Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Erstes Hauptstück - 28-34
Transcript
- 0:00Unterkapitel 28 verrufene Worte in diesem kurzen Kapitel wendet
- 0:07sich Nietzsche gegen die Begriffe Optimismus und
- 0:10Pessimismus. Er findet, diese Worte sind
- 0:13abgenutzt und werden nur noch von Schwätzern gebraucht.
- 0:16Nietzsche argumentiert, so Optimismus, die Lehre, dass die
- 0:20Welt gut ist, braucht man nur, wenn man einen Gott verteidigen
- 0:24muss, der die Welt erschaffen hat.
- 0:26Man muss erklären, warum ein perfekter Gott eine Welt Mitleid
- 0:30geschaffen hat. Wenn man aber nicht mehr an
- 0:32einen solchen Gott glaubt, braucht man auch keinen
- 0:34Optimismus mehr. Genauso verhält es sich mit dem
- 0:37Pessimismus, die Lehre, dass die Welt schlecht oder böse ist,
- 0:41wenn man nicht mehr an Gott glaubt, muss man auch nicht
- 0:44gegen ihn argumentieren oder behaupten, die Welt sei
- 0:47schlecht, nur um die Theologen zu ärgern.
- 0:50Nietzsche sagt, Die Welt ist weder gut noch böse.
- 0:54Diese moralischen Begriffe ergeben nur Sinn in Bezug auf
- 0:57Menschen, die Welt an sich kümmert sich nicht um unsere
- 1:00Moral. Wir sollten aufhören, die Welt
- 1:02entweder zu beschimpfen, Pessimismus oder zu
- 1:06verherrlichen. Optimismus Wir sollten die Dinge
- 1:10einfach sehen, wie sie sind, Unterkapitel 29 vom Dufte der
- 1:16Blüten berauscht, Nietzsche verwendet hier ein schönes Bild,
- 1:21um einen Irrtum zu beschreiben. Die Menschen glauben oft, dass
- 1:24sie dem wahren Wesen der Welt näher kommen, wenn sie tiefe
- 1:27Gefühle haben, wie sie in der Religion oder der Kunst
- 1:30vorkommen. Sie denken, je mehr sie fühlen
- 1:33und je weniger sie wie ein Tier nur auf Triebe reagieren, desto
- 1:37mehr verstehen Sie die Welt. Nietzsche sagt, Das ist falsch,
- 1:42Religionen und Künste sind wie der Duft der Blüten am Baum der
- 1:45Menschheit, sie sind wunderschön, aber sie sind nicht
- 1:49die Wurzel, man versteht das Wesen der Dinge nicht besser
- 1:52durch sie. Im Gegenteil, Religion und Kunst
- 1:55beruhen oft auf Irrtümern und menschlichen Erfindungen.
- 1:58Die reine Erkenntnis also. Die Wissenschaft ist nüchterner,
- 2:03sie zeigt uns die Welt vielleicht nicht so tröstlich
- 2:05und tief wie die Religion, aber sie zeigt uns die Wahrheit, wenn
- 2:10wir das wahre Wesen der Welt sehen würden, wären wir
- 2:13vielleicht enttäuscht, weil es nicht so bedeutungsvoll ist, wie
- 2:16wir dachten, die Welt, die wir uns vorstellen, die Welt als
- 2:20Vorstellung. Ist voller Farben und Bedeutung,
- 2:23aber das haben wir Menschen selbst hineingelegt.
- 2:27Unterkapitel 30 schlechte Gewohnheiten im Schließen hier
- 2:33geht es um Logik und wie Menschen falsche Schlüsse
- 2:35ziehen. Nietzsche listet die häufigsten
- 2:38Denkfehler auf erstens, Menschen denken oft, weil eine Sache
- 2:42existiert und sich hält, muss sie auch ein Recht haben, da zu
- 2:46sein, sie schließen von der Lebensfähigkeit auf die
- 2:49Richtigkeit, das ist falsch. Zweitens, Menschen denken, wenn
- 2:54eine Meinung sie glücklich macht oder tröstet, muss diese Meinung
- 2:57wahr sein. Das ist auch falsch, nur weil
- 3:01etwas nützlich ist oder gut tut, ist es noch lange nicht wahr.
- 3:05Nietzsche warnt hier aber auch die sogenannten Freigeister,
- 3:09also Menschen, die sich von Traditionen gelöst haben, auch
- 3:12sie machen Denkfehler nur in die andere Richtung, sie denken oft,
- 3:17weil eine Sache sich nicht durchsetzen kann, ist sie gut,
- 3:20oder? Weil eine Meinung Unruhe stiftet
- 3:23und wehtut, muss sie wahr sein. Auch das sind Trugschlüsse.
- 3:27Die Wahrheit ist unabhängig davon, ob sie uns glücklich
- 3:30macht oder quält und ob sie Erfolg hat oder nicht.
- 3:35Unterkapitel 31 das Unlogische notwendig Nietzsche stellt hier
- 3:42eine sehr wichtige und vielleicht schmerzhafte These
- 3:44auf, das Unlogische und irrationale ist für das
- 3:48menschliche Leben notwendig, es ist sogar gut.
- 3:51Vieles, was dem Leben Wert verleiht, unsere Leidenschaften,
- 3:54die Sprache, die Kunst. Die Religion basiert auf
- 3:58unlogischem Denken oder auf Illusionen, wenn wir alles
- 4:02unlogische aus dem Menschen herausziehen würden, würden wir
- 4:05ihn zerstören, wir würden die Dinge, die wir schön finden,
- 4:09verlieren. Nietzsche meint, dass selbst der
- 4:11vernünftigste Mensch ab und zu wieder in die Natur zurückfallen
- 4:14muss, also in seine Unlogischen Grundhaltungen.
