Latest / Border Allein – Selbstführung für emotional intensive Menschen / Border Allein trifft... "Anja" Teil 2
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- 0:00Und das hat mir so die Beine unterm Boden weg und den Boden
- 0:03unter den Beinen weggezogen, dass ich wirklich eine Woche
- 0:06lang nur geweint habe. Glaubst du, du hast dir selber
- 0:09Lebensjahre geklaut? Ja.
- 0:11Nicht nur auf dein Ableben bezogen, sondern generell.
- 0:14Ja, weil ich habe ja, ich habe ja viele Dinge verpasst, die du
- 0:18mit 20 so machst. Border allein der Podcast für
- 0:22psychisch Erkrankte und deren Angehörige, kommt mit in eine
- 0:26Welt, die du vielleicht nicht kennst oder viel zu gut kennst
- 0:29kennst. Komm mit in meine Welt und lass
- 0:32dich leisten. Dein Mann sitzt, ich warte und
- 0:41warte und warte und warte. Ja, sitzt ihr auf dem festen
- 0:45Stuhl? Hast du einen?
- 0:46Festen Stuhl dran. Ihr merkt schon, ihr merkt
- 0:50schon, ich hab dieselbe Olle wie letzte Woche wieder hier zum
- 0:53Teil 2. Das geile ist für alle die uns
- 0:56sehen, wir haben auch dasselbe an wie letzte Woche.
- 1:01Die Sachen liegen noch so wie letzte Woche.
- 1:03Ich hab nichts weggeräumt, ich hab drumherum Staub gewischt,
- 1:06damit sich hier auch dein Handy nicht.
- 1:08Kaufen? Ja, ich sitze, ich sitze quasi
- 1:10schon seit einer Woche hier und warte.
- 1:12Ach, du bist, dass sie hier Nacht schnarcht.
- 1:15Oh Gott, das gewusst. Die letzte Nacht wach geworden
- 1:18ne und ich hab gedacht Boah jetzt ne Frau, da sitzt du hier
- 1:20am Stuhl, Spaß, Spaß ihr lieben. Teil 2 von Borderline wie nennen
- 1:29wir die Folge eigentlich? Borderline trifft Nee, weiß ich
- 1:34nicht trifft. Nee, von mir aus.
- 1:36Und das? Nein, nein, nein, nein, nein,
- 1:38nein, das ist eine, ich will nichts abwertendes haben,
- 1:43Ehemalige sucht nee, Borderline trifft sucht.
- 1:47Ja, das hört sich schon gut an. Das ist ja.
- 1:48Ich würde nie. Also Borderline trifft Junkie
- 1:50oder so was finde ich. Sucht bleibt, ja, die geht ja
- 1:53nicht weg, die geht ja nie weg. Die ist immer da, ja.
- 1:58Ja, so schönen guten Tag. Ach guck mal, sie wird warm.
- 2:04Wir haben ja noch dieselben kippen wie letzte Woche.
- 2:06Ist das? Aber meine sind fast.
- 2:08Leer. Leider liegen ja welche, aber
- 2:10meine darfst du nicht, aber. Die liegen da.
- 2:15Ach ja. So.
- 2:16Wird kein Spaß, muss sein. Echt?
- 2:19Nee. So, wir hatten ja jetzt letzte
- 2:22Woche, hatten wir damals. Muss mich noch mal reinfuchsen,
- 2:26da haben wir über den Wendepunkt gesprochen und dann tut sich
- 2:31natürlich sofort die Frage auf, wie war eigentlich dann der
- 2:33Prozess, der da stattgefunden hat.
- 2:35Also du hast gesagt, so, hier ist jetzt Schluss.
- 2:39Ich will das nicht mehr. Ich.
- 2:40Will das nicht mehr, aber dann, dann hast du ja quasi ja den
- 2:45Highway to hell, also den langen langen Weg erstmal.
- 2:50Aus der Sucht kann man ja gar nicht sagen.
- 2:51Sag mal mit der Umgang oder mit der Sucht umzugehen.
- 2:54Ja, mein Vorteil war ja, dass ich mich zum damaligen Zeitpunkt
- 2:57ja in Therapie befunden habe. Also die Idee kam mir nicht zu
- 3:01Hause so, jetzt hör ich einfach mal auf damit, ich hab da jetzt
- 3:03keinen Bock mehr drauf, nee. Aber kann auch passieren.
- 3:06So ich also es war sehr sehr schwer, weil ich ja anfangen.
- 3:12Musste hast du eigentlich die ganze Zeit gesehen?
- 3:14Ich. War zwischen den Zähnen.
- 3:15Nein, ich hab auch nicht drauf. Geachtet Alter, das war das war
- 3:17das Waren Hundeknochen. Leckerli.
- 3:21So ne Hackpuuh. Ich.
- 3:25Will auch mal was sagen, Max. Nein, gar nicht.
- 3:31Ich musste mich ja das Schlimmste für mich war ja, dass
- 3:33ich mich mit mir selber auseinandersetzen musste und da
- 3:36unter anderem habe ich dann deswegen Drogen genommen, damit
- 3:39ich das Licht muss, damit ich nichts zu.
- 3:41Fühlen mag. Das war ja das was du, was du
- 3:42letzte Woche eingangs erzählt hast, quasi.
- 3:45Dass du ja quasi Drogen genommen hast, um dich nicht mehr zu
- 3:48spüren. Also nicht mehr du selbst zu
- 3:50sein quasi. Wieso ne wie ne andere
- 3:52Persönlichkeit, ich? Wollte nicht mehr dieses.
- 3:53Schizophren. Ich wollte nicht mehr dieses
- 3:55dauerhafte, dieses, diese Lehre in meinem Leben, diese Lücke,
- 4:03die da war und ich nicht weiß. Also ich weiß, wie ich die
- 4:10wegbekommen hätte, ich hab mich ja schon immer mein ganzes Leben
- 4:13lang nach. Nach einem Familienleben
- 4:16gesehen, so nach einer beständigen Beziehung.
- 4:20Meine Kinder mal abgesehen davon, ne, aber nach was was
- 4:24Beständigkeit hat, wo ich nach Hause komm, wo sich jemand freut
- 4:27mich zu sehen und nicht wo ich weiß aber in 33 Monaten.
- 4:31Ist das schon wieder vorbei? Und das hat ja auch damals.
- 4:33Aber dein Freund freut sich doch nicht, wenn du nach Hause kommst
- 4:36oder jetzt mal im Ernst, Martin Martin Martin, Du freust dich
- 4:42nicht oder? Schöne Grüße übrigens
- 4:43Unbekannterweise mein Bester. Ja, sollte ich dir übrigens
- 4:46heute auch bestellen, habe ich ganz vergessen.
- 4:47Danke, Martin. So, und das hatte ich ja nie,
- 4:52also meine Beziehungen waren ja immer sehr, sehr kurz, aber
- 4:55ständig nacheinander. Ich war nie für mich alleine,
- 4:58deswegen hab ich mich auch nie mit mir selber
- 5:00auseinandergesetzt. Und ich?
- 5:01Hatte das ich hatte das auch. Ich hatte immer nach einer Nacht
- 5:03das das den Gedanken man hat sich auseinander gelebt weißt
- 5:07du. Und für mich war das immer ganz
- 5:08schlimm, so schlimm, so lange, sobald ich gemerkt hab, jetzt
- 5:10kommt Alltag. Für mich war Alltag wie was
- 5:12tödliches. Als hört dann die Beziehung auf.
- 5:15Inwiefern beziehungstechnischer Alltag?
- 5:17Ja, genau, weil ich ich war. Ich hatte immer Panik vor diesem
- 5:21monotonen, dass das irgendwann sich nicht mehr so anfühlt wie
- 5:24am Anfang mit Schmetterlingen im Bauch, und ich wollte immer an
- 5:27diesem Gefühl, an diesem ständigen Gefühl wollte ich
- 5:30festhalten, und wenn ich gemerkt hab, das geht weg.
- 5:33Dann war ich nicht mehr voll. Dann war ich nicht mehr
- 5:36komplett. Dann hat sich diese Lücke wieder
- 5:38aufgetan, wo ich dachte, nee, da fehlt jetzt wieder.
- 5:40Oder damit ich jetzt nicht den Faden verliere, war das immer so
- 5:43oder war das dann quasi als du entschieden hast?
- 5:46So, ich will nicht mehr, ich will keine Drogen mehr nehmen.
- 5:49Nee, das war schon davor. Schon davor okay ja, aber die
- 5:56Frage war eine ganz andere Lücke.
- 5:58Ich. Habe ja in der Therapie dann
- 5:59gelernt, mich mit mir auseinandersetzen zu müssen, ja.
- 6:03Was auch sehr schmerzhaft war und ich sehr viele Tränen
- 6:06vergossen habe. Und ich weiß noch, wie meine
- 6:09Therapeutin damals. Zu entschuldigen, ganz kurz,
- 6:11ganz kurz. Ich war eben kurz bei dem
- 6:12Gedanken, bevor ich meinen vergesse.
- 6:14So und jetzt haben wir die Schnittmenge wieder zu uns, zu
- 6:17uns psychisch erkranken sag ich jetzt einfach mal ohne das jetzt
- 6:20blöd zu meinen, auch wir sind ständig in irgendwelchen
- 6:22Therapien, in Therapieformen, in Coachings was weiß ich und da
- 6:26sprechen wir wieder eine Sprache, jetzt haben wir wieder
- 6:27so den Bogen geschlagen, wo wir wieder die Gemeinsamkeit haben,
- 6:30ne. Ich find, das ist auch wichtig.
- 6:31Ja, ist es auch. Also man.
- 6:33Man sollte sich, auch wenn man noch so krank ist und am
- 6:37konsumieren ist, bin ich der Meinung, man sollte sich Hilfe
- 6:39holen, wenn man niemanden zum Reden hat.
- 6:41Geh zur Drogenberatungsstelle hast du.
- 6:43Das denn mit, wenn du Drogen nimmst, dass du Hilfe brauchst.
- 6:46Doch also ich für mich, ich kann ja nur für mich sprechen.
- 6:50Ich habe es mitbekommen. Du kennst ja viele andere aus
- 6:52den Kreisen. Kriegen die das auch mit?
- 6:54Ich glaube schon. Ich denke, viele blenden es
- 6:57einfach nur aus. Oder ist das dann am
- 6:59schlimmsten, wenn ich sag mal runterkommen, dass du sagst so
- 7:01ich brauche Hilfe? Und wenn du aber auf dem
- 7:03Höhenflug bist, dass du sagst, ist doch alles cool.
- 7:06Ja, meistens ist es dann, wenn es beschissen läuft, ne am
- 7:09intensivsten so, das ist ja auch deswegen ist sucht auch so
- 7:17gefährlich, weil wenn du in deinem Leben keine Balance
- 7:20hältst. Gerade bei ich sag immer hart
- 7:22drogenabhängigen, obwohl Drogen Drogen sind, ist es sehr sehr
- 7:28schwierig die Balance zu halten, weil wenn es dir zu schlecht
- 7:31geht, dann. Kann das der Auslöser für einen
- 7:33Rückfall sein? Und wenn es dir zu gut geht und
- 7:36alles bei dir glatt läuft, kann auch das ein Auslöser für einen
- 7:39Rückfall sein und es ist nun mal auch wissenschaftlich
- 7:42nachgewiesen, dass wenn ein Rückfall kommt durch bei Leuten,
- 7:48die mit harten Suchtmitteln erkrankt sind, dass der Rückfall
- 7:51exzessiver ist, wie das Mal das. Heißt, dann bist du quasi
- 7:55doppelt gefährdet, ja. Das heißt, wenn du sagst, du
- 7:59musst die Balance im Leben finden, heißt das tatsächlich
- 8:03heißt das auch, ich darf nicht zu glücklich sein.
- 8:05Du darfst glücklich sein. Natürlich darfst du glücklich
- 8:07sein, du darfst nur keine Höhenflüge dabei haben.
- 8:10Also natürlich hat mal jemand jeder so einen euphorischen
- 8:13Punkt, wo du dich über irgendwas so immens gut freust, dass das
- 8:17auch eine Woche anhält, das Gefühl wichtig ist nur, dich in
- 8:20diesem Gefühl nicht zu verlieren.
- 8:22Das ist ja grundsätzlich gut, aber das sieht man ja meistens
- 8:24im Negativbereich, dass man sagt, ja, wenn es mir scheiße
- 8:28geht, dass ich dann nicht auf die Sachen zurückgreife, wie du
- 8:31vorhin sagtest. Ich hatte eine Lehre in meinem
- 8:32Leben und so weiter, dass man dann nicht zurückgreift auf
- 8:35Drogen oder auf andere Sachen, das aber, wenn man glücklich
- 8:40ist, dann geht man ja eigentlich nicht davon aus, dass man
- 8:42gefährdet ist. Ja, aber wenn es zu gut läuft
- 8:44und du dieses Gefühl bekommst und jetzt läuft alles gut.
- 8:48Ich habe alles im Griff, mir kann nichts mehr passieren.
- 8:51Also wenn du dich zu sicher. Fühlst, und das ist mir ja nach
- 8:536 Jahren clean passiert, ich war ja von allem weg, ich war
- 8:57Institution und und und. Und ich war auch weg.
- 9:00Ja, ich war ganz normal okay bin auch wieder normal arbeiten
- 9:04gegangen, habe 6 private Haushalte noch nebenbei geputzt.
- 9:07Ne, also ich bin mehr arbeiten gegangen wie ich Freizeit hatte,
- 9:13aber ich war damit glücklich und mich hat das ausgelastet.
