
- 29:28SPEAKER_04: Ist natürlich auch ganz klar die Frage, wen lade ich wann, wie ein.
- 29:31SPEAKER_04: Da besteht immer die Gefahr, reproduziere ich einfach bestehende Machtstrukturen oder bemühe ich mich wirklich, das wird für uns bestimmt auch immer wieder eine Herausforderung, um Vielfalt und Einbeziehung.
- 29:42SPEAKER_04: Genau.
- 29:43SPEAKER_04: Und das hat, glaube ich, noch eine zweite Dimension, die uns auch ganz wichtig ist.
- 29:47SPEAKER_04: Recht ist gesellschaftlich von unglaublicher Bedeutung.
- 29:50SPEAKER_04: Recht prägt unser Zusammenleben in einer Weise, die jemandem, der nicht aus den Rechtswissenschaften kommt, vielleicht gar nicht so bewusst ist, die aber trotzdem wichtig ist.
- 30:00SPEAKER_04: Und deswegen wollen wir auch dazu beitragen, die Debatten unserer Zeit, die Rechtsdebatten unserer Zeit in die Gesellschaft reinzubringen und zu sagen, diskutieren Sie weiter.
- 30:12SPEAKER_04: Nehmen Sie das auf.
- 30:14SPEAKER_03: Also so ein Stück weit wirklich informiert, aber inklusiv in diesem Sinne, dass konservative wie progressive Positionen links, rechts, also alles Mögliche sozusagen aus dem Meinungsspektrum eine Chance hat, in unseren Diskurs zu kommen.
- 30:29SPEAKER_06: Darf ich an der Stelle kurz von der Seite in euer spannendes Gespräch reinspringen und fragen, sind wir denn eigentlich raus aus unserer Bubble?
- 30:37SPEAKER_06: Also, weil wir haben ja auch gerade diesen Anspruch formuliert, wir wollen gerne auch Gegenargumente stark machen, verschiedene Positionen ins Gespräch bringen.
- 30:45SPEAKER_06: Und da habe ich gerade gedacht, vielleicht ist es auch nochmal eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, wie wir hier vielleicht zusammengekommen sind und wie wir uns da selber verorten würden.
- 30:53SPEAKER_03: Das war Dana Valentina, die immer welkom hier rein zu springen.
- 30:58SPEAKER_03: And die total recht hat.
- 31:00SPEAKER_03: Und es ist vielleicht auch eine Gelegenheit, ein Wort zu unserem Beirat, der Kreis der Herausgeberinnen und Herausgeber zu sagen.
- 31:08SPEAKER_03: Denn in unseren Vorbereitungsgesprächen hier haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Wen sprechen wir an, oder die sozusagen im Beirat eine Rolle spielen kann, beratend, Themen vorschlagend, Interview, Gästinnen, Gast.
- 31:22SPEAKER_03: Und da haben wir uns, zumindest nach meiner Wahrnehmung, aber das muss man natürlich immer wieder hinterfragen, immer wieder gepusht zu sagen, okay, aber da geht es sowieso schon in unsere Tendenz, denn in der Tat, wir sechs treffen uns an ganz vielen Stellen, nicht an allen.
- 31:35SPEAKER_03: Dana, du bist zum Beispiel auch öffentlich-Rechtlerin, wir sind fünf Strafrechterinnen, wir haben unterschiedliche Schwerpunkte in unseren Lehrstuhldenominationen.
- 31:45SPEAKER_03: Aber gerade im Beirat sind einige Stimmen, die sehr stark abweichen von dem, was wir so in der Presse bisher geäußert haben.
- 31:53SPEAKER_03: Ich nehme das schon so wahr, als würden wir zumindest immer wieder versuchen, die Bubble zu durchstechen oder Raum zu lassen, dass andere reinkommen.
- 32:01SPEAKER_03: Ich weiß nicht, schätze ich das richtig ein, zu positiv?
- 32:05SPEAKER_01: Fair?
- 32:06SPEAKER_01: Ich glaube, es ist jedenfalls eine Herausforderung.
- 32:07SPEAKER_01: Also ich glaube, das ist ein total guter Punkt.
- 32:09SPEAKER_01: Und ich glaube, es ist total wichtig, dass wir uns immer wieder hinterfragen.
- 32:14SPEAKER_01: In der inneren Redaktion ist es wahr, dass wir uns, also wir sind uns, glaube ich, schon nahe in vielen, wobei es jetzt auch nicht so ist, dass wir in allem übereinstimmen.
- 32:24SPEAKER_01: Das würde ich auch nicht so sehen.
- 32:26SPEAKER_01: Und den anderen Punkt, ich glaube, es ist einfach ein Hinweis für die Zukunft.
- 32:30SPEAKER_01: Dass wir auch wirklich bei jeder Folge, bei allem, was wir planen, immer wieder drüber nachdenken, ob wir verschiedene Stimmen repräsentieren, ob wir ehrlich genug zu uns selbst sind, wen wir da gerade einladen, ob wir nicht nur unsere eigene Meinung bestätigen.
- 32:46SPEAKER_01: Ich würde das so als gar nicht, ist es jetzt so.
- 32:48SPEAKER_01: Also jetzt ist es vielleicht ein bisschen so.
