Latest / heute journal - der Podcast / Meta vor Gericht: Stürzt das Social-Media-Imperium? Mit Martin Andree und Elisabeth Koblitz
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- 0:11Ich war ein Versuchskaninchen. Als Kind wurde ich Teil eines riesigen Experiments, ohne es zu wissen.
- 0:17Ein Experiment, in dem das Unternehmen, das hier vor Gericht steht,
- 0:20meine Kindheit zu Klicks und Daten machte, um die an Werbekunden zu verkaufen.
- 0:29Hier im Gericht wird Recht gesprochen. Der Prozess ist eröffnet.
- 0:35Jetzt muss die Öffentlichkeit erfahren, was die Führung von Meta längst wusste,
- 0:40dass ihre Produkte darauf ausgelegt sind, Kindern zu schaden.
- 0:47Mehrere Angehörige stehen vor einem Gericht in Kalifornien und werfen dem Tech-Riesen
- 0:52Meta vor, das Unternehmen habe ihren Kindern bewusst Schäden zugefügt.
- 0:59Schäden, an deren Folgen einige gestorben sein sollen.
- 1:03Damit ist diese Woche ein Mammutprozess gegen das Unternehmen hinter Instagram,
- 1:08Facebook und WhatsApp gestartet,
- 1:11bei dem viel auf dem Spiel steht und der vielleicht sogar das Potenzial hat,
- 1:15Social Media für immer zu verändern.
- 1:19Und damit herzlich willkommen beim Heute-Journal-Podcast. Ich bin Helene Reiner
- 1:23und mir gegenüber sitzt Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals. Hallo Marietta. Hallo.
- 1:29Außerdem ist uns zugeschaltet Professor Martin André.
- 1:33Er ist Medienwissenschaftler, unterrichtet digitale Medien an der Uni Köln und
- 1:38forscht seit mehr als 15 Jahren zur Macht von digitalen Plattformen und hat
- 1:43unter anderem das Buch geschrieben Big Tech muss weg.
- 1:47Hallo Herr André. Hallo. Außerdem ist Elisabeth Koblitz dabei.
- 1:52Sie ist Content-Creatorin, Buchautorin und Mutter von drei Kindern und sie beschäftigt
- 1:57sich unter anderem mit der Frage, wie Kinder in einer digitalen Welt gut und
- 2:03sicher aufwachsen können.
- 2:06Hallo Frau Koblitz, herzlich willkommen. Hallo, danke für die Einladung.
- 2:11Marietta, du bist auf weniger Social-Media-Plattformen unterwegs als andere
- 2:18Personen, die in der Öffentlichkeit stehen.
- 2:21Warum ist das so? Du hast kein Instagram, kein TikTok, kein Facebook.
- 2:25Bei Facebook gibt es einen Fan-Account von dir, aber ich nehme mal an,
- 2:28den betreibst du nicht selbst.
- 2:30Das ist lustig mit dem Facebook-Fan-Account, dass du den schreibst,
- 2:33weil das ist jetzt ewig her, dass der betrieben wurde. Und ich glaube,
- 2:36der wird auch gar nicht mehr betrieben.
- 2:38Nicht von mir. Aber ich bin damals mit den Betreibern in Kontakt getreten,
- 2:42weil ich eigentlich wollte, dass die auf der Seite das ein bisschen deutlicher
- 2:45machen, dass das nicht ich selber bin, die da die Interviews sammeln.
- 2:48Sehr, sehr netter Mensch. Und der sagt ja dann, das ist wirklich,
- 2:50ich glaube jetzt 20 Jahre her, Frau Sömke, ehrlich gesagt, wollen Sie es nicht
- 2:53lieber selber machen, weil das macht so viel Arbeit, auch da Hater und Trolle wegzuhalten.
- 2:58Es ist wie ein Nebenjob, den ich hier mache und ich kann das eigentlich gar nicht mehr leisten.
- 3:03Und das ist auch ein Teil der Antwort schon, warum ich nicht so viel aktiven
- 3:07Accounts unterwegs bin, weil es eben, man sich da auch in ganz schöne Kampfzonen
- 3:11begibt und sehr intensiv mit Hass, Hetze und anderem beschäftigen muss.
- 3:17Es ist die Frage, ob man das unbedingt so will. Ich habe ganz viele passive
- 3:20Accounts, also ich bin viel auf Social Media, nutze das natürlich auch journalistisch.
- 3:24Zur Recherche. Genau, aber ich poste dann selber nichts. Also es gibt jetzt
- 3:28nicht irgendwo Turbo Marie 380, die schwer einen raushaut und dahinter verwirrt
- 3:32sich Marietta Slomka. Nein, sondern ich bin dann wirklich passiv. Noch nicht.
- 3:37Wer weiß, was noch kommt. Naja, ich meine, das Problem war, als Facebook zum
- 3:40Beispiel auch aufkam, fand ich das natürlich auch ganz spannend und toll.
- 3:43Aber ich hatte bereits zu diesem Zeitpunkt eine sehr große Community,
- 3:47nämlich die heute schon als Zuschauer, mit einem Millionenpublikum,
- 3:50einer bestimmten Rolle, in der man dort ist, die auch nicht ganz banal ist.
- 3:54Also man geht da auch, wenn man ins Kommentieren bekommt oder ins Persönliche
- 3:58auf einen ganz schmalen Grad.
- 4:01Und ich hatte das Gefühl, dass das sehr schwierig sein kann,
- 4:04diese Kommunikation im Netz und diese Rolle als heutige Journal-Moderatorin,
- 4:10gut miteinander in Einklang zu bringen.
- 4:12Und ich bin ehrlich gesagt auch ganz froh, dass ich dann am Ende doch nicht
- 4:14zum Beispiel auf Twitter selbst aktiv wurde. Ich bin nur auf Blue Sky.
- 4:18Da bin ich auch mit Klarnamen.
- 4:20Frau Koblitz, Sie sind sehr aktiv, vor allem auf Instagram, haben Social Media
- 4:25ja auch mit zu Ihrem Beruf gemacht, Haben sich da eine große Community aufgebaut
- 4:30und posten Videos über Politik, Bildung, Erziehung.
- 4:35Wie sehr fühlen Sie sich selbst auch vereinnahmt von diesen Plattformen,
- 4:40von dieser App? Haben Sie da auch schon mal gedacht, ja, da steckt viel Suchtpotenzial drin?
- 4:47Leider ja. Also vor allen Dingen, was mich am meisten schockiert,
- 4:51ist die Tatsache, dass ich ja auch aufgrund meiner Buchrecherche,
- 4:55ich habe ja auch ein Buch über dieses Thema geschrieben, wie wir unsere Kinder
- 4:58in diese digitale Welt sicher begleiten, ja genau weiß, welche,
- 5:03Dark Patterns, also,
- 5:05zu welchen Mechanismen diese Plattformen greifen, um uns möglichst lange in den Apps zu halten.
- 5:10Und man könnte meinen, dass ich dann besonders reflektiert mit den Medien umgehe.
- 5:15Und ich merke bei mir, ich komme gerade frisch aus den Sommerferien.
- 5:19Mittlerweile mache ich auch regelmäßig Digital Detox, also wo ich auch mal zwei
- 5:22Wochen komplett abschalte.
- 5:24Da fehlt es mir gar nicht. Es fällt mir sowas von leicht, nicht auf meine Instagram-App
- 5:30zu klicken und da mal ein bisschen rumzuscrollen.
- 5:32Aber diese Woche ist gemerkt, sobald ich wieder anfange, dort aktiv zu sein, Inhalte zu teilen, geht.
- 5:40Mein Griff doch wieder häufiger auf mein Handy, auch in Momenten,
- 5:44wo ich vielleicht mal einen Artikel schreiben möchte oder recherchieren möchte.
- 5:48Also ehrlicherweise gerade in diesen Momenten, wo ich eigentlich voll konzentriert
- 5:52sein sollte, wo ich vielleicht meinen Hänger habe.
- 5:55Ja, und dann nutze ich das schon, um einfach mal ganz kurz den schnellen Dopaminkick
- 5:59zu bekommen und zu gucken, wie ist der letzte Beitrag angekommen.
- 6:02Mal gucken, wie viele Kommentare da drunter sind.
