Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Max Schneller: Warum ein 17-jähriger Aktivist in Sachsen-Anhalt für Demokratie kämpft
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- 0:00Ich bin nicht hier, um zu feiern. Das möchte ich vielleicht schon mal vorweg sagen. Ich habe eine ganz andere Meinung als ihr alle hier.
- 0:03Ich bin hier, weil ich persönlich – und Achtung, Triggerwort – Antifaschist bin.
- 0:05Und ich bin hier als Schüler einer 10. Klasse, weil ich in der Schule lerne, wie gefährlich es ist, wenn Geschichte verdreht wird.
- 0:10Und weil ich jetzt draußen sehe, wie genau das jeden Tag passiert.
- 0:14Ich habe genug davon, wie ihr euch hier als Freiheitskämpfer darstellt, während ihr Seite an Seite mit Faschisten marschiert.
- 0:21Das ist der Moment, der einen Schüler aus Sachsen-Anhalt bekannt gemacht hat: Max Schneller aus Bad Dürrenberg.
- 0:26Vielleicht einigen von euch besser bekannt unter seinem Internet-Pseudonym Maximal Demokratisch.
- 0:31Seine Gegenrede auf einer Querdenker-Demo im April 2025 in Bad Dürrenberg, die ist gefilmt worden und mehr als eine Million Mal angeklickt.
- 0:35Ja, und so wurde Max zum Internet-Phänomen quasi über Nacht, mit gerade mal 16 Jahren.
- 0:40Inzwischen hat er über 70.000 Follower auf Instagram und ist damit einer der reichweitenstärksten jungen politischen Aktivisten in Sachsen-Anhalt.
- 0:46Max Schneller, unser Gast heute bei Dazwischen. Hallo Max, schön, dass du da bist.
- 1:04Hi, ich freu mich. Ja, auch von mir erstmal herzlich willkommen. Wir wissen, dass du dich noch nicht kennst. Wie würdest du dich selber beschreiben? Vielleicht so in drei Sätzen. Was muss man über dich wissen?
- 1:17Also das Wichtigste ist, ich bin nicht mehr 16, sondern 17 Jahre alt mittlerweile.
- 1:20Ich wohne immer noch in Sachsen-Anhalt und darf die politische Landschaft so ein bisschen aufwirbeln, kann man sagen.
- 1:26Transparenz halber müssen wir an der Stelle sagen, du bist auch Mitglied bei Die Linke und bist da ja irgendwie arbeitstechnisch auch ein bisschen gerade eingebunden.
- 1:31Was machst du denn genau zurzeit?
- 1:34Also, du hast die Schule abgeschlossen?
- 1:39Vollzeit Influencer? Naja, nein. Also ich hatte bis März diesen Jahres eine Ausbildung, bin dann im Mai 2000, also jetzt diesen Jahres, in einen Bundesfreiwilligendienst übergewechselt.
- 1:45Und der Partei mache ich ehrenamtlich Social Media Arbeit für eine Kandidatin zur Landtagswahl.
- 1:48Ansonsten habe ich keine Funktion innerhalb der Partei.
- 1:53Wir sprechen ja heute viel über dein Engagement, aber um vielleicht vorher noch ein besseres Gefühl für dich zu bekommen, haben wir zehn schnelle Fragen vorbereitet.
- 2:02Das heißt, du musst gar nicht lange nachdenken. Wir ballern dir sozusagen ein Entweder-Oder um die Ohren und du darfst dann ganz spontan aus dem Bauch heraus antworten.
- 2:06Ja, jetzt kannst du es ausprobieren.
- 2:10Okay, bist du bereit?
- 2:14Ja, los geht's. Winter im Harz oder Sommer an der Saale?
- 2:17Sommer an der Saale. Tokio Hotel oder Gottsche Front?
- 2:21Weder noch. Weiß nicht, was das andere ist. Baumkuchen oder Hallonkugeln?
- 2:26Hallonkugeln. Meckern oder machen?
- 2:30Beides. Demonstrieren vor Ort oder Aktivismus im Internet?
- 2:34Auch beides. Stadt oder Land?
- 2:38Irland. Magdeburg oder Halle?
- 2:41Eindeutig Halle. Milchreis oder Jägerschnitzel?
- 2:45Doch lieber Jägerschnitzel. Simpson oder Bus?
- 2:49Ich Bus. Andere vielleicht Simpson.
- 2:53Als letzte Frage: Gehen oder bleiben?
- 2:56Bleiben. Aber es bleiben nicht manchmal auch ganz besonders schwer.
- 3:00Denn du sagst bleiben. Viele andere in deinem Alter oder auch ein bisschen älter verlassen Sachsen-Anhalt. Warum bleibst du?
- 3:05Ich glaube, aufgrund der politischen Lage habe ich für mich entschieden, egal wie das Ergebnis auch zur Wahl am 6. September ausgeht, ich will nicht wegziehen.
- 3:10Ich will nicht nach Berlin ziehen oder in irgendeine andere Großstadt, weil ich glaube, genau das als Problem ansehe, was in den letzten Jahren gewesen ist.
- 3:14Dass so viele Menschen aus Sachsen-Anhalt weggezogen sind und der extremen Rechten zum Beispiel im ländlichen Raum von Sachsen-Anhalt so viel Platz gegeben haben.
- 3:20Mir wird das Ergebnis sicherlich nicht passen. Aber dann ist es für mich der Anspruch zu sagen, ich will, dass es wieder in eine andere Richtung geht zur nächsten Wahl eventuell.
- 3:24Vielleicht nimmst du uns nochmal so einen Schritt zurück mit: Wie war das so als Teenager in Bad Dürrenberg? Wie war so deine Jugend? Wie bist du da aufgewachsen?
- 3:30Ich glaube, in recht einfachen und eigentlich muss ich auch sagen, armverhältnissen.
- 3:35Also meine Mutter zum Beispiel war immer so arbeitend, dass es trotzdem nicht reichte.
- 3:40Und demnach wusste ich natürlich zum Ende des Monats, also ich habe Armutserfahrungen, glaube ich, 16 Jahre meines Lebens zu Hause gemacht.
- 3:44Und auch jetzt, nachdem ich meine Ausbildung abgebrochen habe, bin ich jetzt noch kein Mensch, der irgendwie wohlhabend leben kann.
- 3:48Aber ich würde behaupten, ich hatte trotzdem immer so ein bisschen dieses Menschsein an mir weiterhin gehabt.
- 3:53Und ich hatte ja trotzdem Menschen in meinem Umfeld und trotz, dass man nicht wenig hatte, hatte man irgendwie auch viel.
- 3:57Ja, trotzdem ist es ja schon so, gerade wenn man wenig hat, muss man ja auch gucken, wie man irgendwie über die Runden kommt, wie man zurechtkommt.
- 4:01Hat vielleicht auch existenziellere Sorgen, als sich jetzt so um Instagram oder Influencen zu kümmern.
- 4:05Wie ist aus dir trotzdem ein Aktivist geworden? Wie kam es dazu?
- 4:11Also wir haben ja den Einspieler gehört. So wirklich aktivpolitisch bin ich schon zur Bundestagswahl 2017 geworden.
- 4:16Da habe ich das erste Mal Erinnerungen an Politik, als ich bei meiner Oma zu Hause die Wahlsendung zur Bundestagswahl 2017 verfolgt habe.
- 4:20Und irgendwie lustig fand, dass ich gegen Angela Merkel sein konnte.
- 4:24Dann bin ich irgendwie etliche Jahre von Politik verschont geblieben und zur Landtagswahl 21 in Sachsen-Anhalt war ich dann voll auf FDP-Kurs.
- 4:29Und fand die FDP so toll, dass sie bildungspolitisch uns digitale Endgeräte versprochen hat.
- 4:34Davon habe ich jetzt nicht viel gemerkt, ehrlich gesagt.