- 9:15Ich habe meine innere Balance dadurch.
- 9:18Halten können, weil ich auch schon immer ein sehr quirliger
- 9:22Mensch war, der was zu tun brauchte.
- 9:24Also ich konnte noch nie still irgendwie rumsitzen, ne, und da
- 9:29hatte ich diese Jahre lief es gut und 6 Jahre ist ja schon ne
- 9:34lange Zeit ne und irgendwann betrifft es dich auch nicht mehr
- 9:38so sehr, weil es ja immer weiter weg rückt.
- 9:41Das was du alles durchlebt hast, der ganze Schmerz, das ganze
- 9:44Leid was damit in. Vergessenheit.
- 9:46Geht in Vergessenheit. Und.
- 9:50Das ist Podcast da schilz, da schilz.
- 9:54Du bist ruhig, ich kann mich selber verteidigen,
- 10:09so polararbeitsplattfolie ist da.
- 10:12Supi, du. Denkst ich schreit da draus, ne.
- 10:15Ne, lass das ruhig drinne das. Ist das ist leben.
- 10:18Genau mittendrin statt nur dabei.
- 10:20Richtig. Auf jeden Fall Moment.
- 10:25Konzentrieren Sie sich also das Gerät alles in Vergessenheit
- 10:28quasi. Genau und das da und auch die
- 10:33Gefahren und auch der Ganze wie gesagt der ganze Schmerz in
- 10:35Entzug, den alles was du durchlebt hast geht irgendwann
- 10:38weg. Also es geht nicht weg, es rückt
- 10:40ganz weit nach hinten, so dass du es irgendwann gar nicht mehr
- 10:42wahrnimmst. Weil.
- 10:44Du, weil es dir zu gut geht. Dir ging es jetzt so, du hast
- 10:47alles geschafft, deine Kinder wieder bei dir hast du noch
- 10:50alles geschafft. In kürzester Zeit nach der
- 10:53Therapie einen Job zu finden, alles läuft gut.
- 10:56Du hast eine schöne Wohnung, mit der du zufrieden bist und dann
- 11:01ist es wichtig, finde ich, dass du zwischendurch mal über deine
- 11:05Vergangenheit nachdenken solltest, dich damit
- 11:07auseinanderzusetzen und wenn es nur Bruchteile sind, weil mir in
- 11:12dieser in dieser Phase passiert ist.
- 11:14Nach sechseinhalb Jahren der abstinent von allem.
- 11:18Rückfällig zu sein. Und dann habe ich diesen
- 11:20Irrglauben gehabt, einmal nur ein einziges Mal.
- 11:25Mir passiert nichts und ich habe ein einziges Mal Kokain
- 11:29konsumiert, aber diesmal in Form von Rauchen, weil ich früher
- 11:33dann auch 2019 mitspritzen komplett aufgehört hab und.
- 11:39Ich habe direkt gemerkt, wie mein wie mein Kopf angesprungen
- 11:42ist und mein Kopf gesagt hat, da ist es wieder.
- 11:44Ja, natürlich, weil das Hirn vergisst.
- 11:45Nichts. Da ist es wieder und das willst
- 11:47du jetzt wieder haben und dann ging es schon nach dem ersten
- 11:49Mal mir beim nach Hause fahren. Es war nicht bei mir.
- 11:52Zu Hause ging es mir so schlecht.
- 11:55Dass ich dieses Gefühl, ich will mehr, ich will mehr, ich will
- 11:59und das schlimme ist, es dauert bis zu 2 Stunden, bis das
- 12:02weggeht. Also hast du das Suchzentrum war
- 12:05quasi wieder angesprochen. Hast du wieder angekurbelt?
- 12:07Und extremer vorher ging, das konnte ich das schon mal
- 12:11schneller zur Seite schieben, aber da hatte ich dieses Gefühl,
- 12:14wieso dauert das so lange, wieso dauert das so lange und mein
- 12:16Kopf, ich war kurz vorm Durchgehen wirklich.
- 12:19Und dann bin ich erst jedes Wochenende zu diesen Personen
- 12:21hingefahren und habe nur wochenendkonsum Konsum betrieben
- 12:24und habe deswegen geraten. Ich habe alles im Griff, aber
- 12:26mein Wochenende und Ende Konsum ging direkt bis in die Decke und
- 12:30dann das war ein Pärchen wo ich da war und der Mann ist dann
- 12:36eine Woche weg auf dem Festival und ich war mit ihr alleine und
- 12:42dann ging das los eine Woche nonstop von morgens bis abends.
- 12:50Und auch in nicht gesunden Mengen.
- 12:54Ich bin abends total wirrisch, bin ich nach Hause gefahren,
- 12:56musste dann noch dazu dazu darauf achten, dass es zu Hause
- 12:59nicht auffällt, weil keiner wusste, dass ich rückfällig
- 13:02geworden bin. Du bist in der Zeit ja auch noch
- 13:05arbeiten gegangen. Ne, ja.
- 13:06Ich musste gucken, dass das mit meinem Job alles läuft, obwohl
- 13:08du das mit der Woche da war. Da bin ich nach der Arbeit immer
- 13:11dann dahin, so also bin vorher, aber meine Arbeit hat auch stark
- 13:14nachgelassen, weil ich die ganze Zeit nur noch Konsum im Kopf
- 13:17hatte, Konsum, Konsum, Konsum. Und auch während der Arbeit.
- 13:19Da auch während der Arbeit, also es war sehr gut, nein, das
- 13:22nicht, also noch nie ne, da hatte ich immer zu viel Angst,
- 13:25dass. Nee, das wollte ich nicht.
- 13:28Da hatte ich immer zu viel Angst und auch zu viel Respekt meinem
- 13:30Arbeitgeber gegenüber. So was spricht sich auch um, ne
- 13:35brauchen wir gar nicht überreden, deswegen habe ich
- 13:37meine ganzen Nebenjobs damals verloren nach meinem Hauptjob,
- 13:39weil man mich dann öfter mal in Oberbarmen gesehen hat, ne weil
- 13:44die mit dem Auto an mir vorbei und so jemanden möchtest du
- 13:47einfach nicht bei dir zu Hause haben, ist so dem gibst du einen
- 13:49Schlüssel von deinem Haus, von deiner Wohnung und.
- 13:52Und dann bekommst du als normale Angst das, weil das Klischee
- 13:57denken bringt, einfach mit sich klauen.
- 14:00Dreckig. Bis hinzu Einbruchdiebstählen,
- 14:04du weißt es stehlen, du weißt es nicht.
- 14:07Ja, richtig, richtig. Aber ich meine, wenn man jetzt
- 14:10den ersten Teil von unserem von unserem Podcast jetzt mal sieht,
- 14:12dann ist es nicht unberechtigt, weil halt viel
- 14:14beschaffenskriminalität. Ja, auch bei der Stadt.
- 14:16Richtig ist, und ich glaube, zu der Zeit hättest du dann auch
- 14:19dich woanders dann noch bedient, oder?
- 14:20Nein, irgendwann nein, nein, nein, ich habe.
- 14:23Moral dann größer. Als ja, also in meinem Fall war
- 14:25das schon immer so richtig, ich habe noch nie Freunde und
- 14:27Familie beklaut, egal wie schlecht es mir ging, ich habe
- 14:30bei jemandem, bei einem Pärchen gewohnt in einer.
- 14:33Zeit, wo ich mich nicht nach Hause getraut habe.
- 14:36Der Mann hat gedealt und ich wusste immer, wo sein Stoff ist.
- 14:42Ich wusste auch, wo sein ganzes Geld ist.
- 14:44Da haben die ja nie, weil ich sie war, meine beste Freundin
- 14:47und niemals hätten die, hätten, die sich Sorgen machen müssen,
- 14:51mich damit alleine zu lassen. Ich saß, ich habe mich lieber
- 14:54morgens ab 05:00 Uhr endzügig auf die Couch gesetzt und habe
- 14:57bis mittags gewartet bis er aufsteht, als auch nur eine
- 15:00Sekunde dran zu denken. An seinen Stoff zu gehen und mir
- 15:04was zu nehmen. Und wenn das noch die kleinste
- 15:06Menge gewesen, weil ich Angst gehabt hätte, es fällt auf und
- 15:11dann ist vertrauen Weg und Freundschaft braucht man gar
- 15:14nicht mehr drüber reden, ne. Aspekt, weil da unterscheidest
- 15:16du dich ja doch ungefähr von 95% der anderen Abhängigen.
- 15:20Ich habe ja auch selber gesagt, du bist ja selber komplett leer.
- 15:22Ich habe Leute auf der Platte schon mal abgezogen, ne so, ich
- 15:25glaube es ist zweimal vorgekommen, dass ich anstatt
- 15:28laufmittel verkauft habe. Zweimal vorgekommen.
- 15:32Das heißt? Das ist Streckmittel für Heroin,
- 15:34ja. Gut so.
- 15:36Die Leute, die das nicht. Wissen ja, und das ist zweimal
- 15:39vorgekommen. Wobei es einmal zurück
- 15:42tatsächlich nur ein Versehen war, aber ich habe mich
- 15:44anschließend auch immer wieder dafür gerade gemacht, also
- 15:46sobald ich dann was hatte, habe ich das dann mit meinem Stoff
- 15:49dann wieder abzahlt, also quasi zurückzahlt ne, aber.
- 15:56Aber sonst hätte mich jeder bei sich zu Hause lassen können.
- 15:58Ich hätte dich niemals gewagt, von irgendjemand anderem etwas
- 16:00zu nehmen, da hätte ich mir vor die Hände abgehackt.
- 16:05Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass die Gesellschaft
- 16:07dich einfach ausgestoßen hat für das, was du zu der Zeit
- 16:11dargestellt hast? Verstehst du?
- 16:16Ich glaube, ich glaube schon. So dass du, dass du, dass du
- 16:21einfach vorverurteilt worden bist, stigmatisiert worden bist.
- 16:24So, das ist ein Junkie. Also es ist ja Gott sei Dank so,
- 16:27dass man es mir nicht ansieht und das war auch in der ganzen
- 16:30Zeit, wo ich drauf war, immer so, weil ich immer sehr viel
- 16:32Wert auf mein Äußeres gelegt habe.
- 16:34Umso umso ordentlicher ich nach außen war, umso kaputter war ich
- 16:39nach innen und weil ich auch nie wollte, dass man mir das
- 16:43ansieht, weil viele Leute, mit denen ich zu tun hatte, wussten
- 16:46das einfach nicht und ich muss ja so ein Doppelleben auch zu
- 16:49Hause führen, ich habe ja. Viele Monate ein Doppelleben zu
- 16:54Hause geführt, wo ich hochgradig schon rückfällig war und aber
- 16:56bei mir zu Hause keiner wissen durfte.
- 16:58Sie haben es geahnt, aber halt nicht gesehen, das einzige.
- 17:01Zu Hause meinst du Familie, deine normale, also nicht
- 17:04Freund, Partner oder so, sondern Familie.
- 17:06Nein, mein Partner, meinen damaligen Partner und die Kinder
- 17:09so. Und das einzige, wo man das Land
- 17:11festgemacht hat, ist, weil ich halt stetig immer mehr
- 17:13abgenommen habe und ja ich halt hinterher aussah, nur noch wie
- 17:17ein tapezierter Knochen. Ich habe in Hochzeiten nur noch
- 17:2046 Kilo gewogen und gesund gesund ist.
- 17:23Ist das auf keinen Fall. Mir hat das Gefallen, aber ich
- 17:26habe das auch nicht so skeptisch gesehen.
- 17:28Ich fand mich schlank, schon immer hübscher und mir war das
- 17:33auch immer sehr wichtig. Dann war das ja quasi ein
- 17:35angenehmer Nebeneffekt, ne? Ja, aber es war ein ungesunder
- 17:38Nebeneffekt, weil ich ja weit über Reserven drüber
- 17:40hinweggegangen bin. Aber.
- 17:41Angenommen, jetzt war der Fall immer angenommen.
- 17:43Du sagst du siehst, du siehst ja jetzt gesund aus, also für die
- 17:47die Jungs sehen, also du bist ja verpixelt.
- 17:50Ist egal, aber angenommen ist dann nur mal jetzt den Gedanken
- 17:53gedacht, du würdest jetzt eine Diät machen, ne, ja kämst du
- 17:57dann in erster Linie auf den auf den Gedanken was darüber zu
- 18:01machen oder nein, kriegst du das nicht in Verbindung?
- 18:03Miteinander? Nein, das kriege ich nicht, weil
- 18:05ich auch eine Zeit lang zu Hause Kraftsport gemacht habe, in der
- 18:07Zeit, wo ich clean war und mich mit Ernährung.
- 18:11Umstellung und gesunder Ernährung stark
- 18:13auseinandergesetzt hab und ich weiß wie man was essen muss und
- 18:16dass man. Aber du vergisst das nicht.
- 18:18Nein, OK, das ist ist ja ein Irrglaube, so viel wie ich mit
- 18:21Drogen abnehmen kann, kann ich mit keiner Diät auf dieser Welt
- 18:24abnehmen. Ja, genau, das ist ja, das ist
- 18:26ja das Problem, dass man dann eher sagt, Guck mal, wie viele
- 18:29Leute greifen auf auf. Sagen wir mal legale oder
- 18:33illegale Mittel zurück, um abzunehmen.
- 18:35Ja, ich. Finde Leute lassen sich den
- 18:36Magen verbringen. Dies das jenes jetzt gibt es aus
- 18:39Amerika den neuen Hype da mit dem Zeug.