- 4:18Wir können nicht als reine Logikmaschinen leben.
- 4:21Das Unlogische ist der Boden, auf dem Wir stehen.
- 4:25Unterkapitel 32 Ungerechtsein notwendig ähnlich wie beim
- 4:31Unlogischen verhält es sich mit der Gerechtigkeit.
- 4:34Nietzsche behauptet, dass wir Menschen gar nicht anders
- 4:36können, als ungerecht zu sein. Jedes Urteil, dass wir über den
- 4:41Wert des Lebens oder über andere Menschen fällen, ist ungerecht,
- 4:45warum erstens? Wir haben nie alle
- 4:49Informationen, unser Material ist unvollständig.
- 4:53Zweitens, wir addieren das, was wir wissen, falsch zusammen,
- 4:58drittens, wir selbst, die Richter sind nicht objektiv, wir
- 5:02haben Stimmungen und Launen, unser eigenes Wesen ändert sich
- 5:06ständig, es gibt keinen objektiven Maßstab in uns, wir
- 5:10beurteilen Dinge danach, ob wir sie mögen oder nicht, Zuneigung
- 5:14oder Abneigung, ein Trieb, der völlig objektiv abwägt.
- 5:17Existiert beim Menschen nicht. Wir sind von Natur aus
- 5:20ungerecht. Das zu erkennen, ist eine der
- 5:23größten und unlösbarsten Disharmonien des Daseins.
- 5:27Wir müssen urteilen, um zu leben, aber wir wissen, dass
- 5:30unsere Urteile eigentlich ungerecht sind.
- 5:34Unterkapitel 33 der Irrtum über das Leben zum Leben notwendig
- 5:41Nietzsche führt den Gedanken weiter, wir müssen uns irren, um
- 5:45Leben zu können. Jeder glaube, dass das Leben
- 5:48wertvoll und würdig ist, beruht auf einem ungenauen Denken.
- 5:52Er erklärt das so würden wir wirklich das ganze Leid der
- 5:55gesamten Menschheit mitfühlen und verstehen, könnten wir nicht
- 5:58weiterleben, wir würden verzweifeln, dass wir das Leben
- 6:02gut finden, liegt daran, dass unser Mitgefühl begrenzt ist.
- 6:06Wir sehen meist nur uns selbst oder unser direktes Umfeld,
- 6:10Egoismus oder wir sind Menschen, die nur auf die wenigen großen
- 6:14Ausnahmen der Geschichte schauen.
- 6:15Genies, Helden und sagen, Sieh her, so toll ist der Mensch
- 6:21dabei. Vergessen wir aber die riesige
- 6:23Masse derer, die Leiden oder scheitern, der gewöhnliche
- 6:27Mensch glaubt an den Wert des Lebens, weil er sich selbst
- 6:30wichtiger nimmt als die Welt, ihm fehlt die Fantasie, sich in
- 6:34andere hineinzuversetzen, deshalb ist der Irrtum, dass man
- 6:38selbst das Zentrum ist oder dass alles einen Sinn hat,
- 6:41überlebenswichtig. Wer wirklich die Ziellosigkeit
- 6:44der Menschheit im Ganzen sehen würde, bräuchte Trost.
- 6:48Nietzsche sagt am Ende, dass vielleicht nur Dichter in der
- 6:50Lage sind, einen Trost für diese Sinnlosigkeit zu erfinden.
- 6:55Unterkapitel 34 zur Beruhigung nach all diesen harten
- 7:01Wahrheiten, dass wir ungerecht, unlogisch und voller Irrtümer
- 7:04sind, fragt Nietzsche, wird unsere Philosophie damit nicht
- 7:08zur Tragödie? Kann man mit der Wahrheit
- 7:10überhaupt leben oder ist die Wahrheit dem Leben feindlich?
- 7:14Nietzsche gibt eine beruhigende Antwort, es kommt auf das
- 7:17Temperament des Menschen an, man könnte meinen, wenn alles
- 7:21determiniert ist und wir für nichts etwas können, kein freier
- 7:24Wille, dann darf man niemanden mehr loben oder tadeln, das
- 7:28könnte zur Verzweiflung führen, aber Nietzsche sagt, man kann
- 7:32sich auch eine andere Haltung vorstellen, ein Mensch mit einem
- 7:36sanften, festen und heiteren Wesen.
- 7:39Könnte diese Erkenntnis nutzen, um viel ruhiger zu werden?
- 7:43Er würde nicht mehr zürnen, sich nicht mehr ärgern, er würde die
- 7:47Menschen und sich selbst betrachten wie die Natur, wie
- 7:50einen Baum oder einen Wasserfall, man lobt oder tadelt
- 7:54einen Wasserfall nicht, man beobachtet ihn einfach.
- 7:58Ein solcher freier Geist würde verstehen, dass alles notwendig
- 8:01so ist, wie es ist. Er würde auf vieles verzichten,
- 8:04was anderen wichtig ist. Ehre, Rache, Leidenschaft.
- 8:09Aber er würde einen Zustand des Freien, furchtlosen Schwebens
- 8:13über den Dingen erreichen. Er würde weniger emotional, aber
- 8:17klüger und milder. Das ist die Freiheit, die
- 8:20Nietzsche dem Leser als Ziel anbietet, eine überlegene,
- 8:23beobachtende Ruhe.