Latest / SISOSIG Podcast / Warum eine Eisenstange im Kopf vor Gericht ein Vorteil sein kann
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- Andreas: Ach, wieder eine grandiose Folge. ganz extrem durch unsere Interview-Gästin heute, Julia. Ich fand das sehr spannend. Und wie du schon sagtest, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Fragen habe ich. Also die 735 ist auch schon... Wir sind bei 1028 inzwischen. Ich habe aber noch eine Frage. Du fandest es wahrscheinlich auch super. Wobei ich vermute, Also, weiß nicht, ob ich jetzt ein anderes Gefühl dafür habe wie eure... warte, warte, warte, warte, Moment. Ich glaube, wir haben noch was ganz Wichtiges vergessen und zwar, Julia, du hattest im Vorfeld gesagt, du hattest ein schönes Zitat, wenn es ⁓ Entscheidungen geht und das wollen wir natürlich unbedingt unserer Hörerschaft nicht vorenthalten. Julia Dust: Das ist Ja, das ist ein Zitat von einem entweder von L'Oréal oder von Otto, wobei ich nicht rausgefunden habe, wem es zugeschrieben wird. Das geht folgendermaßen. Lisa: Hallo Andreas! Andreas: Weihnachtsessen so vollstammt gehen, wenn ihr da sitzt und über alles nur nicht redet und wie das Gehirn funktioniert. Ich habe eine Frage an dich, Lisa. Und ich steige Julia sagt ja, man soll trainieren, man trifft, Entscheidungen, man gerne ändern möchte. Und mir fällt ein, als ich nach Berlin gezogen bin, nach dem Abi und war ein junger Mensch und wohnte alleine und fühlte mich zwischendurch ziemlich einsam und hab dann irgendwann gedacht, ich muss... Hallo Lisa, wie war deine Woche? Lisa: Großartig, großartig. Herrlich. Und ich würde sagen, bei der Entscheidung ob Otto oder L'Oréal sind ja eigentlich beide ganz gut, ich sagen. Andreas: Ja, genau, ich finde das. Groß ane, Woche voller Entscheidungen wahrscheinlich und das ist ein sehr holpriger, aber total cleverer Übergang zu dem, was wir hier eigentlich machen. Wir sind nämlich bei SISO SIG. Das steht für Should I Stay or Should I Go? Und SISO SIG, der SISO SIG Podcast ist der entscheidende Podcast für alle, die zu lange vor dem Keksregal stehen und sich nicht entscheiden können. Julia Dust: würde ich beiden zutrauen. Andreas: Wir finden das raus. habe das Gefühl, es klingt nach L'Oréal, aber Surbier? Weiß ich nicht, Surb, ob ich mich daran erinnere, dass L'Oréal? Julia Dust: Herr Sorbier ist tatsächlich von Otto und es gibt ja Herrn Sorbier als Standardpersönlichkeit in vielen Otto Gags. Aber wie gesagt, glaube, der ursprüngliche Gag durchaus von L'Oreal stammen könnte. Das entzieht sich meiner Kenntnis. Lisa: Genau. wir haben ja auch schon festgestellt, dass wir uns manchmal besser, manchmal schlechter entscheiden können und haben in unseren vorigen Episoden ja schon so einiges welche Entscheidungen vielleicht unbewusst sind und was eigentlich im Gehirn passiert. Und wir wollen jetzt noch mal einen Schritt weitergehen man... ⁓ Andreas: Am Wochenende habe ich dann gesagt, ich muss mindestens einmal irgendwie raus unter Leute. Und das war dann ein Konzert oder ein, ich gehe mal in eine Kneipe oder so. Und das war sehr unangenehm, weil ich halt das Gefühl hatte, alle, kommst da rein und alle unterhalten sich, alle kennen sich. Und natürlich hast du das Gefühl, die Musik stoppt und alle drehen sich ⁓ weil alle wissen, dass du der Einzige bist, der hier keine Sau kennt. So war es natürlich nicht. Aber so habe ich dann versucht zu trainieren, alleine rauszugehen. Und das hat auch ganz gut geklappt. Hattest du sowas auch? Hast du irgendwas, du, wo du versucht hast? Das ist ähnlich wie eine Coverversion in der Musik. Ja, vielleicht wie eine Coverversion in der Musik. Lisa: Das nehmen wir uns als Hausaufgabe mit, Andreas. Das finden wir raus und in der nächsten Folge erzählen wir Julia dann die Lösung. herausfinden, was haben wir eigentlich für Entscheidungsfreiheit und wie frei ist eigentlich unser unserer Wille und was passiert eigentlich mit dem freien Willen, wenn sich mal das Gehirn verändert? Warum finden wir das so spannend? Wir haben ja irgendwie vielleicht selber schon mal überlegt, ja das Gehirn irgendwie, wenn man total müde ist, dann entscheidet man sich vielleicht anders als wenn man gut und ausgeschlafen ist oder wenn man unter Medikamenten Andreas: Ja. Julia Dust: Ich bin gespannt. Andreas: Ja, so machen wir das. Alles eine Entscheidungsfindung umzutrillieren. Lisa: Ich überlege gerade, mir fallen eher so Sachen ein, dass ich dann immer sage, finde ich ⁓ scheiße. Ich habe zum Beispiel ganz oft versucht mit Yoga anzufangen und dann immer nach wenigen Minuten im Yogakurs meine Matte zusammengerollt und gesagt, finde ich alles Und ich habe auch zum Beispiel mal ⁓ Medikamenten steht oder vielleicht auch wenn depressiv ist, trifft er ganz andere Entscheidungen als wenn es ihm wieder besser geht das sind so Fragen mit denen wir uns jetzt mal beschäftigen wollen. glaube Andreas du hast da auch noch eine interessante Geschichte herausgefunden. ⁓ Ich habe mal sehr sehr nett von zwei Kolleginnen einen Kurs zum Kitesurfen bekommen. So ein Anfängerkurs, weil ich ja oft an der Nordsee bin. Und am Anfang muss man dann so den Drachen einfach nur, man steht am Strand und übt so mit dem Drachen umzugehen und dann so nach ... Julia Dust: . Andreas: Ich habe ganz viele unterschiedliche interessante Geschichten, aber apropos freier Wille, du möchtest jetzt gerne, dass ich diese Geschichte erzähle, aber ich lasse dich noch nicht, denn ich möchte vorher noch wissen, was denn dein Song der Woche war. Mhm. Lisa: Einer Minute kam dann der Trainer auch mal zu mir und ich habe