Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 13 - Von den Erhabenen
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 13 von den erhabenen Zarathustra beginnt
- 0:06seine Rede mit einem Bild über sein eigenes Inneres.
- 0:08Er sagt, dass der Grund seines Seelischen Meeres ganz still
- 0:11ist. Niemand würde erraten, dass sich
- 0:14in dieser Tiefe scherzhafte Ungeheuer und lachende
- 0:16Geheimnisse verbergen. Damit meint Nietzsche, dass
- 0:19wahre Tiefe und Weisheit nicht starr und todernst sein müssen,
- 0:22sondern auch Humor, Leichtigkeit und Heiterkeit in sich tragen.
- 0:27Zarathustra erzählt dann von einer Begegnung.
- 0:30Er hat an diesem Tag einen sogenannten Erhabenen gesehen,
- 0:34ein erhabener ist bei Nietzsche eine Person, die sich selbst
- 0:37durch harte geistige Arbeit, strenge und extreme Disziplin
- 0:41über andere erhoben hat. Zarathustra nennt ihn auch einen
- 0:44Büßer des Geistes, also jemanden, der sich für das reine
- 0:47Wissen selbst quält und bestraft.
- 0:51Zarathustras Seele muss über die Hässlichkeit dieses Mannes
- 0:53lachen. Der Erhabene steht da mit
- 0:55geschwellter Brust, Ernst, Stumm und angespannt.
- 0:59Er ist behängt mit hässlichen Wahrheiten.
- 1:02Diese Wahrheiten sind wie die Beute eines Jägers, er trägt
- 1:05zerrissene Kleider und Dornen hängen an ihm, das alles sind
- 1:09Zeichen dafür, wie hart und schmerzvoll sein Kampf um
- 1:12Erkenntnis war, aber Zarathustra vermisst an ihm etwas
- 1:15Entscheidendes, er sieht an diesem Mann keine einzige Rose,
- 1:20die Rose steht hier als Symbol für die Schönheit, die Anmut.
- 1:24Und die Freude, der Erhabene hat also bei all seinem harten
- 1:28Streben nach Wahrheit das Lachen und die Schönheit völlig
- 1:30verlernt. Zarathustra beschreibt diesen
- 1:33Erkenntnissucher als einen finsteren Jäger, der aus dem
- 1:36Wald des Wissens zurückkehrt. Er steht immer noch da wie ein
- 1:40Tiger, der jeden Moment zum Sprung ansetzen will, er ist
- 1:43innerlich völlig angespannt, Zarathustra mag diese Art von
- 1:47verkrampften und in sich zurückgezogenen Menschen
- 1:49überhaupt nicht. Dann spricht Zarathustra seine
- 1:53Zuhörer direkt an. Er kritisiert das bekannte
- 1:56Sprichwort, dass man über Geschmack nicht streiten könne.
- 1:59Für Nietzsche ist das ganze Leben ein ständiger Streit um
- 2:02den richtigen Geschmack und um das Schmecken, der Geschmack ist
- 2:06für ihn nicht nur eine Frage des Essens, sondern er ist das
- 2:09grundlegende Bewerten von Dingen, der Geschmack ist
- 2:12gleichzeitig das Gewicht, die Waagschale und die Person, die
- 2:15wiegt, das bedeutet, unsere persönlichen Werte bestimmen
- 2:19unser Ganzes sein. Zarathustra warnt davor, ein
- 2:22Leben ohne diesen wichtigen Streit um Werte führen zu
- 2:25wollen. Im Anschluss erklärt
- 2:27Zarathustra, was dem Erhabenen fehlt dieser Mann muss seiner
- 2:31eigenen Erhabenheit, also seiner eigenen Strenge und
- 2:34Überheblichkeit, erst einmal müde werden, erst wenn er
- 2:38aufhört, so krampfhaft groß sein zu wollen, kann seine wahre
- 2:41Schönheit beginnen, er muss sich von sich selbst abwenden und
- 2:45über seinen eigenen Schatten springen.
- 2:47Er muss aus seinem dunklen, ernsten Zustand hinaus in die
- 2:50Sonne, also in die Heiterkeit und Leichtigkeit springen.
- 2:55Bisher saß der Erhabene, viel zu lange im Schatten, seine Wangen
- 2:59sind blass geworden, und er ist an seinen eigenen hohen
- 3:02Erwartungen fast verhungert, in seinen Augen liegt immer noch
- 3:06Verachtung für die Welt und um seinen Mund verbirgt sich Ekel,
- 3:10er hat noch keine innere Ruhe gefunden, die sich im Licht
- 3:13sonnen kann. Zarathustra wünscht sich, dass
- 3:16der Erhabene stattdessen wie ein Stier handeln sollte.
