Latest / Augstein & Blome / Beim Sozialen wird gespart, aber bei der Ukraine nicht?!
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- 0:03Blume, bevor wir gleich unser Intro spielen, eine ganz kleine Auseinandersetzung
- 0:08zwischen Ihnen und mir zur Musik. Welches finden Sie ist die schönste Nationalhymne der Welt?
- 0:16Musikalisch? Ja. Ich kenne nicht so viele, gebe ich zu, aber bei der Deutschen summe ich immer mit.
- 0:22Ja, so wie Boris Pistorius, der hat sich auf den Bibelplatz gestellt und hat
- 0:25die deutsche Nationalhymne, Hymne, Hymne, nicht nur gesummt,
- 0:28sondern auch gesungen, weil in Sachsen-Anhalt und so weiter,
- 0:32da sind wir dann aber schon mittendrin.
- 0:34Wissen Sie, welches ich die schönste Nationalhymne finde?
- 0:37Rein melodisch, die russische. Man traut es sich ja gar nicht zu sagen,
- 0:41aber musikalisch fantastisch.
- 0:44Die alte Sowjet-Hymne, also die Sowjets hatten es noch drauf.
- 0:51Ja gut, die werden sie demnächst öfter hören, wenn im Sachsen-Anhaltinischen
- 0:54Landtag quasi zur Eröffnung gebeten wird. der Ministerpräsident eingeführt wird.
- 0:58Das sind ja zwei Parteien, die AfD und das BSW.
- 1:04Die sind sehr russisch und freundlich und die finden die Musik auch toll. Intro ab.
- 1:28Blome, jetzt nochmal herzlich willkommen offiziell zu einer neuen Folge unseres
- 1:32Interzonen-Podcasts, den wir hier feiern.
- 1:36Ja, Sachsen-Anhalt, AfD-Landtagspräsident. Darf ich mal einmal was dazwischenfragen? Ja.
- 1:40Interzonen-Podcast fand ich jetzt, das ist schön. Manchmal überraschen sie mich noch.
- 1:46Aber lieber Augstein, wenn es ein Interzonen-Podcast ist, sind Sie der Ossi
- 1:49oder der Wessi? Und was bin ich in Ihren Augen?
- 1:52Ich bin ein Grenzgänger natürlich. Ich bin so wie Ernst Jünger,
- 1:56der sich als Waldläufer stilisiert hat. So stilisiere ich mich natürlich als Grenzgänger.
- 2:01Hier, dort, nirgendwo richtig zu Hause. Was soll ich sagen?
- 2:05Ich entdecke immer mehr den Wessi in mir. Das ist echt krass.
- 2:09Bin ich ja auch von Geburt und so weiter, Herkunft, bla bla.
- 2:13Aber eigentlich lebe ich jetzt
- 2:14auch schon über 20 Jahre lang in Ostdeutschland, also in Brandenburg.
- 2:17In der Nähe von Berlin natürlich, aber trotzdem, das ist ja irgendwie auf jeden
- 2:20Fall nicht das Rheinland.
- 2:21Es ist aber so wie mit all diesen Zuschreibungen. Man kann auch Wessi sein ohne
- 2:24Invest-Deutschland. Es ist eine Frage der inneren Haltung.
- 2:27Verstehen Sie? Ich meine, alter weißer Mann ist ja auch eine Frage der inneren
- 2:30Haltung, weil Alice Schwarzer zum Beispiel ist eindeutig ein alter weißer Mann.
- 2:34Und ich weiß gar nicht, ich habe manchmal das Gefühl, ich bin auch ein Ossi
- 2:37geworden, weil ich da so viel Zeit verbracht habe und so viel mit ostdeutschen
- 2:40Kolleginnen zusammengearbeitet habe.
- 2:42Aber manchmal fühle ich mich auch als Wessi, wie gesagt, mal so,
- 2:46mal so, wie gerade der Tag ist.
- 2:47Jetzt lassen Sie uns doch mal hier zur Sache kommen. Wir sind doch auch ein
- 2:49Informationsformat hier. Also in Sachsen-Anhalt
- 2:53gibt es jetzt einen AfD-Landtagspräsidenten und zwar Tobias Rausch.
- 2:59Der hat 48 von 82 Stimmen erhalten.
- 3:04AfD und BSW verfügen zusammen aber nur über 44 Stimmen und wenn man dann jetzt,
- 3:11ausrechnet, merkt man, dass das irgendwie so nicht hinkommt.
- 3:13Kurz und gut, es haben auch noch andere Leute für ihn gestimmt.
- 3:17Es werden, lieber Kollege Augstein, es ist die Transformation eines RTL-Formates,
- 3:21das außerordentlich erfolgreich ist, in die Realität. Es werden vier Verräter gesucht.
- 3:28Und auch mit so einer Wortwahl auch schon Abweichler, Verräter,
- 3:31werden also gesucht. Vier Leute, die möglicherweise mutmaßlich,
- 3:34andere sind schon fest davon überzeugt, aus den Reihen der ja arg dezimierten
- 3:39CDU-Fraktion im dortigen Landtag gekommen sein sollen.
- 3:43Und irgendwie glaubt man das. Bei Bild hätte man früher gesagt,
- 3:45innere Wahrheit. Ja, das ist sehr, sehr wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist es eben auch so.
- 3:49Na Moment, Moment. Also der Bundeskanzler, der noch Bundeskanzler muss man sagen.
- 3:53Der noch Bundeskanzler Merz hat vor vor eiligen Schlussfolgerungen gewarnt,
- 3:58dass Abgeordnete der CDU Herrn Rausch mitgewählt haben könnten. Zitat Merz.
- 4:04False Flag Operationen gibt es nicht nur militärisch, die gibt es auch politisch.
- 4:09Das heißt, Friedrich Merz hält es für möglich, dass zum Beispiel ein SPD-Abgeordneter
- 4:12sich als CDU-Abgeordneter getarnt hat, der dann geheim für einen AfD-Abgeordneten,
- 4:19für den AfD-Landtags gestimmt hat, um,
- 4:22ich weiß auch nicht, die Zerstörung der CDU noch zu beschleunigen,
- 4:24mir ist das auch nicht so ganz klar,
- 4:26aber das ist schon putinesk gedacht, da ist praktisch Merz hat sich schon hineingedacht
- 4:31in das Denken dieser Geheimdienste, versteht so, nein.
- 4:37Sagen wir mal so, ich fand auf eine angenehme Art und Weise hat dieser Bundeskanzler,
- 4:42der sich nicht immer im Griff hat, wie wir schon hinlänglich seit geraumer Zeit
- 4:46ja hier auseinander dividieren,
- 4:48hat einmal kühlen Kopf bewahrt und hat zum Beispiel nicht aufgerufen,
- 4:53jetzt müssen wir herausfinden bis zum letzten Blutstropfen, wer diese vier Verräter
- 4:57waren, ob sie aus unseren CDU-Reihen in diese Landtagsfraktion gekommen sind.
- 5:01Denn er hat die Falle gesehen.
- 5:03Wer ja diese maßgebliche Vermutung, Verdacht schürt, ist ja die AfD selber.
- 5:11Die sagen ja, das waren bestimmt Leute aus der CDU. Hihi, beweist uns doch das Gegenteil.
- 5:17Die wollen, dass die CDU sich im Landtag, vielleicht sogar im Bund spaltet,
- 5:22daran zerlegt, wie sie mit solchen Fällen, solchen Momenten umzugehen hat.
- 5:29Und wenn die CDU es herausfinden könnte oder unbedingt wollte,
- 5:33wer war es denn nun? Und sie würden fündig werden in den eigenen Reihen,
- 5:36müssten sie die Leute aus den eigenen Reihen ausschließen. Das ist ganz klare
- 5:39Rechtslage in Anführungsstrichen bei der CDU.