ihn angeguckt und ihm diese Fäden in die Hand gedrückt und einfach nur gesagt, ne sorry, das ist nichts für mich. Mein Song der Woche, den habe ich jetzt passend zur Folge ausgesucht, muss ich sagen. Aber mich auch total gefreut, dass ich mich wieder an den Song erinnert habe, nämlich Free Styler von Bombfunk MCs. Passt natürlich auch super, weil wir ja auch gerne mal über Funk Musik reden. Also der kommt auf jeden Fall auf unsere Playlist. Andreas: Aber ist dann vielleicht deine, also hast du vielleicht, ich überlege gerade, ist ja vielleicht kein Antrainieren von ich ändere, wie ich Entscheidungen treffe. Vielleicht ist das Beispiel nicht treffend. Julia Dust: Okay. Ups. Lisa: Nee, ja, aber vielleicht hätte ich ja auch so... Stück für Stück das einfach auch mal probieren können. Und mir fällt ein vielleicht so ein bisschen gar nicht so lange her, als ich wieder angefangen ins Fitnessstudio oder zu so Sportkursen zu gehen, dass ich dann erst mal angefangen habe mit eigentlich gehe ich nur zum Dehnen und Stretchen, ⁓ erst mal auszuprobieren, wie ich mich so fühle. Und dann gehe ich vielleicht zum Yoga, weil das kannte ich dann ja schon zumindest ein bisschen. Und als nächstes habe ich mich dann auch tatsächlich mal getraut, was ganz Neues zu Andreas: Ja, sehr gut. Also ich habe auch einen Song der Woche und ich habe diesmal keinen Funk-Song, wobei ich in einer anderen Folge erwähnt habe, dass Funk durchaus mein Ding ist. Ich habe mir heute einen anderen Song ausgesucht von einem meiner Lieblingskünstler und zwar von Prince. Der hat auch einen Song geschrieben, der Free heißt und wir verlinken in unserer Spotify-Playliste auf die akustische Version, wo es quasi nur Prince mit einer akustischen Gitarre ist und kann ich jedem nur sehr ans Herz legen. Julia Dust: Es Lisa: ⁓ Julia Dust: Ja, hier. bin da. Guten Morgen. Ja, mein Zwang der Woche. bin natürlich jetzt gefragt worden, schon im Vorfeld und super schwierig. Lisa: nämlich das heißt nicht Ballett, aber das ist Ballett. Es hat jetzt so einen hippen Namen. Ich hab's vergessen. Bar oder so. Das klingt nicht. das ist vielleicht wirklich so dieses, ich trau mich nicht die ganz große Entscheidung und fang jetzt einen neuen Sport an, aber ich geh so Schritt für Schritt wird's immer ein bisschen neuer und unangenehmer und mehr schwitzen. Andreas: Weißt du was? Ich glaub, die Woche war so intensiv und die nächste Woche wird so super. glaub, zwei Songs reichen nicht. Ich glaub, wir brauchen einen dritten und ich sag einfach mal in den Äther, Julia, gibt's jemand, der Julia heißt und auch einen Song der Woche hat? Ja, okay. Haha! Hallo! Guten Morgen! Lisa: Das ist, glaube ich, so eine Strategie, ich durchaus auch anwende und dann eben nicht in einem großen Schritt, sondern in vielen kleinen, vielleicht eine größere Entscheidung treffe. Julia Dust: Mein Song der Woche passt eigentlich eher zur letzten Woche, wo es so unglaublich heiß war. Und das ist 36 Grad von zwei Raumwohnung. Ich muss im Vorfeld sagen, dass ich ein Boomer bin. Das heißt, ich habe immer ältere Musik zur Auswahl gehabt. Und in meinem Kopf ist immer noch diese Wahnsinnshitzewelle. Und deswegen ist das mein Song der Woche oder der Song von letzter Woche. Andreas: Ich glaube, das ist sehr clever, wenn man die Entscheidung, gehe ich heute ins Gym oder nicht, mache ich heute Fitness oder nicht, wenn man die sich antrainieren will oder die umgehen will vielleicht eher. Also mir geht es eher so, wenn ich sage, so gehe ich heute zum Sport und ich da lange drüber nachdenken kann und denke, ach, da denke ich jetzt mal drüber nach und ich setze mich mal aufs Sofa, weil da denke ich am liebsten drüber nach, dann wissen wir alle schon, das wird nie passieren. Wenn ich aber hingehe. Lisa: Sehagur! Andreas: Sehr Ja und damit danke für deinen Der kommt auf jeden Fall auf die Playlist. Aber Lisa, vielleicht kannst du kurz erklären, hast du eine Idee wer Julia ist? Lisa: Ich kläre das hier mal Julia, Dr. Julia Dust, Fachärztin von Neurologie, deswegen ein guter Gesprächspartner für alles, was im Gehirn passiert und damit auch für das Thema freier Wille. ⁓ jetzt full disclosure, Julia ist auch gleichzeitig meine große Schwester und ich hoffe einfach sehr, dass sie uns zwar jetzt viel Spannendes über das Gehirn erzählt, aber vielleicht nicht so viele peinliche Geschichten aus meiner frühen Kindheit. ⁓ Andreas: und mir damit quasi antrainiere, irgendwie jeden Dienstag, jeden Donnerstag oder ... ... oder so. Ich gehe hin ... ... und auch wenn ich nach fünf Minuten Stretchen wieder gehe, ... war ich da, ... dann habe ich mir ja schon so bisschen antrainiert, ... ich gehe da halt hin ... und ich muss auch gar nicht irgendwie das Endziel erreichen, was dreieinhalb Stunden Schwitzen ist. Und so überlistest du dich vielleicht ... und machst dann die Entscheidung hinzugehen ... oder verschiebst die Entscheidung sogar. Hingehen ist gar nicht mehr die Entscheidung, sondern die Entscheidung ist dann, ... was mache ich denn dann da? Und somit bist du dann auf jeden Fall schon mal da ... ... und da sein ist meistens eine ... Lisa: Ja. Und wie hast du... Andreas: eine Voraussetzung, ⁓ es dann auch zu machen. Lisa: Danke Julia schon mal im Voraus. Okay, auf jeden Fall haben wir jetzt ein paar Fragen an dich und wollen ein bisschen von dir lernen, was es eigentlich mit dem freien Willen auf sich hat und wie frei wir uns eigentlich so aus medizinischer Sicht überhaupt entscheiden können. Und wie hast du dein Ausgehproblem in Berlin gelöst? Oder bist du dann einfach wieder nach Hause gezogen und hast