- 6:05Und das ärgert mich tierisch, muss ich sagen. Also heute habe ich mir auch wieder
- 6:09mental sozusagen auf die Finger geklopft und gesagt, morgen wird ein besserer Tag.
- 6:13Das ist total interessant und Sie sprechen mir da auch aus der Seele,
- 6:17weil ich viel auf Instagram unterwegs bin und das total kenne und mir dann auch
- 6:22immer wieder selbst, wie Sie auch sagen, vornehme, ich mache jetzt mal eine Auszeit.
- 6:26Ich habe mich da unter Kontrolle.
- 6:30Und interessanterweise habe ich erst diese Woche einen Podcast gehört.
- 6:34Asa Reskin, das ist ein Entwickler und er sagt, er sei derjenige gewesen,
- 6:39der 2006 den sogenannten Infinite Scroll erfunden hat.
- 6:44Also das ist eben diese Funktion, die immer, immer weiter uns Videos und Posten,
- 6:50es hört nie auf, es ist endlos, dieser Feed, der da vor uns liegt.
- 6:54Es ist wie eine endlose Zigarette, die nie ausgeht.
- 6:57Genau, das ist ein guter Vergleich. Und er entschuldigt sich heute dafür,
- 7:00dass er so etwas sozusagen kreiert und programmiert hat. Da würde ich gerne kurz mal reinhören.
- 7:07It's not just your mind trying to like have willpower or control.
- 7:12On the other side of that screen are thousands of engineers who have done hundreds
- 7:17of millions of tests using your own psychology to keep you there.
- 7:23Also es ist nicht nur eine Frage von Selbstbeherrschung oder der eigenen Willensstärke.
- 7:29Auf der anderen Seite des Bildschirms arbeiten, sagt er, tausende von Ingenieuren
- 7:33daran, dich und mich und uns möglichst lange da zu behalten.
- 7:38Das, finde ich, gibt einem vielleicht auch, wenn man selber sich das nächste
- 7:41Mal ärgert, dass man wieder viel Zeit da verbracht hat, gibt einem vielleicht
- 7:44ein bisschen ein besseres Gefühl.
- 7:46Jetzt steht Meta unter anderem deshalb vor Gericht. 29 Bundesstaaten werfen
- 7:53dem Konzern vor, er habe Kinder und Jugendliche abhängig gemacht.
- 7:58Professor André, können Sie doch mal konkretisieren, was genau soll Meta gemacht
- 8:02haben, das Minderjährigen schadet?
- 8:06Ja, die Sache ist ja erstmal die, dass wir uns vor Augen halten müssen,
- 8:10dass die Tech-Konzerne, weil sie Plattformen betreiben, bisher im Prinzip fast
- 8:16vollständig von der Haftung befreit war.
- 8:18Und deswegen erstmal muss man sagen, ist dieses Verfahren sowieso eigentlich
- 8:22eine Revolution, beziehungsweise die Verfahren, die wir dieses Jahr sehen.
- 8:27Denn die Plattformen müssen ja nicht für die Inhalte anderer haften.
- 8:31Aber die Juristen, die das jetzt machen, die Anwälte, die Meta da gerade verklagen,
- 8:36die haben einen schlauen Trick gefunden.
- 8:39Und zwar greifen sie Meta an, nicht wegen den Inhalten, sondern wegen den Plattformstrukturen,
- 8:45wegen dem Plattformdesign.
- 8:47Das haben sie schon an einem Beispiel gerade illustriert, an Infinite Scroll
- 8:52und so weiter und so fort.
- 8:54Was ganz interessant ist, dieses Haftungsprivileg, das ist natürlich die heilige Kuh
- 9:00der Big Tech Industrie und natürlich haben die Tech Konzerne alles getan und
- 9:04mit Klauen und Zähnen versucht, dieses Haftungsprivileg zu verteidigen, auch wieder
- 9:09diese Section 230 anzuwenden, ist jetzt schon mehrfach aber von den Gerichten
- 9:14zurückgewiesen worden.
- 9:15Und von daher ist das eben auch so eine Sensation eigentlich, weil...
- 9:20Jetzt erstmals diese Unternehmen für die Schäden, die sie verursachen,
- 9:25zur Verantwortung gezogen werden.
- 9:28Und ich will das auch nochmal in dieser Deutlichkeit sagen, weil uns das eigentlich
- 9:32meist gar nicht bewusst ist.
- 9:33Alle müssen ja sonst in unserer Gesellschaft für die eigenen Schäden haften.
- 9:38Stellen Sie sich vor, eine Fabrik leitet Gift ins Wasser, die Fische sterben,
- 9:43verpestet die Luft, da muss die Fabrik haften.
- 9:46Und auch wir alle, die wir hier in diesem Call sitzen, wenn wir,
- 9:49keine Ahnung, unserem Nachbar das Auto dann Schaden hinterlassen oder sowas,
- 9:55dann müssen wir auch dafür haften.
- 9:56Und das ist eben wirklich auch der Game Changer jetzt in Bezug auf die Tech-Konzerne, weil,
- 10:03das natürlich ein großer Missstand ist, dass wir diese riesigen Wirtschaftsakteure
- 10:07bislang nicht verantwortlich machen können für die Schäden, die sie hervorheben.
- 10:13Wir haben ja zum Beispiel, also eigentlich das Presseverantwortlichkeit,
- 10:16also verantwortlich im Sinne der Presse, das heißt als Fernsehsender wie das
- 10:18ZDF oder als Zeitung, die FAZ oder ähnliches, ist man verantwortlich für die
- 10:23Inhalte, die man publizieren.
- 10:25Und wir müssen uns entschuldigen, wenn wir einen Fehler machen oder Zeitungen
- 10:29achten darauf, dass sie nicht wilde Morddrohungen als Leserbrief veröffentlichen
- 10:33und ähnliches, aber die Plattformen brauchen das nicht.
- 10:36Und wenn man selbst, die Erfahrung habe ich auch schon gemacht,
- 10:38versucht sogar gegen Deepfakes vorzugehen, die mit deiner eigenen Person und
- 10:41deinem Gesicht gemacht werden, du scheiterst juristisch.
- 10:46Und wenn dieser Prozess, Professor André, ist das quasi durch die Hintertür,
- 10:50dass man versucht, doch auch eine Inhalteverantwortlichkeit hinzubekommen?
- 10:55Das würde ich nicht sagen. Ich würde es aber vielleicht eigentlich illustrieren
- 10:59fast von der anderen Seite.
- 11:01Die Plattformen haben damals mit Geschäftsmodellen gestartet in einem Land,
- 11:06nämlich in den USA, das ja erstaunlicherweise über das, sag ich mal,
- 11:11härteste und krasseste Haftungsrecht überhaupt verfügt.
- 11:14Und das kennen wir ja alle über diesen, sag ich mal, symbolisch gewordenen McDonald's-Kaffeebecher.
- 11:20Also wo eine Konsumentin sich einen Kaffee bei McDonald's geholt hat und den
- 11:26hat sie sich über den Schoß gekippt und hat sich logischerweise verbrüht,
- 11:31und McDonald's verklagt und hat eben Hunderttausende erstritten an Schadensersatz.
- 11:37Das heißt, erstaunlicherweise ist es ja so, dass niemand auf der Welt ein so
- 11:42krasses Haftungsrecht hat wie die USA und ausgerechnet in den USA selbst dieses
- 11:48Haftungsprivileg entstanden ist.
- 11:50Und deswegen ist es eigentlich so, dass man eigentlich darauf warten musste,
- 11:54dass dieser Konflikt in der amerikanischen Rechtsphilosophie auch irgendwann mal aufbricht.
- 12:01Denn, das kann man vielleicht auch noch ergänzen, das Besondere in den USA ist ja,
- 12:05dass die Leute, die eben erfolgreich Unternehmen auf Schadensersatz verklagen,
- 12:10dass die erstmal riesengroße Schadenssummen zugesprochen bekommen,
- 12:14die viel größer sind als die in Deutschland.