- 18:41Ich weiß jetzt nicht mehr wie es heißt so egal wo die
- 18:43Schauspieler mit abnehmen. Ja, die sind alle bekloppt.
- 18:47Ja, natürlich ist das natürlich ist das Wahnsinn so, aber was du
- 18:51gerade sagtest, es geht damit schneller, als wenn du jetzt die
- 18:54Ernährung umstellst, ja. Ja, aber das Problem ist, es
- 18:58bleibt ja nicht dabei, weil sobald du nicht mehr
- 19:00konsumierst, nimmst du auch rasend.
- 19:02Und schnell wieder gehen. Weil du anders auch
- 19:03verstoffwechselst. Richtig.
- 19:05Und weil du auch wieder richtig isst.
- 19:07Ich habe ja wirklich in meiner, in meinem Extreme.
- 19:11Karriere sagen. Drogenkarriere in meinem
- 19:13extremsten hoch, meiner Drogenkarriere, habe ich mich
- 19:16von 5 Tüten Haribo am Tag ernährt.
- 19:19Das würde mir reichen. Von 5 Tüten naribo, weil ich
- 19:22diesen Zucker halt brauchte. Ich brauchte diesen Zucker für
- 19:25meinen ganzen Energieausweis. Ich kenne das ja, wenn ich dann
- 19:28irgendwann mal von von irgendwas runtergekommen bin, dann habe
- 19:30ich ja gefressen wie ein Tier. Das habe ich auch bis zum
- 19:33Brechen und dann wieder von vorne.
- 19:35Angefangen? Ja genau, genau, krass krass.
- 19:40Aber wegen diesem, was du gerade gesagt hast, gesellschaftlich
- 19:43bin ich schonend bei. Leuten, wo man also, die das
- 19:47nicht von mir wussten, wo ich es aber sagen musste, wie zum
- 19:50Beispiel ne Operation beim Arzt, hast du das?
- 19:54Gefühl, du wirst dann anders behandelt.
- 19:56Ja, sofort. Ich auch von.
- 19:57Von Ärzten, oder? Helferinnen.
- 19:59Oder Krankenschwestern. Ich.
- 20:00Musste nen Narkosezettel ausfüllen für ne Operation am
- 20:03Daumen und wurde mit 2 Milligramm subutex hab ich mich
- 20:06selber substituiert, musste das natürlich angeben wegen der
- 20:11Narkose. Die sprichst du nicht.
- 20:14Lass ich das durch, gab das dem Arzt, ich wurde operiert.
- 20:17Einen Tag später musste ich zur Kontrolle, jetzt ist durch das
- 20:20Wundwasser die kompresse festgeklebt, jeder normale
- 20:23denkende sagt Wasser drauf, damit sich das erst mal wieder
- 20:26löst, damit es weich wird. Der Arzt kam rein, zog mir das
- 20:30ab, ich hab geschrien und hab geweint und er guckt mich an und
- 20:33sagt zu mir jetzt stellen sie sich mal nicht so an wenn ich
- 20:36Ihren Narkosezettel sehe, dann sehe ich ja wohl, dass sie sich
- 20:39in ihrem Leben schon ganz andere Dinge angetan haben.
- 20:44Und das war nicht das erste Mal beim Arzt.
- 20:46Bei meiner Entbindung mit meinem Sohn war das genauso.
- 20:49Ich muss dazu auf Holz klopfen, mein Sohn hat keine
- 20:51Entzugserscheinungen gehabt oder sonst irgendwas.
- 20:55Die Frage hätte ich auch gar nicht gestellt.
- 20:56Aber ich ist Gott sei dank kerngesund zur Welt gekommen,
- 21:01halt ein bisschen zu früh und. Mit 2180 Gramm oder so was also
- 21:06auch sehr klein mit 44 Zentimetern.
- 21:08Also war wirklich ein Winzling, aber ich bin auch nicht groß,
- 21:12meine Kinder davor waren auch alle nicht über 50 Zentimeter,
- 21:15also von daher so und da habe ich mich wahnsinnig über den
- 21:22Anästhesisten beschwert, der mir die Rückenmarks BDA gegeben hat
- 21:26und. Und habe ihn auch darauf
- 21:31hingelegt. Habe ihm dann auch während eines
- 21:33Gesprächs, ich möchte das jetzt nicht sagen, habe ich ihm dann
- 21:37mitgeteilt, er sollte doch besser seinen Mund halten oder
- 21:39sonst den Job wechseln, weil alle Menschen sind gleich zu
- 21:42sehen, vor allem wenn du einen Eid dafür abgelegt hast, als
- 21:47Arzt jedem zu helfen, egal wie und du musst auch jeden gleich
- 21:51sehen. Ja, das stimmt, das stimmt.
- 21:53Ich meine, kann ich auch nicht, brauchen wir auch gar nicht
- 21:55drüber reden. Ich kann auch nicht jeden gleich
- 21:56sehen. Wenn du heute, wenn du dich
- 21:59morgens fertig machst oder was und in den Spiegel guckst, wie
- 22:03siehst du dich heute? Im Moment sehr skeptisch, weil
- 22:06ich im Moment sehr oft sehr stark depressive Phasen habe, wo
- 22:10ich mit mir selber sehr unzufrieden bin, weil gerade
- 22:13halt nicht alles so rund läuft. So mit Arbeit läuft alles nicht
- 22:17so rund, Kindergartenplatz ist eine Katastrophe, habe ich dir
- 22:21ja vorhin schon auf dem Weg hierhin gesagt und das sind so
- 22:24Sachen, die mir halt sehr zusetzen.
- 22:27Und ja, ich merke, dass mich das so unzufrieden macht, dass ich
- 22:36tatsächlich im Moment Phasen habe, über längere mehrere Tage,
- 22:41wo ich gar nicht erst in den Spiegel gucke, auch nicht, wenn
- 22:44ich mich morgens wasche. Ich mache das einfach, aber ich
- 22:47muss nicht zwangsläufig, um mir was anzuziehen und sehen, dass
- 22:49zusammenpasst. Ich.
- 22:51In den Spiegel gucken oder um mir einen Zopf zu machen oder
- 22:53dir das Gesicht zu waschen? Aber ich sag jetzt mal ganz
- 22:57provokativ, das sind ja so die Alltagssorgen, die man halt so
- 22:59hat. So wie siehst du dich denn heute
- 23:03im Umgang mit Alltagssorgen, mit irgendwelchen Problemen, die auf
- 23:06dich zukommen oder halt da sind, im Gegensatz von vor keine
- 23:11Ahnung, ich sag jetzt einfach mal 89 Jahre.
- 23:15Setz mich damit mehr auseinander.
- 23:16Ich schieb das nicht einfach mehr von mir weg, weil es holt
- 23:20mich ja eh wieder ein und. Und dann wahrscheinlich noch
- 23:22schlimmer. Ich mache es aber in einem
- 23:26gesunden Maße, wo es für mich nicht zu einer Belastung wird.
- 23:31Sind das Therapieerfolge, dass das so ganz.
- 23:33Ja, ja, habe ich, der meiner ersten langen, also die erste
- 23:36Therapie, die ich 6 Monate gemacht habe, wo ich diese lange
- 23:39clean Phase anschließend hat. Meiner Therapeutin von damals
- 23:42habe ich sehr, sehr viel zu verdanken.
- 23:44Hast du die stationär? Gemacht ja, folze also 6 Monate
- 23:48und hab Klinik ja und hab dann auch noch ein Jahr lang danach
- 23:52ambulante Therapie gemacht, indem ich einmal die Woche für
- 23:55eine Stunde zu einer Suchtberatungsstelle gegangen
- 23:58bin. Okay hat die Therapie einen
- 24:01bestimmten Namen. Die hieß Scheifeshütte.
- 24:04Das war eine reine Fraueneinrichtung.
- 24:07Ich meine, ich meine jetzt nicht im Namen der
- 24:08Therapieeinrichtung, sondern die Therapieform.
- 24:11Langzeittherapie für Drogenabhängige?
- 24:12H. Okay ja, bei uns gibt es ja eine
- 24:14Dbt Therapie, Verhaltenstherapie.
- 24:16Gibt es. Gesprächstherapie, kognitive
- 24:19Therapie und so weiter. Unterteilungen, die hast du
- 24:22natürlich auch, während du eine Therapie beantragst hast du
- 24:25kannst du kommt drauf an, was du eine psychische Belastung dazu
- 24:29hast. Wenn du zum Beispiel ein Trauma
- 24:31hast, dann suchst du natürlich eine Therapieeinrichtung, die
- 24:33mit Traumatas arbeitet, weil sonst bringt die die.
- 24:36Therapie nichts, weil du musst ja an dein Trauma ran, um damit
- 24:41dich das nicht immer wieder zurückschmeißt wie ein Bumerang.
- 24:46Krass. Ich wollte jetzt aber dazu
- 24:49sagen, habe ich auch vergessen. Komm vielleicht bald wieder in.
- 24:54Meinem Alter bin ich froh, dass ich weiß, wen ich gleich noch
- 24:57vorhabe. Wenn wenn ich jetzt.
- 25:04Sie anders gefragt. Wenn du jetzt jemanden triffst,
- 25:08der in der Situation ist wie du damals warst mit der Sicht aus,
- 25:12aus heutiger Sicht, was würdest du dem sagen es?
- 25:17Kommt ja drauf an, ob ich dich überhaupt fragen würde.
- 25:19Ja, wir gehen davon aus, ihr seid in der Kommunikation, weil
- 25:23dem zu sagen, Hör auf, damit wissen wir alle, bringt nichts.
- 25:26Aber was würdest du denn sagen? Also es käme drauf, es käme
- 25:28drauf an in was für einem guten Verhältnis ich noch zu dieser
- 25:32Person stehe oder gestanden habe damals.
- 25:38Ich würde dann sagen, so was ist, soll ich dir helfen, soll
- 25:41ich mit dir zusammen zur Drogenberatung gehen oder soll
- 25:44ich dir? Soll ich jemandem deine
- 25:46Telefonnummer geben damit er sich mit dir in Verbindung
- 25:48setzen kann aber unterm Strich müssen die Leute das wollen
- 25:53kommt. Weißt du, wie viele von diesen
- 25:54Gesprächen ich schon geführt habe, wie viele Leute ich
- 25:56versucht? Habe nach.
- 25:58Ja, wie vielen Leuten ich versucht habe zu helfen und das
- 26:03Wichtigste, um ein klares abstinentes Leben führen zu
- 26:07können, ist, dass du das nicht willst.
- 26:10Wäre es rein theoretisch. Ich überlege gerade die ganze
- 26:14Zeit nicht möglich, weil du sagst ja es gab es gibt ja immer
- 26:18noch das Gleis 1. Glaub ich ne, das gibt es auch
- 26:22schon 100 Jahre gefühlt, dass man als als Suchterfahrene, dass
- 26:29man nicht da auch n guten guten Draht zu den Leuten hätte, wenn
- 26:33man selber jetzt in der Position wo du jetzt bist dass man auch
- 26:37einen Job annimmt, der damit zu tun hat oder wäre dir das?
- 26:41Warte mal ich mache nichts anderes, ich bin selber
- 26:42borderliner, meine PTBS und so weiter und ich arbeite mit
- 26:46psychisch erkranken, weil ich mit meinen Dingen durch bin zu
- 26:50großen Teilen, so kommt immer mal wieder durch, aber ich bin
- 26:53damit durch, mir macht es nichts aus mit psychisch Kranken zu
- 26:58arbeiten, aber könntest du dir vorstellen einen Job in die
- 27:00Richtung zu machen? Ich wollte ja schon.
- 27:03Ich wollte ja. Eine Umschulung entweder.
- 27:07Also ich wollte eine Ausbildung machen, einmal als
- 27:09Sozialhelferin habe ich ja vorhin gesagt, dann zur
- 27:13Ergotherapeutin. Ja, aber was ist mit der mit dem
- 27:16Job direkt an der Front drogenberaterin?
- 27:19Das wäre natürlich gut, aber dafür musst du studiert haben.
- 27:21Das geht nicht ohne Studium. Ja, Moment, Moment, das ist das
- 27:25ist die Kernaussage. Ich habe lange Jahre mit dem
- 27:28Jugendamt zusammengearbeitet, als Streetworker hier in Hahn
- 27:31und. Und da brauchst du normalerweise
- 27:33auch n Studium als Sozialpädagoge.
- 27:35Denen ist es aber wichtiger gewesen, dass es jemand von der
- 27:38Straße ist, der sein Studium auf der Straße gemacht hat da.
- 27:42Deswegen zielt meine Frage darauf ab, es führt ja, ich
- 27:44glaube auch nicht, dass jeder, der im Geister arbeitet, dass
- 27:46das alles studierte. Sind nee, es gibt ja auch ganz
- 27:48viele Leute, die in Therapieeinrichtungen oder
- 27:50Entgiftungen arbeiten, die selber mal sucht.
- 27:52Genau so, und darauf wollte ich hinaus, so ne Aufklärungsarbeit.
- 27:55Betreffen. Das wäre natürlich, das wäre
- 27:57natürlich super, weil dann die Leute vielleicht auch mal.
- 28:01Wenn man zum Beispiel dann in Schulen gehen würde und würde
- 28:04zum Beispiel eine Vorlesung halten, wenn man das so sagen
- 28:06darf an der Schule ganz anderen Nährboden bekommt erstmal und du
- 28:13ja von was reden kannst, was du selbst erlebt hast und nicht,
- 28:18weil du das aus irgendeinem Buch oder aus Kindern vom Bahnhof
- 28:20zugesehen hast. So, und ich bin der Meinung, es
- 28:23sollte viel mehr Menschen geben, die Suchterfahrung haben.