gesagt, ich gehe nie wieder aus? Julia Dust: Seid ihr nicht so sicher? Andreas: Ja, ich bin dann wieder nach Hause gezogen. Nee, tatsächlich habe ich irgendwann Leute kennengelernt und ich kann dir gar nicht mehr Also ich erinnere mich an den einen, den habe ich natürlich dann nicht kennengelernt, wo ich war. Also ich war irgendwann in so einem York-Schlösschen oder so, gibt es das in Berlin? Da war so ein Jazz-Konzert als ich dann so überwunden hatte, mich unangenehm zu fühlen, weil alle natürlich gemerkt haben, dass ich alleine war, hat keine Sau interessiert, natürlich. Aber das war mein Gefühl. Fand ich eigentlich ganz nett, da zu sitzen und der Musik zu lauschen. Julia Dust: es ist eine ganz, einfache Frage. Kann ich in einem Satz beantworten? ⁓ Lisa: Was? Andreas: Ja, ich dachte, ich mach's dir vielleicht ein bisschen leichter und ich erzähl diese Geschichte, die Lisa eben schon angekündigt hat, damit wir vielleicht einen Referenzpunkt haben oder nicht. Vielleicht hast du auch drei andere Geschichten, die das besser erklären, was du sagen möchtest. Aber wir haben diese Geschichte gefunden von einem Eisenbahnarbeiter, dem tatsächlich eine Eisenstange durch den Schädel geschossen ist bei der Arbeit. Finneas Gage heißt der, wenn ich ihn richtig ausspreche. nee, der Trick war mit der Mitfahrerzentrale, das gab es damals noch, Leute kennenzulernen, besonders einen. Grüße an Jörg, der mich mitgenommen hat nach Bremen damals. Und über Jörg habe ich dann Markus kennengelernt. Und Markus war jemand, der ganz umtriebig war und ständig irgendwie ausgegangen ist. Und er hat mich da mitgenommen. Und über Markus habe ich dann Babsi kennengelernt. Über Babsi habe ich dann ihre Schulklasse kennengelernt. die hatten gerade Abi gemacht. Und plötzlich kannte ich ganz viele Leute. Und dann war das einfacher. Aber ich fand's schon ... Erstaunlicherweise hat diese Person Und man hat aber festgestellt, also das Umfeld hat festgestellt, diese Person ist danach viel impulsiver, aggressiver und sogar unzulässiger geworden. Und seine Bekannten haben gesagt, der ist irgendwie nicht mehr Und da stellt sich natürlich die Frage, wie sich so eine Persönlichkeit durch so eine Gehirnverletzung verändern kann und wie stabil unser Ich und damit auch unsere Entscheidungen quasi sind. Weil ich vermute mal... Lisa: Bis! Andreas: Wichtig irgendwie nicht die ganze Zeit zu Hause zu sitzen und fernzusehen. Also irgendwie ich weiß gar nicht wirklich, was das mit Entscheidungen zu tun hat, aber bestimmt irgendwas. Lisa: Doch, es ist ja schon... Ich meine, du hättest ja dich auch entscheiden können nach der ersten unangenehmen Erfahrung irgendwie zu sagen, ich probiere das nicht mehr und irgendwie braucht es dann vielleicht kleine Anstöße oder Mut eben noch mal mitzugehen und irgendwie... Andreas: bestimmte Entscheidungen, wie Lisa am Anfang ja schon gesagt hat, hängt deutlich davon ab, wie man so generell, was für eine Person man ist. Ist man eher schüchtern und zurückhaltend oder ist man eher mutig und nach vorne Und aber einen Schritt zurück mit dieser Geschichte erst mal zu dir. Du bist Ärztin und kennst dich ganz wahnsinnig gut mit dem Gehirn aus. ⁓ Julia Dust: Ich würde sagen, wir müssen das ein bisschen sortieren. Ich würde jetzt erst einmal auf die Geschichte eingehen von dem Eisenbahnmenschen. Lisa: ein bisschen zu überlegen, so hey, ich überleg mir das nochmal und ich versuch's nochmal. Ich find, das passt eigentlich schon und ich bin sehr froh, dass du dich traust auszugehen. Und guck mal, neulich warst du doch sogar bei einem Konzert im Olympiastadion und da waren tausende Menschen und die kannten sich vielleicht auch alle und du warst der einzige. Nee. Ach, sehr gut. Ja, das geht natürlich auch. Andreas: Ist denn freier Wille und Entscheidung, ist das was, dir eigentlich im medizinischen Alltag begegnet oder ist das eine Sache, die dich eher privat interessiert? Tausende. Nee, ich hatte ja Familie mit, glücklicherweise. Ich habe ja mein Support-Team dabei. Lisa, hast du irgendwas von Julia mitgenommen? Oder ich vermute mal, ihr redet nicht oft über das Gehirn, wenn ihr als Familie unterwegs seid. Mhm. Julia Dust: dem passiert oder widerfahren ist, relativ typisch für einen Schädel-Hirntrauma oder eine Verletzung im Gehirn, wenn es das Frontalhirn betrifft. Das Frontalhirn ist vorne, das ist sozusagen ein sehr junger Anteil des Gehirns, wo die Persönlichkeit sitzt, ⁓ das mal ganz platt zu formulieren. Und jemand, der dort eine Verletzung hat oder auch einen Schlaganfall hat oder einen Hirntumor hat, der verändert tatsächlich seine Persönlichkeit. ⁓ Lisa: ⁓ Tatsächlich erstaunlich oft, weil Julia nicht die einzige Medizinerin in meiner Familie ist und ich erinnere mich durchaus an Situationen, wo wir irgendwo saßen und nur so medizinische Fachbegriffe hin und her geworfen wurden und ich immer so dachte, ⁓ aha. Aber ich habe ganz viel mitgenommen, was die verschiedenen Teile des Gehirns angeht. so bisschen wusste ich das auch, aber wie das so zusammenhängt und wie das auch ist, ⁓ Julia Dust: Das kann sein, jemand, der vorher eher extrovertiert war, lebendig, dass der sich eher zurückzieht, keinen Antrieb mehr hat. Oder umgekehrt kann das auch passieren, dass jemand aggressiv wird, Dinge erzählt, andere Leute beschimpft und sehr unflähtig wird. Das sind Sachen, die passieren können, wenn das Frontalhirn betroffen ist, welches nur einen Teil unseres Gehirns ausmacht. Lisa: wenn man älter wird und auch gerade irgendwie dieses Thema freier Wille, natürlicher Wille, dass das eher so juristische Begriffe