- 12:17Zweitens hat man in den USA einen Strafschadensersatz, das heißt die Akteure,
- 12:23die das tun, die kriegen auch obendrein eine riesengroße Strafe aufgebrummt und dann haben sie eben
- 12:29Verfahrenstechniken in den USA, wo zum Beispiel Sammelklagen oder dergleichen
- 12:34ganz ganz viele tausende Betroffene zusammenführen und daraus entstehen dann
- 12:38diese riesengroßen Schadenssummen,
- 12:41die ja hier eben auch im Raum stehen.
- 12:43Die Verfahrenseigner sprechen von 200 Milliarden.
- 12:48Meta hat ja sogar von 1.400 Milliarden potenziellem Schaden gesprochen.
- 12:53Ja, aber das ist ja so ein bisschen ein Stromer nach dem Motto,
- 12:56das würde uns zerstören und deshalb darf der Prozess nicht geführt werden.
- 13:00Aber jetzt sind wir ja schon so in diesem Juristischen.
- 13:03Wenn es aber um den Schaden geht, muss man den ja auch wirklich nachweisen können.
- 13:06Wird das so einfach werden bei diesem Meta-Prozess?
- 13:10Jetzt will ich nicht die ganze Zeit sprechen, aber die Strafen,
- 13:15die hier im Raum stehen, beziehen sich auf Schäden, die natürlich gesundheitlicher Natur sind.
- 13:21Also es geht um das Thema Onlinesucht, um Depressionen, Angststörungen,
- 13:26um Magersucht, um, sag ich mal, ein gestörtes Körpergefühl, gerade bei jungen
- 13:31Frauen, um Schädigung des Selbstbewusstseins, aber natürlich auch Suizide, dann,
- 13:37Konzentrationsstörungen bei jungen Leuten.
- 13:40Das ist auch ganz interessant, dass wir ja Parallelverfahren haben,
- 13:43wo zum Beispiel Schulbezirke klagen.
- 13:46Was aber natürlich besonders interessant daran ist, dass wir natürlich solche
- 13:50Schäden auch in Deutschland und Europa haben und um das vielleicht auch nochmal
- 13:55herauszuarbeiten, wir wissen ja alle, dass,
- 13:58die Leute, die jetzt diese Schäden haben, die gehen ja auch teilweise in psychologische
- 14:02Betreuung, die landen in Suchtkliniken, in Krankenhäusern.
- 14:06Ja, wir hören überall aus dem Bildungssystem, dass die jungen Leute sich nicht
- 14:10mehr konzentrieren können. Das heißt, diese riesengroßen Schäden,
- 14:13die werden jetzt schon aktuell bezahlt und zwar von den Bürgern und Bürgerinnen dieses Landes.
- 14:19Oder um es wieder anders zu sagen, wir subventionieren mit unseren Krankenkassenbeiträgen
- 14:24und mit unseren Steuerzahlungen eigentlich das Geschäftsmodell dieser Tech-Konzerne,
- 14:29und das könnte man eigentlich nur dann ändern, wenn man es so ähnlich macht
- 14:33wie in den USA, wenn man die dafür haften lässt für die Schäden,
- 14:36die sie verursachen. Ja.
- 14:39Ich würde gerne bis hierhin kurz zusammenfassen. Sie sagen also,
- 14:42das, was da gerade passiert, dieser Prozess sei eine Revolution,
- 14:46weil die Plattformen haftbar gemacht werden und bisher sich eher zurücklehnen
- 14:50konnten und gesagt haben, wir stellen hier eine digitale Infrastruktur zur Verfügung.
- 14:55Was ihr darauf macht, wenn jemand extremistische Gewaltvideos oder sonstiges,
- 15:00schädliches Zeug darauf postet, dann sind wir doch nicht verantwortlich,
- 15:03sondern ihr, die diese Inhalte postet.
- 15:05Jetzt geht es aber darum, wie diese Plattformen wirklich gestrickt sind,
- 15:09wie sie designt und programmiert sind und da geht es eben um Funktionen,
- 15:13die uns möglichst lange bei der Stange halten sollen.
- 15:17Zum Beispiel eben dieses endlose Scrollen, aber auch Push-Benachrichtigungen.
- 15:22Autoplay wird oft als Beispiel genommen, also dass ich nicht mehr aktiv auf
- 15:25Play drücken muss, sondern dieses Video automatisch startet.
- 15:30Dann natürlich auch die personalisierten Empfehlungsalgorithmen.
- 15:33Wir kennen das auch. Wir haben manchmal das Gefühl, der Algorithmus kennt uns
- 15:36besser als wir uns selbst, weil er immer passgenau uns das zeigt,
- 15:41was wir gerade sehen wollen.
- 15:43Aber natürlich auch Follower zahlen, Likes, die kleine Dopamin-Kicks auslösen.
- 15:49Das hat was mit sozialer Anerkennung zu tun. Das löst Glückshormone aus,
- 15:53hält aber nicht lange an, das Gefühl.
- 15:55Und deswegen brauche ich immer mehr davon.
- 15:58Meta weist diese Vorwürfe übrigens aufs Härteste zurück und bringt als Gegenargument,
- 16:05es gebe ja ausreichend Maßnahmen, um Minderjährige zu schützen.
- 16:09Da wird dann zum Beispiel von Teen-Accounts gesprochen, also 13- bis 17-Jährige.
- 16:14Wenn die einen Account anlegen, dann gibt es da nochmal strengere Filter.
- 16:18Was sehen sie, was dürfen sie nicht sehen und so weiter.
- 16:20Und außerdem könne psychische Gesundheit von Heranwachsenden nicht durch einen
- 16:25einzelnen Online-Dienst beeinträchtigt werden.
- 16:28Frau Koblitz, aus eigener Erfahrung würden Sie sagen, das stimmt.
- 16:32Meta unternimmt genügend, um Kinder und Jugendliche zu schützen.
- 16:38Also erstmal der zweite Punkt, der da angeführt wird, dem stimme ich zu.
- 16:42Und das finde ich bei diesem Prozess jetzt auch spannend, denn es geht ja darum,
- 16:45dass nachgewiesen werden muss, dass Meta dafür sorgt, dass Kinder wissentlich
- 16:51sozusagen in den Abgrund gestürzt werden.
- 16:54Und gerade bei diesem Thema ist es eben schwierig, eine eindeutige Kausalität herzustellen.
- 16:59Denn wenn man zum Beispiel über Essstörungen spricht, das hat immer multikausale Faktoren.
- 17:03Also das ist eben nicht nur, dass ein Kind irgendwie ein geringes Selbstwertgefühl
- 17:09hat, dann auf Instagram oder TikTok rumscrollt und plötzlich in die Essstörung rutscht.
- 17:14Ich war für meine Buchrecherche auch in einigen Kinder- und Jugendpsychiatrien
- 17:18und die alle Experten, die mit Kindern arbeiten, die eine sogenannte Social-Media-Nutzungsstörung,
- 17:24so ist ja der Begriff für Social-Media-Sucht, haben, sagen,
- 17:28dass es so ist, dass.
- 17:31Besonders Kinder und Jugendliche, die vulnerable sind, also die schon andere
- 17:36Risikofaktoren oder Belastungsfaktoren haben, die sind besonders gefährdet.
- 17:41Also das bedeutet zum Beispiel, ich habe auch mit einem Jungen mich unterhalten,
- 17:44der war 16, der ist in eine Depression gerutscht und der hatte sich eben,
- 17:49dem ging es immer schlechter, Da der hat sich einsam gefühlt,
- 17:51hat sich also aus dem aktiven Leben immer mehr zurückgezogen.
- 17:56Und dann haben die Eltern gedacht, naja, wenigstens hat er noch Zugang in der
- 18:00Online-Welt und beteiligt sich da und hat sozusagen da Kontakt zur Außenwelt.
- 18:05Aber irgendwann geschieht ein Kipppunkt und dann bedingen sich Social Media
- 18:10und eben dieser Risikofaktor negativ wechselwürdig.
- 18:14Und man rutscht dann in so einen Strudel ab und der Algorithmus,
- 18:18das hat er mir so bildlich beschrieben auf TikTok,
- 18:21hat ihm eben immer mehr Inhalte angezeigt, die traurig waren,
- 18:26wo Menschen das Dystopische der Welt dargestellt haben.
- 18:29Und irgendwann hat er gesagt, ich habe wirklich gedacht, alles ist aussichtslos.
- 18:33Die ganze Welt ist einfach nur schlimm und dunkel und düster.