- 28:29Aber dann sollte man auch darauf achten, dass die nicht vor 2
- 28:34Wochen aus der Entgiftung gekommen sind oder aus der
- 28:35Therapie. Also da sollte schon ein
- 28:38gewisser Abstand zu bestehen und das.
- 28:41Hast du ja auch als Revolution so machen zu können.
- 28:44Und es ist auch wichtig, dass du psychisch stabil genug dafür
- 28:47bist. Weil wenn du das dann hinterher
- 28:49alles mit nach Hause nimmst, dann frisst dich das zu Hause
- 28:53auf. Und dann?
- 28:54Dann beleidigt auch dein Umfeld darunter, weil du dann
- 28:57automatisch anfängst, über nichts anderes mehr zu reden.
- 28:59Und das Arbeit ist Arbeit und privat ist privat und das musst
- 29:03du halt in diesem Fall auch strikt, auch wenn da noch so ein
- 29:06verzweifelter Sechzehnjähriger vor dir sitzt und es kurz davor
- 29:08sich aufzuhängen, darfst du das nicht mit nach Hause nehmen, mit
- 29:11dem mit dem Kopf, das ist irgendwas genauso alt, ja.
- 29:15Aber das ist ein Prozess, den musst du auch erstmal lernen.
- 29:18Ja, am Anfang nimmst du es, weiß ich selber aus eigener Erfahrung
- 29:20nimmst du Geschichten mit nach Hause und dann irgendwann du
- 29:22stumpfst nicht ab, aber du weißt, wo du es zu lassen hast
- 29:24und im Moment ist es so auch. Es ist ja viel passiert.
- 29:28Viele Leute, die ich kenne, wie zum Beispiel so einem Melanie
- 29:32Schnicks ich nenn das Kind jetzt mal beim Namen, Gott hab sie
- 29:35selig ist verstorben mit 41 aber Silvesterabend eingeschlafen,
- 29:39morgens nicht mehr wach geworden und die Leute mittlerweile die
- 29:42ich von meiner Zeit wo ich drauf gekommen bin die da schon lange
- 29:46lange lange drauf waren. Mittlerweile sterben in einem
- 29:49Alter von unter 30 knapp über 40 unter 40.
- 29:53Das ist, das ist in den letzten 2 Jahren so extrem geworden,
- 29:58dass ich denke, Gott sei Dank hast du irgendwo die Kurve
- 30:01gekriegt, vielleicht. Würdest du jetzt plötzlich alle
- 30:03versterben? Ich weiß es nicht, ich weiß es
- 30:05nicht, ob das. Gesundheitssystem, Immunsystem,
- 30:09das einfach nicht mehr mitgemacht hat oder weil.
- 30:11So du meinst aber auch Leute, die immer noch weiter konsumiert
- 30:14haben. Ja okay gut, das ist erklärbar.
- 30:17Jetzt vor Kurzem hat mein Partner einen Arbeitskollegen
- 30:21verstorben, der war 34 Jahre alt, der hat 2 Wochen vorher mit
- 30:25Amphetaminen aufgehört und kriegt 2 Wochen später einen
- 30:29Schlaganfall und stirbt. Glaubst du, du hast dir selber
- 30:32Lebensjahre geklaut? Ja.
- 30:35Nicht nur auf dein Ableben bezogen, sondern generell.
- 30:37Ja, weil ich habe ja, ich habe ja viele Dinge verpasst, die du
- 30:41mit 20 so machst, mit 30 machst, fängt an von dem Großwerden
- 30:49meiner Kinder, das wirklich mitzukommen als Mutter, wie das
- 30:52so sein sollte, darüber hinaus über berufliche Dinge, die ich
- 30:59hätte vielleicht machen können oder werden können und aufgrund.
- 31:03Dieser verschwendeten Zeit halt einfach nicht mehr machen kann,
- 31:08weil ich auch die Energie nicht mehr habe, um mich dahinter zu
- 31:11hängen, ich diese ganzen Jahre meiner Drogenabhängigkeit und
- 31:15Drogensucht haben mich in meinem in dem, was ich mir körperlich
- 31:23und auch emotional zutraue, ganz stark eingeschränkt, also.
- 31:32Jetzt sind es andere Dinge, über die ich einfach besser hinweg
- 31:34sehe, wo ich das einfach mal belästige und denke, oh Gott,
- 31:37das ist doch überhaupt gar kein Problem.
- 31:39Hast du überhaupt 1. Ich gebe dir welche von mir, so
- 31:41ungefähr, aber ich merke auch, dass ich halt nicht mehr so so,
- 31:49wie ich das vorher war. War wenn ich irgendwas wollte
- 31:52beruflich oder so, dann habe ich mich da so lange hinter
- 31:55geklemmt, bis das geklappt hat oder ich eine ganz klipp und
- 31:58klare Aussage bekomme. Nein, das kannst du nicht
- 32:00machen, weil mit allem anderen habe ich mich ja nicht zufrieden
- 32:03gegeben und heute würde ich viel schneller bei solchen Dingen
- 32:08aufgeben, weil ich einfach die Energie nicht mehr da
- 32:09reinstecken kann. Ich bin dafür zu müde, ich
- 32:12merke. Aber aber.
- 32:14Anja, das ist aber auch Altersmüdigkeit, die kommt ja
- 32:18auch dazu, das hab ich ja auch, dass ich bei vielen Dingen sage,
- 32:21so ey, nee, da hab ich gar keinen Bock mehr miteinander
- 32:23auseinanderzusetzen, das ist mir meine Zeit viel zu.
- 32:24Schaden ja. Das Problem ist, dass ich
- 32:26schwierig, dass ich kaum Leute hab, mit denen ich mich über
- 32:29sowas unterhalten kann, weil mein Partner und ich haben ja
- 32:32keinen Freundeskreis mehr, also dadurch, dass wir zu allen
- 32:36Leuten, die wir kannten, den Kontakt abgebrochen haben, weil
- 32:38jeder süchtig war und. Und es schwer ist, das jetzt mit
- 32:41einem normalen zu vergleichen, bin ich nur einfach alltagsmüde
- 32:46oder bin ich ein bisschen mehr wie alltagsmüde, weil meine
- 32:50Suchterkrankung das mit sich gebracht hat?
- 32:52Bist? Du bist du gefühlt für dich
- 32:54selber bist du 44 oder siehst du dich als jünger oder älter?
- 33:00Es kommt auf meinen Tag an. Manchmal denke ich so, du hast
- 33:04ein Leben gefüttert, kannst du eigentlich 2 daraus machen?
- 33:07So fühle ich mich dann auch richtig abgeschlagen,
- 33:10energielos, kraftlos, so. Und dann gibt es wiederum Tage,
- 33:16wo ich denke, verdammt, du bist doch noch gar nicht so alt.
- 33:23Ja gut, aber ich mein, das ist ja, das hinterlässt ja, wie du
- 33:26vorhin schon sagtest, hinter, das hinterlässt ja alle Spuren.
- 33:28Ja, das hinterlässt ja auch vor allen Dingen, da gehen wir jetzt
- 33:31mal von den körperlichen Symptomen, gehen wir davon weg,
- 33:34das hinterlässt ja auch vor allen Dingen psychische Spuren,
- 33:37ne du, ich denk mal, du bewertest Dinge und siehst Dinge
- 33:39ganz anders und die belasten ja auch irgendwo so und deswegen
- 33:45komm ich auf die Frage, ob man sich dann so fühlt, wie wie man
- 33:48wirklich alt ist oder ob man sagt, so, boah, ich bin schon so
- 33:52müde. Das ist eigentlich so in der in
- 33:54der Ranch zu sehen so. Keine Ahnung wie jemand der in
- 33:56Rente ist, der einfach nicht mehr kann.
- 34:00Weißt du wie ich das sehe? Ja, ja, ich weiß was du meinst.
- 34:02So Phasen habe ich aber auch zwischendurch, dass ich denke,
- 34:04super, nee, ich kann das nicht nicht.
- 34:06Was machst du denn dagegen? Erstmal dieses Gefühl aushalten.
- 34:12Und mir immer wieder sagen, das geht wieder weg.
- 34:14Das ist jetzt nur eine Phase, das geht wieder weg, oftmals in
- 34:18diesen, in diesen Phasen bin ich entweder sehr launisch, also
- 34:22bekomme meinen Partner dann auch ab, indem ich dann wirklich über
- 34:26Querelen wirklich permanent am meckern bin.
- 34:28Ich bin mit nichts zufrieden. Ja gut, das ist nicht da, dass
- 34:31du eine Frau bist. Nein, nein, nein, nein.
- 34:34Ihr seid alle. Ja.
- 34:37Ja, ausgrenzlos. Ausnahmslos alles.
- 34:40Aber es ist anders. Es ist anders, als wenn ich so
- 34:43anmeckern, bin ne, ja noch habe ich danke sehr gerne und jetzt
- 34:49habe ich den Faden verloren, verdammt.
- 34:51Es ist für eine Frau, die Norbertisch drin hat, zum
- 34:53Beispiel sehr schlecht. Blödmann, das wäre ungünstig und
- 35:02vor allem ekelhaft. Ja, auch dauerhaft auch.
- 35:05Ja, quillt ja irgendwann auf. Ja, ja, er hält dann von alleine
- 35:08raus. Plöpp.
- 35:12Lecker. Ach so, genau auf jeden Fall
- 35:18würde ich dann versuche ich dann, ich versuche das, ich
- 35:22versuche mich dann auf meinen Sohn zu fokussieren.
- 35:25Der ist, der wird jetzt 4 und der ist so lebensfroh und so
- 35:30voller Energie, ja von seiner Energie her auf jeden Fall und
- 35:36auch von seiner Lebensfreude her ne.
- 35:37Also es gibt wenige Momente wo der schlechte Laune hat, Hunger,
- 35:41müde, krank. Oder wenn er Grenzen austesten.
- 35:45Will oder kacken, dann ist das ein geiles Leben.
- 35:47Und sonst hat der immer gute Laune immer, der strahlt übers
- 35:52ganze Gesicht, wenn der morgens die Augen aufmacht, und dann
- 35:55gucke ich den einfach nur an und denke, boah, mein Gott, ist das
- 35:58schön. Das, obwohl er in Wuppertal
- 36:00lebt. Na?
- 36:01Gut und an diesen Kleinigkeiten, und das musste ich lange lernen,
- 36:04diese Kleinigkeiten überhaupt wieder wahrnehmen zu können.
- 36:07Halt dich dann feste kannst du hol mir die immer wieder zurück.
- 36:10Ja, dann kannst du generell Glück empfinden.
- 36:14Ja, ja, weil ich weiß nur nicht, ob ich es noch so kann, wie es
- 36:17früher war. Ich.
- 36:19Stell mir das immer so vor. Wie gesagt, was du erlebt hast.
- 36:22Das ist doch mal 10 mal krasser. Bei mir waren 67 Jahre dauerhaft
- 36:26Kokain und so weiter das ist ja nicht vergleichbar mit dem
- 36:30Leben, was du gelebt hast. Ja, ich hab ja trotzdem mein
- 36:32ganz normales Leben gelebt, so und dann.
- 36:38Jetzt hat mich den Faden verloren und ach ja, Glück
- 36:41empfinden, weil dann stellt man sich das ja so vor, dass man so
- 36:44abgestumpft ist aufgrund seiner Erlebnisse, aufgrund des
- 36:48Umganges mit mit Ärzten, mit mit Gleichgesinnten, mit der
- 36:52Gesellschaft, mit Ablehnung und so weiter und sofort, dass man
- 36:55irgendwann so sagt, so hey, ich verfalle ja eigentlich nur noch
- 36:59in eher in eine depressive Stimmung.
- 37:01Dafür habe ich ja Therapie gemacht und.
- 37:03Um dann Skills zu erlernen. Nein, um dann einfach wieder in
- 37:06mein, in mein Leben zu. Durch Therapie wirst wirst du
- 37:10mit therapeutischer Begleitung, du machst es alleine, aber der
- 37:14Therapeut ist dein Begleiter, genau also der lenkt dich in
- 37:19diese Richtung und durch ihn und durch das was du mit ihm machst.
- 37:24In Einzelgesprächen, gruppengesprächen, Ergotherapie
- 37:29und und und. Lernst du ja den Weg wieder zum
- 37:35normalen Empfinden um das. Was genau macht die Ergotherapie
- 37:39dabei? Also für mich hat die
- 37:41Ergotherapie, die trägt dazu hat bei mir dazu beigetragen, wenn
- 37:47ich mich da hingesetzt habe und Bilder gebrannt habe oder Bilder
- 37:50gemalt habe, kann ich meinen Kopf ausmachen.
- 37:53Das ist ja quasi so, dass in der Ergotherapie, dass du ja
- 37:55hergehst. Viele verwechseln das immer mit
- 37:57du gehst raus, um Bäume zu umarmen.
- 37:59Macht man ne Ergotherapie, auch das weiß ich ja, kann man
- 38:02draußen wieder Sachen fühlen und wahrnehmen, darum geht es ja
- 38:04eigentlich aber auch sich selber wahrnehmen, viele machen dann so
- 38:07dein Pating zum Beispiel oder Malen irgendwas.
- 38:11Und das, was ich mache, ist nichts anderes.
- 38:14Ich mach n Podcast, aber das ist meine Ergotherapie, ich nehm
- 38:17mich selbst wahr, ich bring mich selber runter, indem ich dann
- 38:20einfach mich dann wieder Erde und das ist ja quasi der Sinn
- 38:23und Zweck von der Ergotherapie. So, und ich mach das halt.