auch sind. da würde ich auch unbedingt gerne noch mal tiefer reingehen. Vielleicht laden wir wirklich mal einen Anwalt oder so einen Gutachter oder weiß ich nicht was ein. Also ich würde sagen eine super Balance aus. Ich habe viel Neues gelernt und ich habe aber auch neue Ideen bekommen, was ich noch alles lernen will. Andreas: Ja. Und du sagtest, ist der junge Teil, also das ist die Sache, nicht, wir haben das nicht das Reptilien-Brain, was irgendwie sagt, so wie können wir atmen und so die automatischen Sachen. Julia Dust: Ja. Genau, wir haben auch ein Reptilien-Brain, das wäre auch schlecht, wenn wir das nicht hätten. Das Gehirn ist das Gehirn ist kompliziert. Es gibt ein sogenanntes Stammhirn, das ist entwicklungsbiologisch der älteste Teil des Gehirns. Das haben auch Reptilien. Dort findet man Atmung, Kreislauf, sag mal niedrigere Funktionen, die man überhaupt braucht, ⁓ ein Lebewesen zu sein. Andreas: Ja, ich würde mich auch noch mal freier Wille als Thema, genau, gibt es juristisch, gibt es vielleicht auch biologisch, wenn bestimmte Synapsen feuern dann war das mein Wille, aber natürlich auch Lisa: Haha Und natürlich philosophisch kann man das auch noch mal. Andreas: Genau. Genau, war das, wo ich versucht habe, meine Gedanken zu sortieren, zu sagen, na wenn ich selber vielleicht auch juristisch nicht meinen freien Willen lebe, aber für mich selber ist das so. Ich denke an demente Personen oder so, wo ich denke, man guckt da von außen drauf und sagt, sicherlich ist das nicht deine Entscheidung. Und die Person selber, ich weiß nicht mehr, wer es war. Es ging ⁓ demente Personen und Julia Dust: Und dann geht es entwicklungsbiologisch immer höher. Das heißt, je weiter das Gehirn gewachsen ist im Laufe der Evolution, umso komplexer werden die Funktionen. Also das geht dann zum Beispiel Richtung Bewegung, dass man seine Gelenke, seinen Körper bewegen kann, Richtung Gleichgewicht. Das ist auch bei Tieren sehr gut ausgeprägt. Das Kleinhirn und eben das, sag ich mal, Cortex, also das Gehirn, was dem Menschen dann entspricht. Lisa: Mmh. Mh. Andreas: fragte jemand anders, der jemanden mit dem in der Familie hatte, wie geht es denn deiner Mutter oder deinem Vater? Und die Antwort war so was wie, weiß ich nicht, wenn ich drauf macht sie einen glücklichen Eindruck. ⁓ Und finde, ⁓ das ich so bisschen, diese Person, die vielleicht von außen betrachtet nicht mehr Sachen so entscheidet, wie sie früher mal war, aber solange diese Person glücklich ist, scheint sie ja ⁓ Julia Dust: was sehr viel komplizierter und komplexer denken kann. es ist sozusagen evolutionsbiologisch immer so, dass es unten anfängt und dann immer komplizierter wird und man dann eben das Bewusstsein zum Schluss dazu nimmt. So kann man das vielleicht grob umreisen. Lisa: Mhm. Andreas: Und hast du in deinem Alltag viel mit Sachen zu tun, wo sich tatsächlich Persönlichkeiten ändern und was eher den jüngeren Anteil des Gehirns betrifft? zufrieden mit ihren Entscheidungen zu sein. Also, aber das findet man wahrscheinlich nie raus. Und oder man könnte das philosophisch mal betrachten. Lisa: Ja. Julia Dust: Ja, das habe ich durchaus. Eine meiner Tätigkeiten ist ja, dass ich als Neurologin zum Beispiel Menschen behandele, die einen Schlaganfall hatten. Und da sieht man das sehr eindrucksvoll, dass je nachdem, wo im Gehirn zum Beispiel eine Durchblutungsstörung ist, die Ausfälle, das Ausfälle heißt das, was nicht mehr funktioniert, Lisa: Auf jeden Fall, machen wir. Andreas: Machen wir. Wir haben ja noch ein paar Folgen vor uns. Die Philosophie machen wir auch noch. Die schreibe ich mit auf. Philosophie. Wir müssen ja immer über Persönlichkeitsstörungen sprechen. mir dabei gerade ein. Aber das ist nur so am Rande. Religie ist... ⁓ Julia Dust: ganz anders ausgehen können. Es reicht, ganz kleinen Schlaganfall, eine kleine Durchblutungsstörung im Stammhirn zu haben, also in einem älteren Bereich des Gehirns. Und eine ganze Körperseite ist gelähmt. Und es kann sein, dass man einen sehr großen Schlaganfall hat in einem Bereich des Gehirns, der, ich sag mal, nicht so wichtig ist oder nur sehr wenig Symptome hat, wo man vielleicht eine Gefühlsstörung hat oder die Hand funktioniert nicht so richtig. Lisa: Ja, religiös. Wir können das vielleicht auch nochmal von der religiösen Seite betrachten. Ach, uns fällt noch was ein, ja, würde ich sagen. Andreas: Und zwar noch was ein. Aber jetzt erst mal, ⁓ vielleicht als Tool der Woche. Wir haben ja eine Rubrik, die heißt Tool der Woche. Jingle jetzt. Irgendwann haben wir einen Jingle. Als Tool der Woche würde ich tatsächlich vorschlagen, wenn du einverstanden bist, dass wir den Rat von Julia aufnehmen, mit dem wir auch diese Nachbesprechung begonnen haben, einfach mal probieren, wenn man sagt, so mit bestimmten Entscheidungen, ich greife tatsächlich immer zu viel zu den Keksen und zu wenig zur Salatgurke. Lisa: Ding! Julia Dust: Aber ansonsten ist man relativ unbeeinträchtigt. Das heißt, je nachdem, wo im Gehirn was nicht funktioniert, kommt es nicht auf die Größe oder den Schaden an, sondern wo es sitzt. Andreas: Vielleicht diese Entscheidung mit kleinen Schritten vorzubereiten und anzuwärmen sozusagen. Lisa: Mh. Du meinst zum Beispiel einen Gurkenkeks kaufen. Andreas: Okay, also guck mal, hab schon das erste was ich gelernt habe, ist glaube ich ein Schlageinfall ist eine Übersetzung für eine Durchblütungsstörung. Guck mal. Naja, oder genau, also wenn es die Gurke und die Kekse wären, was wäre denn für mich ein kleiner Schritt? Für mich wäre vielleicht ein kleiner Schritt zu sagen, ich