- 5:43Und dann hätte Herr Sigmund sein Ziel erreicht. Dann hätte er vier oder wie
- 5:46viel auch immer CDU-Leute, die da im Landtag fraktionslos rumschwimmen und die klebt er dann ein.
- 5:51Und dann hat er seine Mehrheit, seine stabile Mehrheit und das ist wohin er will.
- 5:57Und immerhin, Friedrich Merz ist ungefähr fünfmal so klug wie die SPD.
- 6:01Der hat das nämlich erkannt.
- 6:03Der, weil die SPD hier auf Bundesebene Herrn Pistorius auf ein Schemelchen stellt,
- 6:07eine Fahne schwenken lässt und ein Liedchen singen lässt, Entschuldigung,
- 6:09die Nationalhymne singen lässt. Oh, ich wollte gerade sagen, also bitte, ja, also.
- 6:12Ja, aber die SPD treibt die CDU in die Klärung. Wir wollen von unserem Koalitionspartner
- 6:17jetzt wissen, darüber wird zu reden sein im Koalitionsausschuss. Wer war es?
- 6:21Ja. So strategisch doof, denen von der AfD so auf die Leimroute zu gehen.
- 6:26Brüh im Geiste dieses Glanzes, kann ich da nur sagen.
- 6:30Ich finde es interessant, dass Sie jetzt sagen, dass Merz da klug gehandelt hat.
- 6:35Das heißt, er hat im Prinzip in einer für die CDU objektiv desaströsen Situation,
- 6:43dafür gesorgt, dass sie nicht noch desaströser wird und das sozusagen rechnen Sie ihm schon hoch an.
- 6:48Er hat also offensichtlich mehrere Abweichler in den eigenen Reihen,
- 6:52denn, Entschuldigung, jetzt nochmal zurück, das ist eine False-Flag-Aktion,
- 6:56weil glauben Sie ja nicht im Ernst.
- 6:58Natürlich waren das einfach CDU-Abgeordnete, die schon die ganze Zeit finden,
- 7:01dass das mit der Brandmauer Quatsch ist und dass die AfD in Sachsen-Anhalt eine
- 7:04übergroße Mehrheit bekommen hat und dass man sie deshalb jetzt auch in gewisser
- 7:08Weise auch unterstützen kann und die haben das jetzt einfach gemacht.
- 7:14Und das ist offensichtlich so und um das aber irgendwie so zu vertuschen,
- 7:19will er dem jetzt nicht nachgehen und weil er mich dann so tun kann,
- 7:23als wäre das gar nicht so.
- 7:24Das ist so, lieber Blomer, als würden Sie sagen, da kommt ein Stier auf mich
- 7:27zugerannt und ich mache die Augen zu, weil wenn ich die Augen zumache,
- 7:30dann sieht er mich auch nicht.
- 7:32Augstein, Ihr Bild ist gut, aber es stimmt eben noch nicht ganz.
- 7:36Denn der Stier, wenn er auf mich zurennt mit 350 kmh und gesenktem Hörnern,
- 7:40ist ja wirklich eine tödliche Bedrohung.
- 7:42Die Wahl des Landtagspräsidenten ist noch keine tödliche Bedrohung.
- 7:46Weder für die Demokratie in Sachsen-Anhalt, noch für die CDU.
- 7:50Außer man geht falsch mit dieser Bedrohung, mit diesem Ding um, was da passiert ist.
- 7:54Denn der Landtagspräsident musste, jetzt bei aller Liebe, was immer wir über
- 7:57die AfD denken, eine Partei, die 44,5% gemacht hat, also fast eine absolute
- 8:03Mehrheit, die musste den Landtagspräsidenten stellen und dafür brauchte sie weitere Stimmen.
- 8:09Und den Landtagspräsidenten, diesen Landtagspräsidenten, der noch nicht einmal,
- 8:13ein richtiger AfD-Hardcore-Hardliner ist, der ist halt nur AfD-Normal-Korrupt,
- 8:18und hat seine halbe Familie und noch seinen halben Fußballverein eingestellt
- 8:21auf Steuerzahlerkosten,
- 8:23den konnte man da schon noch irgendwie hinwählen.
- 8:26Richtig spannend wird es ja bei der Frage, wer wählt den Ministerpräsidenten,
- 8:29wer bringt diese AfD in die Regierung und stimmt dann regelhaft,
- 8:35verlässlich, so wie es Herr Sigmund sagt.
- 8:37Für die AfD es sich wünscht, die Gesetze durch, die die da machen wollen,
- 8:41um das Land zu verändern. Dann wird es richtig groß, dann stimmt ihr Bild,
- 8:45dann müsste Friedrich Merz auch anders agieren.
- 8:47Hier hat er situativ klug reagiert und das ist nicht seine absolute Stärke.
- 8:51Und darum fällt es mir so auf und darum sage ich auch gerne,
- 8:53Schöpöchen hast du gut gemacht.
- 8:55Ja, es kommt ein bisschen darauf an, was sie mit dem Wort Weltuntergang meinen
- 9:01und wie sie sich den vorstellen.
- 9:03Also wenn sie glauben, die Welt endet mit einem.
- 9:09Bang, wie es in einem berühmten Gedicht heißt, dann haben sie natürlich recht,
- 9:12dann war das hier natürlich nicht der Weltuntergang.
- 9:14Ich glaube aber nicht, dass so der Weltuntergang funktioniert.
- 9:17Ich glaube, das, was ich so nennen würde, hat bereits begonnen und das sind
- 9:21jetzt alles nur Etappen auf diesem Weg.
- 9:23Und ich würde diese Etappe, Landtagspräsident geht an die AfD in einem Bundesland,
- 9:30als Schritt zur Normalisierung bezeichnen.
- 9:33Denn je mehr von diesen Schritten wir haben, je tiefer die AfD eindringt in
- 9:39die Institutionen, Teil wird der Institutionen, umso weniger lässt sie sich
- 9:44so ohne weiteres daraus dann wieder herauslösen.
- 9:46Das Verbotsverfahren können sie sich dann also komplett, aber sowas von in die
- 9:50Haare schmieren, finde ich ja schon die ganze Zeit, aber dann aber echt endgültig.
- 9:54Verbotsverfahren, finde ich Quatsch. Das bedeutet Normalisierung,
- 9:57aber wenn Normalisierung bedeutet ja für die AfD zweierlei.
- 10:00Erstens, sie wird wählbar für Leute, die sie bisher nicht gewählt haben und
- 10:04zweitens Risiko, dass sie Leute enttäuscht, die sie bisher gewählt haben.
- 10:08Das heißt, was diese Normalisierung mit der AfD macht, das wissen Sie und ich
- 10:12im Moment noch gar nicht. Aber dass die jetzt stattfindet, die Normalisierung,
- 10:15das, finde ich, steht völlig außer Frage und ich könnte mir Leute vorstellen,
- 10:20die das für eine weitere Etappe auf dem Weg des Weltuntergangs halten, ja.
- 10:25Mit der Normalisierung auch schon haben sie natürlich recht.
- 10:28Also das ist eine große Etappe, so ein Amt besetzen zu dürfen.
- 10:31Formal ist das sogar die Nummer 1 des Landes Sachsen-Anhalt,
- 10:33das war mir gar nicht bewusst.
- 10:36Aber immerhin, also Normalisierung ein weiterer Schritt tief in die Institutionen,
- 10:42der parlamentarischen Demokratie in Deutschland, ja.
- 10:45Und trotzdem kann man auch schon ein bisschen gucken, wie sich das auf die AfD auswirkt.