- 38:25Viele Entschuldigung, ja, viele, und das ist ja auch wenn du ne
- 38:28ne Therapie für Borderliner machst.
- 38:29Ergotherapie ist n großer Bestandteil und viele sagen ich
- 38:32geh da keine Bäume umarmen, ich muss doch keine Blumen
- 38:34streicheln oder Pflanzen. Nee das ist doch nicht der Sinn
- 38:37und Zweck der Sache. Das ist die Sache, wieder zu
- 38:39sich zu finden. Genau um dass du auch ein Gefühl
- 38:42wieder wahrnehmen kannst. Einfach nur das ist einfach nur
- 38:45dazu da, um dieses mit Baum umarmen oder dieses 3 Dinge
- 38:52dingsbums ich weiß nicht mehr wie das heißt, du guckst dir 3
- 38:55Dinge an und fokussierst dich darauf und guckst was das macht
- 38:58genau um das wieder wahrzunehmen und zu gucken was löst das in
- 39:02mir aus, aber das muss man lernen.
- 39:04Ja, du machst ja einmal. Die.
- 39:05Dauert. Du machst ja.
- 39:08Fühlen. Hören.
- 39:10Und sehen und. Sehen ne, du schärfst ja die
- 39:12Sinne das. Riechen.
- 39:13Riechen sind genau. Und schmecken, das sind diese 5
- 39:15Sinne. Genau, und da gibt es ja mehrere
- 39:17Übungen für. Es gibt ja die 54321 Übungen und
- 39:20so weiter und sofort, da wollte ich jetzt auch gar nichts, aber
- 39:22was ich damit sagen will, Ergotherapie hat auf jeden Fall
- 39:24ihre Berechtigung. Das stimmt und ich finde das
- 39:27auch gut, dass es das gibt. Und es sollte auch außerhalb von
- 39:30Therapieeinrichtungen und Entgiftung sein.
- 39:33Es. Gibt.
- 39:34Sowas. Ergotherapie kann ja jeder quasi
- 39:36machen. Kann ja jeder machen, aber es
- 39:37ist ja. Schöner, wenn du es, wenn du,
- 39:42ich meine es nicht, dass du es zu Hause mit dir machst,
- 39:44sondern. Es gibt ja ganz normale
- 39:45Ergotherapie. Ja, das weiß ich auch.
- 39:47Für Kinder, mein Sohn zum Beispiel hat mit 4 Jahren
- 39:50Ergotherapie gelernt, um seinen Körper kennenzulernen.
- 39:53Okay okay nee, das. Gibt es das?
- 39:54Gibt es dann vielleicht. Also ich muss dazu sagen, aber
- 39:57das hat jetzt glaube ich mit der mit der Frage, als sollte es
- 39:59nichts zu tun, mein absolutes Hoch in meiner clean Phase
- 40:03artig. Als ich in meiner damaligen
- 40:06Therapie angekommen bin, und da war ich genau 3 Monate auf den
- 40:10Tag genau 3 Monate in Therapie und 3 Monate und eine Woche
- 40:15clean und bin morgens aufgestanden und alles war
- 40:19anders. Dieser eine Tag dieser aha
- 40:22Effekt. Ich werde das nie vergessen.
- 40:24Das war im Herbst. Und der.
- 40:28Dann ist ja draußen eher alles anders.
- 40:29Die Bäume sind bunt und alles ist schön.
- 40:31Die Luft riecht also. Ich bin morgens aufgestanden, so
- 40:33strahlendes, so strahlender Sonnenschein wie heute und tritt
- 40:37so richtig kalt hin, das. Ist wiederum Licht an mir.
- 40:40Ja genau da wo ich bin, ist Sonne genau, also klare Kiste.
- 40:44Genau. Und die Luft hat anders geraucht
- 40:48und dann war ich erst irritiert und denke, irgendwas stimmt hier
- 40:50nicht. Jetzt ist dir eine Sicherung
- 40:52durchgeknallt, das war mein erster Gedanke und dann bin ich
- 40:57so im Garten gewesen und musste Gartenarbeit machen, weil ich
- 41:00dafür eingeteilt war und Hock über so nasser Erde und denk so
- 41:06was ist. Das.
- 41:08Als hätte ich das noch nie vorher in meinem ganzen Leben
- 41:10geraucht. Nimm so 2 Hände voll Erde und
- 41:13halt so mal halt so, mal quasi mein Gesicht da rein und nimm so
- 41:17wie krass ist das denn? Dann habe ich die ganz langsam
- 41:20zwischen meinen Fingern zerrieben und dann ging das
- 41:23weiter. Dann habe ich angefangen Blätter
- 41:25anzufassen und dann ist was ganz Schlimmes passiert, dann kam
- 41:28meine Mutter mich besuchen in Therapie und dann habe ich ihr
- 41:33das erzählt. Und dann habe ich eigentlich
- 41:35gedacht, die freut sich für mich so.
- 41:36Das war eigentlich der Grund, warum ich es ihr gesagt habe und
- 41:40habt dann zu ihr aus fester Überzeugung gesagt, jetzt wird
- 41:45alles anders. Mit 30 bin ich clean und da hat
- 41:49meine Mutter mich angeguckt, nachdem ich dieses Hochgefühlt
- 41:51seit 2 Tagen hatte und hat gesagt, ich glaube nicht an
- 41:54dich, ich glaube nicht mehr an dich und das dieses zu sagen zu
- 41:58seinem Kind, das kannst du dir als Eltern denken.
- 42:01Sowas darfst du niemals aussprechen.
- 42:03Ich glaube nicht mehr an dich, die Hoffnung zu verlieren ist
- 42:06eine Sache. Vor allen Dingen in die Therapie
- 42:10zu kommen und in die Therapie einzuwerfen, schaffst du wenig.
- 42:15Das war für mich so schlimm. Ich habe mich tatsächlich auf
- 42:19dem Stuhl auf einmal so gefühlt, als würde ich schrumpfen.
- 42:24Als würde ich schrumpfen und wäre nur noch so 10 Zentimeter
- 42:27groß und falle gleich in den Abgrund.
- 42:30Und das hat mir so die Beine unter dem Boden weg und den
- 42:33Boden unter den Beinen weggezogen, dass ich wirklich
- 42:36eine Woche lang nur geweint habe und damit und wirklich diese 5
- 42:42Tage auch gebraucht habe, um das zu verarbeiten, dass meine
- 42:45Mutter nicht mehr nur noch nicht mehr an mich glaubt, sondern
- 42:49mich hoffnungslos aufgegeben hat.
- 42:51Glaubst du? Dass es möglich ist, dass in den
- 42:56ersten keine Ahnung, ich sag mal 10 lebensjahren von dir, dass
- 42:59durch Erziehung ein Grundstein dafür gelegt wurde, dass du
- 43:04überhaupt suchtanfällig warst. Es kann sein, ich will das jetzt
- 43:08nicht beschwören. Ja, hättest ja sein können, dass
- 43:10du irgendwie so vakante Erlebnisse gehabt hast, oder du
- 43:13sagst keine Ahnung, die sind halt einfach mal so blau
- 43:15Rausgeschossen, die waren sowieso immer blau oder wie auch
- 43:18immer keine. Ahnung.
- 43:18Also sowas war ja bei uns zu Hause nicht so oder
- 43:21Vernachlässigung wenn ich. Das auch nicht, ne.
- 43:24Also meine Mutter, die hat viel mit uns gekuschelt und
- 43:26stundenlang die Hagelstreichzöpfe gemacht und
- 43:28das hast du nicht gesehen ne mein Vater, aber im Gegensatz
- 43:31dazu der war immer so nee jetzt nicht, geh in euer Zimmer
- 43:34spielen, seid mal leiser so. Und dann habe ich immer habe
- 43:40ich, weiß ich noch, dass ich mich immer so zurückgesetzt
- 43:42gefühlt, so nicht gemocht wie überflüssig, was ja auch die
- 43:47nicht erwünscht, wie nicht erwünscht, ja.
- 43:49Und das erklärt ja die Aussage von dir, wie du Beziehung
- 43:52siehst, dass du geliebt werden willst, dass du wahrgenommen
- 43:56werden willst und so weiter und sofort.
- 43:57Ja, oder wenn ich, wo ich mit 16 meiner Mutter gesagt sagen
- 44:01wollte, dass ich Drogenprobleme habe.
- 44:05Ich weiß noch, was die gekocht hat.
- 44:08Ja, Kartoffeln gemacht mit Frikadellen und Abstroneuren und
- 44:11ich habe neben ihr am Herd gestanden und habe zu ihr
- 44:12gesagt, Mama, ich muss mit dir reden, ich bin sonst nie zu
- 44:14meiner Mutter gegangen, wenn ich ein Problem hatte so und habe
- 44:19Tage damit verbracht mich dazu durchzuringen zu meinen Eltern
- 44:23zu gehen beziehungsweise zu meiner, zu meiner Mutter um zu
- 44:26ihr zu sagen Mama ich habe Probleme, mir ging es ja nicht
- 44:29um, dass ich Kaugummi geklaut habe und.
- 44:32In Dinslaken. Genau, genau auf dem Weg nach
- 44:36Essen. Da ging es tatsächlich darum,
- 44:40dass ich. Auf dem Weg nach Essen war mit
- 44:42der S Bahn. Unterwegs?
- 44:43Ja nee, mit dem Umlauf, nicht mit dem Einlauf zu.
- 44:49Wechseln, das ist ein. Gefangenentransport ja nicht mit
- 44:51dem Einlauf zu verwechseln. Es ist gut, dass du es gesagt.
- 44:55Hast und sie dann zu mir gesagt hat, obwohl ich ich weiß noch,
- 45:00wie ich mich gewöhnt habe, ich hätte am liebsten, ich habe so
- 45:02einen Kloß, ich konnte gar nicht reden, richtig.
- 45:04Und sie zu mir gesagt hat, so sie jetzt nicht, komm später.
- 45:07Für mich war das in diesem Moment aber ausschlaggebend und
- 45:10so wichtig, dass es für mich kein später in dem Moment gab,
- 45:14weil ich mich nur einmal dazu durchringen konnte, meiner
- 45:17Mutter das zu sagen und vielleicht, das ist vielleicht
- 45:20auch ein Appell an manchen Eltern, hört ein Kind euren
- 45:23Kindern bitte einfach mal ein bisschen besser zu, oder wenn
- 45:28ich zu. Zu Hause.
- 45:29Meine Mutter hat immer uns gepredigt, lüg mich nicht an,
- 45:33ich habe Riesenärger gekriegt, wenn ich gelungen habe,
- 45:35Riesenärger, aber je nachdem um was es ging, habe ich denselben
- 45:38Ärger auch gekriegt, wenn ich die Wahrheit gesagt habe, also
- 45:40als für mich überhaupt keinen Unterschied gemacht.
- 45:44Hast du denn, als du dann quasi an dem Herd stand, hast du es
- 45:47denn später noch mal versucht oder war das dieser eine Moment
- 45:49und der war danach? Weg dieser eine Moment, ja okay
- 45:55dieser eine Moment, und dieser ist dann halt.
- 45:59Auch nicht noch mal wieder gekommen hat.
- 46:00Der kam erst wieder, als ich meine Kinder weggegeben habe,
- 46:02weil es dann darum ging, wohin mit meiner Mutter.
- 46:06Dann musste ich meine Mutter involvieren, obwohl der Mann
- 46:10meiner Mutter damals schon gesagt hat, die Susi hat ein
- 46:13Drogenproblem, meine Mutter hat gesagt, du spinnst jeder, aber
- 46:16die. Hätte sie dir das eine Mal am
- 46:18Herzen, Anja nicht, hätte sie das eine Mal annehmen, annehmen.
- 46:21Hätte sie es gewusst? Und er?
- 46:25Hat es gar nicht mitbekommen, dass ich diese Frage stellen
- 46:27wollte. Auch nicht in diesem Moment.
- 46:28War er nicht da, aber er hat gemerkt, weil er einmal bei mir
- 46:35in meiner Küche was machen sollte, also mir geholfen hat.
- 46:38Bei einer Arbeitsplatte, musste ein Stück kaufen fahren und ich
- 46:41war morgens endzügig und ich saß zu Hause mit Decke war am
- 46:44zittern, ich sage ich, er sagt was hast du, du siehst blass
- 46:47aus, ich glaube ich kriege eine Erkältung, er fährt weg, ich
- 46:50eben bloß mich dann zu Hause gesund gemacht, so nennt man das
- 46:53im und. Im Fachjargon.
- 46:56Im Fachjargon und er kam dann rein und ich sah wieder aus wie
- 47:02der blühende Frühling, ne geschminkt, vernünftig
- 47:05angezogen, ne nicht mehr so als Daunenmantel im Frühjahr und da
- 47:10an diesem Tag ist er nach Hause gefahren zu meiner Mutter und
- 47:12hat gesagt die Anja hat n Tonproblem das was ich heute bei
- 47:17ihr erlebt habe. Schwierig, wenn das nicht der
- 47:18richtige Name ist, ja. Klar.
- 47:20Ich habe mich ja vorhin auch schon wieder einmal.
- 47:23Machen wir lachen drüber. Ja oder schneid es weg.
- 47:25Ja, ich schneid dich weg. Schneid mir den Kopf ab oder
- 47:29was? Und sie hat es halt nicht
- 47:32geglaubt, da war es aber schon 6 Jahre später.
- 47:37Also du hast schon 22 mittlerweile.