- 32:51SPEAKER_01: Dianne, du guckst ein bisschen kritisch, also aber ich würde es auf jeden Fall als Auftrag für die Zukunft mitnehmen, zu sagen, wir müssen da dranbleiben.
- 32:59SPEAKER_02: Auf jeden Fall reflektieren werden, wenn wir nicht aufhören und Neufragen auch nicht.
- 33:04SPEAKER_02: Tatsächlich war der Grund, wie wir auch so zu sehr zusammengefunden haben, ja schon einer, dass als wir so angefangen hatten im Gespräch, Susanne und ich, gesagt haben, wir brauchen Leute, die jeweils noch eine völlig neue Perspektive auf Dinge werfen.
- 33:20SPEAKER_02: Und deshalb ist es schon schön, dass du jetzt sagst, wir sind jetzt viele Strafrechtler, aber ich würde sagen, aus unserer Sicht ist das ja eher der Unfall.
- 33:28SPEAKER_02: Also eigentlich sind wir ja hier sozusagen, weil wir jede von uns so anders die Fragen stellen und so anders auf die Dinge draufschauen.
- 33:40SPEAKER_02: Und es geht uns allen, und ich würde sagen, das ist was, was uns verbindet, es geht uns allen nie um den einfachen Konsens.
- 33:46SPEAKER_03: Ja, das ist auch vielleicht ein guter Segway zu einem Aspekt, den Steffi und ich noch thematisieren wollten.
- 33:52SPEAKER_03: Es geht uns nicht darum, diesen Konsens zu erzwingen und wir sind uns sehr bewusst, dass wir sozusagen unser Zuhören optimieren müssen in jeder Hinsicht und auch sozusagen auch die Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht einladen sollten, immer wieder dieses Zuhören zu üben.
- 34:09SPEAKER_03: Ich hatte in der Vorbereitung auf heute, hatte ich einen fabelhaften Podcast von Elise Löhnen, kann ich sehr empfehlen, Pulling the Thread, höre ich seit vielen Jahren.
- 34:18SPEAKER_03: Die hatte nämlich zum Thema Zuhören auch in polarisierten Zeiten sich geäußert.
- 34:23SPEAKER_03: Und was alles so Gründe sein können, warum man nicht zuhört und damit dann natürlich auch die Perspektive verschränkt, nur noch mit den einen redet, nicht mehr mit den anderen, auch bestimmte Positionen immer stärker sozusagen stabilisiert und dann zementiert.
- 34:38SPEAKER_03: Und Gründe dafür sind zum Beispiel Denkfaulheit, also dass man sich eben nicht auf andere Argumente, darüber sprachen, Steffi und ich gerade einlässt, Arroganz ist man natürlich nie befreit davon, will ich hoffen, dass sozusagen individuelle Charakterarbeit uns davon abbringt, aber auch so etwas wie nie gelernt zu haben, zuzuhören und zu sehr von sich und seiner eigenen Position absorbiert zu sein.
- 35:03SPEAKER_03: Also dieses typische listening to reply, wovon wir wahrscheinlich alle nicht frei sind.
- 35:09SPEAKER_03: Man hört and wartet eigentlich nur auf diesen Punkt, wo man einhaken kann und das sagen kann, was man eigentlich die ganze Zeit sagen will.
- 35:16SPEAKER_03: Und das kann man sich, glaube ich, abgewöhnen in einem Diskurs mit Leuten, die anders sind.
- 35:20SPEAKER_03: Und wir achten da bei unseren Interviewgästen drum.
- 35:24SPEAKER_03: Es hat auch die Schwierigkeit zuzuhören, hat auch, um das vollständig zu machen, viel mit dem Lärm des Zeitgeistes zu tun.
- 35:29SPEAKER_03: Das ist natürlich auch wirklich anstrengend, da überhaupt hinhören zu können.
- 35:34SPEAKER_03: Mit Vorurteilen, mit Stereotypen.
- 35:36SPEAKER_03: Also Dinge, die wir hier direkt adressieren können, die wir auch mal aus dem Weg räumen können.
- 35:40SPEAKER_03: Und auch, dass es so ein bisschen einfacher ist, wegzuhören.
- 35:44SPEAKER_03: Dieses tuning out statt Tuning in kann ich auch total verstehen.
- 35:47SPEAKER_03: Es wird dann manchmal so unübersichtlich und so schwierig und zu komplex.
- 35:51SPEAKER_03: Und ich finde, da können wir wirklich einen Beitrag leisten.
- 35:54SPEAKER_03: Und da ist es natürlich auch nicht so schlecht zu wissen, dass wir sechs zumindest darin alle sehr geeint sind, dass wir sagen, zuhören ist bei uns eine Top-Priorität.
- 36:03SPEAKER_03: Eine andere Perspektive zuzulassen, ist eine Top-Priorität.
- 36:07SPEAKER_03: Und das finde ich eigentlich schon mal einen ganz guten Start, oder Steffi?
- 36:10SPEAKER_04: Auf jeden Fall.
- 36:10SPEAKER_04: Und ich würde sagen, da ist auch noch eine ganz wichtige Grundvoraussetzung eines guten Diskurses drin, nämlich erstmal Respekt und Anerkennung des Gegenübers in seiner Diskursfähigkeit.
- 36:21SPEAKER_04: Ich muss nicht einer Meinung in meinem Gegenüber sein.