- 10:52Denn klar ist, der Druck ist nach diesen sehr glatt verlaufenden Abstimmungen,
- 10:58Auch der Vizelandtagspräsident, und der ist ein Hardcore-Hardliner bei der AfD,
- 11:03ist ja auch reingewählt worden, wenngleich mutmaßlich nicht mit CDU-Stimmen,
- 11:07sondern da haben andere Stimmen gelangt.
- 11:10Also, diese Normalisierung erhöht den Druck, weil es so glatt gegangen ist,
- 11:14auf Herrn Sigmund es nun als Ministerpräsident versuchen zu müssen.
- 11:20Und was das mit der AfD macht, also die Erwartungshaltung, der Druck des Gefüges
- 11:25und der Institutionen ein bestimmtes Verhalten jetzt an den Tag zu legen,
- 11:28eine bestimmte Strategie zu wählen und voranzuschreiten,
- 11:32ist natürlich das Gegenteil dessen, was die gewohnt sind.
- 11:35Die durften alles machen, niemand hat ihnen nichts übel genommen,
- 11:38keine Korruption, kein Fehltritt, keine Tabuverletzung, kein gar nichts.
- 11:44Und jetzt kommen sie in so einen Kanon rein, wo sie Dinge tun müssen,
- 11:48weil man die jetzt tun muss.
- 11:50Der nächste Schritt ist jetzt klar, der muss sich zur Abstimmung stellen.
- 11:53Und er weiß natürlich noch nicht in diesem Hühnerhaufen bei der CDU,
- 11:57bei den anderen Parteien, ob er eine Mehrheit kriegt erstens und ob er dann
- 12:00auch eine stabile Mehrheit hat zum Regieren.
- 12:02Aber jetzt zu sagen, ich regiere jetzt nicht, ich habe keine absolute Mehrheit
- 12:06und eine stabile Mehrheit habe ich auch nicht hingekriegt, kann er nicht mehr
- 12:08sagen nach diesem Vorgang.
- 12:10Der hat also auch echt eine sehr zweischneidige Wirkung. Aber das ist doch gut,
- 12:14das zahlt ja ein auf das, was ich eben gesagt habe. Ein Schritt zeitigt eben
- 12:18den nächsten. Das hier war ein Schritt auf dem Weg. Nein, das war wesentlich
- 12:21klüger, was ich gesagt habe, als Sie, lieber Kollege Augstein. Oh Mann, ey.
- 12:25Jetzt mal Spaß beiseite. Das geht eben alles in dieselbe Richtung.
- 12:28Die AfD ist Teil dieses Systems geworden und Teil der Institution.
- 12:32Das wird die Partei natürlich verändern.
- 12:34Das Interessante ist doch bloß, also wenn wir jetzt hier schon so Spöken,
- 12:37Kikerei machen und versuchen, im politischen Kaffeesatz als die Zukunft zu lesen,
- 12:41dann würde ich sagen, das ist genau die Zerstörung der CDU, die die AfD plant.
- 12:46Denn im Wege dieser Institutionalisierung wird die AfD einerseits normaler werden,
- 12:50andererseits wird sie es aber schaffen, weil halt die Zeiten so sind,
- 12:53wie sie sind, ihre Radikalität sich zu halten.
- 12:56Und deshalb wird sie tatsächlich die CDU zerreiben zwischen den Leuten,
- 13:00die es gerne radikal haben wollen und die Disruption wollen auf der einen Seite
- 13:04und denen, die eigentlich so eine etwas konservative Partei sich wünschen,
- 13:09als die CDU im Moment ist.
- 13:10Und dazwischen wird die CDU zerrieben werden. Und ich glaube,
- 13:14dem hat Merz ehrlich gesagt nichts entgegenzusetzen, weil er.
- 13:19Er erkannt das eben nicht. Ich meine, jetzt ist gerade in Berlin der britische
- 13:23Premierminister Burnham, der etwas geschafft hat, ich lese das nur in den Zeitungen,
- 13:27ich verfolge jetzt nicht so genau, was in Großbritannien passiert,
- 13:30weil es mich ehrlich gesagt nicht so doll interessiert wie andere Länder,
- 13:33weil ich das Gefühl habe, die sind so weit weg.
- 13:34Das habe ich jetzt aber ein bisschen gelesen und offensichtlich ist ihm etwas
- 13:38gelungen, was man gar nicht für möglich gehalten hätte, nämlich dieses seit
- 13:41dem Brexit moralisch und wirtschaftlich doch echt ziemlich auf den Zahnfleisch
- 13:45gehende Land irgendwie so zu revitalisieren.
- 13:47Ein so ein Typ mit so ein paar Reden, ein paar so Auftritten und auch einer
- 13:51geschickten Politik, die die Leute so mitnimmt, den Leuten zeigt,
- 13:53ey hier passiert was und so.
- 13:55Und genau das schafft Merz eben nicht. Das müsste er aber, um nicht nur das
- 14:00Land zu retten, sondern vor allen Dingen seine eigene Partei.
- 14:04Ja, Andy Burnham, das ist schon ein echtes Phänomen. Der hat ja auch seine komplett
- 14:09dann niederliegende Partei revitalisiert mit ein, zwei Auftritten, wo er auch geweint hat.
- 14:15Und ich gebe zu, ich habe mir die angeschaut bei YouTube, fünf Minuten oder
- 14:18so aus einer Parteitagsrede, wo er über seinen Vater berichtet,
- 14:22der es seinen Söhnen, von denen Andy Burnham also einer ist,
- 14:27ermöglicht hat zu studieren, obwohl er selber, derweil er selber,
- 14:31ein ganz normaler Angestellter oder Arbeiter gewesen ist.
- 14:35Also seinen Kindern diesen Aufstieg ermöglicht hat, wahrscheinlich durfte die
- 14:39Mutter auch eine größere Rolle gespielt haben, es ging nur um den Vater.
- 14:43Und diese Aufstiegsgeschichte er also verkörpern kann. Und dann fing der dabei
- 14:47an, mit den Tränen zu kämpfen.
- 14:49Und ich glaube, es war echt. Oder es war einfach saugut gespielt.
- 14:52Auf alle Fälle kriegte man Gänsehaut. Gänsehaut von einem YouTube-Laptop.
- 14:59Und das ist schon was. Und das kann Friedrich Merz nicht. Und die Frage ist,
- 15:01muss er das jetzt auch probieren? Muss jetzt Friedrich Merz auch weinen?
- 15:04Ich glaube, das muss er nicht.
- 15:07Der ist, wie er ist. Und das Land braucht bestimmte Dinge.
- 15:10Und ob man dabei weint oder nicht, ist nur eine Form, es da zu reichen und zu
- 15:15glauben, dieses Land wäre reformfähiger, reformbereiter, diese Koalition funktionstüchtiger,
- 15:20wenn nur der Kanzler besser weinen könnte.
- 15:24So wie Andy Burnham. Das ist jetzt Kindergarten. Aber Sie machen doch jetzt...
- 15:31Mit so einem aggressiv-polemischen Ton versuchen sie das Thema tot zu machen.
- 15:35Mir ist ganz egal, ob der Kanzler weint oder nicht. Ich finde,
- 15:39ich habe diese Szene nicht gesehen. Auch darüber habe ich nur gelesen,
- 15:41Burnham beim Labour-Parteitag. Schauen Sie es an, schon toll.
- 15:44So, die Leute sind dann offensichtlich aufgestanden und haben alle geklatscht
- 15:47und haben mitgeweint und so, keine Ahnung.
- 15:49Ja, ob das echt war oder gespielt, I don't know. Aber das ist jetzt ja nur eine
- 15:54Szene. Hier geht es aber darum, dass ein Politiker es schafft,
- 15:57durch eine Kombination aus.
- 16:04Persönlichkeit und Politik, die Stimmung in einem Land zu drehen.