- 18:38Und ich glaube, das ist eben der Punkt. Also diese vulnerablen Kinder und Jugendliche,
- 18:43die sind besonders gefährdet.
- 18:45Und jetzt zu Ihrer Frage zu diesen Teen-Accounts. Also ganz ehrlich,
- 18:48das weiß ich aus der Praxis ganz genau. Also erstmal muss man sagen,
- 18:52erhöhte Schutzmaßnahmen finde ich gut.
- 18:55Aber natürlich kann jede technische Schutzeinstellung umgangen werden.
- 18:59Und ich glaube, das wissen alle, die eigene Kinder haben. Kinder sind besonders
- 19:02gut darin, Schlupflöcher zu finden.
- 19:05Und ich habe mich auch mit Kindern unterhalten, die gesagt haben,
- 19:07boah, meine Eltern sind so streng und Zeitlimits hier und da.
- 19:11Und dann habe ich mir einfach irgendwann mein Geld zusammengespart und ein Zweithandy gekauft.
- 19:16Und da kann ich nachts zocken, was das Zeug hält.
- 19:19Ja, also insofern ist das natürlich eine Möglichkeit, vor allen Dingen vielleicht
- 19:26auch die Eltern auf dieses Thema zu bringen.
- 19:29Aber auch hier, was diese Teen-Accounts und Schutzmaßnahmen angeht,
- 19:33brauchen Eltern erstmal das technische Know-how und die Zeit,
- 19:37sich damit auseinanderzusetzen.
- 19:39Und wenn du alle tollen Schutzmaßnahmen für Instagram eingestellt hast,
- 19:43dann musst du das auch für TikTok machen und dann kommt die nächste App.
- 19:46Und auch das kann ich sagen, es ist einfach unglaublich kräftezehrend und nervig.
- 19:53Es gibt also zum einen die Frage, machen diese Funktionen tatsächlich abhängig,
- 20:00fügen die in besonderem Maße Kinder auf,
- 20:03Und Jugendlichen, die da noch nicht so gefestigt sind, fügen denen tatsächlich einen Schaden zu.
- 20:09Da finden Studien im Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit von jungen
- 20:13Menschen und Social Media auch immer wieder einen Zusammenhang.
- 20:16Aber wie Sie auch gesagt haben, es ist umstritten, ob es da wirklich diesen
- 20:19kausalen Zusammenhang gibt.
- 20:20Deswegen sagen zum Beispiel auch Rechtsexperten und Expertinnen,
- 20:24die sich diesen Prozess jetzt auch anschauen, Es sei,
- 20:28die eigentlich spannende Frage, gar nicht unbedingt diese psychologische Diskussion,
- 20:33was macht süchtig, was nicht,
- 20:35sondern vor allem die Frage, wusste Meta davon, dass diese Funktionen potenziell
- 20:40anderen schaden könnten und hat sie trotzdem entwickelt.
- 20:45Und da kommen Whistleblower ins Spiel, die jetzt in den Zeugenstand gerufen
- 20:51werden und gerufen wurden.
- 20:52Und da gibt es mittlerweile einige Ex-Facebook-Führungskräfte zum Beispiel,
- 20:56die an die Öffentlichkeit gegangen sind und gesagt haben, man habe diese Plattform
- 21:01absichtlich süchtig machend kreiert.
- 21:04Frances Horgan ist die wohl bekannteste Whistleblowerin, hat den Prozess auch
- 21:09so ein bisschen ins Rollen gebracht.
- 21:11Ehemalige Facebook-Managerin, die 2021 Tausende interne Dokumente geleakt hat.
- 21:17Auch interessant, der Internetunternehmer Jean Parker, der Mark Zuckerberg schon
- 21:22zu Facebook-Gründungszeiten kannte und gesagt hat, man habe von Anfang an bewusst
- 21:28eine menschliche Schwäche ausgenutzt, Nämlich dieses Verlangen nach immer mehr
- 21:32Dopaminkicks durch Likes und so weiter, um Menschen so lange wie möglich auf
- 21:35der Plattform zu halten.
- 21:38Und Rob Bonta, der Generalstaatsanwalt Kaliforniens, der sprach in dem Zusammenhang
- 21:43von Metas Tobacco-Moment, also der Tabak-Moment und hat da diesen Prozess jetzt
- 21:50verglichen mit dem Prozess gegen die,
- 21:52oder den vielen Prozessen gegen die Tabakindustrie in den 90ern.
- 21:56Marietta, findest du den Vergleich, ist der passend?
- 21:59Ja, also wie du sagst, auf der einen Ebene sicher, wenn es darum geht,
- 22:02dass versucht wird herauszufinden und zu belegen, dass die Konzerne eben diesen
- 22:07Suchtfaktor bewusst einsetzen.
- 22:10An der Stelle, denke ich, ist dieser Vergleich mit diesem Tobakko-Moment passend.
- 22:16Und auch die Art und Weise, wie sich Zuckerberg oder wie sich Meta verteidigt,
- 22:19erinnert ja auch in den Argumentationsstrukturen zum Teil auch sehr an das,
- 22:23was die Tabakkonzerne in den 90ern sagten, nach dem Motto, jeder ist sein eigener
- 22:26Herr und Freiheit für den Malbüro.
- 22:29Aber es ist natürlich an anderer Stelle und das ist ja auch das,
- 22:33was Frau Koblitz sagte, es ist nicht so monokausal.
- 22:37Also wenn ich eine Zigarette rauche bei aller Aufklärung, ich tue es trotzdem
- 22:40und ich weiß ganz genau, ich atme jetzt Schadstoffe ein und die werden meiner
- 22:43Lunge Schaden zufügen und die werden meinen Körperzellen Schaden zufügen und
- 22:47meine Lebenserwartung senken und es wird dann trotzdem weiter geraucht.
- 22:50Aber die Tatsache, dass ich auf Insta bin, macht mich jetzt noch nicht zu jemandem,
- 22:54der zwangsweise in die Depression abgleitet oder psychische Schäden davonträgt.
- 22:58Ich meine, ich finde es total interessant, wie unterschiedlich auch Kinder damit umgehen.
- 23:02Das werden Sie mit Ihren drei Kindern sicherlich auch beobachten.
- 23:05Ich kann mich entsinnen an einen Kindergeburtstag, lauter so Elfjährige,
- 23:08es war die Fußball-Weltmeisterschaft.
- 23:11Und von diesen zehn Kindern saßen, würde man sagen, sieben, gebannt vorm Fernseher
- 23:16als kleine Fußballfans und verfolgten das Spiel der deutschen Nationalmannschaft.
- 23:20Und drei, obwohl sie auch Fußballspielen und Fußballfans sind,
- 23:23konnten nicht von ihren Handys weggucken. Die saßen auf dem Sofa und starrten
- 23:27in ihre Handys und waren auch in der Halbzeit kaum dazu zu bewegen,
- 23:30Kartoffelsalaten und Würstchen zu essen.
- 23:32Und da sieht man Kinder, die genauso gut erzogen wurden aus wunderbaren Elternhäusern,
- 23:36aber diese Kinder waren einfach anders drauf als die anderen.
- 23:40Ich glaube, das ist sehr schwierig für Eltern, dann...
- 23:43Da Einhalt zu gebieten. Frau Koblitz, das passt total gut zu einem Post,
- 23:47den ich bei Ihnen auf Insta gesehen habe.
- 23:49Da beschreiben Sie nämlich eine Situation, wo Sie, ich glaube,
- 23:53mit allen Kindern im Zug sitzen.
- 23:56Und danach habe Sie eine Frau angesprochen und gesagt, naja,
- 23:59die saßen ja jetzt eineinhalb Stunden lang am iPad. Und eigentlich ist es doch
- 24:03total schade, dass die Kinder heutzutage nur noch auf die Screens schauen.
- 24:07Wie haben Sie da reagiert?
- 24:09Ich habe nichts gesagt. Ich habe aufgehört. mich vor anderen Leuten zu rechtfertigen,
- 24:14weil ich am besten meine Kinder kenne und auch unseren Alltag und unsere Realität.