- 36:24SPEAKER_04: Und ich glaube auch ganz wie du, Diskurs ist nicht auf zwingend auf Konsens oder Einigung gerichtet.
- 36:30SPEAKER_04: Das, was einen guten Diskurs im Ziel ausmacht, ist vielleicht auch einfach das Klarmachen und das Verstehen von Differenzen und Unterschieden und wo die herkommen und was die Hintergründe sind.
- 36:42SPEAKER_04: Und das kann ich aber nur klar machen, wenn ich meinen anderen in seiner Sichtweise und in seiner Diskursfähigkeit ernst nehme.
- 36:51SPEAKER_04: So, und damit haben wir jetzt ganz viel darüber gesprochen, wie wir diskutieren wollen und was ein guter Diskurs ist.
- 36:58SPEAKER_04: Und damit gebe ich aber weiter zur Frage, worüber wir denn vielleicht diskutieren wollen, an unsere weiteren Teammitglieder, an Dana und Jorgia.
- 37:10SPEAKER_07: Ja, jetzt kommen wir zu den Themen, die sich hierhin rechtzeitig erwarten.
- 37:15SPEAKER_06: Ich bin Jorgia.
- 37:16SPEAKER_06: Und ich bin Dana und ich würde vorschlagen, dass wir uns auch noch einmal gegenseitig vorstellen.
- 37:20SPEAKER_06: Ich fange mit dir an, Jorgia.
- 37:22SPEAKER_06: Stephanopoulou ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Digitalisierung und Grundlagen des Rechts an der BSP Business and Law School Berlin und ist aber auch hier in Hamburg, wo wir heute zusammengekommen sind für die erste Folge mit tätig.
- 37:37SPEAKER_06: Wir wollen auch mit unseren, oder wir wollen auch mit den Fragen, die wir teilweise schon gehört haben, uns noch etwas näher kennenlernen.
- 37:45SPEAKER_06: Und mich interessiert natürlich total, was ist denn das Scheitern, vorgebliche vermeintliche Scheitern, aus dem du gelernt hast.
- 37:52SPEAKER_07: Yeah, ich weiß nicht, ob es vermeintliche Scheitern gilt, but tatsächlich versucht zweimal parallel to the Judah Studium literature to study, Athen and then later during the promotion studios in Berlin, where it was.
- 38:18SPEAKER_07: And I've been shared, I think yeah.
- 38:22SPEAKER_07: But the beschäftiging with literature no more space than ever.
- 38:28SPEAKER_06: And you verbindest, this have even by the first time erwähnt, yeah, with death als Professor and kannst natürlich gerade aus dieser Perspektive auch unsere zweite Frage ganz besonders gut beantworten, nämlich die nach einer Literaturempfehlung.
- 38:42SPEAKER_06: Welches Buch hat dich besonders geprägt oder is für dich besonders wichtig gewesen in deiner Perspektive auf Dinge?
- 38:50SPEAKER_07: Ja, das Buch, das mich geprägt hat, vor allem my arbeitsweise geprägt, nachhaltig geprägt, is Niklas Luhmann's Social Systems.
- 39:00SPEAKER_07: I think the answer is very fascinating that social systems self communication their elements produce and reproduce and structures build.
- 39:14SPEAKER_07: And I think that a solution very helpful can see how digital communications and function.
- 39:35SPEAKER_06: Deswegen finde ich das eine hervorragende Buchempfehlung von dir.
- 39:40SPEAKER_07: Ja, jetzt komme ich zu deine Vorstellung.
- 39:42SPEAKER_07: Ich stelle dich jetzt vor anders.
- 39:46SPEAKER_07: Dana Valentina is Professorin for Öffentliches Recht with a Schwerpunkt im öffentlichen Wirtschaftsrecht anders in Rechte Transformation at the Helmut Schmidt University, University der Bundeswehr Hamburg.
- 39:59SPEAKER_07: She forged to reproductive and sexuelle selbstbestimming and the recht to socio-ecological transformation, zum Beispiel in the context of the Verkehrswende.
- 40:19SPEAKER_06: Mir ist auch wirklich schwer gefallen, darüber nachzudenken in Podcasts.
- 40:25SPEAKER_06: Also nicht where it's not viele given, but man muss overleighten which man in einem Podcast gerne teilen möchte.
- 40:32SPEAKER_06: And I have done so a bit to überlegen, was so das erste Scheitern, an das ich mich so ganz aktiv erinnern kann.
- 40:39SPEAKER_06: And that's Ende meiner Schulzeit, und zwar an die Führerscheinprüfung.
- 40:46SPEAKER_06: Ich bin tatsächlich mehrfach durch die praktische Führerscheinprüfung gefallen.
- 40:50SPEAKER_06: Ich glaube, es sind sogar dreimal.
- 40:52SPEAKER_06: Ich bin mir nicht ganz sicher, vielleicht sind es auch nur zweimal, aber sowas wird dann ja im Nachgang auch irgendwie noch mächtiger und deswegen fühlt es sich vielleicht auch wie dreimal an.
- 41:00SPEAKER_06: Und ich weiß noch, dass ich das wirklich als ganz schlimm erlebt habe und es aber so passte zu einer Erfahrung, die ich auch in der Schulzeit schon gemacht habe, dass ich glaube, ich am Ende des Tages einfach Prüfungsangst habe.