- 16:09Merz war angetreten seinerzeit mit dem Versprechen, bis zum Sommer 2025 die
- 16:16Stimmung gedreht zu haben. Das ist ihm offensichtlich nicht gelungen,
- 16:20weil er kein Stimmungspolitiker ist.
- 16:23Die Reformen, von denen es jetzt immer heißt, man muss sie unbedingt machen,
- 16:26sie wollen das ja, ich nicht, brauchen für ihren Erfolg die Kooperation der
- 16:30Bürger. Das heißt, sie brauchen Leute, die in der richtigen Stimmung sind, das auch zu machen.
- 16:35Burnham reformiert sein Land, indem er aber erstmal die Stimmung dreht und dann
- 16:39den Leuten sagt, jetzt lass mal irgendwie anpacken.
- 16:42Merz konnte das nicht. Und jetzt bricht ihm nicht nur das Land weg,
- 16:45sondern auch noch seine eigene Partei. Sehen Sie das nicht?
- 16:47Dass sozusagen die Eisschalle, auf der er steht, immer schmaler wird.
- 16:50Es sind ja nicht nur die Wähler im weiten Land, die er verliert nicht die Stimmung,
- 16:53sondern auch seine eigene Partei fängt jetzt an so zu bröseln und dann gehen so Risse durch.
- 16:58Ja, das Bild ist gut mit der schmilzenden Scholle, Raugstein,
- 17:02auf der der Kanzler steht, gehen Südenpferden, das Ding wird immer kleiner,
- 17:05weil das Wasser immer wärmer wird und es also klein schmilzt oder schmelzt.
- 17:12Aber. Schmolzt? Schmolzt? Scholzt?
- 17:16Der Bundeskanzler scholzt sich durch die Gegend.
- 17:19Ne, jetzt mal im Ernst, das stimmt ja, auch die Nervosität und die Risse in
- 17:23der eigenen Partei sind ja wirklich jetzt zu sehen und man hört das Knacken im Gebälk oder im Eis.
- 17:31Aber die Frage war ja,
- 17:35Ist der Kanzler der Richtige? Diese Reformen, von denen ich überzeugt bin,
- 17:40dass sie richtig sind und am Ende über Wachstum auch die Stimmung drehen können,
- 17:46ist er der Richtige, sie durchzusetzen?
- 17:47Meine Antwort ist ja und zwar aus dem einfachen Grund, weil er der Einzige ist.
- 17:53Weil er das glaubwürdig verkörpern kann, diese Reformen, meinetwegen auch mit
- 17:58dem Stückchen persönlicher Kälte, die es dann vielleicht auch braucht und Rücksichtslosigkeit
- 18:04gegenüber Einzelinteressen.
- 18:08Und weil kein anderer da ist, denn jeder andere müsste es entweder genauso versuchen,
- 18:14wie der Bundeskanzler es jetzt versucht oder es mit den Reformen bleiben zu lassen.
- 18:18Und die zweite Option ist in Wahrheit keine, nicht in diesem Land, nicht jetzt.
- 18:23Mann Blume, Burnham stellt sich hin und weint wegen seines Vaters.
- 18:28Beeindruckende Szene offenbar.
- 18:30Pistorius stellt sich auf einen Hocker auf dem Bebelplatz und singt die Nationalhymne,
- 18:37um gegen die AfD zu protestieren.
- 18:39Habe ich auch nicht gesehen, habe ich auch nur gelesen. Finde ich,
- 18:42klingt ein bisschen abgeschmackt, aber immerhin ist es überhaupt irgendeine Art von Geste.
- 18:47Was macht der Bundeskanzler? Er fährt nach Kiew. Ich meine, jetzt ausgerechnet
- 18:51jetzt fährt der Bundeskanzler nach Kiew.
- 18:53Warum? Stellt sich da hin und hält eine vollkommen belanglose Rede,
- 18:57die er genauso in einem Jahr und vor einem Jahr halten kann,
- 19:00weil da passiert ja nichts.
- 19:01Der Krieg wird ja einfach nur
- 19:02weiter durchfinanziert von uns und mit ukrainischem und russischem Blut.
- 19:05Aber da ist nichts Neues passiert, nichts. Aber da steht da so,
- 19:10Sie können sich immer auf uns verlassen. Also wir halten bis zum Ende zu Ihnen.
- 19:14Danke, dass Sie mich hier empfangen haben und tschüss. Das ist unfair.
- 19:17Ein vollkommen überflüssiger Auftritt. Unfair, nein.
- 19:20Nein, ihre Prämisse, auf der sie jetzt ein wunderbares, rot lackiertes.
- 19:26Nach Osten sich öffnendes Gedankengebäude stellen wollen, die Prämisse ist falsch.
- 19:31Die Prämisse ist falsch, dass
- 19:32der Bundeskanzler nämlich gar nichts gesagt hat und nichts erklärt hat.
- 19:35Im Gegenteil, er hat etwas versucht zu erklären, um einer sich drehenden Meinung
- 19:40in der Bevölkerung entgegenzutreten. Er hat versucht zu erklären,
- 19:44warum es jetzt mal in großen Anführungsstrichen ein bisschen zynisch sehr,
- 19:47sehr gut angelegtes Geld ist.
- 19:49Die Ukraine weiter militärisch, aber auch finanziell zu unterstützen.
- 19:55Nämlich, weil die Ukraine für uns da kämpft, für die gesamten NATO-Staaten,
- 20:00die als nächstes eine Grenze mit Russland und Wladimir Putin hätten,
- 20:04wenn es die Ukraine nicht mehr gäbe.
- 20:06Blume, ich weiß nicht. Das Thema ist ja, scheint mir, eine echte Glaubensfrage.
- 20:11Da muss jeder dann sein eigenes Credo abgeben.
- 20:14Ist dieser Krieg sinnvoll, der da geführt wird oder ist er einfach nur brutal und unsinnig?
- 20:20Ich weiß nur nicht, ob diese Frage nicht irgendwann untergehen wird in einer
- 20:26anderen Frage, nämlich wollen wir das eigentlich bezahlen?
- 20:30Können wir das eigentlich bezahlen? Sie müssen sich mal vorstellen,
- 20:32dass die Deutschen seit Kriegsbeginn ungefähr 72 Milliarden Euro im weitesten
- 20:39Sinne in jedem Zusammenhang für diesen Krieg ausgegeben haben.
- 20:4372 Milliarden Euro. Und wenn man dann jetzt, wenn Sie mir jetzt sagen,
- 20:47entgegenhalten, ja, aber das ist ja gar kein echtes Geld, das ist ja irgendwie
- 20:50nur geliehen und das hätte es ja sonst gar nicht gegeben, das Geld und so,
- 20:53dann merken Sie hoffentlich selber, wie luftig und unsinnig so ein Argument ist.
- 20:57Weil ein Euro ist halt ein Euro und wenn Sie ihn ausgeben, ist er weg.
- 21:00Moment, dann würde ich jetzt gerne mal mein Argument selber vortragen,
- 21:03bevor Sie es dann erst vorgetragen haben, fälschlich, verzerrt,
- 21:07verdummt, um es dann umzulegen. Ja, das ist 72 Milliarden Euro.
- 21:12Also, stimmt, es gibt unterschiedliche Berechnungen, aber nehmen wir das jetzt mal an.
- 21:16In diesen 72 Milliarden stecken 32 Milliarden Euro für Flüchtlinge,
- 21:20für die Unterbringung und Alimentierung, Versorgung von Flüchtlingen.
- 21:23Jetzt können Sie sagen, schmeißt sie alle raus, das ist scheißegal,
- 21:25dann sollen sie im Mittelmeer ersaufen oder sonst was machen,
- 21:28zurück in die Ukraine oder gleich am besten an die Front, Frauen und Kinder
- 21:31zuerst, damit wir kein Geld mehr für Flüchtlinge zahlen müssen.