- 24:19Aber ich habe das als Beispiel veröffentlicht, weil ich selber auch solche Momente
- 24:24in der Vergangenheit kannte, wo ich irgendwie Kinder beobachtet habe und gedacht
- 24:29habe, oh mein Gott, das Kind ist wirklich die ganze Zeit nur am Handy oder so.
- 24:33Und bei uns war es beispielsweise so, wir hatten eine neunstündige Zugfahrt
- 24:37Und die Kinder haben dann eben anderthalb Stunden an ihren Geräten was geguckt.
- 24:43Und ich wollte vielmehr darauf aufmerksam machen, dass es bei uns im Alltag
- 24:49ganz, ich würde sagen, sehr strikte Regeln gibt, was die Zeiten angeht,
- 24:55wo die Kinder an ihren Geräten dürfen. Also nur zur Einordnung.
- 24:58Meine Kinder sind sieben, neun und elf. Mein großes Kind ist jetzt in die sechste
- 25:02Klasse gekommen, wo fast alle ein Smartphone haben. Mein Kind noch nicht.
- 25:07Und wir haben wirklich ganz feste Bildschirmzeiten. Es ist ganz klar,
- 25:12was geguckt werden darf und was nicht. Also Social Media ist bei uns absolut verboten.
- 25:16Und das klappt im Alltag wunderbar. Und wir haben auch gar keine Diskussion.
- 25:20Das höre ich auch immer wieder.
- 25:21Oder die Frage kommt, was sollen wir denn tun? Wir streiten uns die ganze Zeit
- 25:25über Bildschirmzeiten. Und da ist meine Antwort, als Eltern muss man ganz klar
- 25:28formulieren, was ist okay und was nicht. Und Frau Slomka, bei uns gilt die Regel,
- 25:33auf Kindergeburtstagen oder bei Verabredungen.
- 25:36Sind Geräte einfach nicht erlaubt und das wird bei uns auch gelten,
- 25:39wenn irgendwann doch das erste Smartphone-Eindruck hält.
- 25:42Also da sind die Eltern, finde ich, schon in der Verantwortung.
- 25:45Aber mein Beispiel zeigt, wir haben zum Beispiel eine Ausnahmeregel und die
- 25:49lautet auf Fernreisen, neuneinhalb Stunden im Zug oder im Flugzeug.
- 25:55Meinetwegen guckt, bis der Arzt kommt.
- 25:57Also die Kinder verstehen wohl, dass das eine ganz klare Ausnahmesituation ist
- 26:02Und die zwei Stunden bestimmen nicht die Medienkompetenz meiner Kinder.
- 26:07Aber das fand ich sehr interessant, auch die Diskussion darunter unter diesem
- 26:10Posting, auch eben wie die Öffentlichkeit dieses Thema wahrnimmt.
- 26:15Ja, genau, aber es ist ein großes Thema und sehr komplex.
- 26:19Man ist bei diesem Thema ja auch total schnell bei der intensiv geführten Debatte
- 26:24rund um ein Social-Media-Verbot.
- 26:26Da kommen wir auch gleich noch zu. Ich würde gerne nochmal erst diesen Prozess
- 26:30und was wirklich noch auf dem Spiel steht und auch was für Auswirkungen das
- 26:34auf uns, auf die Social-Media-Nutzenden haben könnte.
- 26:37Professor André, wir haben ja schon gesagt oder schon festgestellt,
- 26:40dass Meta wirklich diese Höchststrafe zahlen muss von 1,4 Billionen.
- 26:46Das ist eher unwahrscheinlich. Teuer kann es schon werden, aber eigentlich ist
- 26:50doch das viel größere Risiko für Meta dahinter, dass das Gericht tatsächlich
- 26:56den Konzern dazu zwingen könnte, diese,
- 27:00potenziell suchtmachenden Funktionen zu ändern.
- 27:03Was würde das für das Geschäftsmodell von Mark Zuckerberg bedeuten?
- 27:09Ja, ich finde es interessant, wenn wir uns die Frage stellen,
- 27:12wie groß wird da diese Strafe sein, da mal auf die Aktienkurse zu schauen.
- 27:17Das Interessante ist, dass sich an den Kapitalmärkten eigentlich nicht groß
- 27:20was verändert hat. Übrigens ist es ganz interessant, wenn Sie sich anschauen,
- 27:23als Francis Horgan ihre Enthüllung gemacht hat, dass der Aktienkurs um 5% runtergegangen ist.
- 27:31Das heißt, erstmal ist interessant als Indikator, dass die Kapitalmärkte jetzt
- 27:35nicht davon ausgehen, dass da gravierend was passiert.
- 27:39Trotzdem, und das würde ich vielleicht auch noch einflechten,
- 27:42um diese Sachen zu verbinden, die wir gesagt haben, würde ich sagen,
- 27:46so einfach werden die nicht da rauskommen.
- 27:48Denn es ist zwar richtig, was wir gesagt haben, es muss eine Kausalität nachgewiesen
- 27:53sein, aber es muss nicht so sein, dass das der einzige Faktor ist.
- 27:56Der Richter muss nur überzeugt sein, dass das in einem erheblichen Ausmaß der
- 28:00Fall ist. Dann haben wir geschworenen Gerichte in den USA.
- 28:03Ich würde auch noch ergänzen, es ist ja auch so, dass es ausreicht,
- 28:06wenn zum Beispiel wenige sehr stark geschädigt wird. Wir können ja auch nicht
- 28:09sagen, nur weil viele verantwortlich damit umgehen können, dann nehmen wir zum
- 28:13Beispiel Suizide in Kauf und dergleichen.
- 28:16Und dann kommt natürlich noch hinzu durch die Enthüllung, dass ganz klar ist,
- 28:21die wussten das. Die haben das ganz bewusst gemacht und im amerikanischen Recht,
- 28:25sie haben nicht vor den Gefahren gewarnt.
- 28:27Und deswegen, wenn man das so abwägt, würde ich sagen, könnte das schon ernst werden.
- 28:34Dann ist natürlich die Frage, wie ist das in Bezug auf die Veränderung von den Funktionen?
- 28:39Da haben wir ja schon jetzt ein halbes Dutzend Verfahren in diesem Jahr gesehen.
- 28:43Was ganz interessant ist, ist, dass tatsächlich so ein Unterlassungsanspruch
- 28:47auch in dem amerikanischen Recht besteht, aber dass in New Mexico zum Beispiel
- 28:52bestimmte Plattformstrukturen
- 28:54nicht aufgegriffen wurde, weil dann wieder das sozusagen konkurrierende Recht
- 28:58auf Meinungsfreiheit da in Anschlag gebracht wurde.
- 29:01Deswegen ist es natürlich jetzt sehr spekulativ zu sagen, okay,
- 29:05was kommt da am Ende raus, welche Plattformstrukturen müssen die abschaffen
- 29:11und was würde das für das Geschäft bedeuten, denn hier würde man ja auch dann
- 29:15wieder davon ausgehen, dass das natürlich nicht nur für Meta gilt,
- 29:17sondern auch für die Wettbewerber.
- 29:20Das stimmt. Man muss eigentlich gar nicht so weit gucken in die USA.
- 29:24Die EU-Kommission hat Meta auch vorgeworfen, diese suchtfördernden Designs zu nutzen.
- 29:30Und was wir in Europa haben, ist ja das Gesetz der digitalen Dienste,
- 29:33die SA, der Digital Services Act.
- 29:36Und wenn man den Rand zieht, dann steht da eigentlich drin, dass man tatsächlich
- 29:42oder dass diese Plattformen diese Funktionen, diese suchtfördernden Funktionen,
- 29:46eigentlich abschaffen, deaktivieren oder zumindest verändern sollten.
- 29:51Aber da ist bisher ja noch nichts passiert. Warum nicht?
- 29:56Das ist korrekt, das ist in der Mache, wie man so sagen würde.
- 30:00Jetzt würde ich aber auch sagen, dass natürlich aktuell insgesamt die Haltung
- 30:07in der EU jetzt wirklich mit voller Härte gegen die Tech-Konzerne vorzugehen,
- 30:12sehr eingeschränkt ist, eben durch Donald Trump auf der anderen Seite.
- 30:15Und dann, und das würde ich auch nochmal sagen, damit man versteht,
- 30:19wie ungeheuer groß die Bedeutung dieser Verfahren in den USA sind,
- 30:24dann ist es ja so, dass die Maximalstrafe nach DSA zum Beispiel 6% des Umsatzes ist.