- 41:12SPEAKER_06: Und für mich würde ich jetzt sagen, ist das im Nachhinein aber eine ganz produktive Erfahrung gewesen, weil ich einfach den Umgang damit gelernt habe.
- 41:20SPEAKER_06: Und ich weiß noch, bei der letzten Prüfung war ich dann auch einfach deutlich entspannter.
- 41:24SPEAKER_06: Ich wusste, das ist jetzt halt so, dann passiert es halt jetzt nochmal, im Fall der Fälle.
- 41:29SPEAKER_06: Und ich irgendwie ist es so eine Erfahrung, an die ich mich später dann auch im Studium, und das Jurastudium ist ja ein sehr nervenaufreibendes, auch eins, in dem Prüfungsangst nochmal sehr stark durch die Staatsexaminer vielleicht auch fokussiert wird und stattfindet.
- 41:43SPEAKER_06: Und das ist so eine Erfahrung, an der ich mich dann irgendwie nochmal abarbeiten konnte und irgendwie wusste, ja gut, aber was ist das Schlimmste, was passiert?
- 41:50SPEAKER_06: Und wie schlimm ist es denn dann wirklich?
- 41:52SPEAKER_06: Und vielleicht, niemand wünscht sich natürlich irgendwie durchs Staatsexamen zu fallen, aber ich wusste so, es geht danach ja weiter und dann muss man halt einfach nochmal neu ansetzen.
- 41:59SPEAKER_06: Deswegen habe ich gedacht, ist das mein Scheitern, was ich heute mit euch teile.
- 42:03SPEAKER_07: Also wie witzig.
- 42:04SPEAKER_07: Also diese Geschichte habe ich verdrängt, das habe ich dir auch nicht erzählt.
- 42:07SPEAKER_07: Ich habe auch beim dritten Mal beschlagen.
- 42:10SPEAKER_07: Also die Prüfung.
- 42:13SPEAKER_07: Bei der ersten Prüfung bin ich gar nicht gefahren.
- 42:16SPEAKER_07: Ich habe nur gezittert.
- 42:20SPEAKER_07: Okay, also das ist ganz witzig.
- 42:22SPEAKER_07: Also, ja, jetzt gibt es ein Buch, das dich nachhaltig geprägt hat?
- 42:28SPEAKER_07: Oder einen Film möglicherweise, der dich nachhaltig geprägt hat?
- 42:32SPEAKER_06: Es ist ein Buch geworden.
- 42:33SPEAKER_06: Es ist ein popkulturelles feministisches Buch und zwar von Laurie Penny Fleischmarkt oder Markt oder Meatmarket.
- 42:43SPEAKER_06: Das ist 2011, 2012 dann auf Deutsch erschienen und das habe ich gelesen im Studium als Studentin.
- 42:48SPEAKER_06: Und ich habe es mitgenommen, weil die feministische Perspektive für mich eine ist, die ja auch meine Arbeit heute als feministische Rechtswissenschaftlerin sehr stark prägt.
- 42:57SPEAKER_06: Und es ist ein Buch, das sich mit Körperpolitiken im Patriarchat beschäftigt, in dem es viel um Sexualisierung geht, auch um sexualisierte Übergriffe, sexuelle Gewalt.
- 43:08SPEAKER_06: Also sehr herausfordernde Themen, die auch aufzeigen, welche Herausforderungen sich für Frauen im Patriarchat in der Gesellschaft stellen.
- 43:19SPEAKER_06: Und die, glaube ich, für mich war dieses Buch einfach nochmal so ein Feminist Awakening Moment und sehr prägend.
- 43:26SPEAKER_06: Ich habe dann gedacht, das ist ja ganz interessant, dass ich das jetzt ausgesucht habe, weil es ist tatsächlich, muss man auch sagen, ein sehr wütendes Buch.
- 43:32SPEAKER_06: Und ich lese auch und in Stellen auch wirklich ein, würde ich sagen, kompromissloses Buch.
- 43:36SPEAKER_06: Und ich lese sehr gerne und mit großer Freude feministische, wütende Literatur.
- 43:41SPEAKER_06: Da ist ja auch in den letzten Jahren einiges erschienen und also auch Bücher, die sich wirklich produktiv mit diesem Gefühl der Wut auseinandersetzen.
- 43:47SPEAKER_06: Und ich fand das ganz interessant, weil wir ja hier den Anspruch verfolgen, Diskurse zu öffnen, Räume zu öffnen.
- 43:52SPEAKER_06: Und das für mich so eine noch ungeklärte Spannungslage auch ist, also diesen Anspruch zu verfolgen, der mir sehr wichtig ist, und so wie ich mir auch vorstelle, wie gute Diskurse.
- 44:00SPEAKER_06: Diskussionen und gute Gespräche auch produktiv sind und stattfinden und gleichzeitig schlägt quasi ein zweites Herz in meiner Brust, weil in der Literatur und in der Beschäftigung mit Texten für mich dieses wütende Element auch eins ist, was mich einfach ganz stark abholt, motiviert, engagiert.
- 44:16SPEAKER_03: Das ist eigentlich total interessant und wertvoll, finde ich, dass du diese Ambivalenz beschreibst und zulässt.