nehme die Kekse trotzdem, aber ich nehme zusätzlich auch eine Gurke. Und dann ist vielleicht der nächste Schritt zu sagen, okay, heute würde ich zuerst den Keks nehmen, ich lasse jetzt heute, heute mal morgen wieder anders, aber heute lasse ich mal den Keks weg und es ist nur die Gurke. Und ich gucke mal, wie das so geht. Vielleicht. Julia Dust: Ja, das ist so. Ja, das ist leider wie immer nicht ganz so. Ein Schlaganfall kann auch eine Gehirnblutung sein, was auch eine Funktionsstörung macht, was auch das Gehirn, ich sag mal, ganz platt kaputt macht und auch genauso Ausfälle machen kann wie eine Durchblutungsstörung. Beides heißt Schlaganfall. Lisa: Ja. Andreas: Ja. Lisa: Mhm. Mhm. Find's gut. Ja, machen wir. Andreas: Sind sie gut. Okay, machen wir und dann werden wir berichten. Lisa, vielen Dank. Herrlich, herrlich. Und mit Julia. Wir freuen uns darauf, dass ihr uns alle auf sisozig.podcast.gmail.com eine E-Mail schickt oder die Kommentarfunktion nutzt. Und anscheinend muss man das immer sagen. Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann kurz Pause drücken. Also erst zuhören und dann Pause drücken. Erst zuhören zu dem, was ich jetzt sage. Okay. Und wenn wir zurückdrehen auf Entscheidungen, wahrscheinlich sagst jetzt wieder, es ist kompliziert, kann ich mir auch vorstellen. Also wo sitzen denn die Entscheidungen? Und wahrscheinlich gibt es dann Entscheidungen somit, also hebe ich jetzt meine rechte Hand, ist ja weniger eine Entscheidung, als hebe ich meine rechte Hand, ⁓ die obere Packung im Keksregal zu nehmen. Lisa: Cool! Das war doch wieder herrlich mit dir! Und mit Julia! Julia Dust: Ja. Richtig! Ja, genau. Und das ist auch wieder eine komplizierte Sache. Die Entscheidung, die Hand zu heben, schon getroffen, bevor mir klar wird, dass ich die Hand heben will, zum Beispiel bei Reflexen. Also, muss die Hand heben, mich zu schützen, weil ein Stein auf mich zugeflogen kommt. Da denke ich nicht nach, wäre es sinnvoll, diese Hand zu heben, sondern ich mache es einfach. Oder ich will an das Keksregal, dann ist die Entscheidung langsamer. Andreas: ist anscheinend ganz wichtig. Und eine Person, von der ihr denkt, Mensch, das wäre doch was für die Sibylle. Diese Folge wäre was für Sibylle. Dann gerne jetzt gleich Sibylle einen Link schicken, damit Sibylle auch diesen Podcast hört. Lisa: Mhm, mhm. Andreas: Mhm. Lisa: Super, machen wir. Andreas: Na dann, schicke Woche und bis demnächst. Tschüss! Lisa: Tschüss! Julia Dust: Da kann ich zwischendurch auch noch mal zögern. Will ich den Keks? Ist das sinnvoll, den Keks zu nehmen? Und dann ist das eine andere Art der Entscheidungsfindung. Das heißt, das wird auch über andere Bahnen gesteuert. Einmal geht es noch durch das Bewusstsein durch, ist der Keks gesund für mich? Wollte ich nicht doch was Gesundes essen? Und das andere Mal ist, Stein fällt auf mich, schnell die Hand hoch. Richtig, genau. Andreas: Ja, okay. Also das ist dann eher der Automatismus. Da entscheide ich, also mein Gehirn entscheidet irgendwas, aber da ist so das, wir, was wir so besprechen hier oft in dem Podcast. Also entscheide ich mich, die Spur zu wechseln im Stau oder den Keks zu nehmen oder gehe ich heute joggen oder so. Da ist eigentlich dann immer das Bewusstsein mit dabei, oder? Julia Dust: Ja. Richtig, genau. Lisa: Wie, wenn wir uns nochmal an den Unfall von dem Bahnarbeiter erinnern, der wurde ja quasi im Frontalhirn getroffen. Kann der dann auch anders entscheiden oder hat der überhaupt eine Chance, wenn er aggressiv wird, dass er das irgendwie anders regeln könnte oder wie kann man das? Andreas: ja, Lisa? Julia Dust: Ja. Lisa: Das ist wahrscheinlich auch wieder kompliziert, richtig? Julia Dust: So sieht es aus. Das kommt sehr darauf an. Es kann wie eine Verletzung im Arm, wo sich eine Narbe bildet, das wieder regenerieren. Ein Teil des Gehirns den verletzten Teil übernehmen, indem sich neue Netzwerke bilden, neue Nervenzellen ausbilden, die sich neu verknüpfen. Sodass es durchaus sein kann, dass er in seiner Persönlichkeit mittelfristig wieder der Alte wird. ⁓ Wenn die Verletzung jedoch so groß ist, dass sich das nicht regeneriert, dass das Gehirn das nicht ausgleichen kann, dann bleibt diese Persönlichkeitsveränderung bestehen. Lisa: kann man denn dann überhaupt sagen, dass der dann noch sich frei entscheiden kann? Weil vielleicht hätte der das ja, wenn er den Dings nicht durch den Kopf bekommen hätte, ⁓ Eisenstange ja ganz anders sich verhalten. ⁓ Julia Dust: Ganz genau. möchte ich gerne zitieren. Ich habe mich tatsächlich ein bisschen vorbereitet. geht es... Die Frage ziele ich ja darauf ab, was bedeutet freie Willensbestimmung. Und das ist ein rechtlicher Begriff, der von den Juristen gerne genommen wird, auszudrücken, ob jemand für seine Entscheidung sozusagen zuständig ist. ⁓ Lisa: Hoh, vorbereitet! Andreas: Hahaha. Julia Dust: Und freie Willensbestimmung meint in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, das ist jetzt ein Zitat, seinen Willen in dem jeweiligen Bereich unbeeinflusst von der Krankheit bzw. der Behinderung zu bilden und nach den zutreffend gewonnen Einsichten handeln zu können. Das ist ein typisches Juristendeutsch. Damit beschäftige ich mich auch immer wieder. Das bedeutet, dass jemand in einem bestimmten Bereich seines Lebens durchaus seinen Willen bestimmen kann. Und in einem anderen Teil kann er das nicht. Und die Frage ist, kann er diese Entscheidung unbeeinflusst von der Erkrankung bestimmen? Und in diesem Beispiel wäre es so, mit einem Frontalhirnschaden kann dieser Mensch zwar Entscheidungen treffen, aber