- 21:35Das implizieren Sie übrigens mit, wenn Sie sagen, können wir uns nicht mehr
- 21:38leisten, geht ja gar nicht mehr, die kriegen alles und wir kriegen gar nichts.
- 21:41So, bleiben noch mal ungefähr 30.
- 21:44Warum machen Sie es jetzt polemisch? Ganz kurz, ohne Spaß. Ich habe es jetzt
- 21:46ja nicht polemisch, ich habe ja nur die Zahl gesagt.
- 21:48Sie implizieren jetzt, mir ist es egal, wie es diesen Leuten geht und ich möchte
- 21:52die alle rauswerfen. Moment, Sie sagen...
- 21:5572 Milliarden Euro, wie lange kann das noch gehen? Beziehungsweise war das nicht schon viel zu viel.
- 22:01Und jetzt dekonstruiere ich Ihnen diese immens große Zahl von 72 Milliarden
- 22:05Euro und sage 32 davon sind für Flüchtlinge, für die Unterbringung und die Aufnahme
- 22:10von Flüchtlingen gegangen.
- 22:12Wenn Sie das nicht haben wollen, müssen Sie sagen, wohin diese Flüchtlinge gehen
- 22:14sollen. Beziehungsweise sagen, die hätten wir niemals aufnehmen dürfen.
- 22:18Sollen sie doch in Polen bleiben.
- 22:19Und das klingt jetzt ein bisschen polemisch, aber das ist so.
- 22:22Das ist das, was Sie sagen. Und ich spreche es aus. Nein, das sage ich nicht, sondern es ist, gut.
- 22:28Liegt es daran, dass sie sozusagen das Gefühl haben, der Ukraine-Krieg lässt
- 22:32sich jetzt nur noch verteidigen mit irgendwie so persönlichen Invektiven und
- 22:35polemischen Attacken, also wenn das so ist, wäre auch irgendwie schade.
- 22:38Nein. Ich habe jetzt einfach nur gesagt, so und so viel Geld.
- 22:41Es ist Ihnen doch auch klar, um jetzt Ihrer Polemik kurz mal die Luft runterzulassen.
- 22:45Wenn der Krieg vor zwei Jahren beendet worden wäre, wäre ein großer Teil dieser
- 22:48Leute freiwillig nach Hause gegangen und dann wären die Zahlungen für diese
- 22:50Flüchtlinge bei aller Humanität, der ich nun wirklich anhänge,
- 22:54wie Sie sich ja vielleicht auch erinnern, einfach deutlich niedriger gewesen.
- 22:57Kürzerer Krieg, weniger Flüchtlinge, weniger Dauer im Aufenthalt,
- 23:01weniger Kosten. Das verstehen Sie schon, oder? Ja, absolut.
- 23:03Okay, das ist also nicht polemisch. Dann hören Sie doch auf,
- 23:05mir unterzujubeln, dass ich kein Interesse am Schicksal dieser Frauen und Kinder
- 23:08in Deutschland habe. Ich habe ein großes Interesse an dem Schicksal dieser Leute
- 23:11und finde es gut, dass wir ihnen helfen.
- 23:13Ich frage mich nur, wie wollen Sie den Deutschen erklären, dass wir so viel
- 23:17Geld ausgeben für ukrainische Flüchtlinge und vor allen Dingen für ukrainische
- 23:20Waffen in einem Krieg, der ganz offensichtlich immer, immer weitergeht und von
- 23:25keiner Seite so richtig beendet werden will.
- 23:27Und da interessiert eigentlich dann irgendwann nicht mehr dieser komische Credo-Satz,
- 23:33ja aber da wird unsere Sicherheit verteidigt und unterm Schnitt ist es immer
- 23:36noch billiger, wenn die Ukrainer für uns kämpfen und sterben,
- 23:39als wenn wir es eines Tages
- 23:40machen müssen in Lettland, wenn die Russen die Kowalski-Lücke da durchstoßen oder keine Ahnung.
- 23:47Verstehen Sie den Unterschied nicht? Es ist zu hypothetisch,
- 23:49was Sie den Leuten da erzählen müssen, die ganz praktisch unter den Einsparungen jetzt leiden.
- 23:54Soll ich in zehn Minuten nochmal wiederkommen? Entschuldigung.
- 23:57Und dann darf ich was sagen? Ja, Manu.
- 24:00Also. Ich habe mich echauffiert, das tut mir leid. Zu den Flüchtlingen.
- 24:0572 Milliarden Euro, 32 davon für Flüchtlinge.
- 24:09Und diese Debatte, die ja auch die AfD und das BSW führt, ist ja auch eine legitime Debatte.
- 24:14Suggeriert, so wie auch Sie sie vortragen, als könnte man sagen,
- 24:20das wollen wir jetzt nicht mehr zahlen.
- 24:22Das können Sie aufhören zu zahlen, wenn die Flüchtlinge zurückgehen, ja.
- 24:27Aber dazu bräuchten Sie einen Frieden. Und den zu schaffen, das liegt nicht
- 24:30in unserer oder in Ihrer Hand, das liegt in Wladimir Putins Hand,
- 24:32muss man jetzt mal ganz ehrlich sagen.
- 24:34Also der kann entscheiden, wie lange wir für Flüchtlinge zahlen oder eben nicht.
- 24:38Er kann entscheiden, ob wir noch eine Million kriegen, wenn er weiter alles
- 24:41plattbombt, was zum Leben, zum Überleben von ganz normalen Menschen in Kiew
- 24:46oder in der Ukraine vonnöten ist.
- 24:49Also an diesen Posten kommen sie nur verdammt schwer ran, weil halt Wladimir
- 24:53Putin den Finger drauf hat. Und jetzt kommen wir zum Militärischen.
- 24:56Also ungefähr 30 Milliarden.
- 24:59Das ist tatsächlich Geld, das aus einer zweckgebundenen Verschuldung kommt.
- 25:05Und Schulden sind immer Schulden, da müssen wir uns gar nichts vormachen,
- 25:07da bin ich der Letzte, der das irgendwie Sondervermögen nennt.
- 25:09Ja, aber es steht nicht in Konkurrenz zu einer Grundsicherungserhöhung,
- 25:19Gesundheitskassenveränderung, die Geld kostet, also einer Sozialausgabe im weitesten Sinne.
- 25:26Denn selbst wenn sie das Geld aus diesem Sondertopf für Militärisches und Ukraine-Hilfe,
- 25:32nicht zahlen würden, könnten sie den Euro nicht nehmen und in den Sozialstaat stecken.
- 25:38Das ist gesetzlich, grundgesetzlich sogar verboten.
- 25:43Das heißt, die 29 Milliarden Euro stehen nicht in Konkurrenz zum Sozialstaat
- 25:48und das ist ja ihr Kernargument.
- 25:49Für die habt ihr alles und für uns habt ihr nichts.
- 25:52Blume, Sie sagen, wir haben keinen Einfluss darauf, wie lange dieser Krieg dauert.
- 25:57Das ist jetzt nach diesen ganzen Jahren auch der Debatte nicht ihr,
- 26:01Entschuldigung, fucking ernst.
- 26:03Wir alimentieren diesen Krieg mit dem Geld für unsere Waffen,
- 26:07denn ohne diese Waffen, beziehungsweise ohne unsere Zusage auch dies weiterhin zu liefern, gäbe es.
- 26:13Diesen Krieg ganz offensichtlich nicht und noch viel mehr, wir alimentieren
- 26:16ja auch die Ukraine direkt.