- 44:24SPEAKER_03: Und ich finde, das machen wir auch viel zu selten und dann sind wir so die perfekten kleinen Versionen unserer selbst, die in einem Diskurs immer diszipliniert und rational, die andere Gegenmeinung.
- 44:35SPEAKER_03: Ich fühle mich an mich erinnert, ganz sozusagen andere Baustelle im Strafrecht, weil ich Frankfurter Strafrechtlerin für Resozialisierung bin und wirklich mich dafür stark mache, Prävention in den Vordergrund zu setzen und Alternativen zur Strafe zu finden.
- 44:50SPEAKER_03: Und es gibt nichts, was für mich besser ist, um einen Tag abzuschließen, als ein Actionfilm, bei dem die Guten immer im Recht sind, die Bösen am Schluss am besten sterben und Gerechtigkeit wiederhergestellt wird.
- 45:05SPEAKER_03: Und am nächsten Tag kann ich ohne Heucheleigefühle wieder irgendwas in einem Aufsatz schreiben.
- 45:09SPEAKER_03: Wie kann man nur für die Vergeltungstheorie sagen?
- 45:11SPEAKER_03: Das ist so eine tiefe Spaltung auch in einem.
- 45:13SPEAKER_03: Und ich finde, man soll das genau wie du das gemacht hast, einfach zugeben, sagen, okay, wir leben mit dir und was bedeutet das jetzt?
- 45:20SPEAKER_03: Und das hält uns nicht davon ab, sozusagen in einem Diskurs vielleicht auch mal zu checken, ob wir eine Qualitätsstufe höher können, was anderes fordern als ich zum Beispiel, das rumgeballere am Abend.
- 45:31SPEAKER_06: Ja, danke für die Intervention, Charlotte.
- 45:34SPEAKER_06: Und ich finde das auch wirklich nochmal wichtig, weil es, finde ich, auch nochmal zeigt, es gibt Meinungen, wir haben natürlich auch klare Meinungen, vielleicht auch rechtspolitische Meinungen und Haltung zu bestimmten Themen.
- 45:43SPEAKER_06: Und trotzdem sind wir natürlich interessiert an einem Diskurs, an einem offenen Gespräch.
- 45:48SPEAKER_06: Und ich finde, dass das jetzt nicht Gegensätze sein müssen, auch eine sehr wichtige Erkenntnis oder vielleicht auch Regel für gute Diskurse.
- 45:55SPEAKER_01: Ich würde da auch gerne nochmal rein, weil ich diese Wut total gut finde und auch einen total wichtigen Punkt, weil ich glaube, dass das auch ein Grund ist, warum Diskurse heutzutage oft so schwierig sind, weil wir viele von uns wahrscheinlich eine innere Wut auch mal auf manche Dinge spüren.
- 46:10SPEAKER_01: Und die hat auch was mit Ohnmacht zu tun und mit den vielen Krisen, die wir gerade in der Welt erleben.
- 46:16SPEAKER_01: Und ich glaube, wenn wir anerkennen, dass das vielleicht dazugehört und dass es vielleicht aber auch erstmal wichtig ist zu sagen, ja, ich darf auch wütend sein, ich darf auch erstmal das Gefühl anerkennen, wie du es ja auch machst und sagst, es gehört auch dazu.
- 46:29SPEAKER_01: Und dann sozusagen zu einem anderen Punkt zu kommen und zu sagen, jetzt müssen wir aber dahin kommen, dass wir trotzdem miteinander diskutieren und trotzdem miteinander sprechen können, auch wenn wir dafür erstmal was überwinden müssen.
- 46:41SPEAKER_01: Aber ich glaube, das hast du tot gesagt auch, Charlotte.
- 46:44SPEAKER_01: Und ich fand das ganz wichtig gerade, dass wir sagen, wer uns zuhört, ist nicht, also wir sind nicht alle gleich nicht perfekt, nur weil wir mal wütend sind, sondern wir alle hier kennen das.
- 46:55SPEAKER_01: Wie gesagt, wenn ich gerade jemanden, der wieder sagt, nee, natürlich müssen wir Schwarzwand bestrafen und so, würde ich auch erstmal am liebsten was durchs Zimmer werfen.
- 47:03SPEAKER_01: Aber am Ende des Tages müssen wir uns hinsetzen und irgendwie versuchen, miteinander zu sprechen und wieder runterzukochen.
- 47:12SPEAKER_06: Jetzt haben wir vielleicht unseren Zuhörern dann auch schon einen ganz guten Überblick davon gegeben, wer wir sind, wie wir so denken.
- 47:17SPEAKER_06: Jetzt wollen wir natürlich gerne über die Themen sprechen, die weiter for this podcast forgenommen, auch for the common folges.
- 47:24SPEAKER_06: Yajia, give us an eye on what we have.
- 47:29SPEAKER_07: Yeah, genau.
- 47:30SPEAKER_07: In this podcast, we have the great frame range of Gesellschaft and Recht.
- 47:36SPEAKER_07: We show up and we discute without the fact that we have to be vielfältig.
- 47:44SPEAKER_07: We show up with the resilience des Rechtsstaats gegenüber autoritären Tendenzen.
- 47:51SPEAKER_07: We frage which Vertrauen in Justice and Institution can.
- 47:56SPEAKER_07: We discute for all about them as migration and criminality.