- 4:39Und so schnell habe ich mich von der Landtagswahl 21 Richtung Bundestagswahl 21 dann zur Partei Die Linke weiterbegeben.
- 4:44Und habe dann das erste Mal so Kontakt mit Bundestagsabgeordneten gehabt und mit Landtagsabgeordneten.
- 4:49Und ich muss aber auch sagen, dass ich zu Corona-Zeiten auch auf diesen Querdenker-Protesten stand und gegen die Schulschließung zum Beispiel demonstriert habe.
- 4:53Weil das als Schüler einer 6. Klasse natürlich nicht selbstverständlich ist, dass man jetzt auf einmal im Homeschooling sein soll und irgendwelche digitalen Endgeräte haben muss, um überhaupt teilhaben zu können an diesem Online-Lernen.
- 4:58Und das hat mich natürlich schon sehr frustriert.
- 5:03Und jetzt, fünf Jahre später oder vier Jahre später, habe ich mich 2025 dann irgendwie oder innerhalb dieser Zeit sehr demokratisiert, würde ich behaupten, oder beziehungsweise auch dazugelernt und viel Geschichtsunterricht gehabt.
- 5:08Innerlich war mein Anreiz zu sagen, ich will mich gegen Holocaust-Leugnung stellen.
- 5:13Das war eines der größten Dinge, die mich bewegt hatten, weil eine der Hauptrednerinnen dort in Bad Dürrenberg aus dieser Querdenken-Gruppe vor Gericht stand wegen Holocaust-Leugnung,
- 5:18aber freigesprochen wurde, weil sie die Inhalte nur verbreitet hat und selbst nicht geäußert hat.
- 5:22Und das war für mich der Grund zu sagen, ich meine, wenn man 80 Jahre nach Ende des Hitler-Faschismus in Deutschland wieder solche Dinge straffrei sagen kann,
- 5:27ohne irgendwie Konsequenzen fürchten zu müssen, dann müssen ja gerade vor allem junge Menschen, denen der Auftrag von einem Holocaust-Überlebenden gegeben wurde,
- 5:32dass sie die Zeitzeugen sein sollen, die sie nicht mehr sein können, und dass wir vor allem aufpassen sollen, dass es nicht wieder geschieht,
- 5:36müssen wir halt aktiv und laut werden. Und das habe ich, glaube ich, einfach nur gemacht.
- 5:40Und dass das so viral gegangen ist, war mir in dem Moment eigentlich nicht bewusst,
- 5:44weil am Ende stand ich da trotzdem nur alleine mit einem Beutel in der Hand, wo drauf stand: gegen jeden Antisemitismus.
- 5:48Du hast gesagt, du wolltest eigentlich etwas gegen Holocaust-Leugnung machen.
- 5:52Wie würdest du denn jetzt dein Engagement beschreiben?
- 5:56Also ich glaube, ich setze mich in allererster Linie für Demokratie ein,
- 6:01aber auch gegen dieses Narrativ, dass der ganze Osten und das ganze Sachsen-Anhalt nur noch als das Land der AfD betrachtet wird.
- 6:05Und das ist mir so wichtig, weil wir so viel mehr sind.
- 6:09Es sind so viele Menschen, die in Sachsen-Anhalt auf die Straße gehen,
- 6:12und ich finde einfach, dass dieses Ungleichgewicht gerade so immens ist,
- 6:15dass es immer nur gezeigt wird, wir sind das Land, bei dem 42 % AfD wählen,
- 6:19obwohl der ganz andere Rest, also diese 58 %, einfach vollkommen übersehen werden,
- 6:23obwohl die ja auch noch da sind.
- 6:26Und ich finde einfach, es ist wichtig zu besagen, dass Sachsen-Anhalt auch wir alle sind.
- 6:30Also nicht nur 40 % von denen, sondern auch wir, die halt aktiv sagen wollen,
- 6:34wir akzeptieren es nicht, dass es eine gesichert rechtsstaatliche Partei in Sachsen-Anhalt gibt,
- 6:38die vielleicht die Wahlen gewinnen könnte.
- 6:42Und das sollte man irgendwie auch wieder in den Vordergrund stellen und damit auch dieses Gleichgewicht herstellen.
- 6:46Denn am Ende sieht es gerade so aus, als ob die Lautesten eigentlich die Mehrheit sind,
- 6:50obwohl sie eigentlich immer noch eine Minderheit sind.
- 6:54Was würdest du da sagen, ist vielleicht auch schon ein besonderer Erfolgsmoment für dich gewesen,
- 6:58wo du sagst: Hey, das wofür ich mich einsetzen möchte, ich merke, da kann ich vielleicht doch was bewegen.
- 7:02Das war besonders toll.
- 7:06Naja, ich glaube, das sind auch immer die Nachrichten, die man auf Social Media bekommt,
- 7:10wenn Menschen einem schreiben, dass sie jetzt selbst – also ich habe einen zum Beispiel,
- 7:14der mir regelmäßig schreibt, dass er sich jetzt getraut hat, eine Rede zu halten, dank mir.
- 7:17Und das ist natürlich echt ein Erfolgsmoment, weil man weiß, man hat andere Menschen dazu animieren können oder inspirieren können, selbst laut zu werden.
- 7:21Dann gibt es Leute, die schreiben, dass sie auf einen CSD gehen,
- 7:25obwohl sie vorher dachten, aufgrund der Bilder von außerhalb, dass das sexuell so betrachtet ist,
- 7:29dass Menschen sich drum herum ausziehen und sowas, was ja völliger Quatsch ist.
- 7:33Im Gegenteil, das sind eigentlich alles nur Menschen, die lieben und leben und die lachen wollen.
- 7:37Und das ist halt auf einem CSD so ganz einfach.
- 7:41Und das haben Menschen dann kennengelernt, indem sie dann einfach aufgrund meiner Bitte,
- 7:45wo ich gesagt habe, geht doch einfach hin und schaut euch das doch mal an oder lauft mit und lernt die Menschen kennen,
- 7:48dass viele von denen Nachrichten geschrieben haben, dass sie das gar nicht so schlimm empfunden haben und das super toll fanden,
- 7:52dass es eine tolle Atmosphäre war.
- 7:56Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die mir vor Ort, also draußen auf der Straße, ganz viel Zuspruch geben.
- 8:00Aber man muss natürlich auch über die Seite sprechen von Menschen, die einem vielleicht nicht so gleichgesinnt sind.
- 8:04Und ich glaube, davon gibt es genauso viele, die mich auf der Straße wahrscheinlich kennen,
- 8:08die ich aber nicht kenne und die mir jetzt aber keinen Zuspruch geben würden,
- 8:12sondern im Gegenteil, die mich vielleicht sogar hassen.
- 8:15Und Hass hört ja nicht da auf, wo es irgendwie um Kommentare geht,
- 8:19sondern du hast ja, glaube ich, auch Morddrohungen tatsächlich bekommen.
- 8:23Wie geht man als Mensch, vor allen Dingen als junger Mensch, mit sowas um?
- 8:27Also in erster Linie finde ich, dass niemand, egal was er macht oder was er in der Öffentlichkeit sagt,
- 8:31dafür irgendwie mit dem Tod bedroht werden sollte.
- 8:35Und das ist so ein Punkt, den ich mir selbst auch immer wieder klar mache.
- 8:39Ich habe gestern einen Beitrag gepostet, gestern Abend, bei dem ich mir selbst gesagt habe,
- 8:43also ich habe nach dem Vorfeld im Februar zum Beispiel, als ich eine krasse Bedrohungslage hatte,
- 8:47als mir nachts geklingelt wurde und sowas, habe ich gestern oder vorgestern den Brief bekommen,
- 8:51dass das Verfahren eingestellt wurde.