- 26:18Ich meine, jetzt gerade in der Zeitung gestanden, für 2027 fehlen der Ukraine
- 26:22zusätzlich, es waren 45 Milliarden, die sie sowieso schon bekommen hat,
- 26:27fehlen jetzt nochmal 70 für 2027. Warum?
- 26:30Weil wir inzwischen auch den regulären Haushalt dieses Landes zu einem sehr,
- 26:34sehr großen Teil finanzieren.
- 26:36Wir, nicht jetzt wir Deutschen, sondern Europäer und Amerikaner und alle,
- 26:39die da irgendwie Geld dazugeben. Aber die Deutschen natürlich,
- 26:41ehrlich gesagt, an vorderster Front. Sowieso geben die Deutschen wahnsinnig viel Geld dafür aus.
- 26:46Viel, viel mehr als die Italiener und die Spanier und die sind auch nicht arm.
- 26:49Warum? Weil die gesagt haben, Leute, ehrlich gesagt, ich weiß nicht,
- 26:52so ein bisschen ist das auch euer Krieg. Weil wir glauben gar nicht so sehr
- 26:55daran, dass das alles so dringend ist und so. Deshalb ziehen wir uns da so ein
- 26:57bisschen zurück. Die Deutschen aber sagen, nein, wir müssen das bezahlen,
- 27:01alles und so. Haben Sie sich mal...
- 27:04Ist es nicht so, ist es nicht so. Zahlen die Spanier und die Italiener proportional
- 27:07zum Bruttosozialprodukt so viel wie wir? Nein, natürlich nicht.
- 27:11Warum machen wir das, wenn die Italiener das nicht machen? Sind wir bessere
- 27:13Menschen als die Italiener? Nein, aber wir sind halt auch ein bisschen dringlicher
- 27:18betroffen, könnte man sich denken. Also die Spanier, die wohnen hinten links
- 27:22in Europa, ganz weit weg.
- 27:23Da ist es vielleicht auch ein anderes Geschäft. Die haben andere Sorgen,
- 27:26wenn was in Afrika schiefläuft, richtig wie kürzlich mal so eine kleine Flüchtlingswelt.
- 27:30Dann kommt das zuerst in Spanien. Dann fühlen die sich unmittelbar betroffen
- 27:33und fragen, was machen denn die Deutschen, außer die Grenzen zuzumachen.
- 27:36Also das ist natürlich auch eine Frage von regionaler Betroffenheit und vielleicht
- 27:40ist irgendein Zipfel von Italien ähnlich nah an.
- 27:45Der Ukraine oder ein Russland wie Rügen. Ich weiß es nicht ganz genau.
- 27:49Und trotzdem gibt es doch eine unterschiedliche Betroffenheit und deswegen auch
- 27:52unterschiedliche Leistungsfähigkeit wahrscheinlich.
- 27:55Deshalb glaube ich, ist es kein ganz großes Wunder.
- 27:59Und es ist eine große Leistung der Europäer insgesamt, und da sind ja noch ein
- 28:03paar andere Länder dabei, eingesprungen zu sein erfolgreich, als die USA sagten,
- 28:08wir hören jetzt mal auf, die großen finanziellen Transaktionen zu machen und
- 28:13ob dabei die Lichter in der Ukraine ausgehen oder nicht, ist es uns auch egal,
- 28:16weil Wladimir Putin ist ja der Freund von Donald Trump. Also noch einmal.
- 28:23Wir waren ja bei der innenpolitischen Frage, bringt es der AfD weitere Stimmen?
- 28:28Stimmt es eigentlich, dass man sich hier als Bundesregierung entscheiden muss,
- 28:33zwischen der Unterstützung für die Ukraine,
- 28:38oder der besseren, noch besseren, auskömmlicheren Finanzierung des Sozialstaats?
- 28:44Immer unter dem Satz, der wirklich gut ist, wenn man so will,
- 28:46als Slogan, ich erinnere mich natürlich total falsch, aber als Slogan ist der
- 28:49gut, für die, die Ukrainer, habt ihr alles, für uns, die armen Deutschen,
- 28:54die noch ärmeren Ostdeutschen, habt ihr nichts.
- 28:57Moment, Moment. Und ich bestreite, dass das eine Alternative ist,
- 29:02dass sie das gegeneinander aufrechnen können.
- 29:05Dass eine quasi hin und her Rechnung möglich wäre, hin und her Verschiebung
- 29:12möglich wäre, zu moralisch vertretbaren Bedingungen und zu rechtlich finanziell
- 29:16politisch vertretbaren Bedingungen.
- 29:18Die auskömmliche Finanzierung des Sozialstaatsblume ist natürlich auch wieder,
- 29:23ein kleiner Seitenhieb, da ich sie aber kenne und sehr feine Ohren habe für
- 29:27sowas, möchte ich da kurz einhaken.
- 29:29Es geht nämlich nicht um eine auskömmliche Finanzierung des Sozialstaats auf dem bisherigen Niveau.
- 29:34Alle Leute, ich zum Beispiel auch, haben verstanden, dass der Sozialstaat umgebaut
- 29:40und verändert werden muss. Ich möchte nicht das schreckliche Wort reformiert
- 29:43benutzen, weil niemand weiß, was es heißt. Umgebaut und verändert.
- 29:47Das kostet sehr viel Kraft von den Leuten, die das machen müssen und von den
- 29:51Leuten, die ihre Wahlstimmen dafür abgeben müssen und von den Leuten,
- 29:54die es unmittelbar betrifft. Das ist nicht einfach.
- 29:57Und je mehr Zeit man dafür hat, desto besser wird das funktionieren,
- 30:01weil alle Anpassungsprozesse besser funktionieren, wenn man sie mit ein bisschen
- 30:04Geduld und Zeit macht und nicht gehetzt und gepresst sozusagen durchgeht.
- 30:09In unserer Demokratie ist es sogar so, wenn sie das Tempo dieser Anpassungsprozesse
- 30:13zu sehr beschleunigen, gehen ihnen die Leute buchstäblich von der Fahne und
- 30:17wählen Parteien, die sagen, kommt doch zu uns, wir machen das alles viel einfacher,
- 30:21bei uns gibt es gar nicht solche Zumutungen und so.
- 30:23Also bei wie die sogenannten Mitte-Parteien, die sagen, ey, das wird jetzt aber
- 30:27hart, Kinnriemen, enger schnallen, ist nun mal so, lässt sich nicht vermeiden.
- 30:31Und da finden diese beiden Themen natürlich schon zusammen und sie sind doch ein kluger Mensch.
- 30:36Sie lügen sich jetzt aber sowas von in die Tasche, dass mich das wundert,
- 30:40dass nicht ihre Lügen ihnen sozusagen Löcher in die Tasche reißen und unten
- 30:44aus ihren Hosenbeinen wieder rausfallen.
- 30:46Denn natürlich ist es so, wenn wir das Geld, was wir jetzt in der Ukraine in
- 30:51die Luft jagen, buchstäblich, es wird ja buchstäblich in die Luft gesprengt,
- 30:54dieses Geld in der Ukraine, buchstäblich,
- 30:57benutzen würden, um die Transition unseres Sozialstaats in ein neues,
- 31:01anderes System sozusagen abzufedern, wäre das natürlich für unsere Demokratie
- 31:05und für unsere Gesellschaft hier,
- 31:07deutlich weniger anstrengend, deutlich weniger zerreißprobenhaft.
- 31:12Und es würde natürlich Entschuldigung der AfD auf Dauer auch den Wind aus den Segeln nehmen.
- 31:19Also heißt das, ihr Befund ist, die Reformen, Klammer auf, das bisschen Reformen,
- 31:27Klammer zu, überfordern die Leute und man könnte ihre Geduld kaufen,
- 31:32wenn man das Geld, was in die Ukraine geht, wie gesagt, einen Teil könnten sie
- 31:36gar nicht dafür nehmen, aber meinetwegen den Teil mit den Flüchtlingen.
