Latest / ntv Wirtschaft / Nur jedem Fünften reicht das Geld: So schauen wir auf unsere Rente
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- Eine neue Umfrage zeigt, wie wir alle aufs umstrittene Thema Rente schauen. Spoiler, jung wie alt zweifeln immer stärker am System. Vorher aber schauen wir noch kurz in die USA. Nach SpaceX will jetzt auch Anthropic an die Börse. Und damit steht die nächste gewaltige KI-Bewertung vor dem Realitätstest. Und beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum geht es um 35 Jahre Aufholjagd und die Frage, was im Osten weiter fehlt. Hallo! In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Wir starten mit Anthropic, also dem Entwickler des Chatbots Claude und damit einem der großen Konkurrenten von OpenAI. Anthropic hat in den USA vertraulich einen Antrag für einen Börsengang eingereicht. Details zum Volumen oder zu den Bedingungen gibt es noch nicht, aber die Wall Street schaut jetzt ganz genau hin. Denn der Börsengang könnte einer der größten in diesem Jahr werden und gilt schon jetzt als neuer Meilenstein im großen KI-Wettlauf. Ende Mai hat Anthropic in einer Finanzierungsrunde 65 Milliarden Dollar eingesammelt. Dabei wurde das Start-up mit 965 Milliarden Dollar bewertet, mehr als der Chat-GPT-Entwickler OpenAI. Auch der bereitet sich übrigens auf sein Börsendebüt vor. Und Elon Musks SpaceX mit der KI-Firma XAI könnte schon in ein paar Wochen an die Börse gehen. Investoren wetten auf die KIs, auf neue Geschäftsmodelle und riesige Produktivitätssprünge. Kritiker zweifeln aber, ob die zig Milliarden an Investitionen in KI-Infrastruktur irgendwann auch wirklich wieder zurückfließen. Corinna Wohlfeil hat darüber mit Christoph Schallast von der Frankfurt School of Finance and Management gesprochen. Ja, und wir wollen natürlich rauskriegen, Hype oder Chance für Anleger. Herr Schallers, diese Billionenwerte, die da kursieren, ich meine, das ist ja nicht das Geld, was benötigt wird, das ist dann der Wert des Unternehmens. Ist das alles noch rational und vernünftig? Naja, wir stehen vor einer weiteren industriellen Revolution. KI, AI wird wirklich unser Leben vollständig verändert. Und dass man darauf dann setzt in einer solchen Situation, ist absolut nachvollziehbar. Man muss aber auch sehen, dass letztendlich der Wettbewerb unter den verschiedenen Anbietern sehr groß ist. Ja, aber dennoch, verdient denn schon irgendjemand Geld mit diesem Thema? Wenn ja, wer? Nein, im Augenblick geht es vor allem darum, dass man damit Geld verdienen kann. Und man wird damit Geld verdienen, weil jeder wird damit arbeiten. Es ist überall schon im Einsatz, man merkt das noch gar nicht. Und ich glaube, die Chance, Geld zu verdienen, ist sehr groß. Nur die Frage ist, wer wird am Schluss letztendlich der Sieger sein? Und wer bleibt auf der Strecke? Wie finde ich das heraus? Ha, das ist eine gute Frage. Ich habe mir mal im Vorfeld angeschaut, wenn Sie in Google investiert hätten, als Sie Ihren Börsengang gemacht hätten, hätten Sie ein super Geschäft gemacht. Bei Amazon auch. Aber es gab auch viele Wettbewerbe. Nein, das ist schwer zu sagen. Da muss jeder, glaube ich, seinem eigenen Näschen vertrauen. Also ist es eine Chance für Anleger, jetzt bei so einem Börsengang mitzumachen? Sollten Privatanleger dabei sein oder lieber Finger weg? Also ich sage, das ist ganz klar eine Chance für institutionelle Anleger. Das ist eine Chance für große, erfahrene Anleger. Aber für den