sie sind nicht unbeeinflusst von seiner Erkrankung oder Behinderung. bedeutet, wenn er jetzt mit seiner Hirnverletzung jemand anderen angreift, mit dem Knüppel auf ihn draufhaut, dann ist das nicht unbeeinflusst von seiner Erkrankung, sondern das ist sozusagen nicht mehr sein freier Wille. Das trifft ja vor allen Dingen auf Leute zu, die sogenannte forensische Gutachten machen. Das habt ihr sicher auch schon mal gehört. Ist der unbeeinflusst von einer Erkrankung, da gehört auch ein Alkoholkonsum dazu. Wenn jemand betrunken ist, dann ist er ja auch nicht Man sagt dann immer nicht Herr seiner Sinne und das begegnet einem tatsächlich eher in der forensischen Medizin. Andreas: ich... Also ich kann mir vorstellen, ich entscheide mich, Alkohol zu trinken und ich gehe mal davon aus, dass ich mir auch bewusst bin, was das bedeutet, nämlich dass es irgendwie irgendwann wird schwummerig und dann, wenn es ganz hart läuft, kann ich mich nicht mehr erinnern. da, da gehe ich bewusst mit ⁓ und dann nehme ich ja auch in Kauf, was dann passiert mit mir und welche Entscheidungen ich dann treffe, die eventuell nicht so gut sind. Der Döner nachts ⁓ drei ist vielleicht eher harmlos, als mich in der Schlägerei zu begeben. Aber also beides ist vielleicht dann beeinflusst von... Julia Dust: Ja. Ja? Lisa: Hahahaha Julia Dust: Okay. Andreas: Alkohol in diesem Falle ist aber ja dann vielleicht doch eine Entscheidung, die ich mit getroffen habe. Also vielleicht bin ich damit reingegangen. Wenn ich aber jetzt eine Metallstange durchs Gehirn geschossen kriege und sich mein Wesen verändert und es sich verändert, wie ich meine Entscheidung treffe. Also ich finde das ganz schwer dann zu differenzieren. Naja, vielleicht bin ich dann halt eine andere Person geworden. Also entweder werden Leute aggressiv, weil ihr Gehirn mal nur mal so gewachsen ist oder wie... wir ändern und die bleiben dann immer so oder es gibt halt Leute, die durch äußere Einflüsse eine Metallstange hoffentlich sehr selten aber dann ist doch meine neue ja also dann habe ich doch eine neue Persönlichkeit und ⁓ Julia Dust: Genau. Und die ist dann verändert und dann bist du nicht mehr unbeeinflusst von dieser Erkrankung, sondern dann ... Andreas: Aber dann könnte ich doch auch sagen, also wenn jemand sonst agriert, also nehmen wir mal an, das Verhalten ist dasselbe und jemand hatte das schon immer und jemand hat diese Stange durch den Kopf, dann ist doch die Auswirkung dieselbe und dadurch hat dann die eine Person quasi eine Ausrede rein rechtlich zu sagen, naja, gut, das ist halt diese Krankheit und die andere Person ist, ja, der war schon immer so. Julia Dust: Ja, und da ist eben der Unterschied der freien Willensbestimmung. Der freie Willen sollte unbeeinträchtigt von einer Erkrankung sein. Das heißt, das ist der sogenannte natürliche Willen, den man auch immer gerne rechtlich bemüht, wenn ⁓ ich sag mal, Abstellen von Geräten bei schwerkranken Personen Das ist der natürliche Wille, ⁓ sozusagen wird. Das hätte diese Person gerne gewollt oder nicht gewollt. Der freie Wille ist bei der ersten Person, die durch eine Verletzung beeinträchtigt ist, nicht vorhanden. Bei der zweiten Person, die einen miesen Charakter hat, sage ich jetzt mal, da ist der freie Wille vorhanden. ⁓ kann man das vielleicht befreundet. ⁓ Andreas: Okay, aber vielleicht ... Ja, ich frag mich grad, das ... Das ist natürlich rechtlich relevant, aber ich hab so das Gefühl, Wenn ich mir überlege, wie ich so meine Entscheidung treffe und worum wir ... Sachen, über die wir hier in diesem Podcast oft sprechen, dann ist es ja rechtlich. Find ich auch spannend. Vielleicht müssen wir da noch einen Anwalt dazu nehmen oder eine Anwältin. Aber eigentlich geht's ... Mir geht's halt eher um die Person als um die Auswirkung und dann die ... Julia Dust: Ja. Alles klar. So sieht das aus. Andreas: Schädigung von dritten also diese Person die jetzt nicht die den eine Gehirnverletzung erlitten hat und jetzt eine andere Person ist diese jetzt eine andere Person also das ist ja dann auch aus der trifft diese Person dann vielleicht auch Entscheidungen anders aber das ist vielleicht für diese Person dann aus Personensicht völlig normal und auch in Ordnung. Also nehmen wir mal diese nehmen wir mal diese jemand anders kommt zu Schaden nehmen wir das mal raus. Also vielleicht eher so die die Person ist vorher immer ⁓ Julia Dust: Mhm. Ja. Ja. Ja. Andreas: die Ecke auf den Campingplatz gefahren, weil sie ein Sicherheitsbedürfnis hatte und gerne wollte, wenn es regnet, dann kann ich schnell nach Hause fahren. So, und jetzt hat diese Person, ist eben ein bisschen abenteuerlustiger geworden, und jetzt geht es halt Rucksack auf dem Rücken und loslaufen. Mal gucken, ob mich jemand mitnimmt, und wenn das Geld alle ist, dann schlafe ich unterm Baum. Das ist ja per se nicht gut oder schlecht, sondern einfach nur eine andere Art der Entscheidungsfindung für diese Person. Julia Dust: Mh. Lisa: das. Julia Dust: Ja, das kann passieren, dass man Entscheidungen anders fällt, weil man in seiner Persönlichkeit verändert ist. Das gibt es auch bei anderen psychischen Erkrankungen. Dass man sich in seiner Persönlichkeit und auch in seinen Entscheidungen ändert. Man entscheidet vielleicht unreflektierter, unvernünftiger. Das ist durchaus möglich. Andreas: Leute, die zu dir kommen und sagen, sie kennen sich doch mit dem Gehirn aus, ich bin so ganz unzufrieden mit meinem Gehirn, ich würde gerne ein bisschen mutiger sein. Was kann man denn da machen? Julia Dust: Einmal mit dem Hammer draufhauen, mal gucken, was