- 31:40Dafür aufwenden würde, die Reformen zu verzögern, zu verwässern,
- 31:44sag ich jetzt mal, zu verdünnen.
- 31:47Ist das wirklich eine Logik? Das sehe ich nicht. Die Reformen sind ja ein objektiver Zwang.
- 31:52Jetzt können Sie sagen, ja, aber man darf nicht so schnell machen.
- 31:55Also wir machen eine halbe Rentenreform und das andere Geld,
- 31:58was wir dann nicht einsparen können, beziehungsweise was wir weiter ausgeben
- 32:01müssen, um irgendwelchen Leuten, die gar keine Rente in dieser Form brauchen,
- 32:05sie trotzdem zu geben, bla bla bla.
- 32:07Das holen wir uns aus diesem Ukraine-Topf, der, wie Sie gesagt,
- 32:10zur Hälfte blockiert ist, da können Sie gar nicht reinfassen.
- 32:14Und wenn wir dann also eine halbe Rentenreform machen, dann machen wir wann
- 32:19genau die andere Hälfte.
- 32:20Okay, pass auf, das ist irgendwie echt Quatsch, das heißt, Sie meinen,
- 32:23also müssen Sie den Leuten da draußen, unseren Zuhörern erklären,
- 32:27dass es im Grunde auch scheißegal ist, ob man 70 Milliarden für was ausgibt
- 32:29oder nicht, weil das Geld ist irgendwie gar nicht real oder es ist doch real,
- 32:32aber es macht auch keinen Unterschied.
- 32:34Wenn man es hat, ist es egal, wenn man es nicht hat, muss man es aufnehmen,
- 32:37es ist eigentlich alles egal. 70 Milliarden sind für Herrn Blome einfach egal,
- 32:40spielt keine Rolle. Gut, es sind 70 Milliarden in mehr als vier Jahren,
- 32:44um das mal festzuhalten.
- 32:48Und natürlich ist es nicht egal, ob man 70 Milliarden in vier Jahren hat oder nicht hat.
- 32:53Die Frage ist nur, kann man es A, in größeren Teilen für etwas anderes nehmen?
- 32:59Antwort lautet nein. Dann hätte man es gar nicht aufnehmen dürfen.
- 33:02Dann hätte man es gar nicht in die Hand bekommen, wenn man es nicht für diesen
- 33:05einen militärischen Zweck ausgeben wollte. Okay, die andere Hälfte. Ja.
- 33:10Aber das hat ja einen Kostenfaktor. Also das Geld nicht auszugeben,
- 33:14hätte geheißen, keine Flüchtlinge aufnehmen, keine weiteren Flüchtlinge mehr
- 33:17aufnehmen, die Ukraine dazu zu zwingen, einen.
- 33:21Frieden anzunehmen, ganz egal wie er diktiert wird, und dann den Leuten zu sagen,
- 33:25ah, die Ukraine gehört jetzt Russland, aber jetzt geht ihr mal schön zurück,
- 33:28ihr lieben ukrainischen Flüchtlinge, denn wir drehen euch hier den Saft ab.
- 33:31Auch das wäre ja niemals gegangen. Es geht doch kein einziger ukrainischer Flüchtling
- 33:34zurück, wenn die Ukraine hinterher unter russischer Kontrolle steht.
- 33:37Ach Quatsch, davon ist doch gar keine Rede. Sie machen, das ist irgendwie doof.
- 33:41Normalerweise funktioniert das doch ganz gut, aber ich habe das Gefühl,
- 33:44bei dem Thema überblenden Sie mit Absicht.
- 33:45Niemand redet davon, dass die gesamte Ukraine unter russischer Kontrolle steht.
- 33:49Das wissen Sie auch ganz genau. Hier geht es vor allen Dingen um das Donbass
- 33:52und die Frage, ob da NATO-Truppen in dem Land stationiert sind.
- 33:54Warum, sie wollen das Thema mit Absicht so zuspitzen, dass irgendwie jede Art
- 33:59von Vernunft und klugen Argumente und Auseinandersetzungen einfach dabei über die Wupper geht.
- 34:04Gibt es ihnen nicht zu denken, dass für 27 der Ukraine 70 Milliarden Euro fehlen.
- 34:08Also einfach so, dass sie festgestellt haben, oh fuck, wir haben noch 70 Milliarden Loch.
- 34:12Gibt ihnen das nicht zu denken, das ist nur für 27. Das heißt,
- 34:15das ist ein Fass ohne Boden.
- 34:16Wir finanzieren ein gesamtes riesengroßes Land plus einen Krieg,
- 34:21den dieses Land gezwungenermaßen führt gegen einen Angreifer,
- 34:26der aber offensichtlich überhaupt kein Ende hat.
- 34:28Manchmal stellt sich dann gar nicht mehr die Frage, Blume, ob das eigentlich
- 34:30richtig oder falsch ist, sondern ob es möglich ist.
- 34:32Die Kosten steigen exorbitant. 70 Milliarden für 27. Einfach so.
- 34:37Hoppla. Oh, wussten wir nicht. Oh fuck, wo ist das Geld geblieben?
- 34:39Naja, vielleicht auch bei ein paar korrupten Freunden von Selenskyj,
- 34:43die jetzt drohen. Nein, es gibt keine Korruption.
- 34:45Sie wollen es polemisch machen. Es gibt in der Ukraine kein Korruptionsproblem.
- 34:49Das haben sie ja dann auch exklusiv. Nein, natürlich gibt es ein Korruptionsproblem in der Ukraine.
- 34:56Wahrscheinlich ein ziemlich großes sogar. Nur warum haben Sie es erwähnt?
- 35:02Weil ich glaube, dass die Idee, ein Land permanent quer zu subventionieren und
- 35:09einen Krieg dort zu subventionieren, das fördert Korruption.
- 35:13Das ist ein Korruptionsförderungsprogramm. Sind Sie auf die Idee mal gekommen?
- 35:16Ja, ich glaube auch. Gerade in den Gebieten, die Russland übernommen hat,
- 35:19ist überhaupt keine Korruption mehr. Das glaube ich auch.
- 35:23Ich gehe zurück jetzt mal zur Vernunft. Die Frage ist gar nicht mehr,
- 35:25ob wir das richtig oder falsch finden, sondern ob es möglich ist,
- 35:28das so weiterzumachen. Das ist die Frage.
- 35:31Das, lieber Kollege Augstein, kann ich Ihnen natürlich auch nicht in aller Klarheit
- 35:34und Gewissheit sagen bzw. prognostizieren, aber verweise Sie auf folgenden Punkt.
- 35:39Als die USA aus der Finanzierung unter Donald Trump zweiter Amtszeit mehr oder
- 35:44minder komplett ausgestiegen sind und sagten, ja Waffen kriegt ihr noch,
- 35:46aber ihr müsst sie dann auch bezahlen. Wir liefern hier nichts mehr frei Haus,
- 35:50beziehungsweise auf unsere eigenen amerikanischen Kosten.
- 35:53Als Donald Trump das sagte, dachte ich, dachten glaube ich ganz viele,
- 35:57so jetzt gehen die Lichter in der Ukraine wirklich aus. Das können die nicht
- 35:59mehr lange durchhalten, denn die Europäer können das nicht ersetzen.
- 36:04Die Europäer können nicht einsteigen da in die Lücke, die die Amerikaner hinterlassen,
- 36:10mit ihrer Unterstützung.
- 36:14Weil es einfach zu viel ist, es ist zu groß. Ergebnis, doch sie konnten es.