Einzelanleger, ja, das ist so ein bisschen, würde ich sagen, Risikobereitschaft. Es kann ein ganz, ganz toller persönlicher Erfolg sein. Da kann viel werten. Ich hatte eben von Google oder Amazon gesprochen. Es kann aber auch ein Verlust sein. Deswegen würde ich nicht zu viel investieren. Also das klingt nach Casino. Die Frage ist, ist denn insgesamt überhaupt so viel Geld da, um diese Börsengänge zu finanzieren? Man sieht ja schon, dass andere Unternehmen, Beispiel Amazon, sich jetzt plötzlich Geld auch am Kapitalmarkt besorgen. Steckt da die Sorge dahinter, dass es irgendwann nicht mehr reicht für alle? Also ich glaube, diese Summen sind wirklich so groß, wie wir sie eigentlich noch nie gehört haben. Wir haben drei Billionen Börsengänge in den USA vor uns. Und da kann man schon mal drüber nachdenken, ob der Kapitalmarkt überhaupt in der Lage ist, dieses Geld bereitzustellen. Nur es gibt keinen größeren Kapitalmarkt als die USA. Was sind die Nutznießer dieses Trends nebenbei? Ich meine, wir haben jetzt die ganzen Chip-Produzenten alle entweder gesehen, die profitieren weiter anscheinend. Wir haben die KI-Entwickler gehabt. Aber in dieser Nutznießer-Kette sind ja noch viele andere, diese Boom-by-Rechenzentren, sind es Netzwerke, Prozessoren. Was ist es? Speicher? Also ich hoffe, am Schluss wird auch die Wissenschaft und die Forschung gewinnen, weil wir müssen ja unglaublich viel Forschung da reinstecken. Und es gibt jetzt einen Wettbewerb, in Europa ist man aufgewacht. Wir sind zwar noch viel, viel kleiner, versuchen aber auch aufzuschließen. Und ich hoffe insoweit, dass Forschung und Entwicklung der Sieger sein wird, weil das ist das Beste für alle. Aber in Forschung und Entwicklung kann ich nicht investieren. Sie können als Investor nicht investieren, aber die Unternehmen geben ihr Geld da rein. Und da würde ich drauf schauen, wer der am weitesten vorne ist, wer letztendlich die besten Teams hat und die besten Verbindungen. Denkt ihr, Transillican Valley ist aus der Verbindung mit einer Universität, mit Stanford. so stark geworden. Sagt jemand, der natürlich von der Franklin School kommt und daher völlig verständlich. Vielen Dank aber trotzdem für Ihre Einordnung dieser Mega-Börsengänge. Ich glaube, da werden wir noch öfter drüber sprechen. Das glaube ich auch. Von der großen KI-Wette an der Wall Street geht's jetzt nach Brandenburg. Eine Region, die man bisher ja eher nicht so mit Hightech verbindet. Und genau darum geht's dort beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Wie stark ist die Wirtschaft im Osten heute und was ist noch zu tun? Mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung fällt die Bilanz auf den ersten Blick beeindruckend aus. 1990 lag das Wirtschaftsniveau im Osten bei nur einem Drittel des Westens. Heute sind es 85%. Viele Unternehmen haben investiert, Regionen haben sich neu aufgestellt. Aber es bleibt eben noch immer eine Lücke. Und der Osten hat noch strukturelle Defizite. Darüber hat Gesa Eberl mit dem stellvertretenden Leiter der Dresdner Niederlassung des IFO-Instituts gesprochen, Joachim Ragnitz. Herr Ragnitz, auf dem Wirtschaftsforum ist ja eben viel von Aufbruch die Rede. Optimismus kann ja auch nicht schaden. Spüren denn die Unternehmen im Osten diesen Aufbruch bereits oder wird er bislang vor allem angekündigt? Der Osten ist sehr, sehr stark differenziert. Es gibt natürlich Regionen hier, wo es aufwärts geht, wo halt die Unternehmen auch wettbewerbsfähig