- 8:55Und das ist natürlich schon mal ein Schlag ins Gesicht, weil man wusste,
- 8:59also mir war klar, die Täter könnten nicht ermittelt werden, wenn ich gar keine hinreichenden Hinweise abgeben kann,
- 9:03weil ich eben nicht viel weiß davon.
- 9:07Und das sind natürlich Dinge, die einen dann schon verunsichern,
- 9:11weil man weiß, man kommt oft ohne Konsequenzen davon.
- 9:15Und ich habe für mich auch gesagt, so ein bisschen, also wenn ich Morddrohungen bekomme,
- 9:19ist mein wichtigster Anspruch so ein bisschen, dass man trotz allem nie so ein bisschen das Lächeln verliert,
- 9:23sondern dass man trotzdem auch so wirklich versucht, laut zu bleiben.
- 9:27Nicht darüber hinweg zu schauen, aber auch nicht das an sich heranzulassen.
- 9:31Und Morddrohungen, wie sie kommen, sollten alle konsequent angezeigt werden.
- 9:35Also man sollte diesen Rechtsstaat, der einem zur Verfügung steht, auch irgendwie nutzen.
- 9:39Und das mache ich auch.
- 9:43Also positiv war bisher noch nichts.
- 9:47Also es gab bisher noch keinen Erfolg, leider.
- 9:51Also Bundesheersoldaten konnten mir schreiben: Lasst euch mal 9 Millimeter durch den Kopf gehen und wurden dafür nicht belangt.
- 9:55Das ist auch sehr spannend.
- 9:59Aber es gibt auch Erfolge. Das sind keine Morddrohungen,
- 10:03aber es sind Hitlergrüße, die mir auf der Straße gezeigt werden.
- 10:07Und da habe ich jetzt im August ein Gerichtsverfahren deshalb,
- 10:11weil ich eine Zeugenhase und die Person schon bekannt war, um demnach auch positive Beispiele mal zu nennen.
- 10:15Also es gibt auch beim Rechtsstaat auch Dinge, die einem dann zum Erfolg werden,
- 10:19weil man eben diese Dinge konsequent anzeigt.
- 10:23Aber leider muss man auch sagen, dass das, was einem gerade sehr entgegensteht,
- 10:27das ist dieser blanke Hass und der wird halt meistens nicht strafrechtlich verfolgt,
- 10:31weil die Personen offenkundig nicht ausfindig gemacht werden können.
- 10:35Du erzählst das jetzt hier so locker weg. Irgendwie, das sind ja aber extrem krasse Situationen.
- 10:39Hast du schon mal dann drüber nachgedacht: Ich hab gar keine Lust mehr, weiterzumachen?
- 10:43Ich glaube, die Gedanken hatte ich öfter und die habe ich vielleicht auch jetzt noch, ehrlich gesagt.
- 10:47Aber ich bin seit Mai zum Beispiel in psychologischer Behandlung,
- 10:51weil ich für mich gesagt habe, das muss man irgendwie professionell aufarbeiten.
- 10:55Also aufgrund dieser Geschehnisse zum Beispiel habe ich meine Ausbildung abbrechen müssen,
- 10:59weil ich psychisch in den Monaten von Februar bis April, Mai so instabil war,
- 11:03dass es einfach nicht möglich war, dass ich irgendwie in der Öffentlichkeit präsent sein kann.
- 11:07Groß. Und das natürlich auch mit mir viel macht.
- 11:11Und ich meine, ich habe nicht den Rückhalt meiner Eltern.
- 11:15Also ich habe keinen Kontakt zu meiner Mutter und keinen Kontakt zu meinem Vater.
- 11:19Und demnach fehlt da natürlich eine große Rolle, die einem eigentlich diesen Rückhalt geben sollte.
- 11:23Und im 17-jährigen Leben muss ich ja auch irgendwie nochmal betonen.
- 11:27Und ich habe aber mir halt gesagt, dass ich, also wenn ich jetzt aufhöre,
- 11:31dass ich irgendwie auch genau denjenigen diese Bestätigung damit gebe
- 11:35und ihnen diesen Erfolg gebe, dass sie eine Person mundtot machen konnten.
- 11:39Und für mich ist klar: Niemals will ich mich irgendwie so einschüchtern lassen,
- 11:43dass es irgendwann dazu kommt, dass ich aufhören muss.
- 11:47Und ich hatte vor kurzem auch ein Interview mit der Funke Mediengruppe,
- 11:51und die haben mich das gleiche gefragt.
- 11:55Und meine Antwort, oder die ich auch jetzt sagen würde, ist halt so ganz einfach:
- 11:59Also ich engagiere mich so lange gegen Nazis und Rechtsextreme, bis es halt nicht mehr geht.
- 12:03Und das will ich weiterhin machen und davon lasse ich mich nicht abkriegen,
- 12:07weil ich natürlich mir auch nicht das Engagement von Neonazis absprechen lassen möchte,
- 12:11weil deren einziges Mittel ist Gewalt und Hass.
- 12:15Und ich finde, da gibt es so viel, was man dagegen machen kann und so viel, was man dagegen aufzeigen kann.
- 12:19Und ich finde immer wieder, dass man Hass nicht mit Hass bekämpfen kann.
- 12:23In unserem Podcast haben wir uns sehr viel damit auseinandergesetzt,
- 12:27wie wichtig Begegnungen sind, Gemeinschaft, die man gemeinsam lebt
- 12:31und wie wichtig das für unsere Demokratie ist.
- 12:35Und wie sehr, wenn sich Angebote verändern, Angebote auf Dörfern beispielsweise schrumpfen,
- 12:39und das Leben dort ja die Menschen sehr prägt.
- 12:43Was macht das mit dem? Und du hast ganz am Anfang erzählt,
- 12:47wie so ein bisschen Aufwachsen für dich in Bad Dürrenberg war.
- 12:51Wenn du jetzt nochmal zurückschaust, was macht man denn da so?
- 12:55Was gab es denn da für Angebote für euch?
- 12:59Naja, leider war Bad Dürrenberg oder ist Bad Dürrenberg eher eine sehr freundliche Stadt für ältere Menschen.
- 13:03Das finde ich erstmal nicht verwerflich, aber sie schlägt halt dem Demografiewandel nicht entgegen,
- 13:07dass sie jungen Menschen Anreize schafft.
- 13:11Sondern, nein, im Gegenteil, sie nimmt ihnen wahrscheinlich sogar noch die letzten Möglichkeiten, dort zu bleiben.
- 13:15Jungen Menschen wird halt jede Möglichkeit genommen, irgendwie einen Rückzugsort zu haben.
- 13:19Also es gibt kein Jugendzentrum, wie vielleicht in Leipzig in jedem Kiez oder in jedem Stadtteil.
- 13:23Es gibt halt auch keine Anlage oder irgendwas.
- 13:27Im Gegenteil, sie hatten sogar noch darüber nachgedacht, dass sie diesen Skaterpark,
- 13:31der der einzige Ort noch für Jugendliche war, noch dicht machen wollen.
- 13:35Also es sind so viele Dinge, die gerade da so ein bisschen kaputt gemacht werden.
- 13:39Und dann gibt es nicht mal ein Jugendparlament.
- 13:43Also es gibt gar keine Mitbestimmungsmöglichkeiten für junge Menschen.
- 13:47Und demnach ist man schon sehr frustriert, wenn man halt einfach keinen Ort hat in dieser Stadt.
- 13:51Das heißt, man trifft sich dann klassisch, Bild an der Bushaltestelle.
- 13:55Ja, zum Beispiel. Und dann beschwert sich die Stadtöffentlichkeit,
- 13:59dass die Jugend ja nichts macht, dass die Jugend ja nur an öffentlichen Orten abhängt,
- 14:03vielleicht so noch Vandalismus begeht oder irgendwas.