- 47:42Hast du jemals oder hast du jetzt das Gefühl oder hast du
- 47:46jemals das Gefühl? Erlangen nachdem du das zweite
- 47:49Mal wieder reingerutscht bist, klingt zu sein.
- 47:52Also wenn er heute hier sitzt, ja, du hast ja Substitution.
- 47:56Ja, weil es anders ist. Ich weiß ja, dass es anders ist.
- 48:00Und alleine fängt ja schon damit an, dass wenn ich morgens wach
- 48:04werde, ich keine Lust mehr habe, immer einen Entzug zu fühlen.
- 48:08So, ich weiß noch klar. Sagst du.
- 48:12So natürlich, weil dann. Dein Substitut hält ja nur für
- 48:18eine gewisse Zeit, dann kommt auch. 24.
- 48:21Stunden, ja, vielleicht auch, wenn du Glück hast, mal 28
- 48:24Stunden, aber dann ist das Maß auch quasi ausgeschöpft.
- 48:27Schiebst also, man sagt ja so, warum schiebst du dann wieder
- 48:30einen Affen? Also du merkst es dann, dass es
- 48:32zum Entzug geht. Du merkst es, du fängst an zu
- 48:34schwitzen, du wirst nervös, du kriegst zitrige Hände.
- 48:39Psychisch, erinnert die sich. Ja, du bist nervöser, du bist
- 48:42angespannt, du. Du kannst auch in dem Moment
- 48:44nicht viel ertragen. Also wenn ich so einen Moment,
- 48:47wenn das morgens so ist und mein Sohn macht, dann so faxen, dass
- 48:50er sich jetzt nicht anziehen lassen will, dann muss ich mich
- 48:53echt zusammenreißen und mir auf die Finger beißen, dass ich
- 48:57nicht das ganze Haus zusammenschreie, weil er mich
- 48:59gerade zum Wahnsinn treibt. Also es äußert sich dann in
- 49:03allem. Jetzt kommen wir eigentlich
- 49:06jetzt ungewollt auf ein ganz geiles Thema.
- 49:09Und zwar. Es gibt so viel andersrum
- 49:11gefragt. Diese Substitution hat
- 49:14Nebenwirkungen, ist n Medikament.
- 49:18Ja, hat Nebenwirkungen ja, bei jedem anders.
- 49:21Ist klar, ist klar, ist doch quasi gleichzusetzen mit
- 49:26Psychopharmaka im weitesten Sinne.
- 49:31Aber im ganz weitesten Sinne. OK, weil du hast ja von
- 49:35Psychopharmaka, außer du bekommst jetzt richtige.
- 49:44Es gibt ja Unterschiede bei Psychopharmakas.
- 49:47Also die Nebenwirkungen ist. Ja, das weiß ich, aber das hast
- 49:50du ja bei jedem Medikament auf dieser Welt.
- 49:52Ja, richtig. Wenn du es gibt, zum Beispiel
- 49:56Medikamente in in diese in diese Rubrik, die halt nicht abhängig
- 50:02machen, ne, wenn du das halt wirklich nur für den Kopf bist
- 50:04und dann gibt es halt welche, die auch.
- 50:05Tabo zum Beispiel schwer, macht schwer ab.
- 50:07Die auch körperlichen Entzug mit sich bringen.
- 50:09Rilidin gehört auch mit dazu, ne und dann ist das
- 50:13gleichzustellen, weil ich kenne auch ganz viele Leute die
- 50:15einfach nur Tabletten abhängig sind von benzodiazepin.
- 50:19Ja gut, ist ja, ist ja dann so tabo die Richtung zu.
- 50:24Ich frag mal auch ich frag auch aus folgendem Grund viele,
- 50:27viele, viele Menschen verteufeln Psychopharmaka.
- 50:31Wieso, wenn es doch einem hilft? Danke, danke sag ich auch.
- 50:36Der Urstein ist damit nicht behoben.
- 50:38Es ist nur ein Hilfestellungsmittel.
- 50:40Aber es hilft auch den Menschen, dass die sich nicht direkt am
- 50:43nächsten Glockenseil aufhängen. Richtig, und ich bin der Meinung
- 50:46wo. Du jetzt quasi deine
- 50:47Substitution nicht bekommen würdest.
- 50:52Dann wäre das doch gleichzusetzen mit dem mit dem
- 50:54psychisch Erkrankten, der plötzlich, und das darfst du ja
- 50:57auch nicht sein, Medikament absetzt.
- 51:00Und dann hast du doch irgendwie denselben Effekt.
- 51:04Du an deiner Stelle Verfällst in die Sucht zurück.
- 51:08Ja, der psychisch Erkrankte läuft zum nächsten Baum und.
- 51:12Hängt ja, wenn du es so siehst. Ja, ja.
- 51:15Das meine ich, dass man da den Zusammenhang und die Brücke
- 51:17schlagen kann. Ja, das auf jeden Fall.
- 51:19Dann sollten sich vielleicht mal viele, die das jetzt hören oder
- 51:21generell da eine Antimeinung gegen Hammer Gedanken darüber
- 51:24machen, dass Psychopharmaka oder Substitution oder wie auch immer
- 51:28vielleicht auch mitunter Leben retten können, ja einfach mal so
- 51:31aus dem aus dem Kontext gerissen, ja.
- 51:33Das ist wohl wahr und ich, also ich persönlich finde es auch
- 51:38nicht schlimm ne wenn man sich, du kriegst ja mal abgesehen
- 51:42davon kriegst du ja nicht mal eben an der Ecke Psychopharmakas
- 51:45verschrieben, dann gehört ja schon Erkrankung zu.
- 51:48Wo die heute relativ lax damit umgehen muss.
- 51:50Ja, das stimmt. Also ich habe auch eine, ich
- 51:52habe auch eine Hausärztin, die ist unter anderem auch
- 51:54Substitutionsärztin und die verschreibt auch zack, zack,
- 51:57zack ne. Also da.
- 51:59Radikal. Ich muss.
- 52:00Ehrlich sagen, also Leute, die auch mal mit einem Burnout da
- 52:02hingehen, also die werden schon relativ schnell mit Tabletten
- 52:04vollgestopft, genau wie mit ADHS hier nimm mal.
- 52:07Die Ärzte aber auch keine Zeit mehr haben, sich mit jedem
- 52:09individuell von auseinanderzusetzen.
- 52:12Ne, das erfordert Zeit und die ist von dem vom Ärzteverband
- 52:15einfach nicht nicht mehr gegeben.
- 52:17Weil es immer mehr kranke Menschen gibt und es keine
- 52:21richtige Heilung, sondern immer nur eine Ursachenbehebung.
- 52:24Es gibt auch viel mehr Bedarf als als Angebot.
- 52:26So und deswegen sollte ich, bin ich auch der Meinung, ich habe
- 52:29das auch sehr schleifen lassen seit einiger Zeit, also jetzt
- 52:34über einen längeren Zeitraum sollte man sich auf jeden Fall
- 52:39immer Hilfe holen in Form von Gesprächen, Fachleute sollten da
- 52:44ran und. Um dass du dich vielleicht wie
- 52:47in meinem Fall auch, irgendwann dann mal mit dem Gedanken wieder
- 52:49auseinandersetzen könntest, bin ich jetzt wirklich an einem
- 52:52Punkt, wo ich sage, OK, mich kotzt das so an, jeden Tag zum
- 52:56Arzt und auch wenn ich nur noch 5 mal die 5 Tage die Woche davon
- 53:00zu Hause bleiben kann, wo ich am Montag zum Trieb dienstags
- 53:02trotzdem hin. Ich geh jetzt zu meinem Arzt und
- 53:07sag ihm, ich möchte mich jetzt abdosieren lassen.
- 53:09Weil ich morgens irgendwann mal wieder wach werden möchte.
- 53:12Und ich möchte wieder richtiges Leben fühlen.
- 53:14Ja, so, und ich glaube, da liegt jetzt der Unterschied zwischen
- 53:18zwischen deinem Fall und meinem Fall zum Beispiel.
- 53:21Und Psychopharmaka kann man absetzen, ne, also ausschleichen
- 53:24lassen, Runterdosieren im schlimmsten Fall, wenn du merkst
- 53:28es klappt nicht, setzt es wieder an, bei dir ist der Fall anders
- 53:32gelagert, wenn es nicht klappt. Ja klar kannst du es.
- 53:35Wieder. Natürlich kannst du es wieder
- 53:37ansetzen, logischerweise, aber was wenn es schief geht?
- 53:41Was wenn du den den Dreh zur Substitution nicht mehr
- 53:44hinbekommst? Ach du meinst und wenn du dann
- 53:46abstürzt und rückfällig? Wirst damit du dann rückfällig?
- 53:48Ja, dann ist natürlich ganz hart, weil jeder, weil jeder
- 53:52Rückfall wird auch extremer, weil dein Körper viel, viel
- 53:58schneller sich an höhere Dosen gewöhnt und die
- 54:01Wahrscheinlichkeit auch somit sehr hoch ist, dass du.
- 54:04Dich vielleicht mal ein bisschen in deinem Handeln und tun
- 54:07überschätzt. Also ich habe mir schon mal fast
- 54:10eine ungewollte Überdosis gedrückt, ich weiß, wovon ich
- 54:12rede und das war nicht gewollt und ich habe auch schon 5 mal
- 54:15versucht und es hat nicht geklappt.
- 54:18Ja, das liegt daran, dass du dusselig bist.
- 54:22Das. Lasse ich jetzt einfach mal so
- 54:23stehen. Naja so in der ganzen Zeit ne.
- 54:31Wenn du das jetzt mal so rückblickend, also jetzt rein
- 54:33auf die, wie hast du so schön gesagt, Drogenkarriere bezogen,
- 54:37was hat dir außerhalb der Kinder ne so jetzt rein vom Empfinden
- 54:40her am meisten gefehlt. Ne stabile Beziehung n Partner?
- 54:46Ja, auf jeden Fall. Jemanden, bei dem ich mich nicht
- 54:50verstellen muss, wo ich so sein kann, wie ich bin, ohne dass man
- 54:53versucht, an mir rumzuformen, was ich ja früher bei meinen
- 54:56Beziehungen immer getan habe, um mich meinem Gegenüber
- 54:59anzupassen, damit ich, weil ich diese, weil ich diese immer mit
- 55:04sich bringe, Verlustangst hatte, mein Partner, Partner, Partner
- 55:07könnte gehen. Ich habe Dinge in Beziehungen
- 55:10getan, die würde ich heute nie wieder tun, nur damit mein
- 55:14Partner bleibt und. Das hat sich ganz oft durch mein
- 55:19Leben gezogen, dass ich Dinge gemacht habe, die ich nicht
- 55:21wollte und. Aber da kommen wir wieder zu dem
- 55:24Punkt, wo du gesagt hast, du willst gebraucht werden oder
- 55:27willst gefallen. Ja, aber jetzt hat es hat sich
- 55:31jetzt halt geändert. Ich möchte gebraucht werden,
- 55:33weil es um mich als Person geht und nicht um das, was ich für
- 55:37jemanden leiste. Also ist es ja quasi dann jetzt
- 55:41so, dass du die Verknüpfung zur Kindheit quasi unterbrochen
- 55:45hast. Dass du sagst, ja, ich werde da
- 55:47nicht gebraucht oder ich werde nicht gewollt oder wie auch
- 55:50immer oder werde nicht gehört, wie jetzt zum Beispiel die
- 55:52Situation am Herd zu, ich weiß jetzt schon ganz genau, was ich
- 55:57will und was ich nicht. Will genau, ja.
- 56:00Und ich artikuliere mich auch. Und wenn du mir einmal nichts
- 56:02hörst, sage ich dir das zweite Mal beim dritten Mal verpisst du
- 56:05dich so ungefähr. Genau.
- 56:06Dass du einfach strater geworden bist.
- 56:08Ja, das ist doch gut. Weil da weiß ich auf jeden Fall,
- 56:11da setze ich dann auch nicht Hoffnung auf Hoffnung auf.
- 56:16Wenn mir jemand zweimal nicht zuhört, dann setz ich da keine
- 56:18Hoffnung drin, dass n. 3.3. Mal noch mal runter zu reihern,
- 56:21da hab ich dafür hab bin denk so sag ich sag das immer so zu
- 56:25erlaubt, dafür bin ich zu alt und hab auch die Energie nicht
- 56:28mehr dafür. Um jemanden, der mich nicht
- 56:31verstehen will, das versuchen mit aller Gewalt in den Kopf
- 56:33reinzuhämmern, ne. Und dann kostet, wenn man, wenn
- 56:36man sagt, man ist zu alt, dann kostet das einfach viel zu viel
- 56:38Kraft, Energie und Zeit. Ja, kriegst du die Zeit, die man
- 56:41dann nicht mehr gefühlt. Hat und vor allem kann man die
- 56:43Zeit mit wichtigeren Dingen vollkriegen, als sich mit
- 56:45jemandem, der sich eh nicht für dich interessiert,
- 56:48auseinanderzusetzen. Das ist richtig.
- 56:50Wie gehst du mit Rückschlägen um?
- 56:54Generell mit Rückschlägen. Egal.
- 56:56Egal jetzt wie. Ich sag mir immer so, andere
- 56:59Menschen müssen die auch verkraften, das gehört zum
- 57:02Alltag dazu. So ein Argument, das lasse ich
- 57:03nicht zählen, weil du hast einen ganz anderen Rucksack, den du
- 57:06mit dir rumschleppst. Andere Menschen sind andere
- 57:08Menschen. Anja ist Anja, Ich bin ich,
- 57:11keine Ahnung, Martin ist Martin, Jeder hat seinen eigenen
- 57:14Rucksack mit seinen eigenen Erlebnissen und seinem eigenen
- 57:16Lebensweg, Ich denke immer. So, dann wird's besser.