sind, wo sie innovieren, also Innovationen haben, also das schon. Auf der anderen Seite gibt es aber eben Regionen, wo das nicht der Fall ist, wo diese ganzen Belastungen, wenig Investitionen, wenig Forschung, der demografische Wandel massiv eben zuschlagen. Und leider Gottes gibt es davon mehr Regionen in Ostdeutschland. Dementsprechend sind wir etwas pessimistisch, was die Entwicklung des Gesamtauts angeht. Wachstumspole gibt es ja, aber strukturschwache Regionen dominieren leider. Was bremst denn die ostdeutsche Wirtschaft derzeit am stärksten? Also wir haben in Gesamtdeutschland eben eine sehr, sehr schwache wirtschaftliche Entwicklung. Und dementsprechend ist dann auch der Osten davon negativ betroffen. Hinzu kommt eben, dass die ganzen Wachstumshemmnisse, die wir haben, Bürokratie, hohe Energiepreise, Arbeitskräftemangel. Die ostdeutschen Unternehmen, die in sich ja irgendwie schwächer sind, weil sie viel kleiner sind, weil sie häufig auch nicht die Kapitalausstattung haben wie westdeutsche Unternehmen, dass die davon sehr viel stärker betroffen sind, als es im Westen der Fall ist. Das heißt, die stärksten Wachstumshemmnisse aktuell sind tatsächlich starke Bürokratie, hohe und steigende Lohnnebenkosten, kommt doch hinzu. Und die Unsicherheit über den weiteren wirtschaftspolitischen Kurs. Das sind so Sachen, wo die Politik unmittelbar auch Einfluss nimmt. Jetzt war ja der Bundeskanzler ja sogar vor Ort. Er setzt auf Investitionen und Wachstum, vielleicht auch politische Orientierung für Ostdeutschland. Die Frage an Sie, ob das reicht, erst mal um die Konjunktur im Osten anzuschieben beziehungsweise welche konkreten Zusagen haben denn die beiden, also Wildberger und Merz, den Unternehmen im Osten gemacht, damit wirklich dort mehr investiert wird? Ja, das ist das Problem. Die Politik macht Ankündigungen. Wir wollen Gelder aus dem Sondervermögen ausgeben, also in die Infrastruktur investieren. Wir wollen Steuerreformen machen. Gleichzeitig gibt es dann aber auch selbst in der Bundesregierung hier wiederum Streit darüber, welche Sozialstaatsreformen man machen muss. Und man eiligt sich da nicht. Das heißt, die Politik ist bisher, erschöpft sie sich in Ankündigungen und zu sagen, was machen zu wollen. Also der berühmte Herbst der Reform nicht so gekommen ist, soll jetzt im Sommer eine Reform werden. Solange das aber nur so Ankündigungen ist und aber keine tatsächlichen Taten folgen. Also wirklich dann Sozialstaatsreform, Steuerreform, Entbürokratisierungsoffensiv. Solange sowas nicht tatsächlich in die Wege kommt, ist das alles nichts, was die Politik da macht. Da muss also jetzt auch wirklich mal, muss man da in die Böde kommen. Wir hören Sie und auch Ihren leichten Pessimismus und trotzdem die Hoffnung, das sagt Joachim Ragnitz, er stellvertretender Leiter der IFO-Niederlassung in Dresden. Und vielen Dank, dass wir miteinander gesprochen haben, Herr Ragnitz. Vielen Dank auch. Und von der Standortfrage kommen wir jetzt zu einem Thema, das uns in Ost und West gleichermaßen betrifft. Unsere Rente, über deren Reform wird diskutiert. Und eine HDI-Studie zeigt jetzt, warum das auch bitter nötig ist. Das Vertrauen in die gesetzliche Rente schwindet immer mehr, bei Jung und Alt. Beide Generationen sorgen sich, dass das Geld im Alter einfach nicht mehr reicht. Nur 22 Prozent der Befragten sagen, dass sie ihren Lebensstandard im Ruhestand ohne Abstriche halten können. Dahinter steckt vor allem der demografische