- 14:07Also wird denen auch wieder nicht gerecht, so ein bisschen.
- 14:11Jetzt hast du gerade schon gesagt, Jugendparlament oder eine Form von Mitbestimmung habt ihr auch nicht.
- 14:15Was sind denn so die größten Themen, die größten Herausforderungen, die junge Menschen in Bad Dürrenberg,
- 14:19aber vielleicht auch in Sachsen-Anhalt aus deiner Sicht haben?
- 14:23Naja, vor allem im ganz, ganz ländlich geprägten Sachsen-Anhalt führt einfach diese Anbindung von A nach B zu kommen,
- 14:27für alle Menschen, die eben einfach keine Simson haben zum Beispiel.
- 14:31Und ich glaube, das macht schon sehr, sehr viel mit jungen Menschen,
- 14:35weil die Frage von Mobilität auch immer eine Frage ist vom sozialen Status.
- 14:39Weil manche können sich vielleicht sogar das Busticket gar nicht leisten, wenn es denn noch eins geben sollte.
- 14:43Und ja, ich glaube vor allem, also das ist ja was, was mich geprägt hat,
- 14:47dieser fehlende Rückzugsort, wo man junge Menschen auch einfach treffen kann und sich kennenlernen kann.
- 14:51Da fehlen Jugendzentren einfach in ganz vielen Dörfern oder Städten oder einfach so Verbandsgemeinden.
- 14:55Und ich würde behaupten, auch die Sorge, wenn wir jetzt wieder bei Mobilität sind,
- 14:59auch die Sorge davon, dass man sich einen Führerschein gar nicht leisten kann.
- 15:03Also das ist jetzt fehlende Mobilität.
- 15:07Das sind Angebote für, ich sag mal, unter 18-Jährige.
- 15:11Du hast fehlende Orte genannt. Wie ist denn das dann mit Schule?
- 15:15Konnte Schule wenigstens ein Ort sein, wo man in den Austausch und Diskussion kam,
- 15:19auch vielleicht für unterschiedliche Meinungen oder?
- 15:23Aber ich glaube, Schule kann in vielen Teilen auch Ersatz sein für Dinge, die fehlen.
- 15:27Das ist halt eben der Treffpunkt.
- 15:31Aber auch Schule hat nicht öffentlich, hat auch nicht jeden Tag offen.
- 15:35Und auch nicht Schule hat 24/7 offen.
- 15:39Und demnach muss es neben der Schule auch irgendwie noch eine andere Möglichkeit geben, sich zu treffen.
- 15:43Und für viele ist Schule auch irgendwie eine Belastung.
- 15:47Also für mich war Schule auch nicht immer der tollste Ort, vor allem politisch gesehen.
- 15:51Und für viele andere ist Schule vielleicht auch nicht der tollste Ort,
- 15:55weil sie gemobbt oder gehänselt werden, das wissen wir ja alles nicht.
- 15:59Und demnach könnte Schule mit irgendwelchen Angeboten schon attraktiv sein,
- 16:03aber ich glaube, es ist nicht ausreichend.
- 16:07Zur Bundestagswahl 2025 wurden ja auch die U18-Wahlen durchgeführt.
- 16:11Im Ergebnis hätten damals 30 % die AfD gewählt, etwa 28 % die Linke.
- 16:152017 holte bei den U18-Wahlen noch die CDU die meisten Stimmen, gefolgt von der SPD.
- 16:19Max, du hast auch so eine U18-Wahl durchgeführt, haben wir gelesen.
- 16:23Wie war das?
- 16:27Naja, also das war die Europawahl 2024.
- 16:31Und ich fand das Konzept erstmal cool, weil jungen Menschen die Chance zu geben,
- 16:35dass sie trotz des Wahlalters 16 wieder runter sind und nicht wählen durften,
- 16:39ist natürlich schon eine große Hürde, finde ich.
- 16:43Und dass man einfach die Chance gibt, dass sie an der Probewahl teilnehmen können.
- 16:47Und das habe ich an meiner Schule initiiert.
- 16:51Und das Ergebnis war sehr, sehr eindeutig.
- 16:55Also es war wirklich überwiegend ganz, ganz rechts.
- 16:59Also fast 50 %, also genau 47 %, haben zur U18-Europawahl AfD gewählt.
- 17:03Und als sie ausgezählt haben, kam das Ergebnis dabei raus.
- 17:07Und am nächsten Tag war Tag der offenen Tür an dieser Schule.
- 17:11Und sie wollten das Ergebnis nicht veröffentlichen.
- 17:15Und also habe ich dann gesagt, naja, ich habe dann ohne Absprache zu treffen,
- 17:19das Ergebnis veröffentlicht, habe das in meine Klassengruppe geschickt und die haben es weitergeleitet.
- 17:23Und dann habe ich es natürlich auch ganz, ganz öffentlich gemacht,
- 17:27weil ich das wichtig empfunden habe.
- 17:31Und das ging sehr viral. Die Mitteldeutsche Zeitung hat darüber berichtet und so weiter und so fort.
- 17:35Und dann musste ich zwei Tage oder drei Tage später am Montagmorgen
- 17:39vor meinem Praktikum bei der Schulleitung antanzen und musste mir erstmal eine Standpauke abholen.
- 17:43Wieso ich denn nur dieses Ergebnis veröffentlicht kann, ohne Absprache?
- 17:47Es ging einfach um die Rufschädigung.
- 17:51Es ging, glaube ich, gar nicht um das Ergebnis, es ging einfach darum,
- 17:55dass die Schule jetzt diesen Ruf hat, sie sei so rechtsversifft.
- 17:59Und ich habe mich natürlich auf dieses Gespräch vorbereitet und bin dann mit einem achtseitigen Gedankenprotokoll
- 18:03auf dieses Treffen gegangen und habe dann erstmal, bevor er mich dann zusammenscheißen wollte,
- 18:07meine Erfahrungen geschildert, die ich an dieser Schule erlebt habe.
- 18:11Und habe sämtliche Vorfälle, die da extrem rechten zuzuordnen sind, geschildert.
- 18:15Und auch Lehrkräfte mit eingebunden, die daran beteiligt waren.
- 18:19Das waren vier Vorfälle.
- 18:23Und das ist so weit eskaliert, dass ich irgendwann nach einer Diskussion gegen sechs Schülerinnen und Schüler
- 18:27diesen Unterrichtsraum verlassen habe, vorzeitig nach Hause gegangen bin
- 18:31und habe dann die mobile Opferberatung aus Halle angerufen.
- 18:35Und die haben dafür am Ende gesorgt, dass diese Lehrkraft,
- 18:39das war die letzte Stunde vor den Sommerferien, dass diese Lehrkraft im nächsten Schuljahr
- 18:43nicht mehr Teil meiner Lehrerschaft ist, sondern dass ich jetzt jemand anderes hatte.
- 18:47Jetzt hast du eben gesagt, du hattest das Gefühl, die Schule wollte ja lieber sozusagen das Ergebnis zurückhalten,
- 18:51als sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen.
- 18:55Was würdest du denn selber sagen, warum wollten denn oder hätten denn so viele deiner Mitschüler, Mitschülerinnen
- 18:59tatsächlich ganz rechts gewählt?
- 19:03Also was ich sagen muss, das größte Problem ist das Elternchaos,
- 19:07weil viele dieser Jugendlichen immer von ihren Eltern gesagt bekommen, was richtig ist und was nicht richtig ist.
- 19:11Also eigentlich würde ich sagen, ich würde gar keinem zutrauen, dass sie irgendwie extrem rechtes Gedankengut besitzen,
- 19:15sondern einfach nur dieses Gedankengut haben, weil ihre Eltern ihnen das so vorschreiben.
- 19:19Also ich glaube immer, dass Eltern so ein bisschen das Problem sind, aber nicht alle.