- 30:30Das wird schon die EU niemals machen. Wir sehen ja, dass sie sich nur noch traut,
- 30:35sozusagen ein paar hunderte Millionen überhaupt an Strafen auszusprechen.
- 30:39Ja, ich sage mal 6 Prozent des Jahresumsatzes, das wäre, wenn ich es richtig.
- 30:45Überschlage, so ungefähr 15 Milliarden für Meter, da würde ich jetzt sagen, das rauchen die weg.
- 30:50Tabakkonzerne gibt es übrigens auch noch. Und es interessiert mich natürlich
- 30:53tatsächlich, als jemand, der sich lange mit dieser Vorherrschaft vom Big Tech
- 30:57auseinandergesetzt hat, schafft man es irgendwann mal wirklich,
- 31:00dieser unglaublichen Übermacht was entgegenzusetzen?
- 31:03Und da müssten sie halt schon wirklich sozusagen eine juristische Pumpgun finden.
- 31:07Und das ist natürlich interessant eben, wenn wir uns anschauen,
- 31:10was in den USA passiert, weil das könnte eine solche Pumpgun sein.
- 31:14Und im übertragenen Sinne müssten wir dann auch eher die Frage stellen,
- 31:18zum Beispiel, wie könnte eine solche juristische Pumpgun eigentlich in Europa aussehen?
- 31:23Wie können wir eigentlich die Situation verhindern, dass die Bürger und Bürgerinnen
- 31:28in diesem Land eigentlich mit ihrem Geld, mit ihren Krankenkassenbeiträgen und
- 31:32mit ihren Steuerzahlungen diese
- 31:35unglaublich reichen Milliardenkonzerne bezahlen?
- 31:39Und wie können wir eigentlich eigene Haftungsregelungen finden,
- 31:44wo wir ganz klar sagen, niemand wird hier in Europa aus der Haftung entlassen.
- 31:49Alle Akteure in Europa müssen für die Dinge, die sie unternehmerisch tun,
- 31:53mit denen sie Milliarden Gewinne erzeugen, müssen sie eben auch die Verantwortung übernehmen.
- 31:58Und deswegen würde ich das nochmal eben ins Verhältnis setzen.
- 32:01Ich glaube, da wäre es natürlich toll, wenn die EU mehr machen würde,
- 32:05aber da sind die Größenordnungen ganz andere.
- 32:08Nur diesen Haftungen, da kommt man auch irgendwann auf schwankenden Boden.
- 32:12Also dann kann man zum Beispiel auch sagen, für jede Lungenerkrankung müssen
- 32:17die Tabakkonzerne die Gesundheitskosten übernehmen.
- 32:19Wer Skier herstellt, die immer schneller den Berg runterrutschen,
- 32:23muss die gebrochenen Beine bezahlen.
- 32:25Also ich glaube, naja, es führt uns jetzt vielleicht auf eine Lebenfahrt,
- 32:29aber ich bin mir noch nicht so sicher, ob diese Haftungsgeschichte wirklich
- 32:32da so den Durchbruch bringen wird. Das sind meine Zweifel.
- 32:35Ich kann das nachvollziehen. Ich würde am Ende sagen, das ist eine Debatte,
- 32:40die wir gesellschaftlich führen müssen.
- 32:41Ich würde zum Beispiel, wenn ich es jetzt mal grob vergleiche,
- 32:45würde ich sagen, diese Debatte haben wir in der Tabakindustrie jetzt relativ
- 32:49weit getrieben, denn zum Beispiel die Tabaksteuer, das ist ja nun wirklich erheblich,
- 32:53was das an Geld einbringt für die Gesellschaft.
- 32:55Wir haben uns übrigens anders entschieden, wenn ich es richtig einschätze, beim Thema Alkohol.
- 33:00Da sagen wir, hey, das macht so viel Spaß. Ja, da haben wir auch Steuern.
- 33:02Aber weniger im Verhältnis.
- 33:03Ich meine, bei der Tabaksteuer, die Tabaksteuer wird ja genau so berechnet,
- 33:07dass die Elastizität nicht überdehnt wird. Das stimmt auch wieder.
- 33:10Heißt, der Staat legt großen Wert darauf, dass die Leute rauchen und hat keineswegs
- 33:13vor, die Leute dazu zu bewegen, dass sie nicht mehr rauchen,
- 33:16weil diese Einnahmen, die wollen wir dann schon auch haben. Also das ist auch ein bisschen pervers.
- 33:21Das kann ich nachvollziehen, aber ich finde es ist zumindest eine Debatte,
- 33:25die wir gesellschaftlich führen und da würde ich dann,
- 33:28ergänzen, dass es ja so ist, dass die Tech-Konzerne und die Trump-Regierung
- 33:32der Meinung sind, dass wir hier überhaupt kein Mitspracherecht mehr als Europa besitzen.
- 33:37Das heißt, dass sie die einzigen sind, die solche Regeln festlegen dürfen.
- 33:42Und dann ist es obendrein natürlich noch so, dass die Tech-Konzerne sowieso
- 33:47sehr, sehr weitgehend, weil sie die Nutzungsstrukturen und die Algorithmen bestimmen,
- 33:51mittlerweile über unser demokratisches Forum von außen verfügen.
- 33:56Und da würde ich sagen, das können wir alles diskutieren und das ist super,
- 34:00wenn wir dann eine gesellschaftliche Debatte darüber haben, aber digitale Souveränität
- 34:03heißt eben auch, dass wir es selbst bestimmen.
- 34:06Wir bestimmen in Deutschland und in Europa, wie wir unsere Foren gestalten und
- 34:11wie wir das regeln wollen.
- 34:12Und wenn das dann am Ende gesellschaftlicher Konsens ist, dass wir sagen,
- 34:16das ist es uns wert, wir wollen das Geld ausgeben, wir zahlen weiter die Schäden
- 34:20dieser Plattform, weil die uns so wichtig sind, dann ist es eine Entscheidung.
- 34:23Ich würde aber wetten, wenn Sie die Leute draußen fragen, in dem Augenblick,
- 34:27wo die zur Kasse gebeten würden für diese Plattform, würden die meisten Menschen
- 34:32draußen sagen, nee, ich bezahle doch da, warum soll ich das denn jetzt bezahlen?
- 34:36Wenn wir mal von einem Prozessende ausgehen zugunsten Metas,
- 34:42das ist jetzt eine Prognose, wirklich wissen werden wir es in sechs bis acht
- 34:46Wochen, da wird das Urteil dann erwartet in den USA.
- 34:49Aber wenn wir davon ausgehen, Meta muss nichts an seinen Plattformen,
- 34:53an der Funktionsweise der Plattformen ändern und wir bei der Frage sind, wie kann man,
- 34:59Kinder und Jugendliche auf diesen Plattformen trotzdem angemessen schützen,
- 35:04dann ist man ganz schnell beim Thema Verbot. Social-Media-Verbot.
- 35:08Da nimmt man dann als Vorbild Australien. Dort wurde ein Social-Media-Verbot
- 35:12ja Ende letzten Jahres eingeführt.
- 35:14Das heißt, Nutzer und Nutzerinnen müssen durch Ausweiskontrolle oder so Gesichtsscans
- 35:19ihr Alter nachweisen. Und wenn sie unter 16 sind, dürfen sie auf TikTok, Instagram und Co.
- 35:25Kein eigenes Konto mehr haben. Wichtig, sie dürfen immer noch andere öffentliche
- 35:29Inhalte dort natürlich anschauen, aber eben kein eigenes Konto mehr.
- 35:34Ja, Frau Koblitz, sollte es so ein Social-Media-Verbot auch in Deutschland geben?
- 35:41Gute Frage, eine Frage, die ich lange gar nicht beantworten wollte,
- 35:45weil ich eigentlich überhaupt nichts von verboten halte.
- 35:49Ich bin eher dafür, die Kinder darauf vorzubereiten, Medienkompetenz zu vermitteln,
- 35:54Präventionsmaßnahmen zu finden und wir sehen ja auch in Australien,
- 35:57dass das nicht so erfolgreich ist.