- 48:01SPEAKER_07: This has Susanne F in one of our folks to do that.
- 48:07SPEAKER_07: And we never populistic politics for the word like.
- 48:32SPEAKER_07: And so we hope that we oriented in our side.
- 48:39SPEAKER_06: Yeah, that can be good.
- 48:41SPEAKER_06: As öffently rechtlerin or three strafrechtlerin's people here, I have rechts so forth gedacht an die Grundrechte and the Bedeutung der Grundrechte in unserer Zeit, die Bedeutung der Grundrechte in herausfordernden Zeiten, die Bedeutung von Grundrechten auch mit sehr relevanten Zukunftsfragen und dem Umgang mit diesen.
- 49:02SPEAKER_06: Also wie entfalten sich die Grundrechte unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen?
- 49:08SPEAKER_06: Wo stoßen sie vielleicht auch an ihre Grenzen?
- 49:10SPEAKER_06: Wo fordern sie uns heraus?
- 49:12SPEAKER_06: Wo fordern sie Debatten auf eine bestimmte Art und Weise heraus?
- 49:15SPEAKER_06: Oder etwa auch ganz konkret, wie gestaltet Recht, und das muss jetzt nicht nur Verfassungsrecht sein, wie gestaltet Recht Transformationsprozesse, zum Beispiel in den großen Transformationsfragen rund um Klima, Energie, Mobilität und Infrastruktur?
- 49:30SPEAKER_06: Ein weiteres Thema, das uns in den Vorgesprächen auch beschäftigt hat und vielleicht auch etwas grundlegender ist, lautet, was passiert eigentlich gerade mit unseren Vorstellungen von Freiheit?
- 49:41SPEAKER_06: Also wie diskutieren wir über Freiheit, was verstehen wir unter liberaler Freiheit, wie handeln wir den Freiheitsbegriff aus?
- 49:50SPEAKER_06: Inwiefern steht der liberale Freiheitsbegriff auch in einem tiefgreifenden Wandel oder wandelt sich gerade tiefgreifend?
- 49:59SPEAKER_07: Darüber hinaus geht es um die aktuelle Rolle des Völkerrechts und des Völkerstrafrechts, zum Beispiel in Bezug auf Russland or the USA.
- 50:09SPEAKER_07: And we frame what we have in a time in which Regeln gebrochen werden, and in a time in which the Krieg zurückgekehrt is.
- 50:19SPEAKER_02: Was mich so umtreibt in diesem Umstand ist, dass this völkerstrafrechtlichen Fragen, diese Kriegfragen, so raum einnehmen in unserem gesamten gemeinsamen Diskurs, führt auch was zu einer Veränderung in unserem eigenen Freiheitsverständnis.
- 50:40SPEAKER_02: And that passiert durch die Hintertür.
- 50:43SPEAKER_02: Und das passiert nämlich darüber, wir reden so viel über Krieg und Kriegsszenarien, dass wir viel mehr darüber sprechen, wie unsicher unsere Zeiten sind, that we're darüber sprechen, wie we unsere Zeiten sicher machen können, statt wie wir frei sein können.
- 51:00SPEAKER_02: And that verändert unsere Freiheitsdebatte.
- 51:02SPEAKER_02: Und das finde ich ganz gefährlich, weil das unseren Freiheitsbegriff nicht verändern darf eigentlich.
- 51:07SPEAKER_02: Also dieser Kriegsdiskurs nimmt Raum und führt zu einem Sicherheitsdiskurs.
- 51:15SPEAKER_02: Und dieser Sicherheitsdiskurs lässt unseren eigentlichen und unsere eigentliche Freiheitsdiskussion verschwinden.
- 51:20SPEAKER_02: Und das macht mir Angst, ehrlich gesagt.
- 51:23SPEAKER_06: Liliane, und damit sind wir eigentlich schon genau dabei, das zu tun, was wir hier in diesem Podcast rechtzeitig machen wollen, nämlich genau diese Gespräche zu führen, auch diese großen Fragen zu verhandeln, unterschiedliche Perspektiven und GesprächspartnerInnen zu Wort kommen zu lassen.
- 51:37SPEAKER_06: Und das können wir hier zu sechs nicht alleine.
- 51:40SPEAKER_06: Dafür werden wir uns gucken und gucken einladen anders einmal a month, jetzt jedenfalls zum Start erstmal, a folgend to veroffentlichen anders.
- 51:51SPEAKER_06: Genau.
- 51:58SPEAKER_07: Gäste einladen, die spannende Einblick gab.
- 52:01SPEAKER_07: So entsteht ein bunter Mix aus Rechtsfragen, Discussionen und Debatten.
- 52:06SPEAKER_07: And we hoffen that sie genau so neugierig bleiben wie wir.
- 52:11SPEAKER_06: Wir hoffen, es sind jetzt alle schon ganz neugierig darauf, wer denn hier unsere Gäste und Gäste sein werden.
- 52:16SPEAKER_06: Das werden wir jetzt aber noch nicht sagen, sondern we kommen zu einer dritten Frage und können damit vielleicht auch nochmal unsere Sechserrunde hier aufmachen.
- 52:24SPEAKER_06: Zu einer Frage, die wir auch in Zukunft nutzen wollen, um unsere Gäste und Gesprächspartner hier besser kennenzulernen.