- 19:23Ansonsten auch der Freundeskreis bei jungen Menschen.
- 19:27Also ich habe bestes Beispiel zwei Jungs wieder getroffen aus meiner Schule,
- 19:31die waren bis vor einem Jahr so wirklich krass rechts, also richtig extrem rechts.
- 19:35Die waren schon krass drin, indem sie auch einfach die schwarze Sonne als T-Shirt trugen und so einen Scheiß
- 19:39und Springerstiefel an hatten.
- 19:43Und jetzt habe ich sie vor vier Wochen mit einem RTL-Kamerateam an meiner Schule auf einmal zufällig wieder getroffen
- 19:47und ich war so irritiert.
- 19:51Auf einmal trug der eine ein T-Shirt mit "Free All Antifa" und der andere trug ein T-Shirt mit "Rotsport".
- 19:55Und dann war ich so: Also in welcher Welt lebe ich denn jetzt eigentlich?
- 19:59Und dann habe ich sie eine Stunde danach wieder getroffen, ohne Kamerateam, und hab sie gefragt.
- 20:03Dann hatten sie mir erklärt, dass sie jetzt aus ihrem Freundeskreis raus sind,
- 20:07der maßgeblich daran beteiligt war, was sie denken und wie sie agiert haben.
- 20:11Und einfach dieses Gemeinschaftsgefühl hatten von: Wir sind auch so, weil wir einfach dazugehören wollen.
- 20:15Und seitdem das nicht mehr so ist und sie jetzt Freunde aus Halle, also aus der Großstadt haben,
- 20:19offenkundig hat sich das ganz schnell gedreht.
- 20:23Und das zeigt auch manchmal noch so ein bisschen, dass die Jugend nicht immer verloren ist, wie man das denkt. 00:21:52.000 --> 00:21:55.000 Ja, immer behaupten möchte in der Öffentlichkeit, und dass dieses einseitige Bild
- 21:55von der Jugend im Osten so geprägt ist von Simson und Rechtsextremismus,
- 22:00sondern dass es eben auch das Gegenteil davon sein kann. Sag mal,
- 22:03du hast jetzt gerade schon gesagt, du hast natürlich, oder junge Menschen
- 22:05natürlich stark beeinflusst durch ihre Herkunftsfamilie, aber auch durch den Freundeskreis. Das
- 22:09ist ja, glaube ich, auch keine große Neuigkeit. Schule könnte da ja
- 22:13eigentlich so ein Gegenpol sein. Da könnte ja auch einfach eine Bildung
- 22:16passieren, da könnte sozusagen auch eine Aufklärung passieren. Und trotzdem erleben wir
- 22:20halt gerade in einem Land wie Sachsen-Anhalt, jetzt schon bevor die
- 22:23AfD überhaupt Regierungsmacht hat, dass da Lehrerinnen und Lehrer eingeschüchtert werden, dass
- 22:28es da Denunzierungsplattformen gibt, dass über ganz viel über so Neutralitätsgebote gesprochen
- 22:32wird, die es offiziell nicht so richtig gibt, die dann aber trotzdem
- 22:35dazu führen, dass sie eben Abmahnungen bekommen. Wie erlebst du sozusagen die
- 22:39Rolle der Schule und wie sollte sie vielleicht auch in deiner Wahrnehmung
- 22:42sein? Also, was wir jetzt erstens sagen müssen, ist, dass jede Schule
- 22:47diese Plakette wie „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ hat, dass sie
- 22:50ihrem Titel damit nicht gerecht wird, indem sie einfach nur sagt, wir
- 22:52haben diese Plakette. Also, Schulen müssen viel, viel mehr leisten, und dazu
- 22:55gehört eben für mich auch die verpflichtende Fahrt nach Buchenwald oder in
- 23:01irgendeine andere Gedenkstätte von der NS-Zeit, also in eine KZ-Gedenkstätte.
- 23:05Wir haben das gemacht, glücklicherweise an meiner Schule in der 9. Klasse,
- 23:08finanziert von der Landeszentrale für politische Bildung. Also, es würde sogar finanziert
- 23:11werden, und wir sind nach Buchenwald gefahren und haben es uns dort angeschaut.
- 23:15Und ich glaube, das regt viele junge Menschen nochmal zum Denken an,
- 23:18wie sie sich dort auch verhalten und wie auch eben nicht. Und
- 23:21deshalb sage ich, dass Schule immer ein Ort der demokratischen Bildung sein
- 23:24müssen, der politischen Bildung sein müssen. Das fängt auch damit an, dass
- 23:28Schülerräte, die gewählt werden, und sie werden bewusst gewählt, sie werden nicht
- 23:31als Scheingremium gewählt, dass sie auch die Entscheidungsgewalt bekommen, die ihnen zusteht.
- 23:35Also, man sollte vielleicht, wenn man als Schule diesen Auftrag hat, politische
- 23:38Bildung zu vermitteln, sollte man diese politische Bildung auch leben und Demokratie
- 23:41leben, statt sie einfach nur vorherzusagen. Und das ist für mich so
- 23:46eines der wichtigsten Punkte, dass man junge Menschen aktiv am Prozess auch
- 23:49einbezieht. Und dass Lehrer auch ganz klar widersprechen, wenn Menschen verachten, dass
- 23:53Gedankengut im Unterricht geäußert wird. Also, natürlich darf man jetzt nicht sagen,
- 23:58dass man die AfD scheiße findet oder dass man die Linkspartei gut
- 24:01findet oder die Grünen gut findet oder die SPD gut findet. Das
- 24:03steht dem Lehrer gar nicht zu. Also, parteipolitisch neutral zu sein hat
- 24:06er, und das ist klar. Aber ein Lehrer muss nicht neutral sein,
- 24:09wenn er sich auf Fakten beruft. Und wenn der Verfassungsschutz in Sachsen
- 24:12Anhalt sagt, dass die AfD eine gesichert rechtsextreme Partei ist, dann darf
- 24:15das der Lehrer sagen, weil das Land Sachsen-Anhalt sein Arbeitgeber ist.
- 24:18Und ich meine, ich weiß nicht, warum Lehrer so immens Angst haben.
- 24:21Natürlich gibt es diese Denunziierungsportale von der AfD, wo Schülerinnen und Schüler
- 24:24ihre Lehrkräfte anscheißen können, also melden können. Aber es gibt auch einen
- 24:28starken Bildungsminister in Sachsen-Anhalt, der sich aktiv hinter seine Lehrkräfte stellt
- 24:31und der ganz klar sagt, dass er das nicht duldet, dass seine
- 24:34Lehrkräfte so diffamiert und diskreditiert werden und dass er sich vor allem
- 24:38wünscht, dass sie lauter werden und dass sie sich aktiv im Klassenraum
- 24:41dagegen äußern. Das ist sogar ihr Auftrag. Sonst würden sie sogar eigentlich
- 24:44diesen Grundsatz von politischer Bildung oder diesen Beutelsparakonsens verletzen, wenn sie es
- 24:47nicht täten. Und natürlich verstehe ich auch die Angst, aber da muss
- 24:51halt auch die Schulleitung ganz klar sagen, wir stehen hinter euch. Und
- 24:53das passiert aber oft einfach nicht. Also, um das mal zusammenzufassen: Es
- 25:02wäre wichtig, wenn es ganz allgemein in der Schule mehr Raum gibt,
- 25:05solche Gespräche zu führen und über Demokratie zu sprechen, auch klar zu
- 25:09sagen, okay, das hier ist jetzt der Raum, wo man
- 25:12verschiedene Meinungen haben kann, aber hier ist die Grenze, weil das gegen
- 25:16unser Grundgesetz spricht, weil es menschenverachtend ist. Du hast gesagt, mehr Beteiligung
- 25:20auch im Sinne von Schülerräten. Das bespielt sich aber in vielen Bereichen
- 25:25in der Schule ab. Unabhängig davon, wo würdest du sagen, was bräuchte es
- 25:30noch in Sachsen-Anhalt für junge Menschen? Also, wir haben ja auch
- 25:33eine Landtagswahl, die vor uns steht. Was brauchen sie noch viel mehr?