- 57:20Ja, und wenn der nächste Morgen nicht besser wird?
- 57:23Dann sag ich mir, morgen wird's besser, so gehe ich mal auch
- 57:27durch viele depressive Phasen von mir, dann sag ich mir,
- 57:29morgen wird's besser, wenn ich morgens aufstehe, das ist
- 57:32schlimmer, dann denke ich mir, morgen wird's besser.
- 57:34Was war eher da? Die Depression oder die Sucht?
- 57:40Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich früher
- 57:43schon bevor ich zu harten Drogen gegriffen habe, schon depressive
- 57:47Verstimmungen hatte. Weil ich halt immer so
- 57:52lebensfroh war, weil ich muss auch sagen, ich habe auch viele
- 57:55Sachen als Teenager, als junge Erwachsene, viele Sachen einfach
- 57:58überspielt und einfach überlacht.
- 58:00Ja, so, jetzt sind Sachen. Damit es keiner sieht.
- 58:03Ja, das sind Sachen, die wir, die wissen wir jetzt, auf die
- 58:05gehen wir auch nicht ein. Deswegen aber meine Frage, ob
- 58:09die ob die ob die. Depression, Angstzustände, was
- 58:14auch immer. Ob die vielleicht eher da waren,
- 58:16weil du musst ja mit 14 erst mal überhaupt in der Lage sein,
- 58:19Drogen zu nehmen respektive den Partner auch zu wählen, der dir
- 58:23so was gibt. Das heißt ja, du hast in deiner
- 58:25Partnerwahl schon eine Wahl getroffen, wo du vielleicht
- 58:28schon wusstest unterbewusst. Das ist eigentlich vielleicht
- 58:31nicht unbedingt das Beste für mich.
- 58:32Eigentlich ist es ein Fehler. So, und das resultiert ja schon
- 58:36aus aus erlebten, weißt du, wie ich das meine?
- 58:40Ich weiß auch nicht, ob ich einfach damals nur verzweifelt
- 58:42gewesen bin. Ich habe keine Ahnung.
- 58:45Okay kannst du vergeben. Inwiefern?
- 58:54Wenn mir irgendjemand mal Unrecht getan hat oder so?
- 58:57222 Sachen habe ich 2 Sachen kannst du dir selbst vergeben
- 59:00für dein Leben und kannst du anderen vergeben, wenn sie dir
- 59:03was antun. Also ich kann sagen wir es mal
- 59:05so, ich kann anderen schneller vergeben wie mir selber, weil
- 59:08ich selber nicht, weil ich weil ich mit mir selber viel härter
- 59:12ins Gericht gehe, viele Menschen, die jetzt in den
- 59:16letzten anderthalb Jahren meinen Wendepunkt mitbekommen haben,
- 59:22weil ich muss dazu sagen, mein Sohn war ja anderthalb Jahre
- 59:24nicht bei mir, der ist ja seit letztes Jahr Sommer wieder bei
- 59:28mir und die. Diesen Wandel, den ich von
- 59:33diesem Moment, als er nicht mehr da war, bis er wieder gekommen
- 59:37ist, durchgemacht habe in einer enormen Geschwindigkeit, ohne
- 59:41dabei ins Stolpern zu kommen und auch Rückschläge auszuhalten und
- 59:46verkraften zu können, das sehen andere, die das mitbekommen
- 59:50haben, wie zum Beispiel mein Arzt, meine Schwester, meine
- 59:56Drogenberaterin, mein eigener Partner.
- 1:00:02Die sehen das und ich denke, für mich war das nichts, für mich
- 1:00:09war das normal. Das musste so sein und ich sehe
- 1:00:13daran halt für mich selber nichts Besonderes.
- 1:00:17Ich freue mich, dass das alles so geklappt hat, aber ich ich
- 1:00:23bin auch damit zufrieden, aber ich denke mir immer.
- 1:00:30Ja, wenn jemand zu mir sagt, du kannst stolz auf dich sein, das
- 1:00:34sind so Dinge, die kann ich nicht.
- 1:00:36Empfinden. Nein, weil ich denke, so, das
- 1:00:38musst du so sein. Aber noch mal, wenn du so von
- 1:00:442009, fing es an. Was?
- 1:00:47Nee, die Drogen, so, nee. Nein, 1995 nee, stimmt gar
- 1:00:53nicht. Was rede ich denn da?
- 1:00:542002 1005 bin ich auf Kokain gekommen.
- 1:00:58Von da an. Bis jetzt gesehen, deine ganzen
- 1:01:00Druck kannst du dir das verzeihen, dass das so
- 1:01:02stattgefunden hat. Du dir persönlich kannst du
- 1:01:06sagen, ja, das ist passiert, nimm mich an, ich verzeihe dir
- 1:01:09oder machst du dir so schwere Vorwürfe, dass das verzeihen
- 1:01:13quasi schwierig wird oder ausbleibt?
- 1:01:15Nein, ich finde, mit dem Reinen gut, weil es ist passiert und
- 1:01:18ich kann es nicht ändern. Es ist mein Leben, es gehört
- 1:01:20dazu und für mich ist es schon schlimm genug, von der
- 1:01:23Gesellschaft nicht richtig akzeptiert zu werden.
- 1:01:27So. So schlimm genug, als dass du
- 1:01:29dir selber noch die Bürde auflastest, dass du dir selber
- 1:01:31auch noch schuld. Gibst genau.
- 1:01:33Ich glaube, dann würde ich mich irgendwann aufhängen.
- 1:01:36Seit wann bezeichnest du dich als clean?
- 1:01:40Ja, noch gar nicht. Ist jetzt schwer
- 1:01:45nachzuvollziehen, aber ich werde noch substituiert.
- 1:01:49Ja, aber ich glaube vorhin irgendwann hatte ich die Frage
- 1:01:51mehr oder weniger anders gestellt.
- 1:01:53So von wegen. Müsste ich jetzt zurückspielen?
- 1:01:57So richtig clean und so richtig zufrieden und so, dass ich das
- 1:02:01empfunden habe und mich auch darüber gefreut habe, wo ich
- 1:02:04wirklich von allem. Weg war, wann, wann, wann warst
- 1:02:06du von allem weg, was, was Kokain, Heroin von. 2011 bis
- 1:02:102017. Warst du weg?
- 1:02:12Und wann hast du jetzt definitiv das letzte Mal wirklich Drogen
- 1:02:17genommen? Vor anderthalb Jahren.
- 1:02:18Vor anderthalb Jahren ok, und dann fing auch quasi mehr oder
- 1:02:21weniger die Substitution an. Ja, ja, ja, ja.
- 1:02:27Ich bin dann in Substitution und habe dann noch eine Therapie
- 1:02:30gemacht. Ja, hat mir nicht so viel
- 1:02:36gebracht für mich, aber für mich war das ich habe diese Therapie
- 1:02:39gemacht, um mein Kind zurückzubekommen und um Abstand
- 1:02:42zu den Leuten und zu meinem Umfeld zu bekommen und ich und
- 1:02:45mich erstmal wieder neu zu sortieren, dafür habe ich diese
- 1:02:486 Monate therapiezeit genutzt um mich erstmal wieder.
- 1:02:52Vernünftig auf die auf eine gerade Spur zu bekommen und
- 1:02:55nicht mehr, dass ich so nach rechts und links und ich weiß
- 1:02:57nicht wo ich hin will. Was war der Auslöser vor 3
- 1:03:03Jahren? Mein Kind, also das war du
- 1:03:07selber, warst du dir in dem Moment egal oder hast du dir
- 1:03:12auch gesagt, so, ich meine die Frage hat man mehr oder weniger
- 1:03:15schon mal, aber nicht so explizit, sondern du sagst okay
- 1:03:18du wolltest dein Kind wieder haben.
- 1:03:21Aber hast du dir selber auch gesagt, Hör mal, Anja, das geht
- 1:03:25so nicht mehr, du machst dich kaputt, jetzt kannst du
- 1:03:30losgelöst. Von deinem Kind.
- 1:03:31Aber dafür brauchte ich halt erstmal.
- 1:03:32Ich glaube, dafür musst du das mit meinem Kind passieren, um
- 1:03:37dass ich das auch so sehen kann. Dass das so nicht weitergehen
- 1:03:41kann, dass ich nicht nur mich gefährde beziehungsweise mal
- 1:03:46anders, dass ich nicht nur, dass ich andere damit schwerwiegend
- 1:03:49gefährde und eventuell was das, was mit meinem näheren Umfeld,
- 1:03:57meiner Familie macht und dann auch halt ja mit mir so, ich
- 1:04:03meine. Mir war also, das sag ich auch
- 1:04:06immer wieder, das musste, das musste alles so kommen, wie es
- 1:04:09kam, damit ich für mich sagen kann, ich hab die Schnauze voll,
- 1:04:14es bringt mir nichts mehr. Davon werden die Drogen immer
- 1:04:19beschissener. Wieso?
- 1:04:23Das schmeckt mir nicht. So, so ungefähr es ein
- 1:04:27Schweinegeld kostet. Obwohl ich ganz blöd jetzt sagen
- 1:04:31muss, mittlerweile ist der Markt so übersättigt aus Kolumbien,
- 1:04:35also weil sie zufällig aus sicheren Quellen, das kann man
- 1:04:39das jetzt. Zu sagen, dass momentan sehr
- 1:04:41viel reines Zeug unterwegs ist. Ja, ich hab da auch schon von
- 1:04:44gehört, aber auch das Triggert mich also.
- 1:04:46Mich auch gar nicht. Gar nicht.
- 1:04:48Ich denke so ja, sollen sie alle machen, wie sie lustig sind,
- 1:04:51aber komm damit nicht zu mir, klingel damit nicht an meiner
- 1:04:53wollte. Ich gerade sagen aber.
- 1:04:54Jetzt warte ich mich damit nicht.
- 1:04:56Zu. Aber jetzt komme ich, deswegen
- 1:04:58beziehe ich das so ein bisschen mit ein, dass das jetzt alles so
- 1:05:00gut ist. Das Zeug, was am Markt ist.
- 1:05:02Was wäre, wenn es vor anderthalb Jahren auch so gut gewesen wäre?
- 1:05:05Und ist trotzdem so gekommen wäre, wie es gekommen ist.
- 1:05:08Nee, nee, du hättest vor anderthalb Jahren wirklich gutes
- 1:05:11Zeug gehabt, so reinheitsgehalt. Wirklich so bei 80% 60% 70% weiß
- 1:05:15ich nicht. Es hätte ja nichts daran
- 1:05:17geändert, dass die Situation danach so gewesen ist, wie sie
- 1:05:19gewesen ist. Mit meinem Kind und dem Ganzen.
- 1:05:21Allen ne, so ein Bike da reingehauen wurde.
- 1:05:23Würde ich gerade sagen, ja, aber hättest du dieselbe, dieselbe,
- 1:05:26dieselbe? Ja, weil ich in, weil ich in der
- 1:05:30Zwischenzeit auch schon oft an gute Drogen gekommen bin.
- 1:05:33Das wollte ich wissen und aber. Aber mir das wirklich alles
- 1:05:38nichts mehr bringt, außer dass es mir mein Geld auffrisst und
- 1:05:43meinen Kopf kaputt macht, weil ich auch durch.
- 1:05:46Drogenkonsum, das ist schon auch eine bewusste Entscheidung.
- 1:05:49Weil ich auch durch Drogenkonsum ja mittlerweile, sobald ich das
- 1:05:51konsumieren in Psychose bekomme. Die wirkt sich wie aus.
- 1:05:55Die wirkt sich wie aus, indem ich rauche und dann immer denke,
- 1:05:59da kommt jemand. Vielleicht stimmt das SEK meine
- 1:06:01Türe. Ja gut, die basiert ja auch mit
- 1:06:05dem SEK. Fände ich ja selber.
- 1:06:08Das basiert ja auch auf Fakten. So aber das, das hat man ja
- 1:06:12erlebt, aber das ist ja, aber das ist wirklich so schlimm,
- 1:06:15dass eigentlich ich mein normaler verstandener sagt.
- 1:06:18Du bist so doof, oder? Was?
- 1:06:19Jedes Mal, wenn du konsumierst hast ne Psychose, Psychose
- 1:06:22andere genießt n das du sitzt wie n Stein, da bewegst dich ich
- 1:06:26hör ja fast auf zu atmen, damit mich keiner hören kann, weil es
- 1:06:30könnte ja jemand vor der Tür stehen, verstehst du bescheuert?
- 1:06:32Ja, alles runter, Licht aus, aus, Hör.
- 1:06:34Auf ich hab Sachen erlebt, da hab ich, da ist dann jemand in
- 1:06:37die Wohnung auf einmal reingekommen, wo die Person aber
- 1:06:39wusste, dass wir da drinne sind, so Konsum.
- 1:06:42Und die Person hat mir das vorher nicht gesagt.
- 1:06:44Und ich habe gerade konsumiert und das hat richtig geknallt in
- 1:06:47meinem Kopf. Auf einmal kommt da jemand die
- 1:06:48Wohnungstür rein, ich schwöre es dir, mein Herz ist fast stehen
- 1:06:51geblieben und das hat das nur noch verschlimmert.
- 1:06:54Weißt du eigentlich, dass wir diese Situation mal zusammen
- 1:06:56hatten, die du jetzt gerade beschreibst?