- 52:31SPEAKER_06: Und zwar lautet die Frage: Wen würdet ihr denn gerne einmal, jetzt auch unabhängig davon, ob das realistisch ist oder ob das überhaupt vielleicht gar nicht mehr möglich ist, weil die Menschen gar nicht mehr leben, wen würdet ihr denn gerne mal in einem Podcast sprechen?
- 52:45SPEAKER_06: Und ich gebe die Frage vielleicht zuallererst einmal an dich, Steffi.
- 52:48SPEAKER_04: Ich würde wahnsinnig gerne einmal mit Alex Westerkamp sprechen.
- 52:53SPEAKER_04: Der Name ist jetzt wahrscheinlich gar nicht so bekannt.
- 52:56SPEAKER_04: Alex Westerkamp ist die erste Frau in Deutschland, die in den Rechtswissenschaften promoviert wurde.
- 53:02SPEAKER_04: Und das war so 1906, 1907 an der Philipps-Universität Marburg.
- 53:08SPEAKER_04: Und das zu einem Zeitpunkt, bevor Frauen überhaupt regulär als Studentinnen zum Studium zugelassen worden sind.
- 53:15SPEAKER_04: Also Alex Westerkamp ist so ein richtiges Role Model für Frauen in der Wissenschaft.
- 53:21SPEAKER_04: Und deswegen würde ich es wahnsinnig spannend finden, einmal mit ihr über ihren Weg und ihre Erfahrung zu sprechen.
- 53:28SPEAKER_06: Total spannend.
- 53:28SPEAKER_06: Dazu passt vielleicht auch die Person gut, die ich mir überlegt habe.
- 53:31SPEAKER_06: Deswegen würde ich mir jetzt einmal erlauben, direkt anzuschließen.
- 53:33SPEAKER_06: Sehr gerne.
- 53:34SPEAKER_06: Ich habe nämlich an Anita Augsburg gedacht, die erste deutschsprachige Juristin.
- 53:38SPEAKER_06: Man muss sagen, deutschsprachige, weil sie zwar in Deutschland gelebt hat und auch lange vor allem in Norddeutschland ganz prägend tätig war, nicht nur als Juristin, sondern auch rechtspolitisch.
- 53:48SPEAKER_06: Sie musste aber tatsächlich noch in die Schweiz zum Stieren, um damals Jura zu studieren, weil das in Deutschland dann ja erst kurz nach der Jahrhundertwende möglich war.
- 53:58SPEAKER_06: Von daher haben wir vielleicht in eine etwas ähnliche Richtung gedacht.
- 54:01SPEAKER_06: Susanne, wen würdest du denn gerne einmal in einem Podcast sprechen?
- 54:05SPEAKER_01: Ja, ich glaube, wie wir wahrscheinlich alle hatte ich ganz viele Ideen oder habe ich ganz viele Ideen dazu, wie man sprechen könnte, aber ich habe mich jetzt für Maya Angelo entschieden.
- 54:15SPEAKER_01: Schriftstellerin, Bürgerrechtsaktivistin und einfach eine großartige Frau.
- 54:19SPEAKER_01: Ich finde, je mehr ich so über sie lese, von ihr lese, desto begeisterter bin ich.
- 54:24SPEAKER_01: Und ich glaube, gerade auch das in unglaublich schwierigen Zeiten zu leben und trotzdem aber mutig durchs Leben zu gehen und aus meiner Sicht immer wieder auch hoffnungsvoll weiterzukämpfen.
- 54:38SPEAKER_01: Das ist, glaube ich, was, was ich gerade jetzt ganz dringend bräuchte und wo ich einfach ganz viel, aber auch einfach, ne, das Leben, das sie geführt hat, das würde mich einfach super interessieren.
- 54:48SPEAKER_01: Diane, wen hast du dir überlegt?
- 54:50SPEAKER_01: Du bist ja, glaube ich, zumindest von der Nation, ne?
- 54:52SPEAKER_01: Hanne im Vorgespräch schon in meiner Richtung geblieben, ja.
- 54:56SPEAKER_02: Ich musste ehrlich gesagt nicht nachdenken und ich weiß aus unseren Vorgesprächen, dass ich dann manchen den Namen weggenommen habe.
- 55:02SPEAKER_02: Das liegt einfach dran, dass ich sie 2016 noch getroffen habe, aber wenn ich dürfte, dann würde ich unglaublich gerne mit Ruth Spada-Ginsburg sprechen.
- 55:11SPEAKER_02: In einem Raum, wirklich auch zu zweit mit ihr reden, nicht nur in einem Saal sitzen, wo insgesamt, glaube ich, 5000 Menschen damals saßen.
- 55:20SPEAKER_02: Und das hat einen ganz simplen Grund.
- 55:23SPEAKER_02: Meine großen Themen sind Freiheit und Autonomie.
- 55:25SPEAKER_02: Und sie prägt, finde ich, entscheidend dieser Satz, dass die juristische Begründung für die Zulassung und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.
- 55:36SPEAKER_02: Ich nenne das so, weil man das oft mit Abtreibungsrecht übersetzt oder so, aber das finde ich nicht so gut.
- 55:40SPEAKER_02: Also die Zulassung und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch gründet auf der Autonomie der Frau und ihrem Recht, ihr Leben selbst zu bestimmen und dadurch als Staatsbürgerin gleichen Status zu genießen wie der Mann.