- 25:36Was sind konkrete Forderungen? Also, ich glaube, ich will gar nicht mehr
- 25:42anmassen, für die Jugend zu sprechen. Ich glaube, ich habe ganz andere
- 25:45Bedürfnisse als viele andere in meinem Alter. Aber da sind wir wieder
- 25:49bei dem Punkt von vorhin, dass wir an Mobilität auch immer eine
- 25:52große Rolle sehen in der Wahl. Und ich glaube, zur Landtagswahl muss
- 25:55auch Mobilität für junge Menschen eine große Rolle spielen. Da muss Bildung
- 25:57eine große Rolle spielen. Da darf es halt nicht solche Nebelkerzen wie
- 26:01von der BSW und der AfD geben, dass wir von Krieg und
- 26:03Frieden sprechen in Sachsen-Anhalt. Natürlich muss auch die Wehrpflicht ein Thema
- 26:06sein, weil eine Landesregierung auf bundespolitischer Ebene Dinge bewirken kann. Aber ich
- 26:14finde, wir sollten uns vor allem auf die Themen in Sachsen-Anhalt
- 26:16konzentrieren. Und da ist halt eben die steigende Lebenshaltungskosten für junge Menschen
- 26:19ein Riesenproblem, wenn viele sich einfach zum Beispiel einen Besuch im Schwimmbad
- 26:22nicht leisten können. Und das ist ja nichts, was ich jetzt abstrakt
- 26:25sage, sondern weil das einfach wirklich Dinge sind, die real passieren. Also
- 26:28es gibt so viele junge Menschen, die armutsgefährdet sind, die in Armut
- 26:31leben, und das frustriert ja immens. Also, wenn man einfach nicht teilhaben
- 26:35kann am Leben von der Gesellschaft wie jeder andere auch. Und ich
- 26:39finde, da sollte es einfach viel mehr Entgegenkommen geben, dass jungen Menschen
- 26:44auch irgendwie signalisiert wird, wir wollen, dass ihr auch irgendwie Teil von
- 26:47dieser Gesellschaft sein könnt, trotz eures Statuses von der Sozialleistung oder vom
- 26:52Geld irgendwie her. Sondern dass die einfach klar das Signal bekommen, ihr
- 26:55seid genauso Teil wie wir. Und das ist auch das, was ich
- 26:58mir auch damals so ein bisschen gefehlt hat, als ich selbst, oder
- 27:00ich lebe ja auch immer noch so ein bisschen in ärmlichen Verhältnissen,
- 27:03weil ich ja auch meine politische Arbeit eher ehrenamtlich mache als hauptamtlich.
- 27:07Und das ist halt das, was in Sachsen-Anhalt, glaube ich, auch
- 27:10eine große Rolle spielt, von Zugehörigkeit und Teilhabe. Und wenn ich jetzt
- 27:16konkrete politische Forderungen aufstellen müsste, dann müsste ich erstmal drei Tage überlegen,
- 27:20weil diese Gesetzeslage dann doch so komplex ist, um zu sagen, was
- 27:23könnte man in Sachsen-Anhalt überhaupt verändern. Das ist auch ein Problem,
- 27:25davon, dass ja Bundespolitik irgendwie immer mit Landespolitik vermischt wird oder dass
- 27:30man auf kommunalen Ebenen sogar schon bundespolitische Entscheidungen treffen möchte, auf einmal.
- 27:33Die Landtagswahl steht ja an. Du bist sehr engagiert, du sprichst auf
- 27:39Podien, auf Parteitagen, versuchst irgendwie im Internet Menschen zu erreichen. Du darfst
- 27:44aber selbst gar nicht wählen, weil du noch nicht vorjährig bist. Was
- 27:48macht das mit dir? Erstmal muss ich festhalten, das haben wir dieser
- 27:51Deutschland-Koalition zu verdanken in Sachsen-Anhalt, dass ich nicht wählen darf,
- 27:55weil die CDU sich immer noch dagegen strebt, das Wahlrecht 2016 einzuführen.
- 27:59Ich glaube, SPD und FDP wollten es sogar, Grüne und Linke wären
- 28:01auch dafür gewesen. Die einzige Partei, die es nicht will, ist halt
- 28:04die CDU. Und man hätte eine Zweidrittelmehrheit jetzt noch gehabt, um dieses
- 28:07Wahlrecht zu zählen, dass auch junge Menschen wählen dürften. Nein, jetzt werden
- 28:10wir nach der Wahl sicherlich keine Zweidrittelmehrheit mehr dafür haben, weil die
- 28:13AfD so stark ist und die CDU dann mit 30 und
- 28:16die beiden schon vielleicht sogar eine absolut verfassungsrechtliche Mehrheit hätten. Es enttäuscht
- 28:22mich, weil ich einfach weiß, über meine Geschicke wird jetzt bestimmt und
- 28:26ich darf dann erst 2031 oder 2032 mitwählen. Aber erst dann darf
- 28:31ich auch darüber entscheiden, was gewesen ist, und die Jahre davor musste
- 28:34ich einfach über mich entscheiden lassen. Und ich finde, das macht auch
- 28:37was mit jungen Menschen, wenn ihnen immer ständig erklärt wird, sie sollen
- 28:39sich politisch engagieren, aber sie in der Politik kein Mitspracherecht bekommen, in
- 28:43dem Moment, dass sie eben wählen dürfen. Und da bin ich immer
- 28:47so ein bisschen neidisch auf die Wahlen oder auf Brandenburg oder auf
- 28:51Mecklenburg-Vorpommern, auf Baden-Württemberg und sowas, wo es weiter ab 16
- 28:54geht, wo junge Menschen wählen dürfen und man ihnen damit auch die
- 28:58Chance gibt, sich zu beteiligen. Du hast vorhin schon mal in so
- 29:01einem Nebensatz gesagt, das Wahlergebnis wird dir wahrscheinlich nicht gefallen. Ich glaube,
- 29:05wie vielen Menschen in Sachsen-Anhalt diese Frage gehen oder bleiben stellt
- 29:10die sich dann nach der Wahl für dich nochmal neu. Ne, ich
- 29:13bleibe. Also, wir fangen erstmal an damit zu sagen, dass wir optimistisch
- 29:17bleiben und dass wir uns nicht in diesem Mainstream-Sprech begeben, dass wir
- 29:23diese Weltuntergangsstimmung herbeireden. Ich glaube, wir sollten optimistisch auf diese Wahl blicken
- 29:27und ich glaube, ich traue den Menschen in Sachsen-Anhalt so, dass
- 29:29sie kurz, wenn sie in die Wahlurne oder in der Wahlkabine stehen,
- 29:32dass sie sich nochmal anders entscheiden würden als für eine gesichert rechtsextreme
- 29:35Partei. Ich glaube, die Menschen in Sachsen-Anhalt werden gewissenhaft entscheiden und
- 29:39ich glaube, wir werden nach dem 6. September auch noch demokratische Mehrheiten
- 29:42haben. Wenn es nicht der Fall sein sollte, wir müssen über alle
- 29:45möglichen Szenarien sprechen, dann ist das so, dann müssen wir es erstmal
- 29:47akzeptieren, weil das ist auch Demokratie. Das wäre Ergebnisse akzeptieren, auch wenn
- 29:50sie uns nicht passen. Aber dann gilt es halt eben, mit allen
- 29:53Mitteln dagegen nicht vorzugehen, aber man muss schon seinen Protest zum Ausdruck
- 29:56bringen und irgendwie bestimmte Möglichkeiten in Betracht ziehen, um eben seinen Unmut
- 30:01darüber kundzutun. Ich glaube aber erstmal, dass wir uns nach dem 6.