Wandel. In den 60er Jahren finanzierten noch sechs Arbeitende einen Rentner, heute sind es nur noch zwei. Genau dieses Missverhältnis nennen beide Altersgruppen als Grund für ihr geringes Vertrauen. Dazu kommt der Eindruck, dass die Reform des Systems zu spät angegangen wurde. Dabei sind die Befragten offen dafür, und zwar generationsübergreifend. Wir ordnen das Ganze ein mit Holger Schmieding. Er ist Chefvolkswirt bei Bärenberg. Herr Schmieding, viele Menschen haben das Gefühl, wir arbeiten immer länger, aber die Sozialsysteme werden trotzdem löchriger. Auf Dauer müssen wir unseren Sozialstaat erheblich reformieren. Es ist völlig absehbar, dass die Alterung der Gesellschaft dazu führt, dass unsere Sozialsysteme, so wie sie jetzt finanziert werden, überlastet sind. Und das ist eine große Gefahr. Denn wenn die Beiträge immer stärker steigen, die Sozialversicherungsbeiträge, dann heißt das ja, dass für Unternehmen die Arbeitskosten steigen. Das heißt, dass Arbeitsplätze verloren gehen und es dann noch weniger Beitragszahler für das Sozialsystem gibt. Also wir müssen diese drohende Abwärtsspirale stoppen und das wird nicht gehen, ohne dass es auch bei den erwarteten Leistungen einige Abstriche geben muss, auch bei der Rente. Welche Schrauben müssen aus ökonomischer Sicht dann zwingend gedreht werden? Beiträge rauf oder Leistungen runter oder mehr Steuergeld ins System? Was ist Ihre Sicht? Mehr Steuergeld haben wir nicht zur Verfügung. Wir haben bereits ein hohes Staatsdefizit und wir brauchen jedes zusätzliche Geld im Staat, um uns gegen Russland zu wappnen und um den Staat zu modernisieren. Wir können auch die Beiträge nicht weiter erhöhen, denn das belastet die Arbeitgeber, das belastet die Arbeitnehmer, das belastet den künftigen Stellenaufbau und führt zu einem Stellenabbau. Das heißt, es muss Abstriche geben bei künftigen Leistungsversprechen. Das heißt beispielsweise, dass wir die Rente künftig oberhalb einer gewissen Mindestrente nur noch mit der Inflation steigen lassen sollten, nicht mehr mit den Löhnen. Das heißt auch, dass es mehr Anreize geben muss, später in Rente zu gehen, weniger Anreize, früher in Rente zu gehen. Und das heißt auch, dass wir gerade im Interesse derjenigen, die nicht studiert haben, die Rentenhöhe auch stärker an die tatsächlichen Beitragsjahre koppeln müssen. Und wir sprechen über das geplante Altersvorsorgedepot in dem Zusammenhang. Das soll ja noch mehr private Kapitalvorsorge ermöglichen. Ist das aus Ihrer Sicht ein sinnvoller Schritt oder kommt diese Reform eigentlich Jahrzehnte zu spät? Beides ist richtig. Es ist ein sinnvoller Schritt. Hätten wir diesen Schritt vor 20, 30 Jahren gemacht, stünden wir heute wesentlich besser da. Aber immerhin, wir fangen an. Ich bin dafür, dieses System so schnell wie möglich auszubauen. Wenn wir darüber sprechen, zusätzliches Staatsgeld in die Hand zu nehmen, dann nicht um die Rentenversicherung zu stabilisieren, sondern höchstens, um noch mehr Anreiz zu setzen, dass Menschen Geld investieren in diese zusätzliche Säule der Altersversorgung. Übrigens, laut der HDI-Umfrage wissen die allermeisten jungen Menschen zwischen 18 und 35, dass es heute umso wichtiger ist, auch privat vorzusorgen. Trotzdem tut gut jeder Dritte von ihnen nichts dafür. Also wir merken uns, wir können auch selbst was tun, auch wenn das natürlich nicht alle Probleme löst. Und damit war's das mit unserem Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.