passiert. Nein, also die Frage ziehe ich, glaube ich, darauf ab, wie kann ich meine Entscheidungsfindung verändern oder wie kann ich verändern, dass ich anders entscheide, als ich es derzeit tue. Und ich glaube schon, dass man so was trainieren kann, weil man das Gehirn ja auch trainieren kann. Das heißt, man kann zum Beispiel üben. Andreas: Das ist der medizinische Rat, vermute ich, den du dann gibst. Nein, natürlich nicht, ⁓ Gottes willen. Genau. Julia Dust: Das ist ja auch eine Sache, die man zum Beispiel in der Verhaltenstherapie benutzt, Dinge an sich selber sozusagen zu arbeiten und mutiger zu werden, indem man, und so macht man es meistens, kleine Schritte macht und daran wächst und daran merkt, ⁓ jetzt bin ich schon mutig gewesen und der Campingplatz ist schon drei Kilometer weiter und das nächste Mal ist er fünf Kilometer weiter und dass man sein Gehirn damit trainiert, mutiger zu werden. Das wäre eine Möglichkeit. Andreas: Mir Lisa: da fällt mir ein, wegen Trainieren, hab ich nochmal überlegt, wie ist das denn eigentlich so, wenn man älter wird, also als Baby, ich würde jetzt irgendwie denken, wenn man das so trainieren kann, ist man als Baby vielleicht... total ängstlich und wird dann als Kind ein bisschen mutiger oder ist das eigentlich anders, dass Babys erstmal so vor gar nichts Angst haben und das dann erst lernen müssen, dass sie vielleicht auch mal nachdenken oder so? Julia Dust: Das ist eine sehr konstruierte Frage, ob ein Baby ängstlich ist. könnte so beantworten. Was man jedoch weiß, ist, dass gerade im ersten Lebensjahr, das wissen wir alle, wenn wir mal Kinder beobachten, dass es wahnsinnig schnell geht mit allem. Das betrifft ja nicht nur die kognitive Entwicklung, sondern auch die Motorik, die ja auch damit zusammenhängt. Wie schnell das geht innerhalb von einem Jahr, von einem auf dem Rücken liegenden Wesen, was nur essen und trinken oder trinken will, bis zu das aufrechte Gehen dann erlernt. Und solche Phasen gibt es in der Entwicklung des Gehirns durchaus, wo es schnell geht. Das ist in der Kindheit besonders schnell. Dann kommt die Pubertät und da sage ich immer, da werden alle Synapsen nochmal gekappt und neu zusammengewürfelt. Und danach ist es so, dass es keine lineare Verbesserung des Gehirns gibt. Es gibt so den Satz, dass man mit 21 die Höchstleistung des Gehirns erreicht hat. Wobei ich jetzt auch schon wieder gehört habe, das stimmt so nicht mehr. Damit ist eigentlich nur gemeint, da ist das Gehirn am schnellsten am Wachsen sozusagen. Da ist man am Lernfähigsten, da kann man am schnellsten Dinge verknüpfen. Und danach nimmt das wieder ab, je nachdem, wie man das Gehirn auch weiterfordert. Andreas: Mhm. Julia Dust: fördert. Lisa: Was heißt das dann für Entscheidungen? Also treffen Kinder auch schon richtige Entscheidungen? Also mit Nachdenken oder so kann man das irgendwie sagen, wann ein Kind einen freien Willen hat oder so? Julia Dust: ⁓ ein Kind hat einen freien Willen, natürlich. Und je älter es wird, umso mehr hat es Erfahrung gesammelt. Und Entscheidungen zu treffen, hat ja auch mit einer gewissen Erfahrung zu tun. Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, ich tue die Hand auf die Herdplatte, dann habe ich die Entscheidung das nächste Mal relativ einfach getroffen, dass ich das nicht nochmal versuche. Wenn ich älter bin, kann ich schon entscheiden, ich mache die Herdplatte vorher aus oder es ist... Andreas: Mhm. Julia Dust: Blödsinn, überhaupt eine Hand auf eine Herdplatte zu legen. Lisa: Ich habe vor ungefähr vier Wochen das erste Mal, also mit 46, meine Hand auf eine Herdplatte gelegt und es tat sehr weh. Und ich hoffe, dass ich mir das jetzt als quasi doch schon Erwachsene für den Rest meines Lebens merken kann. Julia Dust: Ja, Ja. Ich will dich nicht demotivieren, aber je älter du wirst und so eine Erfahrung machst, umso schwerer ist es, eine Erfahrung zu speichern. Blöd, genau. Lisa: Mist! Blöd. Andreas: Aber ich finde das ein superspannender Kleiner Diskurs vielleicht. es ja unterschiedliche Arten, mit Kindern umzugehen. Und da gehen, glaube ich, auch die Meinungen stark auseinander. Auf der einen Seite die Helikoptereltern, die sagen, die Welt heutzutage ist so komplex, dass es ganz schwierig für Kinder, richtigen Entscheidungen zu treffen. Und dem würde ich grundsätzlich auch zustimmen, dass es schwierig ist, für Kinder Entscheidungen zu treffen. Und bestimmte Entscheidungen sollten sie auch nicht treffen. der anderen Seite dieses Helikoptersyndrom, wenn ich sage, wenn ich also meine Kinder gar nicht selber entscheiden lasse und auch gar nicht selber Sachen ausprobieren lasse, dann können sie ja diese Verknüpfung gar nicht bilden. Ist das das zu einfach gedacht? Julia Dust: Also natürlich ist es besser. Man Kinder oder man lässt Heranwachsende Entscheidungen selber treffen, damit auch die Konsequenzen tragen. Und die sind natürlich auch unangenehm. Trotzdem, je mehr Entscheidungen man alleine treffen kann, umso mehr Erfahrungen macht man. Und das geht natürlich immer nur bis dahin heraus, bis die Gefährdung sozusagen zu groß ist. Also ein Fünfjährigen auf ein Klettergerüst. Lassen, nicht absturzgesichert ist, eine Erfahrung, die möchte man als Eltern nicht dem Kind überlassen. Aber ansonsten ist natürlich jede Entscheidung, die man fällt, eine Erfahrung, die man für später nutzen kann. Andreas: Also vielleicht Punkte dazu. Das eine ist Klettergerüst. Ich erinnere mich genau an eine Situation bei mir, die so gegen meinen Impuls ging und genau das, was du gesagt hast. Also wenn meine Kinder auf ein Klettergerüst gegangen