- 30:04September dahingehend noch in die Augen schauen können, dass es eben nicht
- 30:06so weit kommen soll, dass eine gesichert rechtsextreme Partei die Regierung stellt.
- 30:10Sie wird aber natürlich sehr stark im Landtag vertreten sein. Das war
- 30:13sie 2023 auch in Sachsen und auch in Thüringen und das wird
- 30:17auch in Sachsen-Anhalt nicht vorbeigehen. Aber was auch klar ist, die
- 30:20Konsequenz muss sein. Also, ich will keinem, also um es mal so
- 30:25zu sagen, ich will zum Beispiel keiner Werksarbeiterin im Leunerwerk ihre Sorgen
- 30:27absprechen, weil sie die AfD wählt. Ich will auch keiner Rentnerin, die
- 30:30Sorgen absprechen, weil sie die AfD wählt oder irgendwelchen Jugendlichen. Aber klar
- 30:34muss denen auch sein, eure politische Entscheidung wird Konsequenzen haben müssen. Also,
- 30:38sie wird Konsequenzen haben, weil die AfD wird keine Mieten senken, die
- 30:42AfD wird auch keine Renten sichern, die AfD wird auch keinen Wohnraum
- 30:44schaffen. Im Gegenteil, sie wird Menschen gegeneinander ausspielen, sie wird diesen gesellschaftlichen
- 30:48Zusammenhalt zerstören wollen und am Ende des Tages wird sie diese Demokratie
- 30:51schwächen. Und das muss den Menschen klar sein, das muss ihnen auch
- 30:54ganz klar kommuniziert werden. Und wenn sie es bis dahin nicht verstehen
- 30:57wollen, dann will ich auch nicht sagen, dann lasst sie auf die
- 30:59Schnauze fallen, sondern dann muss man halt schauen, was es noch für
- 31:01Möglichkeiten gibt. Noch ist ja aber vor der Wahl. Wir haben noch
- 31:05vor der Wahl acht Wochen, wie du sagst. Und du sagst ja
- 31:07in dem Kontext auch, eigentlich liegt der Fokus viel zu sehr auf
- 31:10der AfD. Was wäre denn deiner Meinung nach jetzt noch ein guter
- 31:16Weg, vielleicht die acht Wochen zu nutzen? Ich glaube, der größte Appell
- 31:20muss an diese CDU gehen in Sachsen-Anhalt. Also, wenn Fokus Online
- 31:24zum Beispiel titelt, das möglichste Szenario könnte sein, dass nach der Wahl
- 31:27dann zum Beispiel CDU-Abgeordnete aus der CDU austreten und eine eigenständige
- 31:31Fraktion könnte am Ende mit der AfD zustimmen, dann muss die CDU
- 31:35sich jetzt ihrer Verantwortung bewusst sein, dass es am Ende auf sie
- 31:38ankommen wird, ob es eben am Ende demokratisch mehr in Sachsen-Anhalt
- 31:41gibt oder nicht. Und demnach finde ich einfach, dass die Parteien ihren
- 31:44Wahlkampf selbst führen sollten, so wie sie es für richtig halten, und
- 31:48nicht diesen Sprech der AfD übernehmen. Und das sehen wir ja gerade
- 31:50sehr stark, aber ich finde, es sollte nicht Konsens sein. Und dann
- 31:53ist der wichtigste Punkt, weil ich es heute noch mal gelesen habe:
- 31:57Ich finde, dass mit dem taktisch wählen, was in Sachsen-Anhalt gerade
- 31:59wieder etabliert werden soll, völliger Quatsch. Also, die Menschen sollten nach ihrer
- 32:03Haltung wählen und nicht nach irgendeiner Taktik. Am Ende müssen die Parteien
- 32:06über 5 % kommen, um in Fraktionen stärker im Landtag zu vertreten
- 32:09zu sein. Und deshalb würde ich mir wünschen, dass man dieses taktische
- 32:13Wählen einfach sein lässt, weil das einfach auch Parteien schaden könnte, die
- 32:15zur demokratischen Alternative gehören und das einfach vielleicht auch anderen Parteien die
- 32:19Stimmen kosten könnte. Ich würde mir wünschen, dass die Grünen zum Beispiel
- 32:22in den Landtag einziehen, weil dann die Gefahr, dass die AfD eine
- 32:26Alleinregierung stellt, noch mal geringer ist, weil eine Fraktion mehr dazugekommen ist
- 32:29und da halt die Sitze von der AfD kleiner werden. Bin zwar
- 32:33nicht so glücklich mit der FDP, aber auch bei denen würde ich
- 32:35sagen, ich würde es mir wünschen, weil je mehr demokratische Fraktionen, das
- 32:38BSW kann draußen bleiben, aber je mehr demokratische Fraktionen reinkommen, umso sicherer
- 32:42ist es, dass es einfach keine AfD-Alleinregierung gibt. Und das muss
- 32:45jedem klar sein, das muss jedem in Sachsen-Anhalt klar sein. Und
- 32:48vielleicht noch eine Aussage, weil ich ja auch Mitglied der Linkspartei bin:
- 32:51Das wissen wir, zum Bundesparteitag wurde ja gesagt, dass die CDU ja
- 32:54dieselbe Politik wie die Faschisten macht von der AfD. Oder dass die
- 32:57CDU auch Faschisten sind. Ich würde dahin gehen, dass ich sage, sie
- 33:00machen AfD-Politik, aber ich würde nicht sagen, dass das Faschisten sind,
- 33:03weil das ist so eine gefährliche Variante von dem, dass sie diesen
- 33:07Begriff von Nazi und Faschismus so inflationär verwenden, dass am Ende der
- 33:11Begriff so weit aufgeweicht wird, dass einem einfach nicht mehr klar ist,
- 33:14was ist ein Faschist und was ist ein Nazi oder was ist
- 33:16der Nationalsozialismus und so weiter und so fort. Und deshalb würde ich
- 33:19mir auch wünschen, dass so Aussagen, die da getroffen wurden vom Parteipräsident
- 33:22der Linkspartei, dass die einfach in Zukunft vielleicht verantwortungsvoller gesagt werden oder
- 33:27einfach vielleicht unterlassen werden, weil am Ende würde es auch in Sachsen
- 33:30Anhalt darauf hinauskommen, ob die CDU sich für eine Tolerierung der
- 33:33Linkspartei öffnet. Und am Ende sage ich auch, ich finde, wenn der
- 33:37CDU gerade das größte Problem ist, dass sie sich von der Linkspartei
- 33:41ins Amt wehen lassen müsse, dann hat sie offenbar noch nicht verstanden,
- 33:43worum es gerade geht. Ich glaube auch mir als Mitglied dieser Partei
- 33:47würde nichts ferner liegen, als mit der CDU zu regieren. Aber ich
- 33:50finde, wenn es um einen Staatshaushalt zum Beispiel geht, an dem Vereine
- 33:53und Initiativen ihr Geld bekommen würden, dann muss es Gespräche geben und
- 33:56dann müssen auch alle demokratischen Parteien miteinander sprechen, ob sie wollen oder
- 33:59nicht. Aber am Ende geht es ja um die Menschen und nicht
- 34:01um irgendeine Partei oder irgendeine Person. So, das ist ein Punkt. Und
- 34:04weil das so kompliziert ist, was du gerade beschrieben hast, was es
- 34:07ausmacht, welche Parteien wie ineinander kommen, werden wir uns dem in kommenden
- 34:11Folgen auch noch sehr ausführlich widmen. Ich finde, du hast jetzt nochmal
- 34:15viele Denkimpulse auch mitgegeben für diese kommende Wahl. Aber was ich durchgehört
- 34:19habe, ist, wir bleiben optimistisch. Na klar, dafür braucht man ja aber
- 34:24auch Gründe und vielleicht auch so ein bisschen Motivation. Was macht dir