- 1:07:01Das kann sein. Erinnere dich mal in dem
- 1:07:03Tattooladen, als es sonntags morgens, dann ist mein
- 1:07:07Unterschenkel tätowiert worden und als es plötzlich klopfte an
- 1:07:10der Tür und der Kollege, dann kann ich den Namen ruhig sagen,
- 1:07:13Mike damals alles ins Klo geschmissen hat, was da war, ja.
- 1:07:16Ja, ja, ja, ich kann mich vage dran erinnern.
- 1:07:19Ja, ja. Aber das ist, das ist ja keine
- 1:07:21Ahnung, da waren wir jung, sehr jung.
- 1:07:24So aber daran. Wir hatten ja trotzdem nicht
- 1:07:26viel miteinander zu tun, aber da gab es ja in dieser Tattoo laden
- 1:07:28war ja so ein zentraler Treff. Damals schon.
- 1:07:30Und? Da traf sich ja Hinz und Kunz,
- 1:07:32der Mike. Wir hatten ja untereinander alle
- 1:07:34irgendwie nicht viel miteinander zu.
- 1:07:36Tun aber da, ja. An diesem, an diesem Tag, an
- 1:07:38diesem Wochenende zentrierte sich alles.
- 1:07:39Da sind irgendwie geblieben und haben Drogen genommen.
- 1:07:41Ja, jeder ja, so, und dann klopfte es sonntags.
- 1:07:44Morgens ja, ja, in. Den Tattooladen.
- 1:07:46Wir wissen bis heute nicht, wer das war.
- 1:07:47Und das kann ja auch nur n Scherz gewesen sein.
- 1:07:49Weißt du so n. Oder jemand, der wirklich rein,
- 1:07:51den man vielleicht eingeladen hat.
- 1:07:52Vielleicht wollte der was bringen, aber alle waren so
- 1:07:54verballert jetzt ist. Aber keiner mehr den.
- 1:07:56Unterschenkel hab ich bis heute so gelassen, der ist völlig
- 1:07:58völlig. Ich nenn es abstrakte Kunst der.
- 1:08:01Unterschenkel war es ja auch, der hat ja aus, der hat ja ein
- 1:08:04Bild genommen, hat das in kleine Teile geschnitten, ich weiß das.
- 1:08:06Weiß ich nicht mehr. Ich aber und hat das dann auf
- 1:08:09deinem Unterschenkel. Zusammengesetzt.
- 1:08:11Das hat ja alleine schon zweieinhalb Stunden gedauert,
- 1:08:13bis der das auf deinem Bein. Hat, und da sind nur noch da,
- 1:08:17sind jetzt kaputte Linien drauf, die überhaupt keinen Sinn
- 1:08:19machen. Du hast, ich glaube 11 Stunden
- 1:08:21an dem Tag da gesessen. Du kannst danach noch nicht mal
- 1:08:24mehr laufen, weil dir das Bein so weh tat.
- 1:08:25Naja ich weiß ja ich auch als wäre es gestern gewesen.
- 1:08:30Pass auf. Eine Frage habe ich noch genau
- 1:08:32die letzte Zigarette. Genau.
- 1:08:35Die Zigarette danach quasi. Wenn du jetzt dein jüngeres ich
- 1:08:42treffen würdest, such dir irgendwas aus.
- 1:08:48Was würdest du dem sagen? Hol dir Hilfe.
- 1:08:57Dann ist dein jüngeres ich ja schon was älter.
- 1:09:00Dann ist dein jüngeres ich schon quasi in der Sucht drin.
- 1:09:04Was würdest du dem ganz Jungen, was würdest du der kleinen Anja?
- 1:09:08Und ich dachte, mit 12 hatte ich so im Kopf, so 1112.
- 1:09:14Hättest du da schon Hilfe gebraucht?
- 1:09:15Das weiß ich halt eben nicht, ne, aber eventuell schon, weil
- 1:09:20ich tendiere dazu, dass sich das ja vorher schon irgendwie
- 1:09:22angebahnt hat, so auch in meiner Freundeskreiswahl so, ich hatte
- 1:09:27ja nie mit normalen Leuten. Zu tun.
- 1:09:28Dankeschön. Du bist doch auch nicht ganz
- 1:09:32dicht. Sagen die.
- 1:09:35Dann irren anscheinend auch. Zettel, der Fragen
- 1:09:39weggeschmissen. Wir sind durch.
- 1:09:40Ja, wir sind durch durch, also noch durch.
- 1:09:42Aber wie wir ohnehin schon vorher waren.
- 1:09:44Das waren jetzt insgesamt, wenn wir alles zusammenrechnen, plus
- 1:09:48die Outtakes. Und das waren dann schon
- 1:09:50zweieinhalb intensive Stunden, muss man sagen, die mich
- 1:09:54teilweise auch echt die Sache, was dich jetzt angeht, aber
- 1:09:58generell auch, wie ich dir vorhin sagte oder letzte Woche.
- 1:10:02Ich hab n Kloß im Hals, die einen noch mal ganz anders
- 1:10:04berühren, wo ich auch ne neue Draufsicht kriege und vielleicht
- 1:10:09die Leute die das hören. Und wenn ihr Leute in der Stadt
- 1:10:11seht, die ihr als Junkie betitelt, vielleicht einfach mal
- 1:10:16nicht abstempeln, sondern mal sich.
- 1:10:18Kurz Gedanken darüber machen, warum sitzt der da, die Leute.
- 1:10:21Natürlich kann man denen nicht helfen.
- 1:10:23Nee, aber die Leute, die wir als Junkie, ich gehöre ja mit dazu,
- 1:10:27dass ich manchmal, dass ich dann so denke, boah, das ist ein
- 1:10:30dreckiger Junkie, weil Junkie ist ja nichts anderes wie
- 1:10:32dreckig. Hast du jetzt auch verurteile?
- 1:10:35Nee, ich habe, nein, ich habe keine Vorurteile.
- 1:10:38Aber oder Kategorisierst? Ich denke mir.
- 1:10:42Was muss schief gelaufen sein, so gravierend bei ihm oder ihr
- 1:10:45schief gelaufen sein, dass sie in die absolute emotionale und
- 1:10:49körperliche Verwahrlosung geraten ist?
- 1:10:52Ja, das hast du ja nicht gemacht, ne?
- 1:10:53Nein, wusstest du nicht und ich denke, dass.
- 1:10:55Du Junkie Deluxe? Oder warst du eigentlich einer
- 1:10:59von denen nur in anderen Klamotten?
- 1:11:02Ja, ich war einer von denen. Nur in anderen Klamotten, weil
- 1:11:05die emotionale Verwahrlosung war ja bei mir auch ne so, dass.
- 1:11:10Das einzige, was bei mir geblieben ist, dass ich mich um
- 1:11:12mich gekümmert habe und immer dazu beigetragen habe, dass ich
- 1:11:15eigene 4 Wände um mich herum habe.
- 1:11:17Ne, ja und meine Wohnung. Also du warst, ich glaube, ich
- 1:11:22glaube also der tun sich ja jetzt gerade bei mir schöner
- 1:11:24Fragen auf. Vielleicht machen wir noch mal
- 1:11:27irgendwann eine Sendung, wenn ich wieder ein paar Fragen
- 1:11:29zusammen. Mache nein, ich habe noch nie
- 1:11:30auf der Straße gelebt. Jetzt hast du schon mal eine
- 1:11:34Frage weggenommen. Du bist auch dusselig, echt du.
- 1:11:38Ja nee, aber das ist ja, aber man verbindet das damit.
- 1:11:42Also ich, wenn du mich fragst, ne, ich gehe Frankfurter
- 1:11:47Kaiserstraße, ich gehe am Doppersberg her und für mich
- 1:11:50sind die Junkies in Anführungszeichen obdachlos,
- 1:11:54also. Du bist ja nicht der Einzige,
- 1:11:57das ist ja, das ist ja das, genau das ist dieses Klischee,
- 1:12:01aber Sie fragen, fragen wir mal anders, warum sollte sich denn
- 1:12:05jemand, der noch nie in seinem Leben mit so was zu tun hatte,
- 1:12:07Gedanken darüber Gedanken darüber machen, was ist bei ihm
- 1:12:10schief gelaufen, warum hat er keine Wohnung, warum wäscht er
- 1:12:13sich nicht mehr? Das ist ja, das ist ja was, das
- 1:12:17sieht man. Natürlich macht sich keiner
- 1:12:20darüber Gedanken. Wie geht es einem Borderliner,
- 1:12:22wie geht es einem ADHS ler, wie geht es einem psychisch
- 1:12:24Erkrankten generell, wie geht es einem Psychopathen, weil man das
- 1:12:29nicht sehen kann, aber einen Junkie siehst du, du siehst und
- 1:12:33kannst ihn sofort einordnen, auf jeden Fall, dass er Alkohol
- 1:12:36Drogenprobleme hat, was auch immer, und dann kann man sich
- 1:12:40schon eher darüber Gedanken machen als über die Dinge, die
- 1:12:42man nicht sehen kann. Ich kenne auch, ich weiß was du
- 1:12:46meinst. Ich kenne auch Leute, die.
- 1:12:48Die sind obdachlos und den siehst du das nicht an, weil es
- 1:12:51ja auch in Wuppertal Anlaufstellen gibt, wo du deine
- 1:12:55Anziehsachen waschen kannst, wo du Duschen gehen kannst, wo du
- 1:12:58was zu essen kostenlos herbekommst und und und.
- 1:13:00Also was ja du, also du musst nicht verwahrlosen, wenn du
- 1:13:06keine Wohnung hast. Du kannst.
- 1:13:09Kriegst du sogar bei diesen Anlaufstellen drumbratung Gleis
- 1:13:131 und und und bekommst du sogar, wenn du auf der Straße lebst, so
- 1:13:17kleine Kosmetikbeutel. Da ist dann eine Haarbürste
- 1:13:21drin, ein Kamm, Seife zum Beispiel, Deo.
- 1:13:25Ja, wir haben ja auch Kleiderkammern, da kriegst du
- 1:13:28auch kostenlos Kleider und da kannst du, kannst du auch Glück
- 1:13:31haben, dass da vielleicht mal ein Schlafsack bei ist oder ein
- 1:13:34Zelt. Krass.
- 1:13:37Alles krass. Also ich muss sagen, das war ein
- 1:13:41ziemlich geiles Gespräch mit dir.
- 1:13:42Sehr sehr schön, wirklich ein richtig, richtig ehrliches,
- 1:13:46tiefes Gespräch. Mir hat das auch viel Spaß
- 1:13:48gemacht. Das freut mich, das freut mich
- 1:13:51und. Ich hoffe, dass ich.
- 1:13:52Glaube aber bei mir sind tatsächlich vielleicht bei allen
- 1:13:54anderen auch, ihr könnt das gerne in sämtliche
- 1:13:57Kommentarspalten die ihr findet, reinschreiben.
- 1:13:59Was habt ihr für Fragen? Ich bin mir fast sicher, da
- 1:14:04kommen noch viele viele Fragen zusammen, die man so überhaupt
- 1:14:06nicht am Schirm hat. Vielleicht.
- 1:14:09Bewegt das ja den einen oder anderen jetzt auch mal, um
- 1:14:12genauer nachzudenken oder sich selbst zu überprüfen.
- 1:14:14Ja, oder vielleicht hilft es auch jemandem.
- 1:14:17Hilfe zu holen. Hilfe zu holen, der mittendrin
- 1:14:19steckt ne und das ist ist auch schön, dass du das mit den
- 1:14:23Therapien auch wirklich klar hervorgehoben hast, dass das in
- 1:14:26dem ne Suchttherapie ist was anderes als ne Psychotherapie.
- 1:14:29Ich bin nicht immer n Freund von Psychotherapien, je nachdem
- 1:14:33welches ist. Aber was sucht angeht, ist das
- 1:14:37noch mal n ganz anderes Spielfeld, wo man sich da
- 1:14:39bewegt, an dass ich mich zum Beispiel als Coach niemals
- 1:14:42ranwagen würde, weil ich dafür tatsächlich keine Ausbildung
- 1:14:45habe. Ohne fachmännische Hilfe kommst
- 1:14:49du da nicht raus. Du wirst es zwar schaffen, wenn
- 1:14:53du einen starken Willen hast. Aus eigener Kraft ein
- 1:14:57abstinentes Leben zu führen. Aber genau wie lange wird es
- 1:15:00dann dauern, bis dich das wieder einholt, weil du das, worum es
- 1:15:04eigentlich ging, noch gar nicht in Angriff genommen hast?
- 1:15:07Also den Kernpunkt der ganzen Sache?
- 1:15:11Lassen wir uns so stehen, ja, ihr lieben, das war Teil 1 und
- 1:15:17Teil 2. Wir haben dich quasi geteilt.
- 1:15:18Ja. Ja, was stell dich denn raus?
- 1:15:24So Anja, das war quasi Talente. Wenn ihr euch fragt, warum
- 1:15:28lachen die so, weil ich den richtigen Namen mal wieder
- 1:15:30gesagt. Habe die einzige die so
- 1:15:33Schusselig. Ist nein, nein, nein, das schaff
- 1:15:34ich auch. Überhaupt kein Problem.
- 1:15:36Beim Gegenhören kommt's raus. Ja gut ihr Lieben.
- 1:15:39Einen schönen Tag noch. Anja, vielen Dank gerne.
- 1:15:41Anja heißt du. Ne, ja, Anja heißt sie.
- 1:15:44Martin und ich nochmal einen schönen Gruß und mein Name ist
- 1:15:48Paul. Wir sehen uns beim nächsten.
- 1:15:50Mal Tschüss.