sind, dann habe ich auch Impuls gekriegt. Also fand das auch nicht einfach für mich und habe aber dann ja, quasi drunter zu stehen sozusagen, also da zu sein, wenn sie denn abrutschen würden, sie nicht komplett runterplumpsen. ⁓ Julia Dust: Vielen Andreas: Und dann fiel mir ein Vater auf, der sein Kind nicht losgelassen hat. Also der hatte dann immer eine Hand am Bein ⁓ am Arm und hat dann immer das Kind irgendwie so geführt. Und mein Gefühl zumindest war, und vielleicht tue ich ihm unrecht, aber mein Gefühl war, ich hatte das Gefühl, das Kind merkt gar nicht, wie es ist, wenn es sich, sagen wir mal zum Beispiel, oben festhält und dann mit dem Fuß abrutscht. Also dann fällt noch nicht runter, aber macht diese Erfahrung zu sagen, warte mal, jetzt hat mein Körper reagiert und ich muss mit dem Fuß irgendwo anders hin. Julia Dust: Hauptsache es ist nicht ein Eisengestänge. Andreas: das wäre für mich ein Beispiel. Ja, ja, gut. Ja, genau. Lisa: Ja, genau. ich habe ja keine Kinder, aber ich habe sehr viele Bekannte, die gerade Kinder im Teenie-Alter haben und da habe ich das Gefühl, die würden sich alle wünschen, dass Teenies keine Entscheidung treffen mussten, sondern einfach nur auf die Eltern hören. Julia Dust: Ja. Ja, aber genau da sind Entscheidungen ja wichtig. Also da probiert man ja viel aus und das je mehr Entscheidungen man da sie frei treffen lässt, umso mehr wächst man auch wieder daran. Das sagt sich sehr leicht als nicht Beteiligter. Als Beteiligter ist es ganz anders. Lisa: Das ist es. Ja. Andreas: Ja, mir fiel wieder ein, woran ich eben dachte, und zwar Schulsystem. Ganz, ganz großes Thema. Und keine Angst, das wird jetzt nicht tiefenpsychologisch. Ich glaube, da gibt es ganz viel über die Schule zu sagen. Aber auch da frage ich mich, kann ich meinen Kindern ⁓ ihren eigenen Entscheidungen umzugehen? Also. Lisa: der Julia Dust: Mhm. Andreas: Die Schule ist ja darauf aus, sagen, jemand anders bestimmt, was du wann machen musst. Und dann bestimmt auch jemand anders, wie das geprüft wird. Und jemand anders bestimmt auch, ob das gut war oder nicht. Wenn ich als Elternteil, mein Kind kommt nach Hause und hat eine Eins geschrieben oder eine Fünf. Und ich als Elternteil bewerte das dann und sage, das war gut oder schlecht. Und trainiere vielleicht dem Kind damit noch mehr an, als es das in der Schule sowieso schon lernt, davon abhängig zu sein, was andere denn über meine Entscheidungen oder mein Verhalten denken. Ja, also wenn ich ich weiß gar nicht mehr selber, ob ich gut bin in irgendwas oder schlecht, weil immer irgendjemand sagt, das war gut und das war schlecht. Jetzt frage ich mich, ob in diesem Zusammenhang, wie wir gerade gesprochen haben, eigene Erfahrungen machen und daraus lernen. Ob es dann nicht vielleicht andere Möglichkeiten als Elternteil den Kindern zu helfen, mit der eins oder der fünf klarzukommen. Also vielleicht eher eine Frage stellen wie Glaubste, du hattest dich gut vorbereitet? ⁓ Oder bist du zufrieden mit dem, wie du dich vorbereitet hast und was dann das Ergebnis war? Also vielleicht dann mehr Also die Entscheidung darüber, ob sie was anders machen wollen, zu unterstützen, indem es nicht einfach heißt, ich bewerte das gut oder schlecht und du bist davon abhängig, wie ich das bewerte, sondern irgendwie so ein... Weiß nicht, ob ich mich gerade klar ausdrücke, was ich meine. Julia, hast du da... Okay, gut. Julia Dust: Nicht wirklich, nicht wirklich. Das geht ja jetzt eher in den Bereich der Pädagogik und der Psychologie. Dazu kann ich nicht allzu viel sagen, außer dass ich diese Situation einer Lisa: Haha Andreas: Sagt meine Familie auch immer. Lisa: Nöööö Julia Dust: eines Elternteils oder jemandem, der es gegenüberbildet, nachvollziehen kann. Das Gehirn sagt eigentlich, und so ist es ursprünglich mal gedacht, vom Urmenschen aus, man muss Dinge neu wagen, neu erfahren, auch Rückschläge erleben, ⁓ zu lernen. Und sonst hätten wir bis heute kein Feuer. Das heißt, evolutionsbiologisch ist es sinnvoll, zu scheitern, Dinge falsch zu machen. Und Generation davor ist es immer dasselbe, das zieht sich ja durch unsere Jahrhunderte, dass die Alten immer sagen, bedächtig sein, das kann passieren, das kann passieren. Und ⁓ Jungen sagen dann immer, ich probiere das jetzt aber trotzdem auch, auch wenn es Schwachsinn ist. Und das hat unsere Natur so vorgesehen. ⁓ damit man sich entwickeln kann, damit sich nicht nur das Individuum entwickelt, sondern letztendlich dann auch die Menschheit. Also Entscheidungen sollten immer diejenigen treffen, die es dann auch ausbaden müssen. Und bis zu einem gewissen Grad muss man das den Jungen dann auch überlassen. Andreas: ist sinnvoll. Das finde ich toll. könnte, wenn ich Spruch-T-Shirts hätte, würde das mein Spruch-T-Shirt Julia Dust: Ja, ist scheitern ist sinnvoll. Das klingt gut. Das trifft ganz gut. Lisa: Ich würde fast sagen, das könnte schon ein super Schlusswort sein. Andererseits habe ich das Gefühl, dass Andreas noch ungefähr 250 Fragen auf der Zunge brennen, während ich ja den Vorteil habe, dass ich meine Schwester jeden Abend anrufen kann und ihr komplizierte Fragen stellen kann. Also will ich dich jetzt nicht abwürgen, Andreas. Andreas: Ja. Nee, das ist alles gut, aber meine 735 Fragen, die es tatsächlich sind, habe ich notiert und vielleicht machen wir einfach nochmal eine Folge. Julia, ich fand es auf jeden Fall schon mal sehr erhellend und bin ganz dankbar, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu schnacken heute. Julia Dust: Hehe Okay. ⁓ Sehr gerne, Lisa: Dank! ⁓ Andreas: Mach's gut, tschüss!