- 34:27Mut, wenn du in die Zukunft schaust? Die Menschen, die zum Beispiel
- 34:31am 29. August in Halle auf die Straße gehen werden. Die Menschen,
- 34:34die am 5. September in Magdeburg auf die Straße gehen werden. Die
- 34:37Menschen, die jetzt zwischen solchen noch auf den CSDs auf der Straße
- 34:40sein werden. Das sind so viele Menschen in Sachsen-Anhalt, die auf
- 34:43dieser Straße sind und die sich einfach blicken lassen, die mit ihrem
- 34:46Gesicht für diese Demokratie stehen. Und ich finde, wir sollten auch denen
- 34:49einfach viel, viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir können uns auch nicht von
- 34:52der Angst lähmen lassen. Das ist auch so mein Motto, dass Haltung
- 34:55immer lauter sein muss als die eigene Angst, weil Angst kein guter
- 34:58Ratgeber ist und Angst meistens Menschen empfänglich macht für diejenigen, die sowieso
- 35:03am lautesten sind. Und demnach ist klar, wir dürfen nicht einknicken und
- 35:07wir dürfen nicht pessimistisch werden. Wir müssen resilient bleiben, wir müssen laut
- 35:12bleiben und wir müssen vor allem klar an der Sache bleiben und
- 35:14uns nicht von unserem Weg abbringen lassen. Denn ich finde auch immer,
- 35:17das ist so ein wichtiger Punkt: Man kann gemeinsam so viel erreichen,
- 35:20man muss es auch einfach nur wollen. Max, damit sind wir schon
- 35:28am Ende, fast am Ende unserer Folge. Vielen Dank für deine ganzen
- 35:32spannenden Impulse. Aber du bist tatsächlich noch nicht so ganz entlassen an
- 35:35dieser Stelle, weil wir zum Schluss immer noch so Tipps und Hinweise
- 35:38für unsere Community haben. Genau, und das können Veranstaltungen sein, Lieblingsorte oder
- 35:43Heldinnen und Helden des Alltags, bei denen man sich einfach mal bedanken
- 35:46möchte. Und wir dachten, du bist heute unser Gast. Eine Frage geht
- 35:49damit noch an dich: Was ist dein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt? Oh,
- 35:55das ist eine gute Frage. Ich glaube, Sachsen-Anhalt ist so schön,
- 36:01da würde jeder Ort ein Lieblingsort sein können. Aber so ganz konkret
- 36:05ist es der Geiseltalsee in Mücheln, also in Braunsbedra, weil das einfach
- 36:10so, also es ist a, der größte künstlich angelegte See Deutschlands und
- 36:14b, auch einfach, man hat da so viel Ruhe, kann sich da
- 36:17an die Strandbar setzen und kann einfach eine rote Brause trinken und
- 36:19kann auch einfach mal genießen. Aber wenn wir jetzt den schönsten Ort
- 36:23aussuchen wollen, dann ist das in Bad Nürnberg das Gradierwerk und der
- 36:25Churpark, weil man vor allem bei heißen Sommertemperaturen einfach zehn Grad weniger
- 36:29Luft hat und sich einfach richtig schön abkühlen kann und gern noch
- 36:32Eis essen kann. Keine Ahnung, das ist der schönste Ort. Jetzt möchte
- 36:34ich noch einen Held sagen in meinem Alltag, weil das wichtig ist.
- 36:37Die ist zwar schon tot, die Frau, aber ich glaube, der politische
- 36:42also für mich politische Alltagsheldin ist immer noch Margot Friedländer, weil ihre
- 36:46Worte auch einem ja nach ihrem Tod noch so krass nachheilen und
- 36:49weil sie auch nochmal ganz klar gemacht hat, wie wichtig der Artikel
- 36:521 unseres Grundgesetzes ist. Und ich finde, jeder Mensch, der sich als
- 36:55demokratisch bezeichnet, der muss immer in ihren Worten agieren. Und das heißt,
- 36:59immer seid Menschen und bleibt vor allem gleich. Lasst euch nicht von
- 37:03eurem Weg abbringen und vor allem, die Demokratie muss bleiben. Das hat
- 37:06sie uns ganz oft gesagt und das muss ich allen mitgeben, weil
- 37:09das ist unsere Pflicht. Wir stehen in der Verantwortung. Wir können nichts
- 37:12dafür, was passiert ist, aber wir können dafür sorgen, dass es eben
- 37:15nie wieder geschieht. Und das hat sie uns mitgegeben und ich finde,
- 37:18ihr Tod sollte nicht umsonst gewesen sein und auch ihre Erfahrung sollte
- 37:21nicht umsonst gewesen sein, dass Menschen jetzt wieder in diese Richtung abdriften.
- 37:25Vielen Dank, Max. Also, das ist natürlich auch an dieser Stelle der
- 37:27Aufruf an euch da draußen: Wenn ihr also noch Lieblingsorte habt, Veranstaltungstipps,
- 37:32Themenwünsche, Gedanken oder einfach konstruktives Feedback, dann schreibt uns gerne. Die Adresse
- 37:37lautet dazwischen@detektor.fm und neuerdings findet ihr uns auch auf
- 37:42WhatsApp. Die Nummer verlinken wir euch natürlich auch in den Shownotes und
- 37:45in unserem Newsletter. Wer den noch nicht abonniert hat, sollte das unbedingt
- 37:49tun, denn da gibt es jede Woche spannende Hintergründe, Tipps und Mitmachaktionen
- 37:54direkt in euer Postfach. Nächste Woche gibt es dann bei Dazwischen ein
- 37:58Thema, was auch im weitesten Sinne mit Veranstaltungen zu tun hat. Wir
- 38:03nehmen nämlich die Kulturszene mal in den Blick. Sachsen-Anhalt hat eine
- 38:07besonders vielseitige Kulturszene und immer mehr Akteure, Vereine und Initiativen dort haben
- 38:12sich nun zum Netzwerk „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ zusammengeschlossen, um sich
- 38:16gemeinsam für eine offene und vielfältige Kulturszene einzusetzen. Grund ist der massive
- 38:22Druck, den die AfD ja jetzt schon auf die Kulturszene ausübt. Warum
- 38:26die Kultur zu so einem politischen Kampffeld geworden ist, wozu wir die
- 38:30freien Kultureinrichtungen brauchen und wie die Kulturszene natürlich auch selbst mit diesem
- 38:34Kulturkampf umgeht, darüber sprechen wir nächstes Mal hier bei Dazwischen. Ja, ich
- 38:38freue mich drauf. Und noch eine Ankündigung: In der Woche darauf haben
- 38:42wir an dieser Stelle Ministerpräsident Sven Schulze bei uns zum langen Interview
- 38:45zu Gast. Dazu wollen wir von euch wissen: Gibt es ein konkretes
- 38:50Problem, das euch beschäftigt, zu dem wir ihn fragen sollen, welche Erlösung
- 38:54er hat? Auch das könnt ihr einfach schicken an dazwischen@detektor
- 38:57fm oder an unsere neue WhatsApp-Nummer. Die Nummer findet ihr, wie
- 39:01gesagt, in den Show Notes. Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor
- 39:11fm und dem Media Forward Fund. Podcast-Host Marilandes und Katja Schmidt.
- 39:16Community-Redakteurin Anne Koslowski. Podcast-Redaktion Leonard Schubert. Cover-Design Claudia
- 39:23Dörling und Anja Kremer von Sisters of Design. Originalmusik Florian Sievers. Audioproduktion
- 39:29Benjamin Serdani, Stanley Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung Christian Bollert. Sprecher Jochen.