- 3:19Sein Glück sollte nach der Erde riechen und nicht danach, die
- 3:23Erde zu verachten. Zarathustra möchte ihn als einen
- 3:26starken weißen Stier sehen, der Schnaubend und kraftvoll einen
- 3:30Pflug zieht und dabei das irdische, also das Leben auf der
- 3:33Welt feiert. Momentan ist das Gesicht des
- 3:36Erhabenen aber noch dunkel, die Tat, die er vollbracht hat,
- 3:40wirft einen Schatten auf ihn. Das bedeutet, er ist noch so
- 3:44sehr mit seiner eigenen Leistung und seinem Stolz beschäftigt,
- 3:47dass ihn das unfrei macht. Er hat sein eigenes Handeln noch
- 3:50nicht überwunden. Zarathustra schätzt an ihm zwar
- 3:53die starke Kraft, die er mit dem kräftigen Nacken eines Stiers
- 3:56vergleicht, aber er wünscht sich in seinem Gesicht auch das
- 3:59sanfte Auge eines Engels zu sehen.
- 4:02Das Engelsauge steht für Güte und Schwerelose Anmut, der
- 4:06Erhabene muss lernen, seinen harten Willen zum Helden
- 4:09aufzugeben. Er soll nicht mehr nur ein
- 4:11erhabener sein, der sich durch ständigen Kampf hochkämpft,
- 4:14sondern ein gehobener. Das ist jemand, der von
- 4:17Leichtigkeit getragen wird, so als ob ihn die feine Luft des
- 4:21Himmels von selbst anhebt. Der Held hat in sich selbst
- 4:24ungeheuer, also wilde Triebe und Ängste besiegt und Rätsel
- 4:29gelöst. Aber er muss diese besiegten
- 4:32inneren Ungeheuer nun auch Erlösen und sie in etwas Gutes,
- 4:35in himmlische Kinder verwandeln. Seine Erkenntnis ist noch
- 4:38eifersüchtig. Und kann noch nicht lächeln.
- 4:41Seine wilde Leidenschaft ist noch nicht zur Ruhe gekommen.
- 4:45Zarathustra betont, dass das Verlangen des Helden nicht
- 4:48einfach nur verstummen soll, weil er satt ist.
- 4:52Vielmehr soll sein Verlangen in die Schönheit eintauchen, wahre
- 4:55Größe zeigt sich für Nietzsche nämlich in der Anmut, ein
- 4:59großgesinnter Mensch ist nicht nur stark, sondern bewegt sich
- 5:02mit einer leichten Eleganz, Zarathustra gibt ein Bild dafür,
- 5:07der Held sollte ruhen können. Mit dem Arm ganz entspannt über
- 5:10den Kopf gelegt doch gerade für den Helden, der an Kampf gewöhnt
- 5:14ist, ist das Erreichen dieser entspannten Schönheit das
- 5:17Allerschwerste. Das Schöne lässt sich nicht mit
- 5:20purem Gewaltsamem Willen erzwingen, es erfordert ein ganz
- 5:24feines Maß, ein wenig mehr oder ein wenig weniger Kraft, macht
- 5:28hier den entscheidenden Unterschied aus mit völlig
- 5:31entspannten Muskeln zu stehen und den eigenen Willen ruhen zu
- 5:34lassen. Das ist die allergrößte
- 5:36Herausforderung für alle erhabenen Kämpfer.
- 5:40Wahre Schönheit entsteht für Nietzsche erst dann, wenn die
- 5:42Macht gnädig wird und sich in der sichtbaren Welt herablässt.
- 5:47Erfordert diese Schönheit gerade von demjenigen, der große Macht
- 5:50und Stärke besitzt. Zarathustra sagt dem Helden,
- 5:54weil du zu allem Bösen fähig bist, erwarte und verlasse ich
- 5:57mich darauf, dass du das Gute tust.
- 6:01Nietzsche macht sich durch die Stimme von Zarathustra oft über
- 6:03schwache Menschen lustig, die von sich glauben, sie seien gut,
- 6:07nur weil sie zu schwach sind, um böse zu sein.
- 6:10Er vergleicht sie mit Raubtieren, die lahme Pfoten
- 6:13haben und deshalb harmlos sind, das ist keine echte Tugend, die
- 6:18echte Tugend soll viel mehr sein wie eine große Säule, je höher
- 6:22sie in die Luft steigt, desto schöner und zarter wirkt sie von
- 6:25außen, aber in ihrem Inneren wird sie immer härter und
- 6:28fähiger, großes Gewicht zu tragen.
- 6:31Zarathustra verspricht dem Erhabenen, dass er eines Tages
- 6:35tatsächlich auf diese Weise schön sein wird.
- 6:38Er wird dann einen Spiegel vorhalten können, um seine
- 6:41eigene Schönheit zu bewundern, dann wird seine Seele vor
- 6:44Göttlichem verlangen beben und selbst in seiner Eitelkeit wird
- 6:48noch eine tiefe, ehrfürchtige Anbetung liegen.
- 6:51Am Ende dieses Textes verrät Zarathustra das tiefste
- 6:54Geheimnis der Seele, er sagt. Erst dann, wenn der harte,
- 6:58kämpfende Held die Seele verlassen hat, nähert sich ihr
- 7:01im Traum der Überheld. Dieser Überheld ist ein
- 7:05wichtiger Begriff für Nietzsche und ein Vorläufer des
- 7:07Übermenschen. Es ist ein Zustand, in dem der
- 7:10Mensch den ständigen verkrampften Kampf gegen sich
- 7:13selbst hinter sich gelassen hat und eine vollkommene
- 7:16spielerische innere Stärke und Schönheit erreicht hat.