- 35:59Also es gibt erste Umfragen, die zeigen 80 Prozent der Kinder,
- 36:02da sind wir wieder bei dem Thema Finden, doch Schlupflöcher,
- 36:05ob es eben VPN-Klienten sind oder der Account der großen Schwester oder des älteren Freundes.
- 36:11Aber ich muss sagen, ich bin eigentlich für ein Social-Media-Verbot.
- 36:17Wenngleich ich es als Armutszeugnis empfinde.
- 36:20Armutszeugnis deshalb, weil ich der Meinung bin, dass die Politik die großen
- 36:23Tech-Konzerne viel zu lange hat machen lassen.
- 36:26Die haben ihr Geschäftsmodell perfektioniert, was da lautet unsere Aufmerksamkeit
- 36:32und Zeit klauen auf Kosten der mentalen Gesundheit von vielen Menschen und vor
- 36:36allen Dingen Kindern und Jugendlichen.
- 36:38Aber ich sage, es braucht es vielleicht jetzt so als Art Handbremse und als
- 36:44ersten Schritt einer großen Strategie, die da lautet, dass die Politik
- 36:48endlich etwas tut und nicht nur sagt, das ist so ein bisschen meine Sorge,
- 36:53jetzt schreien plötzlich sehr, sehr viele Politiker, ja, wir brauchen ein Social-Media-Verbot.
- 36:57Und ich habe Sorge, wenn das dann umgesetzt wird, dann sagen sie so,
- 37:00und jetzt geht es den Kindern wieder gut. Aber auch hier wieder,
- 37:03es ist ein komplexes Thema.
- 37:05Es geht nämlich um etwas viel Größeres als um einzelne Apps oder Bildschirmzeiten,
- 37:10sondern um die mentale Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen.
- 37:13Und die Politik hat das Thema eben immer schön weggeschoben,
- 37:16den Eltern hingeschoben und hat gesagt, das ist Privatsache, wie ihr das macht.
- 37:21Und ich sage mal so, also meine Kinder, die wachsen in einem medienkompetenten Haushalt auf.
- 37:28Ich habe es gerade schon geschildert, das kostet mich sehr viel Zeit und Nerven,
- 37:31auch weil alle anderen um einen herum andere Regeln oder teilweise gar keine Regeln haben.
- 37:36Und das große Problem ist, dass ganz, ganz viele Kinder da unter den Tisch fallen.
- 37:41Also diejenigen, die in Elternhäusern groß werden, wo es keine Ressourcen und
- 37:46Kapazitäten gibt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen,
- 37:50die selbst überfordert sind mit der digitalen Welt, die Eltern.
- 37:54Und ich finde es auch wichtig, noch auf einen anderen Aspekt zu gucken,
- 37:58der mir in dieser Diskussion immer zu kurz kommt, nämlich, was passiert eigentlich
- 38:03in der Offline-Welt, also in der realen Welt?
- 38:06Wo sind dort eigentlich die Räume, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten
- 38:10können, Zeit miteinander verbringen können, Bezugspersonen haben, sich entfalten können?
- 38:15Denn die werden von der Politik ja auch immer weiter gekürzt.
- 38:19Und man muss hier nur in Hamburg rumgucken, ja, wo sollen denn die Jugendlichen sein?
- 38:23Wo sollen die sich aufhalten? Und dann ist eben die digitale Welt die leichtere Alternative.
- 38:29Gleiches gilt für Sportangebote, für Freizeitaktivitäten. Auch das eine Frage der Privilegien.
- 38:35Also eigentlich geht es in dieser Diskussion wirklich um etwas viel,
- 38:39viel Größeres, ein Investment in die mentale Gesundheit der zukünftigen Generation.
- 38:45Und das ist eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
- 38:48Ja, in diesem Verbot, also ich finde immer ein bisschen schwierig zu argumentieren,
- 38:53Verbote lassen sich umgehen, also verbieten wir gar nicht erst.
- 38:56Wir haben ja auch ein Verbot für Alkoholausschank zum Beispiel an unter 16-Jährige
- 39:00oder an Zigarettenverkauf.
- 39:02Das hilft zumindest den Eltern zu sagen, nein, das ist nicht erlaubt.
- 39:06Anstatt jede Regel selbst definieren und erfinden zu müssen.
- 39:10Und es hält auch vielleicht das eine oder andere Kind davon ab,
- 39:12mit 14 schon zu saufen. Ja.
- 39:15Und insofern finde ich, kann man durchaus Dinge verbieten, aber.
- 39:19Es ändert natürlich einfach nichts an dem Problem, dass Kinder sehr unterschiedlich
- 39:22sind und selbst in medienkompetenten Haushalten es passieren kann,
- 39:25dass ein Kind nicht gut klarkommt oder auch vielleicht mit anderen Dingen im
- 39:28Leben nicht gut klarkommt, wie unterschiedlich Geschwister sein können,
- 39:31wie unterschiedlich Seelenstrukturen sind oder,
- 39:34Dünnhäutigkeit und Schlafverhalten.
- 39:37Denn meine Eltern bekamen mich nie ins Bett. Ich habe immer mit Taschenlampe
- 39:40gelesen. Das führte auch zu regelmäßig, zu riesigen Diskussionen.
- 39:43Warum ist so ein kleines Kind um ein Uhr nachts immer noch quietschfetil?
- 39:46So bin ich halt bis heute.
- 39:47Und da können auch medienkompetente Eltern nur bedingt Einfluss haben.
- 39:52Ich finde es nicht so ganz fair, es immer alles auch dann so auf die Eltern
- 39:55zu schieben und zu sagen, wenn euer Kind ein Social-Media-Problem hat,
- 39:58dann seid ihr es eigentlich schuld. Ich glaube, oft ist das nicht der Fall.
- 40:02Wir dürfen ja auch nicht die positiven Aspekte vergessen.
- 40:06Wir haben jetzt sehr viel über die Risiken gesprochen und die negativen Seiten,
- 40:10aber dieser Ort ist eben auch für.
- 40:13Vulnerable, für Kinder, die Autismus haben, die seltene Krankheiten haben,
- 40:18die eben nicht teilnehmen können an der realen Welt, auch in gewisser Weise ein Schutzraum.
- 40:23Und da fände ich es schon wichtig, dass wir die Politik, die Plattform,
- 40:28am Ende ist mir auch egal wer, digitale Räume schaffen, wo Kinder sich einfach sicher bewegen.
- 40:33Und wir sprechen hier die ganze Zeit von irgendwelchen zusätzlichen technischen
- 40:39Maßnahmen, die wir als Eltern dann händisch einstellen müssen.
- 40:42Man kann das halt auch mal von hinten aufzäumen und sagen, warum sagen wir nicht,
- 40:46die Plattformbetreiber müssen in ihrer Grundeinstellung dafür sorgen,
- 40:49dass die jeweilige Plattform maximal kindersicher ist.
- 40:53Aber vielleicht kann ich da direkt anschließen, weil das finde ich ist der entscheidende Punkt.
- 40:59Die Plattformen sollten Verantwortung übernehmen, tun das aber ja nicht.
- 41:04Und ich will auch kurz daran erinnern, vor zwei Jahren noch hat Mark Zuckerberg
- 41:10im US-Kongress sicher entschuldigt bei den Eltern der Kinder,
- 41:16die sich umgebracht haben.
- 41:17Und jetzt sind wieder Jahre vergangen und eigentlich ist nichts passiert.
- 41:22Das heißt, wir können empirisch sicher sagen, die Plattformen lösen diese Probleme nicht.
- 41:27Und deswegen kann ich das auch vollkommen verstehen, dass so ein Social Media
- 41:31Verbot, aber das löst ja das Kernproblem nicht.
- 41:35Und deswegen glaube ich, ist eigentlich dieses Verfahren ein ganz interessanter
- 41:38Impuls für uns, denn wir müssen ja die Kernprobleme lösen.
- 41:42Und da würde ich eben sagen, wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Plattform
- 41:45zur Verantwortung zwingen.
- 41:48Und ich würde auch sogar sagen, das müssen wir auch ergänzen,
- 41:50nicht nur auf die Design Features der Plattform, sondern wir müssen auch uns
- 41:55daran erinnern, dass wir bis heute den Plattformen erlauben,
- 41:58strafbare Inhalte zu Geld zu machen.