- 36:17In einer gemeinsamen Anstrengung übrigens mit der Ukraine, die jetzt eigene
- 36:21Waffen produziert, die sie nicht mehr auf Pump geschenkt, geliehen, von außen holen muss,
- 36:29ist es geglückt, die Amerikaner zu ersetzen, sag ich mal.
- 36:33In bestimmten anderen Punkten kann man sie nicht ersetzen, aber das Finanzielle,
- 36:35das ist offenkundig geglückt, ja.
- 36:37Und das lässt mich glauben, auch dieses Problem wäre zu lösen.
- 36:40Und im Übrigen fand ich es schon sehr interessant zu gucken,
- 36:45dass der Bundeskanzler ja, auf seiner Reise nach Kiew,
- 36:51glaube ich, noch einmal eine Milliarde Euro Militärhilfe zugesagt hat und dann
- 36:54aber auch schon die drei, vier, fünf, sechs, sieben Unternehmenschefs mitgebracht
- 36:57hatte im Gepäck, bei denen die Ukraine das bitte einkaufen soll.
- 37:01Und das waren natürlich deutsche Unternehmen.
- 37:04Also hier ist das Geld und hier sind die Leute, wo ihr es ausgeben dürft.
- 37:09Gut, das ist natürlich, da bin ich jetzt dann auf einem anderen Level.
- 37:12Das ekelt mich natürlich an, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, dass wir jetzt.
- 37:18Dann das als Fortschritt empfinden, wenn wir diesen Krieg zum Wirtschaftsfaktor
- 37:21machen und uns darüber freuen, dass VW-Arbeiter keine Golfs mehr zusammenschrauben,
- 37:25sondern irgendwelche Drohnen und deshalb Fabriken nicht geschlossen werden müssen.
- 37:29Das bedeutet sozusagen also die Umstellung auch unserer Wirtschaft nicht vollständig,
- 37:34nicht wie die Russen auf Kriegswirtschaft, aber sagen wir mal den Anteil der
- 37:38Kriegswirtschaft und den Anteil der volkswirtschaftlichen Bedeutung von Militär-
- 37:41und Rüstungsproduktion zu erhöhen und auch diesen Krieg in der Ukraine zum Teil
- 37:46des deutschen Wirtschaftskreises aufzumachen,
- 37:48ich muss sagen, das ekelt mich wirklich an.
- 37:50Aber das ist, Entschuldigung, das ist mein persönliches Problem,
- 37:53das ist kein analytisches Urteil, sondern im Prinzip ein emotionales.
- 37:57Analytisch würde ich dazu sagen, wenn sie glauben, dass Europa es sich leisten
- 38:02kann, jedes Jahr solche Überraschungen zu erleben, so oh, da fehlen nochmal
- 38:0770 Milliarden, die auf die 45, die wir schon zugesagt haben, hinaufkommen.
- 38:11Ja, weil das sind also 115 Milliarden Euro, die die Europäer den Ukrainern zahlen
- 38:15in 27 Milliarden. Naja, sie verdrehen die Augen. Ich finde es so lustig.
- 38:18Also ist Geld für sie eben doch virtuell? Im Wahrheit spielt es keine Rolle.
- 38:21Wenn sie glauben, dass wir das jedes Jahr weiterhin finanzieren können,
- 38:2427, 28, 29, 30, dann, Entschuldigung, ich weiß, ihre Frau hat gesagt,
- 38:29ich soll es nicht sagen, aber dann spinnen sie wirklich. Ja, Augstein.
- 38:33Ich weiß nicht, wie das kommende Jahr wird in der Ukraine. Vielleicht fährt
- 38:38ja doch noch ein kleines bisschen Vernunft in das Gehirn von Wladimir Putin und er hört auf.
- 38:44Die Ukraine mit immer mehr rein auf zivilen Ziele ausgerichteten Raketen und Drohnen zu überziehen.
- 38:53Entdeckt er, dass nach viereinhalb Jahren Krieg es vielleicht jetzt auch mal
- 38:57gut wäre, auch aus russischer Sicht zu sagen, das funktioniert so nicht,
- 39:00wie wir das vorhatten, wir versuchen das irgendwie anders oder beim nächsten
- 39:03Mal, aber jetzt lassen wir es erstmal sein.
- 39:05Insofern finde ich, muss man da, wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt
- 39:09hätte, auf Sicht fahren, aber ich möchte ihren Blick dennoch nochmal in die
- 39:13Vergangenheit richten.
- 39:15Denn das, was die Ukraine da für uns leistet, nämlich eine Art Verteidigung,
- 39:20eine Art Zeitkaufen für den Wiederaufbau einer Verteidigungsfähigkeit in Deutschland, der Bundeswehr,
- 39:29der Infrastruktur etc. etc.
- 39:35Was da jetzt investiert wird, haben wir als Friedensdividende in 30 Jahren,
- 39:4025 Jahren schon einmal kassiert.
- 39:42Wir haben die Bundeswehr klein gespart, wir haben wenig in die zivile,
- 39:47militärische Infrastruktur investiert, also in den Zivilschutz oder aber eben
- 39:52in eine Resilienz von kritischer Infrastruktur.
- 39:55Das alles haben wir nicht gemacht. Wir haben die Friedensdividende kassiert
- 39:58nach dem Ende des Kalten Krieges, nach dem Fall der Mauer und sie in tausend
- 40:02andere Dinge investierten. Ob das klug war oder nicht klug war,
- 40:05sei mal dahingestellt. Aber so war es.
- 40:07Und jetzt müssen wir dieses Geld eben doch wiederholen und neu investieren.
- 40:13Wir hätten es besser nicht als Friedensdividende eingestrichen und woanders hingesteckt.
- 40:18Blume, ich glaube, Sie sind dann Opfer Ihrer Metapher geworden.
- 40:21Die Friedensdividende ist nichts, was irgendwie so ausbezahlt wurde und was
- 40:24man jetzt irgendwie so wieder zurückzahlen muss. Keine Ahnung,
- 40:28wir sind hier nicht bei Monopoly. Die irgendwie so, ja gehe nicht über los,
- 40:31ziehe keine Friedensdividende ein.
- 40:33Sondern das waren Kosten, die man nicht ausgegeben hat für Militär und diesen
- 40:40ganzen Unsinn. Sondern das war Geld, was man in andere Zwecke reinstecken konnte.
- 40:44Das war keine Friedensdividende. Das war einfach Geld, was man irgendwie sinnvoll investiert hat.
- 40:48Und was Sie sagen ist, dass diese Zeit jetzt vorbei ist und man jetzt das ganze
- 40:52Kohle wieder für Militär ausgeben muss.
- 40:54Und das Perverse ist ja daran, die Ukrainer sind im Prinzip unsere,
- 40:59wie nennt man diese, unsere Söldner, unsere Heloten oder so.
- 41:02Wir bezahlen nicht nur ihre Waffen, wir bezahlen nicht nur, dass sie kämpfen,
- 41:05wir bezahlen jetzt auch ihren Haushalt.
- 41:07Das heißt, wir bezahlen die Ukrainer fürs Kämpfen. Das ist alles so pervers
- 41:11und freuen uns noch dann darüber, wenn sie bei den Deutschen die Drohnen kaufen.
- 41:14Wenn das unsere Gegenwart ist, ist unsere Gegenwart echt eine Perversion. Sorry.
- 41:20Augstein. Bam. Sie sind eine Riesensache auf der Spur.
- 41:25Wladimir Putin, Donald Trump, die Chinesen.
- 41:30Die ganzen Diktatoren, die ganzen Halbdiktatoren. Wir leben in einer perversen
- 41:35Welt. Und Sie auch. Sie sind auch Teil der großen Unterdrückungsmaschine.
- 41:38Ich habe jetzt keine Lust mehr. Ich gehe zu Hause. Tschüss, Augstein. Bis nächste Woche.