- 55:54SPEAKER_02: Und das hat sie damals auch in diesem Vortrag, so mittendrin nochmal so betont.
- 56:00SPEAKER_02: Das finde ich einfach umwerfend.
- 56:03SPEAKER_02: Und ich würde so gerne mit ihr genau darüber reden, wie sie das damals hingekriegt hat im Supreme Court.
- 56:09SPEAKER_02: Das wär's eigentlich.
- 56:11SPEAKER_02: Ja, Mensch, Charlotte, wie sieht's aus?
- 56:14SPEAKER_02: Mit wem sprichst du?
- 56:15SPEAKER_03: Ja, ihr habt so tolle Frauen genannt, die ich alle auch nennen könnte.
- 56:23SPEAKER_03: Also gerade Maya Angelone, RBG.
- 56:25SPEAKER_03: Dann würde ich vielleicht eine eher strafrechtliche Person nennen, Brian Stevenson, den Strafverteidiger und Bürgerrechtsaktivisten aus den USA.
- 56:35SPEAKER_03: Der ist sehr bekannt geworden mit seinem Buch Just Mercy.
- 56:38SPEAKER_03: Und was mir so gut an ihm gefällt, ist, dass er über Recht und über Strafrecht nachdenkt und dafür eintritt, aber das mit einer wirklich differenzierten Systemkritik verbindet und bei ihm aber die Empathie auch eine ganz große Rolle spielt.
- 56:52SPEAKER_03: Und das finde ich wirklich in einer Welt, die hart ist.
- 56:56SPEAKER_03: Seine Mandanten waren oft zu Tode verurteilte Menschen, die auch dann manchmal tatsächlich hingerichtet wurden.
- 57:03SPEAKER_03: Dass man in diesem Kampf mit harten Bandag in the law is and trotzdem this wey, empathische verloren has, and that in the middle of the perspective.
- 57:16SPEAKER_03: That bewunder.
- 57:19SPEAKER_03: What is it with you, Georgia?
- 57:22SPEAKER_07: I would so with a historical figure, namely Frans Vanon.
- 57:27SPEAKER_07: Frans Vanon was a scripteller, psychiatrist, and for the endcolonialism.
- 57:35SPEAKER_07: And he had also in the Algerian Revolution.
- 57:43SPEAKER_07: And it had an easy manifest of racism and colonial.
- 57:50SPEAKER_07: And it would be that he this work in 10 years, although he already wanted that he bald is.
- 58:39SPEAKER_06: Und wir haben, man muss sagen, eine vorläufige Antwort vielleicht gefunden, auf die wir uns jetzt in diesem Moment verständigen können, die sich vielleicht auch nochmal wandeln wird, aber wir wollen sie ganz gerne vorstellen.
- 58:50SPEAKER_06: Susanne, machst du das?
- 58:52SPEAKER_01: Das mache ich gerne.
- 58:53SPEAKER_01: Unsere, wie du richtig sagst, vorläufige goldene Regel ist, dass ein guter Diskurs dort beginnt, wo wir jederzeit bereit sind, unsere Überzeugungen zu hinterfragen, vielleicht sogar zu ändern.
- 59:07SPEAKER_01: Und er endet aus unserer Perspektive jedenfalls dort.
- 59:10SPEAKER_01: Jetzt sind wir auch wieder perfekt am Anfang gelandet, nämlich wo wir aufhören, zuzuhören.
- 59:14SPEAKER_01: Und das werden wir hier definitiv nie tun.
- 59:17SPEAKER_06: Und wir hoffen, dass es auch Ihnen Spaß macht, zuzuhören und dass Sie auch in den kommenden Folgen zuhören möchten.
- 59:24SPEAKER_06: Wir freuen uns auch über Anregungen, also natürlich jederzeit sehr gerne.
- 59:27SPEAKER_06: Wenn es Vorschläge gibt für Themen, die zu unserem Podcast rechtzeitig passen, nehmen wir jederzeit Hinweise entgegen.
- 59:33SPEAKER_06: Wir haben auch Shownotes, da findet sich auch eine Adresse.
- 59:36SPEAKER_06: Und dann sind wir, glaube ich, ganz gespannt, vorfreudig.
- 59:39SPEAKER_06: Und dann würde ich sagen, freuen wir uns auf die kommenden Folgen.
- 59:43SPEAKER_06: Ja, auf jeden Fall.
- 59:53SPEAKER_00: Rechtzeitig wird produziert vom OMOS Verlag mit Unterstützung der Boceris Zeitstiftung.
- 59:59SPEAKER_00: Die Hostinnen sind Susanne Beck, Stefanie Bock, Charlotte Schmidt-Leonardi, Georgia Stefano Polo, Dara Sofia Valentina und Lea Wörner.
- 1:00:10SPEAKER_00: Schnitt und Produktion Sebastian Bauer.
- 1:00:13SPEAKER_00: Executive Producer Roschem Nani.
- 1:00:16SPEAKER_00: Marketing Anke Schlemmer.
- 1:00:19SPEAKER_00: Musik Inga Schuchmann.
- 1:00:21SPEAKER_00: Bildgestaltung und Videoproduktion Yannick Mattanik.