- 42:01Also Verleumdung, Diskriminierung, Rassismus, Holocaust-Leugnung zu Geld zu machen.
- 42:07Also mir fällt kein anderes Feld in Deutschland ein, wo wir es milliardenschweren
- 42:12Wirtschaftsakteuren juristisch quasi möglich machen, mit strafbaren Inhalten Geld zu verdienen.
- 42:20Also als ob jetzt Rewe Crystal Meth verkauft und sagt, ich habe es ja nicht selbst gemischt.
- 42:25Und da finde ich es eigentlich fatal, wenn wir halt wieder nicht weiterdenken
- 42:31und dann Social Media Verbot für Jugendliche, weil es natürlich öffentlich am
- 42:35einfachsten vermittelbar ist.
- 42:37Da habe ich eine vulnerable Zielgruppe, dann habe ich halt irgendwas gemacht.
- 42:40Aber das Kernproblem löse ich ja nicht.
- 42:42Und deswegen hoffe ich eigentlich, dass dieses Verfahren und diese Verfahren, die jetzt da entstehen.
- 42:47Auch dieses Grundproblem sichtbar machen und das ist meine Haupthoffnung,
- 42:51denn ich glaube, da kippt es gerade total.
- 42:53Die Menschen haben keine Lust mehr, diese Schäden, die diese Plattform verursachen,
- 42:59selbst zu tragen und das ist in meinen Augen das Grundproblem.
- 43:05Ich bin auch dankbar, Frau Koblitz, dass Sie es gesagt haben,
- 43:08auch wenn wir hier natürlich jetzt sehr kritisch gesprochen haben.
- 43:12Es gibt natürlich auch die unzähligen positiven Aspekte von Social Media und
- 43:16ich glaube jeder, der da auch schon mal Zeit verbracht hat, weiß,
- 43:19dass es tolle Bildungsangebote gibt.
- 43:21Es ist ein Raum, um sich politisch auszutauschen. Man kann Kontakt zu anderen Menschen halten.
- 43:27Von der ganzen Welt, genau, Mathe, Nachhilfe und so weiter. Wir kennen diese Vorteile.
- 43:32Und ich persönlich möchte es eigentlich auch nicht missen in meinem Leben.
- 43:36Wenn wir uns jetzt ein ideales soziales Netzwerk mal ausdenken, wie würde das aussehen?
- 43:42Und daran anschließend auch, könnte das nicht vielleicht auch jetzt die Chance
- 43:46sein, für europäische Unternehmen ein soziales Netzwerk aufzubauen,
- 43:50das sicherer ist und mich nicht süchtig macht, Professor André?
- 43:56Das ist eine richtig tolle Frage und die beantworte ich gerne,
- 44:00denn interessant ist, die Plattformen erzählen ja dieses Lügenmärchen,
- 44:04dass sie uns quasi diese ganze Hass und Häme alles nur servieren,
- 44:08weil die Menschen so schlecht sind.
- 44:09Also wir sind selbst schuld, die Menschen wollen das so, aber was interessant
- 44:12ist, sie können die Menschen fragen, wie sie sich eigentlich Plattformen gerne
- 44:17wünschen und dann ist es so, dass sie sich eigentlich genau das Gegenteil wünschen.
- 44:21Also die Menschen sagen, aktuell ist es polarisierend, wir hätten es lieber balanciert.
- 44:26Wir wissen auch wissenschaftlich, dass die Plattformen negative Emotionalität
- 44:30steigern, die Leute hätten es lieber viel positiver.
- 44:33Wir wissen, dass die Plattformen Lügen und Desinformationen viral gehen lassen,
- 44:38die Menschen, wenn sie fragen, hätten gerne geprüfte Fakten und so weiter und
- 44:42so fort. So, was ist denn das Problem?
- 44:45Und dann kommen wir eigentlich auf mein Hauptforschungsthema, nämlich die Monopole.
- 44:49Wenn es die Menschen einmal in den Monopolen quasi gefangen haben und wenn wir,
- 44:54zusätzlich den Plattformen eigentlich weitere Rechtsprivilegien gegeben haben,
- 44:58dass sie quasi die Plattformen ummauern dürfen, sodass die Leute kaum noch rauskommen dürfen.
- 45:04Dann ist das eben eigentlich fast nicht zu schaffen.
- 45:07Ja und deswegen sage ich immer, ist es so wichtig, dass wir als Gesellschaft
- 45:11wieder eine, sage ich mal, mitgestalten dürfen, denn die Plattformen gestalten
- 45:15diese digitale Wirklichkeit und wir haben de facto unsere Stimme verloren.
- 45:19Wir sind von diesen Plattformen vollständig ausgesperrt, die bestimmen einseitig
- 45:24über Algorithmen, über Sichtbarkeit, über Polarisierung und durch die Monopole
- 45:28ist es eben auch so schwer, die Menschen in Alternativen hineinzubekommen.
- 45:33Und umgekehrt, aber da haben wir sozusagen dann einen ganz anderen Podcast,
- 45:36ist es regulatorisch, tragischerweise ganz leicht möglich, monopolisierte digitale Märkte zu öffnen.
- 45:43Aber das müsste man wirklich anpacken. Dann hätten wir natürlich wieder eine
- 45:46Konfrontation der Trump-Regierung und wie gesagt, das dauert länger, das zu erklären.
- 45:50Da machen wir einen neuen Podcast. Da machen wir einen neuen Podcast.
- 45:52Also ihr Plädoyer dafür, die Märkte zu öffnen und jetzt noch Frau Koblitz,
- 45:56ihre Vision von einem perfekten sozialen Netzwerk.
- 46:00Die ganzen positiven Aspekte, die wir teilweise ja auch selber erleben,
- 46:04die möchte ich schon nicht missen, aber ich möchte bestimmen, wofür ich,
- 46:09auf diese App gehe, was ich da sehe, wie lange ich da bin und möchte selber
- 46:14bestimmen, was ich da sehen möchte.
- 46:16Ich habe ein Gefühl, ich sitze aktuell am Steuer, aber da ist irgendwie so eine
- 46:20unsichtbare Hand, die mich immer irgendwie in die andere Richtung zieht,
- 46:24sodass meine Fahrt immer länger ist, als ich eigentlich unterwegs sein möchte.
- 46:28Und da wäre ich sehr dankbar, wenn ich selbstbestimmt Social Media nutzen kann
- 46:33und das Handy dann auch wieder zur Seite legen kann und konzentriert arbeiten
- 46:38kann, beziehungsweise es erst in die Hand nehme, wenn ich freie Kapazitäten habe.
- 46:42Wir werden auf jeden Fall den Prozess weiterhin beobachten gegen Meta und außerdem
- 46:50würde ich die Frage auch gerne weitergeben an unsere Hörerinnen und Hörer,
- 46:56ob sie glauben, dass sich dadurch etwas maßgeblich verändern wird an diesen
- 47:00Plattformen und dadurch dann vielleicht auch an der Art und Weise,
- 47:03wie wir Social Media nutzen und wie viel Zeit wir vor allem dort verbringen.
- 47:07Und vielleicht habt ihr ja auch noch eine Idee für ein ideales soziales Netzwerk.
- 47:12Wie müsste das aussehen, sodass man sich da wohlfühlt und vor allem auch die Vorteile überwiegen?
- 47:18An der Stelle sage ich ganz, ganz herzlichen Dank an Elisabeth Koblitz,
- 47:24die uns heute zugeschaltet war aus Hamburg. Vielen Dank.
- 47:29Und an Professor Martin André aus Hannover, der über digitale Medien unterrichtet
- 47:37als Kommunikationswissenschaftler an der Uni Köln.
- 47:41Danke, Professor André. Danke Ihnen. Tschüss. Danke. Danke. Tschüss.
- 47:46Und natürlich auch Marietta. Vielen, vielen Dank an dich. Gerne.
- 47:49Danke auch an euch da draußen fürs Zuhören und bis nächste Woche.
- 47:55Wenn ihr Feedback habt, Anmerkungen, Kommentare, sehr gerne auf der Plattform,
- 47:59auf der ihr uns gerade hört oder als E-Mail an heute-podcast.rzdf.de.
- 48:05Tschüss.
- 48:13Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.